Das. Ist. Nicht. Sparta. (7): Spartanische Ziele

Die Seeschlacht bei Salamis (480 v. Chr.), in der eine griechische Koalition mit geringfügiger spartanischer Beteiligung gegen die Perser kämpfte. (Bild nicht aus dem Artikel)

Von Bret Devereaux, übersetzt und mit einem Titelbild und zusätzlichen Links versehen von Lucifex. Das Original This. Isn’t. Sparta. Part VII: Spartan Ends erschien am 27. September 2019 auf dem Blog A Collection of Unmitigated Pedantry des Autors.

Zuvor erschienen: Glossar zu Sparta, Das. Ist. Nicht. Sparta. (1): Spartanische Schule(2): Spartanische Gleichheit, (3): Spartanische Frauen, (4) Spartanischer Reichtum, (5) Die spartanische Regierung und (6) Sparta in der Schlacht.

Dies ist der siebte (und letzte!) Teil unserer siebenteiligen Betrachtung von Sparta in der allgemeinen Erinnerung und in der historischen Wahrheit. Letztes Mal redeten wir über Spartas Erfolgsbilanz auf dem Schlachtfeld und stellten dabei fest, daß sie zutiefst enttäuschender Durchschnitt war. Längerfristige Leser werden natürlich wissen, daß wir militärische Effektivität nicht nach Schlachten beurteilen können – die Frage ist immer die Erreichung strategischer Ziele.

Außerdem hat unsere letzte Diskussion über Spartas Leistung auf dem Schlachtfeld uns ein bißchen ein Rätsel beschert. Die Spartaner waren hinsichtlich einiger ihrer Kampffähigkeiten tatsächlich über dem Durchschnitt verglichen mit anderen poleis, aber das übertrug sich nicht in eine positive Siegesbilanz. Wir können also fragen: warum? Welche anderen Mängel behinderten ihre Leistung?

Also werden wir heute aus der letztes Mal besprochenen rein taktischen Schicht herauszoomen in die operationelle Schicht und schließlich in die strategische (soger jene der großen Strategie). Sparta hat in der allgemeinen Vorstellung immerhin einen Ruf effektiver Staatskunst, also werden wir fragen, welche Ziele setzten die Spartaner sich? In welchem Ausmaß erreichten sie diese Ziele, und in welchem Maß waren diese Ziele wünschenswert?

Aber klären wir zuerst ein paar Begriffe. Militärisches Denken ist wie Oger sind wie Zwiebeln – sie haben Schichten.

Wir unterteilen diese Schichten in Taktik, Operationen und Strategie. Sehr einfach ausgedrückt ist Taktik die Schicht des militärischen Denkens, die das betrifft, wie eine Armee kämpft; wir diskutierten das letztes Mal. Operationen ist die Schicht des Denkens, die sich damit befaßt, die Armee in den Kampf zu bekommen – großmaßstäbliche Koordination und Logistik sind hier zu Hause. Strategie befaßt sich mit Fragen des größeren Bildes: welche Kriege sind es wert, sie zu führen, und für welche Ziele? Große Strategie erweitert dieses Denken über das Militärische hinaus auf politische, kulturelle und wirtschaftliche Institutionen.

Was wir heute tun werden, ist zuerst, Spartas operationelle Fähigkeiten zu beurteilen – wie gut sie Armeen aufstellen, verlegen und versorgen. Dann werden wir zur strategischen Schicht hochspringen und beurteilen, wie gut Sparta Ziele (das, was man erreichen will) mit Mitteln koordiniert (den Methoden, die man anwendet, um es zu bekommen). Und schließlich werden wir, eines nach dem anderen, die verschiedenen strategischen Ziele beurteilen, die Sparta manchmal zugeschrieben werden: in welchem Ausmaß erreichten die Spartaner sie, und waren sie es wert, erreicht zu werden?

Spartanische Operationen

Einfach ausgedrückt, waren die spartanischen Operationsfähigkeiten extrem begrenzt, selbst nach den bereits niedrigen Standards Gleichrangiger, das heißt, sehr großer griechischer poleis (wie Athen oder Syrakus).

Die griechische Logistik in dieser Periode war allgemein sehr begrenzt verglichen mit mazedonischen oder römischen Logistikfähigkeiten in nachfolgenden Jahrhunderten, oder mit zeitgenössischen persischen Logistikfähigkeiten. Ironischerweise betrifft die längste Studie klassischer griechischer Logistik die Feldzüge von Xenophon (J.W. Lee, A Greek army on the March (2008)), das heißt, sie befaßt sich nicht mit Amateuren aus einer polis, sondern mit einer Armee professioneller Söldner, und doch ist selbst diese griechische Logistik – wahrscheinlich der Goldstandard ihrer Zeit – erstaunlich unterentwickelt verglichen mit dem, was die Mazedonier ein halbes Jahrhundert später auf demselben Terrain zu tun fähig sein werden (siehe D.W. Engels, Alexander the Great and the Logistics of the Macedonian Army (1978)).

Sehr kurz ausgedrückt: Griechische Armeen scheinen relativ wenige Transport- oder Logistikkapazitäten gehabt zu haben. Sie scheinen nicht allgemein mit ausreichenden technischen Werkzeugen oder Materialien für effektive Feldbefestigungen oder Belagerungskrieg unterwegs gewesen zu sein. Dies wird verschärft durch ihre Unfähigkeit, unterwegs Getreide zu mahlen (etwas, das mazedonische und römische Armeen konnten), was das Problem der Nutzung von örtlichen Versorgungsgütern verschärft. Man kann ungemahlenes Getreide essen (es kann geröstet oder zu Grütze gekocht werden), aber das ist weniger als ideal. Was sie zu haben tendieren, ist eine hohe Zahl von nicht kämpfenden persönlichen Dienern (genau die Art von Leuten, die gute römische oder mazedonische Generäle so bald wie möglich aus dem Lager vertreiben), die zusätzliche logistische Belastungen verursachen, ohne die operationelle Reichweite oder Ausdauer der Armee sehr zu erhöhen. Als Folge davon hatten griechische Armeen Schwierigkeiten, das ganze Jahr über im Feld zu bleiben, während römische und mazedonische Armeen routinemäßig zu ganzjährigen Feldzügen in der Lage waren.

