Feuerfall (13): Caravanserai

Ein Science-Fiction-Roman aus dem Galciv-Universum, von Deep Roots alias Lucifex. Dies ist Kapitel 13 von 17, und es gibt zur Begriffs- und Hintergrunderläuterung auch das Glossar zum „Galciv“-Kosmos.

Zuvor erschienen: (1) Reiter auf dem Sturm, (2) Babylon 6, (3) Puffy & Jack, (4) Nesträuber, (5) Nach Thumbnail Gulch, (6) Zur Welt der hundert Meere, (7) Höllenkurtisane, (8) Ungestutzte Flügel, (9) Im Trident Sietch, (10) Über das Meer, (11) Glasscherben am Strand und (12) Zwischen Abend- und Morgendämmerung.

Kapitel 13:   C A R A V A N S E R A I

Die nächste Begegnung mit einem Orbitalwachschiff vom Typ der Tortakk fand im Anflug auf den vierten Planeten von Delta Pavonis statt, hoch über dem winterlich braunen Südkontinent Kelnaik. Zum Zeitpunkt des Rendezvous mit dem Schiff, der Tandirun, kam schon der Westrand des Dolung-Meeres in Sicht, des salzigsten und tiefstgelegenen der sieben seichten, separaten Meere von Delpavo. An dessen Nordrand, noch jenseits des Osthorizonts, wußte ich die semiaride Landbrücke zwischen Kelnaik und der Landmasse Byoruil, die das Dolung-Meer im Osten begrenzt. Dort, auf einem Plateau östlich des Heyong-Salzwasserstroms, der aus der Siranoy-See im Norden in das Dolung-Meer fließt, lag Ndoni Kaundas Caravanserai, zu der wir wollten.

Mit mulmigem Gefühl beobachteten wir das Wachschiff, das wenigstens seine Ionenkanone nicht auf uns richtete, die in dem Stiel hinter dem Hauptrumpf untergebracht war und bis zur Frontfläche reichte. Der Kontakt diente der Identitätsüberprüfung und der Übermittlung der Bestimmungen für den Umgang mit den seit sechs Jahrtausenden primitiv lebenden einheimischen Menschen und Yarriuk auf Delpavo.

Diese Regeln sollten für den Fall, daß der offizielle Kontakt der Galciv mit der Erde erst erfolgen würde, nachdem irdische Raumschiffe schon das zwanzig Lichtjahre von Sol entfernte Delta Pavonis erreicht hatten, verhindern, daß es dann unter den Eingeborenen zu viele Erinnerungen an Kontakte mit Raumfahrern gab. Weil immer noch nicht fix war, daß die Erde bald an die Galciv herangeführt würde, galten die Vorschriften weiterhin, und da wir mit der Jeannie nicht durch das für sie zu enge Wurmloch gekommen, sondern im Warp von Babylon 6 hergeflogen waren, wollte man auf diesem Weg ausschließen, daß ich mich auf Unkenntnis berufen konnte, wenn ich die Bestimmungen verletzte.

Die Portale des Wurmlochs von Babylon 6 zu Delpavos innerstem Mond Camlem waren bewußt zu eng selbst für die kleinsten Sternenschiffe bemessen, um den Besucherverkehr zu begrenzen. Nur kleinere Raumschiffe ohne Warpantrieb konnten es passieren. Ein weiteres Personen- und Stückgutwurmloch verband Camlem mit der südlich des Kheldrech-Archipels in der Siranoy-See liegenden Vulkaninsel Selonni, auf der man eine Shomhainar-Basis und eine begrenzte touristische Infrastruktur errichtet hatte. Von hier gab es Flüge zu näheren Zielen auf dem Planeten, und die meisten der dafür verwendeten Flugmaschinen waren ungefähr bootsförmig gestaltet, damit von Sichtungen durch Eingeborene nur Legenden über Zauberer in fliegenden Booten zurückblieben. Entferntere Ziele wurden mit Shuttles direkt von Camlem aus angeflogen.

Gudrun begleitete mich, weil sie sich doch dazu entschlossen hatte, sich für eine Beurlaubung Talithas als Geisel zur Verfügung zu stellen. Das erschien uns nun als ausreichend sicher, nachdem alle unsere Gegner aus der Finnland-Affäre erledigt waren.

Marcoran war in einem seiner beiden Schiffe gewesen, die Nouris im Bottnischen Meerbusen versenkt hatte, und Max Kaunda hatte Marcorans Anwesen auf Pakarran erobert. Mit den dabei erbeuteten Daten hatten wir Shom-Earth das Komplott mit Petaurus beweisen können, der nach der Aufhebung seines Schutzstatus von Babylon 6 geflohen war.

Pyetar hatte herausgefunden, daß er zur Privatinsel eines Geschäftspartners auf Ryujin wollte, und da wegen seiner Vertragsverletzung auch die Wurmlöcher für ihn gesperrt waren, hatten wir ihn mit allen fünf uns zur Verfügung stehenden Schiffen über diesem Planeten abfangen können, als er dort aus dem Warp gekommen war. Völlig überrascht von dem Hagel von Kinetic-Geschossen, die wir mit der Sonne im Rücken gegen die Idmon und die Escapegoat gleich nach der Bestätigung ihrer Identität hatten fliegen lassen, waren Petaurus und seine Männer mit ihren zerschossenen Wracks am Planeten vorbeigerast und stürzten jetzt immer noch auf die Sonne zu. Die GVE-Konten der Bande waren zwischen Shom-Earth, Ndoni, Frido, Björn und mir aufgeteilt worden, und Gudrun hatte ihr gestohlenes Eigentum zurückbekommen. Der dritte Komplize lag wie Marcoran nördlich der Åland-Inseln im Wrack seines Schiffes auf dem Meeresgrund.

