Das. Ist. Nicht. Sparta. (3): Spartanische Frauen

Lena Headey als Königin Gorgo in „300“ (Bild von Lucifex hinzugefügt)

Von Bret Devereaux, übersetzt von Lucifex. Das Original This. Isn’t. Sparta. Part III: Spartan Women erschien am 29. August 2019 auf dem Blog A Collection of Unmitigated Pedantry des Autors.

Zuvor erschienen: Glossar zu Sparta, Das. Ist. Nicht. Sparta. (1): Spartanische Schule und (2) Spartanische Gleichheit.

Heute werden wir uns in Teil III unserer siebenteiligen Betrachtung Spartas (IIIIVVVIVII) die Rolle der Frauen in der spartanischen Gesellschaft näher ansehen und dabei an die spartanische soziale Hierarchie denken, die wir letztes Mal festgestellt haben. Sparta hat einen Ruf – der oft von Lehrbüchern unterstützt und gefördert wird -, eine geschlechteregalitärere Gesellschaft zu sein. Ist das wahr – und noch wichtiger, für wen ist das wahr?

Oder, um die Frage anders zu stellen: war Sparta – verglichen mit anderen antiken Gesellschaften – ein „guter“ Ort, um dort als Frau geboren zu werden?

Karten auf den Tisch – dieser Beitrag hätte ursprünglich in zwei Teilen kommen sollen: dem ersten, der das Leben der Frauen in Sparta betrachtet (was nun dieser Teil ist) und dem zweiten, der die Auswirkungen der Wohlstandsungleichheit auf spartanische Familien betrachtet, mit einem Abschnitt über den (fehlenden) historischen Lykurg am Anfang. Das wurde zu lang für einen einzigen Essay, sowohl für euch zum Lesen als auch für mich zum Schreiben (nachdem ich das Hinauskriegen dieser Teile Woche für Woche mit meinem akademischen Schreiben, dem Unterrichten etc. ausbalancieren muß). Ich hätte diesen Abschnitt kürzen können, damit er reinpaßt, aber ich denke, „den Abschnitt über Frauen“ zu kürzen, „damit er hineinpaßt“ ist ein allzu häufiges Laster, und ich weigere mich, da mitzumachen, daher habe ich aus dem Essay zwei Teile gemacht (und zu meiner Verteidigung: dies ist nicht das einzige Mal, daß wir über die spartanischen Frauen reden werden. Sie sind immerhin die Hälfte der Gesellschaft).

Durch diese Teilung bleibt Lykurg hier vorne drin, den einen Kerl in einem Beitrag, der sich auf die Frauen konzentriert, aber ich wollte nicht weitermachen, bevor ich nicht die Frage der Historizität von Lykurg des Alters der spartanischen Gesellschaft behandelt hatte, die wir in unseren Quellen beobachten, also hier ist er. Wie wir sehen werden, spielt die Idee des Lykurg eine Rolle für unser Verständnis der gesamten spartanischen Gesellschaft.

Und noch eine Inhaltswarnung: Dieser Beitrag wird Diskussionen über historische sexuelle Gewalt enthalten. Es ist nichts Drastisches, aber ich verstehe es, wenn ihr das überspringen wollt.

Wie zuvor gibt es hier ein kurzes Glossar der Begriffe, aber wir werden alles definieren, wenn wir zum ersten Mal darauf stoßen, daher solltet ihr nicht ständig zurückblättern müssen.

Herrn Lykurgs Nachbarschaft

Aber bevor wir anfangen, detaillierter über spartanische Frauen, die spartanische Gesellschaft und spartanische Familien zu reden – und auch über Spartas Regierung und Militär (im Laufe der nächsten paar Wochen), ist es Zeit, daß wir über Lykurg reden. Wir sahen letztes Mal, daß unsere Quellen eine schlechte Gewohnheit haben, – unrichtigerweise – alle Probleme oder Mängel in Sparta als bloß jüngere Versäumnisse bei der Einhaltung von Lykurgs Gesetzen abzutun (selbst wenn unsere Belege sehr klar machen, daß diese „jüngeren Versäumnisse“ in Wirklichkeit schon lange bestanden). Das spielt eine Rolle, weil es eine entscheidende Frage erhebt, wenn wir über Sparta reden – welches Sparta?

Lykurg war der Name, den die Spartaner ihrer mythischen Gründergestalt gaben, einem Spartaner, der angeblich im späten 9. Vorchristlichen Jahrhundert lebte und die spartanische Gesellschaft begründet hatte, so wie wir sie in der klassischen Periode sehen. Fast alle unsere Details über sein Leben stammen aus einer Biographie von Plutarch, die ca. 100 n. Chr. geschrieben wurde (dieses Datum wird gleich wichtig sein). Die Geschichte, die die Spartaner erzählten, ging so:

Es war einmal… da lebte ein Spartaner namens Lykurg, und er war der allerbeste Spartaner…

Lykurg war der jüngere Bruder eines der beiden Könige Spartas gewesen, aber er verließ Sparta, um zu reisen, als sein Bruder starb, sodaß er keine Bedrohung für seinen jungen Neffen wäre.

Nach einer Weile baten die Spartaner Lykurg, zurückzukommen und die Gesellschaft neu zu organisieren, und Lykurg gestaltete die spartanische Gesellschaft – mit dem Segen des Orakels von Delphi – radikal zu der Form um, die sie für die nächsten 400 Jahre haben sollte. Er veränderte nicht nur die Regierung, sondern erließ Gesetze für jede Facette des Lebens, von der Kindererziehung über die Ehe, die Struktur der Haushalte bis zur Wirtschaftsstruktur, für alles. Sobald er das geschafft hatte, ging Lykurg zurück nach Delphi, aber bevor er abreiste, ließ er alle Spartaner versprechen, daß sie seine Gesetze nicht verändern würden, bis er zurückkehrte. Als das Orakel ihm gesagt hatte, daß seine Gesetze gut waren, beging er Selbstmord, sodaß er niemals nach Sparta zurückkehren würde, wodurch er verhinderte, daß seine Gesetze jemals aufgehoben würden. Daher änderten die Spartaner niemals Lykurgs Gesetze, die von Apollo selbst für perfekt erklärt worden waren. In weiterer Folge brachten die Spartaner Lykurg göttliche Ehren entgegen, und in Sparta wurde er als Gott verehrt.

Und so gestaltete Lykurg Sparta um.

Die Rolle, der Lykurg in den Quellen dient, ist jene der perfekten, unfehlbaren Gründerfigur. Nichts Geringeres als das Orakel von Delphi – das göttliche Wort Apollos – erklärte Lykurg zum Gott (Hdt. 1.65.3). Für spätere Quellen – die, wie wir betonen müssen ihre eigene Religion glauben (wie es Menschen überall zu tun pflegen – bedeutet das im Grunde a priori, daß Lykurgs „Verfassung“ praktisch fehlerlos sein muß und daß alle Mängel aus deren unvollkommener Umsetzung stammen müssen.

Aber – wartet mal – was ist unser Beweis für die wirkliche Person des Lykurg oder für den Charakter des Staates, den er begründete?

