Syrien im Würgegriff / „Schmutziges Spiel“

Von Manuel Ochsenreiter, erschienen in der Deutschen Militärzeitung (DMZ), Ausgabe 84 Nov-Dez 2011. (Ursprünglich von mir auf „As der Schwerter“ eingestellt; den Anstoß für die heutige Nachveröffentlichung hier hat Osimandia mit diesem Kommentar über die kurze zeitgeschichtliche Erinnerung der meisten Leute geliefert.)

 

Seit dem Frühling 2011 steht Syrien im Fokus der weltweiten Medienberichterstattung. Die Regierung gehe mit brutaler Gewalt gegen friedliche Demonstranten vor, so die Berichte im Westen. Geopolitisch befindet sich das Land in einer schwierigen Situation. Die Kriegsdrohungen gegen Damaskus werden immer lauter.

„Gott sei mit euch“, predigt Michael Moore von New York aus in Richtung Syrien. „Ich weiß, daß ihr erfolgreich sein werdet.“ Der US-amerikanische Filmemacher drückt der „syrischen Demokratiebewegung“ die Daumen. Michael Moore wurde vor allem bekannt durch seine harsche Kritik an den US-amerikanischen Militäroperationen gegen Afghanistan und Irak. In Washington gilt er als „Linker“, als Regierungskritiker, als Nervensäge mit Kamera. Filme wie „Bowling for Columbine“, in dem er die US-Waffenlobby aufs Korn nimmt, machten Michael Moore legendär. „Fahrenheit 9/11“, in dem er die US-Regierung unter George W. Bush heftig kritisiert und ihr vorwirft, quasi mitverantwortlich für die Anschläge des 11. September 2001 zu sein, wurde zum erfolgreichsten Dokumentarfilm aller Zeiten. Moore ist ein Idol der weltweiten Skeptikerszene. Wenn er der „syrischen Demokratiebewegung“ Gottes Segen wünscht, wenn sich ausgerechnet seine Worte kaum noch von denen der US-Außenministerin Hillary unterscheiden, dann darf man sich den Tag rot im Kalender ankreuzen. Die Skeptiker hören auf, Skeptiker zu sein.

Was ist los in Syrien? Wer sich informieren möchte, landet schnell bei den Berichten des arabischen Nachrichtenkanals Al-Dschasira und westlicher Sender, die vom „Volksaufstand“ in Syrien gegen das „Assad-Regime“ berichten. Zu sehen sind verwackelte Videos, aufgenommen mit Mobiltelefonen, verkratzte Telefonstimmen von „Augenzeugen“ berichten über die „Brutalität“ von Armee- und Polizeikräften gegen „friedliche Demonstranten“. In der Türkei, unmittelbar an der syrischen Grenze, befänden sich „überfüllte Flüchtlingslager“, aus Ankara wettert der türkische Ministerpräsident gegen Damaskus, er hat sogar Panzer an die syrische Grenze verlegt – eine unverhohlene Kriegsdrohung. Auch die „Arabische Liga“, eine Bündnisorganisation der arabischen Staaten Nordafrikas und des Nahen Ostens, nimmt Damaskus in die Mangel. Syriens Mitgliedschaft in der „Arabischen Liga“ wurde „ausgesetzt“. In Washington halten rechte und linke Falken einen militärischen NATO-Einsatz gegen Syrien angesichts des libyschen Umsturzes für immer verlockender.

Iran und Libanon

Nur noch zwei Staaten in der Region stehen an der Seite Syriens: der Iran und der Libanon. Die westlichen Kommentatoren wundert das kaum. Der Iran sei selbst ein „Schurkenstaat“ und Syrien einer der wenigen treuen Verbündeten Teherans überhaupt. Und der Libanon befinde sich in einer Art „Geiselhaft“ der schiitischen und wiederum Iran-nahen Hisbollah, der „Partei Gottes“, deren Name in den europäischen Medien kaum noch ohne den Zusatz „terroristisch“ genannt wird.

Während Europa von Horrornachrichten aus Syrien überschwemmt wird und Politiker aller Parteien fordern, man müsse den „Druck auf Damaskus“ erhöhen, berichten syrische Zeitungen von drei Soldaten, die an einer Ölpipeline nahe der Stadt Homs eine 25-Kilo-Bombe fanden und entschärften. Der Sprengsatz war mit einer Fernsteuerung versehen und gut getarnt an der Röhre angebracht. Wenige Wochen zuvor sprengte bereits eine Bombe ein 15 Meter langes Loch in eine syrische Ölpipeline nahe der Stadt Talkalakh. „Terroristengruppen“, so die syrischen Nachrichten, versuchten, die syrische Wirtschaft zu schwächen, um die Krise weiter zu verschärfen. Von beiden Vorfällen konnte man in der Bundesrepublik Deutschland nichts lesen. Und auch nichts von den Waffenlieferungen, die über die türkische und libanesische Grenze an „Aufständische“ in Syrien gehen. Immer wieder gelingt es den syrischen Sicherheitskräften, Waffenschmuggler zu stellen, bevor diese ihre Fracht an die „Regimegegner“ ausliefern können. Wofür brauchen „friedliche Demokratieaktivisten“ Schnellfeuergewehre, Nachtsichtgeräte, Sprengstoff, Granaten und reaktive Panzerbüchsen, bevorzugt aus der RPG-Reihe? Handelt es sich in Wirklichkeit um den Kampf ausländisch finanzierter und ausgerüsteter Milizen gegen die Staatsmacht? Das ist zumindest die Position des syrischen Staatsrundfunks. Fast täglich zeigt man dort Begräbnisse von im Kampf getöteten Polizisten und Soldaten – Bilder, die man im Westen ebenfalls nicht zu Gesicht bekommt.

Die mangelhafte Berichterstattung ist brandgefährlich, da die Regierungen Europas diese zur Grundlage ihrer Entscheidungen machen. Dabei passieren immer wieder Pannen. Im Sommer strahlte der französische Kanal FRANCE 24 ein angebliches Telefoninterview mit der syrischen Botschafterin in Paris, Lamia Chakkour, aus. Sie trete von ihrem Amt zurück, da sie keine Regierung repräsentieren könne, die mit „brutaler Gewalt gegen unbewaffnete Zivilisten“ vorgehe. Die Nachricht hatte nur einen Schönheitsfehler: Die Frau am Telefon war offensichtlich gar nicht Lamia Chakkour. Die syrische Botschaft dementierte den angeblichen Rücktritt der Botschafterin noch am gleichen Tag – doch da war die Nachricht bereits weltweit auf Sendung. Natürlich trete Chakkour nicht zurück, von „brutaler Gewalt gegen unbewaffnete Zivilisten“ wisse sie nichts.

