Dunkle Zuflucht

Von Gregory Benford, übersetzt von Lucifex. Das Original Dark Sanctuary erschien ursprünglich 1979 in Omni und wurde in der Februarausgabe 2012 des Lightspeed Magazine nachveröffentlicht. (Titelbild von mir hinzugefügt.)

Der Laserstrahl traf mich direkt ins Gesicht.

Ich drehte mich weg. Mein Helm summte und wurde dunkel, als seine Sonnenabschirmung überlastet wurde. Hinein ins Schiff. Ich riß an einer Strebe und taumelte in die gähnende, fluoreszenzbeleuchtete Luftschleuse.

Im Asteroidengürtel hat man entweder schnelle Reflexe, oder man ist eine Statistik. Ich knallte gegen das Schott der Luftschleuse und kam zum Stillstand, wartete, um zu sehen, wo der Laserstrahl als Nächstes treffen würde. Meine Anzugsensoren waren alle ausgebrannt, meine Gurte waren versengt. Die Druckflecken an den Knien und Ellbogen hatten braune Blasen. Sie hatten Blasen geworfen und waren weggekocht. Noch eine Sekunde oder zwei, und ich hätte Vakuum geatmet.

Ich nahm all dies auf, während ich Ausschau nach Reflexionen vom nächsten Laserschlag hielt. Nur daß er nicht kam. Wer auch immer auf mich geschossen hatte, hielt entweder die Sniffer für manövrierunfähig, oder er hatte einen unzuverlässigen Laser. So oder so mußte ich mit dem Ausweichen anfangen.

Ich bewegte mich schnell, arbeitete mich durch eine Verbindungsröhre nach vorn zur Brücke – ein hochtrabender Name für ein besenkammergroßes Cockpit. Ich brachte den Fusionsantrieb der Sniffer auf Touren und spürte den Zug, als sie heißes Plasma aus ihren Heckröhren zu spucken begann. Ich ließ auch die Seitenjets stottern und kleine Plasmastöße abgeben. Das ließ die Sniffer herumflitzen, gerade genug, um es schwer zu machen, sie zu treffen.

Ich drückte Tasten, um einen Schadensbericht zu bekommen. Ein paar Sensoren achtern ausgebrannt, ein Ladearm zusammengeschmolzen, anderes kleines Zeug. Der Laserblitz mußte uns nur für ein paar Sekunden erwischt haben.

Ein Blitz von wem? Von wo? Ich überprüfte das Radar. Nichts.

Ich hob die Hand, um meine Nase zu kratzen, und erkannte, daß mein Helm und mein hautenger Anzug immer noch vakuumtauglich abgedichtet waren. Ich beschloß, sie anzubehalten, nur für den Fall. Ich trage innerhalb der Sniffer üblicherweise leichte Coveralls; der hautenge Raumanzug ist für Arbeit im Vakuum. Mir fiel ein, daß ich, wenn ich nicht draußen gewesen wäre und einen hydraulischen Lader repariert hätte, bis zu meinem nächsten Routinecheck gar nicht gewußt hätte, daß jemand auf uns geschossen hatte.

Was keinen Sinn ergab. Prospektoren schießen auf einen, wenn man in einen Claim eindringt. Sie zappen einen nicht bloß einmal und verschwinden dann – sie bringen die Sache zu Ende. Ich war jetzt ziemlich in Sicherheit; der Stolziermodus der Sniffer war schnell und ungleichmäßig und schüttelte mich in meiner Kapitänscouch herum. Aber als meine Hände über der Kontrollkonsole schwebten, begannen sie zu zittern. Ich konnte sie nicht dazu bringen, aufzuhören. Meine Finger schüttelte es so schlimm, daß ich es nicht wagte, Anweisungen einzutippen. Verzögerte Reaktion, sagte mir der analytische Teil meines Verstandes.

Ich hatte Angst. Prospektion ist für sich schon riskant genug, ohne das Pech, in den Claim eines anderen zu geraten. Auf einmal wünschte ich, ich wäre nicht so einzelgängerisch. Ich zwang mich zum Denken.

Eigentlich sollte die Sniffer jetzt schon eine treibende Hulk sein – mit geblendeten Sensoren, voller Löcher geschossen und mit explodierten Triebwerken. Prospektoren im Asteroidengürtel spielen um alle Murmeln.

Philosophisch halte ich es mit den Hasen – rennen, ausweichen, hüpfen, aber nicht kämpfen. Ich habe auch ein paar Überraschungen für jeden, der versucht, schneller zu sein als ich. Das ist allemal besser, als mit Felsenratten Laserschüsse über tausend Kilometer auszutauschen.

Aber das hier machte mir Sorgen. Keine anderen Schiffe auf dem Radar, nichts als dieser eine Blitz. Es paßte nicht.