Erinnert euch, wie ich sagte, daß Lykurg auf das späte 9. vorchristliche Jahrhundert datiert wird – spezifisch ungefähr die 820er v. Chr. Das ist ein riesiges Problem. Die früheste griechische Literatur stammt ungefähr (sehr ungefähr – es gibt hier eine tiefe wissenschaftliche Debatte, die ich übergehe) aus dem mittleren 8. Jahrhundert (ca. 750 v. Chr.) und ist völlig mythologischer Natur. Die erste wirkliche Geschichtsschreibung kommt von Herodot, der in den mittleren 400ern schrieb. Das früheste historische Ereignis, für das wir Belege haben, ist der Lelantische Krieg (ungefähr um 700), mindestens ein Jahrhundert nach dem Leben des Lykurg. Keine unserer Quellen enthält irgendetwas, nach dem bezüglich Lykurgs gehen kann – abgesehen von dem, was die Spartaner – die diese Gestalt bereits als Gott verehren – ihnen sagen. Entscheidend ist, daß Tyrtaeus, der in den 650ern v. Chr. schrieb, zwar die rhetra erwähnt (ein Orakel, das die Spartaner betreffend das Arrangement ihrer Regierung erhielten) Lykurg nicht erwähnt (obwohl Plutarch die beiden geschwind miteinander verbindet, Plut. Lyc. 6.5), was bedeutet, daß die früheste Quelle für Lykurgs Existenz Herodot ist.

Wartet, es wird noch besser – das eine, das wir über Lykurgs Gesetze wissen, ist daß sie nicht niedergeschrieben wurden (Plut. Lyc. 13.1). Auch unternahm Lykurg angeblich Schritte, um zu verhindern, daß seine Überreste nach Sparta zurückkehrten (Plut. Lyc. 29.5-6, but cf. 31.4), und daß es eine fortbestehende Familienlinie gäbe, was als genau die Art von Erklärung erscheint, die man am Ende einer guten Lagerfeuergeschichte dafür gibt, warum es absolut keine Spur von solch einem bedeutenden Mann außer seiner Legende gibt. Also werden nicht nur die Details über Lykurgs Leben, sondern auch die Gesellschaft, die er schuf, als mündliche Tradition weitergelebt haben – sich potentiell von einer Erzählung zur nächsten verändert haben, ausgeschmückt oder erweitert worden sein -, generationenlang, bevor sie dem dauerhaften, unveränderlichen Gedächtnis der geschriebenen Geschichte übergeben wurden.

Kurz, unser einziger Beweis für Lykurg sind die Lagerfeuergeschichten, die von Leuten, die ihn bereits als Gott verehrten, Jahrhunderte später Individuen über ihn erzählt wurden. Was bedeutet, daß es nach historischen Standards überhaupt keine verläßlichen Belege dafür gibt, daß Lykurg existierte.

Bild des Lykurg als einer der 23 Großen Gesetzgeber im U.S.-Repräsentantenhaus. Ich muß zugeben, wenn ich Solon, Hammurabi, Thomas Jefferson oder Justinian wäre (alles wirkliche historische Gestalten, die in der Reliefgruppe enthalten sind), wäre ich ein bißchen beleidigt darüber, mit Lykurg in einen Topf geworfen zu werden (und Lykurg wäre vermutlich beleidigt, mit bloßen Sterblichen gruppiert zu werden).

Es gibt tatsächlich einige klare Diskrepanzen in den Darstellungen Lykrugs, die wir haben, die darauf hindeuten, daß die Geschichte seiner Gesetze nicht so stattgefunden haben kann, wie die Spartaner sie erzählten. Die offenkundigste ist die Sache mit den kleroi. Plutarch sagt uns, daß Lykurg für dieses System verantwortlich war (und die Spartaner scheinen das so ziemlich geglaubt zu haben), das entweder 9000 gleiche Grundstücke schuf, oder andernfalls 6000 oder auch 4500, die später vom spartanischen König Polydorus (reg. ca. 700 – ca. 665, Plut. Lyc. 8.1-3) ergänzt wurden.

Wie wir letzte Woche diskutierten, erhielt jeder Spartaner einen kleros – ein Stück Staatsland, das von Heloten bearbeitet wurde -, um seinen Lebensstil zu erhalten. Aber – wie wir wissen – die meisten der kleroi und die große Mehrheit der Heloten befanden sich in Messenien, Land, über das Sparta nicht vor den frühen 600ern Kontrolle haben sollte – eine Eroberungsleistung, die, wie ihr euch von letzter Woche erinnern werdet, Tyrtaeus der Generation seines Großvaters zuschreibt (Tyrtaeus f. 5, West (1993), 23). Wenn das kleros-System in der Zeit Lykurgs geschaffen worden wäre, hätte es keine 4500 kleroi geben können, geschweige denn 9000.

Und doch wird Lykurg in Schulbüchern oft als historische Gestalt behandelt, besonders um den Beginn des spartanischen Gesellschaftssystems zu datieren. Das wiederum hinterläßt bei Studenten den Eindruck, daß diese klagenden Passagen – „sicherlich sind die Dinge in Sparta jetzt schlecht, aber sie waren unter Lykurg besser“ – in unseren Quellen eine Art von Realität widerspiegeln. Außerdem gibt es einen falschen Eindruck von der Stabilität nicht nur des spartanischen Staates, sondern auch der spartanischen Gesellschaft. Studenten werden dazu angeregt, sich eine Gesellschaft vorzustellen, die ungebrochen von 820 bis mindestens 371 mit denselben gesellschaftlichen, kulturellen und Regierungsinstitutionen eingefroren war. Dies kann nicht wahr sein, allein schon aus dem Grund, daß das Sparta, das unsere Quellen beschreiben – wie wir letzte Woche klargemacht haben -, nicht ohne die riesige Zahl von Heloten funktionieren kann, von denen die meisten sich in Messenien befanden und bis zum 700 Jahrhundert noch unbesiegt waren.

Lykurg wird oft Solon entgegengestellt – den athenischen Reformer des frühen 6. Jahrhunderts. Es ist wahr, daß Athener ebenfalls dazu tendieren, Solon Dinge zuzuschreiben, die spätere Entwicklungen waren, aber wir müssen die entscheidenden Unterschiede anmerken: Solon kommt zwei Jahrhunderte nach Lykurg (somit anders als  Lykurg in historischer Zeit), erhielt keine göttlichen Ehrungen, und was am wichtigsten ist, es gibt Schriften von ihm (er schrieb Gedichte, von denen manche überlebten), sodaß wir wissen können, daß er eine wirkliche Person war. Studenten zu ersuchen – wie ich es gesehen habe -, einen realen, mit Fehlern behafteten Reformer mit einem idealisierten, halb-mythischen Halbgott zu vergleichen, ohne irgendeine Anleitung über die Natur dieser beiden Gestalten, ist ganz offen gesagt Fehlverhalten im Unterrichtswesen.

Relief eines wirklichen Menschen, der tatsächlich existierte. Solon als einer der 23 Großen Gesetzgeber im U.S.-Repräsentantenhaus. Nicht sein wirkliches Ebenbild – wir wissen nicht, wie Solon aussah, obwohl wir wissen, daß er einige angemessene Gedichte schrieb.