(Eine Randnotiz: ihr werdet oft in Lehrbüchern oder populären Abhandlungen lesen, daß römische Armeen der Republik vor dem zweiten Jahrhundert nicht rund ums Jahr im Feld blieben bzw. bleiben konnten, oder daß sie wegen der Ernte zurückkehren mußten. Dies scheint für Rom nicht der Fall zu sein; römische Armeen scheinen schon recht früh eine ganzjährige Sache gewesen zu sein, anders als Hoplitenarmeen. Siehe dazu N. Rosenstein, Rome at War (2004).)

Aber fokussieren wir uns auf Sparta.

Vielleicht das offensichtlichste Beispiel für schlechte spartanische Logistik ist ihre beinahe komische Unfähigkeit, Operationen in Attika während des Peloponnesischen Krieges aufrechtzuerhalten. Dies ist keine riesige Aufgabe im Sinne von Logistikproblemen. Der Hauptmarkt in Sparta ist 230 km von der athenischen agora entfernt; ungefähr ein Zehntagesmarsch, plusminus. Spartas Hauptverbündeter in dem Krieg, Korinth, liegt noch näher, nur 90 km entfernt. Die Route besteht aus bekannten und recht gut bevölkerten Ländern, und die beteiligten Armeen sind nicht so groß, daß sie riesige Logistikprobleme hätten, wenn sie einfach durch Griechenland ziehen.

Während der ersten Phase des Peloponnesischen Krieges, genannt der Archidamische Krieg, nach dem spartanischen König, der ihn führte, marschierte Sparta funktional jedes Jahr in Attika ein, im Versuch, genügend landwirtschaftliche Verwüstungen anzurichten, daß die Athener gezwungen wären, herauszukommen und zu kämpfen (wir werden darauf zurückkommen). Das Kernproblem ist, daß es einfach nicht möglich ist, einen bedeutenden Schaden in der kurzen Feldzugssaison anzurichten, bevor die Armee nach Hause gehen muß.

Aus Wikipedia, eine Karte der Schauplätze des Peloponnesischen Krieges. Beachtet die riesige rote Linie von Sparta nach Athen, und wie kurz und direkt sie ist, während die blauen athenischen Linien superlang und indirekt sind. Die Spartaner schafften es dennoch, es auf der großen roten Linie zu verbocken. Jahrelang.

Und ich möchte klarmachen, wie lange sie ihren Kopf gegen diesen Felsen knallen. Die Spartaner marschieren im Jahr 431 ein, belagern eine kleinere Stadt, erreichen nichts und ziehen ab (Thuc. 2.18-20), und im Jahr 430 (Thuc. 2.47); im Jahr 429 belagern sie wegen einer Seuche in Athen stattdessen was winzige Plataiai (Thuc. 2.71ff) und ziehen dann ab, aber 428 sind sie in Attika wieder dabei (Thuc. 3.1), und 427 (Thuc. 3.26), und 426, kehren aber wegen Erdbeben früh um (Thuc. 3.89). Aber sie sind 425 wieder zurück (Thuc. 4.2) und ziehen jedes Mal wieder ab, wenn der Proviant ausgeht. Sparta startet im Jahr 424 keinen Angriff, weil athenische Überfälle über See sie dazu zwingen, die Armee zu Hause zu behalten (Thuc. 4.57); 423 haben sie einen einjährigen Waffenstillstand mit Athen (Thuc. 4.117). Sie schlagen erst 422/421 endlich die Schaffung einer permanenten Basis in Attika vor (Thuc. 5.17), aber der Krieg endet vorher (sie werden tatsächlich einen kleinen Außenposten, Decelea, befestigen, aber erst, als der Krieg im Jahr 413 wieder aufgenommen wird).

Thukydides sagt in mehreren Fällen (z. B. Thuc. 3.1.3) ausdrücklich, daß diese Armeen deshalb scheitern und sich wieder zurück nach Hause zerstreuen, weil ihnen der Proviant ausgeht. Sie sind zwei Tage – zu Fuß! – von einem großen befreundeten Handelshafen (Korinth) entfernt, und ihnen geht der Proviant aus. Ihre letzte Invasion war sechs Jahre nach ihrer ersten, und sie hatten noch immer nicht das Logistikproblem langfristiger Operationen in dem gelöst, was effektiv ihr eigener Hinterhof ist.

Fairerweise muß man sagen, daß Brasidas – fast sicher der beste Befehlshaber, den die Spartiaten selbst jemals hervorbrachten – in Nordgriechenland und Thrakien freier zu operieren fähig ist, aber er tut das mit einer Armee, in der es keine anderen Spartiaten gibt. Sie besteht hauptsächlich aus Heloten und Söldnern (Thuc. 4.80) und wird vor Ort durch Kräfte (insbesondere die Mazedonier) unterstützt, die Athen feindlich gesinnt sind. Zum Vergleich: Athen operiert zur selben Zeit nordwärts bis nach Thrakien, westwärts bis nach Sparta selbst (und später Sizilien) und ostwärts bis nach Lesbos, kurz vor der Küste von Anatolien. Dies ist einer der Gründe – zusammen mit der Notwendigkeit, die Heloten zu unterdrücken, und später der oliganthropia – warum spartanische Truppenentsendungen außerhalb des Peloponnes oft so klein erscheinen.

Spartanische logistische Unfähigkeit: Keine Maultiere, keine Wagen, nichts.

