„Ahrtal-Syndrom“ in der Blogosphäre

Von Lucifex.

Im GEO-Heft August 2022 ist auf Seite 118 ein Artikel über das Danach der Ahrtal-Katastrophe erschienen („HILFE!“ von Diana Laarz), der mich veranlaßt hat, ausnahmsweise doch noch einmal einen allerletzten Beitrag zu bringen als passenden Abschluß für mein Programm hier. Ich zitiere hierfür nur den ersten von fünf Abschnitten des GEO-Artikels:

I. DIE AHRTAL-SUCHT

Die Flut, die das Dorf verwüstete, hat die Helferinnen zusammengeführt. Damals, vor einem Jahr, als im Ahrtal ein Flüsschen zur Flutwelle anschwoll, Menschen, Brücken und Häuser mit sich riss. „Es war die tollste Zeit meines Lebens“, wird Nadine Eßer rückblickend sagen.

Eßer, 37 Jahre alt, hilft seit Tag eins nach der Flut. Vielen Freiwilligen ist es wichtig, das zu erwähnen. „Tag eins“ ist so etwas wie ein inoffizieller Orden.

Jetzt ist Eßer einige Zeit nicht mehr in Laach gewesen. Sie kommt gerade zurück aus einem Urlaub mit ihrer Tochter. Längst überfällig. Zwei Wochen Lübecker Bucht. Bei einer Fahrradtour habe sie zu ihrer Tochter gesagt: „Du fährst aber ziemlich wacklig.“ Das Mädchen antwortete: „Mama, ich konnte gar nicht üben, du warst ja nie da.“ Nadine Eßer sagt: „Da ist mir bewusst geworden, dass ich ihr fünftes Lebensjahr verpasst habe. Was habe ich nur getan.“

Es beginnt am 15. Juli 2021. In der Nacht ist die Flutwelle durch das Ahrtal gerollt. Nadine Eßer wohnt einige Kilometer abseits des Hochwassergebiets. Sie arbeitet als Justizfachangestellte am Gericht in Ahrweiler. Akten bearbeiten, Sitzungsdienst, Protokolle führen. Um fünf Uhr morgens schaltet sie ihr Handy an und liest: Die Autobahn könnte bald einstürzen! Kollegen schicken Videos und Nachrichten. „Du brauchst heute nicht zur Arbeit zu kommen.“ Eßer fährt los Richtung Ahr.

In den ersten Tagen hilft sie in einem Spendenlager oberhalb des Tals. Später bringt sie Essen, Schippen und Kleidung runter an den Fluss. Sie watet in Gummistiefeln durch den Schlamm und will nicht mehr fort. Wenn das Telefon klingelt und der Anrufer sagt: „Nadine, wir brauchen einen Radlader und einen Bagger“, dann besorgt Nadine Eßer Radlader und Bagger. Einmal heißt es: „Jetzt fehlt ein Helikopter.“ Eßer: „Das schaffe ich auch.“

Wenn Nadine Eßer von der „tollsten Zeit“ ihres Lebens spricht, dann könnte das inmitten einer zertrümmerten Heimat widersinnig oder sogar zynisch klingen. Eßer möchte den Satz erklären. „Es gab kein Corona“, sagt sie. „Es war so unkompliziert. Ich konnte wirklich etwas bewegen.“

HELFEN KANN so schön sein. Und einfach. Seit einem Jahr packen Tausende Freiwillige wie Nadine Eßer im Ahrtal mit an. Sie schenken den Menschen dort ihre Zeit, ihre Arbeitskraft und Hoffnung. Belohnt werden sie mit einem Hochgefühl. Jedes Handeln hat einen Wert: Schlamm schippen, Brötchen schmieren, Trösten. Alles ist logisch und zwangsläufig.

Helfen kann auch richtig kompliziert sein. Weil Betroffene abhängig von der Hilfe werden und Helfer nicht mehr vom Helfen loskommen. Weil Dankbarkeit erwartet wird und Hilfsbereitschaft keine Grenzen mehr kennt. Weil Helfen die einen herrisch macht und die anderen krank.