Seltsamerweise ist es, wenn man nach einer athenischen Entsprechung zu Lykurg sucht, nicht Solon aus dem 6. Jahrhundert, sondern Theseus. Ihr wißt schon – der Kerl, der den Minotaurus im Labyrinth tötete – dieser Theseus. Wie Lykurg war Theseus eine legendäre Gründergestalt – er soll für die politische Einigung Athens verantwortlich gewesen sein -, die göttliche/Heldenehrungen in seiner Heimatstadt erhielt und Gegenstand einer Biographie von Plutarch ist, die hauptsächlich auf Quellen aus dem 5. bis 3. Jahrhundert beruht (von denen nur manche überleben; in der Tat vergleicht Plutarch ausdrücklich Lykurg, Numa, Romulus und Theseus miteinander (Plut. Thes. 1.2) – von diesen wird nur Lykurg jemals als historische Gestalt behandelt). Es gibt sogar einige – törichte – Versuche, Theseus als historische Gestalt im 8. oder 9. vorchristlichen Jahrhundert zu plazieren (was ihn zu einem Zeitgenossen von Lykurg machen würde, und nein, ich scherze nicht, siehe RE Supp. XIII „Theseus”).

All das soll heißen, daß es keinen Grund gibt, Lykurg als reale historische Person zu behandeln, und keinen Grund, seine Daten (ca. 820 v. Chr.) als „Startdatum“ für den spartanischen Staat zu behandeln. Selbst falls ein Lykurg existierte (und ich bin nicht davon überzeugt, daß er historischer ist als Theseus), können wir recht sicher sein, daß er nicht den spartanischen Staat schuf, wie wir ihn kennen, weil die Struktur dieses Staates – wie wir letztes Mal diskutierten – völlig davon abhängt, eine große Zahl von Heloten zu haben, deren große Mehrheit erst in den 680ern in den spartanischen Staat gezwungen wurde, nachdem die meisten Heloten Messenier waren und nicht Lakonier.

Dies mag offenkundig oder sogar unwichtig erscheinen, aber allzu oft stellen wir Vergleiche an zwischen antiken Staaten, wie sie waren, und dem spartanischen Staat, wie man ihn sich vorstellte. Studenten werden ersucht, die athenische Demokratie, wie sie in der Praxis existierte (weil das die Belege sind, die wir haben), mit den idealisierten Darstellungen von Spartas legendärer Vergangenheit zu vergleichen – erinnert euch, selbst unsere pro-spartanischen Quellen geben alle zu, daß Sparta zu ihrer Zeit nicht mehr so funktionierte, wie sie dachten, daß „es früher funktionierte“, obwohl unsere Belege darauf hindeuteten, daß es nie so funktionierte.

Anzuerkennen, daß der lykurgische Staat nicht mehr greifbar ist, hat auch eine sehr bedeutende Auswirkung für unsere weitergehende Diskussion: wir diskutieren den spartanischen Staat, wie er von ca. 680 bis 371 existierte. Das ist es, wofür wir Belege haben. Der spartanische Staat, der vor 680 existierte, der angebliche lykurgische Staat – was immer seine Form war – ist für uns völlig verloren, außer durch (sehr begrenzte) Archäologie und Epigraphie. Wir können diesen Staat nicht diskutieren, falls er jemals überhaupt existierte.

(Pedantische Anmerkung: es ist auch keineswegs sicher, daß der spartanische Staat, wie wir ihn durch Herodot, Thukydides und Xenophon im fünften und vierten Jahrhundert beobachten können, wirklich bis ins Jahr 680 zurückreicht. Genauso wie ein paar schnelle Beispiele, Kennell, Spartans (2011) Skepsis darüber äußern, wie weit zurück die „Große Rhetra“ (wir kommen dazu) wirklich reicht, oder P.-J Shaw „Olympiad chronography and ‘Early Spartan History” (1999) dazu, daß das Ritual der Gymnopaidiai (und vielleicht die damit verbundenen spartanische Askese) spät-archaisch ist (lies: ca. 490er) statt aus Lykurgs Zeit, wie unsere Quellen annehmen. Wir sollten immer sehr vorsichtig sein, wenn irgendeine Gesellschaft uns sagt, daß ihre gegenwärtigen (oder nostalgisch erinnerten) Bräuche bis in die Nebel der Vergangenheit zurückreichen – für gewöhnlich tun sie das nicht.)

Kurz, dieser Beitrag diskutiert – wie eigentlich alle vorherigen und folgenden – den spartanischen Staat und die spartanische Gesellschaft, die wir tatsächlich in den Quellen sehen, statt irgendein mythisches Utopia, das unsere Quellen sich in der tiefen Vergangenheit vorstellen und das wahrscheinlich niemals realer war als Theseus und sein Minotaurus. Das wiederum wird prägen, wie wir diese Woche und die nächste über die spartanische Gesellschaft reden – wir werden Sparta nicht den Vertrauensbonus geben, anzunehmen, daß alles in der spartanischen Gesellschaft völlig richtig funktionierte bis eine halbe Sekunde, bevor unsere historischen Aufzeichnungen verläßlich werden… wenn schon aus keinem anderen Grund als dem, daß wir auch keiner anderen Gesellschaft diesen Vertrauensbonus geben.

Spartiatenfrauen, spartanische Frauen

Und ich denke, es ist Zeit, daß wir fokussierter über die Frauen von Sparta reden. Sparta hat in der Populärkultur einen – aus den Quellen abgeleiteten – Ruf erlangt, seinen Frauen ein größeres Maß an Freiheit und Bedeutung zu gewähren als jede andere griechische polis (ich sollte betonen, daß das eine sehr niedrige Latte ist), und solange wir über Spartiatenfrauen reden, liegt darin etwas Wahrheit.

Spartiatenmädchen machten eine ähnliche „Erziehung“ durch wie Spartiatenjungen, obwohl sie nicht aus ihrem Zuhause entfernt wurden wie ihre Brüder. Spartiatenmädchen liefen Wettrennen und wurden dazu angehalten, körperlich aktiv zu sein (Plut. Lyk. 14.3; Mor. 227; Xen. Lac. 1.4). Die Beweislage ist dünn, deutet aber recht stark darauf hin, daß Spartiatenfrauen im Allgemeinen lesen und schreiben konnten, in ziemlichem Gegensatz (noch einmal, wie es die Beweislage zuläßt) zum Rest Griechenlands. Nun machen unsere Quellen klar, daß dies zum Teil ein Produkt der Muße war, die Spartiatenfrauen hatten, nachdem die hauptsächlichen häuslichen Aufgaben griechischer Frauen – Textilherstellung und Essenszubereitung – zur Gänze in Sklavenarbeit ausgeführt wurden, die Helotenfrauen aufgezwungen wurde (Xen. Lac. 1.3; Plato, Laws. VII; Plut. Mor. 241d).

Statuette eines laufenden spartanischen Mädchens (ca. 525 – 500 v. Chr.) aus Prizren oder Dodona, nun im British Museum, London. Ihre Kleidung – die in Sparta normal war, aber skandalös für eine Bürgerfrau in Athen gewesen wäre – war eine Art, wie Spartiatenfrauen wahrscheinlich mehr Freiheit hatten als andere griechische Elitebürgerfrauen.

Während die Quellen ein Bild der athenischen Elitebürgerfrauen als praktisch abgeschieden malen, hatten Spartiatenfrauen bedeutend mehr Bewegungsfreiheit, teilweise weil sie die hauptsächlichen Leiterinnen ihrer Haushalte gewesen zu sein scheinen. Männliche Spartiaten lebten bis zum Alter von dreißig Jahren nicht zu Hause und waren selbst danach wahrscheinlich häufig auswärts (Plut. Lyc. 14.1; Mor. 228b). Spartiatenfrauen konnten auch in einem größeren Maß als in Athen oder anderswo in Griechenland erben und in ihrem eigenen Namen Grund besitzen (man beachte zum Beispiel Plut. Agis 7.3-4). Man bekommt aus den Quellen den starken Eindruck, daß dies den Spartiatenfrauen um einiges mehr Einfluß gab; unsere großteils männlichen Quellen, besonders Aristoteles, mißbilligen das, aber wir brauchen (und sollten!) ihre Misogynie nicht teilen. Die Quellen sind auch sehr klar darin, daß Frauen und Mädchen der Spartiaten sich viel freier fühlten, öffentlich ihre Meinung zu sagen, als griechische Frauen in den meisten poleis, obwohl sie dennoch völlig und universal von der formalen Politik ausgeschlossen waren.

