Das. Ist. Nicht. Sparta. (1): Spartanische Schule

Die ikonische Szene in 300, wo Leonidas den persischen Gesandten mit den Worten „Das – Ist – Sparta!“ in den Brunnen tritt. (Bild von Lucifex hinzugefügt)

Von Bret Devereaux, übersetzt von Lucifex. Das Original This. Isn’t. Sparta. Part I: Spartan School erschien am 16. August 2019 auf dem Blog A Collection of Unmitigated Pedantry des Autors.

Dies ist Teil I einer siebenteiligen Serie (IIIIIIIVVVIVII), die das populäre Vermächtnis Spartas (verkörpert in Filmen wie 300) mit dem historischen antiken Staat vergleicht. Heute sehen wir uns zuerst die Quellen unserer Informationen über Sparta an und beginnen dann am Anfang: dem spartanischen Erziehungs- und Trainingssystem, der agoge.

Ich wußte, daß wir uns schließlich hierher begeben würden (insbesondere eine Kritik an 300 ist ein recht häufiger Leserwunsch gewesen), aber ich beschloß, dies im Kalender nach oben zu schieben, nachdem ich die einander duellierenden Artikel in der New Republic über den Wert Spartas gelesen hatte. Ich denke nicht, daß einer der beiden Artikel wirklich so umfassend war, wie er hätte sein können, und ich hatte das Gefühl, daß einer davon zutiefst irrig war – es wird bald sehr offensichtlich sein, welcher.

Spartas Vermächtnis in der amerikanischen Populärkultur ist immer markant gewesen, aber es scheint das besonders jetzt zu sein. Man sieht das spartanische Lambda (das Λ für Lakedaimon, der Name des Territoriums von Sparta) auf T-Shirts. Sparta wird auf Fitnessmotivationspostern beschworen. Berühmte spartanische Bonmots (wie molon labe – „kommt und holt sie euch“ [d. Ü.: in diesem Zusammenhang: die Waffen] werden in moderne politische Slogans verwandelt. Es gibt eine ganze populäre Serie von Hindernisläufen, genannt „Spartan race“ (eine unglückliche Formulierung, wenn ich je eine gehört habe).

Das Logo für die „Spartan Race“-Hindernisläufe. Es scheint relevant zu sein, anzumerken, daß der Helm hier ein korintischer Helm ist. Historisch wird Sparta stärker mit dem Helmtyp pilos assoziiert, einem einfachen konischen Helm aus Bronze, der das Gesicht und die Ohren freiließ, aber wahrscheinlich trugen Spartaner, was immer ihnen für ein Helm gefiel.

Es dehnt sich in den breiteren Gebrauch in der Populärkultur aus. Natürlich mußte der Hauptprotagonist von Assassin’s Creed: Odyssey ein Spartaner sein. Spartaner sind sogar eine militärische Elitetruppe in Total War: Rome II (das ein Jahrhundert nach der Zeit stattfindet, als Sparta aufhörte, eine bedeutende Militärmacht zu sein). Der Name für die Supersoldaten des Halo-Universums, einschließlich des Protagonisten Master Chief, ist Spartaner. Die Schlacht bei den Thermopylen und ihre dreihundert Spartiaten (warum sage ich nicht „Spartaner“? dazu kommen wir nächsten Woche) bekommt eine freundliche namentliche Erwähnung in Star Trek: Deep Space Nine und ein volles, liebevolles Reenactment in Samurai Jack von Cartoon Network.

Heroische Spartaner, wie sie in der Serie Samurai Jack von Cartoon Network, „Jack and the Spartans“, Staffel 2, Episode 25, auftreten. Die Schlacht bei den Thermopylen wird hier nachgespielt, aber mit den robotischen Monstern des bösen Aku als Ersatz für die persische Armee, was eine sehr wörtlich genommene Entmenschlichung ist.

Den gesamten Bogen von Spartas Präsenz in Politik und Populärkultur zu behandeln, wäre eine eigene Artikelserie, und das ist nicht das, was ich hier tun werde. Ich möchte über die wirkliche griechische polis Sparta reden, nicht über den Stadtstaat unserer Vorstellung (um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie sehr die populäre Vorstellung daneben liegt, laßt mich anmerken, daß Sparta aus dem einfachen Grund kein Stadtstaat war, daß es keine Stadt hatte – es hatte stattdessen fünf Dörfer). Wir werden also vereinfachen: unser Modell für die popkulturelle Präsenz Spartas wird bloß ein Film sein: 300, entstanden unter der Regie von Zack Snyder.

Wie ihr euch vielleicht vorstellen könnt, bedeutet das, daß 300 hier mehr als nur ein bißchen Haue kriegen wird. Ich werde ehrlich sein, 300 ist ein schuldbewußtes Vergnügen von mir gewesen. Ich denke, ich finde mich hier in einer ähnlichen Position wieder wie Dan Olsen: es ist ein zutiefst verantwortungsloser Film, und nicht bloß, weil der Soundtrack plagiiert wurde), aber isoliert gesehen ist er dennoch ein sehr wirksamer Film bei der Vermittlung der Kraft und der Emotionen, auf die er abzielt.