Im Ahrtal lässt sich gut beobachten, was Hilfe schafft. Und wann Hilfe scheitert.

Nadine Eßer ist alleinerziehend. In den Monaten nach der Flut bringt sie ihre Tochter morgens in die Kita, dann fährt sie ins Tal. Am Nachmittag holen die Großeltern oder befreundete Eltern das Kind ab und betreuen es. Eßer kommt spät nachts nach Hause, legt sich zu ihrer Tochter ins Bett und steht früh am Morgen wieder auf. Einmal sprechen Nadine Eßers Eltern sie an: Sie solle sich mehr um ihre Tochter kümmern. Eßer: „Ich habe gesagt: Dem Kind geht’s doch gut. Schaut doch mal, wie es den Leuten im Tal geht. Ich wollte mein Privatleben nicht mehr haben. Meine Arbeit am Gericht erschien mir auf einmal so sinnlos.“

Das Ahrtal war in den ersten Monaten nach der Flut offizielles Katastrophengebiet. Hier entstand eine Parallelwelt, von der die Menschen im übrigen Land nichts ahnten. Natürlich gab es auch im Ahrtal das Coronavirus, aber kaum jemand interessierte sich dafür. Auch auf Verkehrsregeln achteten nur wenige. Was die Helfenden zum Leben brauchten – Essen, Wasser und ein Bett -, ab es gratis. Den wichtigen Rest auch: Verbundenheit, Freundschaft, Dankbarkeit, Sinn.

ES MAG ABSURD KLINGEN: Aber viele Menschen finden am Schauplatz einer Katastrophe etwas, das sie im Leben bewusst oder unbewusst vermissen. Sie tauschen eine empfundene Leere gegen Nähe, Gemeinschaft und das Gefühl, gebraucht zu werden. Die Leiterin eines Helfercamps spricht von „Crew Love“, einem Begriff aus der Musikszene, der die Liebe unter den Menschen einer Gruppe bezeichnet.

In dieser Zeit, in der alles neu und aufregend ist, verliebt sich Nadine Eßer in einen Helferkollegen. Wenn man sie heute nach dem Stand der Beziehung fragt, zuckt sie die Achseln und sagt: „Er steckt noch mitten in der Ahrtal-Sucht.“

In einer Whatsapp-Gruppe unter Helfenden kommt immer mal wieder das Thema Sucht auf:

„Die Ahrtal-Sucht ist nicht zu unterschätzen. Ich hab‘ das durch.“

„Ja, die Sucht zu helfen, und bei vielen die Flucht aus dem Privaten ins Tal.“

„Mir wird immer wieder angetragen, ich wäre an dem Punkt. Sehe das noch nicht so ganz ein. Habe zwar mein eigenes Leben weitgehend aufgegeben, distanziere mich ungewollt von tollen Kontakten und Freunden, aber ich habe hier was aufgebaut und habe Möglichkeiten, viel zu bewirken (…)“

Auch Katharina Scharping spricht von Sucht. Die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie leitet das Traumahilfezentrum im Ahrtal, das nach der Flut aufgebaut wurde. Es richtet sich an die Betroffenen und ausdrücklich auch an die Helfenden. Scharping sagt: „Ich habe Leue gesehen, die sind in den Entzug gekommen, als das Helfer-Shuttle im Winter Pause gemacht hat.“ Das Helfer-Shuttle ist eine private Initiative, die Helfende mit Betroffenen vernetzt.