Die Tandirun hatte inzwischen unseren Weiterflug genehmigt, ohne daß ihre aus Menschen und Insektoiden bestehende Besatzung sich etwas wegen der Sache mit der Tortakk hatte anmerken lassen. Die Jeannie bremste aus dem Orbit, trat über der Westküste des Dolung-Meeres in die Atmosphäre ein und kurvte auf dessen Nordgolf mit dem Mündungsdelta des Heyong zu. Der Strom führte jetzt in der sommerlichen Trockenzeit des Nordens nur wenig Wasser. Von Wind und Strömungen geformte Salzablagerungen, zwischen denen sich schlammbraune Gerinne wanden, leuchteten wie weiße Inseln zu uns herauf und zeigten an, welche Ausdehnung der Heyong in wasserreicheren Zeiten erreichen kann. Beiderseits des Flusses wechselten sich braune Zonen dürren Buschlandes mit kahlen Flächen roter Lehmerde ab. Delpavo ist eine trockenere Welt als die Erde, nicht so extrem wie Yuryul, aber seine Meere nehmen kaum mehr als die Hälfte seiner Oberfläche ein, und die gegenwärtige kleine Eiszeit hat das Landeis vermehrt und das Klima noch trockener gemacht.

Ich übernahm die Steuerung von der Schiffs-KI und folgte den weiten Schwüngen des Heyong, bis von rechts der Tuhanfluß einmündete, der aus einer in das wüstenhafte Tuhaneplateau östlich von uns eingeschnittenen Schlucht kam. Dieser flog ich nach, und bald darauf sahen wir in der Ferne die Caravanserai, die wie eine Burg an einen Hügel mit lockerem Baum- und Buschbestand und dürrem Gras gebaut worden war.

Aus unserer Anflugrichtung konnten wir es nicht sehen, aber ich wußte von früheren Aufenthalten, daß der Hügel dort, wo er nicht an die Caravanserai grenzt, rundum mit Felswänden zum Gelände abfällt. Hier hatte man vor einem halben Jahrtausend die Steine für die Außenmauern und Säulen des Karawanenhofes gebrochen, als die Landschaften im Osten und Süden noch fruchtbarer und von Menschen bewohnt gewesen waren. Wegen der Verlassenheit der Gegend hatte Shom-Earth dem Vorbesitzer des Bauwerks erlaubt, sich darin einzurichten, die Ansammlung leerer Lehmhäuser an dessen Nordseite einzuebnen und durch Schlämmen und Plattwalzen der Überreste einen Raumschifflandeplatz anzulegen. Bei unserer Ankunft stand dort nur die Dreamspider, und während die Jeannie über diese hinweg zur autonomen Landung ansetzte, stiegen wir in das Beiboot und flogen damit aus dem Schacht. Nach einer halben Umrundung des gelandeten Schiffes steuerte ich auf Ndonis Wüstenburg zu, auf deren von Wehrmauern eingefaßten Flachdächern mehrere Raumschiffbeiboote parkten.

Die Caravanserai besteht aus fünf zweigeschossigen Trakten, die zwei Höfe umschließen. Der schmälere nördliche enthält den Gastgarten und ist nur an zwei Seiten von Arkadengängen gesäumt, während der quadratische südliche, der einst der Unterbringung der Tiere, Fuhrwerke und Waren gedient hatte, in eine Freizeitanlage für Gäste umgewandelt worden war und an allen vier Seiten Arkadengänge aufweist. Im Überflug sahen wir in den Höfen mehrere der Sklavinnen, die Ndoni auf ihrer Earthincom-Webseite Gästen für Dienste aller Art anbot. Etliche davon gehörten Dritten und wurden hier im Slavesharing weitervermietet, und daß dieses Geschäft ein paar Wochen nach unserem Bruch schon einen so großen Umfang hatte, ließ darauf schließen, daß Ndoni es davor schon heimlich betrieben hatte. Oh, ich bin klug und weise, und mich betrügt man nicht…, dachte ich ironisch.

An der Ostseite war in den ehemaligen Hinterhof zwischen den Mauern, die die Caravanserai mit dem Hügel verbinden, ein moderner Trakt gebaut worden, mit einer von Mauern, Nebentrakten und einer Loggia umgebenen Terrasse samt Schwimmbecken auf Obergeschoßniveau. Diesen Teil nutzte Ndoni als Privatbereich für sich und persönliche Gäste, und ich hatte dort auch meistens gewohnt, wenn ich nicht unterwegs war. Auf dem Gipfel des Hügels, dessen Vegetation durch eine artesische Brunnenbohrung aus der Lwaong-Zeit bewässert wird, die auch die gesamte Anlage versorgt, hatte sie eine Flugabwehranlage mit Ortungsgeräten über drei Gaußkanonentürmen errichtet.

Mit vorab erteilter Erlaubnis der Hausherrin flog ich über diese Privatterrasse hinweg den Dachlandeplatz an deren Südseite an und setzte neben einer grüngoldenen Raumfähre auf, deren Form an ein Tortenstück mit abgerundeten Kanten und stumpfem Bug erinnerte. Das war die Gold Bug, Ndonis erstes Raumschiff, das sie von ihrem Vater zum achtzehnten Geburtstag bekommen hatte. Es war damals schon gebraucht gewesen und hatte nur Influx-Antriebe und Brennstoffzellen, aber sie hing an dem Ding und nutzte es als Taxishuttle für Flüge bis Camlem und durch das Wurmloch nach Babylon 6.

