Midrash Rabbah Lamentations 2.2.4: Eine jüdische Klage über einen antiken Holocaust

Aus dem Jerusalemer Talmud, übersetzt von Lucifex. Quelle: Midrash Rabbah Lamentations 2.2.4 (auf der Seite Livius.org [„Articles on ancient history”] ).Link gefunden in diesem Artikel von Kevin Alfred Strom auf National Vanguard.

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Simon ben Kosiba, mit Zunamen Simon bar Kochba („Sohn des Sterns“) war ein jüdischer Messias. Zwischen 132 und 135 [n. Chr.] war er der Führer des letzten Widerstandes gegen die Römer. Nach dem Ende der katastrophalen Rebellion nannten ihn die Rabbis „Bar Kozeba“, was „Sohn der Lüge“ bedeutet.

Einer der Texte, die sich mit der Revolte von Bar Kochba befassen, ist ein Midrasch (Kommentar zu einem historischen Werk) über Lamentations. Die Übersetzung [ins Englische] wurde von A. Cohen erstellt.

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Midrash Rabbah Lamentations 2.2.4

[1] Als Rabbi Aqiba Bar Kozeba erblickte, rief er aus: „Dies ist der Messias-König!“ Rabbi Johanan ben Torta erwiderte: „Aqiba, Gras wird in deinen Wangen wachsen, und er wird noch immer nicht gekommen sein!“ [Dieser berühmte Austausch ist auch im palästinensischen Talmud, Ta’anit 4.5, zu finden.]

[2] Achtzigtausend Trompeter belagerten Bethar, wo Bar Kozeba sich befand, der zweihunderttausend Männer mit einem amputierten Finger bei sich hatte. [Es ist nicht bekannt, was das bedeutet. Wahrscheinlich ist es ein Zeichen der Loyalität.] Die Weisen sandten ihm die Nachricht: „Wie lange wirst du die Männer Israels noch entstellen lassen?“

Er fragte sie: „Wie sonst sollen sie geprüft werden?“

Sie antworteten: „Laß jedem, der keine Zeder aus dem Libanon ausreißen kann, die Aufnahme in dein Heer verweigern.“

Er hatte daraufhin zweihunderttausend Männer von jeder Klasse, und als sie zur Schlacht schritten, riefen sie: „Oh Gott, hilf uns weder, noch entmutige uns!“

Dies steht geschrieben: Wirst du es nicht tun, Gott, der du uns verstößest und ziehest nicht aus, Gott, mit unserm Heer? [Psalm 60.12]

Und was pflegte Bar Kozeba zu tun? Er fing die Geschosse der feindlichen Katapulte auf einem seiner Knie auf und schleuderte sie zurück, wobei er viele der Feinde tötete. Deswegen machte Rabbi Aqiba seine Bemerkung. [Die Bemerkung, daß Bar Kozeba die Geschosse der feindlichen Katapulte auf einem seiner Knie auffing und sie zurückschleuderte, bezieht sich vielleicht darauf, daß die Juden römische Katapultgeschosse wiederverwendeten. Dies würde darauf hindeuten, daß die Juden ihre eigene Artillerie zu bauen verstanden.]

[3] Dreieinhalb Jahre lang umzingelte der Kaiser Hadrian Bethar. In der Stadt war Rabbi Eleazar von Mode’ein, [Er wird auch in anderen Texten erwähnt, und Münzen sind gefunden worden, die zeigen, daß er als Hohepriester ausgewählt wurde.] der ständig Sackleinen trug und fastete und täglich betete: „Herr des Universums, sitze nicht heute zu Gericht!“, sodaß Hadrian an Heimkehr dachte. [Eleazars Gebet machte es unmöglich, Bethars Befestigungen einzunehmen.]

Ein Kutäer [ein abwertendes Wort zur Bezeichnung eines Samariters; die Einwohner Samarias durften in den römischen Hilfstruppen dienen] ging [zum Kaiser], fand ihn und sagte: „Mein Herr, solange dieser alte Hahn sich in Asche wälzt, werdet Ihr die Stadt nicht erobern. Aber wartet auf mich, denn ich werde etwas tun, das Euch ermöglicht, sie heute zu unterwerfen.“

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Marsianische Lavaröhren

Längsschnitt einer marsianischen Lavaröhre mit Skylight

Eine Übersetzung des englischen Wikipedia-Artikels Martian lava tubes, zu dem es noch keine deutsche Wiki-Version gibt. Übersetzt von Deep Roots.

 

Marsianische Lavaröhren sind natürliche, unter der Oberfläche befindliche Lavaröhren-Höhlen auf dem Mars, von denen man glaubt, daß sie sich als Ergebnis schnellfließender basaltischer Lavaströme in Verbindung mit Schildvulkanismus bilden. Lavaröhren entstehen für gewöhnlich, wenn die äußere Oberfläche der Lavakanäle schneller abkühlt und eine ausgehärtete Kruste über Lavaflüssen im Untergrund bildet. Der Fluß hört schließlich auf und entleert sich aus der Röhre, wobei er einen rohrförmigen leeren Raum hinterläßt, der gewöhnlich mehrere Meter unter der Oberfläche liegt. Lavaröhren treten typischerweise in Verbindung mit extrem fließfähiger Pāhoehoe-Lava auf. Die Schwerkraft auf dem Mars beträgt etwa 38 % jener der Erde, was ermöglicht, daß marsianische Lavaröhren vergleichsweise viel größer sind.