All das wird verschärft durch die spartanische wirtschaftliche Schwäche. Weil Sparta so wenig von Wert produzierte, fehlten dem spartanischen Staat einfach die Mittel, um seine Operationskapazitäten aufzubessern. Es konnte sich keine ausländischen Belagerungsingenieure oder Experten leisten (eine zunehmend schlimme Belastung im vierten Jahrhundert, als das griechische Belagerungswesen besser und technischer wurde), und was entscheidend ist, es konnte sich keine Flotte leisten. Spartanische Flotten werden am Ende von Persien finanziert werden (wir werden darauf zurückkommen).

Es fällt schwer, die Schlußfolgerung zu vermeiden, daß, während die spartanische Taktik in bescheidenem Maß besser gewesen sein mag als die der meisten anderen griechischen Staaten, die spartanischen Operationen miserabel waren und der effektiven Nutzung der spartanischen Armee enge Grenzen setzten. Man kann die besten Soldaten haben – und noch einmal, Sparta scheint nicht immer die besten Soldaten gehabt zu haben -, aber sie sind von keinem Nutzen, wenn man sie nicht in den Kampf bringen kann, mit der Ausrüstung (z. B. Belagerungsgeräte, Schiffe), die sie brauchen, um den Kampf zu gewinnen. Ein mittelmäßiger Soldat im Feld schlägt einen Supersoldaten, der zu Hause sitzt, jedes Mal.

Strategie: Zwecke und Mittel

Gehen wir noch eine analytische Ebene höher und reden wir über Strategie.

Im Kern der Strategie steht das Entscheiden über strategische Ziele und dann die Koordination der richtigen Mittel, die jene Ziele tatsächlich erreichen werden. Wenn zum Beispiel das strategische Ziel die Gewinnung der Kontrolle über ein wirtschaftlich entscheidendes Bevölkerungszentrum (lies: eine Stadt) ist, dann wird man dieses Ziel nicht, sagen wir, durch Flächenbombardierungen erreichen wollen – man würde genau das zerstören, was man bekommen möchte, selbst wenn man gewinnt. In dieser Hinsicht steckt Spartas strategisches Denken in der Zwangsjacke eines sehr eng gefaßten Modells der Kriegführung. Sparta ist der Kerl in dem Aphorismus „wenn alles, was man hat, ein Hammer ist…“, aber plaziert in eine Welt der Schrauben.

Der Hammer, den Sparta hat, ist natürlich der Hoplitenkampf. Sparta sucht fast alle seine Probleme zu lösen, indem es eine Hoplitenphalanx auf das Problem ansetzt, ungeachtet dessen, ob das Problem mit einer Hoplitenphalanx gelöst werden kann. Das spartanische strategische Denken ist somit beeinträchtig sowohl durch eine Nichtberücksichtigung militärischer Aktionen, die nicht aus traditionellen Hoplitenschlachten bestanden, als auch durch eine Unfähigkeit, überhaupt nichtmilitärische Lösungen in Betracht zu ziehen oder umzusetzen.

Wir können die erstere Schwäche in der spartanischen Planung in den Perserkriegen sehen. Die spartanische Planung ist sowohl direkt als auch unrealistisch: finde eine Engstelle, befestige sie und halte sie unbegrenzt mit einer Hoplitenarmee. Bei den Thermopylen versucht, scheitert dieser Plan; die Schlacht bei den Thermopylen wird in der Populärkultur oft als absichtliches Verzögerungsgefecht dargestellt, aber sie war nichts dergleichen – Herodot sagt klar, daß dies das entscheidende Landgefecht hätte sein sollen (Hdt. 7.175; vgl. Diodorus 11.4.1-5). Die Spartaner versuchen dann diesen Plan am Isthmus von Korinth zu wiederholen und müssen vor ihrer strategischen Dummheit von den Athenern gerettet werden, die drohen, die Allianz zu verlassen, wenn der Plan nicht aufgegeben wird (Hdt. 8.49-62). Eine Blockade am Isthmus wäre für die persische Armee leicht zu umgehen gewesen – vorausgesetzt, sie würde sie nicht einfach mit ihrer allgemein überlegenen persischen Belagerungstechnik besiegen -, und noch schlimmer war, daß sie ein diplomatisches Desaster war, angesichts dessen, daß sie im Wesentlichen bedeutet hätte, Athen als Verlust abzuschreiben, wo die athenische Flotte den Großteil der Schiffe stellte, die den Isthmus schützten.

Wenn wir uns historisch vorwärtsbewegen, so haben wir bereits erwähnt, daß Sparta Jahre um Jahre damit verbrachte, Invasionen gegen Athen mit Hoplitenarmeen durchzuführen, die einzigartig unfähig waren, tatsächlich das strategische Ziel zu erreichen, Athen an den Verhandlungstisch zu bringen. Das Problem hier ist im Konzept des strategischen Schwerpunkts – wie Clausewitz sagt – zusammengefaßt, er ist die Quelle der Stärke eines Feindes und somit das Schlüsselelement der Macht eines Feindes, auf das man abzielen muß, um den Sieg zu erreichen. Der offensichtliche Schwerpunkt für die Athener war ihr Seereich, das die Tribute lieferte, die ihre Kriegsanstrengungen finanzierten. Die Korinther erkannten das, noch bevor der Krieg begann. Solange die Tribute hereinkamen, konnte Athen ewig kämpfen.

Sparta braucht Jahre des Kämpfens gegen Athen, um das endlich zu erkennen – ein Versuch 413/412, Revolten in Athen zu unterstützen, ist armselig langsam und unterfinanziert (Thuc. 8, im Grunde alles), und erst als Sparta sich nicht nur mit Persien verbündet, sondern auch seine Flotte dem mothax Lysander anvertraut, machen sie sich ernsthaft an eine Strategie, Athens maritime Versorgungslinien abzuschneiden. Dies ist keine einmalige Sache: Spartas Unfähigkeit, Zwecke und Mittel zu koordinieren, zeigt sich wieder im Krieg gegen Korinth (z. B. in Argos, Xen. Hell. 4.7), wo sie in ein kräftezehrendes defensives Patt gezogen werden, weil die Korinther nicht herauskommen und kämpfen und die Spartaner keine anderen Antworten haben.