Als wir um die Zwischenmauer herum auf die Terrasse gingen, kam Ndoni aus ihrem Wohnzimmer auf die Loggia, begleitet von einem schlanken jungen Mann mit schwarzem Kraushaar. Beide waren barfuß und trugen nur dunkelblaue Badesachen. „Hallo, kommt rein in den Schatten“, begrüßte Ndoni uns und küßte ihren Begleiter auf die Wange – demonstrativ, wie mir schien. „Talitha kommt gleich, sie hat gerade unseren Mittagstisch abgeräumt und zieht sich jetzt an. Das ist Mervindos Bruder Morden.“

„Ich kenne ihn schon, unter seinem richtigen Namen“, antwortete ich, amüsiert über den neuen Decknamen, den Morris Wiener gewählt hatte. Eine Ähnlichkeit mit Morden aus Babylon 5 war wirklich vorhanden, wenn man über Wieners Jugendlichkeit hinwegsah, und er war größer als Mordens Darsteller Ed Wasser und hatte auch etwas von seinem Bruder Merton. „Schatten klingt gut – solange er uns nicht zu den Schatten führt…“

Er grinste und sah Gudrun lüstern an. Sie sah auch wirklich hinreißend aus in ihrem rot geblümten weißen Kleid, mit dem brustlangen offenen Blondhaar und dem gut gefüllten Dekolleté. Nicht ohne Grund hatten Arbeiter von Firmen, mit denen wir früher zu tun gehabt hatten, noch Jahre später von ihr geschwärmt. Gerade rechtzeitig wandte Wiener sich seiner Partnerin zu und sagte: „Keine Sorge, wo Samantha ist, da scheint die Sonne. In mein Herz jedenfalls; ich weiß nicht, wie es damit bei Ihnen aussieht.“

„Das hast du schön gesagt, Schatz“, schnurrte Ndoni und küßte ihn noch einmal.

In diesem Moment kam Talitha heraus, in ihrem schwarz paspelierten gelben Hosenanzug, den ich ihr geschickt hatte. Sie war sonnengebräunt, schlanker als vor ihrem Verschwinden, und ihr nun knapp schulterlanges schwarzes Haar bildete einen schönen Kontrast zur kragenlosen gelben Jacke. Ihrem Gesicht war noch ein Anflug früherer Bitterkeit anzusehen, die durch ihre neuen Lebensumstände gemildert worden war und nun durch Wiedersehensfreude und Rührung überdeckt wurde. Wortlos umarmten und küßten wir uns, nicht wissend, was wir sagen sollten und vor den anderen sagen konnten.

Schließlich löste sie sich von mir und wandte sich Gudrun zu. „Ich weiß nicht, wie ich Ihnen für das danken kann, was Sie heute für mich zu tun bereit sind. Und ich frage mich, ob ich Ihnen bei unserer ersten Begegnung so leid getan hätte, wenn Sie gewußt hätten, was ich früher getan habe. Ich hoffe mich jedenfalls dessen würdig zu erweisen, indem ich weiterhin freiwillig alles mache, was auch meine Mitgefangenen tun müssen, im Tausch gegen abwechselnde Dienstbefreiungen im selben Ausmaß für die anderen. Diesen Deal habe ich mit Ndoni geschlossen – ich hoffe, das ist dir so recht, Draco.“

„Wenn es dir ein Bedürfnis ist, das zu tun, dann ist es mir recht“, antwortete ich.

Gudrun räusperte sich. „Ich wollte auch schon anbieten, daß ich einer Sklavin beim Zimmerservice helfe, wenn sie die Zeit, die wir dadurch früher fertig sind, frei bekommt und dann zum Beispiel hier auf der Terrasse baden oder sonnenliegen kann. Und ich löse anschließend eine andere ab, beim Servieren oder im sonstigen Hotelbetrieb.“

„Gudrun, ich hab‘ dir doch gesagt, daß du das nicht zu tun brauchst.“

„Ich weiß, aber ich will es tun. Wenn ich als Schiffshostess für dich arbeite, oder in deiner Taverne, dann kann ich Erfahrungen in solchen Tätigkeiten brauchen. Außerdem vergeht mir so die Zeit bis zu deiner Rückkehr schneller, als wenn ich nur herumsitzen und… und mich bedienen lassen würde.“

und Zeit zum Nachdenken und Zweifeln habe, oder etwas Ähnliches hatte sie wohl gedacht. Ich konnte mir denken, wie es ihr ging, denn ich wußte, daß sie von ihren beiden Ehemännern betrogen worden war, und danach noch schlimmer von Petaurus, und nun konnte sie wohl trotz unserer langen Freundschaft die Furcht nicht ganz loswerden, daß ich sie einfach gegen die jüngere Talitha eintauschen könnte, die im Unterschied zu ihr eine Zeitlang meine Geliebte gewesen war.

„Okay“, sagte ich. „Die Jeannie bleibt auf dem Flugplatz stehen, damit du sie immer sehen kannst, wenn du aus einem Nordfenster schaust. Wir nehmen das Beiboot.“

Talitha legte ihre Hand auf meinen Arm. „Gehen wir?“ fragte sie.

Ich sah Gudrun an und überlegte, was ich ihr noch sagen könnte, aber sie deutete nur mit der Hand, als wollte sie sagen: Geht schon, bevor mich der Mut verläßt. Ich hatte selber einen Kloß im Hals wegen ihrer Angst, die ich ahnte und deren Unbegründetheit ich ihr noch nicht beweisen konnte, also winkte ich ihr nur zu und sagte: „Baba, bis übermorgen am Abend.“ Dann gingen wir durch den rosenumrankten Torbogen zum Landeplatz.

*     *     *

Als ich Talitha im Beiboot sagte, daß unser erstes Ziel die Faluynhöhlen im Irkanon-Gebirge waren, das den Kontinent Camarondun in Nord-Süd-Richtung durchzieht, hob sie eine Augenbraue und schlug vor, zur Tarnung unserer Abflugrichtung durch Nebenschluchten des Tuhanflusses zu fliegen. Diese kannte sie von ihren Reisen mit György, und sie waren im Navi-System gespeichert.

