Miguel de Cervantes und Don Quijote: Triumph eines Verlierers

Von Johannes Strempel, aus GEO EPOCHE Nr. 31 „Als Spanien die Welt beherrschte“.

„Ritter von der traurigen Gestalt“ nennt sich Don Quijote selbst. Gemeinsam mit seinem Knappen Sancho Pansa zieht er durch La Mancha. Die Leser lieben ihn als verwirrt-lächerlichen Helden.

1605 veröffentlicht Miguel de Cervantes einen Roman über einen Mann, der ist wie er selbst: adelig und verarmt. „Don Quijote“, realistisch und voll derbem Humor, wird ein Welterfolg und gilt heute als erster Roman der Moderne.

Es ist ein prächtiges Fronleichnamsfest, das die Residenzstadt Valladolid am 10. Juni 1605 feiert. Tags zuvor hat der englische Gesandte einen Friedensvertrag zwischen London und Madrid unterzeichnet. Nun strömen die Bürger ins Zentrum, um die Paraden und Stierkämpfe zu seinen Ehren zu verfolgen.

In einer Pause hält ein Schauspieler auf der Plaza Mayor Einzug, dessen Aufmachung so gar nicht zu den eleganten Toreros passt: ein hagerer Mann mit Plüschhosen und nach oben gezwirbeltem Bart, der einem abgemagerten Klepper die Sporen gibt und von einem rundlichen Knappen begleitet wird. Die Menge jubelt.

Vor gerade einmal fünf Monaten ist die Geschichte des glücklosen „Don Quijote“ in Madrid in kleiner Auflage erschienen, aber längst hat der „Ritter von der traurigen Gestalt“ ein Eigenleben jenseits des Buches begonnen. Bald wird man seiner Silhouette auf allen Karnevalsumzügen Spaniens begegnen, flankiert von der seines Freundes und Dieners Sancho Pansa.

Die Spanier schließen den verwirrten Junker auf Anhieb in ihr Herz. Niemand hat damit vermutlich weniger gerechnet als sein Schöpfer: Miguel de Cervantes Saavedra, ein 57jähriger Exsträfling, Steuereintreiber und Gelegenheitsdichter.

Ehe die Abenteuer Don Quijotes ihn berühmt machen, kämpft Miguel de Cervantes (1547-1616) gegen die Türken, arbeitet als Steuereintreiber und verbringt Jahre in afrikanischer Gefangenschaft.

Denn Armut und Schicksalsschläge sind die Leitmotive seines Lebens. Zwar stammt Cervantes aus einer aristokratischen Familie, aber das heißt nicht viel in einem Land, in dem sich zehn Prozent der Bevölkerung zum Adel rechnen – mehr als irgendwo sonst auf der Welt.

Ganz unten in dieser Hierarchie stehen die hidalgos, die „Söhne von jemand Bedeutendem“. Zu ihnen zählt auch Cervantes – und Don Quijote. König Ferdinand und seine Gattin Isabella haben den Titel im späten 15. Jahrhundert eingeführt, um die Krieger der Reconquista zu ehren. Doch das ist lange her. Inzwischen gibt es kaum noch Heldentaten zu vollbringen, und den Hidalgos bleibt nicht viel mehr vorzuweisen als ihr sorgsam gehüteter Adelsbrief und das steinerne Wappen an der Hausfassade.

Die meisten leben verarmt auf ihren kleinen Ländereien oder in den Städten. Und sie leben im Müßiggang: Denn richtig zu arbeiten ist für einen Hidalgo mit seiner Ehre unvereinbar.

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Lippisch P 13: Fliegendes Dreieck

Die Lippisch P 13a im Einsatz; Illustration von Daniel Uhr aus „Luft ’46

Von Hans-Peter Darbrowski, aus dem Septemberheft 1998 der „FLUG REVUE“.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die Forderungen nach einem billigen und schnellen Jäger immer dringlicher. Professor Alexander Lippisch entwarf daraufhin den revolutionären Staustrahljäger P 13. Es kam jedoch nur noch zur Erprobung des Versuchsgleiters DM 1.

Die ungewöhnliche Geschichte der Triebflügel aus der Feder von Alexander Lippisch begann in einer Zeit, als derartige Entwürfe als Utopien angesehen waren. Der Konstrukteur Lippisch beschäftigte sich aber schon seit 1930 mit schwanzlosen Flugzeugen und hatte als vorläufigen Höhepunkt den bei Messerschmitt gebauten Raketenjäger Me 163 geschaffen, mit dem Heini Dittmar am 2. Oktober 1941 als erster Mensch über 1000 km/h schnell flog.

Ab 1943 war Lippisch Chef der Luftfahrtforschungsanstalt Wien (LFW) und beschäftigte sich dort mit der Problematik schwanzloser Flugzeuge im Überschallbereich. Im Laufe dieser Untersuchungen in den Jahren 1943 und 1944 nahmen seine Jägerprojekte P 12 / P 13 konkrete Formen an. Zu diesem Zeitpunkt begannen die Alliierten einen stetig schärfer werdenden Bombenkrieg gegen die deutsche Rüstungsindustrie und später auch gegen Verkehrsverbindungen und Wohngebiete. Rückzug an allen Fronten sowie eine allmählich katastrophal werdende Materialknappheit und Versorgungslage wurden zum Alltag im Deutschen Reich. Daher hieß die dringlichste Forderung: Jäger, Jäger, Jäger – alles andere war zurückzustellen. Die neuen Jagdflugzeuge sollten über eine überlegene Kampfkraft verfügen sowie schnell und einfach zu bauen sein, unter Vermeidung von teuren und schwer zu beschaffenden Materialien.

Lippischs P 12 paßte genau in dieses Konzept und hatte noch zwei andere Vorteile: Der geplante Antrieb, ein Staustrahltriebwerk, ähnlich dem der Flugbombe Fi 103, war billig und unkompliziert. Außerdem sollte der Treibstoff aus einem leicht beschaffbaren Gemisch von Kohlegranulat und Schweröl bestehen. Nach mehreren Zwischenstufen entstand so auf Lippischs Zeichenbrettern das Projekt P 13a, ein schwanzloses Flugzeug, das hauptsächlich aus Triebwerk und Flügel bestand und daher vom Konstrukteur als „Triebflügel“ bezeichnet wurde.