Dies wird verschärft dadurch, daß die Spartaner miserabel in der Diplomatie sind. Sparta konnte der Angelpunkt einer anständigen Allianz von Städten sein, wenn die äußere Bedrohung offensichtlich und ernsthaft war – wie im Fall der Perserkriege oder der Expansion der athenischen Hegemonie. Aber ansonsten verprellt Sparta beständig und wiederholt Verbündete auf seine eigene Gefahr. Die spartanische Führung am Ende der Perserkriege war so arrogant und ungeschickt, daß die Führung der antipersischen Allianz an Athen überging (womit das geschaffen wurde, was das athenische Imperium werden sollte, also führte die spartanische diplomatische Unfähigkeit direkt zu dem titanischen Konflikt des späten fünften Jahrhunderts). Und damit das klar ist, die athenische Diplomatie erzielt auch keine hohen Punktezahlen, aber sie ist immer noch viel besser als die spartanische (die griechische Diplomatie war allgemein miserabel – grob, arrogant und auf Zwang statt auf Überzeugung fokussiert – also ist es vielsagend, daß die Spartaner sehr schlecht darin sind, selbst nach griechischen Maßstäben).

Erinnert ihr euch an diese Rede, wo Leonidas seine Verbündeten beschämt, weil sie Jobs haben, und sie als minderwertig und entbehrlich behandelt? Es ist nicht Leonidas, sondern Agesilaus II (reg. 398 – 360), der diese Rede vor seinen Verbündeten hält (Plut. Ages. 26.3-5), im Kontext eines Krieges, den Sparta mangels Verbündeten gegen Theben verlieren sollte. Brillant.

461 v. Chr. diskreditierte die spartanische Arroganz gegenüber einer athenischen Militärexpedition, die ausgesandt worden war, um Sparta gegen eine Helotenrevolte zu helfen, völlig die pro-spartanischen politischen Stimmen in Athen und brachte die beiden Staaten auf Kollisionskurs. Sparta hatte die freundliche Armee so grob hinausgeworfen, daß es eine Empörung in Athen verursachte.

Während des Peloponnesischen Krieges schadeten spartanische diplomatische Fehlkalkulationen wiederholt ihrer Sache, wie bei der Zerstörung von Plataiai – dem Symbol des griechischen Widerstands gegen Persien. Später in dem Krieg läßt schreckliche spartanische Diplomatie wiederholt Versuche scheitern, mit dem persischen Satrapen Tissaphernes zusammenzuarbeiten, der das Geld und die Ressourcen hat, die Sparta braucht, um Athen zu besiegen; es sind die entschieden unspartanischen Handlungen zuerst von Alkibiades (der damals ein Verräter an Athen war) und später von Lysander, die die Allianz retten. Nach dem Ende des Peloponnesischen Krieges verprellte Sparta prompt seine entscheidenden Verbündeten und gerät zuerst mit Korinth in einen Krieg (der Korinthische Krieg 394 – 386) und dann mit Theben (378 – 371), die beide getreue Verbündete von Spartas anti-athenischen Bemühungen gewesen waren (Korinth war selbst ein Mitglied des Peloponnesischen Bundes). Dies führte direkt zum Verlust von Messenien und zum Zerbrechen der spartanischen Macht.

Kurzum, wann immer Sparta mit einem Problem konfrontiert war – überlegene feindliche Streitkräfte, Feinde zur See, befestigte feindliche Positionen, die Notwendigkeit, Verbündete zusammenzuhalten, finanzielle Anforderungen – jedes Problem, das nicht durch einen Frontalangriff mit Hopliten gelöst werden konnte, verprellte die traditionelle spartanische Führung Freunde und schlug sinnlos um sich. Oft versuchten die Spartaner – wie bei Korinth und später Theben – Freundschaft mit Hoplitenarmeen zu erzwingen, was exakt so schlecht funktionierte, wie ihr es euch vorstellen werdet.

Es fällt schwer, die strategische Inflexibilität von Sparta und die arrogante diplomatische Unfähigkeit der Spartiaten nicht als direkte Konsequenz des rigiden Indoktrinationssystems der agoge zu sehen. Jungen Spartiaten wurde immerhin beigebracht, daß jeder mit einem Handwerk zu verachten sei und daß jeder, der arbeiten mußte, geringer sei als sie – ist es da eine Überraschung, daß sie die Art von Kriegführung und Staatskunst verachteten, die von solchen Männern abhing? Die agoge setzte ihre Regeln – wie uns gesagt wird – mit reichlich Gewalt durch und war dazu bestimmt, strikte, gewalttätige Hierarchien zu schaffen, um zu Gehorsam anzuhalten. Es kann keine Überraschung sein, daß in solch einem System indoktrinierte Männer – die daher dafür anfällig waren zu versuchen, seine Methoden außer Landes anzuwenden – im Ausland schlechte Diplomaten und strategische Denker abgaben.