In Einzeltherapien und Gruppengesprächen hört Katharina Scharping, was beim Helfen alles schiefgehen kann. Helfende beschweren sich über Betroffene aus dem Ahrtal: zu undankbat. Helfende beschimpfen sich gegenseitig. „Und regelmäßig sitzen Betroffene vor mir, die sagen: Ich möchte gern wieder auf eigenen Beinen stehen, aber ich kriege den Helfer nicht aus meinem Wohnzimmer.“

Katharina Scharping sagt: „Gerade für die, die im Ahrtal einen neuen Sinn im Leben gefunden haben, ist es schwer, aufzuhören.“

Einige Menschen glauben, weil im Ahrtal so viel zerstört wurde, könne man dort nun was ganz Neues anfangen, eine Utopie leben. Doch je mehr Zeit vergeht, desto mehr zeigt sich: das Neue ähnelt dem Alten. Mit Verkehrsregeln, Bürokratie und Streit. Nadine Eßer sagt, es sei natürlich gut, wenn ein wenig Normalität in das Ahrtal einziehe. „Andererseits war das Helfen mein großer Halt.“

Sie ist irgendwann zusammengebrochen. „Wenn ich wach war, dann weinte ich.“ Die Psychologie kennt eine „sekundäre Traumatisierung“, das Träume trifft nicht die direkt Beteiligten, sondern die, die zugehört und zugesehen haben.

Nadine Eßer wandte sich an die psychiatrische Ambulanz der LVR-Klinik Bonn. Im ersten Gespräch fragte die Therapeutin, wie das Leben vor der Flut ausgesehen habe. Eßer: „Ich konnte es nicht sagen. Es war weg.“

Mit der Ahrtalsucht sei es nicht so wie mit der Alkoholsucht, sagt Katharina Scharping. „Man muss nicht sein Leben lang abstinent bleiben.“ Man müsse das richtige Maß finden. Und wieder das andere Leben zulassen. „Vielleicht die alten Freunde auch mal wieder besuchen.“

Nadine Eßer fährt nur noch selten in das Tal. Sie gibt ab und an Tipps in der Whatsapp-Gruppe und kümmert sich um den Wiederaufbau von Spielplätzen. Sie führt Gespräche mit der Therapeutin und möchte sich wieder erinnern, wie der Alltag ohne das Tal aussah.

Sie möchte ein bisschen von ihrem Ahrtal-Leben und viel von ihrem alten Leben. Sie möchte wieder für ihre Tochter da sein.

*     *     *     ENDE DES ARTIKELAUSZUGS     *     *     *

Beim Lesen dieses Artikels habe ich zuerst ein wenig spöttisch an die Wokie-Aktivisten gedacht, an die Drittweltbrunnenbohrer und Flüchtlingshelfer:Innen und was es da so alles gibt. Helfersyndrom eben.

Dann ist mir ein kleiner Erkenntnisschock gekommen:

Ich habe in Nadine Eßer und ihren Ahrtal-Helfergenossen mich selbst und meine „Mitstreiter“ in der – breit ausgedrückt – NWO-kritischen Blogszene wiedererkannt. Mit „Parallelwelt, von der die Menschen im übrigen Land nichts ahnen“, Beschwerden über undankbare Ziele unserer Hilfsbemühungen („Sheeple“), internem Streit und allem. Nachfolgend zeichne ich für euch meinen diesbezüglichen Weg nach, und ihr könnt selbst mitverfolgen, wieviel davon auch auf euch zutrifft (vielleicht lest ihr aber besser vorher noch einmal den obigen Artikelauszug).

Ich bin im Sommer 2006 im Zuge eines Jobwechsels erstmals mit dem „politisch inkorrekten“ Teil der Blogosphäre in Kontakt gekommen, angefangen mit PI, Kewils „Fakten + Fiktionen“, „Gates of Vienna“ und Eisvogels „Acht der Schwerter“. Gewissermaßen „vorgeprimt“ dafür war ich zu dieser Zeit schon durch die „Deutsche Militär-Zeitschrift“ (DMZ), auf die ich zufällig gerade um die Zeit der EU-Sanktionen gegen Österreich wegen ÖVP-Schüssels Regierungsbildung mit Jörg Haiders FPÖ aufmerksam geworden war, was mich wiederum für die DMZ „vorgeprimt“ hat.