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Focke-Wulfs Triebflügeljägerprojekt: Früher Senkrechtstarter

Focke-Wulfs projektierter Triebflügeljäger in der CGI-Illustration von Ronnie Olsthoorn.

(Ergänzt am 2. Dezember 2018 – Funktionsschema Staustrahltriebwerk)

Im Dezemberheft 1981 der FLUG REVUE erschien ein Artikel über ein ausgefallenes, faszinierendes deutsches Kampfflugzeugprojekt des Zweiten Weltkriegs mit hubschrauberartig rotierenden Flügeln und Staustrahltriebwerken an den Flügelspitzen, den ich nachfolgend wiedergebe (die Bilder stammen – mit zwei Ausnahmen – auch aus diesem Artikel, an den anschließend weitere CGI-Bilder wie das obige zu finden sind):

FRÜHER SENKRECHTSTARTER

Revolutionäres deutsches Triebflügeljäger-Projekt aus der Zeit vor Ende des Zweiten Weltkriegs

Text und Fotos: G. Sengfelder; Zeichnung: Carlo Demand

So sollte der Triebflügeljäger eingesetzt werden.

Verschiedene Überlegungen führten zum Entwurf dieses außergewöhnlichen Flugzeugs: einmal die ständigen Angriffe alliierter Flugzeuge auf deutsche Flugplätze und die fortschreitende Zerstörung der Start- und Landebahnen in der letzten Phase des Zweiten Weltkrieges, zum anderen die erfolgversprechende Entwicklung eines Staustrahltriebwerks bei Focke-Wulf. Der mit solchen Aggregaten ausgerüstete Triebflügeljäger kam zwar über das Reißbrettstadium nicht hinaus, stellt aber ein derart revolutionäres Konzept dar, daß es dennoch Beachtung verdient. Nachfolgend die Geschichte dieses frühen Senkrechtstart-Projekts.

Der Triebflügeljäger im Modell.

Im Jahrbuch der deutschen Luftfahrtforschung 1942 erschien ein Bericht der aerodynamischen Versuchsanstalt Göttingen mit dem Titel „Der Triebflügel“. Die Verfasser E. v. Holst, D. Küchemann und K. Solf untersuchten in diesem Bericht die Frage, ob ein Fluggerät denkbar sei, bei dem Vortriebs- und Auftriebsorgan vereinigt sind. Ausgehend vom Flug der Libelle wurde die Entwicklung des rollenden Flügels mit allen Vorteilen und Problemen beschrieben.

Bei all diesen Untersuchungen ging man von der Überlegung aus, daß ein starkes Triebwerk, im Rumpf installiert, zwei gegenläufige Luftschrauben von großem Durchmesser antreiben sollte. Ein leichtes, einfaches Strahltriebwerk war noch nicht entwickelt.

Die Lorindüse war zwar bekannt, und Dr. Sänger arbeitete ab 1941 an Staustrahlrohren, die nicht nur einen entsprechenden Startschub entwickelten, sondern auch eine große Baulänge hatten. In der gasdynamischen Abteilung von Focke-Wulf arbeitete ein Team unter der Leitung von Dr. Pabst an einem Staustrahlantrieb, der wesentlich kleiner baute als herkömmliche Lorindüsen. Ein weiteres Ziel der Focke-Wulf-Forschung war es, den Brennstoffverbrauch zu senken und minderwertige Treibstoffe wie Stein- oder Braunkohlenteeröl zu verwenden.

In verschiedenen Versuchsreihen gelang es, einen sehr einfachen und wirkungsvollen Brenner zu entwickeln. Durch die Anordnung vieler kleiner Brenner mit entsprechendem Scheibendurchmesser erreichte man eine kurze Brennlänge sowie eine gleichmäßige Temperaturverteilung in einem großen, aber kurzen Brennraum.

Eine weitere Möglichkeit, das Triebwerk zu verbessern, ergab sich aus aerodynamischen Überlegungen. Durch die Verwendung eines Stromlinien-Diffusors gelang es, die Eintrittslänge, die bei den herkömmlichen Lorin-Düsen drei Triebwerksdurchmesser ausmachte, auf einen Durchmesser zu kürzen.

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Als der Konsens zerbricht: das Ende der Römischen Republik

Aus GEO EPOCHE Nr. 50 „ROM: Die Geschichte der Republik“

Jahrhundertelang eilt Rom von Sieg zu Sieg, beherrscht schließlich fast das gesamte Mittelmeer. Und doch scheitert die Republik. Der Historiker Bernhard Linke über die Gründe für deren Niedergang:

GEO EPOCHE: Herr Professor Linke, die Römische Republik hat mehr als 400 Jahre bestanden, länger als irgendeine andere Republik der Weltgeschichte. Was macht ihren Erfolg aus? Ihre militärische Schlagkraft?

Bernhard Linke: Eher ihre enorm starke Mittelschicht.

Das müssen Sie uns erklären.

Die Römische Republik ist eigentlich eine Agrargesellschaft, selbst die Oberschicht rekrutiert sich traditionell aus Landbesitzern, die meisten Römer sind und bleiben während der gesamten Antike Bauern. Und diese Bauern sind autark. Der Familienvater führt den Hof, darf Eigentum erwerben und verkaufen, darf richten über seine Sklaven, sogar über seine Frau, seine Kinder. Der pater familias übernimmt also staatliche Aufgaben. Das sind freie, unabhängige Männer, die das auch bleiben wollen.

Was hat das mit dem Erfolg der Republik zu tun?

Es ist das Fundament, denn diese Bürger stellen die Soldaten. Sie kämpfen für ihre Freiheit, für ihre Eigenständigkeit. Und sie kämpfen für Beute. Deswegen folgen sie den Feldherren der senatorischen Oberschicht in den Krieg. Die innenpolitischen Verhältnisse bleiben stabil, weil die Republik ab etwa 340 v. Chr. expandiert, sehr viel Beute da ist, sehr viele Ressourcen akquiriert werden – und weil sich die senatorische Oberschicht damit „Zufriedenheit“ bei der Mittelschicht sichern kann. Zugleich haben alle in dieser Beutegemeinschaft verbundenen Bürger das Gefühl, den anderen Völkern überlegen zu sein. Dieses Selbstverständnis macht die Römer unglaublich stark.

Der Konsens hält aber nicht ewig. 133 v. Chr. erschlagen Senatoren nach einem Machtkampf den Volkstribun Tiberius Gracchus. Die Feldherren Sulla und Caesar werden später zu Diktatoren. Was bringt das Erfolgssystem ins Wanken?