Strategische Ziele

Dies sind alles recht schwerwiegende Mängel, aber die Frage bleibt: erreichte Sparta seine Ziele? Immerhin kann kein Staat in allem gut sein – aber ein Barometer des staatlichen Erfolges ist das Ausmaß, in dem der Staat die Ziele erreicht, die er sich setzt. Das Problem hier ist, daß Sparta eine Vielzahl verschiedener Ziele zu verschiedenen Zeiten befürwortete oder verfolgte, was dazu führt, daß verschiedene Wissenschaftler Sparta verschiedene strategische Ziele zuschreiben. Wir werden ein schnelles Inventar all der Ziele erstellen, die Sparta zu verfolgen schien, von den größten bis zu den geringsten, und das Ausmaß betrachten, in dem es sie erreichte, angefangen mit:

1) Hegemonie über Griechenland. Es ist schwer zu sagen, in welchem Ausmaß Sparta dieses Ziel jemals wirklich verfolgte. Mehrere spartanische Führer – Könige wie Cleomenes I., der Regent Pausanias, Agesilaus II., zusammen mit Männern wie Lysander – schienen, sobald sie auf einem Feldzug außerhalb Spartas waren, eine viel weitere Sphäre der spartanischen Kontrolle über Griechenland ins Auge gefaßt und darauf hingearbeitet zu haben, sie zu verwirklichen. Gleichzeitig arbeitete die immer vorsichtige gerousia (zusammen mit den Ephoren) fast immer darauf hin, solche Männer einzuschränken und schließlich zu vernichten. Dies sollte uns daran erinnern, daß kein Staat – nicht einmal Sparta – wirklich eine unitäre Einheit mit einem Satz von Zielen ist, die jeder anstrebt; innerhalb des Staates gibt es eine komplexe Anzahl konkurrierender Interessen. Für die spartanischen Könige und einflußreichen Befehlshaber war Erfolg außerhalb Spartas eine verlockende Möglichkeit, potentiell Macht außerhalb des Systems aufzubauen, das sie innerhalb Spartas einschränkte; für die gerousia und die Ephoren – die dieses System waren – war Erfolg im Ausland eine Bedrohung für die Stabilität zu Hause.

Angesichts von Spartas inhärenten Ressourcen war das Ziel nicht unrealistisch; Sparta war nach Landfläche, wenn nicht nach Bevölkerungszahl, die größte polis in Griechenland. Aber die spartanische Hegemonie bestand weniger als ein Jahrzehnt, hauptsächlich wegen der Unfähigkeit der spartanischen Diplomatie. Während der Sieg über Athen 404 v. Chr. Sparta zum herausragenden griechischen Staat machte, begannen die Fehler fast sofort: die Besatzungs/Kollaborationsregierung in Athen (die „Dreißig Tyrannen“) war so grausam und unbeliebt, daß Sparta nach nur acht Monaten gezwungen war, in ihre Absetzung einzuwilligen. Währenddessen wandte Spartas herrisches Verhalten – einschließlich einer Weigerung, die Siegesbeute zu teilen, sowie militärische Aktivität gegen das kleine Elis und das große Persien, die nicht vom Peloponnesischen Bund sanktioniert war – Spartas Verbündete gegen es. Spartas Versuche, ihre Allianz militärisch wiederherzustellen, führte zum Korinthischen Krieg von 395, der beweisen sollte, daß Sparta, während es immer noch stark war, nicht stark genug war, um seine Allianzen mit Waffengewalt zu erzwingen. Falls irgendeiner der Spartaner jemals auf eine Hegemonie oder herausragende Stellung unter den Griechen abzielte, so kann man mit Sicherheit sagen, daß sie scheiterten.

2) Verhinderung von Tyrannei. Eine der Arten, wie Sparta sich positionierte, war die als der Staat, der sich für die Freiheit der Griechen einsetzte. Sparta hatte den persischen Tyrannen bekämpft, hatte Tyrannen in Athen zu vertreiben geholfen und später Athen selbst als „Tyrannenstadt“ dargestellt. Sparta selbst hatte niemals einen Tyrannen gehabt (bis Cleomenes III in den 220ern die alleinige Macht ergriff). Auf der Kehrseite war die spartanische Hegemonie anscheinend wenig besser als die athenische Hegemonie, angesichts dessen, wie Spartas eigene Verbündete beständig auf sie reagierten, und Sparta sollte am Ende absolut nichts tun, um Philipp II. von Mazedonien daran zu hindern, seine Alleinherrschaft über Griechenland zu konsolidieren. Als 338 der Ruf erging, erneut Widerstand gegen einen fremden Invasor zu leisten, fiel Sparta durch Abwesenheit auf.

Es spielt auch eine Rolle, wie genau Tyrannei hier verstanden wird. Für die antiken Griechen war Tyrannei ein technischer Begriff, der eine spezifische Art von Einmannherrschaft bedeutete – so ziemlich wie wir das Wort Diktatur für Monarchien verwenden, die keine Königreiche sind (obwohl dieses Wort in Griechenland keine ganz so starke negative Konnotation hatte). Sparta war ziemlich verläßlich in seiner Gegnerschaft zur Einmannherrschaft, aber das bedeutete nicht, daß es „freie“ Regierungen unterstützte. Zum Beispiel zwang Sparta Athen nach dem Peloponnesischen Krieg eine brutale Oligarchie auf – die die Athener „die Dreißig Tyrannen“ zu nennen begannen; ihre Herrschaft war so schlimm und harsch, daß sie nur acht Monate dauerte (eine weitere Leistung miserabler spartanischer Staatskunst). Solch eine Regierung war tyrannisch, aber keine Tyrannei im technischen Sinn.

Aber der spartanische Ruf, gegen Tyranneien zu kämpfen – sowohl in den Köpfen der Griechen als auch im [heutigen] Volksbewußtsein – beruht auf dem Kampf gegen eine sehr spezifische Monarchie: die Achämeniden von Persien.

3) Persien von Griechenland ausschließen. Dies ist die Sache, für die Sparta in der Populärkultur das meiste Verdienst zugeschrieben wird, aber Spartas Bilanz in dieser Hinsicht ist miserabel. Sparta führt (zusammen mit Athen) die griechische Koalition im zweiten Perserkrieg an, und – wie diskutiert – viel vom spartanischen Ruf wurde daraus aufgebaut. Aber Sparta war während des ersten Perserkrieges weitgehend nicht in Erscheinung getreten, und in den folgenden Jahrzehnten war Spartas Engagement in der Bekämpfung Persiens bestenfalls opportunistisch.