Dieses wachsende Gewahrwerden von Mißständen und gegen uns Europäer und Weiße gerichteten Entwicklungen war für mich ähnlich wie für Nadine Eßer und andere Helfer die Nachricht von der Ahrtal-Katastrophe, und ich hatte das Gefühl: Du kannst dazu beitragen, etwas dagegen zu tun. Wie Alex Kurtagic es am Schluß von Warum wir schreiben ausdrückte:

„Wie viele meiner Zeitgenossen habe ich herausgefunden, daß ich in einer kranken Welt lebe. Und doch ist es leicht zu sehen, daß es eine Krankheitsursache gibt und einen Ansteckungsort, und daß die Infektion, auch wenn sie weit fortgeschritten ist, derzeit immer noch erfolgreich behandelt werden kann: die Pathogene — liberale Utopisten, korrupte Karrieristen, ethnische Radikale — sind bekannt und lokalisiert, und während die Entwicklung des Heilmittels Forschungen und eine Investition von Zeit, Nerven und Mühen erfordern mag, so ist das besagte Heilmittel doch innerhalb der Reichweite intelligenter Geister. Ich mag dem europäischen Organismus nicht im Alleingang die Gesundheit wiedergeben können, aber da die Natur großzügig zu mir gewesen ist, halte ich es für meine staatsbürgerliche Pflicht, aktiv zu diesen Bemühungen beizutragen. Es ist meine Hoffnung, daß ich die Welt durch meine kreative Energie ein wenig besser hinterlassen kann, als ich sie vorgefunden habe.

Deshalb schreibe ich.“

Neben dem Gefühl, gebraucht zu werden und etwas von Bedeutung zu einer wichtigen Sache beitragen zu können, war es auch eine intellektuell anregende Lernerfahrung, immer mehr über die wahren Hintergründe und Übel und deren Verursacher herauszufinden und die koscher-islamkritische Linie von PI und GoV ebenso hinter sich zu lassen wie den von Kewil und Baron Bodissey vertretenen Libertarianismus. Diese Erfahrung von gefühltem Sinn und von Erkenntnisgewinn, verbunden mit der Illusion, daß eine Wende zum Besseren herbeigeführt werden könnte, wenn man sich nur unermüdlich engagiert und möglichst viele zum Mitziehen und Weiterverbreiten bringen kann, führte zu einer ähnlichen Art von Sucht wie bei Nadine Eßer und ihren Genossen, und ich habe mich voll in das reingesteigert und darüber zu viel von meinem anderen Leben vernachlässigt, mit dem ich unzufrieden war, statt zu versuchen, dieses zu verbessern. In einem internen Austausch mit Osi über den Sinn des Weitermachens trotz Stagnation kamen wir zu dem Schluß (ich glaube, sie hat es als erste ausgesprochen), daß wir das alles schon auch für uns selbst tun, für unser eigenes Gefühl von einem kleinen bißchen Bedeutung.

Einer der ersten Dämpfer neben der Frustration über das Desinteresse der Normies („Sheeple“ analog zu „undankbare Ahrtal-Opfer“) war jedoch, mitzuerleben, wie etliche Szenegenossen mit dem Hinterfragen und Hintergründe-Ergründen nicht aufhören können und sich in Narrensaum-Themen versteigen, die oft mit unserer eigenen Misere gar nichts zu tun haben. Oder in die Idealisierung alter gesellschaftlicher Irrwege als vermeintliches Gegenprogramm zur NWO. Das war die Entsprechung zu den Streitigkeiten unter den Ahrtal-Helfern. Die PIfanterie bietet dafür heute noch ausreichend Anschauungsbeispiele.

Dem Punkt „Helfer werden herrisch“ entsprechen nicht nur diese Streitigkeiten untereinander (vermutlich bin ich da für manche auch so rübergekommen), sondern auch die elitistischen Einstellungen zu vieler in unserer Szene zum breiten Volk, wo man sich zum einen autoritäre Staatsformen wünscht (mit der Illusion, darin obenauf zu sein) und sich zum anderen lieber in Weltnetz-Meckerecken abgeschottet gegenseitig als tolle Durchblicker bauchpinselt, statt an der Weitervermittlung von Erkenntnissen und an der Gewinnung neuer Leser mitzuwirken.