„Sofortige Freilassung“ eines Phantoms

Und auch in der Bundesrepublik Deutschland nehmen die Berichterstattung und die politischen Reaktionen mittlerweile geradezu groteske Züge an. Bis heute kann man eine Erklärung des Menschenrechtsbeauftragten des Deutschen Bundestages, Markus Löning (FDP) auf der offiziellen Netzseite des Auswärtigen Amtes finden, in der er sich für die „sofortige Freilassung“ der „syrischen Bloggerin Amina Abdallah“ einsetzt. Wörtlich heißt es:

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Zankapfel Balkan

Der ehemalige kroatische Diplomat Dr. Tomislav Sunić  im Gespräch

(Aus der Ausgabe November-Dezember 2013 der „Deutschen Militärzeitschrift“)

Bulgarische Truppen im Angriff während des Ersten Balkankrieges 1912-1913: Was als Bündnis gegen die Osmanen begann, führte zu allgemeinem Zwist auf dem Balkan. Gemälde von Jaroslav Véšín.

DMZ: Herr Dr. Sunić, der Balkan ist stets Zankapfel der europäischen Großmächte und auch innerlich zerstritten gewesen. 1913 – vor 100 Jahren – kam es zum Zweiten Balkankrieg. Nur wenige Monate zuvor endete der erste Balkankrieg. Warum ging es vor 100 Jahren so heiß her im südöstlichen Europa?

Sunić: Auf dem Balkan prallen viele Interessen aufeinander. Der Erste Balkankrieg begann als eine romantische Bewegung, als Bündnis der südostslawischen, christlich-orthodoxen Völker – also der Serben, Bulgaren, Montenegriner und Griechen – gegen die jahrhundertelange osmanische Despotie. Also in diesem Sinne war der erste Balkankrieg der Jahre 1912/13 eine positive Bewegung, da endlich eine fremde, nichteuropäische Macht aus Europa rausgeworfen wurde.

DMZ: Allerdings führte der Krieg schnell zu Revanchegedanken und Zwist unter den Bundesgenossen und mündete wenig später im nächsten Balkankrieg…

Sunić: Ja, Bulgarien griff kurz nach dem Krieg Serbien und Griechenland an, woraufhin Rumänien seine Chance sah, sich auf Kosten des kriegsführenden Bulgarien zu vergrößern. Und das Osmanische Reich erkannte die Chance, die Niederlage im Ersten Balkankrieg zu revidieren.

DMZ: Welche Rolle spielten dabei die europäischen Großmächte?

Sunić: Vor allem der russische, christlich-orthodoxe Panslawismus spielte dabei eine große Rolle. Die zaristische Politik am Anfang des 20. Jahrhunderts sah in der österreichischen Annexion Bosniens im Jahr 1908 nicht nur eine geopolitische Gefahr, sondern auch eine kulturelle Einmischung des dekadenten Westens. Alles, was in Europa im 20. Jahrhundert geschah, hatte einen kausalen Nexus, wenn ich hier Ernst Nolte paraphrasieren darf. So wird es in Europa auch in der Zukunft weiter sein – abgesehen davon, daß die Türken heute weiter nach Europa vorgedrungen sind, als sie es sich 1683 vor den Toren Wiens auch nur erträumt hätten.

DMZ: Welche Folgen hatte der Krieg für den Balkan und für Europa? Die Balkankriege werden oft als Wegbereiter für den Eintritt der südosteuropäischen Staaten in den Ersten Weltkrieg betrachtet. Das Pulverfaß Balkan war zudem erst die Initialzündung für den Weltkrieg.

Sunić: Über die Ansprüche oder Komplott-Theorien der damaligen Großmächte läßt sich viel debattieren. Es herrschten auch damals zwischen den Politikern in Frankreich, Rußland und Großbritannien schwere Divergenzen – von den Interessenkonflikten mit dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn ganz zu schweigen. Der Erste Weltkrieg hatte viele Väter.

DMZ: Das gesamte 20. Jahrhundert über war allerdings der Balkan immer wieder von Spannungen gezeichnet. Warum ist die Region so instabil? Woher rühren die Konflikte?

Sunić: Das dauernde Problem auf dem Balkan ist die mangelnde Staatsidentität der verschiedenen christlichen Völker und Völkerschaften. Der jahrhundertelange türkische Despotismus hat außerdem ein großes Trauma bei allen Völkern auf dem Balkan verursacht. Auch heute hat das Wort „Türke“ dort eine negative Bedeutung, und man hört täglich die jungen Serben und Kroaten in abschätzender Weise auch die muslimischen Bosniaken und Albaner als „Türken“ beschimpfen.

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Interview mit Tomislav Sunić

Von Alex Kurtagić, übersetzt von Deep Roots (ursprünglich für As der Schwerter“). Das Original Interview with Tomislav Sunić erschien am 10. November 2010 auf Counter-Currents Publishing.

Tomislav (Tom) Sunić ist ein ehemaliger US-Professor, Autor, Übersetzer und ehemaliger kroatischer Diplomat. Er absolvierte sein Grundstudium in Literatur und Sprachen in Europa. Er erhielt seinen Doktorgrad in Politikwissenschaften an der University of California. Dr. Sunić hat Bücher und Artikel auf Französisch, Deutsch, Englisch und Kroatisch über Themen veröffentlicht wie Kulturpessimismus, die Psychologie des Kommunismus und Liberalismus und den Gebrauch und Mißbrauch moderner Sprachen im modernen politischen Diskurs. Das vorliegende Interview erforscht ein wenig den Mann hinter den Ideen; wir erfahren ein paar Dinge, die Dr. Sunić nie zuvor über seine Vergangenheit und Persönlichkeit erzählt hat. Natürlich erzählt uns Dr. Sunić etwas über sein neues, auf Französisch erschienenes Buch, über seine frühen Jahre im kommunistischen Jugoslawien, über die Kunst des Übersetzens und mehr.

A. K.: Wie unterscheidet sich das Jugoslawien der 1950er und 1960er – nicht aus sozio-politischer Perspektive, sondern aus der des gewöhnlichen Mannes auf der Straße – vom Kroatien des Jahres 2010?