Die Vertiefung in brauchbare Details über Sparta wird erfordern, daß ich einige ungeläufige Terminologie einführe – keine Sorge, ich werde alles definieren, wenn es zum ersten Mal vorkommt. Aber als Referenz verbinde ich diesen Beitrag mit einer hier verlinkten Terminologieliste. Wir werden heute nicht zu all diesen Begriffen kommen, aber das werden wir im Laufe der nächsten paar Wochen.

Okay. Fangen wir an.

Ein Wort von unseren Quellen

Aber zuerst ein Wort über unsere Quellen.

300 beginnt – bevor wir überhaupt irgendwelche Charaktere sehen – mit der rauhen Stimme des Erzählers, von dem wir erfahren, daß er Dilios ist, ein abgehärteter spartanischer Krieger (die historische Gestalt hier hieß in Wirklichkeit Aristodemus, und wir werden später auf seine traurige Geschichte zurückkommen). Dies ist auf seine eigene Art die erste Schwindelei des Films – wir bekommen unsere Geschichte von einem normalen Kerl erzählt, einem Krieger und noch dazu einem Spartaner.

Dilios: was 300 euch glauben machen will, wie unsere Quellen sind. Randnotiz: Dilios im Film wird ehrenvoll behandelt und nach den Thermopylen anscheinend zum Führer der Spartaner. Die historische Gestalt – Aristodemus – wurde intensiv beschämt, so sehr, daß er in der Schlacht von Plataiai Selbstmord-durch-Perser beging.

In Wirklichkeit sind unsere Quellen für Sparta nichts dergleichen, Mit einer relativ kleinen (aber interessanten!) Ausnahme schreiben die Spartaner uns nichts. Sparta brachte wenig Kunst und fast keine große Literatur hervor (es gibt nur zwei kleine Ausnahmen) – dies wird immer weniger überraschen, während wir die spartanische Gesellschaft untersuchen. Stattdessen hören wir von Sparta durch die Augen anderer griechischer Autoren, im wesentlichsten Herodot, Thukydides, Xenophon, Aristoteles und Plutarch (in chronologischer Reihenfolge statt nach Bedeutung). Wir werden ein wenig später zu Herodot und seiner Sicht auf Sparta kommen, wenn wir über Spartas Erfolgsbilanz auf dem Schlachtfeld reden. Aber ich möchte mich jetzt den anderen vier zuwenden, denn sie haben eine Anzahl von Vorurteilen und Meinungen gemeinsam, derer wir uns bewußt sein sollten.

Offen gesagt waren diese Kerle alle Snobs. Thukydides und Xenophon waren beide aristokratische Athener (sie durften Generäle sein statt gewöhnliche Soldaten), die frustriert darüber waren, daß die Demokratie – nach ihrer Sicht – die wankelmütigen, ungebildeten und armen „Massen“ Entscheidungen treffen ließ, die den „über ihnen stehenden Leuten“ vorbehalten sein sollten. In mancher Hinsicht kodifiziert Aristoteles dies sowohl in der Nikomachische Ethik und in seiner Politik in seinem Verständnis der Natur der Tugend – dies ist am sichtbarsten in seiner Diskussion am Ende des ersten Buches der Politik über die (geringere) Tugend, über die Frauen, Kindern und Sklaven verfügen. Für diese Autoren ist Sparta ein Spiegel, den sie der Politik Athens vorhalten – gut über Sparta zu sprechen ist eine Art der Kritik an dem, was ihnen an Athen nicht gefällt (welches die Demokratie ist).

Die Schule von Athen, von Raffael. Das, was wirklich unsere Quellen für Sparta sind. Tatsächlich sind mehrere unserer Quellen – Plato, Aristoteles, möglicherweise Xenophon und vielleicht sogar Strabo hier enthalten. Keine grimmigen spartanischen Krieger, sondern recht verhätschelte Athener Philosophen (und Xenophon, der sowohl ein verhätschelter Athener Philosoph als auch ein grimmiger Athener Soldat war.

Im Gegensatz dazu schreibt Plutarch – unsere letzte Quelle – über die Spartaner (in seinem Das Leben Lykurgs und Lysander sowie in den Moralia) ungefähr 470 Jahre nach der Hochzeit der spartanischen Macht und 300 Jahre nach dem letzten Mal, daß Sparta auch nur entfernt militärisch relevant war (er ist ebenfalls ein wohlhabender Grieche mit guten Verbindungen). Zu Plutarchs Zeit war Sparta auf wenig mehr als eine Touristenattraktion unter römischer Herrschaft reduziert worden.

Kurz, dies sind alles freie, aristokratische Kerle, und sie identifizieren sich mit den Belangen und Meinungen anderer freier, aristokratischer Kerle. Xenophon war sogar ein Kumpel von einem der spartanischen Könige. Wie diese Gesellschaft für den armen Spartaner funktioniert, oder für den Sklaven oder den Nicht-Bürger, ist einfach nichts, das irgendeinen dieser Autoren kümmert. Sie sind Parteigänger der spartanischen Oberschicht (manche mehr als andere).