Das war für mich ein weiterer Frustrationsgrund, zusammen mit der Erkenntnis, daß es, so wie Menschen nicht nur aus Dummheit oder aufgrund negativer Wesenszüge links oder Wokies sein müssen, auch Rechte nicht unbedingt aufgrund guter Wesenszüge rechts sein müssen. Daß zu viele Rechte dumm, engstirnig oder Arschlöcher oder alles zusammen sind und genau deshalb rechts und Nazis oder Möchtegern-„Aristokraten“ sind. Daß sie Rechte sind, weil sie das Bedürfnis haben, sich über andere zu stellen, nicht nur über andere Völker und Rassen, sondern auch über die Mehrheit des eigenen Volkes. Daß sie ebenso wie die Ami-WNs mit ihren für Normies abschreckenden autoritären und manchmal auch genozidalen Vorstellungen das winzige bißchen theoretischer Restchance auf eine Wende ganz verderben. (Ich halte inzwischen eine weiße Renaissance in den USA und auch einen abgespaltenen weißen Ethnostaat auf dem Boden der USA für völlig illusorisch. Die besten Optionen für rassebewußte weiße Amerikaner wären, in ein europäisches Land oder nach Kanada auszuwandern, das zu 86 % weiß und nur zu 2 % schwarz ist. Selbst völlig mit den restlichen 12 % Indianern, Metis und Asiaten vermischt wären die Kanadier immer noch ungefähr so europäisch wie Kate Beckinsale, die zu einem Achtel asiatischer [burmesischer] Abstammung ist. Und Jewel Staite – Kaylee Frye in Firefly – hat übrigens auch nicht nur britische, irische und frankokanadische Wurzeln, sondern auch welche von den Irokesen.)

Aufgrund von alldem habe ich mich immer mehr von der „alterna(t)iven“ Blogosphäre entfernt und dabei bemerkt: So wie die NWO-Propaganda nicht mehr greift, wenn man ihre Medien kaum noch konsumiert und über deren Agenda und Methoden Bescheid weiß, erkennt man, daß man auch von der rechten Seite beeinflußt wurde, wenn man sich deren Medien nicht mehr gibt, das Dauergehechel, das quasi-religiös aufgeladene Gehabe mancher Szenegestalten, und man kommt ein Stück weit wieder von der „rechten“ Palme herunter. Ich habe Counter-Currents seit Ende des Vorjahres nicht mehr besucht, die anderen Ami-WN-Seiten schon länger nicht mehr, und seit Anfang 2022 auch PI nicht mehr. Nachdem ich mein Morgenwacht-Engagement schon länger hatte beenden wollen, um mich anderen Dingen zuzuwenden, habe ich nach hildesvins erneuter Hitler-Schönrederei damit wirklich Ernst gemacht und nur noch fallweise auf Kommentare geantwortet, aber die Kommentarfunktion noch offen gelassen. Käfer Karlo hat mich dann davon „überzeugt“, auch diese noch dichtzumachen.

Ich habe bemerkt, daß ich mit zunehmender Morgenwacht- und Blogosphärenabstinenz immer ruhiger und positiver geworden bin, und mir hat schon zu dämmern begonnen, wie sehr einen das alles niederzieht, nicht nur wegen der internen Streitereien und des ausbleibenden Erfolgs, sondern allein schon durch die konzentrierte selektive Wahrnehmung hauptsächlich des Negativen, wenn man sich mit diesen Themen befaßt. Eigentlich hätte mir das schon viel früher klar werden sollen, aber so richtig getroffen hat mich diese Erkenntnis erst mit dem, was Courtney Cristine Ryan in ihrem Video „10 Biggest Turn Offs For Women“ ab 9:54 min. sagt (Punkt „Being Pessimistic“):

Sie sagte, daß man natürlich nicht ständig „sunshine and rainbows“ sein kann und es völlig normal und verständlich ist, wenn man mal einen schlechten Tag hat und traurig oder zornig ist, aber wenn man eine ständige „Negative Nelly“ oder „Debbie Downer“ ist und nichts Positives aus dem Leben ziehen kann, dann ist die Gesellschaft von so jemanden für Frauen sehr abtörnend.