T. S.: Die jugoslawischen Zeiten waren weniger überfüllt, obwohl der jugoslawische Raum verdichteter und trostloser war – buchstäblich – eine Schwarzweiß-Welt. Vulgär und erzieherisch waren der tägliche Diskurs und die kommunistischen Insignien um einen herum. Im Gegensatz dazu ist der Fluß der Zeit in Kroatien, trotz der heutigen Aura der Dekadenz, besonders soweit es die hereinkommende liberale Moral betrifft, weit aufgelöster. Die Zeit verfliegt jetzt schneller. Die Leute beginnen, die liberale Moral der künstlichen merkantilen Höflichkeit zu erlernen – mit ihrem offensichtlichen Nachteil des Verlustes an Identität.

A. K.: Sie haben in früheren Interviews gesagt, daß Sie 1971 per Anhalter nach Kaschmir gereist sind. Sie müssen während dieses Abenteuers in mindestens einer oder zwei kniffligen Situationen gewesen sein… Wie war es, mitten im Kalten Krieg durch Osteuropa und Asien zu reisen? Was hat Sie zu Ihrer Abreise motiviert? Sicherlich gibt es weniger radikale Arten abzuhauen, als nach Indien zu trampen. Und warum Indien, und nicht, sagen wir, Italien oder Griechenland?

T. S.: Ich konnte mich damals nicht in die breitere sozio-historische Perspektive einfügen. Ich war in großem Ausmaß von vorsätzlicher Unwissenheit und einem soliden Maß pubertärer Romantik gesegnet. Aus diesem Grund kam es mir während meiner Hippie-Tage nie in den Sinn, daß ich getötet, niedergestochen oder entführt werden könnte. Ich dachte nie an mein Morgen. Ich trampte tatsächlich von Kopenhagen aus durch Italien, nahm die Fähre von Brindisi nach Korfu in Griechenland und setzte dann meine Odyssee, buchstäblich ohne einen Penny, per Eisenbahn durch die Türkei nach Teheran fort. Griechenland war damals 1972 eine Diktatur. Schah Reza Pahlevi war der Boss von Persien. Der Krieg zwischen Pakistan und Indien hatte gerade geendet. Aber ich führte mein magisches Doppelleben; Indien war der Ort der Initiation für alle Hippies auf der Welt.

A. K.: Ein Mann, der die Literatur liebt, lebt teilweise durch sie. Was würden Sie sagen, waren die entscheidenden Texte, die Sie als Person und als Denker definierten? Und warum?

T. S.: Nun, ich definiere die Wahl meiner Prosa durch meinen Charakter. Ich las Hermann Hesse, nicht weil er zur Zeit meiner Pubertät zur Standard-Hippieliteratur gehörte; er war auch ein großer Autor, dem es gelang, ohne auf ein gewalttätiges Narrativ oder Pornographie zurückzugreifen, die Welt der Illusionen und des magischen Realismus zu kombinieren, nach denen ich mich sehnte. Es war ich. Hesse war ein guter Bildungsroman für einen 19jährigen Jungen wie mich. Tatsächlich schließe ich jetzt nicht aus, daß ich vielleicht ein wiedergeborener Byron oder Céline oder Kerouac gewesen sein könnte, der in eine Reise durch Asien geraten war. Als ich in meinen zerrissenen Hosen, mit T-Shirt und Ohrringen durch die Straßen von Kabul ging, kroch ein Gefühl des deja vu durch meinen Kopf; ich mußte vor langer Zeit ein Kurier gewesen sein, oder irgend ein wichtiger Emissär während der Feldzüge von Alexander dem Großen. Dieses Bild verfolgt mich immer noch.

Später, als ich reifer wurde, folgte ich wiederum einfach meinen Instinkten und keiner politischen Mode oder Agenda. Ich muß ein wiedergeborener Louis Ferdinand Céline gewesen sein – und so fing ich an, jeden Winkel der französischen Sprache und des französischen Geistes kennenzulernen. Später, als ich mich des Politikwissenschaftlers Carl Schmitt und des Soziologen Vilfredo Pareto annahm, oder Alain de Benoists, war die Antwort recht einfach. Ihr Stil erinnerte mich an mein eigenes verborgenes Gefühl für Schönheit – in breiterem Sinne.

A. K.: Wir wissen, daß Sie in den 1980ern in die Vereinigten Staaten auswanderten. Was waren Ihre ersten Eindrücke von den Amerikanern, im Vergleich zu dem, was Sie zuvor als entfernter Beobachter über sie wußten? Was mochten Sie an ihnen, und was verwirrte Sie am meisten an Ihnen? Ohne Zweifel wichen Wahrnehmung und Realität in einiger wichtiger Hinsicht stark voneinander ab.

T. S.: Menschenmassen und Lärm. Dies war mein erster Eindruck nach der Landung in Amerika. Ich kann am Lärmniveau erkennen, wie zivilisiert oder barbarisch ein Land ist. Auf öffentlichen Plätzen oder in öffentlichen Räumlichkeiten schätze ich Stille. Diese stellvertretenden prothetischen (oder noch besser: erbärmlichen) Geräte, wie die frühen Walkie-Talkies oder der Walkman und Radios, und später all diese anthropomorphen Erweiterungen, wie Mobiltelefone und iPods, wurden zu Symbolen der spirituellen Wurzellosigkeit und zum Zeichen der physischen Überflüssigkeit; dafür, am falschen Ort und in der falschen Zeit zu sein. Ich mag den fünften Gang nicht; ein Amerika mit dem Getriebe in Neutralposition wäre ein idealer Ort für mich gewesen. Ich bedaure es, nicht zweihundert Jahre früher geboren zu sein, im Süden vor dem Krieg. Auf kommunikativer Ebene konnte ich mich nicht mit den endlosen moralisierenden und formalistischen Aufmunterungen in Amerika abfinden. Ganz zu schweigen davon, daß ich als jemand, der aus dem kommunistischen Universum kommt, nicht begreifen konnte und immer noch nicht kann, warum eine weiße Nation von solch eindrucksvoller Größe es liebt, in Selbsthass zu schwelgen, in Schuldgefühlen, während sie sich nach dem niedersten Abschaum ihrer Gesellschaft ausrichtet. Dies war nicht das Amerika, von dem ich geträumt hatte.

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O. J. Simpson und die rote Pille, die das weiße Amerika vergaß

Von Travis LeBlanc, übersetzt von Tekumseh. Das Original O. J. Simpson & the Red Pill that White America Forgot erschien am 22. März 2018 auf Counter-Currents Publishing.