Querschnitt einer marsianischen Lavaröhre

Entdeckung und Zugang

Lavaröhren und damit verwandte Fließstrukturen wurden erstmals bei der Untersuchung von Bildern der Viking-Orbiter erkannt und später unter Verwendung von Orbiter-Bildern von Mars Odysssey, Mars Global Surveyor, Mars Express und Mars Reconnaissance Orbiter identifiziert. Lavaröhren können visuell auf zwei Arten aufgespürt werden. Die erste sind als „Rillen“ bekannte gewundene Mulden, von denen man glaubt, daß sie die Überreste eingestürzter Lavaröhren sind. Die zweite Methode der möglichen Identifizierung ist die durch Beobachtung von Höhlen-„Skylights“ oder Pitkrater oder Schachtkrater, die als dunkle, nahezu kreisrunde Gebilde auf der Marsoberfläche erscheinen. Im Juni 2010 half eine Gruppe von Wissenschaftsstudenten an der Evergreen Middle School in Cottonwood, Kalifornien, die am Mars Student Imaging Project teilnahmen, den Forschern bei der Entdeckung einer neuen Reihe von Lavaröhren nahe Pavonis Mons, indem sie ein Skylight identifizierten, das auf einen Durchmesser von 190 x 160 Meter und mindestens 115 Meter Tiefe geschätzt wird. Es ist erst das zweite Skylight, von dem man weiß, daß es mit diesem Vulkan in Verbindung steht. Zusätzlich zu Bildern aus der Umlaufbahn könnten Lavaröhren aufgespürt werden durch:

  • Bodenradar
  • Gravimetrie
  • Magnetometermessungen
  • Seismographie
  • Atmosphärische Effekte
  • Lidar
  • Infrarot
  • Erforschung durch Menschen oder Roboter

Gewundene Kette von Einsturzgruben, die in einen durchgehenden, nicht eingestürzten Abschnitt einer lunaren Lavaröhre übergehen. Die Kette ist etwa 50 km lang.

Es hat ein gesteigertes Interesse an der Identifizierung und Untersuchung von Lavaröhren gegeben, weil Wissenschaftler dadurch Informationen hinsichtlich der geologischen, paläo-hydrologischen und vermuteten biologischen Geschichte des Planeten geben könnte. In einer Aussage über lunare Lavaröhren erklärt Dr. William „Red“ Whittaker, der Leiter von Astrobotic Technology: „Etwas so Einzigartiges an den Lavaröhren ist, daß sie das eine Ziel sind, das die Dreierkombination aus Wissenschaft, Erkundung und Ressourcen vereinigt.“ Zugang zu nicht eingestürzten Abschnitten von Lavaröhren kann erreicht werden, indem man am Ende der Rille hineingeht, oder durch Skylights, oder möglicherweise indem man durch die Decke einer Lavaröhre bohrt oder sprengt. Die anfängliche Erkundung von Lavaröhren wird höchstwahrscheinlich mit Rovern erfolgen, aber da wird es viele Herausforderungen geben. Direkt unter traditionellen Skylights gibt es große Schutthaufen (wie im ersten Bild zu sehen), die für den Rover zu einem extremen Hindernis werden könnten. Der tiefe senkrechte Fall, den der Rover ausführen müßte, wäre ebenfalls zu berücksichtigen, wie auch die Fähigkeit des Rovers, mit Geräten an der Oberfläche oder im Orbit in Verbindung zu bleiben. Fehlendes Sonnenlicht könnte ebenfalls ein Problem sein, falls Solarenergie die Hauptenergiequelle des Rovers ist.

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Sehr clever! Lunar Reconnaissance Orbiter sieht riesiges Lavaröhren-Skylight im Mare Ingenii

Diese Grube im Mare Ingenii, dem „Meer der Begabung“, hat einen Durchmesser von etwa 130 Meter! Die Bildbreite beträgt 550 Meter, die Beleuchtung kommt von oben rechts. LROC-Bild: NAC M128202846LE; NASA/Goddard/Arizona State University

Von Nancy Atkinson, übersetzt von Deep Roots. Das Original Very clever! LRO views huge lava tube skylight in Mare Ingenii erschien im Juni 2010 auf „Universe Today“ (die Kommentare darunter beginnen am 17. Juni 2010) und wurde zuletzt am 24. Dezember 2015 aktualisiert.

Ist dies ein Fenster ins Innere des Mondes und ein Eingang zu einem potentiellen zukünftigen Mondhabitat? Die Kamera des Lunar Reconnaissance Orbiter hat einen genaueren Blick auf etwas geworfen, das für ein Skylight in eine Lavaröhre im Mare Ingenii (Meer der Begabung), einem der wenigen Mare auf der Rückseite des Mondes, gehalten wird. Dieses Skylight ist riesig – etwa 130 Meter im Durchmesser – und ist wahrscheinlich das Ergebnis einer teilweise eingestürzten Lavaröhre. Aber Mondgeologen erwarteten wirklich nicht, ein ungewöhnliches Gebilde dieser Art in dieser Region zu sehen. Zuvor wurde ein Skylight, oder eine offene Grube, in der Region Marius Hills im Ozean der Stürme auf der Mondvorderseite gefunden, die voller vulkanischer Kuppeln und Rillen ist, wo eine Lavaröhre entstehen könnte. Jedoch werden vulkanische Strukturen dieser Art im Mare Ingenii nicht gefunden. LRO wird definitiv zusätzliche Blicke auf diese Grube werfen.

