Asatru als lebendige Tradition

Von Collin Cleary, übersetzt von Tekumseh. Das Original Asatru as a Living Tradition erschien am 22. Oktober 2015 auf Counter-Currents Publishing / North American New Right. [Das letzte Bild wurde vom Übersetzer eingefügt]

Vorbemerkung des Autors:

Dieser Essay beruht auf einem Vortrag, der vor Mitgliedern der Asatru-Volksversammlung (Asatru Folk Assembly; kurz: AFA) am 16. Oktober, beim Wintertreffen in den Pocono-Bergen gehalten wurde. Ich möchte Steve und Sheila McNallen, Brad Taylor-Hicks und all den anderen für die Einladung danken und für ihre Gastfreundschaft und Freundschaft. Heil der AFA!

New Grange Hall

New Grange Hall

Letzten Monat habe ich die Erwerbung einer neuen Farmhalle durch die AFA mit einem Artikel gewürdigt, der den Titel „Was die neue Farmhalle für uns bedeutet“ trägt. Er wurde auf der Counter-Currents-Webseite veröffentlicht. Darin lege ich an einer Stelle dar:

Es wird faszinierend sein, die neuen Formen künstlerischen Ausdrucks zu sehen, die sich herausbilden werden, sowie Mitglieder der AFA damit beginnen, dieses nüchterne und moderne amerikanische Bauwerk zu verzieren. Und neue Formen der Zeremonie, Theologie und Gemeinschaft werden sich dort auch entwickeln. Alle von ihnen werden das Resultat eines dynamischen Wechselspiels zwischen dem Alten und dem Neuen sein. Diese Arbeit wird sich am Gebäude selbst manifestieren und die neu-alten Formen werden sich im Inneren entfalten. Parallel werden sie diesen Prozess nachvollziehen, der in jedem von uns vonstatten geht, wenn wir lernen, den Göttern unserer Ahnen getreu zu sein.

Ehrlich gesagt wollte ich mit dieser Aussage bewusst provokant sein. Ich wollte die Idee, dass die Neue Farmhalle einfach ein Ort ist, an dem das Alte neu geschaffen wird, scharf in Frage stellen. So eine Idee ist verständlich. Wir neigen dazu, Asatru im Wesentlichen als eine Wiederbelebung von etwas Altem zu sehen, als eine Rückgewinnung von etwas Verlorenem. Das ist es auch, sicherlich. Aber ich möchte vorschlagen, es als viel mehr als das zu sehen. Es ist eine lebende Tradition, nicht etwas, was jemals beendet und abgeschlossen war. Die Teilnahme an dieser Tradition bedeutet für uns, dass wir auch etwas von uns hinzufügen, es sacht in neue Pfade zu lenken. Ich meine, was das ermöglicht, ist genau die Tatsache, dass Asatru eine Volksreligion ist: Eine Religion von und für ein bestimmtes Volk. Das ist etwas, was die Mitglieder der AFA wissen, zumindest unbewusst. Aber womöglich bewerten sie die daraus erwachsenden Vorteile nicht ausreichend positiv.

Tommy Ferguson mit seinem Werk.

Tommy Ferguson mit seinem Werk.

Beginnen wir damit, die Sicht mancher von uns zu prüfen, Asatru sei ein Bündel von Lehren oder Überzeugungen, die wiedergewonnen oder rekonstruiert werden müssten. Sogar in jenen Situationen, in denen ein Asatruer“ seine Religion nicht rein und klar auslegen kann, wird er trotzdem die Bedeutung vieler Aspekte implizit erfassen. Wie kommt das? Die Antwort it recht simpel. Das Christentum hat Asatru verdrängt. Die meisten von uns wurden christlichen Glaubens erzogen. Und sogar für jene Glücklichen von uns, die nicht als Christenerzogen wurden, ist diese Religion die vertrauteste. Darum gibt es die Tendenz, andere Religionen so zu verstehen, wie die Christenheit Religion“ begreift. Wir müssen an dieser Stelle vorsichtig sein, denn diese Neigung ist sehr oft auch dann vorhanden, wenn wir uns ihrer nicht bewusst sind.

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