Ich übergab ihr die Steuerung, und sie lenkte das Boot auf die südlich der Caravanserai vorbeiführende Tuhanschlucht zu und ließ es über die Plateaukante zum Fluß hinuntergleiten. Aus dem Navi-System suchte sie die Karte des vor uns liegenden Gebietes heraus und legte eine Route durch die Klamm eines Nebenflusses fest, der ein Stück weiter flußaufwärts einmündete und um das östlich der Caravanserai liegende Tuhanegebirge herumführte. Als wir diese Einmündung erreichten, flog Talitha wenige Meter über dem Wasser hinein und gab der Boots-KI die Anweisung, dem Fluß in dieser Höhe zu folgen und das Tempo aufgrund der 3D-Kartendaten so zu wählen, daß wir nicht zu sehr herumgeschleudert wurden. Zwischen diesen engen, teilweise überhängenden Sandsteinwänden waren wir der Ortung von oben fast ganz entzogen, und eine Rückfrage bei der Jeannie vor dem Start hatte ergeben, daß der Himmel bis in den Orbit leer war.

Eine Zeitlang boten die malerischen Ausblicke uns einen Vorwand, den schwierigen Anfang eines Gesprächs über Talithas Lage aufzuschieben. Schließlich sagte ich doch einfach: „Wie geht’s dir, Dominy? Ndoni hat mir erzählt, warum du damals weggefahren bist und wie sie dich dann erwischt haben.“

Sie seufzte. „Es heißt ja, brave Mädchen kommen in den Himmel, böse Mädchen überallhin. Zum Beispiel in die Hölle, wie ich. Wenigstens habe ich vom Sandrunner aus über Datenlink zur Kherthuk die Raumschlacht aus deren Perspektive mitverfolgen können und hatte die Erleichterung, daß ihr gewonnen habt. Und erleichtert wurde mir mein Schicksal auch durch die Einsicht, daß… es keine Falsche getroffen hat, wie du damals über Kyerak zu mir gesagt hast. Ich hab‘ bekommen, was ich verdiene.“

„Nein, das hast du nicht verdient! Auch wenn du nicht schuldlos bist, so bist du doch nicht böse, und wenn jemand Schlimmes verdient hätte, dann György, der dich da hineingezogen hat und all das auch ohne dich getan hätte.“

„Ja, das hilft mir tatsächlich… und ich bin sehr froh, daß du von meinem Verbleib und meinen Motiven erfahren hast. Daß sich zwischen dir und Julani wieder etwas zu entwickeln schien, hat mich damals in Zugzwang gebracht.“ Sie schaute nach vorn, wo links die Mündung einer Bachschlucht in Sicht kam und unsere weiter werdende Klamm sich nach Osten wandte, und überwachte auf dem Navi-Bildschirm, ob das Beiboot deren Verlauf folgte. „Weißt du“, sagte sie dann, „als du in den Sietch gekommen bist, um den Vertrag mit Ndoni abzuschließen, war ich dort in einem Verlies und mußte das Treffen auf einem Bildschirm mitansehen. Ndoni wollte mich eifersüchtig machen und dich zu negativen Äußerungen über mich verleiten, und als du das wegen György gesagt hast, und daß du mich immer noch liebst… das hat mir viel Kraft gegeben. Ich glaube, ich habe mir gegenüber Ndoni eine gewisse moralische Autorität ertrotzt, auch wegen dem, was du ihr über mich und die Milgram-Situation zwischen ihr und Max gesagt hast. Das nutze ich, um mich für eine bessere Behandlung der anderen einzusetzen. Sie nennen mich Mominatrix, weil ich ihre Fürsprecherin, aber auch Ausbilderin bin, der sie gehorchen.“

„Das hat Ndoni mir erzählt und durchblicken lassen, daß sie dich deshalb bewundert. Sie hat dich als tough cookie bezeichnet.“

Sie lächelte schwach. „Ich glaube, das trifft auch auf sie zu. Und dadurch, daß ich es freiwillig für andere auf mich nehme, ist es moralisch leichter zu ertragen als vorher, als ich es einfach über mich ergehen lassen mußte.“

Jetzt war ich dran zu seufzen. „Paß aber auf dich auf, und nimm dich besonders vor Morris in Acht. Der Kerl ist mir unheimlich, dagegen ist Merton geradezu normal. Kennst du diesen jüdischen Witz, wo ein Rabbi bei einem Begräbnis eine Rede über die Tugenden des Verstorbenen halten soll? Es ist ein neuer Rabbi, und er sagt: Tut mir leid, ich kannte den Mann nicht. Kann einer von Ihnen ein paar freundliche Worte über ihn sagen? Totenstille, bis jemand von hinten sagt: Sein Bruder war schlimmer!“

Talitha lachte kurz und wurde dann wieder ernst. „Ja, der könnte von den Wiener-Brüdern handeln. Morris hat auch einen schlechten Einfluß auf Ndoni, nachdem sie sich durch dich gerade etwas zu bessern begonnen hatte. Er ist übrigens auf Gudrun scharf und hat um sie mitgeboten, ist zuletzt aber nicht mehr mitgegangen. Petaurus hatte sie auch mit ihm bekanntgemacht, und er hat sich in sie verguckt.“

„Kein Wunder“, sagte ich. „Jetzt weiß ich, wer bis zuletzt gegen mich geboten hat. Auf den werde ich ein Auge haben müssen. Anderes Thema: wie siehst du jetzt György?“