Vor Kurzem [der Artikel auf CC erschien 2018; d. Ü.] hat FOX eine Sendung mit dem Titel „O. J. Simpson: das verlorene Geständnis“ gebracht. Das Programm zeigte Ausschnitte eines 2006 geführten Interviews, in dem O. J. Simpson darüber spricht, wie er, „hypothetisch“, seine Ehefrau Nicole Simpson und Ronald Goldman ermordet hat. Das Interview war eigentlich geführt worden, um Werbung für Simpsons Buch If I Did It [Wenn ich es getan hätte] zu machen, seinem uneleganten Versuch, von seinen Verbrechen zu profitieren, ohne sie tatsächlich zuzugeben. In Zwischenausschnitten zeigte ein von FOX versammeltes Expertenpanel schockierte Reaktionen auf O. J.s plumpe Geständnisse.

Eine Sache, die man nicht übersehen konnte war, dass O. J. Simpsons Schuld nie in Frage gestellt wurde. In der Sendung wurde davon ausgegangen, dass O. J. Simpson schuldig war und vermutet, dass jeder Zuseher diese Einschätzung teilte. Man würde beim Ansehen nie auf die Idee kommen, dass das nicht immer so war.

Für Leute, die zu jung sind, sich an den O. J. Simpson-Prozess zu erinnern, kann es schwierig sein, zu ermessen, was er für die Leute damals bedeutet hat.

Für Millenials [die Vertreter der Generation der Jahrtausendwende; d. Ü.] ist der O. J. Simpson-Prozess vielleicht, was Watergate [innenpolitischer Skandal, bei dem der republikanische Präsident Richard Nixon die Demokratische Partei ausspitzeln ließ; d. Ü.] für meine Generation war. Der Generation X [Kohorte der zw. 1965 und 1979 geborenen; d. Ü.] angehörend, war ich zu jung für Watergate und der Watergate-Einbruch selbst schien mir eine Kleinigkeit, weil ich in einer Welt aufwuchs, in der Regierungskorruption und -Eingriffe normal geworden waren. Es ist schwer, wenn nicht unmöglich für mich, mich in die Lage jemandes zu versetzen, der in den 1970ern das erste Mal von dieser Art der Gesetzesübertretung hört.

Millenials wuchsen analog in einer viel stärker rassisch aufgeladenen Umwelt auf. Sie haben mehrere sehr bekannte Prozesse mit rassischer Komponente erlebt, wie jene, die um die Tode von Trayvon Martin und Mike Brown geführt wurden. Es ist üblich für POCs [People of Color; also Farbige; d. Ü.], den Untergang der Weißen offen zu feiern und poetisch von ihrem intensiven Hass auf Weiße zu schwärmen. Einer der Ziele dieses Artikels ist, jüngere Leser darüber aufzuklären, wieso der O. J. Simpson-Prozess so eine große Sache war.

O. J. Simpson ermordete seine Frau und einen Freund von ihr, Ronald Goldmann, am 13. Juni 1994. Er wurde für diesen Mord am 3. Oktober 1995 freigesprochen. Was dazwischen passierte, war ein alles-überdeckendes soziales, kulturelles und mediales Phänomen, das ganz anders war, als alles, was ich in meinem Leben je gesehen habe. Sogar wenn man versuchte, die Geschichte nicht zu verfolgen, wusste man doch Bescheid, weil jeder stets davon sprach.

Dieser Prozess war ein Vorläufer der heutigen „Polizist erschießt schwarzes Kind“-Prozesse. Es gab eine dichte Medienberichterstattung, Vorwürfe des Polizei-Rassismus und die öffentliche Meinung zu der Sache teilte sich entlang rassischer Linien.

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Die Bretonen: Ein Volk entdeckt sich

Die biniou-kohz, der bretonische Dudelsack.

Jahrhundertelang unterdrückt, bereichern Sprache, Lieder und Tänze der Bretagne jetzt die Kultur ganz Frankreichs.

Von Virginie Henry, aus „Das Beste von Reader’s Digest“ März 1977 (Titelbild nicht aus dem Artikel).

Als ich im letzten Frühjahr durch das Departement Côtes-du-Nord fuhr, kam ich eines Abends in die aus vier Häusern bestehende Siedlung Lannegant im Südwesten. In einem Garten unterhalb einer alten Kapelle aus Granitstein tanzten etwa 200 Männer und Frauen. Sie wiegten sich im Rhythmus eines bretonischen Liedes, einer Sprache, die ich nicht kannte, obwohl ich in der Bretagne geboren bin.

Ich sagte zu einer älteren Frau, wie beweglich sie sei. „An dañs a zalh an den en e zav!“ (Das Tanzen erhält einen jung!) antwortete sie.

Ich hatte in der Bretagne meine Jugend verbracht, aber nie hatte ich dergleichen erlebt. Die bretonische Kultur beschränkte sich damals auf ein paar Folkloregruppen, die ihre bestickten Trachten für die Touristen anlegten. Das fest-noz (Nachtfest) in Lannegant dagegen war der unverfälschte Ausdruck einer starken Bewegung, die die Bretagne im letzten Jahrhundert erfaßt hat.

Keine Woche vergeht ohne vier bis fünf solcher Veranstaltungen. Hier begegnen die Bretonen ihrer Kultur wieder: der überlieferten Sprache, der Dichtung und dem Gesang; ihrer auf Bombardon und Dudelsack gespielten Musik; den Tänzen aus längst vergangenen Zeiten.

Heute wissen alle Franzosen, daß die Bretagne sich verändert hat. Plastikbomben, die die Mauern der Finanzämter zerreißen oder einen Fernsehsender zerstören, erinnern sie daran. Doch solche Aktionen sind das Werk einer kleinen Minderheit bretonischer Terroristen. Die Bewegung für die Renaissance der bretonischen Kultur vollzieht sich weniger auffällig, aber sie berührt alle gesellschaftlichen Ebenen.

Für die meisten Franzosen beginnt die Geschichte der Bretagne erst im 15. Jahrhundert; damals brachte die Herzogin Anne de Bretagne ihre Provinz als Mitgift in die Ehe mit König Karl VIII. ein und verknüpfte damit die Geschicke der Bretagne mit denen Frankreichs. Doch die 34.000 Quadratkilometer große Halbinsel, einst durch dichte Wälder vom übrigen Kontinent abgeschnitten, war bereits im 5. und 6. Jahrhundert von Kelten des britischen Inselreichs besiedelt. Das Bretonische ist auch kein Dialekt des Französischen, sondern eine mit dem Gälischen in Irland, Schottland und Wales verwandte Sprache.