Das japanische Raumfahrzeug SELENE/Kaguya entdeckte erstmals dieses unregelmäßig geformte Loch, das im oberen Bild mit der Auflösung der LRO-Kamera von 0,55 m pro Pixel zu sehen ist. Die Felsblöcke und der Schutt auf dem Boden der Grube sind teilweise beleuchtet (linker Teil der Grube), entstanden wahrscheinlich an der Oberfläche und fielen beim Einsturz durch die Grubenöffnung.

Der Pfeil zeigt die Lage der Grube. „S“ zeigt einen der zahlreichen lunaren „Swirls“ an, die in dieser Region liegen. Das Bild ist Teil eines Mosaiks der LROC WAC [Lunar Reconnaissance Orbiter Camera Wide Angle Camera?], Auflösung 200 m pro Pixel; Bildbreite 160 km. Bild: NASA/Goddard/Arizona State University

Dies könnte aus mehreren Gründen ein wichtiger Fund sein. Lavaröhren sind wichtig für das Verständnis dessen, wie Lava auf dem frühen Mond transportiert wurde, aber sie könnten auch ein Zuhause für zukünftige menschliche Forscher bieten. Diese auf der Mondrückseite wäre ein großartiger Ort, um eine Basis für zukünftige Teleskope einzurichten, die für Beobachtungen von der Rückseite des Mondes aus hinaus ins Universum vorgeschlagen werden. Die Mondoberfläche ist ein harscher Ort, dem menschlichen Körper tut es nicht gut, wenn er der ständigen Strahlung ausgesetzt ist, die in der atmosphärelosen Umwelt des Mondes vorhanden ist. Eine langfristige menschliche Präsenz würde funktionieren, wenn Astronauten den Großteil ihrer Zeit abgeschirmt im Untergrund verbringen könnten. Während das Graben eines ausreichend großen Loches für eine ganze Mondkolonie eine riesige technische Herausforderung wäre, könnten diese Lavaröhren fertige Standorte für eine gut abgeschirmte Basis bieten.

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Kaguya entdeckt Lavaröhre auf dem Mond

Von Ryan Anderson, übersetzt von Deep Roots. Das Original Kaguya Discovers Lava Tube on the Moon erschien im November 2009 auf „Universe Today“ (die Kommentare darunter beginnen am 25. November 2009) und wurde zuletzt am 24. Dezember 2015 aktualisiert.

Zukünftige Mondastronauten könnten ihre Höhlenforscherfähigkeiten aufpolieren wollen: die erste Lavaröhre ist auf dem Mond entdeckt worden.

In einem neuen Artikel, der in Geophysical Research Letters veröffentlicht wurde, berichten Junichi Haruyama und Kollegen, daß sie in hochaufgelösten Bildern vom Raumfahrzeug Kaguya ein mysteriöses Loch in der Mondoberfläche entdeckt haben. Das Loch hat einen Durchmesser von 65 Metern und liegt in der vulkanischen Region Marius Hills auf der Mondvorderseite, direkt in der Mitte einer langen Sinusrille. Man denkt, daß Sinusrillen durch fließende Lava geformt wurden, entweder an der Oberfläche oder in umschlossenen Lavaröhren.

Natürlich gibt es eine Menge Arten, wie ein Loch in der Mondoberfläche entstehen kann. Die naheliegendste ist ein Einschlag: der Mond ist im Laufe der Jahre von Steinen aus dem Weltraum buchstäblich in Stücke geschlagen worden. Könnte dieses Loch nicht ein frischer Einschlagkrater sein? Nichts da. Das Haruyama-Team beobachtete das Loch neun separate Male, unter verschiedenen Beleuchtungswinkeln, und sogar als die Sonne direkt darüber stand, sah es großteils schwarz aus, was darauf hindeutet, daß es sehr tief ist. Sie berechnen eine Tiefe von um die 88 Meter, daher ist das Loch tiefer als breit. Kein Einschlagkrater ist so.

Vier verschiedene Ansichten des Lavaröhren-Skylights bei verschienenen Sonnenstandswinkeln. Die Pfeile zeigen die Richtung des einfallenden Sonnenlichts (I) und der Kamerablickrichtung (V). Bild: JAXA/SELENE

Eine weitere Möglichkeit ist, daß das Loch durch irgendeinen Vulkanausbruch entstand, aber es gibt keine Anzeichen vulkanischer Ablagerungen wie Lavaflüsse oder Asche aus dem Loch. Das Loch ist isoliert, daher ist es auch nicht wahrscheinlich, daß es aufgrund eines Bruchs in der Mondkruste entstand – man würde erwarten, daß solch ein Bruch eine Kette von Löchern bilden würde.

Das Haruyama-Team schlußfolgerte, daß die wahrscheinlichste Erklärung die ist, daß das von ihnen entdeckte Loch ein „Skylight“ ist – eine Stelle, wo das Dach einer Lavaröhre einstürzte, entweder als die Lava abfloß, die die Röhre ausfüllte, oder später in der Geschichte des Mondes aufgrund eines Einschlags, eines Mondbebens oder von Gezeitenkräften der Erde. Falls es eine Lavaröhre ist, zeigen ihre Berechnungen auf Basis der mehreren Bilder des Loches, daß die Röhre 370 Meter breit sein könnte.

