Gedanken zu Plan B

NUADA

Wir alle sind vermutlich immer mal wieder in Gesprächen mit dem Argument konfrontiert: „Das mag ja alles schön und gut sein, aber eine Lösung hast du auch nicht.“ Insbesondere dürfte das denjenigen unter uns entgegenschallen, die nicht mit der Superman-Wirkung der AfD rechnen und die – wie ich – nicht nur Wahlen ganz allgemein ablehnend gegenüberstehen, sondern darüber hinaus auch nicht ganz davon überzeugt sind, dass man Dinge damit bewirken kann, indem man in großen Gruppen mit Plakaten friedlich durch die Straßen zieht.

Warum sollte das Frau Merkel stören? Ganz zu schweigen von ihren Strippenziehern. Die Antwort ist natürlich ganz offensichtlich: Es stört sie nicht die Bohne! Sie tun allenfalls ein bisschen so. Die lassen sich ja noch nicht einmal von der Antifa beeindrucken, die beim G20-Gipfel ein bisschen mehr als nur einen friedlichen Spaziergang gemacht hat.

Um es gleich vorneweg zu nehmen, ich habe wirklich keinen Plan B, der…

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Luftpost über die Kartönligeister

Luftpost aus dem Siechkobel hat mit der ursprünglich auf die AfD-PIfanten bezogenen „Kartonmentalität“ wieder ein interessantes Konzept präsentiert, und zwar in mehreren Kommentaren bei Nuada und auf „Morgenwacht“, die ich (Lucifex) hier zusammengestellt und mit zwei Bildern ergänzt habe:

 

Luftpost:

Wäre die AfD eine ehrliche Opposition, dann würde sie aufklären und nicht populistische Nebelkerzen werfen wie dieses „Merkel muss weg“. Sie hätten gerade bei der Kampagne zum Migrationspakt die Gelegenheit gehabt, auf die vielen multinationalen Verträge und Erklärungen hinzuweisen, die lange vor und dann unter Merkel unterschrieben und in den Parteiprogrammen aufgenommen wurden, um Schritt für Schritt umgesetzt zu werden.

Es gibt durchaus Dinge, die man aussprechen kann ohne gleich an die Wand gestellt zu werden.

Weshalb erklären sie nicht, wie die Globalisierung funktioniert, wie die ideologisch/moralische Vereinheitlichung durchgesetzt wird, wie die Bankenkrise zustande kam oder die Kriege in Gang gesetzt werden. Nein, sie tun so, als hätte Merkel, die mächtigste Frau der Welt, die Zerstörerin Europas, die „Flüchtlingskrise“ gemacht, und die deutschen Wähler trügen die Verantwortung dafür.

Sie könnten wenigsten versuchen, einige Mechanismen zu erklären, die dafür sorgen, dass alle Parteien sich angleichen. Aber statt das Wissen unter ihren Anhängern ein Wenig anzuheben, erzählen sie den Blödsinn von der mächtigen Merkel und den bösen Grünen und noch dümmer und gemeiner, sie tun so, als hätte Deutschland die Macht, sich selbst und alle anderen Länder in den Abgrund zu ziehen, oder nicht, und der deutsche Wähler die Macht, das Ruder herumzureißen. Sie wälzen alle Schuld auf die deutschen Wähler ab, und so ist die antideutsche Pipifax-Maschine eine Folge der Vernebelung der Machtverhältnisse, die die AFD fröhlich betreibt.

Vor der AfD gab es eine Menge Neugier, und Leute versuchten herauszufinden, weshalb alles so läuft wie es läuft. Bei Pi kann man das an der Entwicklung im Kommentarbereich gut erkennen. Eine relative Offenheit bei der Suche nach Antworten (auch wenn PI selbst ja immer eine kleine Außenstelle der Neokonservativen war) ist in diesen richtig abstoßenden Stolz auf die eigene Ignoranz und diese bösartige Meinungsfestigkeit übergegangen, die sich nur noch an Parolen klammert und das deutsche Wesen zum Kern jeder von den PIlern abgelehnten Entwicklung erhebt.

Dieser „patriotische“ Populismus ist wie ein Karton, den sich die Leute auf den Kopf setzen und in dem sie dann nichts als die Innenseite des Kartons sehen. Und sie fühlen sich wohl darin und erleuchtet und besser als die anderen Leute und hören nur auf das Echo des eigenen Geredes. Ich kenne keinen deutschen Begriff dafür – Politik ist eine „closing minds“-Maschine und die Parteien bieten den Anhängern die passenden Kartons, in die sie ihre Köpfe stecken, und wenn sie dann auf Kartonträger einer anderen „Seite“ treffen, dann knallen sie die Kartons gegeneinander.