Gorgo, wie sie in Civilization 6 als eine der möglichen Führerinnen der Griechen erscheint. Dies ist etwas Seltsames, das sich im Laufe der Zeit in Gorgos Popkultur-Identität eingeschlichen hat – um es klarzustellen: Gorgo führte niemals die Spartaner an, ganz zu schweigen von den Griechen. Leonidas‘ Tod hatte eine Regentschaft für ihren Sohn zur Folge, aber der Regent war Pausanias, der in Wirklichkeit der Architekt des spartanischen Sieges war. Dies ist umso frustrierender, als es absolut tolle griechische Herrscherinnen gab, die wirklich regierten und an dieser Stelle verwendet werden könnten (Artemisia von Caria und Irene von Athen fallen mir ein).

Aber – und ihr habt gewußt, daß es ein „Aber“ geben würde (Überraschung! es gibt zwei) – aber die Rolle der Frauen in der spartanischen Gesellschaft, wie wir sie beobachten können, bleibt grundsätzlich instrumental: in der spartanischen Gesellschaftsordnung existierten Spartiatenfrauen, um Spartiatenjungen hervorzubringen. Die Leibesübungen, die Spartiatenmädchen unternahmen, waren unter der Annahme gerechtfertigt, daß sie fittere (männliche) Kinder hervorbrachten (Plut. Lyc. 14.2; Xen. Lac. 1.4). Plutarch deutet an, daß das Heiratsalter für Spartiatenfrauen gesetzlich festgelegt war, wenngleich es im Allgemeinen älter war als im Rest Griechenlands (Plut. Lyc. 15.3; Mor. 228a).

Spartiatenfrauen scheinen nicht mehr Mitbestimmung gehabt haben, wen sie heirateten, als andere griechische Frauen, das heißt, effektiv keine. Heiraten scheinen arrangiert worden zu sein, und die Hochzeitszeremonie selbst, wie sie uns erzählt wird, war eine ritualisierte Entführung (Plut. Lyc. 15.3-5; Hdt. 6.65) ohne auch nur ein Feigenblatt einer (weitgehend illusorischen) Einwilligung, die es in manchen anderen antiken Heiratsritualen gab. Ehemänner „verliehen“ anscheinend auch ihre Ehefrauen an andere Spartiatenmänner (Plut. Lyc 15.7; Xen. Lac. 1.7-8); die Beschreibungen in dieser Passage betonen die Einwilligung der beteiligten Männer, lassen aber völlig die Einwilligung der Frau weg, obwohl Xenophon unterstellt, daß die beteiligte Frau „die Leitung zweier Haushalte übernehmen wollen“ würde und daher vermutlich dafür wäre; ich habe meine Zweifel.

Alles, was wir über die Spartaner haben (ehrlich, lest einfach Plutarchs Sprichwörter spartanischer Frauen, aber auch Xen. Lac. 1.4, 7-8, Plut. Lyc. 15, etc.), bestärkt den Eindruck, daß Spartiatenfrauen primär als Mittel zur Produktion von Spartiatenjungen betrachtet wurden. Gorgos Erwiderung, daß Spartiatenfrauen „die einzigen Frauen sind, die Mütter von Männern sind“ (Plut. Mor. 240e), der Befehl ihres Mannes, sie solle (wenn er stürbe) „einen guten Mann heiraten und gute Kinder gebären“ (Plut. Mor. 240e), die anonyme Spartiatenfrau, die eine ionische Frau dafür beschämt, daß sie gut im Weben ist, denn Kinder großzuziehen „sollte die Beschäftigung der guten und ehrenwerten Frau sein“ (Plut Mor. 241d) und so weiter und so fort. Die meisten der Sprichwörter, in denen es nicht um das Gebären von Kindern geht, handeln von Spartiatenfrauen, die entweder froh sind, daß ihre Söhne tapfer starben, oder sich von ihnen distanzieren, weil sie das nicht taten.

300“, Gorgo spricht zur Gerousia. Dies kommt in Herodots Darstellung aus dem vielleicht offensichtlichen Grund nicht vor, daß Frauen nicht in der Gerousia oder der Apella (der allgemeinen Versammlung) sprechen durften. Das dem am nächsten Kommende, das wir bekommen, ist eine Erwähnung, daß in Sparta erzählt wurde, daß es Gorgo war, die Demaratus‘ List mit einer Wachstafel entdeckte und sie enthüllte (Hdt. 7.239).

Nun gibt es hier einen notwendigen und sehr wichtigen Vorbehalt: dies ist die Rolle der Spartiatenfrauen, wie sie von Männern gesehen wurde. Es fällt auf, daß das eine der größten Dinge, von denen wir einigermaßen sicher sein können, daß Spartiatenfrauen sie taten – sie scheinen die meiste Zeit die volle Leitung des Haushalts gehabt zu haben – kaum überhaupt in diesen Sprichwörtern oder unseren Quellen vorkommt (außer in einem gewissen Maß in Aristoteles‘ Polemik in Buch 2 der Politik). Wir sollten nicht überrascht sein, daß unsere elitären, aristokratischen und ausschließlich männlichen Quellen die Rollen herauspicken, die ihnen am wichtigsten erscheinen. Es kann gut sein, daß die durchschnittliche Spartiatenfrau anders empfand – ich für meinen Teil kann mir kaum vorstellen, daß viele Spartiatenmütter überglücklich waren zu hören, daß ihre Söhne in der Schlacht gefallen waren, was für ein tapferes Gesicht auch immer sie in der höflichen Gesellschaft gezeigt haben mögen. Und ich muß mir vorstellen, daß viele Spartiatenfrauen wahrscheinlich kluge Leiterinnen ihrer Haushalte und wahrscheinlich einigermaßen stolz darauf waren.

Trotz all dem denke ich, daß man fairerweise sagen kann, daß Spartiatenfrauen im Großen und Ganzen unter relativ besseren Bedingungen gelebt zu haben scheinen als freie Bürgerfrauen in anderen poleis in Griechenland. Wo sie scharf eingeschränkt waren – und um das klarzustellen, nach modernen Maßstäben waren Spartiatenfrauen immer noch sehr scharf eingeschränkt -, waren sie auf Arten eingeschränkt, die zum Großteil in der griechischen Gesellschaft typisch waren. Ganz offen gesagt schnitten antike griechische poleis bei ihren Frauen recht schlecht ab, selbst nach den sehr niedrigen Maßstäben anderer vormoderner Gesellschaften. Aber für diese niedrige Latte scheint das Leben der Spartiatenfrauen doch um einiges besser gewesen zu sein, und unsere Quellen widerspiegeln das recht offen.

Aber – und dies ist das andere „aber“, auf das ich oben anspielte – ein riesiger Teil davon ist, daß Spartiatenfrauen vom Erfordernis befreit waren, Stunden um Stunden schwieriger Arbeit bei der Zubereitung und dem Servieren von Essen und der Textilproduktion zu leisten. Und hier schlagen wir den Bogen zurück zum Problem von letzter Woche: Spartiatenfrauen repräsentierten wahrscheinlich ungefähr 6 % der spartanischen Frauen (einschließlich der Heloten). Wenn wir über die Verhältnisse der Frauen in Sparta reden wollen, müssen wir über Helotenfrauen reden.