Das ist immens kompliziert. Zunächst einmal beginnt mit dem 2. Jahrhundert v. Chr. eine Zeit der tiefgreifenden Verwerfungen. Während des Zweiten Punischen Krieges bringt Hannibal den Römern gewaltige Verluste bei. Wenn unsere Schätzungen richtig sind, kommen allein in den ersten Kriegsjahren ungefähr 25 Prozent der wehrfähigen Bevölkerung um. Zugleich sind etwa zwei Drittel aller Senatoren gefallen. Die alte Oberschicht ist geschwächt. Die nachwachsende Generation ist weitgehend ausradiert. Mehr als 100 Senatorenposten müssen nun mit Leuten aus völlig neuen Familien besetzt werden.

Ein gewaltiger Traditionsbruch.

Es herrschen schwierige Verhältnisse im Senat. Die alten Familien sehen sich sogar gezwungen, die Neuen mit Sittengesetzen dazu zu bringen, sich wie richtige Senatoren zu verhalten. Anschließend gewinnen die Römer zwar in kürzester Zeit den Osten dazu, Makedonien wird 168 v. Chr. zerschlagen, das kleinasiatische Seleukidenreich düpiert – doch dann geschieht Erstaunliches: Die römische Oberschicht hört auf zu erobern.

Warum?

Das wissen wir nicht. Leider bricht auch Livius – unsere Hauptquelle – hier ab. Aber eines ist gewiss: Die Oberschicht nutzt die äußeren Ressourcen immer weniger, es kommt kaum noch Beute nach Rom.

Wie steht die Mittelschicht dazu?

Die römischen Bauern sitzen spätestens seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. auf sehr fruchtbaren Böden, die meisten Bürger sind wohl gut ernährt. Die Kinder haben große Chancen, erwachsen zu werden. Die Kriege haben aber bisher auch dazu geführt, dass die Gesellschaft nicht zu stark anschwillt und keine Tendenzen der Verarmung da sind – denn gefallene Soldaten konkurrieren nicht mit ihren Geschwistern daheim, können nicht heiraten, keine Kinder zeugen.

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Leben in alten Zeiten: Der Quartierer

Ausspeisung mit der Armensuppe. Gemälde von Albert Anker (1831-1910).

Von Gertraud Steiner, aus „Servus in Stadt & Land“ 11-2017.

Er war meist zerlumpt wie ein Bettler. Aber er besaß einen Heimatschein, ein Armutszeugnis oder Dienstbotenbüchl – und damit das Anrecht auf das täglich Brot und ein Dach über dem Kopf.

Das Mittelalter hatte die Armut noch als gottgefällig angesehen. Kein Reicher sollte in den Himmel kommen, der nicht für Arme und Kranke gesorgt hatte. Spitäler, Stiftungen, Bruderhäuser und Bruderschaften wurden geschaffen, um das menschliche Leid zu lindern. Doch Kriege, Naturgewalten, Brände und Hungerjahre ließen das Heer der Besitzlosen und Elenden immer mehr anwachsen.

Mit der Regierungszeit Maria Theresias und ihres Sohnes Joseph II. nahm sich erstmals der Staat der sozialen Frage an. Man wollte die menschenunwürdige Bettelei, wie es hieß, abschaffen und sparte dafür nicht mit Gewalt und Strafen. Arbeitshäuser, Waisenhäuser und Zuchthäuser wurden zu neuen Errungenschaften.

VAGABUNDEN DROHTEN PRÜGEL

Nicht Mitgefühl und Glaube, sondern Vernunft und Sachlichkeit sollten die Armut besiegen. Das Vermögen der frommen Bruderschaften, einer Vorform der Sozialversicherung, wurde vom Staat eingezogen und an die neu gegründeten Armenfonds und Armeninstitute vergeben, die Armenväter und Armenvögte als Vorstand hatten.

In der Regel blieb diese Rolle dem Pfarrer, der nun zusammen mit der Gemeinde darauf schaute, dass vor allem Waisenkinder und arbeitsunfähige Alte ein Obdach und Verpflegung erhielten. Ein notdürftig uniformiertes Wachorgan fungierte als Armenpolizei, die Vagabunden mit Haft, Prügelstrafe und Abschiebung bedrohte.

Seit dem Heimatrechtsgesetz von 1863, das die Armenpflege zu einer Aufgabe der Gemeinden machte, wurde zäh um die Versorgung der Armen gefeilscht.

Einige Fürsorge durften sich Dienstboten erwarten, die auf dem Hof alt oder krank geworden waren. Die Altersrente für Landarbeiter hingegen wurde erst 1957 verwirklicht. Davor bewahrte sie nur die Familie oder das sogenannte „Einlagesystem“ vor der Obdachlosigkeit: Die Gemeinden wiesen den Unversorgten auf Zeit ein Quartier zu, daher der Name Quartierer oder Einleger.

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Zwischen Himmel und Hölle

Von Miriam Wiegele (Collagen: Andreas Posselt, unter Verwendung der Werke von Otto Wilhelm Thomé, Pierre-Joseph Redouté, William-Adolphe Bouguereau u. a.), aus „Servus in Stadt & Land“, Ausgabe November 2014. (Nachveröffentlichung hier anläßlich Samhain.)

Efeu für Treue, Lilien für Unschuld, Rosen für die Liebe über den Tod hinaus: Wem die Stunde schlägt, dem blüht Verheißungsvolles. Servus-Expertin Miriam Wiegele über goldene Kinderblumen, welkende Orakel und himmlische Düfte.

VERFLOSSEN IST DAS GOLD DER TAGE,
DES ABENDS BRAUN UND BLAUE FARBEN.
aus dem Gedicht „Rondel“ von Georg Trakl (1887-1914)

Früher waren die Menschen überzeugt, dass der Tod nicht plötzlich und unvermittelt kommt, vielmehr schickt der Sensenmann – wie im Märchen – seine Boten. Vorzeichen für den bevorstehenden Tod eines Angehörigen gab es viele: wenn ein Käuzchen ruft, wenn ein Hund unablässig mit gesenktem Kopf heult, wenn der Holzwurm, der „Totenwurm“, besonders laut klopft. Und auch Pflanzen konnten Künder der letzten Stunde sein.