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Das Morgenwacht-Europacafé

Die eigene Meinung der EU von sich – und die Nutzerbewertungen.

Dies ist eine „Sondertaverne“ für den Austausch über die heutige EU-Parlamentswahl 2019 sowie allgemein über die Europäische Union.

Leseempfehlungen dazu:

Überleben oder Union? Die europäische Frage von Lawrence Murray

Europäische Integration und die Globalisierung von Andrew Hamilton

Beobachtungen zum sich entfaltenden Brexit-Drama von Michael Walker

BREXIT und die Juden von Andrew Joyce

Barbara Lerner-Spectre: „Ohne Multikulturalismus wird Europa nicht überleben“ von mir

Frans Timmermans: „Europa muss Vielfalt akzeptieren“ von mir

Heute „Mobilgeld“ in Afrika, morgen Bargeldabschaffung in Europa von mir

„NovaEuropa: Sammlungsbewegung für eine Europäische Republik“ von mir (als Deep Roots)

Die EU-Saatgutverordnung als Vorbereitung einer neuen Hungerwaffe von mir (als Deep Roots)

Die Weiße Allianz von Dunkler Phönix

Merkel und der €uro dienen beide der internationalen Hochfinanz – Was Sie über den €urobetrug wissen müssen. von Sternbald

Rettenswerter Norden von Srdja Trifkovic

„Grandioser“ Nationalismus von Greg Johnson

Wo geht Europa hin? von Archonix und Baron Bodissey

Der EU-Raubzug gegen Zyperns Banken sollte hier die Alarmglocken läuten lassen von Leo McKinstry

Massendiebstahl – im Namen der Euro-Rettung von Nigel Farage

Warum wir es wagen sollten, über ein ENDE des Euro zumindest einmal nachzudenken von Olaf L. Müller aus GEO 6-2012

Lösung „N“ für Flandern (und Brüssel) in Europa von Mathias Storme

Die Artikel von Hjörtur J. Guðmundsson über Island und die EU

„Nazi-Schaffner“: EU verhöhnt Deutschland in Werbe-Video aus den „Deutschen Wirtschaftsnachrichten“

Barroso schwört auf ein Bundes-Europa aus dem „Daily Express“

Europa und Europäertum von Dominique Venner

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Neue Kommentarpolitik auf „Morgenwacht“: Wie bereits hier unter Punkt 1 angekündigt, am Schluß dieses Kommentars wiederholt als Absicht geäußert und in diesem Kommentar endgültig festgelegt, werden neue Kommentatoren nicht mehr zugelassen und sind die Kommentarspalten nur noch für die bereits bekannte Kommentatorenrunde offen.

Earth Day Special

Von John Morgan, übersetzt von Lucifex. Das Original Earth Day Special erschien am 22. April 2019 auf Counter-Currents Publishing.

Heute ist Earth Day, der ein Anlaß für Aufrufe zum Umweltschutz gewesen ist, seit er 1970 mit Unterstützung beider Parteien als Reaktion auf die Santa-Barbara-Ölkatastrophe erstmals in Amerika gefeiert wurde. Obwohl der Umweltschutz in den letzten Jahrzehnten mit der politischen Linken identifiziert worden ist, ist der sorgsame Umgang mit der Erde und das Streben nach Harmonie zwischen Mensch und Natur traditionell ein Thema der Rechten gewesen. Progressive andererseits, besonders so, wie es sich im Kommunismus manifestierte, sind historisch Verfechter der Massenindustrialisierung gewesen, im Glauben, daß es möglich ist, den Planeten in ein technologisches Utopia zu verwandeln, so wie sie es für möglich halten, die menschliche Natur selbst zu verändern, und sie zeigten völlige Gleichgültigkeit gegenüber der zerstörerischen Wirkung, die ihre Projekte auf die natürliche Welt hatten.

Heute sind natürlich trotz mancher Unterschiede in ihrer oberflächlichen Rhetorik die Mainstream-Linke und die Mainstream-Rechte vereint in ihrer Sicht auf die Erde als nichts weiter als eine Ressource, die für das Wirtschaftswachstum auszubeuten ist, und weichen nur in den Details voneinander ab. Aber die wahre Rechte hat immer anerkannt, daß der Mensch im Kontext mit der natürlichen Ordnung als Ganzes verstanden werden muß und daß Gesellschaften und Individuen nur durch Verständnis und Respektierung unseres Platzes darin wahrhaft wachsen können, ohne die Zukunft ihrer Kinder zu opfern.