„Als einen meiner größten Fehler im Leben, neben der Beziehung mit Max, und nicht nur wegen der Milgram-Sache. Von Merton habe ich nach meiner Gefangennahme erfahren, daß György mit einer Jüdin verheiratet war und Kinder von ihr hatte. Deshalb hatte er keine Kinder von mir gewollt, einer Shiksa. Györgys Familie lebt auf Ssrranth, und Merton konnte es nicht lassen, mich der Witwe vorzustellen, als er mit Max dort war, der mich als Reisegepäck dabei hatte.“

„Auf Ssrranth?“ fragte ich erstaunt. „Wieso lebt eine jüdische Familie auf einer Sontharr-Welt, und was hatten Max und Merton dort zu tun?“

„Es gibt auf Ssrranths nördlichstem Kontinent eine jüdisch geführte Earthin-Kolonie, die innere Autonomie hat und Zetuca genannt wird. Ssrranths Sonne Zeta Tucanae hat weniger UV in ihrem Spektrum als die Ursprungssonne der Sontharr, deshalb gedeiht die Vegetation ihrer Heimatwelt in den hohen Breiten von Ssrranth schlecht. Um die Sauerstoffanreicherung zu beschleunigen, haben die Sontharr den Nordkontinent vor Jahrhunderten mit Erdvegetation begrünt, und diesen Kontinent haben sie vor acht Jahren einer Population von Juden für die Gründung eines Quasi-Staates zur Verfügung gestellt.“

„Also deshalb reisen so viele Juden nach Ssrranth“, sagte ich. „Auf Babylon 6 habe ich sie durch das Wurmloch dorthin gehen gesehen, und Julani hat mir erzählt, daß sie gute Kontakte zu den Sontharr pflegen. Ist Merton einer der Kontaktleute?“

„Ja, aber hauptsächlich vermittelt er Einwanderer: korrupte und kriminelle Earthins, die eine Zuflucht für den Fall wollen, daß sie aufgedeckt werden oder daß es auffällt, daß sie nicht altern. Das sind nicht nur Juden, sondern derzeit stammen drei Viertel von anderen Völkern aus der ganzen Welt. Später soll der jüdische Anteil vergrößert werden. Merton sagt, das sei die einzige dauerhaft praktikable Art, einen Judenstaat aufzubauen: mit einer relativen Mehrheit von Juden, die ihn definieren und mit einer jüdischen Regierung, Justiz und Polizei kontrollieren, während sie durch die Präsenz der anderen zum Zusammenhalt motiviert werden. Diese anderen machen alle Arbeiten, die Juden nicht tun wollen, müssen den Vorrang der Juden akzeptieren, sind in viele ethnische Identitäten unterteilt und werden manipuliert und gegeneinander ausgespielt.“

Das leuchtete mir ein, und es paßte zu dem, was Khrek Hrokhar wegen der Juden als Gegen-Khenalai der Sontharr gesagt hatte. Daß das schon solche Dimensionen erreicht hatte, überraschte mich jedoch. „Da war Merton sich wohl sehr sicher, daß du nie mehr mit mir reden können wirst“, sagte ich. „Oder ist das in der Galciv sowieso bekannt?“

„In der Öffentlichkeit jedenfalls nicht.“ Sie zog das Beiboot hoch und sagte: „Ich glaube, wir können jetzt ins freie Gelände hinauf. Hier haben wir zur Caravanserai hin schon Sichtdeckung durch die Tuhane-Berge.“

Die Ränder der Schlucht blieben unter uns zurück und gaben den Blick auf einen Höhenrücken zu unserer Linken und eine von braunen Felsbuckeln durchsetzte Wüstensteppe zu unserer Rechten frei. Das unter der Mittagssonne flimmernde Gebirge bestand aus ineinander übergehenden erodierten Vulkankegeln, aus denen Stümpfe alter Lavaschlote ragten wie Zähne aus dem morschen Unterkieferknochen eines Krokodils. Talitha beschleunigte und übergab mir dann wieder die Kontrolle.

„Dominy“, sagte ich, nachdem ich auf Kurs Nordnordost gegangen war, „es ist schön, daß wir jetzt ab und zu wieder zusammen sein können. Aber es läßt mir keine Ruhe, daß du in der Caravanserai versklavt bist. Ich werde dich da rausholen – irgendwie.“

Ihr Blick wurde traurig, und sie schüttelte den Kopf. „Bitte tu das nicht. Glaub‘ mir, ich wäre sehr gern frei und mit dir zusammen, aber es ist nicht möglich. Leg‘ dich nicht mit der Kaunda-Bande an, denn das wäre dein Tod, und das würde ich nicht ertragen. Jetzt, wo du weißt, wo ich bin, werden sie mit so etwas rechnen und dich beobachten. Und außerdem… würde ich meine Situation schwerer ertragen können, wenn ich dabei ständig auf eine Befreiung hoffe, die vielleicht einmal kommt, aber wahrscheinlich doch nicht. Und wenn ich immer fürchten müßte, daß dieser Versuch dich das Leben kostet.“

Ich beschloß, die Sache ruhen zu lassen. Um Talithas Befreiung konnte ich mich auch später kümmern, ohne sie damit zu belasten. „Reden wir jetzt nicht mehr darüber“, sagte ich. „Genießen wir die Zeiten, die wir miteinander haben.“

Die gelbbraune Landschaft unter uns senkte sich in ein weites Becken, in dem ein Salzsee lag. Mit neunhundert Stundenkilometern flogen wir darüber hinweg, überquerten den Salzsee, aus dem zu dieser Jahreszeit nur ein schmales Rinnsal nach Westen zum Oberlauf des Heyong abfloß, und setzten im Tiefflug über einen niedrigen Höhenzug nördlich des Beckens. Von dort fiel das Gelände zu den Klippen an der Südostküste der Siranoy-See ab, deren Wellen vom Nordostpassat gegen den Strand getrieben wurden.