Helotenfrauen

Nun habe ich zuvor erwähnt, daß unseren Quellen an manchen Dingen sehr liegt (reiche Leute, freie Menschen, Bürger, Männer, Krieger) und nichts an anderen Dingen (arme Menschen, versklavte Menschen, Nicht-Bürger, Frauen, Arbeiter). Wir sind nun an dem Punkt, wo all diese zweiteren Dinge kollidieren (technisch, im Akademikersprech, würden wir sagen, sie „überschneiden“ sich), wenn wir über Helotenfrauen reden, die arm, versklavt, Nicht-Bürger und Arbeiterinnen waren. Weil wir fragen wollen: „Wie war das Leben als Frau in Sparta?“, müssen wir in Wirklichkeit fragen: „Wie war das Leben als Helotenfrau?“, weil sie ca. 85 % all unserer Frauen und 42,5 % all unserer Menschen repräsentieren.

Und ich möchte die Wichtigkeit dieser Frage hervorheben, weil es mehr Helotenfrauen in Sparta gibt, als es freie Menschen in Sparta gibt (laut letztes Mal sind ungefähr 15 % von Sparta frei – Männer und Frauen -, aber 42,5 % von Sparta bestehen aus versklavten Helotenfrauen). Wenn wir absolut irgendetwas über die Lebensbedingungen in Sparta sagen wollen, können wir einfach nicht eine so große Gruppe in Sparta lebender Menschen ignorieren.

Und unsere Quellen lassen uns katastrophal im Stich. Es gibt nach meinem Wissen keine Passagen irgendwo im Bestand der antiken Literatur, die tatsächlich von Helotenfrauen handeln, und alle Passagen, die sie erwähnen, könnte man auf einer einzigen getippten Seite unterbringen und hätte noch Platz übrig. Aber das ist keine Entschuldigung dafür, so zu tun, als würden sie nicht existieren, und wir werden über sie reden.

Soweit wir sagen können, waren die Familienstruktur und die Arbeitsrollen unter den Heloten annähernd wie das, was wir im Rest Griechenlands sehen. Sobald sie einmal befreit sind, begründen die messenischen Heloten eine ziemlich normale polis in Messenien, daher sieht es kaum so aus, als hätten sie irgendeine radikal verschiedene soziale Zusammensetzung gehabt. Das gibt uns die Anfänge für die Skizzierung dessen, wie das Leben für eine Helotenfrau gewesen sein könnte: wir können die Handvoll von Dingen nehmen, von denen wir wissen, daß sie an ihren Umständen besonders waren, und sie mit dem kombinieren, was wir über die normale Struktur des Lebens für antike griechische Bauernfamilien wissen.

Die hauptsächliche wirtschaftliche Beschäftigung von Helotenfrauen war wahrscheinlich die Essenszubereitung und die Textilproduktion. Und wenn ich meine Studenten kenne, so weiß ich, daß ab dem Moment, wo ich über die wirtschaftliche Rolle von Frauen in antiken Haushalten rede, eine sehr spezifische Hälfte der Klasse eindöst. Wacht auf. Es gibt eine hässliche Tendenz, diese „Frauenarbeit“ als irgendwie geringer oder optional zu sehen. Diese Aufgaben, die ich gerade aufgezählt habe, sind nicht wirtschaftlich marginal, sie sind nicht unwichtig. Ja, unsere antiken Quellen werten sie ab, aber wir sollten das nicht tun.

Erstens: seien wir uns darüber im Klaren – Frauen in antiken Haushalten (oder frühneuzeitlichen Haushalten, oder modernen Haushalten) waren nicht müßig. Sie hatten wichtige Aufgaben, die genauso wichtig waren wie die Landwirtschaftsarbeit, die erledigt werden mußten, wenn die Familie überleben sollte. Ich habe anderswo geschätzt, daß wahrscheinlich ein Minimum von ungefähr 2220 Stunden pro Jahr erforderlich sind, um das Mimimum an notwendigen Textilgütern für einen fünfköpfigen Haushalt herzustellen (das sind 42 Stunden pro Woche Spinnen und Weben, jede Woche). Der Großteil dieser Zeit wird mit dem Spinnen von Rohfasern verbracht (entweder Pflanzenfasern aus Flachs, um Leinen herzustellen, oder Tierfasern von Schafen, um Wolle herzustellen). Der nächste Schritt danach ist das Weben dieser Fäden zu Stoff. Sowohl das Weben als auch das Spinnen sind langsame, sorgfältige und mühsame Tätigkeiten.

Die Nahrungszubereitung ist ähnlich wichtig, wie ihr euch vorstellen werdet. Noch 1900 waren für Essenszubereitung und Saubermachen in amerikanischen Haushalten durchschnittlich etwa 44 Stunden pro Woche nötig, plus weiteren 14 Stunden, die dem Wäschewaschen und Putzen gewidmet waren (Lebergott, Pursuing Happiness (1993)). Also wird ein kleiner Bauernhaushalt (noch einmal, fünf Mitglieder) selbst ohne das Aufziehen von Kindern – und fragt irgendeinen Elternteil, da steckt eine Menge Arbeit drin – ungefähr 100 Stunden „Frauenarbeit“ pro Woche benötigen, bloß um sich selbst zu erhalten.

Nun wird diese Arbeit in einem normalen Bauernhaushalt unter den Frauen aller Altersstufen des Hauses aufgeteilt werden. Mädchen werden typischerweise in sehr frühem Alter zu spinnen und zu weben lernen und zuerst bei den einfacheren Aufgaben mithelfen, bevor sie voll kompetent sich (aber natürlich kommt nun auch „Ausbildungszeit“ als Jobanforderung für ihre Mütter hinzu). Aber gleichzeitig (siehe dazu Erdkamp, The Grain Market in the Roman Empire (2005)) mußte Frauen in Spitzenzeiten oft auch bei der landwirtschaftlichen Arbeit mithelfen – Säen, Ernten etc. Das ist eine Menge Arbeit, die zu erledigen ist. Erinnert euch, wir postulieren einen ungefähr fünfköpfigen Haushalt, daher könnte es gut sein, daß diese 100 Stunden auf nur zwei Personen aufgeteilt werden (von denen eine entweder recht alt oder recht jung und somit nicht so produktiv sein könnte).

Kurz gesagt: diese Aufgaben sind in Kombination mit all den anderen Anforderungen so ziemlich ein Vollzeitjob und mehr. Es ist auch ein Job, den jemand sehr dringend machen muß, wenn die Familie überleben soll.

Wir können annehmen, daß diese Anforderungen, zusammen mit der Ehe, dem Gebären und Aufziehen von Kindern und religiösen Ritualen und Festen wahrscheinlich die Konturen der Leben von Helotenfrauen formten, so ziemlich wie sie es für viele arme Frauen im griechischen (oder römischen) ländlichen Raum getan haben werden. Aber der spartanische Staat formt diese Konturen ebenfalls, und er tut das in fast gänzlich negativer Weise.