Bedeutet das, daß wir die Informationen nicht verwenden können, die sie uns geben? Natürlich nicht. Wir können – mit einigen Vorbehalten – ihren Fakten vertrauen, aber wir brauchen nicht ihren Urteilen zu vertrauen. Diese Männer kommen zu dem Schluß, daß Sparta fantastisch ist, weil Sparta fantastisch für Männer wie sie zu sein scheint – reiche, gebildete, erwachsene männliche Bürger. Sie beurteilen Sparta auch nach den Werten und Anliegen dieser schmalen Klasse von Menschen, was – wie wir sehen werden, kaum die einzige Art ist, Sparta zu beurteilen. Wir können die Fakten verwenden, die sie uns geben – die Details über die spartanische Kultur, Regierung und so weiter -, aber wir sollten uns unsere eigene Meinung über die Gesellschaft bilden, die sie skizzieren, geprägt durch unsere eigenen Werte.

(Eine Anmerkungen über Zitierungen – ich werde im Zuge des Artikels einen Haufen Verweise auf antike Quellen geben, im traditionellen alten Format – wenn ihr einer Zitierung nachgehen wollt und keine Ahnung habt, was Hdt. oder Xen. Lac. bedeutet, @mir auf Twitter (@BretDevereaux), und ich kann euch den richtigen Weg weisen. Dies ist nicht als erschöpfende Liste von allem gedacht, aber genug, daß wir beruhigt sind, daß, ja, dies wirklich ist, was die Quellen sagen, und ja, daß ich sie tatsächlich gelesen habe. Ja, sogar diejenigen, von denen ihr nicht gehört habt, wie Tyrtaeus und Alkman.)

Das Bild ist, wie sich herausstellt, ziemlich düster.

Schulung der Spartaner

Unser Veteran beginnt mit der detaillierten Schilderung von Leonidas‘ Entwicklungsweg durch das spartanische Erziehungssystem, die agoge (ἀγωγή, für die Neugierigen, das ist als ah-go-GAY auszusprechen – natürlich verpfuscht der Film die Aussprache). Der Film weiß gewiß, was er von der agoge und der spartanischen Erziehung im Allgemeinen denkt: dies ist eine badass-Schule für badasses, harte Kerle, die mit einer Initiation endet, bei der er einen riesigen Wolf jagt und sich als mächtiger Krieger und außerdem als König beweist. Uns wird all das in bloß zwei Minuten gezeigt, und wir werden nicht dazu ermutigt, zu sehr darüber nachzudenken. Denn je mehr man darüber nachdenkt, desto mehr erkennt man, wie entsetzlich es ist. Es ist Zeit, meine normale witzelnde Art fallenzulassen, dies wird finster werden.

(Randnotiz: 300 ist in einem Punkt tatsächlich korrekt: Leonidas hat wahrscheinlich die agoge durchgemacht. Während die Erben der beiden erblichen Könige von Sparta von der agoge befreit waren (Plut. Agesilaus 1.1) – vielleicht weil der Staat es sich nicht leisten konnte, ihre Leben so herzlos zu riskieren -, war Leonidas ein jüngerer Bruder und somit nicht befreit (nachdem die Befreiung nur für den ältesten Sohn galt und nicht für seine jüngeren Brüder). Es ist falsch, daß er als König zurückkehrt – Leonidas war schon lange erwachsen, bevor seine Brüder starben und ihm den Thron überließen.)

Vorweg eine Inhaltswarnung: wir werden die agoge beschreiben, was bedeutet, Gewalt zu beschreiben, einschließlich sexueller Gewalt (wie wir sie definieren würden) an Kindern. Falls ihr das überspringen wollt, wird euch das niemand vorwerfen – wenn ihr nächste Woche immer noch auf derselben Seite sein wollt, springt einfach zur Schlußfolgerung hinunter.

Die Details sind hier in Wirklichkeit nicht völlig daneben. Spartanische Jungen wurden im Alter von sieben Jahren aus ihren Familien entfernt und in Herden (agelai) unter der Aufsicht eines einzelnen erwachsenen männlichen Spartaners gruppiert – außer den Erben der beiden erblichen Könige, die befreit waren. Die Ordnung wurde bewahrt, indem man den älteren Jungen erlaubte, die jüngeren Knaben zu schlagen und zu peitschen (Xen. Lac. 2.2). Die Jungen wurden absichtlich unterernährt (Plut. Lyc. 17.4; Xen. Lac 2.5-6). Sie wurden dadurch zum Stehlen angespornt, um den Unterschied auszugleichen, aber schwer geschlagen, wenn man sie erwischte (Plut. Lyc. 17.3-4; Xen. Lac. 2.6-9).

Nicht einmal die Musterknaben entgingen der Gewalt, nachdem die spartanischen Jugendlichen jährlich am Altar der Artemis Orthia gepeitscht wurden (Plut. Arist. 17.8; Lyc. 18.1; Paus. 3.16.10-11). Plutarch sagt klar, daß das kein leichtes Ritual war, sondern daß er selbst erlebt hatte, wie Jungen als Folge der Schläge starben (Plut. Lyc. 18.1; Plutarch, das sollten wir in Erinnerung behalten, ist ein relativ später Autor, daher ist es möglich, daß die Todesfälle, die er miterlebte, das Produkt der späteren Wiedererfindung dieses Rituals waren, aber ein Ritual dieser Art scheint selbst in der klassischen Periode existiert zu haben, man beachte Xen. Lac. 2.9. Vgl. auch Cic. Tusc. 2.34).