Lavaröhren sind wichtig für das Verständnis dessen, wie Lava auf dem frühen Mond transportiert wurde, aber sie sind nicht nur eine wissenschaftliche Kuriosität: sie könnten auch eine wertvolle Zuflucht für zukünftige menschliche Forscher bieten. Die Oberfläche des Mondes wird vor der harten Strahlung des Weltraums nicht durch ein Magnetfeld oder eine dichte Atmosphäre geschützt, daher wäre eine langfristige menschliche Präsenz am besten machbar, wenn Astronauten den Großteil ihrer Zeit abgeschirmt im Untergrund verbringen könnten. Ein Loch zu graben, das groß genug ist, daß eine ganze Mondkolonie hineinpaßt, wäre eine riesige technische Herausforderung, aber Lavaröhren könnten fertige Standorte für eine gut abgeschirmte Basis sein, was zukünftige Astronauten zu den technologisch fortschrittlichsten Höhlenbewohnern der Geschichte machen würde.

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Siehe auch:

Lavaröhren sicher genug für Mondbasis von Paul Rincon

Sehr clever! Lunar Reconnaissance Orbiter sieht riesiges Lavaröhren-Skylight im Mare Ingenii von Nancy Atkinson

Lavaröhre (Wikipedia)

Lava tube (Wikipedia englisch)

Lunar lava tubes (Wikipedia)

Marsianische Lavaröhren (Wikipedia-Übersetzung)

Planetary Base Shields von Winchell Chung auf „Atomic Rockets“ (dort bin ich überhaupt erst auf dieses Thema aufmerksam geworden)

Lunar Pits Could Shelter Astronauts, Reveal Details of How ‚Man in the Moon‘ Formed von Bill Steigerwald

There could be lava tubes on the moon, large enough for whole cities von Matt Williams

Luna Rising von Rick Robinson

Lavaröhren sicher genug für Mondbasis

Lava tubes safe enough for Moon base erschien am 19. März 2015 auf BBC News.

Diese Lavaröhre befindet sich auf Hawaii, aber solche Gebilde könnten auf dem Mond noch größer sein.

Natürliche Tunnel, genannt Lavaröhren, könnten dauerhafte Basen auf dem Mond sicher beherbergen, haben Wissenschaftler gesagt.

Die vulkanischen Untergrundstrukturen sind bereits zuvor als ideale Stätten für menschliche Siedlungen vorgeschlagen worden. Wissenschaftler haben nun bewertet, wie stabil diese Gebilde sein könnten, und fanden heraus, daß Röhren im Ausmaß von 1 km und größer strukturell solide wären. Sie könnten vor den Herausforderungen der lunaren Umwelt schützen.

Details der Arbeit wurden bei der 46. Lunar and Planetary Science Conference (LPSC) in Texas präsentiert.

Im Unterschied zur Erde fehlt dem Mond eine dichte Atmosphäre und ein Magnetfeld zum Schutz vor kosmischer Strahlung. Das Fehlen eines atmosphärischen Puffers bedeutet auch, daß die Oberfläche des Mondes häufigere Meteoriteneinschläge und größere Temperaturextreme erfährt. Zum Beispiel kann die Oberflächentemperatur des Mondes im Laufe eines lunaren Tages um mehrere hundert Grad Celsius variieren.

Höhleneingänge wie dieser im Mare Tranquilitatis könnten sich in Lavaröhren öffnen.

Aber die Unterbringung von Stützpunkten im Untergrund, innerhalb von Lavaröhren, könnte eine Abschirmung gegen diese Risiken bieten.

Man erwartet, daß die lunaren Tunnel wegen der niedrigeren Schwerkraft des Mondes größer sind als diejenigen, die bereits auf unserem Planeten entdeckt wurden. Niemand hat bisher definitiv ein Beispiel auf dem Mond entdeckt, aber Raumfahrzeuge haben „Skylights“ genannte Eingänge entdeckt, die sich in Lavaröhren öffnen könnten.

Unter Nutzung existierender Daten haben David Blair und Kollegen von der Purdue University in West Lafayette Computermodellierungen zur Bestimmung der Stabilität lunarer Lavaröhren mit unterschiedlichen Weiten, Dachformen und Dachdicken eingesetzt.

„Es ist die erste moderne Neubewertung dessen, wie stabil diese sein können“, sagte er BBC News. Er fand heraus, daß Tunnel mit Breiten von 1 km und größer unter der Mondoberfläche bestehen bleiben könnten.

Lunare Lavaröhren sollten bis zu einer Breite von 5 km stabil sein.

Auf seinem Poster bei der Tagung präsentierte er ein Diagramm, das seine Heimatstadt Philadelphia in einer Lavaröhre mit einer Breite von 5 km – die man als das ungefähre theoretische Maximum für Stabilität befand – zeigte.

Man denkt, daß sich die Untergrundstrukturen während basaltischer Lavaströme in der Geschichte des Mondes gebildet haben. Wenn die obere Schicht des Lavaflusses abkühlt und erhärtet, kann geschmolzenes Gestein darunter weiterhin fließen. Sobald dieses abfließt, kann es einen Hohlraum zurücklassen.