Ich tippte ein schnelles Computerprogramm ein. Der Wartungscomputer hatte die Zeit protokolliert, als die achteren Sensoren verschmorten. Auch konnte ich sagen, wohin ich schaute, als der Blitz mich traf. Diese zwei Fakten konnten mir eine Peilung zur Quelle geben. Ich ließ die ballistische Routine der Sniffer eine Minute lang daran kauen und schaute während des Wartens aus der Seitenluke. Die Sonne war ein grellweißer Punkt in einem tintigen Meer. Ein paar Felsen funkelten in der Ferne, während sie dahintaumelten. Bis wir getroffen wurden, waren wir im antriebslosen Null-G-Flug gewesen, auf dem Weg hinaus nach Ceres – dem größten Felsen, den es gibt -, um etwas Prospektion zu betreiben. Das bestbezahlte Gut im Gürtel war zur Zeit Methaneis, und ich kannte einen wahrscheinlichen Ort. Die Sniffer – die hässliche, segmentierte Röhre mit dranmontierten Treibstoffbehältern, die ich Zuhause nenne – war immer noch über achthunderttausend Kilometer von dem Asteroiden entfernt, den ich mir ansehen wollte.

Fünf Jahre zuvor war ich mit einer Gruppe Felsenspürhunde draußen und suchte nach Asteroiden mit reichen Cadmiumvorkommen. Das war in den Tagen, als jeder dachte, Cadmium würde der Wundertreibstoff für Ionenraketen sein. Wir fanden das Cadmium, jawohl, und verdienten einen Haufen Geld. Während ich allein draußen war und Proben von Felsen nahm, sah ich diesen grauen, eisbedeckten Asteroiden etwa ein paar hundert Klicks entfernt. Das automatische Auge meines Schiffes erkannte ihn am hellen Glänzen des Sonnenlichts. Die Sensoren sagten, daß es Kohlendioxideis mit etwas Wasserbeimischung war. Wahrscheinlich hatte vor Jahrmillionen ein Komet den Felsen getroffen, und etwas davon blieb haften. Ich speicherte seine Bahnparameter für eine Zeit – wie jetzt -, wo der Markt durstig wurde. Zur Zeit brauchten die großen Zylinderwelten, die die Erde umkreisen, Wasser, CO2, Methan und andere Goodies. Das geschieht jedes Mal, wenn die Zylinderjungs eine neue Blechdose bauen und darin ein Ökosystem bilden müssen. Gestein und Erz können sie vom Erdmond bekommen. Wegen des Wassers müssen sie zu uns kommen, den Beltern. Es ist energiemäßig billiger, Eis auf die langsamen Pipeline-Orbits vom Asteroidengürtel zur Erde zu schießen – viel billiger, als Wasser aus dem tiefen Gravitationsschacht der Erde hochzuschleppen. Das heißt, billiger, wenn die Felsenratten, die hier draußen im Vakuum fliegen, welches finden können.

Der Bildschirm zeigte grünes Wellengekräusel. Er zeichnete einen Kegel für mich, mit der Sniffer an der Spitze. Innerhalb dieses Kegels war derjenige, der versucht hatte, mich anzuschießen. Ich nahm meinen Helm ab und gab der Sinnlichkeit nach, meine Nase zu kratzen. Wenn sie mich wieder zu versengen versuchten, würde ich dichtmachen müssen, während die Luft meines eigenen Schiffes mich wegzusaugen versuchte – aber das Jucken zu beenden, war es wert.

Innerhalb des Kegels war jemand, der meinen Tod wollte. Mein Mund war trocken. Meine Hände zitterten immer noch. Sie wollten Kurskorrekturen eingeben, die mich von diesem Kegel wegbringen würden, und zwar schnell.

Oder nahm ich zu viel an? Erzschnüffler verwenden Radio für die Kommunikation – es strahlt in alle Richtungen, es ist billig, und es ist nicht empfindlich. Aber angenommen, irgendein Felsenhüpfer hatte seinen Funk verloren und mußte seinen Schneidlaser verwenden, um zu signalisieren? Ich wußte, daß er über zehntausend Kilometer entfernt sein mußte – das ist die Radarreichweite. Durch ihr Herumzittern machte die Sniffer es ihm unmöglich, uns ein Notsignal zu senden. Und wenn es einen Codex gibt, den Felsenratten einhalten, dann ist das die Reaktion auf einen Hilferuf.

***

Nennt mich also dumm. Ich ging das Risiko ein. Ich brachte die Sniffer wieder auf eine gleichmäßige Flugbahn – und nichts geschah.

Man muß neugierig sein, um ein Himmelsjockey zu sein, in beiderlei Sinne des Wortes [Anm. d. Ü.: „curious“ bedeutet sowohl „neugierig“ als auch „seltsam“]. Nennt mich also neugierig. Ich starrte diesen grünen Kegel an, aß etwas scharfe Tubensuppe und wurde noch neugieriger. Ich benutzte das Radar, um die Felsen in der Nähe zu durchstöbern, und suchte nach Metall, das ein Schiff sein könnte. Ich überprüfte ein paar Orbits. Der Gürtel enthält keinen nennenswerten Staub. Der Staub wurde vor langer Zeit in den Jupiter gesaugt. Die Felsen – „Planetesimale“, wie ein Wissenschaftler mir sagte, daß ich sie nennen sollte, aber für mich sind sie bloß Felsen – können ganz schön groß sein. Ich sah mich um und fand einen, der in den mathematischen Kegel unterwegs war, den mein Zahlenverarbeiter mir gegeben hatte.