Man kann anscheinend mit Sicherheit annehmen, daß dies nicht die einzigen Todesfälle in der agoge waren. Man sagt es uns nicht, aber erscheint unvermeidlich, daß in einem System, das Gruppen von Jungen absichtlich unterernährte, um sie zum Stehlen zu zwingen, die schwächsten und kleinsten Jungen schließlich in eine Spirale des Versagens geraten, wo der Mangel an Nahrung zu weiterer Schwäche und zu weiteren Bestrafungen durch andere Jungen führt. Angesichts von Spartas starker Tradition des eugenischen Kindesmords (wir kommen in ein paar Wochen dazu) erscheint es sicher zu schlußfolgern, daß man dies zuließ.

300 gibt uns diese Szene des jungen Leonidas im Kampf gegen einen anderen Jungen, wo wir annehmen sollen, daß es ein Pankration war. Aber es sollte betont werden, daß der Großteil der Gewalt in der agoge, von der antike Quellen erzählen, keine Boxkämpfe zwischen gleichaltrigen Jungen waren, sondern brutale Bestrafungen jüngerer Knaben durch ältere Jungen.

Ich sollte anmerken, daß, während die antike Erziehung und Schulung sicherlich gewalttätiger war, als wir es heute tun, das spartanische System selbst nach den Maßstäben der Zeit als abnormal brutal gegenüber diesen Jungen erkannt wurde.

Sodann gibt es das Thema der Beziehungen. Im Alter von zwölf Jahren (Plut. Lyc. 17.1) pflegten die Jungen in der agoge eine Beziehung mit einem älteren Mann einzugehen – Plutarch drückt recht deutlich aus, daß dies eine sexuelle Beziehung ist (man beachte auch Aelian VH. 3.10, der es ähnlich direkt ausdrückt). Uns sollte es auch aus Plutarchs Sprache klar sein – die Männer hier sind die neoi (νέοι), junge Männer in ihren Zwanzigern, die in Sparta noch nicht heiraten dürfen, was die Natur dieser Beziehungen zum Teil erklären könnte.

Xenophon (Xen. Lac. 2.12-14) widerspricht und behauptet, daß diese Beziehungen nicht sexueller Art waren. Xenophon hat den Vorteil der [zeitlichen] Nähe (er schrieb 500 Jahre vor Plutarch), aber gleichzeitig gibt er offen zu, daß weithin geglaubt wurde, daß diese Beziehungen sexueller Art waren, und Xenophon schreibt ausdrücklich in Verteidigung spartanischer Bräuche. Selbst falls Xenophon hinsichtlich der idealen Natur dieser Beziehungen recht hat, müssen wir annehmen, daß er uns nichts über Fälle sagen würde, wo dieses Ideal gebrochen wurde.

300 macht sich Xenophons Rationale für die Beziehung zwischen spartanischen Männern und Jungen in der agoge zu eigen – selbst so weit, daß es Leonidas gay-shaming von athenischen „Knabenliebhabern“ betreiben läßt, aber wir wissen aus unseren Quellen – einschließlich Xenophon! -, daß es Sparta und nicht Athen war, das in der Antike diesen Ruf hatte.

Man sagt uns, daß diese Beziehungen freiwillig waren, aber wir sollten diese Behauptung so ziemlich in derselben Weise in Frage stellen, wie wir allgemein Anführungszeichen um Berichte von „freiwilligen“ arrangierten Ehen in Gesellschaften setzen, wo klar ist, daß die Frauen keine wirkliche Möglichkeit haben, sich zu weigern, was auch immer die Regeln sagen. Diese spartanischen Jungen werden sich um die Mitgliedschaft in einer Speisegemeinschaft (syssitia – ein Konzept, zu dem wir später zurückkehren werden) bewerben müssen, wenn sie zwanzig sind – die Aufnahme erfordert eine einstimmige Abstimmung der existierenden Mitglieder. In keine dieser Speisegemeinschaften hineinzukommen hatte den Verlust des Bürgerstatus zur Folge – im Grunde den völligen gesellschaftlichen Tod und einen dauerhaften schwarzen Fleck auf der gesamten Familie. Wie weit wird unter diesen Bedingungen ein zwölfjähriger Junge eine Beziehung mit einem älteren Spartaner verweigern können, der ihn bei der Aufnahme in sein syssition zu unterstützen verspricht? Oder der Sex im Austausch dafür fordert?

Und nur damit das völlig klar ist: kein zwölfjähriger Junge ist in der Lage, in so etwas einzuwilligen, nicht jetzt, niemals, unter keinen Umständen.