Während der späten Stadien des Peloponnesischen Krieges verbündete Sparta sich im Grunde mit Persien, nahm Finanzmittel und Schiffe zuerst vom persischen Satrapen Tissaphernes und später von Kyros dem Jüngeren (einem persischen Fürsten und Satrapen) an. Sparta fehlte immerhin die wirtschaftliche Grundlage, um seine eigene Marine zu finanzieren, und die Spartaner hatten – verspätet – begriffen, daß sie eine Marine brauchten, um Athen zu besiegen. Und natürlich wußten die Perser – und jeder Spartaner, der aufpaßte – daß die athenische Marine die eine Sache war, die Persien aus den griechischen Angelegenheiten draußen hielt. Sparta nahm also persisches Geld an, um die Flotten zu bauen, die notwendig waren, um die athenische Marine auszuschalten, mit der Folge, daß die ionischen Griechen erneut zu Untertanen des persischen Reiches wurden.

Normalerweise würde ich mich hier über die Unrichtigkeit dieser Szene beschweren, aber der grundlegende Inhalt, Spartaner, die persisches Geld annehmen, um andere Griechen fertigzumachen, ist weitgehend zutreffend – nur das Datum ist falsch. Dies sollte im Jahr 415 (und 387!) stattfinden, nicht 480.

Anschließend sollte die spartanische diplomatische Unfähigkeit zum Korinthischen Krieg führen (395 – 387), der sich in ein hässliches Patt verwandelte – teilweise aufgrund der Beschränkungen der spartanischen Belagerungs- und Marinekapazitäten. Unfähig, den Konflikt von sich aus zu beenden, wandten die Spartaner sich an Persien – schon wieder – um ihnen zu helfen, und die Perser vermittelten einen pro-spartanischen Frieden, indem sie den Korinthern mit einem persischen Eingreifen zugunsten Spartas drohten. Der anschließende Frieden – der „Königsfrieden“ (nachdem er vom persischen Großkönig Artaxerxes II angeordnet wurde) – war sehr günstig für Persien. Ganz Ionien, Zypern, Äolien und Carnia fielen unter persische Kontrolle, und der Vertrag verwehrte den Griechen die Bildung von Verteidigungsbünden – was bedeutete, daß er die Bildung jeder griechischen Koalition verhinderte, die groß genug wäre, um Widerstand gegen den persischen Einfluß zu leisten. Der Vertrag machte Sparta im Wesentlichen zu Persiens lokaler Durchsetzungsmacht in Griechenland, eine Rolle, die es bis zu seiner Niederlage 371 v. Chr. innehaben sollte.

In „300“ gibt es ein paar wirklich blöd aussehende persische Münzen; hier ist daher ein wirklicher persischer Gold-Dareikos von der Art, wie er unter Xerxes in Gebrauch gewesen wäre.

Falls Sparta das Ziel gehabt hat, den persischen Einfluß oder persische Tyrannei aus Griechenland draußen zu halten, so versagte es völlig und erbärmlich. Sparta öffnete nicht nur die Fenster, sondern auch die Türen für den persischen Einfluß in Griechenland – zwischen 410 und 370 tat Sparta wahrscheinlich mehr, als irgendein griechischer Staat jemals getan hatte oder jemals tun würde, um Griechenland in die persische Einflußsphäre zu drängen. Sparta sollte sich auch weigern, an Alexanders Invasion Persiens teilzunehmen – ein Punkt, wegen dem Alexander sie verspottete, indem er die Beute seiner Siege als „von allen Griechen außer den Spartanern“ widmete (Arr. Anab. 1.16.7); die Spartaner ihrerseits versuchten stattdessen, sie als Gelegenheit zu nutzen, um Kreta einzunehmen, und baten die Perser um Hilfe in ihrem Krieg gegen Alexander, bevor sie von Alexanders örtlichem Befehlshaber in etwas zerschlagen wurden, das Alexander als „einen Zusammenprall von Mäusen“ bezeichnete.

4) Bewahrung der Hegemonie über den Peloponnes. Dies ist eine kleinere Frage als die Hegemonie über Griechenland. Wie erwähnt, nahm Sparta selbst ungefähr ein Drittel des Peloponnes ein und war somit fast automatisch der dominante Staat in der Region. Und Sparta scheint wirklich beständig konkrete Schritte unternommen zu haben, um das zu erreichen, wie Herodot spezifisch erwähnt (Hdt. 1.68). Und Sparta scheint dieses – noch einmal, recht bescheidene – Ziel erreicht zu haben… eine Zeitlang.

Sparta scheint anfänglich versucht zu haben (Hdt. 1.66-8), seine Behandlung von Messenien in der Mitte des sechsten Jahrhunderts auf andere Teile des Peloponnes (nämlich Tegea) auszudehnen – das Scheitern dieser Politik führte zu einem maßvolleren Versuch, den Peloponnes lockerer in einen spartanisch geführten Militärbund (den Peloponnesischen Bund) zu zwingen. Dieses Projekt wurde niemals ganz vollendet; Argos – die zweitgrößte Macht auf dem eigentlichen Peloponnes, aber eine klar zweitrangige Macht verglichen mit Athen, Korinth, Sparta oder Theben – widersetzte sich in dem gesamten Zeitraum erfolgreich spartanischen Versuchen, es zu beherrschen. Aber insgesamt übte Sparta zum Ende des 6. Jahrhunderts eine (vielleicht etwas lockere – der Trend in der Wissenschaft war in letzter Zeit, die plastische und recht lockere Organisation des Peloponnesischen Bundes zu betonen) Art von Vorherrschaft auf dem Peloponnes aus.