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Hört die Signale: Zwangskollektivierung, Kulakenvernichtung, Holodomor

Die Bauern in der Ukraine reagieren auf die Zwangskollektivierung mit einem Anbaustreik. Stalin bestraft sie mit einer Hungerblockade: Alle vorhandenen Lebensmittel werden requiriert, und den Menschen wird gleichzeitig verboten, das Land zu verlassen, um etwa in die Städte zu ziehen. Die Folge ist eine Hungersnot, der Anfang der dreißiger Jahre schätzungsweise 10 Millionen Menschen zum Opfer gefallen sind. Die Menschen brachen auf der Straße zusammen und starben vor Hunger.

Von Hugo Portisch; Auszug aus seinem Buch „Hört die Signale: Aufstieg und Fall des Sowjetkommunismus“ (Verlag Kremayr & Scheriau, Wien 1991; Bestellnummer 01990 1), entstanden in Zusammenarbeit mit dem ORF als Ergänzung zu dessen Fernsehdokumentation „Hört die Signale“.

Die Zwangskollektivierung

Als hätte Trotzki den Text geschrieben: Das ZK-Plenum bezeichnet die Splitterung der Landwirtschaft als die Hauptursache für die unzureichende Getreideproduktion. Für den im Fünfjahresplan vorgesehenen raschen Aufbau einer eigenen sowjetischen Großindustrie müßten bedeutend mehr Devisen aufgebracht werden, als dies mit den gegenwärtigen Getreideexporten möglich sei. Will man die Getreideproduktion steigern, müsse man in der Landwirtschaft von der Bauernwirtschaft zur Großproduktion übergehen. Die Einzelbauern sollten sich – freiwillig – zu Kollektivwirtschaften zusammenschließen, zu Kolchosen, in die die Bauern auch ihr persönliches Eigentum, ihre Geräte und ihren Viehbestand einzubringen hätten. Die Felder würden zu großen Anbauflächen zusammengefaßt, die sich für den Einsatz mit Traktoren und Mähmaschinen eignen würden. Zentrale Maschinen- und Traktorenstationen würden den Kolchosen diese Geräte zur Verfügung stellen.

Unausgesprochenes Vorbild für die Anbaumethoden sind die Großfarmen in den USA: mit verhältnismäßig geringem Personalaufwand werden dort durch intensiven Maschineneinsatz große Ernteerträge erzielt. Das müßte auch in der Sowjetunion zu erreichen sein.

Das Konzept ist einleuchtend. Selbst die Bestimmungen zu seiner Verwirklichung scheinen erträglich: Nur Bauern, die das freiwillig tun, sich also von der Zielsetzung motivieren lassen, sollen in Kolchosen zusammengeschlossen werden. Doch die Praxis sieht wieder einmal ganz anders aus. Die Kollektivierung wird mit einem Schlag Bestandteil der Ideologie, und damit ist kaum noch Freiwilligkeit zugelassen. Parteiaktivisten, Komsomolzen und selbst Rotarmisten werden eingesetzt, um in einer Propagandakampagne größten Ausmaßes die Bauern in die Kollektivierung zu treiben. In den Dörfern werden Propagandareden gehalten, werden Versprechen abgegeben, wird eine helle, reiche Zukunft für alle geschildert.

Wer dennoch nicht bereit ist, sein Stück Land aufzugeben und mit seinem Besitz in die Kolchose einzuziehen, der wird zunächst beschimpft, dann bedroht und schließlich vor die Wahl gestellt, für die Kolchose zu unterschreiben oder das Dorf zu verlassen. Von Freiwilligkeit ist nicht mehr die Rede. Bald geht man einen Schritt weiter. Die größeren Bauern – nach mittel- und westeuropäischen Begriffen sind es Kleinstproduzenten – werden beschuldigt, sich auf Kosten der Allgemeinheit bereichert zu haben. Sie, die mit ihrem Fleiß und ihrer Produktion das Rückgrat der Neuen Ökonomischen Politik gebildet haben, werden nun wieder als Klassenfeinde eingestuft. Als solche dürfen diese Kulaken nicht einmal mehr den Kolchosen beitreten, sie werden entschädigungslos enteignet. Auch ihr gesamter privater Besitz wird ihnen weggenommen, meist werden sie unter Anleitung der Parteifunktionäre von den übrigen Dorfbewohnern geplündert. Unter der Anschuldigung, dem Staat Steuern entzogen zu haben, werden die Kulaken festgenommen und zu Hunderttausenden in die Zwangsarbeitslager deportiert. Die meisten von ihnen haben nicht überlebt.

Wer der Kolchose nicht beitritt, muß das Dorf verlassen. Vieh und Werkzeuge müssen zurückbleiben. Arme Bauern dürfen ihre Habseligkeiten mitnehmen. In den Dörfern kommt es zu harten Auseinandersetzungen der Bauern mit den Kommissaren.

Man schätzt, daß im Zuge der Zwangskollektivierung rund neun Millionen Menschen ausgerottet worden sind. Doch selbst die Bauern, die – freiwillig oder unfreiwillig – in die Kolchosen gegangen sind, werden dort einem sehr strengen, der Zwangsarbeit gleichenden Regime unterworfen. Für sie gilt nun, was für die Arbeiter in den Fabriken längst eingeführt ist: fest vorgeschriebene Arbeitszeiten und Arbeitsnormen; jedes Zuspätkommen zur Arbeit wird bestraft, unentschuldigtes Fernbleiben von der Arbeit gilt als Sabotage und daher als konterrevolutionäres Verbrechen. Die Kolchosen sind verpflichtet, ihre gesamte Produktion dem Staat abzuliefern, erst danach erfolgen die Zuteilungen für den Eigenbedarf. Kommt man dieser totalen Ablieferungspflicht nicht nach, gilt das als Diebstahl von Staatseigentum, darauf steht Gefängnis und sogar die Todesstrafe.