Jenseits eines Bergrückens im Westen, der durch den Meeresdunst gerade noch sichtbar war, lag der Abfluß des Heyong, durch den das Wasser der Siranoy-See zum Dolung-Meer überläuft. Dorthin kamen von Selonni oft Earthin- und Shomhuman-Touristen geflogen, um die Drachenreliefs von Iniye zu besichtigen, einer Tafelberg-Insel in einer Flußschlinge des oberen Heyong. Diese Reliefs, mythologisierende Darstellungen von Lwaong, waren dort vor drei Jahrtausenden aus einer Felswand herausgearbeitet worden.

Wir stiegen steil nach Nordosten in eine Suborbitalbahn nach Camarondun. Unser Sichtfeld weitete sich, und bald sahen wir rechts unter uns die von Sümpfen und Salzseen geprägte Tuyiss-Senke zwischen Byoruil und Camarondun, die einst ein seichtes Schelfmeer gewesen war. Dessen allmähliche Verengung durch tektonische Hebung und Sedimentablagerung hatte die warme Strömung aus dem Dharnmeer östlich von Byoruil in die Siranoy-See zunehmend eingeschränkt, wodurch das Klima auf der Nordhalbkugel kühler und trockener geworden war. Zuletzt war es nur noch ein Salzwasserstrom gewesen, bis die aktuelle kleine Eiszeit ihn durch den gesunkenen Wasserstand des Dharnmeeres hatte versiegen lassen.

Um das nachdenkliche Schweigen zwischen uns zu überbrücken, aktivierte ich ein vorbereitetes Musikprogramm, das mit Loreena McKennitts Caravanserai begann. Talitha kannte das Lied offenbar gut, denn sie wurde davon sichtlich bewegt und sang den Schluß mit

„What is this life that pulls me far away
What is this home where we cannot reside
What is this life that pulls me onward
My heart is full when you are by my side
Calling, yearning, pulling, home to you
Calling, yearning, pulling, home to you.“

Sie schaute zu mir herüber, mit einem warmen, aber traurigen Lächeln, und blinzelte Tränen weg. „Ach ja“, sagte sie, während das Lied ausklang, „eines noch: Flieg‘ nicht mehr nach Winedark. Ndoni hat mir die Information über die Lage abgepreßt, und sie war auch schon mit mir dort, um die Basis in Besitz zu nehmen. Sie hat deine Namensidee Winedark übernommen und selber die beiden Nachbarplaneten benannt: Yemayá für den inneren, nach einer westafrikanischen Meeresgöttin, wegen der Gezeitenwirkung, und den äußeren wegen seines Eispanzers nach Yemayás Gatten Oxalá, der ‚Herr der weißen Kleidung‘ genannt wird. Ein treffender Name, denn bei größter Annäherung gibt Oxalá auf Winedarks Nachtseite Licht wie Luna in Sichelphase. Ich habe das selbst erlebt, als ich Ndoni in ihrem Schlitten über das Eis zwischen den Gletscherinseln ziehen mußte, und ich hatte dabei Gedanken, an die mich die letzte Strophe jetzt wieder erinnert hat.“

Ich ergriff ihre Hand, hob sie an die Lippen und küßte ihren Handrücken. „Denk‘ nicht mehr daran“, sagte ich, „jetzt sind wir zusammen, und sie wird das nicht wieder mit dir tun.“

Vor uns dehnte sich das weite, bewaldete Tiefland des Chaion-Flußsystems aus, über das die Irkanonberge nach Westen entwässern. Der Abwärtsteil unserer Flugbahn führte uns über einen Kreuzungspunkt zweier großer Nebenflüsse aus dem Norden und Süden mit nur wenige hundert Meter versetzten Einmündungen in den Chaion. Dort übernahm ich die Steuerung von der KI und folgte dem von Norden kommenden Silsarfluß, bis ich durch Lücken zwischen den Ästen in den Tunnel schlüpfen konnte, den die an den Ufern wachsenden Riesenbäume mit ihren schräg über das Wasser ragenden Stämmen und den weit ausladenden Kronen bildeten. Über dem breiteren Chaion bleibt zwischen solchen Bäumen noch ein Streifen Himmel frei, aber hier waren sie in ihrem Streben nach Licht von beiden Seiten ineinander gewachsen und hatten ein weitgehend geschlossenes Dach aus Ästen gebildet. Diese einzigartige Vegetation, die ich bis dahin nur aus Galaxypedia und von Talithas Erzählungen kannte, wollte ich nun selbst besichtigen.

Wir flogen also durch den Tunnel den Silsar entlang. Die Bäume gehörten mehreren Arten an, aber alle waren riesig wie Sequoias und von Epiphyten bewachsen. Mit mächtigen Stelzwurzeln stützten sie sich im Flußgrund ab, und eine Art, die sogenannten Brückenbäume, hatte sogar die Fähigkeit entwickelt, ihre Äste zu Stelzwurzeln umzubilden, auf denen sie sich über das Wasser legen können. Sie fielen auf, weil sie zu dieser Zeit die meisten ihrer Blätter abgeworfen hatten, bis auf jene um ihre Blütenanlagen, die zur Anlockung von Bestäubern rot verfärbt waren. Als wir nach vierzig Kilometern um eine Linksbiegung kamen, hinter der wir die auf der Karte dargestellten Silsarfälle brausen hörten, sahen wir einen Brückenbaum, der von links über die gesamte Breite des Flusses gewachsen war und mit seiner Krone zwischen die Äste von der anderen Seite ragte.

Auf diesem Baum überquerten gerade zwei Einheimische den Fluß, ein Mann und eine Frau, soweit wir das im Gegenlicht erkennen konnten. Sie hatten uns noch nicht bemerkt, weil sie sich auf den überwucherten und vom Sprühnebel nassen Stamm konzentrierten und das Rauschen des fallenden Wassers unsere Fluggeräusche übertönte. Ich ließ die Maschine auf den Fluß sinken und lenkte sie in Schwimmlage hinter Röhricht am Ufer.