Der Kern dieser Kontrolle besteht bis 371 v. Chr., als die spartanische Niederlage in der Schlacht von Leuktra diese Kontrolle zerschlägt. Epaminondas, der thebanische Befehlshaber, nutzte die Gelegenheit, um die Heloten von Messenien zu befreien und sie zu einer polis zu reformieren, um ein örtliches Gegengewicht zu Sparta zu schaffen, während Arkadien und Elis sich von Spartas Allianz abspalteten, um ihren eigenen Verteidigungsbund gegen Sparta zu bilden, und obendrein bildete eine Anzahl von Periökengemeinden – einschließlich der leichten Eliteinfanteriespäher der Spartaner, der Sciritae – zusammen mit verschiedenen Grenzländern ebenfalls die neue polis Megalopolis an der spartanischen Nordgrenze – sie schloß sich prompt dem Arkadischen Bund an (diese polis sollte uns später den Historiker Polybius bescheren; seine anti-spartanische Haltung kommt klar darin zum Ausdruck, wie er Cleomenes III behandelt). Sparta, nun umgeben von feindseligen poleis, die einst Verbündete gewesen waren, sollte den Rest der Antike als politisches Nichts verbringen, abgesehen von einem kurzen Versuch in den 220ern, die spartanische Größe wiederherzustellen, der von den mazedonischen Antigoniden zerschlagen wurde, die nicht in der Stimmung waren, spartanische Illusionen von Größe zuzulassen.

Wir könnten also sagen, daß Sparta erfolgreich darin ist – wenn auch nicht gänzlich (Argos!) – eine Hegemonie über den Peloponnes herzustellen, aber es behält diese nur für ca. 175 Jahre. Das ist nicht schlecht, aber als Rekord dafür, daß ein größerer Staat seinen Hinterhof dominiert, ist es auch nicht enorm beeindruckend.

5) Schutz der spartanischen Gesellschafts- und politischen Ordnung. Das letzte Ziel, dessen wir uns recht sicher sein können, ist, daß Sparta darauf abzielte, die innere gesellschaftliche und politische Ordnung Spartas zu schützen, was im Wesentlichen auf ein strategisches Ziel hinausläuft, weiterhin die Heloten und die Periöken schlecht behandeln zu können. In der Praxis – angesichts von Spartas verzweifelter Knappheit an Mannstärke (und wirtschaftlichen Ressourcen!) und seiner fortgesetzten Unwilligkeit, die Natur seines unterdrückerischen Klassensystems zu revidieren – können wir mit einiger Sicherheit sagen, daß Sparta effektiv alle anderen Ziele auf dem Altar dieses einen opferte.

Und doch war Spartas Versagen hier vielleicht das vollständigste von allen. Der Kollaps der Spartiatenklasse ließ nach Leuktra nicht nach; bis zu den 230ern waren kaum noch Spartiaten übrig. Währenddessen stellte der Übergang Messeniens von einer Gruppe unterworfener Gemeinden, die Sparta wirtschaftlich unterstützten, zu einer aktiven und feindlichen Macht an Spartas Grenze im Wesentlichen das Ende der spartanischen Gesellschaftsordnung, wie sie im siebten Jahrhundert mit der Unterwerfung Messeniens in das Helotentum überhaupt erst begründet wurde.

Erreicht Sparta also seine strategischen Ziele? Im Großen und Ganzen, denke ich, muß die Antwort nier „nein“ lauten. Sparta – der angebliche Feind von Tyrannen – lud durch falsche Handhabung seiner eigenen Führungsrolle einen fremden Unterdrücker nach dem anderen nach Griechenland ein (Mazedonien und Persien). Als ein Staat, der sich – wenigstens nach meinem Eindruck – als den natürlichen und rechtmäßigen Führer aller griechischen Staaten betrachtet zu haben scheint, erwies Sparta sich routinemäßig und umfassend als dieser Stellung unwürdig.

Das eine, was wir für die spartanische Außen- und Militärpolitik sagen könnten, ist, daß sie die Welt sicher für die Helotensklaverei gemacht zu haben scheint – es bewahrte das brutale Unterdrückungssystem, das die Grundlage des spartanischen Staates war. Aber bedenkt, was für eine schwache Leistung das ist – wir könnten immerhin dasselbe über Nordkorea behaupten: es hat nur geschafft, sein eigenes internes Unterdrückungssystem erfolgreich zu bewahren.

Sparta nach dem Filmabspann

Was wird aus Sparta, nachdem seine Hegemonie 371 v. Chr. zerbricht, nachdem Philipp II es im Jahr 338 erniedrigt und nachdem Antipater es 330 zerschlägt? Dies ist ein Teil der spartanischen Geschichte, den wir nicht viel diskutieren, aber es liefert einen brauchbaren Schlußsatz zum Sparta des fünften und vierten Jahrhunderts. Athen blieb immerhin durch die römische Periode hindurch eine große und bedeutende Stadt in Griechenland – ein Zentrum für Handel und Kultur. Korinth – wenngleich von den Römern niedergebrannt – wurde wieder aufgebaut und blieb unter den Römern ein wichtiger und wohlhabender Hafen.

Was wurde aus Sparta?

Kurz gesagt, Sparta wurde zu einem Themenpark. Ein malerischer Ausflugsort für Touristen, wohin reiche Griechen und Römer kommen konnten, um die seltsamen Spartaner und ihre albernen Rituale anzustarren. Es entwickelte eine Tourismusindustrie, und die Märkte richteten sich sogar auf die Bedürfnisse der elitären römischen Touristen aus, die dorthin reisten (Plutarch und Cicero taten das beide, Plut. Lyc. 18.1; Tusc. 5.77).