Der Holunder war seit Urzeiten der heilige Baum des Hauses und der Sippenbaum, er war aber auch der Baum des Todes. Verdorrte der am Haus stehende Holunder, so wartete der Tod auf ein Familienmitglied.

Wenn Bäume zur „Unzeit“ blühen, also zum Beispiel jetzt, im späten Herbst, kann das ein schlechtes Zeichen sein. Wenn gar ein Kirschbaum gleichzeitig Blüten und reife Früchte trug, hieß es, dass das Kind des Hauses im selben Jahr sterben würde.

Blüht die Hauswurz (Sempervivum tectorum), die als Blitzschutz am Dach wuchs, mit vielen Blüten, so war das ein schlimmes Zeichen für die Hausbewohner. Wenn es dann um einen Kranken schlecht bestellt war, empfahl es sich, das „Fette-Hennen-Orakel“ zu befragen. Man hängte von der Fetten Henne (Hylotelephium telephium) einen Stengel samt Blättern und Blüten an einem Faden über das Bett des Kranken. Blühte die Fette Henne weiter, was bei einer solchen saftspeichernden Pflanze durchaus möglich ist, würde der Kranke wieder gesund werden. Wenn sie bald vertrocknete, stand dagegen das Ende bevor.

Die Fette Henne diente auch als Orakelpflanze, wenn man erfahren wollte, wie es einem abwesenden Angehörigen geht, da man schon länger nichts mehr von ihm gehört hatte. Es wurden ein paar Stengel der Pflanze abgebrochen und aufgehängt. Welkten einige Blätter, deutete dies auf Krankheit hin, wobei noch genauer beobachtet wurde: Welkten die Blätter an der Spitze, bedeutete dies eine Krankheit über der Gürtellinie; wurde der Stengel braun, handelte es sich um eine Krankheit unter der Gürtellinie; welkte die gesamte Pflanze, so bedeutete das etwas wirklich Schlimmes.

Ein Geruch, der Dämonen abwehrt

Wenn des Menschen Herz aufhört zu schlagen und er seinen letzten Atemzug ausgehaucht hat, entschlüpft seine Seele der leiblichen Hülle. Doch sie findet nicht sofort den Weg in die jenseitige Welt, die Überlieferungen aller Völker sagen das, und auch die moderne Sterbeforschung berichtet davon.

Während der Zeit der Totenwache ist die Seele noch nahe. In dieser Übergangsphase bedarf sie eines besonderen Schutzes vor negativen Einflüssen. Der dämonenabwehrende Duft von Kräutern, der Rauch von Harzen, das Licht der Kerzen und die Gebete und Gesänge schützen die Seele, bevor sie sich auf ihre letzte Reise begeben kann.

Blumen und Kräuter spielten immer eine wichtige Rolle in den meisten Totenkulten. Der Brauch, den Toten auf Blumen zu betten, ist uralt und wurde erstmals bei den Neandertalern belegt, wie Pollenanalysen zeigten.

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Holunder: Früchte vom Baum der Seelen

Von Miriam Wiegele (Illustrationen: Andreas Posselt), aus „Servus in Stadt & Land“, Ausgabe September 2014. (Nachveröffentlichung hier anläßlich Samhain.)

Weiße Schneeflocken-Blüten im Frühjahr, blauschwarze Beeren jetzt, zur Erntezeit. Wie keine andere Heilpflanze verkörpert der Holunder in seinem Wesen Neubeginn und Ende.

Groß ist die Begeisterung der Menschen für den Holunder, wenn er blüht, verbinden wir dies doch mit der Zeit, wo der Frühling alle Pflanzen strahlen lässt. Jetzt leuchten seine schwarzvioletten Früchte von den Sträuchern und erinnern uns mit ihrer Farbe daran, dass bald wieder die dunkle Zeit kommt.

Früher wuchs in jedem Bauernhof ein Hollerstrauch. Der Schwarze Holunder folgte dem Menschen überall hin, als wollte er von ihm adoptiert, gehegt und gepflegt werden. Man könnte ihn in der Sprache der Botaniker als eine anthropochore Pflanze bezeichnen, also (aus dem Altgriechischen abgeleitet) als eine Pflanze, „die mit dem Menschen tanzt“.

Diesen Hofholunder betrachtete man als Sippenbaum, als Baum, in dem die Seelen der Ahnen wohnten und so wie die Frau Holle, die ebenfalls in diesem Baum saß, die Familie vor Unglück und Schaden schützten.

Frau Holle oder Holda nannte man diese Göttin und war der Meinung, dass ihr Name den gleichen Ursprung wie die noch heute gebräuchlichen Worte wie hold oder Huld habe und dass auch der Name des Holunders daher stammt.

Die Sprachwissenschaft bezweifelt dies allerdings. Der Name stammt ihrer Meinung nach von den alten indogermanischen Wortwurzeln für „schwarzer Baum“. Dennoch wurde der Baum in ganz Nordeuropa mit Hochachtung als „Frau Holler“ angesprochen.

Der Ethnobotaniker Wolf-Dieter Storl ist diplomatischerweise der Meinung, dass der schwarze Baum auch der Baum der schwarzen Göttin ist, denn Frau Holle war bei den Kelten die Erdmutter, die Schwarze Göttin.

Die Holle zeigt sich im Lauf des Jahres in zwei Gestalten: als Lichtjungfrau Brigid zu Beginn des Jahres und als Totengöttin Frau Percht im Winter.

Diese zwei Seiten findet man auch beim Holunder, der im Jahreslauf sein Erscheinungsbild eindrucksvoll wechselt. Im Frühjahr zeigt er Blüten, so weiß und filigran wie Schneeflocken, die, wenn sie verblüht sind und zu Boden fallen, wie eine Schneedecke dort liegen. Im Herbst trägt der Holunder fast schwarze Beeren, deren Saft lang anhaltend und dunkel färbt wie Pech.

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Wie man nach Europa kommt – Anleitung für Senegalesen – Teil 2

Französische Originaltitel: Europe 2008: le pack slavopolak vom 9. Januar 2008, Europe 2010: les nouveautés vom 6. Januar 2010 und France 2012 : les nouveautés vom 17. April 2012. Alle drei erschienen auf Senegalaisement.com. Übersetzt von Osimandia (ursprünglich veröffentlicht auf „As der Schwerter“; hier ohne die leider nicht mehr verfügbaren Bilder wiedergegeben).