Wir möchten eure Aufmerksamkeit auf die folgenden Artikel lenken, die sich mit diesen Themen befassen:

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Siehe auch:

Earth Day 2019, Teil 1: Fünfzig Jahre apokalyptische Klimaerwärmungs-Vorhersagen, und warum die Leute daran glauben und Teil 2 von Dr. Peter Baggins

Von schwarzem Denken und weißem Denken und den globalen Müllteppichen von mir (als Deep Roots)

90 % der Plastikmüllkatastrophe in den Ozeanen wird von Umweltverschmutzung in der Dritten Welt verursacht

diesen Kommentar von mir mit zwei übersetzten Kurzartikeln über die Umweltbelastung durch Kohlenflözbrände in China, die nahezu so viel Kohlendioxid produzieren, wie jedes Jahr von allen Autos und Kleinlastern in den Vereinigten Staaten ausgestoßen wird.

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Neue Kommentarpolitik auf „Morgenwacht“: Wie bereits hier unter Punkt 1 angekündigt, am Schluß dieses Kommentars wiederholt als Absicht geäußert und in diesem Kommentar endgültig festgelegt, werden neue Kommentatoren nicht mehr zugelassen und sind die Kommentarspalten nur noch für die bereits bekannte Kommentatorenrunde offen.

Zankapfel Balkan

Der ehemalige kroatische Diplomat Dr. Tomislav Sunić  im Gespräch

(Aus der Ausgabe November-Dezember 2013 der „Deutschen Militärzeitschrift“)

Bulgarische Truppen im Angriff während des Ersten Balkankrieges 1912-1913: Was als Bündnis gegen die Osmanen begann, führte zu allgemeinem Zwist auf dem Balkan. Gemälde von Jaroslav Véšín.

DMZ: Herr Dr. Sunić, der Balkan ist stets Zankapfel der europäischen Großmächte und auch innerlich zerstritten gewesen. 1913 – vor 100 Jahren – kam es zum Zweiten Balkankrieg. Nur wenige Monate zuvor endete der erste Balkankrieg. Warum ging es vor 100 Jahren so heiß her im südöstlichen Europa?

Sunić: Auf dem Balkan prallen viele Interessen aufeinander. Der Erste Balkankrieg begann als eine romantische Bewegung, als Bündnis der südostslawischen, christlich-orthodoxen Völker – also der Serben, Bulgaren, Montenegriner und Griechen – gegen die jahrhundertelange osmanische Despotie. Also in diesem Sinne war der erste Balkankrieg der Jahre 1912/13 eine positive Bewegung, da endlich eine fremde, nichteuropäische Macht aus Europa rausgeworfen wurde.

DMZ: Allerdings führte der Krieg schnell zu Revanchegedanken und Zwist unter den Bundesgenossen und mündete wenig später im nächsten Balkankrieg…

Sunić: Ja, Bulgarien griff kurz nach dem Krieg Serbien und Griechenland an, woraufhin Rumänien seine Chance sah, sich auf Kosten des kriegsführenden Bulgarien zu vergrößern. Und das Osmanische Reich erkannte die Chance, die Niederlage im Ersten Balkankrieg zu revidieren.

DMZ: Welche Rolle spielten dabei die europäischen Großmächte?

Sunić: Vor allem der russische, christlich-orthodoxe Panslawismus spielte dabei eine große Rolle. Die zaristische Politik am Anfang des 20. Jahrhunderts sah in der österreichischen Annexion Bosniens im Jahr 1908 nicht nur eine geopolitische Gefahr, sondern auch eine kulturelle Einmischung des dekadenten Westens. Alles, was in Europa im 20. Jahrhundert geschah, hatte einen kausalen Nexus, wenn ich hier Ernst Nolte paraphrasieren darf. So wird es in Europa auch in der Zukunft weiter sein – abgesehen davon, daß die Türken heute weiter nach Europa vorgedrungen sind, als sie es sich 1683 vor den Toren Wiens auch nur erträumt hätten.

DMZ: Welche Folgen hatte der Krieg für den Balkan und für Europa? Die Balkankriege werden oft als Wegbereiter für den Eintritt der südosteuropäischen Staaten in den Ersten Weltkrieg betrachtet. Das Pulverfaß Balkan war zudem erst die Initialzündung für den Weltkrieg.

Sunić: Über die Ansprüche oder Komplott-Theorien der damaligen Großmächte läßt sich viel debattieren. Es herrschten auch damals zwischen den Politikern in Frankreich, Rußland und Großbritannien schwere Divergenzen – von den Interessenkonflikten mit dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn ganz zu schweigen. Der Erste Weltkrieg hatte viele Väter.