Ein Initiationsritus für die älteren Jungen in der agoge war die Mitgliedschaft in der krypteia (κρυπτεία). Es ist nicht klar, ob alle jungen Männer diesen Initiationsritus durchmachten oder nur die vielversprechendsten (Plut. Lyc. 28.2 deutet an, daß es nur die besten waren, Plato Laws 633 scheint anzudeuten, daß es ein ziemlich gängiger Initiationsritus war; von den modernen Wissenschaftlern folgt Cartledge, Sparta and Lakonia (1979) Jeanmaire (1913) darin, daß er sie als allgemeine Institution sieht, und ich stimme zu). Plutarch versucht diese Institution auf die 460er-Jahre zu datieren, statt sie als Teil der ursprünglichen spartanischen Verfassung zu sehen, aber das kann nicht stimmen, da Herodot davon zu wissen scheint (Hdt. 4.146.2) und sie als einen bereits alten Brauch betrachtet.

Leonidas, der sich als Teil seiner Initiation in die Krypteia in der Wildnis versteckt. Ich halte es für notwendig, hervorzuheben: egal wie „badass“ oder trainiert man ist, die Nacht bei Frostbedingungen in nichts als einem Lendentuch zu verbringen, wird einen umbringen. Der Unterkühlung ist es egal, wie viele Wiederholungen körperlicher Übungen man schafft.

Was tat die krypteia ? Sie schwärmten auf dem Land aus (das von den Heloten bestellt wird, einer Unterschicht von Sklaven, die wir im nächsten Beitrag detaillierter diskutieren werden), versteckten sich bei Tag und kamen nachts heraus und ermordeten alle Heloten, die sie antrafen, oder von denen sie dachten, daß sie einen unabhängigen Geist zeigten (Plut Lyc 28), funktionierten im Wesentlichen als eine Geheimpolizei, um die Heloten durch exemplarische Morde auf Linie zu halten. Wir werden in späteren Beiträgen darauf zurückkommen, um diese Institution durch die Augen von Heloten zu betrachten.

Dies ist vielleicht die eklatanteste Art, auf die 300 die agoge beschönigt. Im Film besteht Leonidas die Reifeprüfung, indem er einen Wolf tötet, der Jagd auf ihn macht. Aber es ist fast sicher, daß der wirkliche Leonidas die Abschlußprüfung seiner spartanischen Ausbildung bestand, indem er nachts einem unbewaffneten, untrainierten Mann nachstellte und ihn ermordete. Den Sohn einer Mutter, den Bruder einer Schwester, den Vater eines Kindes. Unser Held, Ladies und Gentlemen.

Stellt euch diese Szene vor, aber statt eines furchterregenden Wolfs ist es ein verängstigter und verwirrter, unbewaffneter und untrainierter Mann, der sich um seine eigenen Angelegenheiten kümmert und nachts nach Hause geht.

Aber wartet – wir können uns vorstellen, wie das Töten eines furchterregenden und gefährlichen Wolfs einen Mann auf den Kampf vorbereiten oder seinen Mut beweisen könnte. Aber warum muß Leonidas – der an diesem Punkt ein Jahrzehnt Kampftraining hinter sich hat und bewaffnet ist, einen unbewaffneten, untrainierten und ungewarnten versklavten Mann töten, um ein voller Spartiat zu werden?

Was beweist ein einfacher Mord?

Indoktrination und Kindersoldaten

Soweit haben wir dieses „Bildungssystem“ auf ziemlich einfache Art diskutiert und nur seine Elemente beschrieben. Moderne Parallelen heranzuziehen, kann uns zu verstehen helfen, was die agoge tut, was sie ist, warum sie so funktioniert, wie sie es tut, und was wir von ihr halten können.

Die der spartanischen agoge am nächsten kommenden modernen Institutionen sind Systeme für die Indoktrinierung und Konditionierung von Kindersoldaten und Terroristen. Tatsächlich sind die Parallelen nicht bloß nahe, sondern beinahe exakt.

(Es gibt eine wahrhaft deprimierende Vielzahl von Gruppen auf der Welt, die immer noch Gebrauch von Kindersoldaten machen, oft in schrecklich jungem Alter. Ich habe, um diesen Vergleich so tief in Fakten zu verwurzeln, wie ich konnte, so breitgefächert über sie zu lesen versucht, wie ich Zeit dafür hatte. Das Folgende beruht hauptsächlich, aber nicht ausschließlich, auf A. Honwana, Child Soldiers in Africa (2006); M. Bloom und J. Horgan, Small Arms: Children and Terrorism (2019); Depuy und Peters, War and Children (2010); Beber und Blattman, „The Logic of Child soldiering and Coercion” IO 67.1 (2013): 65-104; Woodward und Galvin, „Halfway to Nowhere: Liberian Former Child Soldiers in a Ghanaian Refugee Camp” AAAG 99.5 (2009): 1003-1011. Ich habe Mühe zu vermitteln, wie zutiefst herzzerreißend diese Recherche gewesen ist.)