Hier geht es zu Teil 1

Im Sommer 2006 haben wir sechs Pakete vorgestellt, mittels derer man sein Heimatland in Richtung Europa verlassen kann. Wie viele Zehntausende Senegalesen sind wohl seither erfolgreich in den Schengenraum gelangt? Es gibt keinen einzigen Senegalesen, der nicht mindestens ein Familienmitglied hat, das während der vergangenen zwei Jahre aus seinem Land ausgewandert ist. Aber wie viele haben den Tod gefunden, weil sie idiotischerweise das Paket D-Day ohne jegliche Vorbereitung und ohne jegliche Sicherheitsvorkehrungen gebucht haben, wie wir sie empfohlen haben??? Ein Paket D-Day ist nichts für einen Analphabeten, der nicht in der Lage ist, zu verstehen, dass man sich vergewissern muss, dass Schwimmwesten und Seenot-Leuchtraketen vorhanden sind und das Boot mit GPS ausgestattet ist, bevor man an Bord geht.

Nach ausgedehnten Recherchen haben wir jetzt ein neues Paket entworfen, eines das preiswert und ohne Gesundheitsrisiko ist, und eine legale Einreise in den Kontinent ermöglicht. Es ist das Paket, das im Jahr 2008 vorzugsweise benutzt werden sollte. Wir haben es Paket Slawopolack getauft.

Eindringen nach Europa über den Osten:

Paket Slawopolack

Grün: Schengenraum - Zielländer Dunkelgrau: Intermediäre Zone/Eindringen und Transit leicht Weiß: Slawopolackei/ Eindrungen sehr leicht

Grün: Freies Europa (Schengenraum) ——>Zielländer Grau: Intermediäre Zone/Eindringen u. Transit leicht Weiß: Slawopolackei/Eindringen sehr leicht

Das direkte Eindringen auf das Territorium des Freien Europas (Schengenraum) gestaltet sich immer schwieriger. Aber viele Leute vergessen oft, dass die Europäische Union, der Schengenraum, nur einen kleinen Teil Europas ausmacht. Das ist, als ob man Afrika auf die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft reduzieren würde!

Wenn also auch die Einwanderungsbestimmungen des Freien Europas (Schengenraum) restriktiver geworden sind, sind zahlreiche osteuropäische Länder gegenüber afrikanischen Besuchern sehr offen geblieben. Diese Länder sind überwiegend von Slawen bevölkert, von denen die Polen eine Unterfamilie bilden, deren Sprache den ostslawischen Sprachen nahe verwandt ist. Wir haben diese Zone, die von Quartalssäufern bevölkert wird, daher Slawopolackei genannt.

Die Regel ist ganz einfach: Je weniger Sie von einem Land gehört haben, desto leichter bekommen Sie ein Visum für dieses Land. Moldawien oder Weißrussland sind offensichtlich die geeignetsten Eingangstore ins Freie Europa. Mazedonien, Albanien, Montenegro und Serbien folgen danach. Russland und Kroatien kommen an letzter Stelle der Kandidaten für das Paket Slawopolack.

Das massenhafte Eindringen über diesen Weg wird noch vor dem unvermeidlichen Anschluss dieser slawopolackischen Republiken an die Europäische Union empfohlen. Tatsächlich absorbieren die Europäische Union und der Schengenraum jedes Jahr neue Länder und machen die Einreise in den Kontinent für afrikanische Touristen und Reisende immer schwieriger (wenn die Dreckschweine der Europäischen Kommission Papua-Neuguinea Europa anschließen könnten, würden sie das tun…)

Wie ist vorzugehen und was kostet die Operation?

Vor allem muss man unbedingt einen Reisepass haben, was im Senegal kein ganz einfaches Unterfangen darstellt, seit es diese neuen biometrischen Pässe gibt.

Wenn man im Besitz des Passes ist, heißt es, die Reise vorzubereiten, indem man mehrere Parameter berücksichtigt.
Beachten Sie, dass ein Direktflug in die Intermediäre Zone oder die Slawopolackei nicht von Dakar aus empfohlen wird. Man muss bei diesen Flügen zwangsweise ein Land des Schengenraums durchqueren. Und das gestaltet sich nicht ganz unproblematisch, weil gewisse Länder ein „Transitvisum“ verlangen.

In der Theorie ist es so, dass wenn ein senegalesischer Staatsbürger in der so genannten „internationalen Zone“ eines Flughafens des Schengenraum bleibt, er kein Transitvisum braucht. Wenn er also in Madrid nur das Flugzeug wechselt, ohne die internationale Zone zu verlassen, ist das Transitvisum nicht erforderlich. Aber manche Länder verlangen von Senegalesen auch dann, im Besitz eines Transitvisums zu sein, wenn sie in der internationalen Zone bleiben: Das ist insbesondere der Fall in Portugal, Litauen, Italien und… Frankreich! (sehen Sie das PDF-Dokument ein, in dem die Lage zusammengefasst ist und die betroffenen afrikanischen Nationalitäten auch aufgelistet sind)

Nur wenige Fluggesellschaften fliegen von Dakar aus, und die Auswahl ist daher begrenzt: Es bleiben für den Transit nur Belgien (SN Brussels Airlines), Spanien (Iberia & Air Europa) und Deutschland (Lufthansa).

Es handelt sich also zum Beispiel um ein Flugticket Dakar – Minsk (Weißrussland) über Berlin mit der Lufthansa. Es sollte darauf geachtet werden, dass der Zwischenstopp recht kurz ist, damit Sie nicht auf dem Flughafen kampieren müssen, weil Sie nicht das Recht haben, ihn zu verlassen. Klären Sie das mit Ihrem Reisebüro!

Abhängig von der Qualität des Reisebüros und dem slawopolackischen Zielstaat müssen Sie von 850 bis 1.600 Euro für das Flugticket Dakar – Slawopolackei ausgehen, zu dem Sie noch die Kosten für das Visum (durchschnittlich 40 Euro) dazurechnen müssen.

Seien Sie auf der Hut: Gewisse Personen werden versuchen, Sie zu entmutigen! Vor allem Ihre Familie, die bereits in Europa ist! Manche werden Ihnen mit nebulösen Ausflüchten („Buuuh, Europa ist nicht schön, es lohnt sich nicht, herzukommen“) sagen, dass das Paket Slawopolack nicht gut ist. Sie wollen einfach nur nicht, dass Sie kommen und sich bei ihnen einquartieren! Manche Reisebüros könnten ebenfalls versuchen, Sie zu entmutigen, weil sie die Gesetze des Schengenraums nicht kennen. Lassen Sie sich davon nicht beirren.