Die Sniffer brauchte fünf Stunden bis zum Rendezvous mit ihm – ein großer schwarzer Brocken, einen Kilometer Durchmesser und absolut wertlos. Ich machte die Sniffer mit automatischen Moly-Bolzen an ihm fest. Sie knallten hohl – whap, whap – als sie hineinpflügten.

Neugierig, ja. Dumm, nein. Der manövrierunfähige Himmelsjockey war bloß eine Theorie. Laserblitze sind real. Ich wollte etwas Tarnung. Mein Begleitasteroid enthielt genug Spuren von Metall, um Standardradars daran zu hindern, den Umriß der Sniffer zu sehen. Dicht an der Oberfläche des Asteroiden festgemacht, würde ich schwer auszumachen sein. Der Asteroid würde mich im antriebslosen Flug durch die Mitte dieses Kegels bringen. Wenn ich Funkstille hielt, würde ich ziemlich sicher sein.

Ich wartete also. Und schlief. Und reparierte die achteren Sensoren. Und wartete.

Prospektoren sind Eremiten. Man beobachtet seine Instrumente, man bastelt an seinem Plasmaantrieb herum, man spielt 3D-Flexcop – ein süchtig machendes Spiel, es sollte illegal sein – und man macht sich Sorgen. Man macht Leibesübungen im Null-G-Fitnessraum, man berechnet, wie man die Gewinnzone erreicht, wenn man sein frisches Erz endlich an die Hansen Corporation verkaufen kann, man fragt sich, ob man Ärsche wird treten müssen, um seine Ausbeute auf den Pipeline-Orbit zur Erde zu bekommen – und man muß es mögen, wenn der nächste Gesprächspartner die Social/Talkback-Subroutine im Bordcomputer ist. Mir gefällt es. Seltsam, wie ich sagte.

Es kam aus dem Hintergrundrauschen des Radarskops heran. Tatsächlich dachte ich, es sei Rauschen. Das Ding kam und ging, flatterte, wuchs und schrumpfte. Es gab ein komisches Radarprofil ab – aber das taten auch einige der neuen Schiffe, die die Konzerne flogen. Mein Felsen passierte das Ding etwa zweihundert Klicks entfernt, und das seltsame Profil machte mich vorsichtig. Ich ging in die Beobachtungskuppel, um mit der Optik hinzuspähen.

Der Asteroid, an den ich die Sniffer geheftet hatte, hatte eine langsame, träge Rotation. Wir rotierten aus dem Schatten, als ich gerade mein Reflex-Opter-Teleskop in Betrieb nahm. Sterne kreisten langsam über einen jettschwarzen Himmel. Die Sonne schnitzte scharfe Schatten in die Felsoberfläche. Mein Ziel trieb vom Horizont hoch, ein komischer gelbweißer Punkt. Das Teleskop schwirrte, und er sprang in den Fokus.

Ich saß da und atmete nicht. Eine lange Röhre, die sich drehte. Türme ragten an seltsamen Stellen hervor – verdrehte Säulen, mit gekrümmten Oberflächen und plötzlichen gezackten Streben. Eine Laubsägearbeit in Blau. Flecken von seltsamem, sich bewegendem Gelb. Ein Wirrwarr komplexer Strukturen. Es war ein Zylinder, der bis fast zur Unkenntlichkeit dekoriert war. Ich überprüfte die Entfernungsangabe, schüttelte den Kopf und überprüfte sie wieder. Der Bordcomputer überlagerte das Bild mit einem Perspektivgitter, um mich zu überzeugen. Ich saß sehr still da. Der Zylinder zeigte nahezu von mir weg, daher hatte das Radar einen Querschnitt gemeldet, der viel kleiner als eine wahre Größe war. Das Ding war sieben gottverdammte Kilometer lang.

Ich starrte dieses seltsame, monströse Ding an, und dachte nach, und plötzlich wollte ich nicht mehr dort sein. Ich nahm drei schnelle Aufnahmen mit dem Teleskop im Inventarmodus. Das würde mir die Zusammensetzung, die Albedo und den Rest der Litanei geben. Dann schaltete ich es ab und kletterte wieder zurück in die Brücke. Meine Hände zitterten wieder.

Ich zögerte bezüglich dessen, was zu tun war, aber sie entschieden für mich. Bei unserer nächsten Umdrehung gab es, sobald die automatische Optik einen Fix bekam, zwei Blips. Ich tippte eine Anfrage um eine Radardopplermessung ein, und es kam eine schlechte heraus: Der kleinere Punkt näherte sich uns, und zwar schnell.

Die Moly-Bolzen lösten sich mit einem Knall. Ich brachte die Sniffer hoch und hinaus, wich vom Asteroiden zurück, um ihn zwischen mir und dem Blip zu halten, der auf uns zukam. Ich steigerte auf Maximalbeschleunigung. Mein Mund war trocken, und ich mußte jede Computereingabe zweimal überprüfen.