DMZ: Das gesamte 20. Jahrhundert über war allerdings der Balkan immer wieder von Spannungen gezeichnet. Warum ist die Region so instabil? Woher rühren die Konflikte?

Sunić: Das dauernde Problem auf dem Balkan ist die mangelnde Staatsidentität der verschiedenen christlichen Völker und Völkerschaften. Der jahrhundertelange türkische Despotismus hat außerdem ein großes Trauma bei allen Völkern auf dem Balkan verursacht. Auch heute hat das Wort „Türke“ dort eine negative Bedeutung, und man hört täglich die jungen Serben und Kroaten in abschätzender Weise auch die muslimischen Bosniaken und Albaner als „Türken“ beschimpfen.

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Interview mit Tomislav Sunić

Von Alex Kurtagić, übersetzt von Deep Roots (ursprünglich für As der Schwerter“). Das Original Interview with Tomislav Sunić erschien am 10. November 2010 auf Counter-Currents Publishing.

Tomislav (Tom) Sunić ist ein ehemaliger US-Professor, Autor, Übersetzer und ehemaliger kroatischer Diplomat. Er absolvierte sein Grundstudium in Literatur und Sprachen in Europa. Er erhielt seinen Doktorgrad in Politikwissenschaften an der University of California. Dr. Sunić hat Bücher und Artikel auf Französisch, Deutsch, Englisch und Kroatisch über Themen veröffentlicht wie Kulturpessimismus, die Psychologie des Kommunismus und Liberalismus und den Gebrauch und Mißbrauch moderner Sprachen im modernen politischen Diskurs. Das vorliegende Interview erforscht ein wenig den Mann hinter den Ideen; wir erfahren ein paar Dinge, die Dr. Sunić nie zuvor über seine Vergangenheit und Persönlichkeit erzählt hat. Natürlich erzählt uns Dr. Sunić etwas über sein neues, auf Französisch erschienenes Buch, über seine frühen Jahre im kommunistischen Jugoslawien, über die Kunst des Übersetzens und mehr.

A. K.: Wie unterscheidet sich das Jugoslawien der 1950er und 1960er – nicht aus sozio-politischer Perspektive, sondern aus der des gewöhnlichen Mannes auf der Straße – vom Kroatien des Jahres 2010?

T. S.: Die jugoslawischen Zeiten waren weniger überfüllt, obwohl der jugoslawische Raum verdichteter und trostloser war – buchstäblich – eine Schwarzweiß-Welt. Vulgär und erzieherisch waren der tägliche Diskurs und die kommunistischen Insignien um einen herum. Im Gegensatz dazu ist der Fluß der Zeit in Kroatien, trotz der heutigen Aura der Dekadenz, besonders soweit es die hereinkommende liberale Moral betrifft, weit aufgelöster. Die Zeit verfliegt jetzt schneller. Die Leute beginnen, die liberale Moral der künstlichen merkantilen Höflichkeit zu erlernen – mit ihrem offensichtlichen Nachteil des Verlustes an Identität.

A. K.: Sie haben in früheren Interviews gesagt, daß Sie 1971 per Anhalter nach Kaschmir gereist sind. Sie müssen während dieses Abenteuers in mindestens einer oder zwei kniffligen Situationen gewesen sein… Wie war es, mitten im Kalten Krieg durch Osteuropa und Asien zu reisen? Was hat Sie zu Ihrer Abreise motiviert? Sicherlich gibt es weniger radikale Arten abzuhauen, als nach Indien zu trampen. Und warum Indien, und nicht, sagen wir, Italien oder Griechenland?

T. S.: Ich konnte mich damals nicht in die breitere sozio-historische Perspektive einfügen. Ich war in großem Ausmaß von vorsätzlicher Unwissenheit und einem soliden Maß pubertärer Romantik gesegnet. Aus diesem Grund kam es mir während meiner Hippie-Tage nie in den Sinn, daß ich getötet, niedergestochen oder entführt werden könnte. Ich dachte nie an mein Morgen. Ich trampte tatsächlich von Kopenhagen aus durch Italien, nahm die Fähre von Brindisi nach Korfu in Griechenland und setzte dann meine Odyssee, buchstäblich ohne einen Penny, per Eisenbahn durch die Türkei nach Teheran fort. Griechenland war damals 1972 eine Diktatur. Schah Reza Pahlevi war der Boss von Persien. Der Krieg zwischen Pakistan und Indien hatte gerade geendet. Aber ich führte mein magisches Doppelleben; Indien war der Ort der Initiation für alle Hippies auf der Welt.