Wenn Sie erst einmal in der Slawopolackei sind, ist das Eindringen ins Freie Europa recht einfach: Rufen wir uns ins Gedächtnis, dass gewisse slawopolackische Länder noch im Mittelalter leben: Es sind Länder von Quartalssäufern. Moldawien ist schlechter ans Internet angeschlossen als der Senegal und der letzte rumänische Diktator Nicolae Ceaucescu war ein Blutsäufer wie Mobutu Sesse Kuku Gbendu Wazabenga! Das heißt, dass die Korruption in diesen Ländern ausgeprägter als in Afrika ist und eine kleine Banknote (keine CFA-Francs, aber zum Beispiel Rubel oder Leu) in die Hemdentasche eines Polizisten geschoben für eine zügige Regelung der Affären in diesen Ländern sorgt. Es ist also sehr leicht, an die Grenze zum Schengenraum zu gelangen. Dort beginnt der schwierigste Teil der Reise, der überwunden werden muss: Wenn Sie erst einmal die Grenze zum Freien Europa überwunden haben, können Sie sich im ganzen Schengenraum ohne Grenzkontrollen bewegen.

Für das Eindringen ins Freie Europa bieten sich Ihnen zwei Möglichkeiten:

  • Die Grenzüberquerung in oder unter einem Fahrzeug mit oder ohne Mitwisserschaft des Besitzers (wählen Sie dafür eher kleine Grenzposten)
  • Die Grenzüberquerung über die Felder in ländlichen Zonen ohne jegliche Grenzkontrolle.

In beiden Fällen ist Vorbereitung und ein Plan unerlässlich. Stürzen Sie sich nicht einfach so in die Grenzüberschreitung, auch wenn sie nicht sonderlich schwierig ist. Ideal ist die Durchführung im Frühling, vor allem für den Fall, dass Sie die Grenzüberschreitung über die Felder wählen.

Wenn Sie erst einmal die Schengengrenze überschritten haben, sind Sie frei!!!!!!!!!!! Sie können ohne jegliche Probleme den Bus oder den Zug nehmen, um sich in das Schengenland Ihrer Wahl zu begeben.

Wo geht man hin, wenn man erst einmal die Slawopolackei hinter sich gelassen hat?

Das sozialistische Spanien ist immer noch das erträumte Eldorado und alle Umfragen sehen Zapatero (den alten Latschen) als Gewinner der kommenden Wahlen im März 2008. Es ist sehr wahrscheinlich, dass er – selbst wenn er keine Massen-Aufenthaltslegalisierungen wie im Jahr 2004 durchführen wird, die Erlangung von Aufenthaltsgenehmigungen für Senegalesen stark erleichtern wird. Rufen wir uns ins Gedächtnis, dass er der Urheber großzügiger Programme für Saisonarbeits-Genehmigungen für senegalesische Staatsbürger war, von denen 80% in Spanien geblieben sind, anstatt in den Senegal zurückzukehren, wie es in ihrem Vertrag vorgesehen war. Spanien scheint das beste Zielland zu sein, zumindest während der kommenden vier sozialistischen Jahre.

Italien könnte sich auch als interessant herausstellen, insbesondere für Muriden, die Handel treiben wollen (zahllose Touristenorte und dank der Sonne die Möglichkeit, gefälschte Ray-Ban-Sonnenbrillen auf den Gehsteigen zu verkaufen, insbesondere vor dem Kollosseum in Rom).

Die Zwergstaaten (Monaco, Vatikan, San Marino, Andorra, Groland, Liechtenstein) sind völlig von der Liste zu streichen, und zwar wegen ihrer horrenden Mietpreise, dem Fehlen von Sozialhilfe und ihrer sehr restriktiven Ausländergesetzgebung.

Frankreich und Belgien bleiben nach Spanien die zwei Länder, in denen es sich am leichtesten eine ruhige Kugel schieben lässt und wo man sich am besten akklimatisieren kann: Ganze Stadtviertel in allen französischen und belgischen Städten sind bereits fast ausschließlich von Auswanderern aus dem Senegal bewohnt. Soziale Hilfestellungen und Angebote für senegalesische Staatsbürger, ob legal oder illegal, sind immer noch zahlreich trotz einer leichten Verschlechterung, die seit den letzten französischen Präsidentschaftswahlen und dem Erstarken der flämischen Nationalisten in Belgien festzustellen ist: Die Rechte ist das Übel!

Wo und wie beschafft man sich ein Visum für die slawopolackischen Staaten oder ein Land aus der intermediären Zone?

Manche Länder haben eine diplomatische Vertretung im Senegal:

  • Intermediäre Zone: Tschechische Republik, Rumänien, Griechenland, Ungarn
  • Slawopolackei: Russland, Polen

Es ist offensichtlich, dass es die einfachste und schnellste Methode ist, sich direkt an diese Botschaften zu wenden. Sie sollten versuchen, das Visum in den Botschaften, die in Dakar vertreten sind, auf Anhieb zu bekommen, und beachten, dass für ein verweigertes Visum keine Gebührenrückerstattung gewährt wird.

Aber die Länder der Quartalssäufer, die am problemlosesten Visa ausstellen, haben keine Botschaften im Senegal. Das sind insbesondere Moldawien, Serbien, Albanien, Weißrussland, usw.

Die beste Lösung – und die, die wir Ihnen empfehlen – ist daher, die Dienste eines Freundes oder Familienangehörigen in Europa in Anspruch zu nehmen. Alle europäischen Länder haben in ihren Hauptstädten slawopolackische Botschaften. Ihre persönliche Anwesenheit ist für die Ausstellung des Visums nicht erforderlich! Wenn Ihre Familienangehörigen im Hinterland weit entfernt von Paris, Rom oder Madrid leben, können sie den Antrag auf das Visum sogar per Internet über Seiten wie Action Visa stellen.

Manche Länder verlangen eine Adresse oder eine Hotelreservierung, bevor sie das Visum ausstellen.

Gehen Sie bei der Planung Ihrer Operation sorgfältig vor! Achten Sie auf das Ablaufdatum Ihres Reisepasses (Hin- und Rückreise), die Zeit, die für die Visumerstellung veranschlagt werden muss, die Reisevorbereitung (Ankauf des Flugtickets, Hotelreservierung, usw.). Es ist klüger, ein gewünschtes Einreisedatum anzugeben, welches mindestens zwei Monate nach dem Datum der Antragsstellung liegt.