Nach der Eingliederung der Bretagne 1532 griffen die französischen Könige scharf durch, um die bretonische Sprache auszurotten. Jahrhundertelang blieb diese Politik unverändert. Noch im April 1972 erklärte der damalige Staatspräsident Georges Pompidou: „In einem Frankreich, das sich dem Ziel verschrieben hat, Europa seinen Stempel aufzudrücken, ist kein Platz für regionale Sprachen und Kulturen.“

Die allgemeine Schulpflicht trug wesentlich zum Niedergang des Bretonischen bei. „Auf den Boden spucken und bretonisch sprechen ist verboten“, warnten Schilder in allen öffentlichen Schulen. „Als ich in den 60er Jahren zur Schule ging“, erzählte mir eine 23jährige, „war es nicht einmal erlaubt, auf dem Schulhof bretonisch zu sprechen.“ Wurde ein Kind dabei erwischt, so hängte der Lehrer ihm ein Holzscheit, eine durchbohrte Münze oder sogar einen Holzschuh um den Hals.

Noch 1914 war für 1,3 Millionen Menschen Bretonisch die Umgangssprache. In den 60er Jahren war ihre Zahl auf 500.000 geschrumpft. Mit der Zeit wurde die Sprache von der jungen Generation vergessen oder aufgegeben. „Mezh am eus bet“ (Ich schämte mich ihrer), gesteht eine junge Studentin der keltischen Kultur an der Universität Rennes.

Heute dagegen bekennen sich immer mehr Bretonen zu ihrer alten Sprache. Über 5000 Schüler lernen Bretonisch. Bei den Abschlußprüfungen 1975 am Lannion-Guingamp-Zentrum überflügelte Bretonisch, das beliebteste Wahlfach – jeder dritte Kandidat hatte sich dafür entschieden -, sogar Lateinisch und Griechisch. Zahlreiche Studenten arbeiten in den Semesterferien auf Bauernhöfen, wo nur bretonisch gesprochen wird. Etwa 2000 Leute belegen jährlich Korrespondenzkurse.

Aber all dies mußten sich die Bretonen Schritt für Schritt erkämpfen. Zwischen 1958 und 1970 brachten bretonische Abgeordnete in der Nationalversammlung Gesetzesvorlagen ein, um der lokalen Sprache offizielle Geltung zu verschaffen. Zwar genehmigte 1971 ein ministerieller Erlaß Kurse ab der dritten Klasse an höheren Schulen, aber die vorhandenen Mittel waren dürftig, und die meisten Lehrer werden noch heute schlecht oder gar nicht bezahlt. In der Regel werden die Stunden ans Ende des Schultags gelegt, wenn die letzten Schulbusse bereits abgefahren sind. Trotzdem ist der Zulauf beachtlich.

Bald stellte sich auch in den unteren Klassen Nachfrage ein. Anfang Januar 1975 wandten sich mehrere Familien an einen Lehrer einer höheren Schule in Brest und drangen auf Bretonischunterricht. Am 22. Januar öffnete die skol vrezoneg ar merher (Bretonische Mittwochsschule) ihre Pforten. „Wir erwarteten die Kinder um 14.30 Uhr“, sagte mir ein Verwalter. „Um 14 Uhr waren die Klassenzimmer überfüllt.“

Die Bretonen geben sich damit noch nicht zufrieden. Sie wollen ihre Sprache auch öfter im Fernsehen hören. Bisher werden wöchentlich nur 13 Minuten in Bretonisch gesendet – 60mal weniger, als die BBC dem Gälischen an Sendezeit zugesteht.

Das wachsende Interesse an Literatur und Sprache zeigt sich in jeder Buchhandlung der Halbinsel. Die Zahl der Veröffentlichungen in bretonischer Sprache hat sich von sechs im Jahr 1936 auf 31 erhöht.

Verlage unter ehrenamtlicher Leitung – nur der Drucker wird bezahlt – bringen Werke bretonischer Dichter und Romanciers heraus. Die Schriftsteller kommen aus allen sozialen Schichten; Ärzte sind darunter und Universitätsprofessoren, Künstler und ein Bahnarbeiter. Maodez Glanndour, Pfarrer im Dörfchen Louannec, arbeitet seit 20 Jahren an einer Bibelübersetzung ins Bretonische. Das Gedicht Kan an Douar (Das Lied der Erde) verwandelte den Bauernhof der Verfasserin Anjela Duval in einen Wallfahrtsort. „Sie kommen hierher“, sagt Anjela, „wie man zu einem alten Brunnen pilgert.“

Musik und Tanz sind die wesentlichen Elemente der wiederaufflammenden Kultur. Ich verstand die Eigenart und Ursprünglichkeit dieser Folklore nicht ganz, bis ich bei einem Bauernfest in Bourbriac zusah. „Außer in Afrika habe ich so etwas noch nie gesehen oder gehört“, sagte mein Bekannter, ein Experte für Kulturen der Primitiven.

Die Tänzer wirbeln zum durchdringenden Wimmern der biniou-kohz, einer Art Dudelsack, und zum Bombardon, einem Vorläufer des Fagotts. Mein Freund erklärte mir, die Wirkung der Instrumente beruhe ähnlich wie die Musik Afrikas mehr auf dem Rhythmus als auf der Melodie.

Erst als die Bläser das Podium verließen, begannen drei Sänger langsam einen rituellen Satz zu singen. Einer stimmte an, dann fielen nach und nach die anderen ein. Verbunden mit einem Tanz und ohne Begleitinstrumente ist dieser Gesang, der Kan ha diskan, eine einzigartige Form der Volksmusik in Frankreich.

Der bretonische Gruppentanz wirkt sehr brav, die Choreographie nüchtern und einfach; er verlangt große Geschmeidigkeit und vollkommene Beherrschung der Schritte. Jeder Tanz ist an einen bestimmten Ort gebunden.

Als die Landwirtschaft mechanisiert wurde, verließen viele Bretonen ihre Felder und wanderten in die Städte ab. 1942 waren nur noch etwa 30 Bläser auf dem Land zurückgeblieben. Damals gründete Polig Monjarret mit seinen Freunden in Rennes den Bodadeg-ar-Sonerion (Bläserverband), um erfahrene Musiker für die Ausbildung einer neuen Bläsergeneration zu gewinnen. Heute gibt es schätzungsweise 3000 aktive Bläser.

Damit die Lieder nicht verlorengingen, die nur einigen alten, auf dem Land lebenden Leuten noch bekannt waren, hat eine junge Frau aus Guingamp, Claudine Mazeas, eine andere Rettungsaktion gestartet. 15 Jahre lang hat sie Hunderte von Gedichten und Liedern der Bauern, Müller und Schuster aufgezeichnet.