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Leben in alten Zeiten: Der Quartierer

NORD-LICHT

Ausspeisung mit der Armensuppe. Gemälde von Albert Anker (1831-1910).

Von Gertraud Steiner, aus „Servus in Stadt & Land“ 11-2017.

Er war meist zerlumpt wie ein Bettler. Aber er besaß einen Heimatschein, ein Armutszeugnis oder Dienstbotenbüchl – und damit das Anrecht auf das täglich Brot und ein Dach über dem Kopf.

Das Mittelalter hatte die Armut noch als gottgefällig angesehen. Kein Reicher sollte in den Himmel kommen, der nicht für Arme und Kranke gesorgt hatte. Spitäler, Stiftungen, Bruderhäuser und Bruderschaften wurden geschaffen, um das menschliche Leid zu lindern. Doch Kriege, Naturgewalten, Brände und Hungerjahre ließen das Heer der Besitzlosen und Elenden immer mehr anwachsen.

Mit der Regierungszeit Maria Theresias und ihres Sohnes Joseph II. nahm sich erstmals der Staat der sozialen Frage an. Man wollte die menschenunwürdige Bettelei, wie es hieß, abschaffen und sparte dafür nicht mit Gewalt und Strafen. Arbeitshäuser, Waisenhäuser und Zuchthäuser wurden zu neuen Errungenschaften.

VAGABUNDEN DROHTEN PRÜGEL

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Hans Breuer, der jüdische Wanderschäfer und „Flüchtlings“-Schmuggler

Der „österreichische“ Wanderschäfer Hans Breuer.

Von Patrick Kingsley, übersetzt von Deep Roots alias Lucifex. Das Original Austrian shepherd who drives refugees across border to safety erschien am 20. September 2015 in The Guardian. (Titelbild ganz oben vom Übersetzer eingefügt; die beiden Bilder im Guardian-Artikel sind inzwischen von einem Dateityp, den WordPress nicht übernimmt, und das im Original verlinkte erste Video, wo Hans Breuer mit einer Gruppe syrischer Palästinenser jiddische Volkslieder singt, ist inzwischen nicht mehr verfügbar.)

 

Hans Breuer unter Dutzenden von Menschen, die heimlich Hunderte von Flüchtlingen durch Ungarn nach Österreich gebracht haben.

Während er durch die Dunkelheit raste, eine Meile nördlich von Ungarns Grenze zu Serbien, kämpfte Hans Breuer mit seinem Satellitennavigationssystem. In makellosem Deutsch beharrte das Satnav darauf, daß er nach Westen fahren solle, entlang der direktesten Route zu seiner Heimat in Österreich. Aber Breuer hatte andere Vorstellungen und schlingerte einen Feldweg entlang, den das GPS nicht erkannte.

Begleitet von sanftem Tadel seitens des Satnav schaltete der 61jährige seine Scheinwerfer aus, sodaß niemand sehen würde, wohin er gefahren war. Dann holperte und kurvte er über unmarkierte Bauernwege und Schafhirtenpfade, die schließlich nach Westen führten, aber weg von den Hauptstraßen. Nach 20 Minuten hielt er in einem Feld an und wandte sich an eine Decke auf dem Rücksitz. „Okay“, sagte Breuer zu der Decke. „Ihr könnt jetzt rauskommen.“ Unter dem Stoff kamen drei Köpfe zum Vorschein – eine syrische Kurdin, Galbari al-Hussein, und ihre beiden Kinder, Hussein und Shahed.

Plötzlich überschwenglich, strahlte Breuer vor Vergnügen. „Freunde meiner Mutter entkamen den Nazis, indem sie vorgaben, Mitglieder der SS zu sein. Mein ganzes Leben lang diese Geschichte zu hören, ist das, was mich auf diese Situation vorbereitet hat.“

Diese Situation war dennoch eine, die Breuer nun selbst vertraut war. In den letzten Wochen ist Breuer einer von Dutzenden gewöhnlicher Österreicher und Ungarn gewesen, die heimlich Hunderte Flüchtlinge aus dem südlichen Ungarn ins östliche Österreich fuhren. Sie haben nun damit aufgehört – die Schließung von Ungarns Südgrenze bedeutet, daß weniger Flüchtlinge aus Serbien ins Land kommen. Stattdessen strömen die Migranten nach Kroatien, dann weiter nach Slowenien und Österreich, wo laut dem österreichischen Roten Kreuz allein am Samstag 13.000 Menschen einreisten.

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Vom Fluch der Magie

Albert Atcho lebte bis zu seinem Tod im Jahr 1990 in Bingerville an der Elfenbeinküste. Seine Mission: Teufelsaustreibungen. Besessene wurden in seinen Sitzungen allerdings nicht – wie sonst üblich – gequält, bestraft oder sogar getötet. Sie durften nach der befreienden Beichte zurück in ihre Dörfer gehen.

Von David Signer, ursprünglich erschienen in GEO 9-2006. Die Bilder sind eine Auswahl aus denen im Originalartikel.