Als die Eingeborenen im Gebüsch des Ostufers verschwunden waren, hob ich das Beiboot wieder ab und ließ es vor dem Wasserfall die zweihundert Meter bis zur Oberkante seiner Hauptstufe aufsteigen. Über eine weitere Stufe gelangten wir in das weite Hochtal, durch das der Oberlauf des Silsar uns in weiten Schwüngen entgegenkam.

Hier, hoch über dem Chaiontiefland, war die Vegetation eine andere. Die Bäume am Fluß waren ähnlich wie jene unten, aber sie waren kleiner und bildeten keinen Tunnel über dem Wasser. Wälder, teils mit Bäumen ähnlich irdischen Nadelbäumen, wechselten mit offeneren Bereichen ab, und hier und da lagen Dörfer eines Eingeborenenvolkes, der Durdai, mit denen Talitha und György Kontakt gehabt hatten. Dieses Volk war durch Kämpfe mit einem Yarriuk-Stammesbund, der in den Bergen westlich des Silsar haust, dezimiert und aus seiner Hauptstadt Filkaur vertrieben worden. Auf einer Landzunge zwischen dem Fluß und dem von Osten einmündenden Flüßchen Sgip sahen wir die Ruinen dieser Stadt und der gleichnamigen Burg, die zu ihrem Schutz an der Basis der Landzunge erbaut worden war.

Nun folgten wir dem Sgip über eine offener und bergiger werdende Landschaft bis zu einer Rechtskurve vor einer Felswand, an deren Ende er mit einem Steindamm aufgestaut worden war. In die Felswand waren vor etwa zwanzigtausend Jahren die Faluynhöhlen geschnitten worden, und davor hatte eine inzwischen verschwundene Menschenkultur viel später die Osthälfte des kleinen Stausees aufgeschüttet und einen mit Steinquadern belegten Platz geschaffen. Als ich darauf landete, sahen wir den Wasserfall, der oberhalb des Dammes aus einer Öffnung in der Felswand schoß. Aus diesem Loch ragte die stark verwitterte Skulptur eines Menschen in einer Haltung, als wollte er hinunterspringen. Die gesamte Anlage einschließlich des Dammes und der Skulptur ist eine uralte Kultstätte, die wahrscheinlich den Höhlen und ihren unbekannten Schöpfern gewidmet war.

Wir stiegen aus und schauten in die Richtung zurück, aus der wir gekommen waren. Aus den Fugen zwischen den freigelegten Steinquadern, auf denen wir standen, wuchsen schon wieder die grasähnlichen Pflanzen, mit denen das Ufer noch in der ursprünglichen Dichte bedeckt war. Überall gab es hier schon Kilonkaubäume und Inkrolstauden, die Charakterpflanzen dieser trockeneren, kühleren Höhenstufe.

Talitha schaute sich um. Sie kannte diesen Ort, denn hier hatte sie mit György, Deniz und Maik die Vaderians überfallen und getötet. Die Bande hatte hier mit der Schaffung eines Stützpunkts ähnlich Thumbnail Gulch begonnen, was ihnen von Shom-Earth gestattet worden war, weil die Umgebung von den Durdai und den Yarriuk seit ihrem Krieg gemieden wurde. Diese Genehmigung hatte ich auf mich übertragen lassen, und ich hatte Talitha unterwegs schon kurz von meinen Plänen erzählt.

„Hier ist es noch fast wie damals“, sagte sie und spähte in die drei Höhleneingänge. „Sogar das gelagerte Material ist noch da. Hier kommt wirklich niemand her.“

„Das wird sich ändern, wenn hier Dracos Taverne entsteht, als Treffpunkt und Unterschlupf für vertrauenswürdige und nicht kriminelle Earthins. Hier auf dem Vorplatz wird die Gästeterrasse eingerichtet, für die Raumschiffe legen wir dort rechts einen Landeplatz an, und in den Höhlen gibt es genug Platz für Gästezimmer.“

Sie schaute skeptisch. „Traust du dich da wirklich drüber? Das wird eine Menge Arbeit, und wenn das Etablissement einmal bekannt ist, wirst du es auch verteidigen müssen.“

„Die Arbeit wird zu schaffen sein“, versicherte ich ihr. „Frido und Björn sind dabei, und wir werden einige Leute aus unserem Umfeld einbeziehen, darunter welche aus unserem Schützenverein. Die haben einander ergänzende handwerkliche und sonstige Fähigkeiten, was uns schon bei der Schaffung unserer Schießanlage nützlich war. Dafür bezahle ich ihnen Bioauffrischungen, und sie werden turnusmäßig herkommen und hier wohnen und die Anlage bewachen.“

„Und du meinst, das reicht für die Sicherheit?“

„Fremde Gäste werden für die Dauer ihres Aufenthalts einen Burgfriedensvertrag über Shom-Earth mit uns abschließen müssen, so wie Ndoni das in der Caravanserai hält. Wir werden auch nicht jeden kommen lassen, und gegen unerwünschte Besucher installieren wir eine Flugabwehranlage da oben auf dem Hügel. Hier gibt es ja eine weite Rundumsicht.“ Ich verschwieg, daß ich mir für diese Waffenanlage schon das dritte Lasergeschütz aus der Feuerwacht-Basis gesichert hatte, was auch Shom-Earth nicht wissen durfte.

„Gastro-Personal wirst du auch brauchen“, wandte Talitha ein.