Ich rannte davon. Es gab sonst nicht viel zu tun. Der Blip kam mit mehr als einem Zehntel-G auf mich zu – eine unglaubliche Beschleunigung. Im Gürtel gibt es reichlich Zeit, um sich herumzubewegen, und einen chronischen Treibstoffmangel – daher verwenden wir hocheffiziente Antriebe und nehmen energetisch billige Orbits. Der Blip hatte das nicht nötig. Irgendwie hatte er die Sniffer wahrgenommen und entschieden, daß es eine Menge Treibstoff wert war, uns zu erreichen, und zwar schnell. Aus irgendeinem Grund setzten sie keinen Laserblitz ein. Es wäre auf diese Entfernung ein einfacher Schuß gewesen. Aber vielleicht wollten sie nicht riskieren, daß ich aus dieser Nähe auf das große Schiff schoß, daher setzten sie ihr Geld darauf, mich zu vertreiben.

Aber andererseits: warum so schnell hinter mir herjagen? Es ergab keinen Sinn.

Zu der Zeit, als ich ein paar hundert Klicks von dem Asteroiden entfernt war, war er zu klein, um ein brauchbarer Schild zu sein. Der Blip erschien um seinen Rand. Ich führe keine Waffen mit, aber ich habe doch ein paar Tricks. Ich habe einen nach meinen Vorgaben entworfenen Pulsmodus in den Fusionsantrieb der Sniffer eingebaut, damals bevor sie in Dienst gestellt wurde. Als der Blip erschien, begann ich die Triebwerke im Stufenbetrieb arbeiten zu lassen. Der Kern des Motors ist ein heißer Plasmaball, der schweren Wasserstoff – Deuterium – verbrennt und ihn zusammen mit verdampftem Gestein hinten aus den Röhren spuckt. Die richtige Menge Deuterium zuzuführen, ist entscheidend. Es gibt ein Dutzend einander überlappende Absicherungen in dem System, aber wenn man weiß, wie – ich gab den Befehl ein. Mein Antrieb pulsierte, plötzlich reich an Deuterium. Obendrauf kam eine Dosis pulverisiertes Gestein. Das Gestein dämpft das Durchgehen der Reaktion. Auf das drauf kam, alles in einer Mikrosekunde, ein Schuß Cäsium. Es vermischte und erhitzte sich, und zap – aus dem Heck schoß eine schnelle, heiße Wolke aus tobendem Plasma. Das Cäsium ionisiert sich leicht und ergibt eine perfekte Abschirmung gegen Radar. Sicher, man kann einen Laser hindurchfeuern – aber wie findet man sein Ziel?

Der Cäsiumpuls gab mir einen Tritt in den Hintern. Ich schaute zurück. Eine blauweiße Wolke breitete sich hinter der Sniffer aus und blockierte jede Ortung.

So rannte ich eine Stunde lang, dann zwei. Der Blip tauchte wieder auf. Er hatte sich seitwärts verlagert, um einen Blick um die Cäsiumwolke zu bekommen – ein teures Manöver. Anscheinend hatten sie eine Menge Treibstoff in Reserve.

Ich stieß eine weitere Wolke aus. Sie schlug als blauweiße Faust in die Schwärze. Sie beschleunigten besser, als ich es konnte; es würde darauf ankommen, wer durchhalten konnte. Also versuchte ich einen weiteren Trick. Ich bewegte mich in den Radarschatten eines Asteroiden, der sich in der Nähe befand und sich mit einer Geschwindigkeit bewegte, die ich bewältigen konnte. Vielleicht würde der Blip mich verfehlen, wenn er hinter der Wolke hervorkam. Es war ein Glücksspiel, aber seinen Treibstoff wert.

***

In drei Stunden hatte ich meine Antwort. Der Blip steuerte auf mich zu. Wie? dachte ich. Wer hat ein Radar, das so genau orten kann?

Ich feuerte eine weißglühende Cäsiumwolke ab. Wir beschleunigten weg, machten uns auf die Socken. Ich begann mich zu sorgen. Die Sniffer stöhnte unter der Belastung. Ich hatte mir nicht erlaubt, über das nachzudenken, was ich gesehen hatte, aber nun sah es aus, als stünde mir ein langer Weg bevor. Der Fusionsmotor rumpelte und murmelte vor sich hin, und ich war allein, mehr als ich mich seit langer Zeit gefühlt hatte, mit nichts zu tun außer den Bildschirm zu beobachten und zu denken.

***

Belter sind keine Wissenschaftler. Sie sind Glücksspieler, Idealisten, Diebe, Verrückte, Unzufriedene. Die meisten von uns kommen von den Zylinderwelten, die die Erde umkreisen. Sobald man einmal im Weltraum aufgewachsen ist, bedeutet weiterzuziehen hinauszuziehen, nicht zur Erde zurückzukehren. Niemand will ein Bodenlatscher sein. Daher sind Belter die Wegbereiter der Menschheit, drängen hinaus, finden neue Ressourcen.