[Anm.d.Ü.: Im französischen Original sind nachfolgend die Adressen der Botschaften der Tschechischen Republik, Russlands, Rumäniens, Polens, Ungarns und Griechenlands in Dakar aufgeführt, sowie Links zu drei Internetseiten, über die man online Visa beantragen kann.]

Achtung: Die Gesetze zur Visumerteilung und Einreise ändern sich in allen Ländern regelmäßig abhängig von Wahlen. Sie können uns nicht für einen Fehlschlag verantwortlich machen! Sie müssen sich selber detailliert über die aktuellen verwaltungsrechtlichen Elemente Ihrer Operation kundig machen, wenn Sie sich entschieden haben, sie auszuführen.

Zur Info sind hier einige Antragsformulare, damit Sie einen Eindruck davon bekommen, wie so etwas ungefähr aussieht (nichts im Vergleich zu den skandalösen Anforderungen, die von den Ländern im Schengenraum für die Vergabe eines Touristenvisums gestellt werden): Weißrussland, Albanien, Moldawien, Russland.

Vorteile

  • Unfallrisiko gleich null
  • Vollkommen legales Eindringen auf den europäischen Kontinent
  • Schnelle Reise
  • Die Möglichkeit, vor Ihrem Eindringen in den Schengenraum die touristischen Attraktionen der slawopolackischen Länder zu besichtigen
  • Moderate Investition
  • Fehlschlagrisiko gleich null
  • Keinerlei biometrische Erfassung ihrer Fingerabdrücke beim Antrag auf ein slawopolackisches Visum und daher auch keine Möglichkeit, Ihr Herkunftsland zu ermitteln und Sie auszuweisen, wenn Sie erst einmal im Schengenraum sind.
  • Für jedes Alter und Geschlecht geeignet

Nachteile:

  • Sprachschwierigkeiten bei der Durchreise durch die Slawopolackei und/oder intermediäre Zone

Zu Ihrer Information einige nützlichen Sätze [Anm.d.Ü.: im Original mit anklickbaren Hörproben]:

Moldawisch (gebräuchlich in Rumänien und Moldawien):

Ich kenne ein Mädchen in Frankreich – Cunosc o fata în Franta
Ich möchte nach Sarcelles gehen – Vreau sa merg la Sarcelles
Das Auto war nirgends – Masina n-a fost nicaieri

Albanisch (gebräuchlich in Albanien und im Kosovo):

Sprechen Sie wolof? – Flisni wolof ?
Ein Freund in Not ist auch ein Freund (albanisches Sprichwort) – Miku i mirë njihet në ditë të vështirë
Haben Sie Klopapier? : A keni letër higjienike?

Schnelle Methoden, um sich das notwendige Miniumum für die Passage durch die Slawopolackei in anderen Sprachen (tschechisch, bosnoserbisch, serbokroatisch, mazedonisch-montenegrinisch, russisch, slowenisch, bulgarisch, usw.), anzueignen, sind im Internet verfügbar. Lassen Sie sich jedoch nicht entmutigen und halten Sie sich mit einem so unwichtigen Detail nicht unnötig auf!

Wichig zu wissen: Manche Länder – und das ist insbesondere für Kroatien der Fall – haben die Aufnahme in die Europäische Union (das Freie Europa) beantragt. Das dürfte innerhalb kurzer Frist gewährt werden. Der Erhalt einer Aufenthaltserlaubnis oder gar Staatsbürgerschaft in diesen Ländern ist sehr leicht. Wenn Sie eine solche slawopolackische Staatsangehörigkeit erlangen, haben Sie ab dem EU-Beitritt dieses Landes tatsächlich die Möglichkeit, sich in jedem Land der Europäischen Union niederzulassen, zu arbeiten und Anspruch auf die dortigen Sozialleistungen zu erheben. In manchen dieser Quartalssäuferländer, die noch im Mittelalter leben, lässt sich die Staatsbürgerschaft leicht mittels eines „Arrangements“ erlangen…

Kostenschätzung für das Paket Slawopolack: 1.800 Euro (Flugticket in die Slawopolackei + Visum + Pass + Transport ins Freie Europa)

Für Ihre erste Nacht in der Slawopolackei stehen eine große Zahl ordentlicher und gut geführter Hotels zur Verfügung, aber es ist ratsam, im voraus zu reservieren, dann sind Sie am Flughafen ruhiger. Außerdem verlangen manche Botschaften eine Adresse oder Hotelreservierung bei der Visumvergabe. [Anm.d.Ü.: Nachfolgend sind im Original noch Adressen von Pensionen und Hotels in Moldawien, Albanien, Weißrussland und Serbien aufgelistet]

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Die Fechtschule „Alte Kampfkunst“

Eine authentische Rekonstruktion der Schwertkampfkunst basiert auf echten historischen Quellen, den Fechtbüchern.

Aus dem Historie-Magazin „Karfunkel Combat“, Ausgabe Nr. 10 (einschließlich der Bilder).

Historisches Fechten ist etwas ganz anderes als choreographierter Schaukampf. Vielmehr geht es darum, genau jene Techniken zu erlernen, die unsere Vorfahren im ernsthaften Kampf um Leib und Leben einsetzten. „Alte Kampfkunst“ ist eine der wenigen professionellen Schulen für Historisches Fechten.

Auch wenn mittlerweile beim Schaukampf etwas mehr A-Faktor als früher zu finden ist und auch einige historische Elemente Einzug gefunden haben, so ist er dennoch von richtiger Kampfkunst weit entfernt. „Schau-Kampf“ ist eben eine Schau zur Unterhaltung von Zuschauern und kein echter Kampf. Historische Fechter widmen sich dagegen der Rekonstruktion der echten Kampftechniken, wie sie in den alten Quellen überliefert wurden. Auch wenn heutzutage nicht mehr auf Leben und Tod gekämpft wird, ist die Authentizität der Methoden wichtig. In der Schule „Alte Kampfkunst“ in Wuppertal wird Historisches Fechten mit dem Langen Schwert und dem Kavalleriesäbel gelehrt sowie die historische Selbstverteidigungskunst Bartitsu. Karfunkel sprach mit Inhaber und Trainer Stefan Dieke über Historisches Fechten und den A-Faktor.