Da ist mir erst so richtig bewußt geworden, wie das früher auf Frauen gewirkt haben muß, mit denen ich zu tun hatte, wenn ich auf diesen Themen herumgeritten bin, negative Zukunftsaussichten ausgemalt und ein reinigendes TEOTWAWKI herbeibeschworen habe. Auch gegenüber meiner „Lady Sunshine“ („Catriona Gerling“), die immerhin auch die Grundproblematik gesehen und bezüglich der Zudringlinge gesagt hatte: „Man muß nicht schiach (= hässlich, garstig) zu denen sein, aber die gehören nicht hierher“ und „Es müßten viel mehr Leute die FPÖ wählen“ (das war 2012). Sie wollte nur nichts von Binnenkriegsszenarien hören, weil das sie belastete, wie sie bei einer Bergwanderung mit mir und meinem Waffenbruder „Frido/Fred“ im Sommer 2012 sagte, als die Rede auf den Zweck unserer Waffen kam. Auch als ich sie bei der Airpower 2013 in Zeltweg neben mir am Flughafenzaun bemerkte, wo sie sich mit ihrem damaligen Freund (den sie schon seit 2012 verlassen wollte, wie ich erst später erfahren habe) hingestellt hatte, als wollte sie nur stumm in meiner Nähe sein, konnte ich es nicht lassen, wieder mit meiner düsteren Sicht auf die Zukunftsaussichten anzufangen.

„Negative Nelly“. Autsch.

Interessant hinsichtlich der negativen Wahrnehmungseinfärbung durch selektiven Konsum bestimmter sozialer Medien und Webseiten ist das eineinhalbstündige Video „Women’s Accountability, Modern Men Struggles, Recognizing Red Flags + More“, in dem Courtney Ryan mit Hafeez von The Roommates über moderne Datingprobleme diskutiert:

Stört euch nicht an Hafeez; mir ist er recht sympathisch rübergekommen, und als er das mit seinem „Stanford Girl“ erzählte, habe ich mir gedacht: „I feel your pain, bro.“ („You’re dangerous, ‘cause you’re honest; you’re dangerous, you don’t know what you want; well you left my heart empty as a vacant lot, for any spirit to haunt…“ diese Ex-Arbeitskollegin hat mich auch einmal gefragt, ob ich der Mister Negativ bin und ein Schild mit der Aufschrift NEGATIV um den Hals hängen habe.) Von dem sehr angenehm geführten Gespräch (fast eine „schwäbische Diskussion“ 😉 ) kann man einigen Gewinn mitnehmen.

Was für das hiesige Thema relevant ist: ab 57:35 sagt Hafeez, wenn man auf bestimmte feministische Seiten geht und nur sieht, was dort präsentiert wird, so sieht man nur Horrorgeschichten über Männer und kann eine sehr hasserfüllte, negative Sicht auf Männer bekommen. Aber wenn man andererseits auf die Seiten der Manosphere und der extremen Redpillszene geht, dann bekommt man dort ein genauso negatives, von Bitterkeit und Feindseligkeit geprägtes Bild von Frauen vermittelt, und: „You know what’s fascinating? What sells on YouTube ist negativity.“ Courtney bestätigt das und sagt, daß die Macher sich die Klickraten ansehen und ihr Content-Angebot dementsprechend gestalten. Hafeez sagt weiter, daß er Männern immer sagt, sie sollen sich die Kanäle ihre Lieblings-Contentcreators ansehen: immer nur Negativität, Negativität, Negativität, ständig Schlimmstfallszenarien bezüglich Frauen, und dasselbe umgekehrt für das weibliche Publikum über Männer, und wenn man so etwas Stunden um Stunden konsumiert, dann wird man total zynisch, negativ und nihilistisch. Später sagt er auch, daß er eines bemerkt hat: Glückliche Frauen gehören zu den stillsten Frauen. Ihre Seiten auf sozialen Medien sind privat, sie sind nicht in den Kommentarbereichen unterwegs, sie machen keine Blogs, führen einfach zufrieden ihr Leben, und man bekommt es nicht mit. All das bestätigt auch Courtney, und sie sagt, daß Schlagzeilen allgemein fast immer nur negativ sind und hauptsächlich Negatives Klicks bekommt.