Die gängige Theorie lautet, daß das Leben im Allgemeinen so sein muß. Im Laufe des letzten Jahrhunderts haben die Wissenschaftler nach Radiosignalen von anderen Zivilisationen draußen zwischen den Sternen gesucht und Null Ergebnisse erzielt. Aber wir denken, daß Leben gar nicht so ungewöhnlich im Universum ist. Daher taucht die Frage auf: Wenn es Aliens gibt, und sie wie wir sind, warum haben sie sich nicht zwischen die Sterne ausgebreitet? Wie kommt es, daß sie die Erde nicht schon überrannt haben, bevor wir uns überhaupt entwickelt hatten? Wenn sie sich auch nur mit einem Prozent der Lichtgeschwindigkeit bewegen würden, dann hätten sie sich in ein paar Millionen Jahren über die ganze verdammte Galaxis ausgebreitet.

Manche denken, daß dieses Argument richtig ist. Sie führen es auch noch ein bißchen weiter – die Aliens haben unser Sonnensystem nicht besucht, also überprüft eure Prämisse noch einmal. Vielleicht gibt es keine Aliens wie uns. Oh, sicher, intelligente Fische vielleicht, oder etwas, das wir uns nicht vorstellen können. Aber es gibt keine Radiobauer, keine Sternenreisenden. Der beste Beweis dafür ist, daß sie sich noch nicht gemeldet haben.

Ich hatte nie viel über diese Argumentationslinie nachgedacht, weil das jetzt die gängige Meinung ist; es ist etwas, das man als rotznasiges Kind lernt. Wir haben vor langer Zeit aufgehört, nach Radiosignalen zu horchen, damals ungefähr um 2030. Aber jetzt, wo ich darüber nachdachte –

Es lebten bereits Menschen in Weltraumhabitaten. Wenn die Menschheit sich jemals in den Abgrund zwischen den Sternen aufmachen wird, auf welche Weise würde sie reisen? In einer schäbigen Rakete? Nein, sie würden in Komfort reisen, in stabilen Gemeinschaften. Sie würden eine Zylinderwelt mit einem Fusionsantrieb ausstatten, oder etwas in der Art, und Kurs zum nächsten Stern setzen, im Wissen, daß sie Generationen brauchen würden, um dorthin zu kommen.

Ein Jahrhundert oder zwei im Weltraum würde sie zu sehr andersartigen Menschen machen. Wenn sie einen Stern erreichen würden, wohin würden sie gehen? Hinunter auf die Planeten? Sicher – zur Erforschung vielleicht. Aber um dort zu leben? Niemand, der in einem Bruchteil eines G aufwuchs, mit der Freiheit, die die Zylinderwelt einem gibt, würde ein Bodenlatscher sein wollen. Sie würden nicht einmal wissen wie.

Die Aliens würden nicht viel anders sein. Sie würden Raumfahrer sein, in der Lage, im Vakuum zu leben und Sonnenenergie zu nutzen. Sicher, sie würden Rohmaterialien brauchen. Aber die billigste Möglichkeit, Masse zu bekommen, ist nicht hinunterzugehen und sie von den Planeten hochzuschleppen. Nein, die leichte Möglichkeit liegt bei den Asteroiden – andernfalls würden Belter niemals einen Dollar verdienen. Falls also die Aliens vor langer Zeit in unser Sonnensystem gekommen wären, würden sie wahrscheinlich weiter in Weltraumkolonien leben. Sicher, sie würden die Planeten etwas studieren. Aber sie würden dort leben, wo sie es bequem hätten.

Ich dachte dies langsam durch. In den langen Wartephasen, während ich von einem Felsen zum anderen flog, gab es reichlich Zeit. Mir gefiel die Schlußfolgerung nicht, aber sie paßte zu den Tatsachen. Dieser riesige Sieben-Kilometer-Zylinder da hinten war nicht von Menschen gemacht. Ich hatte das tief drin schon in dem Moment gewußt, als ich ihn sah. Niemand konnte ein Ding wie das da draußen bauen und Stille darüber wahren. Der Zylinder gab keine Radiosignale ab, aber Schiffe, die so viel Masse dorthin brachten, würden das müssen. Jemand hätte es aufgefangen.

Jetzt wußte ich also, was hinter mir her war. Es half nicht viel.

Ich beschloß, mich hinter einem Felsen zu verstecken, der mit ziemlichem Tempo sonnenwärts unterwegs war. Ich brauchte Schlaf, und ich wollte meinen Fusionsschub nicht aufrechterhalten – er ist zu leicht zu orten. Besser sich eine Weile bedeckt halten.

Ich blieb dort fünf Stunden und döste. Als ich erwachte, konnte ich den Blip nicht sehen. Vielleicht hatten sie die Verfolgung abgebrochen. Ich war fertig und hatte Sand in den Augen. Ich würde mir gegenüber nicht zugeben, daß ich diesmal wirklich Angst gehabt hatte. Sicher, Belter und Laser konnte ich hinnehmen. Aber das war zu viel für mich.

Ich frühstückte und befreite die Sniffer von dem Asteroiden, an dem ich uns festgemacht hatte. Meine Kehle war rauh, und ich war nervös. Ich bewegte uns vorsichtig von dem Felsen weg und schaute mich um. Nichts. Ich fuhr den Fusionsantrieb hoch. Die Sniffer ächzte und stöhnte. Die Deckplatten klapperten. Es gab einen heißen Geruch nach Bronze. Ich war die ganze Zeit in meinem Raumanzug gewesen und roch ebenfalls nicht allzu gut. Ich zog von unserer Deckung weg und gab Schub.