Die Kan-ha-diskan-Sänger, Künstler der bäuerlichen Tradition, werden mit Einladungen zu festou-noz überhäuft. Von jeder Schallplatte, die der bretonische Sänger und Komponist Alan Stivell gemacht hat, wurden gut 100.000 Stück verkauft. Und in seine letzten zehn Vorstellungen in Paris strömten 50.000 Menschen. Auch die Dichterin Anjela Duval erregte in ganz Frankreich Aufmerksamkeit, als sie im Fernsehprogramm Die Geschichtenerzähler auftrat. Zahllose Zuschriften gingen beim Sender ein.

Langsam, aber stetig durchdringt so die bretonische Kultur die alte Halbinsel und erobert allmählich auch das übrige Land. Die Bretonen, die sich das Recht auf ihre Identität erkämpft haben, beweisen, daß Achtung vor der Kultur eines Landstrichs das Erbe einer ganzen Nation bereichern kann.

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Zum Nachlesen über die Situation heute, fast vierzig Jahre später:

Bretagne

Bretonen

Bretonische Sprache

Siehe auch Wissen bewahren von Osimandia

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Neue Kommentarpolitik auf „Morgenwacht“: Wie bereits hier unter Punkt 1 angekündigt, am Schluß dieses Kommentars wiederholt als Absicht geäußert und in diesem Kommentar endgültig festgelegt, werden neue Kommentatoren nicht mehr zugelassen und sind die Kommentarspalten nur noch für die bereits bekannte Kommentatorenrunde offen.

Beobachtungen zum sich entfaltenden Brexit-Drama

Von Michael Walker, übersetzt von Lucifex. Das Original Baby, Where Did Our Love Go? Observations on the Unfolding Brexit Drama erschien am 1. Februar 2009 auf Counter-Currents Publishing.

Eine Sache war beim Ergebnis des Referendums vom 23. Juni 2016 offensichtlich – nämlich daß keine der beiden Seiten es erwartet hatte. Arroganz seitens der Remainers [Befürworter des Verbleibs] und Verantwortungslosigkeit seitens der Leavers [Austrittsbefürworter] hatten bedeutet, daß keine Seite für den Fall eines „Leave“-Ergebnisses vorgesorgt hat, trotz der Tatsache, daß alle Umfragen ein knappes Ergebnis vorhergesagt hatten. Boris Johnson und Michael Gove, zwei führende Konservative, die sich für „Leave“ eingesetzt hatten, konnten sich nicht darauf einigen, wer nach David Camerons Rücktritt als Kandidat für die Führung der Konservativen Partei antreten sollte, womit sie es Theresa May, die sich für „Remain“ eingesetzt hatte, ermöglichten, ihnen die Führung der Konservativen Partei vor der Nase wegzuschnappen. Dies war die erste von vielen Anomalien: eine Person, die glaubt, daß Britannien in der EU verbleiben sollte, wurde zum Regierungsoberhaupt gewählt, das Britanniens Austritt verhandeln sollte.

Die völlig falsche Annahme, daß der gesamte Austritt schmerzvoll mit den Führern der Europäischen Union geregelt werden müßte, war der Mythos, mit dem die Remainers den Abstimmungsausgang für den Austritt von Tag Eins an untergraben haben. Sie wissen, daß es für Britannien völlig möglich gewesen wäre zu verkünden, daß alle einzelnen Handelsabkommen der Gegenstand von Verhandlungen seien, in Kraft bleiben würden, bis sie zu einer Neuverhandlung kämen, und dann sofort damit zu beginnen, sie nicht als Paket zu verhandeln, sondern einzeln. Daß das nicht getan wurde – daß auf einem kompletten Deal als ein Paket beharrt wurde und die Leavers nicht klar machten, daß die Ablehnung eines Ein-Paket-Deals der einzuschlagende Weg sei, womit sie sich der Vorstellung anschlossen, daß der Brexit nur als ein komplett ausverhandelter Deal betrachtet werden muß – könnte der Remain-Seite ihre letzte Chance geben, den Brexit zu verhindern.

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Das letzte Testament von Flashmans Schöpfer: Wie Britannien sich selbst zerstört hat

George MacDonald Fraser

Von George MacDonald Fraser (Autor der Flashman Papers), übersetzt von Lucifex. Das Original The last testament of Flashman’s creator: How Britain has destroyed itself erschien anläßlich des Todes des Autors am 2. Januar 2008 auf Daily Mail Online, als Auszug aus seiner Autobiographie The Light’s On At Signpost. (Links im Text vom Übersetzer eingefügt.)

Als ich vor 30 Jahren Flashman wiederbelebte, den Bully in Thomas Hughes‘ viktorianischem Roman Tom Browns Schooldays, hatte man noch nichts von Political Correctness gehört, und niemand stieß sich am Charakter meines adoptierten Helden, an seinem Verhalten, an seiner Einstellung zu Frauen und untertanen Rassen (in der Tat irgendwelchen Rassen, einschließlich seiner eigenen) und seiner allgemeinen schrecklichen Art.

Im Gegenteil, es wurde bald offensichtlich, daß dies seine Hauptanziehungspunkte waren. Er war politisch höchst inkorrekt.

Durch die Siebziger und Achtziger führte ich ihn auf seinem skandalösen Weg, arschkriechend, lügend, schummelnd, davonlaufend, Frauen wie beweglichen Besitz behandelnd, Untergebene aller Farben beschimpfend, mit nur einer rettenden Tugend – der schonungslosen Ehrlichkeit, mit der er seine Fehler zugab und sogar in ihnen schwelgte.

Und niemanden störte es, oder falls es jemanden störte, sagten sie es mir nicht. In all den vielen tausend Leserbriefen, die ich erhielt, erhob nicht einer Einspruch.

Flashman

In den Neunzigern begann ein Wandel stattzufinden. Rezensenten und Interviewer begannen Flashman (und mich) als politisch inkorrekt zu bezeichnen, was wir auch sind, wenngleich keinesfalls auf dieselbe Art.

Dies geht für mich in Ordnung. Flashman ist mein Brotverdienst, und wenn er kein elitistisches, rassistisches Sexistenschwein wäre, würde ich Schuhbänder an Straßenecken verkaufen, statt ein erfolgreicher, populärer Schriftsteller zu sein.