A. K.: Ein Mann, der die Literatur liebt, lebt teilweise durch sie. Was würden Sie sagen, waren die entscheidenden Texte, die Sie als Person und als Denker definierten? Und warum?

T. S.: Nun, ich definiere die Wahl meiner Prosa durch meinen Charakter. Ich las Hermann Hesse, nicht weil er zur Zeit meiner Pubertät zur Standard-Hippieliteratur gehörte; er war auch ein großer Autor, dem es gelang, ohne auf ein gewalttätiges Narrativ oder Pornographie zurückzugreifen, die Welt der Illusionen und des magischen Realismus zu kombinieren, nach denen ich mich sehnte. Es war ich. Hesse war ein guter Bildungsroman für einen 19jährigen Jungen wie mich. Tatsächlich schließe ich jetzt nicht aus, daß ich vielleicht ein wiedergeborener Byron oder Céline oder Kerouac gewesen sein könnte, der in eine Reise durch Asien geraten war. Als ich in meinen zerrissenen Hosen, mit T-Shirt und Ohrringen durch die Straßen von Kabul ging, kroch ein Gefühl des deja vu durch meinen Kopf; ich mußte vor langer Zeit ein Kurier gewesen sein, oder irgend ein wichtiger Emissär während der Feldzüge von Alexander dem Großen. Dieses Bild verfolgt mich immer noch.

Später, als ich reifer wurde, folgte ich wiederum einfach meinen Instinkten und keiner politischen Mode oder Agenda. Ich muß ein wiedergeborener Louis Ferdinand Céline gewesen sein – und so fing ich an, jeden Winkel der französischen Sprache und des französischen Geistes kennenzulernen. Später, als ich mich des Politikwissenschaftlers Carl Schmitt und des Soziologen Vilfredo Pareto annahm, oder Alain de Benoists, war die Antwort recht einfach. Ihr Stil erinnerte mich an mein eigenes verborgenes Gefühl für Schönheit – in breiterem Sinne.

A. K.: Wir wissen, daß Sie in den 1980ern in die Vereinigten Staaten auswanderten. Was waren Ihre ersten Eindrücke von den Amerikanern, im Vergleich zu dem, was Sie zuvor als entfernter Beobachter über sie wußten? Was mochten Sie an ihnen, und was verwirrte Sie am meisten an Ihnen? Ohne Zweifel wichen Wahrnehmung und Realität in einiger wichtiger Hinsicht stark voneinander ab.

T. S.: Menschenmassen und Lärm. Dies war mein erster Eindruck nach der Landung in Amerika. Ich kann am Lärmniveau erkennen, wie zivilisiert oder barbarisch ein Land ist. Auf öffentlichen Plätzen oder in öffentlichen Räumlichkeiten schätze ich Stille. Diese stellvertretenden prothetischen (oder noch besser: erbärmlichen) Geräte, wie die frühen Walkie-Talkies oder der Walkman und Radios, und später all diese anthropomorphen Erweiterungen, wie Mobiltelefone und iPods, wurden zu Symbolen der spirituellen Wurzellosigkeit und zum Zeichen der physischen Überflüssigkeit; dafür, am falschen Ort und in der falschen Zeit zu sein. Ich mag den fünften Gang nicht; ein Amerika mit dem Getriebe in Neutralposition wäre ein idealer Ort für mich gewesen. Ich bedaure es, nicht zweihundert Jahre früher geboren zu sein, im Süden vor dem Krieg. Auf kommunikativer Ebene konnte ich mich nicht mit den endlosen moralisierenden und formalistischen Aufmunterungen in Amerika abfinden. Ganz zu schweigen davon, daß ich als jemand, der aus dem kommunistischen Universum kommt, nicht begreifen konnte und immer noch nicht kann, warum eine weiße Nation von solch eindrucksvoller Größe es liebt, in Selbsthass zu schwelgen, in Schuldgefühlen, während sie sich nach dem niedersten Abschaum ihrer Gesellschaft ausrichtet. Dies war nicht das Amerika, von dem ich geträumt hatte.

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Beobachtungen zum sich entfaltenden Brexit-Drama

Von Michael Walker, übersetzt von Lucifex. Das Original Baby, Where Did Our Love Go? Observations on the Unfolding Brexit Drama erschien am 1. Februar 2009 auf Counter-Currents Publishing.