Fangen wir mit den Textilien an. Spartiatenfrauen betätigen sich nicht in Textilherstellung (Xen. Lac. 1.4), wie zuvor erwähnt, noch scheinen sie sich (obwohl die Belege hier schwächer sind) in der Essenszubereitung betätigt zu haben. Im syssition zumindest werden die Mahlzeiten von Helotensklaven gekocht und aufgetischt (Plut. Lyc. 12.5, 12.7). Im ersteren Fall wird uns von Xenophon ausdrücklich gesagt, daß es Sklavenarbeitskräfte sind (er verwendet das Wort doule, „Sklavin“, womit hier eindeutig Helotenfrauen gemeint sein müssen), die das tun. Helotenfrauen haben nun also eine zusätzliche Anforderung an ihre Zeit und Energie: nicht nur die 2200 Stunden für die Bekleidung ihres eigenen Haushalts, sondern noch mehr für die Bekleidung des Spartiatenhaushalts, dem zu dienen sie gezwungen sind. Wenn wir das mit Zahlen versehen wollen, könnten wir müßig ungefähr fünf Helotenhaushalte annehmen, die einem Spartiatenhaushalt dienen, was ungefähr 20% mehr Textilarbeit bedeutet. Man sagt es uns nicht, aber man kann wohl sicher darauf wetten, daß sie auch gezwungen wurden, als „Domestiken“ in Spartiatenhaushalten zu dienen. Das ist wirklich eine ziemlich schwere und mühsame Auferlegung von zusätzlicher Arbeit für diese Helotenfrauen, die bereits alle Hände voll zu tun haben.

Jetzt haben wir also unseren Kontext für diese Szene – versklavte Frauen beim Schleppen von Wolle, aus der sie schöne Kleider für ihre Spartiatenherren zu spinnen gezwungen sein werden, statt für sich und ihre eigenen Familien. „300“ erwähnt natürlich die Heloten niemals überhaupt und macht nicht den Eindruck, daß dieser Markt ein wahrhaft beispielloses Zwangsarbeitssystem darstellt.

Wir wissen auch – wie zuletzt besprochen -, daß Helotenhaushalte gezwungen wurden, einen bedeutenden Anteil ihrer Erzeugnisse abzugeben, vielleicht bis zur Hälfte. Ich werde euch jetzt nicht durch all die Details zerren – ich liebe landwirtschaftliche Modellierungen genau deshalb, weil sie uns einen Blick in die Leben von Leuten werfen lassen, die es nicht in unsere Quellen schaffen -, aber ich weiß von keinem Modell der antiken Landwirtschaft, das diese Art von Entnahme ohne schlimme Konsequenzen tolerieren kann. Und ich höre schon die Erwiderung kommen: nun, natürlich konnte es nicht so schlimm gewesen sein, weil es ja dennoch Heloten gab, richtig? Nicht ganz, weil arme Bauernpopulationen nicht so funktionieren. Es kann sehr schlimm sein und dennoch eine stabile – aber elende – Population bestehen lassen.

Kummer und Hass

Reden wir über saisonale Sterblichkeit.

Als hauptsächliche Nahrungszubereiterinnen im Helotenhaushalt werden Helotenfrauen die Aufgabe haben, einen eingeschränkten, aber variablen Fluß von Lebensmitteln durch eine erweiterte Familie zu regeln, zu der ihr Ehemann gehören kann, ihre Kinder, ältere Verwandte etc. Bei der niedrigen Produktivität der antiken Landwirtschaft ist dies eine knifflige Operation in Systemen, wo jedes Jahr 10 % oder 20 % der landwirtschaftlichen Erträge als Pacht entnommen werden, aber angesichts der Anforderungen, eine gesamte unproduktive Eliteklasse zu erhalten, wird das noch schwerer. Die entscheidende Aufgabe besteht hier darin, eine Ernte über die nächste Pflanzsaison bis zur nächsten Ernte zu strecken, jedes Jahr. Das bedeutet, den Lebensmittelverbrauch des Haushalts sorgfältig gegen die verfügbaren Reserven abzumessen und sicherzugehen, daß genug da ist, um über den Winter zu kommen. Wenn zu viel Nahrung von den Eliten eingetrieben wird, oder die Ernte ausfällt, oder (wahrscheinlich) eine Kombination daraus, dann wird die Familie in eine Knappheit geraten.

Nun weiß die kluge Helotenfrau das – Bauern, ob männlich oder weiblich, sind schlaue Überlebende, keine Idioten, und sie planen für diese Dinge (im Ernst, viel zu viele meiner Studenten scheinen instinktiv auf die Annahme hereinzufallen, daß Leibeigene, Bauern etc. Idioten sind, die nicht wissen, was sie tun. Diese Leute haben generationenlang mit sehr wenigen Ressourcen überlebt, oft in sehr unbeständigen oder gewaltträchtigen Situationen; sie sind nicht dumm, sondern arm, und da gibt es einen Unterschied!) – daher wird sie Strategien haben, um diese Nahrungsmittel zu strecken und zu versuchen, sich und ihre Familie am Leben zu erhalten. Aber das bedeutet wiederum oft, der Familieneinheit eine gewisse Unterernährung aufzuerlegen, um ein richtiges Verhungern zu vermeiden. Es bedeutet wahrscheinlich auch viele damit verwandte Strategien: horizontale Verbindungen zu anderen Bauernhaushalten zu erhalten, sodaß zum Beispiel jemand da ist, der einem in einer Mangelsituation aushilft. Kluge Überlebende. Dennoch – besonders in einer Situation, wo Knappheiten alle gleichzeitig treffen – ist eine Fehlmenge an Nahrung oft unvermeidlich.

Aber wir müssen hier zwei Dinge erwähnen: erstens reagieren Menschen verschiedener Altersstufen und Konstitutionen verschieden auf Unterernährung. Robuste Erwachsene können Perioden der Unterernährung relativ leicht ertragen und sich davon erholen. Für schwangere Frauen erhöht Unterernährung alle Arten von schlimmen Komplikationen, die wahrscheinlich das Kind und vielleicht auch die Mutter töten werden. Für die Alten und die sehr kleinen Kinder erhöht Unterernährung die Sterblichkeit dramatisch (lies: viele tote Kinder und Großeltern), da beeinträchtigte Immunsysteme (geschwächt durch die Unterernährung) zu Krankheiten führen, die die weniger robusten Alten und Kleinen nicht abwehren können. Zweitens – und das ist der traurige und brutale Teil – muß die Ernährung der landwirtschaftlichen Arbeiter, das heißt, der erwachsenen Männer (und in geringerem Maß der erwachsenen Frauen) an erster Stelle kommen, weil sie mit ausreichender Stärke bis in die Pflanzzeit durchhalten müssen, um die Knochenarbeit für die nächste Ernte zu schaffen. Wenn zwischen dem Überleben der Familieneinheit und dem Risiko zu entscheiden ist, den kleinen Tim zu verlieren, dann weiß unsere Helotenmutter, daß sie den kleinen Tim riskieren muß.