In funktional allen ihrer Stadien ähnelt die spartanische agoge sehr modernen Systemen für die Indoktrinierung und Konditionierung von Kindern, um als Kindersoldaten oder Terroristen Gewalttaten zu begehen. Wie funktional alle solchen Systeme beginnt sie mit der Trennung des Kindes von seinen Eltern; die agoge ist nur insofern ungewöhnlich, als sie diese Trennung in einem jüngeren Alter als der Durchschnitt durchführt. Während die agoge im Alter von 7 beginnt, halten Beber und Blattman (2013) fest, daß das Durchschnittsalter bei der Entführung von Kindern in der Lord’s Resistance Army in Uganda näher an 15 liegt (obwohl das teilweise mit der seltsamen Altersverteilung als Ganzes in Uganda auf Grund des Konflikts zu tun hat).

Entführung macht die Konditionierung und Indoktrinierung von Kindersoldaten leichter. Ich bin zutiefst unüberzeugt davon, daß die gesellschaftliche Sanktionierung dieser Aktivität sie irgendwie weniger traumatisch macht.

Entführungen sind wichtig, weil die Entfernung aus der Familienstruktur das Kind aus seiner Verankerung löst und es viel offener für Suggestion und Indoktrination macht. Oft werden diese Gruppen Schritte unternehmen, um sicherzustellen, daß es entführten Kindern effektiv unmöglich ist, sich wieder ihren Familien anzuschließen. In den meisten Fällen bedeutet das den Einsatz von Gewalt oder Gewaltandrohung gegen die Familien, obwohl in manchen Fällen (einschließlich Spartas) stattdessen intensive soziale Scham benutzt wird. Zum Beispiel setzten maoistische Militante in Nepal die Kombination von Gewaltdrohungen gegen Familien mit Scham für die Kinder ein, um ein ähnliches Trennungssystem in Kraft zu setzen, wie es in der agoge praktiziert wurde (Bloom und Horgan (2019), Kap. 6.

Gewalt, oft einschließlich sexueller Gewalt – und insbesondere die Abwechslung von Gewalt mit „Belohnungen“ wie Anerkennung oder häufig Nahrung – ist eine Schlüsselkomponente in diesen Systemen. Es ist besonders häufig, daß ältere Rekruten gezwungen werden, diejenigen zu sein, die Gewalt gegen die neueren Rekruten einsetzen – Beber und Blattman (2013) merken an, daß unter Kindersoldaten in der LRA 54 % angaben, selbst schwer geschlagen worden zu sein, und 55 % berichteten, daß Entführte gezwungen wurden, neue „Rekruten“ zu schlagen oder sogar zu töten. Brutale Bestrafungen – besonders wenn zugefügt durch (ältere) Mit-Entführte – dienen der Stärkung der Gruppenmitgliedschaft und Solidarität sowie zur Konditionierung von Loyalität gegenüber dem (erwachsenen) Gruppenführer.

Bloom und Horgan (2019) merken an, daß Essens- und Schlafentzug – beides Aspekte der spartanischen agoge (Xen. Lac. 2.5-7 erwähnt beides) – häufig eingesetzt werden, um Kinder physisch und emotional erschöpft zu halten, was sie für die Konditionierung formbarer macht. Die agoge verschmilzt diese, indem sie künstliche Essensknappheit nutzt, um zu Übertretungen zu zwingen, die dann gewaltsam bestraft werden können, bevor man den Täter wieder in die Gruppe integriert, womit der gesamte Zyklus der emotionalen und geistigen Manipulation in ein einziges Ereignis komprimiert wird.

Und – in Übereinstimmung mit dem obigen Absatz – die Bestrafungen wurden oft durch die älteren Jungen durchgeführt (Plut. Lyc. 18.2-3), genau wie in Gruppen wie der LRA. Dies steigert bei den Entführten die Gefühle der Komplizenschaft und der Zugehörigkeit und verwandelt sie langsam von Opfern in Täter (obwohl wir festhalten sollten, daß – nachdem es Kinder sind – sie alle Opfer bleiben) und gibt ihnen gleichzeitig eine „Belohnung“ in Form vermeintlicher Macht über ihre Kameraden.

Dieser Vergleich beantwortet unsere vorherige Frage: warum muß Leonidas einen Heloten ermorden? Weil – wie nahezu die gesamte Literatur über Kindersoldaten festhält – der letzte Akt der Konditionierung, die „Abschlußprüfung“ für die volle Mitgliedschaft in der Gruppe, sehr häufig ein Akt grenzüberschreitender, irreversibler (lies: tödlicher) Gewalt ist, typischerweise ein Mord. Mit dieser Tat wird das Kind gezwungen, sich voll in die Maschinerie der Gewalt einzufügen, eine Brücke hinter sich zu verbrennen, über die es nie wieder voll zurückgehen kann. Sie zementiert seinen Platz in der Gruppe, denn nur innerhalb der Gruppe macht diese Tat es zu einem Mann – der Gruppe den Rücken zuzukehren heißt, dieses Ereignis von einem Initiationsritus in einen gemeinen Mord zu verwandeln, von einer stolzen Leistung in eine untilgbare Schande. Sehr wenige Menschen irgendwo, zu irgendeiner Zeit, haben das moralische Zeug dazu, solch eine Wahrheit zu akzeptieren, und somit zwingt die finale Gewalttat sie dazu, die Lüge zu leben.