Eine Sache war beim Ergebnis des Referendums vom 23. Juni 2016 offensichtlich – nämlich daß keine der beiden Seiten es erwartet hatte. Arroganz seitens der Remainers [Befürworter des Verbleibs] und Verantwortungslosigkeit seitens der Leavers [Austrittsbefürworter] hatten bedeutet, daß keine Seite für den Fall eines „Leave“-Ergebnisses vorgesorgt hat, trotz der Tatsache, daß alle Umfragen ein knappes Ergebnis vorhergesagt hatten. Boris Johnson und Michael Gove, zwei führende Konservative, die sich für „Leave“ eingesetzt hatten, konnten sich nicht darauf einigen, wer nach David Camerons Rücktritt als Kandidat für die Führung der Konservativen Partei antreten sollte, womit sie es Theresa May, die sich für „Remain“ eingesetzt hatte, ermöglichten, ihnen die Führung der Konservativen Partei vor der Nase wegzuschnappen. Dies war die erste von vielen Anomalien: eine Person, die glaubt, daß Britannien in der EU verbleiben sollte, wurde zum Regierungsoberhaupt gewählt, das Britanniens Austritt verhandeln sollte.

Die völlig falsche Annahme, daß der gesamte Austritt schmerzvoll mit den Führern der Europäischen Union geregelt werden müßte, war der Mythos, mit dem die Remainers den Abstimmungsausgang für den Austritt von Tag Eins an untergraben haben. Sie wissen, daß es für Britannien völlig möglich gewesen wäre zu verkünden, daß alle einzelnen Handelsabkommen der Gegenstand von Verhandlungen seien, in Kraft bleiben würden, bis sie zu einer Neuverhandlung kämen, und dann sofort damit zu beginnen, sie nicht als Paket zu verhandeln, sondern einzeln. Daß das nicht getan wurde – daß auf einem kompletten Deal als ein Paket beharrt wurde und die Leavers nicht klar machten, daß die Ablehnung eines Ein-Paket-Deals der einzuschlagende Weg sei, womit sie sich der Vorstellung anschlossen, daß der Brexit nur als ein komplett ausverhandelter Deal betrachtet werden muß – könnte der Remain-Seite ihre letzte Chance geben, den Brexit zu verhindern.

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Was Populismus nicht ist

Von Greg Johnson, übersetzt von Lucifex. Das Original What Populism Isn’t erschien am 28. Dezember 2018 auf Counter-Currents Publishing.

Jan-Werner Müller
What is Populism?
Penguin, 2017

Wenn ein politisches Establishment sich von einer wachsenden Kraft wie dem Nationalpopulismus bedroht fühlt, dann besteht Plan A darin, das Establishment zu verteidigen und seine Gegner anzugreifen, indem es geistig durchschnittliche Journalisten entsendet, um zu spotten und zu verhöhnen, und geistig durchschnittliche politische Schreiberlinge, um parteipolitische Argumente zu konstruieren. Das Ziel des Establishments ist, die Loyalität seiner Basis zu verstärken, die Köpfe der Unentschlossenen zu vergiften und Dissidenten zu demoralisieren, indem es sie wie Dreck behandelt.

Wenn es Plan A nicht gelingt, die steigende Flut zurückzudrängen, dann besteht Plan B darin, die akademischen Gehirn-Bugs auf das Studium der Opposition und die Formulierung von Kritiken und Gegenstrategien anzusetzen. Offensichtlich lautet die Annahme von Plan B, daß das Establishment objektives Wissen braucht, um ernsthaften Gegnern zu kontern. Es besteht jedoch eine Gefahr, daß Spuren der parteipolitischen Apologetik der ernsthaften intellektuellen Analyse von Plan B in die Quere kommen. Ein Paradebeispiel dafür ist Jan-Werner Müllers What Is Populism?

Populismus und Demokratie bedeuten genau das Gleiche. Sogar ihre Etymologien sind dieselben. Demos ist Griechisch und populus ist Lateinisch für „das Volk“. „Das Volk“ bezieht sich richtigerweise auf das Ganze eines Staatswesens, kann aber auch „die Vielen“ bezeichnen – die gewöhnlichen Leute im Gegensatz zu den Eliten.

Populisten verwenden „das Volk“ in beiderlei Sinn. Populisten meinen, daß politische Legitimität auf dem Gemeinwohl der Gesellschaft beruht – des Volkes als Ganzem. Aber Populisten sprechen oft im Namen des Volkes im engeren Sinn von „die Vielen“, denn wenn politische Systeme vom Gemeinwohl abweichen, dann nimmt es buchstäblich immer die Form an, daß „die Wenigen“ – Regierungs- und Wirtschaftseliten – ihre Gruppeninteressen auf Kosten der Vielen verfolgen. Daher verteidigen und mobilisieren populistische Bewegungen das Volk im engeren Sinne, um ein Regime wiederherzustellen, das den Interessen des Volkes im breiten Sinn dient.