In einem guten Jahr gibt es also genug Nahrung für den gesamten Haushalt. Familien erweitern sich, Kinder werden erwachsen, der ältliche Teil der Familie schafft es durch einen weiteren Winter und vermittelt Weisheit und Trost. Aber die schlechten Jahre raffen die sehr Jungen und die sehr Alten dahin (und die noch Ungeborenen). Kinder, die es durch das Kleinkindalter schaffen, wird eine Reihe schlechter Jahre in der frühen Kindheit – eine recht häufige Sache – wahrscheinlich körperlich verkümmern lassen. Es ist sehr wahrscheinlich, daß die meisten Heloten tatsächlich körperlich kleiner und schwächer waren als ihre besser ernährten Spartiaten-Herren (dies ist ein Muster, das archäologisch über ein breites Spektrum vormoderner Gesellschaften sichtbar ist). Die Population schrumpft nicht, weil die Sterblichkeit Erwachsene im gebärfähigen Alter nicht annähernd so hart trifft, was bedeutet, daß es in zukünftigen guten Jahren neue Kinder geben wird. Tatsächlich tendieren Gesellschaften, die in diesem traurigen Gleichgewicht festhängen, dazu, sich demographisch recht schnell zu „erholen“, weil die massive externe Sterblichkeit (sagen wir, durch Krieg oder Seuchen) Land und landwirtschaftliche Überschüsse freimacht, was zu einer besseren Ernährung führt, was zu weniger Kleinkindersterblichkeit führt, was zu schneller Erholung führt.

„300“ ist dermaßen uninteressiert an den Heloten, daß ich dadurch wirklich keine Bilder habe, um sie hier zu verwenden, stattdessen also: Dies ist (in der Ferne) der Berg Ithome, die traditionelle Stätte des Widerstands messenischer Heloten gegen Sparta.

Aber all das ist sehr klinisch und unblutig, und – wie ich hoffentlich klargemacht habe – denke ich, daß es notwendig ist, die Tränen wieder einzufügen, um dieses System wahrlich zu verstehen. Denn die hohe Entnahmerate, die der spartanische Staat den Heloten aufzwang, wird zwangsläufig bedeutet haben, daß viele gerade noch „gute“ Jahre für diese Familien zu „schlechten“ Jahren wurden. Es sollte uns nicht überraschen, daß das spartanische Territorium – trotz seiner riesigen Größe (Sparta war territorial viel größer als jede andere polis auf dem griechischen Festland) – verglichen mit anderen griechischen poleis dünn bevölkert war (Xen, Lac. 1.1).

Und so müssen Helotenfrauen viel Zeit damit verbracht haben, sich wegen Nahrungsknappheit zu sorgen, mit Sorgen, ob ihre kranken und unterernährten Kinder oder Eltern es durch den Winter schaffen würden. Mit Trauer um das verlorene Kind, die verlorene Schwangerschaft, die zu schnell dahingerafften Eltern. Wahrscheinlich alles, während sie gezwungen waren, Hausarbeit für die Spartiaten zu machen, die sowohl die Ursache ihres Elends waren als auch gleichzeitig selbst gar keine Arbeit machten und doch besser ernährt waren, als es ihre Familie jemals sein würde. Weil Bauernarbeit jeder Art so prekär ausbalanciert ist, können wir wirklich sagen, daß jedes für die Spartiaten gewebte Kleidungsstück, jeder übergebene Scheffel Getreide in einem gewissen realen Sinn eine Zunahme dieses Kummers bedeutete. Subsistenzlandwirtschaft ist immer hart – aber das spartanische System scheint dafür maßgeschneidert, diese Subsistenzbauern immer tiefer ins Elend zu treiben.

Die Fälle von Brutalität gegen die Heloten – die Morde und Erniedrigungen -, die unsere Quellen bewahren, sind gegen Helotenmänner gerichtet, aber es erscheint als unvermeidliche Annahme, daß Helotenfrauen ebenfalls schlecht behandelt wurden. Spartiatenfrauen waren immerhin Produkte derselben Gesellschaft, die junge Männer dazu trainierte, Helotenmänner ohne jeglichen Grund nachts zu überfallen und zu ermorden – es kommt mir als enormer und unbegründeter Sprung vor, anzunehmen, daß sie aus irgendeinem Grund zu ihren eigenen Hausdienerinnen freundlich waren.

Tatsächlich ist das eine, das wir über Spartiaten – Männer und Frauen gleichermaßen – wirklich wissen, dies, daß sie alle manuell Arbeitenden verachteten und Landwirtschaft, Weben und Handwerk als Aufgaben betrachteten, die freien Menschen nicht geziemten. Ich komme immer wieder darauf zurück, aber ich möchte noch einmal die Spartiatenfrau erwähnen, die eine ionische Frau zu beschämen versucht, weil Letztere gut im Weben ist, was nach Meinung der Spartiatin Arbeit war, die für eine freie Person ungebührlich war (Plut. Mor. 241d, note Xen. Lac. 1.4). Dieselbe Einstellung wird von einem Spartiatenmann geäußert, der, als er sah, wie ein Athener vor Gericht wegen Müßiggang verurteilt wurde, den Mann lobte und sagte, er sei nur dafür verurteilt worden, frei zu sein (Plut. Mor. 221c). Dies ist eine Gesellschaft, die aktiv jeden verachtet, der für seinen Lebensunterhalt arbeiten muß – sogar freie Menschen. Warum sollte sich das nicht auf ihre Behandlung von Helotenfrauen ausdehnen?

Erinnert ihr euch an diese Szene in „300“? „Was ist dein Beruf?“ Ich möchte, daß alle Arbeitenden, die Sparta idealisieren, sich diese Szene ansehen, um die vernichtende Verachtung zu spüren, die die Spartaner für sie übrig hätten und für diese Männer, wegen der Schande, einen Job zu haben. Wir werden darauf zurückkommen, aber ich möchte es hier sagen: dies ist eine Gesellschaft, die jeden verachtete, der nicht reich genug war, daß er nicht für seinen Lebensunterhalt zu arbeiten brauchte. Jetzt wißt ihr, was die Spartaner von euch halten würden.

[Einschub von Lucifex: Nachfolgend habe ich das Video mit dieser Szene eingefügt, und bezüglich Leonidas‘ darin erhobenem Anspruch, seine Männer seien mehr Soldaten als die anderen griechischen Kämpfer, weil sie im Gegensatz zu diesen sonst nichts außer Krieger sind, verweise ich auf Teil VI dieser Reihe. Abgesehen davon, daß Spartas Erfolgsbilanz auf dem Schlachtfeld über seine Bestandszeit hinweg recht durchwachsen war, hätten die Soldaten der römischen Republik (noch vor der Professionalisierung der Legionen), die durchschnittlich sieben Jahre ihres Lebens unter Waffen verbrachten und die restliche Zeit großteils Bauern waren, die Spartiaten wohl als Amateure betrachtet.]

Dem müssen wir nun natürlich die krypteia hinzufügen und Vorfälle wie die 2000 ermordeten Heloten, von denen Thukydides erzählt (Thuc. 4.80). Während die Ermordeten Männer sind, müssen wir auch an die Hinterbliebenen denken: die verwitweten Frauen, verwaisten Töchter, trauernden Mütter. Dies muß ebenfalls Teil des Lebensmusters für Helotenfrauen gewesen sein, der Ehemann oder Bruder oder Vetter oder Vater oder Sohn, der eines Tages in die Felder hinausging und nicht zurückkam. Der schöne Junge, der zu schön war und deshalb von den Spartiaten ermordet wurde, weil sie es – wie uns gesagt wird – ausdrücklich auf die am Fittesten erscheinenden Heloten abgesehen hatten, in einem Versuch umgekehrter Eugenik (Plut. Lyc. 28.3).