Dies ist Leonidas‘ Lohn für Mord: öffentlicher Beifall und Respekt von seiner gesamten Gesellschaft, und alle seine Familienmitglieder und Freunde schauen zu. Denkt über diesen Moment nach, denkt an den anschwellenden Stolz, den er an dieser Stelle über den kaltblütigen Mord empfinden muß, den er kürzlich begangen hat, und es ist plötzlich sehr gut möglich zu verstehen, warum so vielen Kindersoldaten die Rückintegration in die normale Gesellschaft so schwer fällt.

Aber wartet, höre ich jemanden sagen – dieses System wird von seinen Absolventen betrieben. Sicherlich würden sie es stoppen, wenn es so schrecklich war, richtig? Nein. Wie Bloom und Horgan (2019) anmerken: „Selbst nach ihrer Freilassung können viele Kinder positive Assoziationen und Erinnerungen zu ihren Erfahrungen in den Trainingslagern behalten, obwohl sie objektiv schreckliche Bedingungen erduldeten und traumatischen Ereignissen ausgesetzt waren.“ Die ganze Natur der durch das wiederholte Trauma dieser Systeme geschaffenen Konditionierung und Indoktrination ist solcherart, daß sie eine starke Loyalität gegenüber dem System einflößt – was viel vom spartanischen Sozialkonservatismus erklärt. Es bedeutet auch, daß, wenn jemand wie Xenophon auftaucht und danach fragt, man ihm natürlich sagen wird, daß es fantastisch war, nicht weil es das war, sondern weil die Natur des Traumas selbst ein tiefes emotionales Bedürfnis der Opfer dieses Traumas erzeugt zu glauben, daß es das war.

Ich möchte hinzufügen, daß wir es auch mit Überlebenden-Bias zu tun haben. Die Jungen, die an Unterernährung starben, oder die durch die rituellen Schläge getötet wurden, waren nicht da, um Xenophon davon zu erzählen. Männer, die auf irgendeine Weise versagten, die von diesem System zerbrochen wurden, waren nicht in den ganz elitären Kreisen (erinnert euch, Xenophon ist der beste Kumpel eines der spartanischen Könige), um Xenophon zu erzählen, wie dieses System ihr Leben ruinierte. Die Männer, die da waren, um mit Xenophon zu reden, waren die Gewinner dieses Systems – es sollte nicht überraschen, daß sie es als berechtigt verteidigten. Niemand ist mehr von der Fairness eines Spiels überzeugt als der Mann, der gewonnen hat.

Diese Kinder hier unten bekamen nie die Chance, Xenophon zu sagen, was sie von Lykurgs Gesetzen und der spartanischen Gesellschaft hielten.

Das soll nicht heißen, daß die Produkte dieser Systeme – einschließlich der agoge – unbeschadet daraus hervorgingen. Die dokumentierten Erfahrungen moderner Kindersoldaten mit ihrer Mühe, sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren und mit ihrem Trauma fertigzuwerden, deuten darauf hin, daß die Produkte der agoge emotional verkümmert und zu Gewalt und sozialer Isolation neigend sein sollten – sowie konformistisch und unflexibel (Merkmale, die Bloom und Horgan [2019] besonders bei Kindersoldaten von ISIS bemerken) – Eigenschaften, die wir, wie ich im weiteren argumentieren werde, ganz deutlich in der spartanischen strategischen Kultur sehen können.

Schlußfolgerungen

Um es zusammenzufassen: weit davon entfernt, irgendein ideales System für das Großziehen von Kindern zu sein, wie Xenophon meint, erscheint die spartanische agoge funktional identisch mit modernen Systemen, die Trauma für die Konditionierung von Kindersoldaten einsetzen. Ich habe ein Muster der Dysfunktion und Gewalt angedeutet, von dem ich erwarte, daß es den Rest unseres Gesprächs über Sparta illustrieren wird. Dies ist der Grund, warum ich – trotz dem, wie grimmig diese Diskussion gewesen ist – mich dafür entschieden habe, mit der agoge zu beginnen. Sparta war nicht bloß an der Spitze kaputt oder an den Rändern. Diese Gesellschaft war von ihren Grundlagen her auf Arten kaputt, wo es nicht anders sein kann, als daß sie sich auf den gesamten Rest der Gesellschaft ausbreiten.

Ich weiß, daß es eine gewisse Sorte von Menschen gibt, die all dies dennoch als irgendwie die Sache wert betrachten werden, weil es die Spartaner zu super-badass-Kriegern machte. Ich hoffe, daß diese Leser hier bleiben, denn wie wir im Laufe der nächsten paar Wochen herausfinden werden, tat es nichts dergleichen. Spartanische Soldaten waren keine Supermänner, und spartanische Armeen waren weit davon entfernt, unschlagbar zu sein. Falls überhaupt, sind die Fingerabdrücke der agoge und ihres Traumas in den Ursachen für Spartas Scheitern sichtbar, nicht seines Erfolges.