„Da habe ich eine Auswahl unter den von uns befreiten Frauen. Von denen werden einige gern herkommen, um sich eine weitere Bioregeneration zu verdienen, oder weil sie sich hier eher als zu Hause vor Earthins sicher fühlen, für die sie unbequeme Zeuginnen sind. Unser Schriftführer kocht gut und gern und kann uns aushelfen, wenn er hier ist. Und Gudrun hätte ich gern als Chefin und gute Seele für den Laden. Jetzt, wo ich von Morris Wieners Interesse an ihr weiß, halte ich es nicht mehr für sicher, wenn sie in ihrem heimischen Umfeld bleibt. Außerdem wird sie mich innenarchitektonisch beraten.“

„Ein wenig verstehe ich auch davon… was György mir so vermittelt hat. Und ich kann dir Tips aus der Praxis in der Caravanserai geben.“

„Genau daran hatte ich auch schon gedacht. Gehen wir rein und sehen es uns an? Da können wir schon Gestaltungsmöglichkeiten nach deinen Ideen besprechen.“

„Und danach?“

„Fliegen wir im Beiboot durch das Wurmloch nach Babylon 6. Dort verbringen wir die Zeit bis übermorgen im Einkaufs- und Gastronomiebereich und an Bord von Nouris.“

Sie strahlte. „Das wird schön. Also dieser mittlere Höhleneingang würde sich gut für die Rezeption eignen, dahinter gibt es eine Kaverne, in der die Küche eingerichtet werden könnte, und die Seiteneingänge wären schöne Speiseräume mit Glasfassaden zur Gästeterrasse…“

Fortsetzung: Kapitel 14 – Spuren (Gimme Shelter)

Anhang des Verfassers:

Nachfolgend habe ich wieder Links und Videos zum obigen Kapitel gesammelt, zuerst die Links in der Reihenfolge, wie die Begriffe darin vorkommen:

Delta Pavonis, Artesischer Brunnen, Yemayá, Oxalá

Und nun die Videos:

„Caravanserai“ von Loreena McKennitt (hier in der 6:59 min. langen Konzertversion von 2007 in der Alhambra):

This glancing life is like a morning star
A setting sun, or rolling waves at sea
A gentle breeze or lightning in a storm
A dancing dream of all eternity

The sand was shimmering in the morning light
And dancing off the dunes so far away
The night held music so sweet, so long
And there we lay until the break of day

We woke that morning at the onward call
Our camels bridled up, our howdahs full
The sun was rising in the eastern sky
Just as we set out to the desert’s cry

Calling, yearning, pulling, home to you

The tents grew smaller as we rode away
On earth that tells of many passing days
The months of peace and all the years of war
The lives of love and all the lives of fears

Calling, yearning, pulling, home to you

We crossed the river beds all etched in stone
And up the mighty mountains ever known
Beyond the valleys in the searing heat
Until we reached the caravanserai

Calling, yearning, pulling, home to you
Calling, yearning, pulling, home to you

What is this life that pulls me far away
What is this home where we cannot reside
What is this life that pulls me onward
My heart is full when you are by my side

Calling, yearning, pulling, home to you

„O sancta justitia!“, die Auftrittsarie des Bürgermeisters van Bett in „Zar und Zimmermann“, in der er singt: „Oh, ich bin klug und weise, und mich betrügt man nicht“

O sancta justitia!
Ich möchte rasen,
Von früh bis spät lauf‘ ich herum;
Ich bin von Amtspflicht ganz aufgeblasen,
Das Wohl der Stadt bringt mich noch um.
Plerique hominum auf dieser Erde,
Sie ruhn doch mal von Qual und Beschwerde;
Doch kaum schaut der Morgen in meine Kammer,
So rufen die Akten mein Genie,
Und bis zur Nacht bin ich, o Jammer
Re vera übler noch dran als ein Vieh –
Kein Zugpferd in der Tat hat’s so schlimm
Als ein Vorstand und Rat.
Ein Glück, dass ich mein Amt verstehe
Und sapientissime alles wend‘ und drehe,
Dass mein Ingenium Akten weiss zu schmieren
Und das Consilium am Gängelband zu führen.
Denn ich weiss zu bombardieren
Zu rationieren und zu expektorieren,
Zu inspizieren, zu räsonieren
Zu echauffieren und zu malträtieren.
Rem publicam hab’ich stets im Sinn.
Man weiss es ja, dass ich ein codex bin.
Alt und jung ruft mir zum Preise,
Ich bin Saardams grösstes Licht.
O, ich bin klug und weise,
Und mich betrügt man nicht.
Diese ausdrucksvollen Züge,
Dieses Aug, wie ein Flambeau,
Künden meines Geistes Siege,
Ich bin ein zweiter Salomo,
Dazu der Corpus noch in petto,
Mit einem Wort, ich bin ganz netto.

„What Do You Want?“: Babylon 5 – Mr. Morden und Londo Mollari:

Babylon 5 – Vir und Mr. Morden:

Dieses Bild hatte ich ursprünglich für den mittleren Epilogteil von Kapitel 17 gedacht, den ich dann aber stark gestrafft habe, daher verwende ich es jetzt hier. Es zeigt den Ostteil der Privatterrasse in der Caravanserai:

17x natforpool

Rechts ist der rosenumrankte Torbogen zu sehen, und hinter einer Zwischenmauer rechts außerhalb des Bildes muß man sich den Dachlandeplatz mit der Gold Bug vorstellen. Im Hintergrund erhebt sich der Hügel mit der Flugabwehranlage auf der Kuppe.

*     *     *

Neue Kommentarpolitik auf „Morgenwacht“: Wie bereits hier unter Punkt 1 angekündigt, am Schluß dieses Kommentars wiederholt als Absicht geäußert und in diesem Kommentar endgültig festgelegt, werden neue Kommentatoren nicht mehr zugelassen und sind die Kommentarspalten nur noch für die bereits bekannte Kommentatorenrunde offen.

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