Aber was ich mit Belustigung bemerke, ist, daß viele Kommentatoren nun die Aufmerksamkeit auf Flashys (und meine) politische Inkorrektheit lenken, um sich davon zu distanzieren. Es ist nicht so, daß ihnen die Bücher nicht gefallen. Aber wo einst das mit der politischen Inkorrektheit ohne Bemerkungen dazu durchgehen konnte, haben sie nun das Gefühl, sie müßten Leser davor warnen, daß manche Flashman anstößig finden könnten, und daß seine Ansichten bestimmt nicht diejenigen des Interviewers oder Rezensenten sind, Gott bewahre.

Ich finde die Disclaimer alarmierend. Sie sind beinahe eine reflexhafte Reaktion und oft eine ziemlich nervöse, als ob der Autor sagen würde: „Schaut, ich bin kein Rassist oder Sexist. Ich habe die richtigen Ansichten, und ich stimme mit dem modernen, aufgeklärten Denken überein, ehrlich.“

Sie werden nicht riskieren, irgendetwas zu sagen, an dem die PC-Lobby sich stoßen könnte. Und das ist es, was mich alarmiert – die bei so vielen aufrichtigen und ehrlichen Leuten offensichtliche Furcht davor, man könnte denken, sie würden aus der Reihe tanzen.

Ich stieß erstmals in den Vereinigten Staaten darauf, wo das Krebsgeschwür sich viel tiefer ausgebreitet hat. Als Drehbuchautor [worin Fraser fast so erfolgreich war wie mit den 12 Flashman-Romanen; sein bekanntestes Werk war das Drehbuch für den Film Die drei Musketiere, d. Red.] brachte ich einmal ein Drehbuch für einen Film namens The Lone Ranger, in dem ich ein Stück Westerngeschichte verwendete, das nie auf der Leinwand gezeigt worden war, und das ebenso spektakulär wie schockierend war – und wahr.

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Der Morsche 9/11: Eine Artikelübersicht (interner Reblog)

MORGENWACHT

Zum morgigen 16. Jahrestag des Anschlags vom 11. September 2001 auf das New Yorker World Trade Center und das Pentagon, bei dem meiner Erfahrung nach schon recht viele nicht mehr an die offizielle Version glauben (daher mein Titel „Der Morsche 9/11), habe ich diesen Artikel als Linkportal zu den hier auf „Morgenwacht“ bzw. auf „Völkermord ist bunt“ erschienenen Essays zum Thema 9/11 erstellt. Hier sind die Links:

9/11 für Islamkritiker von Osimandia

9/11 – Fünfzehn Jahre Lügen von Osimandia und Kairos

9/11 und das heiße Eisen von Osimandia

911 – Wie weit kann Manipulation gehen? von Osimandia

Drogengeschäfte V: Afghanistan von Osimandia

Und ich Esel habe geglaubt, 9/11 sei unwichtig von reinigungskraft

9/11 glitzert und funkelt von reinigungskraft

Der unheilige Krieg von Kevin Alfred Strom

Patriotismus und Entfremdung von Dennis Mangan

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Neue Kommentarpolitik auf „Morgenwacht“: Wie bereits hier unter Punkt 1 angekündigt, am Schluß dieses Kommentars wiederholt als Absicht…

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Der Weg zum „Heerlager der Heiligen“: Ein chronologischer Überblick

Von Deep Roots, ursprünglich veröffentlicht am 22. September 2015 auf „As der Schwerter“

Als die sich schon seit Jahren allmählich steigernde „Heerlager der Heiligen“-Situation vor kurzem in beschleunigtem Maß zu eskalieren begann und offenbar von den Medien, Politikern und sonstigen Sprachrohren des JNWO-Systems parallel dazu nicht mehr heruntergespielt oder verschwiegen, sondern vielmehr auf einmal als große Krise herausgestellt wurde, haben wir von „As der Schwerter“ uns folgende Gedanken dazu gemacht:

● Ab wann ist es eigentlich damit so richtig losgegangen?
● Wie hat sich der Andrang der „Flüchtlinge“ in den Jahren davor allmählich zum „Sturm über das Mittelmeer“ und zur Völkerwanderung über die türkisch-griechische Landgrenze und die Balkanländer in die EU entwickelt?
● Von welchen politischen, medialen und militärischen Ereignissen war das jeweils begleitet?

Ich habe daraufhin beschlossen, diesen Übersichtsartikel über die Chronologie der relevanten Ereignisse zu erstellen: als Grundlage zum Nachdenken für uns und unsere Leser darüber, was das alles zu bedeuten hat, welche Absichten damit von wem verfolgt werden könnten und inwieweit darin neben der allgemeinen Zerstörungsabsicht gegen die Europäer auch eine speziell gegen Deutschland und eventuell auch bestimmte andere europäische Länder (z. B. Österreich, Serbien, Ungarn) gerichtete Agenda enthalten sein könnte. Lesern, die sich noch nicht so lange mit dieser Thematik befassen, wird einiges aus der Anfangszeit neu sein, und selbst wir alten Hasen merken, daß man vieles nur zu leicht vergißt. Es läßt sich auch schwer feststellen, wann genau es wirklich „losgegangen“ ist, weil die Entwicklung zum gegenwärtigen Migrationstsunami ein über etliche Jahre laufender Prozeß war, der nur immer wieder mal eine schubweise Steigerung durch Schlüsselereignisse erfuhr und seit ungefähr Mitte des Vorjahres mit zunehmender Beschleunigung eskaliert ist, oder genauer: eskaliert wurde.

Wie die meisten unserer Leser bereits wissen werden, bezieht sich der Ausdruck „Heerlager der Heiligen“ auf das im gleichnamigen Roman des französischen Autors Jean Raspail aus dem Jahr 1973 geschilderte Zukunftsszenario, in dem eine Million indischer Armutsflüchtlinge sich – angestiftet von örtlichen christlichen Missionaren und linken Menschenrechtsaktivisten – einer Flotte von hundert altersschwachen, rostigen Schiffen bemächtigt, um damit nach Europa zu fahren und in Südfrankreich zu landen. Die Autorin Anne-Kit hat sich in ihrem am 1. August 2010 auf „Gates of Vienna“ erschienenen Artikel Wir wurden gewarnt mit diesem prophetischen Roman befaßt und unter anderem geschrieben:

Wir folgen den Ereignissen über mehrere Charaktere in Frankreich und beobachten die Reaktion der Welt auf das Vorankommen der Flüchtlingsflotte, während die Medien und die Intellektuellen – und die Kirche – das Unternehmen loben und ermutigen und sich darauf vorbereiten, „unsere Gäste” zu empfangen, und die schuldbeladene Selbstgeißelung fortsetzen, von der der Westen seit mindestens den letzten drei Jahrzehnten besessen war. Ein Slogan mit beunruhigend modernen Anklängen wird geboren: „Wir sind jetzt alle vom Ganges!”