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„Das Volk bin ich“: Rezension von Jan-Werner Müllers „What is Populism?“

Von F. Roger Devlin, übersetzt von Lucifex. Das Original Le Peuple, C’est Moi erschien am 18. Dezember 2018 auf Counter-Currents Publishing.

Jan-Werner Müller
What Is Populism?
Penguin, 2017

Jan-Werner Müller, ein gebürtiger Deutscher, ist Professor für Politik an der Princeton University und der Autor mehrerer vorheriger Bücher. Die vorliegende Studie über den Populismus wurde 2016 von der University of Pennsyslvania Press veröffentlicht und schnell von Penguin Books in einem beliebten Taschenbuchformat nachgedruckt. Diese für einen akademischen Titel ungewöhnliche Auszeichnung verdankt natürlich viel der jüngsten Mode des Begriffs „populistisch“, aber auch der ungewöhnlichen Klarheit der These des Autors und deren Darlegung.

Es gibt wenig allgemeine Einigkeit über den Populismus, außer daß es eine Form der Politik ist, die sich für das „Volk“ gegen die Eliten einsetzt. Müller bemerkt, daß eine solche Haltung tatsächlich eine notwendige Voraussetzung für die Identifizierung eines Politikers oder einer Bewegung als „populistisch“ ist, aber keine ausreichende. Er lehnt psychologisierende Erklärungen ab, die sich auf den „Zorn“ von Populisten fokussieren, während sie dessen Ursachen ignorieren. Diese Arten von Theorien behaupten, daß das, was Populisten wirklich brauchen, nicht politische Repräsentation oder die Beseitigung objektiver Mißstände ist, sondern eine Art von Psychotherapie. Das ist sowohl herablassend als auch etwas, das unheimlich an den alten sowjetischen Mißbrauch der Einweisung von Dissidenten in psychiatrische Kliniken erinnert.

Die wahrhaft essentielle Eigenschaft des Populismus ist nach Müllers Sichtweise der Anspruch auf ausschließliche Vertretung des Volkes. Das erste Beispiel, das er anbietet, ist der gegenwärtige Präsident der Türkei, Recep Erdogan. Bei einem vor kurzem stattgefundenen Parteikongreß antwortete Erdogan seinen Kritikern mit der Bemerkung: „Wir sind das Volk; wer seid ihr?“ Der Autor kommentiert:

Natürlich wußte er, daß seine Gegner ebenfalls Türken waren. Der Anspruch auf ausschließliche Vertretung ist kein empirischer; er ist immer eindeutig moralisch. Populisten stellen ihre politischen Konkurrenten als Teil der unmoralischen, korrupten Elite dar.

Kurz gesagt, der Populist ist nach Müllers Darstellung die politische Gestalt oder Bewegung, die angedeutet oder ausdrücklich behauptet: le peuple, c’est moi – das Volk bin ich.

Dies ist eine kühne These, nicht zuletzt, weil sie nach dem eigenen Eingeständnis des Autors die People’s Party der amerikanischen 1890er – die oft als die originalen Populisten betrachtet wird – davon disqualifiziert, als „wahre“ Populisten betrachtet zu werden. Sie unterstellt auch, daß das antike Athen, trotzdem es uns das Wort Demagoge vermachte, keine „wahren“ populistischen Führer hervorbrachte, denn niemand konnte in einer direkten Demokratie, die keinen Gebrauch von Repräsentation machte, Anspruch auf ausschließliche Vertretung erheben. Weiter hinten in dem Buch erklärt er auch, daß Bernie Sanders nach dieser Definition nicht als Populist qualifiziert wäre.

Aber Müller verweist sicherlich auf eine reale und hervorstechende Neigung vieler Politiker, die als populistisch bezeichnet werden. Hugo Chavez’ Wahlkämpfe bringen Slogans wie „Chavez ist das Volk! und „Chavez, wir sind Millionen, auch ihr seid Chavez!“ George Wallace begann seine berühmte „Rassentrennung für immer“-Rede mit der folgenden großspurigen Erklärung: „Im Namen des großartigsten Volkes, das jemals auf Erden wandelte, ziehe ich die Linie im Staub und werfe der Tyrannei den Fehdehandschuh vor die Füße…“ Der Autor fragt spitz, mit welcher Autorität der Gouverneur von Alabama annahm, im Namen des amerikanischen Volkes als Ganzem zu sprechen.