Hinsichtlich der bürgerlichen Organisation ähnelte Sparta nach Cleomenes‘ III letztem Versuch, Sparta relevant zu machen – ein Versuch, der nahezu die gesamte verbliebene Spartiatenklasse auslöschte (Plut. Cleom. 28.5) – zunehmend jeder anderen hellenistischen griechischen polis, wenngleich es eine relativ berühmte und auch arme war. Seine materielle und literarische Kultur scheint sich dem Rest der Griechen anzunähern, wobei die einzigen für Sparta besonderen Elemente der Gesellschaft im Wesentlichen Potemkin-Rituale für Jungen waren, die für die Touristen aufgeführt wurden, die anscheinend die Wirtschaft am Laufen hielten und dem, was von Sparta übrig war, den guten Willen seiner römischen Oberherren bewahrten.

So endete Sparta: nicht mit einem tapferen letzten Gefecht. Nicht mit mächtigen Heldentaten. Oder irgendwelchen großen kulturellen Beiträgen. Als Touristenfalle für reiche und gelangweilte Römer.

Zum Schluß: Die Anklage gegen Sparta

Als wir mit dieser Serie begannen, hatten wir zwei Mythen, den Mythos von der spartanischen Gleichheit und den Mythos von der spartanischen militärischen Exzellenz. Diese beiden Mythen beherrschen das Bild Spartas im allgemeinen Bewußtsein, durchdringen Darstellungen und Diskussionen Spartas in Spielen, Filmen und Schriften. Diese Mythen sind mehr als irgendeine wirkliche Gesellschaft das, was Firmen wie Spartan Race, Spiele wie Halo und – ja – Filme wie 300 anzapfen und sich zu Nutze machen.

Aber Sparta war nicht gleich, in Wirklichkeit war es die am wenigsten gleiche griechische polis, von der wir wissen. Es war eine der am wenigsten gleichen Gesellschaften im antiken Mittelmeerraum, und eine, die ihre Unterklassen – die zum Ende hin bis auf einen Rundungsfehler die gesamte Gesellschaft ausmachte – schrecklich behandelte. Ihr werdet gelegentlich oberflächliche Antworten sehen, daß Sparta nicht mehr von Sklavenarbeit abhängig war als der Rest Griechenlands, aber schon ein einfacher Blick auf die Demographie macht kalr, daß das nicht wahr ist. Außerdem besagen unsere Quellen klar, daß die Heloten die am schlechtesten behandelten Sklaven in Griechenland waren. Nicht einmal unter den Spartiaten war Sparta gleich, und das war es niemals.

Und Sparta war militärisch nicht exzellent. Sein Militär war zutiefst mittelmäßig, deprimierend durchschnittlich. Selbst von den Schlachten, der einen Sache, in der es gut gewesen sein soll, verlor Sparta genauso viele, wie es gewann. Wenn man Sparta so beurteilt, wie wir sollten – danach, wie gut es strategische Ziele erreichte – waren Spartas Armeen ein umfassender Fehlschlag. Der Spartaner war kein Supersoldat, und das spartanische Training war nicht exzellent. Weit davon entfernt, ihn zu einem Supersoldaten zu machen, machte die agoge den Spartaner unflexibel, arrogant und unkreativ, und diese Fehler führten direkt zum Niedergang von Spartas Macht.

Und ich möchte das ein letztes Mal betonen, weil ich weiß, daß es so viele Leute gibt, die alle Übel von Sparta verzeihen würden, wenn es bedeutete, daß es hervorragende Soldaten schuf: das tat es nicht. Spartanische Soldaten waren Durchschnitt. Der Horror des spartanischen Systems, die Scheußlichkeit der agoge, die Unterdrückung der Heloten, die Reglementierung des täglichen Lebens, es war alles für nichts. Schlimmer noch, es schuf eine spartanische Führungsklasse, die unfähig war, selbst um einfache Probleme herumzudenken. All dieses angeblich coole Zeug machte Sparta schwächer, nicht stärker.

Dies wäre schlimm genug, aber der Fall für Sparta ist schlimmer, weil es – als etwas, worauf man stolz war – sonst nichts produzierte. Keine Innovation im Rechts- oder Regierungswesen kam aus Sparta (ich hoffe, ich habe gezeigt, daß das spartanische Gesellschaftssystem der Nachahmung unwürdig ist). Nach 550 produzierte Sparta keine Handelsgüter oder nennenswerte materielle Kultur. Es lieferte keine großen Kunstwerke, um die conditio humana zu erheben, keine große Literatur, um zu inspirieren. Trotzdem es recht anständiges Ackerland besaß, war es wirtschaftlich unterentwickelt, unterbevölkert und unbedeutend.

Athen brachte großartige Literatur und innovatives politisches Denken hervor. Korinth war wirtschaftlich wesentlich – ein bedeutender Hafen im Herzen Griechenlands. Theben gab uns Pindar und war im frühen vierten Jahrhundert eine Brutstätte militärischer Innovation. Alle drei Städte wurden durch großartige Architektur geziert und lieferten großartige Kunstwerke von großen Künstlern. Aber Sparta, Sparta gibt uns fast nichts.

Sparta war – wenn ihr den Vergleich gestattet – ein antikes Nordkorea. Ein übermilitarisierter, paranoider Staat, der nur seine eigenen Systeme der internen Brutalität zu schützen fähig war und der der Summe der menschlichen Erfahrung nur Unterdrückung hinzufügte. Wenig mehr als ein außerordentlich effektives Gefängnis, metastasiert zum Niveau eines Staates. Hier gibt es nichts von ausgleichendem Wert.

Sparta ist nichts, das nachzuahmen wäre. Es ist eine warnende Geschichte.

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Neue Kommentarpolitik auf „Morgenwacht“: Wie bereits hier unter Punkt 1 angekündigt, am Schluß dieses Kommentars wiederholt als Absicht geäußert und in diesem Kommentar endgültig festgelegt, werden neue Kommentatoren nicht mehr zugelassen und sind die Kommentarspalten nur noch für die bereits bekannte Kommentatorenrunde offen.

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