Und schließlich müssen wir über die Vergewaltigungen reden. Uns wird nicht gesagt, daß Spartiatenmänner Helotenfrauen vergewaltigen, aber es ist vorsätzliche Ignoranz nötig, um zu bestreiten, daß dies geschah. Zuallererst ist dies eine Gesellschaft, die bewaffnete Männer nachts in den unbewaffneten und wehrlosen ländlichen Raum ausschickt (Hdt. 4.146.2; Plut. Lyc. 28.2; Plato, Laws 633). Diese jungen Männer waren fast sicher noch unter dem normalen Heiratsalter, und selbst wenn sie das nicht waren, war ihr sexueller Zugang zu ihrer wirklichen Gattin eingeschränkt. Außerdem gab es (wie wir gleich sehen werden) eindeutig keine Regeln gegen die sexuelle Ausbeutung von Helotenfrauen, so wie es keine Gesetze irgendeiner Art gegen die Ermordung von Helotenmännern gab. Zu glauben, daß diese jungen Männer – unter keiner Anleitung, eingeschränkt durch kein Militärgesetz und ohne gesellschaftlichen Tadel erwarten zu müssen – keine sexuelle Gewalt begingen, setzt voraus, das gesamte Beweismaterial über sexuelle Gewalt in Kampfzonen aus der gesamten menschlichen Geschichte nicht zu glauben. Anthropologisch gesprochen können wir absolut sicher sein, daß dies geschah, und wir können recht sicher sein (und sollten mehr als nur entsetzt sein), daß es häufig geschah.

Aber wir brauchen keine Mutmaßungen anzustellen oder uns auf vergleichende Belege zu stützen, denn diese Vergewaltigungen geschahen häufig genug, daß sie eine identifizierbare gesellschaftliche Klasse hervorbrachten. Die eine sichere Passage, die wir in diesem Sinne haben, stammt von Xenophon, der erwähnt, daß zur in den Krieg marschierenden spartanischen Armee eine Gruppe gehörte, die er die nothoi nannte – die Bastarde (Xen. Hell. 5.3.9). Die Phrase bedeutet typischerweise – und hier eindeutig – Jungen, die von Sklavenmüttern geboren wurden. Es gibt starken Grund zu glauben, daß dies dieselben sind wie die mothakes oder mothones, die in unseren Quellen mit größerer Häufigkeit vorzukommen beginnen. Mehrere dieser mothakes werden schließlich zu recht bedeutenden Gestalten, ganz besonders Lysander (man beachte Plut. Lys. 2.1-4, wo Plutarch höflich der Frage danach ausweicht, warum Lysander in Armut aufwuchs und ungewöhnlich unterwürfig zu sein schien, und auch der Frage, wer seine Mutter war).

Wir werden zu den spartanischen freien Unterklassen, die keine Bürger waren, nächste Woche kommen, wenn wir mehr über die spartanische Knappheit an Mannstärke reden, aber fürs erste möchte ich hier etwas sehr deutlich, fett und unterstrichen sagen: es gab so viel Vergewaltigung von Helotenfrauen durch Spartiaten, daß dadurch eine eigene bedeutende, rechtlich separate Unterklasse geschaffen wurde. Und nur damit das klar ist: ja, ich stufe alle diese Kontakte als Vergewaltigung ein, weil es sexuelle Einwilligung in Herr-Sklave-Beziehungen nicht gibt, wo ein menschliches Wesen die buchstäbliche Macht über Leben und Tod eines anderen menschlichen Wesens und seiner gesamten Familie hat. Wir können annehmen, daß manche Helotenfrauen, gefangen in diesen schrecklichen und unmenschlichen Umständen, diese Beziehungen vielleicht angestrebt haben – aber das ändert nicht die Dynamik der Gewalt und des Zwangs, die das gesamte System durchdrang.

Eine schnelle Rekapitulation: das Leben armer Bauern im antiken Griechenland war schon hart für jeden. Frauen in landwirtschaftlichen Haushalten hatten schwierige, aber extrem wichtige Aufgaben, um sich, ihre Familien und ihre Gesellschaft zu erhalten. Diesen Schwierigkeiten fügte der spartanische Staat unnötige, herzlose und brutale Verhältnisse aus Armut, Unterernährung, Gewalt, Mord und Vergewaltigung hinzu.

Fortsetzung folgt…

Wie ich ganz oben sagte, ist dies die erste Hälfte von etwas, das als ein einziger Beitrag beabsichtigt war, den ich aber der Länge wegen geteilt habe. Daher werden wir nächste Woche eine Anzahl unserer Fäden wieder aufgreifen – wir sind keineswegs fertig damit, über Frauen, Kinder oder Familien in Sparta zu reden. Wir werden nächste Woche auch die Rolle der verschiedenen spartanischen Unterklassen freier Nicht-Bürger näher betrachten.

Aber zuerst möchte ich eine Schleife zurück zu unserem ursprünglichen Thema machen: was ist mit der Vorstellung, daß Sparta – zumindest für Griechenland – ein guter Ort war, um dort eine Frau zu sein? So ziemlich wie beim Mythos von der spartanischen Gleichheit scheint es mir klar zu sein, daß diese Idee nicht bestehen kann. Sparta war nur ein guter Ort, um dort eine Frau zu sein, wenn diese Frau ein Mitglied der winzigen elitären Oberschicht der Spartiaten war. Diese Oberschicht ist in unseren Quellen viel sichtbarer, aber sie ist keineswegs repräsentativ dafür, wie das Leben in Sparta war.

Stattdessen war der spartanische Staat für die Durchschnittsfrau – die Helotenfrau – ein Sack voller Schrecken: Zwangsarbeit und Armut vor einem Hintergrund aus erniedrigender Behandlung, Brutalität und sexueller Gewalt. Sparta könnte tatsächlich der schlimmste Ort in Griechenland gewesen sein, um dort als Frau geboren zu werden, angesichts der überwältigenden Wahrscheinlichkeit, daß man in solch einem dystopischen Alptraum als Helotenfrau geboren wurde. Erinnert euch: es gab in Sparta mehr Helotenfrauen als alle Klassen freier Menschen – männlich und weiblich – zusammengenommen.

Wie ich letzte Woche betonte, ignorieren unsere Quellen oft bestimmte Klassen von Menschen in der griechischen Gesellschaft, aber das bedeutet nicht, daß wir das tun sollten. Häufig versuchen unsere Quellen mehr Menschen zu vergessen, als sie zu inkludieren versuchen! Wenn wir in die Vergangenheit schauen, um Modelle zu finden oder unser Denken über Gesellschaften zu erweitern, müssen wir an die gesamte Gesellschaft denken, und das bedeutet, an die Menschen zu denken, die unsere Quellen ignorieren. Wofür ist ein System gut, das marginale Vorteile für eine Handvoll bietet, wenn jene Vorteile voraussetzen, daß die große Mehrheit unter dem Fuß zermalmt wird?

Nächste Woche werden wir unsere Betrachtung der spartanischen Gesellschaft fortsetzen, indem wir uns ansehen, wie die Wohlstandsungleichheit, die wir letzte Woche diskutierten, Sparta und besonders Spartas Unterklassen formte.

Nächster Teil (Übersetzung folgt): Dies. Ist. Nicht. Sparta. (4): Spartanischer Reichtum

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Als Augenfutter noch drei Bilder von Lena Headey in „300“:

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Neue Kommentarpolitik auf „Morgenwacht“: Wie bereits hier unter Punkt 1 angekündigt, am Schluß dieses Kommentars wiederholt als Absicht geäußert und in diesem Kommentar endgültig festgelegt, werden neue Kommentatoren nicht mehr zugelassen und sind die Kommentarspalten nur noch für die bereits bekannte Kommentatorenrunde offen.

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