Das gilt auch für das Politische: wenn man sich immer nur reinzieht, was auf den Seiten unserer „Szene“ so geboten wird, und sich darüber aufregt und etwas bewegen will (was völlig illusorisch ist, wenn man sich ansieht, wie wenig öffentlich organisierte Parteien und Bewegungen wirklich ändern können), dann kann man eine sehr negative und düstere Sicht auf die Zukunft bekommen und nimmt von all dem anderen Guten oder Normalen zu wenig wahr. Den Klimabewegten wird es vermutlich mit ihren Themen ähnlich gehen: sie werden sich eine Horrorstory nach der anderen über die drohende „Klimakatastrophe“ geben, sich in Aktivismus engagieren und sich über „die Mächtigen“ ereifern, die den Weltuntergang nicht verhindern wollen, über die „Sheeple“, die es nicht kümmert, und über „Klimaleugner“ wie uns, die ihren Bemühungen entgegenwirken. Aber ich glaube, im nationalen Bereich ist es schlimmer, denn wie von mir hier analysiert haben „Führer“ oder solche, die gern welche wären, ein Interesse daran, Feindbilder und Bedrohungen zu propagieren, damit die Herde sich um sie schart.

Um nicht mißverstanden zu werden: Die Übelstände und Bedrohungen und Fehlentwicklungen, mit denen wir uns befassen, gibt es, und es ist nicht so, daß ich mir wünsche, ich hätte nie davon erfahren und wäre den hinter mir liegenden Erkenntnisweg nicht gegangen. In John Morressys SF-Roman „Labyrinth zwischen den Sternen“ wird das an dieser Stelle sehr gut ausgedrückt:

„Andere Quespodonen fanden sich mit ihrem Los ab. Waren sie auch nicht glücklich, so wurden sie wenigstens nicht von Fragen beunruhigt, auf die es keine Antwort gab. Axxal jedoch hatte diese innere Ruhe eingebüßt. Eine Tür hatte sich ihm aufgetan, nach der er nicht gesucht hatte. Aus eigenem Willen hatte er die ersten zögernden Schritte ins Freie getan, und jetzt konnte er nicht mehr zurück. Jetzt mußte er Tag für Tag mit seinem Problem leben; und obwohl er zu keinem anderen Schluß kam als zu dem, daß Neugier und kritischer Verstand unbequeme frustrierende Gaben für einen Quespodon sind, so wußte er doch genau, daß er nicht glücklich wäre, wenn sein Geist wieder zur Ruhe fände und er nicht mehr zu denken brauchte.“

Aber ich wünschte, ich hätte mich da nie so tief engagiert, mich nicht in meine Entsprechung zur „Ahrtal-Sucht“ reingesteigert, mich und meine Rolle in der „Bewegung“ nicht so wichtig genommen, nicht so viel Zeit und Energie und Motivation dafür verschwendet, wo spätestens nach den ersten Jahren hätte klar sein müssen, daß da nichts Bedeutendes draus wird, mich davon nicht so ins Negative runterziehen lassen und mich stattdessen auf ein möglichst gutes 3D-Leben fokussiert, auf Dinge, die ich gern tun möchte, vielleicht mit Familie und Nachwuchs, was viel mehr bleibenden Wert gehabt hätte als alles, was ich auf AdS und MoWa gemacht habe. Und ich empfehle euch, daraus zu lernen.

Oh Lucifex, tell your readers not to do what you have done…

So, Jetzt aber wirklich und endgültig:

Und immer schön fröhlich bleiben!

Lucifex has left the building.

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