Ich möchte auch auf einen weiteren angeblichen „Wert“ der agoge antworten, den ich oft angeführt höre, obwohl er im Lichte dessen, was wir oben diskutiert haben, nun vielleicht fundamental absurd erscheint – nämlich, daß die agoge bei all ihren Mängeln wenigstens das erste wirkliche universale Bildungssystem verkörperte. Einmal abgesehen davon, wie scheußlich die agoge war, möchte ich auf diesen Punkt eingehen.

Die agoge war ein Erziehungssystem, vielleicht ein Trainingssystem, aber kein Bildungssystem nach unserem Verständnis des Begriffs. Dies war keine Schule. Es scheint zwar, daß die meisten der Spartiaten – der spartanischen Vollbürger – wenigstens ein bißchen lesen und schreiben konnten, aber angesichts dessen, daß (wie wir nächste Woche diskutieren werden) die Spartiaten im Grunde eine winzige Aristokratie innerhalb einer viel größeren Gesellschaft waren, war dies keine große Errungenschaft (von „gewöhnlichen“ Spartiaten zu reden ist wie von „gewöhnlichen“ Rittern zu reden – es ist ein Oxymoron). Aber man sagt uns (Plut Lyc. 16.6), daß die spartanische Schriftkundigkeit absichtlich minimal war – etwas, worauf man stolz war. Cartledges Bemerkung („Literacy in the Spartan Oligarchy” JHS 98 (1978)), daß die Schriftkundigkeit in Sparta „sehr dünn verteilt“ war, bleibt konsistent mit der Beweislage bis zur Römerzeit, ein Punkt, auf den wir zurückkommen werden, wenn wir die spartanische Regierung diskutieren. Sicherlich bezeugt der relative Mangel an spartanischer Literatur (Sparta brachte insgesamt zwei beachtenswerte Autoren hervor, beide sehr frühe Lyriker vielleicht aus der Zeit, bevor das System voll in Kraft war) die Grenzen der spartanischen „Bildung“. Ebenso ist Spartas Produktion von Schriftdokumenten verglichen mit anderen griechischen Gemeinschaften, wie Cartledge es ausdrückt, „eine in der Tat armselige Ernte“. Dies scheint keine – selbst nach den mageren Maßstäben des antiken Griechenland – sehr gebildete oder gelehrte Gesellschaft zu sein.

Wie wir sehen werden, wird die Bedeutung dieser angeblichen Errungenschaft auch dadurch untergraben, daß die Mehrheit der Menschen, die unter dem spartanischen Staat lebten, nicht daran teilnahmen. Verdammt, die Mehrheit der Männer, die im spartanischen Staat lebten, nahmen nicht an ihm teil. Zur Hölle, sogar die Mehrheit der freien, nicht-ausländischen Männer war nicht dazu berechtigt. Dies deshalb, weil die agoge auf die Klasse der spartanischen Bürger – die Spartiaten – beschränkt war, die wiederum nur eine winzige Minderheit der Menschen ausmachte, die tatsächlich in Sparta lebten.

Seht euch all diese schönen Felder an. Ich frage mich: wer bestellt sie? Außerdem sah Sparta nicht so aus. Es bestand aus ein paar Dörfern an einem Fluß – Thukydides merkt sogar an, wie unbeeindruckend es aussah und wie verteilt es war (Thuc. 1.10).

Die Spartiaten-Bürger waren nicht die gesamte Gesellschaft, sondern vielmehr eine abgeschlossene winzige Aristokratie, die über eine viel größere Gesellschaft herrschte. Nächste Woche werden wir die breitere spartanische Gesellschaft betrachten, ihre vielen verschiedenen Unterklassen und tatsächlich den Spartanern begegnen – diesmal allen von ihnen.

Nächster Teil: Das. Ist. Nicht. Sparta. (2): Spartanische Gleichheit

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Noch ein kleiner Anhang von mir – Lucifex – mit Videos aus „300, zunächst die Szene, wo Leonidas den ahistorisch von einem Neger dargestellten persischen Gesandten nach dessen Unterwerfungsforderung mit den nunmehr geflügelten Worten „This Is Sparta!“ in den Brunnen tritt…

…die denjenigen, die den Film nicht kennen, eine Vorstellung vermitteln sollen, warum er mit der dargestellten badassery und seinem Pathos, das einer wahreren Sache würdig wäre, die actionorientierteren, „testosteronischen“, blutrünstigeren Teile der Psyche männlicher Zuschauer so anspricht (mich eingeschlossen, ich geb’s zu) – wenn man nicht weiß oder daran denkt, wie verlogen der Anspruch im Sinne des Kampfes für Freiheit und Gerechtigkeit und gegen die persische Tyrannei – und sogar der herausragenden kriegerischen Überlegenheit der Spartiaten – angesichts der historischen Wirklichkeit Spartas ist:

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Neue Kommentarpolitik auf „Morgenwacht“: Wie bereits hier unter Punkt 1 angekündigt, am Schluß dieses Kommentars wiederholt als Absicht geäußert und in diesem Kommentar endgültig festgelegt, werden neue Kommentatoren nicht mehr zugelassen und sind die Kommentarspalten nur noch für die bereits bekannte Kommentatorenrunde offen.

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  1. Pechschwarze Pädagogik II: SPARTA? Das ist WAHNSINN! – Chaosfragment

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