Ein paar Unkenrufer sehen die unmittelbar bevorstehende Katastrophe als das, was sie ist. Das Problem ist, was man in der Sache tun soll. Geben wir nach, was den sicheren Tod der westlichen Zivilisation und der weißen Rasse zur Folge haben wird? Denn wenn die erste Welle Erfolg hat, werden andere folgen. Oder leisten wir Widerstand? Und wie? Töten wir eine Million wehrloser menschlicher Wesen, viele davon Frauen und Kinder? Falls nicht, wie sonst sollen wir Widerstand leisten und die Vernichtung unserer Zivilisation aufhalten? Oder lautet die Frage vielleicht, ob wir überhaupt die Stärke und den kollektiven Willen haben, sie aufzuhalten?

In den letzten Tagen, bevor die Schiffe durch die Straße von Gibraltar schlingern und es offensichtlich wird, daß sie nach Frankreich unterwegs sind, beginnen die Franzosen in Panik zu geraten. In letzter Minute befiehlt der Präsident den Streitkräften, das Land zu verteidigen, aber es ist zu spät. Der Großteil der Armee und Marine desertiert; die Bewohner des Südens fliehen nach Norden, Polizisten verlassen ihre Posten, Gefängnisse werden geöffnet, und die Sträflinge randalieren.

Als die Flüchtlinge vom Ganges im Süden Frankreichs an Land schwärmen, folgen überall auf der Welt andere in ihren jeweiligen Regionen ihrem Beispiel.

Ein kleiner Haufen Unentwegter mit dem Willen, ihren letzten kleinen Winkel der Provence bis zum bitteren Ende zu verteidigen, finden zu Monsieur Calguès und seiner Villa in den Bergen, wo sie — an die auf die Pest wartenden Protagonisten in Boccaccios Decamerone erinnernd — ein paar Wochen mit Reden und Lachen, Essen, Trinken und Singen verbringen und jeden erschießen, der sich dem Haus nähert. Sie führen eine Strichliste der getöteten Feinde: jener vom Ganges und jener, die sie „Sympathisanten” oder Verräter nennen. Das Ende kommt in Form eines Luftangriffes, der das alte Anwesen in Schutt verwandelt. Der Westen stirbt mit ihm, und eine orwell’sche Gesellschaft geht aus der Asche hervor und wird zu einer Art multirassischer Kommune.

In ihrem 2010 erschienenen Artikel stellt Anne-Kit schon einen Bezug zwischen der Romanhandlung und dem Andrang der zu dieser Zeit bereits über das Mittelmeer kommenden arabischen und afrikanischen „Flüchtlinge“ her, der aber schon seit etlichen Jahren davor im Gange war. So wurde schon im GEO-Artikel „Die Ennedi-Expedition, Teil 2: Ein Fenster in die Urzeit Afrikas“ von Uwe George im Augustheft 2004 (in dem es um eine Expedition ins Ennedi-Gebirge im nördlichen Tschad ging) eine Begegnung mit Afrikanern geschildert, die aufgrund von idealisierten Vorstellungen, die man ihnen eingeredet hatte, nach Europa wollten. Hier der relevante Abschnitt:

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Die Ursprünge des schwedischen Multikulturalismus

Von F. Roger Devlin, übersetzt von Lucifex. Das Original The Origins of Swedish Multiculturalism erschien am 23. September 2017 in The Occidental Observer.

How Sweden became Multicultural

M. Eckehart

Helsingborg, Sweden: Logik Förlag, 2017

Diese kurze (96seitige) Studie der historischen Ursprünge von Schwedens multikultureller Politik wurde vor zehn Jahren auf Schwedisch veröffentlicht, ist aber soeben für die Englisch lesende Öffentlichkeit verfügbar gemacht worden. Sie ist keine Geschichte der Einwanderung in Schweden, was eine viel längere Behandlung erfordern würde, sondern der Verbreitung und des Triumphs der multikulturellen Idee. Massive außereuropäische Einwanderung fand erst danach statt, teilweise als Folge dieser Verschiebung im Denken.

In den frühen 1960ern, als die Geschichte beginnt, waren die bedeutendsten ethnischen Minderheitengruppen im Land von nordeuropäischer Abstammung: Finnen waren am zahlreichsten, gefolgt von Esten und den Samen oder Lappen, die in Nordschweden selbst heimisch waren.

Aber nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs begannen andere einzutreffen. 1963 – 1964 wurden Forderungen nach Einwanderungsbeschränkung laut. Dies half eine Reihe von Debatten in der Presse über den Status ethnischer Minderheiten in Schweden auszulösen. Man ist sich allgemein einig, daß die 1975 formell eingeführte multikulturelle Politik ihre Ursprünge in diesen Debatten hatte; aber wie der Autor der vorliegenden Studie aufzeigt, sind der Hintergrund der Debattierenden und ihre Motive selten untersucht worden.

Ihr Initiator und wichtigster Beitragender war David Schwarz (1928 – 2008), ein in Polen geborener Jude, der 1950 wegen medizinischer Behandlung im Zusammenhang mit Typhus und Tuberkulose, die er sich als Insasse eines Konzentrationslagers in Deutschland zugezogen hatte, nach Schweden kam.

Am 21. Oktober 1964 veröffentlichte Schwarz in Dagens Nyheter, einer von mehreren schwedischen Tageszeitungen, die von der in jüdischem Besitz befindlichen Bonnier-Gruppe herausgegeben wurden, „Das Ausländerproblem in Schweden“, worin er schrieb:

Vor dem Zweiten Weltkrieg war Schweden relativ restriktiv hinsichtlich der Aufnahme von Flüchtlingen. Der Bedarf an Arbeitskräften war nicht so groß wie heute, und manche Berufszweige fürchteten ausländische Konkurrenz. Aber zum Ende des Krieges änderte sich die Einstellung der Regierung, und im Laufe der Zeit wurden 14.000 Juden und viele andere aus den deutschen Konzentrationslagern hierher übersiedelt. Gleichzeitig kamen Zehntausende baltische Flüchtlinge und mehrere tausend Staatenlose, die vor den Russen flohen. Seit damals hat Schweden weiterhin Ausländer aufgenommen […] In anderen Worten, Schweden erhielt eine große Gruppe von Menschen, annähernd 400.000, die nicht im Land geboren waren.

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