Vor zwölf Jahren betritt David Signer zum ersten Mal das Zimmer eines traditionellen afrikanischen Heilers. Sieht blutbespritzte Wände, Töpfe mit Kräutersud, Kaurischnecken. Eine unheimliche Welt, deren Rätsel der Schweizer Ethnologe fortan in vielen Feldstudien zu ergründen sucht. Der Zauber, weiß er heute als Eingeweihter zu berichten, wirkt tatsächlich – wenn auch anders als gedacht. Er macht Angst vor Veränderung. Er lähmt die Entwicklung Afrikas.

ZÜRICH, SEPTEMBER 2002. „Madame Coulibaly, Abengouru“ steht als Absender auf einem Brief, der eines Tages in meinem Postkasten liegt. „Lieber David“, schreibt sie, „mit großem Bedauern senden wir diese Neuigkeiten: Dein Freund Tiegnouma Coulibaly ist am 16. September gestorben. Wir sind hier, seine zwei Frauen und fünf Kinder, und es fehlen uns sogar die Mittel, um Essen einzukaufen.“

Tränen treten mir in die Augen. Tiegnouma Coulibaly war ein Heiler, den ich zu Beginn meiner mehrjährigen Feldforschung in Westafrika kennen lernte – und der im Laufe unserer Zusammenarbeit mein europäisches Weltbild pulverisierte. Ich rätsele, wie er ums Leben gekommen sein mag. Als ich seine Frauen erreiche, sagen sie nur: „Wir haben ihn eines Morgens tot in seinem Bett gefunden.“

ABENGOURU, OKTOBER 1994. Ich bin zum ersten Mal in der staubigen Provinzstadt der Elfenbeinküste. Für eine ethnologische Studie suche ich den Kontakt zu traditionellen Heilern, „Féticheurs“. Sie besitzen in Westafrika einen zwiespältigen Ruf. Einerseits gelten sie tatsächlich als Heiler, was vor allem bedeutet „Anti-Hexer“, weil viele Krankheiten auf Hexerei zurückgeführt werden. Andererseits traut man ihnen aber auch zu, anderen zu schaden, und sei es nur, um den eigenen Klienten zu verteidigen. Die Suche nach einem Féticheur ist also alles andere als harmlos, sondern eher so, als ob man sich nach dem nächsten Waffenladen erkundigte.

In einem Ministerium lerne ich einen Beamten kennen. Er erzählt von einem Hexer, der sich in Sekundenschnelle nach Paris begab, um dort seinen eigenen Sohn aufzufressen, weil der nichts von seinem Lohn an seine Familie in Afrika schickte.

„Er fraß ihn wirklich auf?“

„Natürlich nicht buchstäblich“, sagt der Mann, der zwischen seinen vielen Stapeln vergilbter Dokumente sitzt. „Er hat die Seele seines Sohnes, sein unsichtbares Doppel, wie wir sagen, zerstört. Der Junge starb nicht sofort, aber er verlor nach und nach alle Lebenskraft.“

„Und dann?“ frage ich. „Wurde der Vater verhaftet?“

Der Beamte lacht über meine Naivität, aber erklärt geduldig: „Niemand kann beweisen, was er getan hatte. Sein Körper lag ja die ganze Nacht hier neben seiner Frau. Sein Double war nach Paris geflogen. Hexerei ist unsichtbar.“ Und für den Fall, daß ich immer noch nicht begreife, fügt der Mann hinzu: „Wir zwei plaudern hier nett miteinander. Aber niemand kann ausschließen, daß einer von uns jetzt, in diesem Moment, den anderen verhext.“

An diesem Nachmittag erhalte ich meine erste Ahnung vom Zusammenhang zwischen sozialem Aufstieg, Neid und Hexerei; von einem Albtraum, der die Menschen von Dakar im Senegal bis Daressalam in Tansania verfolgt. Sozialwissenschaftler und Entwicklungsexperten nehmen ihn jedoch erst seit kurzem wahr. Was die Afrikaner „Hexerei“ nennen, ist keine bloße Phantasmagorie, sondern soziale Realität. Hexerei ist eine Metapher für von Mißgunst geprägte Sozialbeziehungen: Es soll dir nicht besser gehen als mir. Auch wenn man den Glauben an fliegende Väter, die nachts ihre Söhne am anderen Ende der Welt heimsuchen und auffressen, nicht teilt, so ist doch die zerstörerische Kraft des Neides im subsaharischen Afrika unübersehbar. Der Druck der Verwandtschaft auf jeden, der etwas hat, ist unerbittlich. Die Bittsteller sind nie zufrieden. Und die Verwandtschaft ist tendenziell unendlich.

Ethnologische Forschung über Féticheure, über Heiler und Hexer, befaßt sich also keinesfalls mit einer spirituellen Randerscheinung, sie führt vielmehr direkt ins Herz des afrikanischen Psycho- und Sozialsystems.

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Kleine Krisenvorsorge

Von Deep Roots, ursprünglich erschienen am 14. Mai 2011 auf „As der Schwerter“ (Titelbildgestaltung von Osimandia).