Stefan Dieke ist hauptberuflicher Lehrer für Historisches Fechten.

K.: Stefan, deine Schule heißt „Alte Kampfkunst – Historical European Martial Arts Academy“. Warum diese Anglizismen?

S.D.: Zum einen kommen auch Schüler und Seminarteilnehmer aus dem Ausland zu mir, zum anderen ist „Historical European Martial Arts“ (HEMA) der international gebräuchliche Begriff für das, was wir trainieren.

K.: Ist HEMA denn nicht das Gleiche wie Schwertkampf?

S.D.: Das kann man so allgemein nicht sagen. Zum einen gibt es im Rahmen der Historischen Europäischen Kampfkunst ein großes Arsenal an Waffen, zum anderen ist nicht jede Form des „Schwertkampfes“ auch Historische Fechtkunst.

Die Beherrschung des Schwerts, die Kontrolle über die Waffe wird bei der Alten Kampfkunst immer und immer wieder geübt.

K.: Was ist bei der Historischen Fechtkunst anders als bei anderen Formen des Schwertkampfes?

S.D.: Uns interessiert die erfolgreiche Rekonstruktion von Kampfsystemen – überliefert in alten Quellen, wie den seit dem Spätmittelalter existierenden Fechtbüchern. Dabei möchten wir so wenig Abstriche bei den Techniken machen wie möglich. Wir nutzen moderne Schutzkleidung, um dies ohne ein ernsthaftes Verletzungsrisiko ermöglichen zu können.

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Die Mächtigen von Brodgar

Aufrecht trotzten sie jahrtausendelang den Unbilden der Natur: Die Steine des „Ring of Brodgar“ stehen seit rund 4500 Jahren auf der Hauptinsel der Orkneys. Sie bilden einen der größten Steinkreise Britanniens. Ganz in der Nähe graben Archäologen ein Zentrum mit tempelartigen Monumentalbauten aus. Die Funde zeigen: In der Jungsteinzeit entwickelte sich hier, am nördlichsten Zipfel Schottlands, eine einflussreiche Kultur.

Von Angelika Franz, aus „bild der wissenschaft“ 11/2013 (einschließlich der Bilder).

Auf den Orkney-Inseln haben Menschen lange vor Stonehenge den ersten Steinkreis gebaut, neue Keramik erfunden und mit Farben experimentiert. Archäologen sind den Erbauern eines kulturellen Zentrums auf der Spur.

STONE… WAS? HENGE… WO? Wenn ein Zeitreisender im Britannien der Jungsteinzeit vor 5000 Jahren nach dem Weg zu den berühmten Steinkreisen in der Ebene von Salisbury gefragt hätte, wäre er auf Unverständnis gestoßen. Nach genauerem Erklären hätte der Befragte genickt: „Ah, du willst zu den großen Steinkreisen!“ Und dann hätte er den Zeitreisenden nach Norden geschickt: „Da entlang! Hinauf zu den Orkney-Inseln, dort findest du, was du suchst!“

Wie ein Zeitreisender kommt man sich auch als heutiger Besucher vor. Ein Sturm fegt über die zerzausten Wiesen und biegt die Disteln, die höchsten Pflanzen weit und breit, bis auf den Boden. Der dunkelgraue Himmel hängt so tief über der UNESCO-Welterbestätte „Heart of Neolithic Orkney“, dass man Angst haben muss, sich den Kopf zu stoßen. Für das Wetter entschädigt der Anblick: Steine, so weit das Auge reicht. Steine, die heute noch so im Kreis in der wilden Landschaft stehen, wie jungsteinzeitliche Baumeister sie vor Jahrtausenden aufgestellt haben. Gegen sie ist Stonehenge mit seinem bescheidenen Durchmesser von etwa 50 Metern eine kleine Kopie. Am ältesten Megalithring der Orkneys, den „Standing Stones of Stenness“, begannen die Bauarbeiten schon ein halbes Jahrtausend, bevor in Stonehenge der erste Stein stand. Und der größte Steinkreis, der „Ring of Brodgar“, ist mehr als doppelt so groß.

Weltkulturerbe und Touristenmagnet: Der „Ring of Brodgar“ hat einen Durchmesser von 104 Metern. 27 Steine sind heute noch erhalten, manche wurden wieder aufgerichtet. Vollständig erforscht ist der „Henge“ nicht.

Vor zehn Jahren entdeckten Archäologen eine Ansammlung von Gebäuden auf der schmalen Landbrücke zwischen den Standing Stones of Stenness und dem Ring of Brodgar. Und mit jeder neuen Grabungskampagne auf dem „Ness of Brodgar“ (englisch „Ness“: Landzunge) wird klarer: Hier stand im Neolithikum ein mächtiges Zentrum, von dem aus Impulse in Kunst und Architektur nach ganz Britannien ausstrahlten. Wo an der Nordspitze Schottlands der Atlantik und die Nordsee aufeinandertreffen, schlug das kräftige Herz einer bedeutenden Kultur.

Das Grabungsareal auf der schmalen Landzunge „Ness of Brodgar“ ist groß. Bisher haben die Archäologen erst zehn Prozent der Funde freigelegt. Von der Plattform aus (links) können sich Besucher einen Überblick verschaffen.

Die Computer-Rekonstruktion zeigt, wie die Gebäude auf der Landzunge „Ness of Brodgar“ ausgesehen haben könnten. Als Wohnhäuser erscheinen sie den Archäologen zu groß – sie vermuten eine kultische Nutzung.

ZUM GLÜCK KEINE BÄUME

In der Jungsteinzeit haben die Menschen das Leben als Jäger und Sammler aufgegeben. Sie zogen nicht mehr Tierherden hinterher, sondern begannen, Häuser zu bauen und Samen gezielt in den Boden zu legen. Der Boden der Orkneys ist fruchtbar, das Klima mild – bedingt durch den Golfstrom. Hier wächst so ziemlich alles, solange es niedriger als einen Meter ist. Denn der beständige kräftige Wind, der im Winter zu brutalen Stürmen anschwillt, vernichtet alles, was seinen Kopf zu weit herausstreckt. Was es auf den Orkneys also kaum gibt, sind Bäume. Und damit kein Holz, um Häuser daraus zu bauen. Wohl oder übel mussten die Menschen der Jungsteinzeit ihre Gebäude hier aus Steinen errichten.

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