Es kam aus dem Nirgendwo.

In einer Minute war das Teleskop leer, und in der nächsten – etwas Großes, das sich schnell geradewegs auf uns zu bewegte. Es konnte sich nicht versteckt haben – es gab keinen Felsen in der Nähe, um es zu verdecken. Was bedeutete, daß sie Radarwellen ablenken konnten, zumindest für ein paar Minuten. Sie konnten unsichtbar sein.

Das Ding kam drohend aus der Dunkelheit. Es war gelb und blau, hell und deutlich sichtbar. Ich drehte mich in meiner Couch, um es zu sehen. Meine Hände tippten auf dem Kontrollbord ein allerletztes Manöver ein. Ich schaute das Ding mit zugekniffenen Augen an, und ein komisches Gefühl durchlief mich, ein Frösteln. Es war alt. Es gab überall Meteorkrater auf der gelbblauen Haut. Die Oberfläche selbst glühte, wie Gestein mit einem geisterhafte Feuer im Inneren. Ich konnte keine Öffnungen sehen, keine Luftschleusen, keine Antennen.

Es schwoll am Himmel an und kam näher.

Ich hieb auf die Notkontrolltafel, alle Knöpfe. Ich hatte gutes Geld für eine besondere Überraschung hingelegt, falls ein Prospektor mich einmal einholte und beschloß, daß er ein zusätzliches Schiff brauchte. Die Seitenbehälter enthielten Kernspaltungsraketen, starke Dinger. Sie feuerten nur einmal und waren höllisch teuer. Aber sie waren es wert.

Die Beschleunigung knallte mich zurück in die Couch. Ein Brüllen ließ das Schiff rattern. Wir flogen ab wie eine gesengte Sau. Ich dah das Ding in den Abgasflammen entschwinden. Der Hochleistungstreibstoff stößt unglaublich heißes Gas aus. Etwas davon erwischte das gelbblaue Ding. Das Vorderende des Schiffes verschmorte. Ich lächelte grimmig und schaltete das gesamte System hinzu. Die Beschleunigung stieg. Ich fühlte, wie die Brücke um mich verschwamm, einen sauren Brandgeruch – dann war ich draußen, die Welt entglitt, die Schwärze kam.

***

Als ich zu mir kam, schwebte ich. Die Zusatzraketen gähnten leer, waren verbraucht. Die Sniffer flog mit unglaublich hoher Geschwindigkeit antriebslos dahin. Und das gelbblaue Ding war verschwunden.

Vielleicht waren sie beschädigt worden. Vielleicht ist ihnen schlicht der Treibstoff ausgegangen; jeder hat Beschränkungen, sogar Dinge, die den Raum zwischen den Sternen überbrücken können.

Ich streckte mich und ließ die harten Verspannungsknoten mit dem Lösen beginnen. Es würde später Zeit genug sein, um einen neuen Orbit zu berechnen. Für den Moment fühlte es sich einfach großartig an, allein und am Leben zu sein.

„Hier Ceres Monitor, auf 560 Megahertz. Rufe auf Standby-Modus nach Erzschiff Sniffer. Ersuche um Kurzpulsbestätigung auf Ihrer Grußfrequenz, Sniffer. Wir haben im Optischen eine starke Anzeige von Ihren Koordinaten. Ersuchen um Bestätigung für Kernspaltungsschub. Wiederhole, hier Ceres Monitor –“

Ich klickte es weg. Der Gürtel ist riesig, aber diese leistungsstarke Fackel, die ich da hinten losgelassen hatte, war um Größenordnungen leuchtstärker als ein gewöhnlicher Fusionsjet. Das war ein Grund, warum ich sie mitführte – sie hatten eine Zweitfunktion als Signalfackel, die Millionen Klicks entfernt sichtbar ist. Durch irgendeinen Zufall hatte jemand meine gesehen und die Koordinaten an Ceres übermittelt.

Die ganze Verfolgungsjagd hindurch hatte ich Ceres nicht angerufen. Es wäre nutzlos gewesen – es befand sich kein Schiff in einer Entfernung, wo es hätte helfen können. Und Belter sind Einzelgänger – es war immer mein Instinkt, Schwierigkeiten für mich zu behalten. Es gibt nichts Schlimmeres, als einem Belter zuzuhören, der über Funk jammert.

Aber jetzt – ich schaltete das Funkgerät wieder ein und griff nach dem Mikro, um Ceres zu rufen. Dann hielt ich inne.

Das gelbblaue Fahrzeug hatte nie auf mich gefeuert. Die Sniffer wäre auf diese Entfernung leicht zu verkrüppeln gewesen. Ein zorniger Prospektor hätte es ohne zu überlegen getan.

Etwas hinderte sie daran. Irgendein Codex, ein moralisches Gefühl, das das Feuern auf ein fliehendes Fahrzeug ausschloss, egal wie sehr sie es stoppen wollten.