Es wird wahrscheinlich nicht so sein, daß es einen „Tag X“ gibt, an dem von einem aufs andere alles mit einem Rumms zusammenbricht, worauf Ragnarök folgt und unserer gegenwärtigen Zivilisation zumindest für längere Zeit ein Ende setzt. Viel eher wird es zuvor schon zeitlich und/oder örtlich begrenzte Krisen geben, die vom System vorübergehend wieder unter Kontrolle gebracht werden und  welche die letzte Mahnung sein sollten, sich für den wirklich großen Crash umfangreicher auszustatten. Der nachfolgende Text, der auf dem Artikel „Schadens-Begrenzung“ von Robert Cadek in der Waffenzeitschrift VISIER (Ausgabe Juni 1999) beruht, welchen ich für die aktuelle Situation angepaßt, umgemodelt und ergänzt habe, soll als Ratgeber für eine solche „Kleine Krisenvorsorge“ dienen, die dann zur langfristigen „Großen Krisenvorsorge“ ausgebaut werden kann.

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Großstädte ohne Strom, plündernde Horden, das ganze Land im Chaos: das befürchtete man Ende 1999 als Auswirkungen des Y2K-Computerbugs, die zum Glück doch ausgeblieben sind. Viele US-Bürger bereiteten sich damals auf das Schlimmste vor. Sie lagerten Nahrungsmittel, Wasser und Medikamente ein und machten sich von der öffentlichen Energieversorgung unabhängig, indem sie sich Solaranlagen und Generatoren anschafften. Die Hamsterkäufe erreichten damals einen derartigen Umfang, daß es schon zu Engpässen bei bestimmten Surplus-Artikeln und sogar bei Munitionsarten kam. Die Autonomie vom Staat bedeutet für viele Amerikaner ohnehin das konsequente Weiterleben alter Pioniertraditionen.

Ganz anders hierzulande: Spätestens seit den 1960er-Jahren und dem damaligen Wirtschaftswunder verlassen sich die Bürger verstärkt auf Staatsapparat und Überflußgesellschaft. Die wenigsten Zeitgenossen in West- und Mitteleuropa verschwenden auch nur einen Gedanken an die Anfälligkeit der Energie- und Versorgungssysteme. So wich die teure Lagerhaltung des Einzelhandels schon vor Jahren einem zwar sehr gut funktionierenden Verteilersystem, das aber höchst störanfällig ist. Es genügen ja schon ein plötzlicher Wintereinbruch, ein Hochwasser oder LKW-Fahrerstreik, um Ortschaften oder ganze Regionen von der Versorgung abzuschneiden. Der große französische LKW-Fahrerstreik leerte seinerzeit in Paris ganz schnell die Regale der Supermärkte. Früher reichte es schon, daß sowjetische Politiker mit dem Schuh auf den Tisch hauten, und die Deutschen starteten Hamsterkäufe. Mittlerweile kann sich kaum jemand vorstellen, daß es in Mitteleuropa wieder zum Krieg kommen könnte. Ähnlich hat die lange Zeit von innerem Frieden und Wohlstand den Gedanken an soziale Unruhen, tiefgreifende und anhaltende Wirtschaftskrisen und Epidemien verdrängt. Das soziale System von öffentlicher Sicherheit, Versorgung und Betreuung in Notlagen schien in Deutschland bisher unerschütterbar zu sein: Der Strom kommt aus der Steckdose, das Wasser aus dem Hahn, die Wärme aus der Zentralheizung und die Nahrung aus dem Supermarkt an der Ecke. Wenn es Ärger gibt, ruft man 110 an, bei Feuer und anderen Notfällen 112. Wer krank wird, für den kommt sogar am Sonntag der Notarzt, und stets findet sich Platz im Krankenhaus.

Ein Trugschluß. Denn selbst Länderpolizeien wie beispielsweise NRW oder Berlin zeigten sich in der Vergangenheit schon bei etwas größeren Krawallen personell überfordert – und das zu „Normalzeiten“, wenn alle Energie- und Telefonnetze funktionieren. Gleiches gilt für die Rettungsdienste und Feuerwehren, die schon bei ganz alltäglichen Hochwasserkatastrophen oder Eisenbahnunglücken wie Eschede an die Grenzen ihrer Belastbarkeit geraten. All das wird in Zukunft nicht besser werden, sondern mit zunehmender Überdehntheit der öffentlichen Finanzen vielmehr schlechter, und die wachsenden Probleme, die Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste bei ihren Einsätzen mit orientalischen „Neubürgern“ bekommen, dürften bewirken, daß immer schwerer Personal für diese Dienste zu gewinnen sein wird. Und glaubt man den Prognosen des Zukunftsforschers Gerald Celente, dann ist die Apokalypse 2011 nicht mehr abzuwenden.

Wirklich verlassen kann sich jeder nur auf sich selbst. Das rät sogar das Bundesamt für Zivilschutz (BZS), nämlich in jedem Haushalt einen Notvorrat an Lebensmitteln und vor allem Getränken anzulegen (siehe Tabelle unten). Denn ein gesunder Mensch hält es rund drei Wochen ohne feste Nahrung aus, aber nur maximal vier Tage ohne Flüssigkeit. So sollten immer einige Kisten Mineralwasser oder mit Leitungswasser gefüllte Kanister bereitstehen. Vorausgesetzt, die Behörden geben im Notfall noch rechtzeitig bekannt, daß die Wasserversorgung versiegt, sollte man alle nur erdenklichen Behälter bis hin zur Badewanne mit Wasser füllen. Gegen Keimbildung schützen Micropur-Tabletten aus dem Outdoor-Geschäft. Sie sorgen dafür, daß das Wasser bis zu einem halben Jahr trinkbar bleibt.

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