Klarerweise erhalten populistische Politiker niemals einhundert Prozent Unterstützung von den Wählern. Um diese unbequeme Tatsache zu umschiffen, neigen sie dazu, an die vage Vorstellung vom „wirklichen“ Volk zu appellieren, das aus der Gesamtsumme der tatsächlichen Staatsbürger herausgezogen und von dieser unterschieden werden muß. Als zum Beispiel Nigel Farage im Brexit-Referendum das Ergebnis bekam, das er wollte, nannte er es einen „Sieg für das wahre Volk,“

und machte damit die 48 Prozent der britischen Wählerschaft, die dagegen gewesen waren, das Vereinigte Königreich aus der Europäischen Union herauszuholen, irgendwie weniger als real – oder stellte ihren Status als eigentliche Mitglieder der politischen Gemeinschaft in Frage.

In ähnlicher Weise hat eine populistische finnische Partei sich bis vor kurzem die „Wahren Finnen“ genannt.

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Heimatwetterleuchten 2016

Von Deep Roots alias Lucifex

Heute vor zwei Jahren – am 4. Dezember 2016 – fand in Österreich der dritte und endgültige Durchgang zur Wahl des Bundespräsidenten statt, den der „unabhängige“ Ex-Grüne Alexander Van der Bellen mit 7,58 Prozentpunkten Vorsprung vor dem FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer gewann. Diesen zweiten Jahrestag nehme ich zum Anlaß für einen Rückblick und ein paar Betrachtungen.

Beim ersten Wahldurchgang am 24. April (Wahlbeteiligung 68,5 %) erhielt Norbert Hofer 35,05 % der abgegebenen Stimmen, Van der Bellen 21,34 %, Irmgard Griss (unabhängig) 18,94 %, Rudolf Hundstorfer (SPÖ) 11,28 %, Andreas Khol (ÖVP) 11,12 % und der Baumeister und Society-Kasper Richard Lugner 2,26 %. So sah die Mehrheitsverteilung bei diesem ersten Durchgang nach Gemeinden aus (der separate Fleck oberhalb von Tirol stellt das herausvergrößerte Wien dar):

Man sieht hier schon sehr schön die bei den späteren Wahlgängen noch deutlicher hervorgetretene politische Zweiteilung Österreichs in einen einigermaßen gesunden ländlichen Raum, wo es nur ein paar schwarze und rote Einsprengsel gibt und die meisten Menschen sich eine nationalere Politik ohne Zudringlingsbereicherung und linke Gesellschaftsklempnerei wünschen, und den mehrheitlich links orientierten größeren Städten, wo die heimischen Systemgewinnler und JWO-Verstrahlten und die Migrationshintergründler einschließlich der Juden konzentriert sind.

Auf dieses Ergebnis folgten empörte und bestürzte Reaktionen der Gutmenschen-Schickeria, der Systempolitiker, JWO-Mediensprachrohre und Mihigrus. Elyas M’Barek zum Beispiel schrieb noch am selben Tag:

Hätte er gerne machen können. Wir haben auch nicht wirklich Bedarf für den Mübarek.

Die Reaktion der ZDF-heute-Show sah so aus:

(Was mit uns verkehrt ist? Mit den meisten von uns gar nichts, nur der gestörte Rest ist im Laufe der Zeit in die öffentlichkeitswirksamen Einflußpositionen gefiltert worden.)

Nach der Anzeige eines Tiroler Studenten gegen das ZDF bzw. die „heute-Show” wegen des „Hakenkreuz-Schnitzel”-Posts veröffentlichten die Macher der Sendung einen „satirischen“ Sketch von Gernot Hassknecht (richtiger Name: Hans-Joachim Heist), der darin in ziemlich untergriffiger Weise über Österreich im Allgemeinen und über die FPÖ-Wähler im Besonderen herzieht (ich hoffe, es spuckt ihm einmal jemand in der österreichischen Gastronomie auf das Schnitzel oder in den Kaffee; man könnte ihn auch bei der Bedienung demonstrativ lange warten lassen).

Schon im Anfangsteil seines Beitrags fiel dieser „Komiker“ mit einer unflätigen und völlig bezugslos sexualisierten Wortwahl auf, die auch sein anschließend vorgetragenes Schmähgedicht „Der FPÖ-Wähler“ auszeichnete („während wir Deutschen uns bei Bauer sucht Frau einen runterholen…“; „Tut mir leid, aber jetzt find‘ ich euch „SCHEISSE“; „Wie heißen eure schwulen Pferde noch? Lipizzaner! Die sind so hässlich…“). Hier ist das Video…

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