Ein Moralcodex einer uralten Gesellschaft. Sie waren hierhergekommen und hatten sich angesiedelt, Energie von unserer Sonne aufgenommen, Bergbau auf den Asteroiden betrieben, Eis von Kometen geholt. Eine friedliche Existenz. Sie waren an eine schläfrige Erde gewöhnt, die von Lebensformen bewohnt war, deren ständiges Studium die Mühe nicht wert war. Wahrscheinlich kümmerten sie sich nicht mehr viel um Planeten. Sie verfolgten nicht detailliert mit, was geschah. Plötzlich, im letzten Jahrhundert oder so – ein sehr kurzer Zeitraum vom Standpunkt einer Gesellschaft galaktischen Ausmaßes – begannen die Tiere unten auf der blau-weißen Welt Theater zu machen. Emittierten Radiowellen, ließen Atomwaffen explodieren, flogen Raumfahrzeuge. Diese uralten Wesen fanden sich mit einer exponentiell wachsenden Technologie vor ihrer Türschwelle.

Ich versuchte mir vorzustellen, was sie von uns dachten. Wir waren jung, wir waren ungehobelt. Zweifellos hätten die Wesen in dem Zylinder uns vernichten können. Sie konnten einen mittelgroßen Asteroiden auf einen Kollisionsorbit mit der Erde schubsen und zusehen, wie der Sturm die Menschheit verschlang. Einfach. Aber sie hatten es nicht getan. Wieder dieser moralische Sinn?

Etwas wie das, ja. Gib ihm einen Namen und es wird zu einer menschlichen Eigenschaft – was für sich eine Täuschung ist. Diese Wesen waren fremdartig. Aber ihr Verhalten mußte irgendeinen Sinn ergeben, einen Grund haben.

Ich schwebte und runzelte die Stirn. All dies zusammenfügen war wie ein Puzzle zusammenzusetzen, bei dem man nur die Hälfte der Teile hat, aber dennoch – irgendetwas sagte mir, daß ich recht hatte. Es paßte.

Eine gelassene, langlebige kosmische Zivilisation mochte wegen unseres blinden Hinausstürmens besorgt sein. Sie waren an riesige Zeitmaßstäbe gewöhnt; wir waren innerhalb eines Augenblicks auf der Bühne erschienen. Vielleicht machte diese Geschwindigkeit die Zylinderwesen unentschlossen, ließ sie zögern. Das würde erklären, warum sie uns nicht kontaktierten. Eigentlich genau umgekehrt – sie versteckten sich. Andernfalls –

Plötzlich kam es mir. Sie verwendeten keinen Funk, weil er in einem breiten Winkel sendet. Nur Laser können einen engen Strahl über große Entfernungen halten. Das war es, was mich getroffen hatte – keine Waffe, sondern ein Kommunikationskanal.

Was bedeutete, daß es mehr als eine Zylinderwelt im Gürtel geben mußte. Sie verhielten sich ruhig, indem sie nur gerichtete Kommunikation verwendeten.

Das bedeutete auch noch etwas weiteres. Wir hatten von anderen Zivilisationen auch keine Radiosignale gehört – weil sie Laser verwendeten. Sie wollten nicht von anderen, jüngeren Zivilisationen entdeckt werden.

Warum? Debattierten die Aliens in unserem eigenen Asteroidengürtel, ob sie uns helfen oder zermalmen sollten? Oder etwas dazwischen?

In der Zwischenzeit war der Gürtel ein natürliches Versteck. Ihnen gefiel ihre Zurückgezogenheit. Sie mußten nun besorgt sein, wo Menschen den Gürtel erforschten. Ich mochte der erste Mensch gewesen sein, der über sie stolperte, aber ich würde nicht der letzte sein.

„Ceres Monitor ruft –“

Ich zögerte. Sie waren alt, älter als wir uns vorstellen könnten. Sie konnten länger als der Mensch in diesem Sonnensystem gewesen sein – stabil, friedlich, Erben einer riesigen Geschichte. Sie waren moralisch genug, nicht auf mich zu feuern, obwohl sie wußten, daß es bedeutete, daß sie entdeckt würden.

Sie brauchten Zeit. Sie standen vor einer harten Entscheidung. Wenn sie dazu gedrängt würden, könnten sie vielleicht die falsche treffen.

„Erzschiff Sniffer wird aufgefordert, -“

Ich war ein Belter; ich schätzte mein Eremitendasein ebenfalls. Ich aktivierte das Mikro mit dem Daumen.

„Ceres, hier Sniffer. Rosemary Jokopi, einziger Offizier. Ich bestätige, daß ich Kernspaltungsschub eingesetzt habe, aber nur als Teil einer routinemäßigen Bergbauerkundung. Kein Grund zur Besorgnis. Sonst nichts zu berichten. Ende der Sendung.“

Als ich das Mikro auflegte, zitterten meine Hände nicht mehr.

*   *   *   *   *   *   *   *

Nachwort des Übersetzers…

…anstelle eines Einleitungskommentars, der erstens eine Spoilergefahr für diejenigen wäre, die ihn anklicken, bevor sie die Geschichte gelesen haben, und zweitens die SF-Muggels unter den Besuchern von „Morgenwacht“ weder interessiert noch etwas angeht:

Wie in Fredric Browns sehr kurzer Kurzgeschichte Der Wachtposten gibt es auch hier am Schluß eine Überraschung bezüglich der Identität des Perspektivcharakters: Da stellt man sich diesen einzelgängerischen Belter die ganze Zeit als Mann vor – bis sie sich im vorletzten Absatz als Rosemary meldet. Eine Frau also, die nach den erwähnten Ausschnitten aus ihrer Hintergrundgeschichte zu schließen schon etliche Jahre allein mit ihrem Raumschiff im Asteroidengürtel herumgondelt, nachdem sie das vorher schon eine Weile mit einer Gruppe gemacht hat, somit anscheinend nicht mehr gar so jung ist und dennoch keine Ambitionen auf ein familienfreundlicheres Leben hat.

Außerdem trägt sie den papua-neuguineischen Nachnamen Jokopi. Unsere Raumfahrerin stammt also mindestens väterlicherseits von diesen Leuten ab. Ein Doppelpack von identitären Überraschungen im Sinne der soziokulturellen NWO-Propaganda, der im Entstehungsjahr der Geschichte – 1979 – noch ungewöhnlicher war als heute.

Gewisse rechte SF-Ablehner halten Science Fiction per se für eine „jüdische“ Literaturgattung, und das ist natürlich Blödsinn. Wie andere, auch traditionellere Arten von fantastischen Geschichten bedient die SF ein menschliches Bedürfnis, und im Unterschied zu anderen Genres entspricht sie auch unserer Neigung, über die Zukunft nachzudenken und Visionen für sie zu entwickeln. Dadurch ist sie aber doch für Juden als Mittel interessant, um unser Denken über die Zukunft mit ihren Vorstellungen zu besetzen, in denen ihre Zukunftsvisionen verwirklicht sind, zum Beispiel um propagierte soziokulturelle Verhältnisse, die es so zur Zeit des Autors noch nicht gibt, als verwirklichte, wünschenswerte Normalität zu präsentieren, um vor Entwicklungen zu „warnen“ oder um unsere Zeit aus der Zukunftsperspektive negativ erscheinen zu lassen. Und so haben jüdische Autoren und Verleger die Science Fiction schon seit dem frühen 20. Jahrhundert zu prägen begonnen und spätere Generationen nichtjüdischer SF-Autoren beeinflußt, die mit ihren Geschichten aufgewachsen sind.

Gregory Benford ist ein solcher nichtjüdischer, aber jüdisch beeinflußter Autor, wie aus seinem Artikel Escorting the Odd auf The New York Review of Science Fiction hervorgeht, gleich über der Zwischenüberschrift „Passing Through“:

„Some debates I turned down, such as an Israeli-Palestinian one. I’m pretty much a hard line Zionist though not Jewish, and didn’t think I could be fair.“

(„Manche Debatten lehnte ich ab, wie eine israelisch-palästinensische. Ich bin ein ziemlich kompromißloser Zionist, wenngleich kein Jude, und dachte nicht, daß ich fair sein könnte.“)

Ein klassisches jüdisches Element in Dunkle Zuflucht ist das Thema „Würdest du mich verstecken?“, hier präsentiert in Form der Außerirdischen, deren heimliche Anwesenheit Rosemary Jokopi gegenüber der Raumflugkontrolle verschweigt. Das paßt auch in das breitere Thema, daß die guten Charaktere einer Geschichte irgendwelchen Fremden helfen und sich dabei gegen ihre eigenen Leute stellen, z. B. E. T., dem Schwertwal Willy, einem entlaufenen Zirkustiger oder einem humanoiden Amphibienwesen in Shape of Water – Das Flüstern des Wassers.

Keine eigentliche Propaganda, aber doch ein Zug der jüdischen Mentalität, auf den man in Diskussionen unter SF- und Futurologieinteressierten immer wieder stößt und der auch in Dunkle Zuflucht vorkommt, ist die naturentfremdete Urbanität, wo gefragt wird, wieso man überhaupt auf Welten mit einer habitablen natürlichen Umwelt leben soll, statt das Leben in künstlichen Habitaten vorzuziehen, wie z. B. in zylindrischen O’Neill-Weltraumkolonien, interstellaren Generationenschiffen oder Tunnelsystemen in Asteroiden und Monden, die man doch bis zum Kern aushöhlen und somit „effektiver“ nutzen könne als Planeten.

Siehe auch diese Artikel von mir zum Thema NWO-Propaganda in SF-Romanen:

Robert Silverbergs „Nach all den Jahrmilliarden“

Alan Dean Fosters „Homanx“-Reihe (1) – „Das Tar-Aiym Krang“

Alan Dean Fosters „Homanx“-Reihe (2) – Mehr von Flinx

*     *     *

Neue Kommentarpolitik auf „Morgenwacht“: Wie bereits hier unter Punkt 1 angekündigt, am Schluß dieses Kommentars wiederholt als Absicht geäußert und in diesem Kommentar endgültig festgelegt, werden neue Kommentatoren nicht mehr zugelassen und sind die Kommentarspalten nur noch für die bereits bekannte Kommentatorenrunde offen.

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