Michael Hoffmans „They Were White & They Were Slaves“

Von Spencer J. Quinn, übersetzt von Lucifex. Das Original Michael Hoffman’s They Were White & They Were Slaves erschien am 15. Oktober 2020 auf Counter-Currents Publishing.

Michael Hoffman
They Were White and They Were Slaves: The Untold History of the Enslavement of Whites in Early America
Dresden, New York: Wiswell Ruffin House

Ungefähr alle paar Jahre kommt ein Buch daher, das einem die Fundamente wegreißt und einen dazu bringt, so ziemlich alles wieder in Frage zu stellen. Für mich sind Kevin MacDonalds Culture of Critique und Alexander Solschenizyns Archipel Gulag zwei solche Bücher. Michael A. Hoffmans They Were White and They Were Slaves ist ein weiteres.

Ich erfuhr erstmals durch Jim Goad von diesem Buch, der von Greg Johnson für Counter-Currents interviewt wurde. Wenn ich mich richtig erinnere, diskutierte Goad seine etwas reservierte Haltung zum weißen Nationalismus und zitierte dieses Buch als entscheidende Zutat zu seiner einzigartigen und individualistischen Identität. „Ich mache keine Gruppenumarmungen“, erklärte er rundheraus. Sofort empfand ich das Bedürfnis, es zu lesen.

Ich könnte dem eine banale Aussage folgen lassen wie „Ich wurde nicht enttäuscht“ oder „Es stellte sich als besser als erwartet heraus“, aber meine Reaktion auf diesen aufklärenden Band war die eines gescholtenen Kindes, das weiß, daß es im Unrecht war, und dankbar ist, daß die Schimpfe nicht schlimmer gewesen ist. They Were White and They Were Slaves erzählt die Geschichte der brutalen und tragischen (und wenn ich sagen darf, peinliche) Geschichte von Weißen, die andere Weiße versklaven, zum Großteil auf den britischen Inseln und im kolonialen Amerika. Jede Seite des Buches schmerzt. Zum Vergleich: ich verschlang beinahe das Kapitel in Benjamin Ginsburgs How the Jews Defeated Hitler, das die jüdische Kriegstreiberei vor dem Zweiten Weltkrieg behandelte. Ich widmete mehr als ein Drittel meiner Rezension allein diesem Kapitel. Ich verschlang Robert Davis‘ Christian Slaves, Muslim Masters mit derselben Hingabe. Warum? Weil diese Bücher mir jemanden gaben, dem ich die Schuld geben konnte. Das heißt, jemand anders als Weißen. Michael Hoffman erlaubt nicht dieselbe Art von Ausweg, daher wird jeder Weißenfürsprecher oder Identitäre es schlucken müssen, während er They Were White and They Were Slaves liest.

*  *  *

Die mehreren Narrative in Verbindung mit They Were White and They Were Slaves erfordern separate Analysen. Als erstes gibt es die gemeinverständliche Natur des Phänomens. Natürlich hatten Weiße ihresgleichen die gesamte Geschichte hindurch versklavt, wie es alle Völker getan haben. Hoffman spricht das an und erwähnt kurz die Rolle der Wikinger im globalen Sklavenhandel während des Mittelalters sowie die zeitgenössische Versklavung von Weißen durch Weiße in Rußland, die etwas anderes als Leibeigenschaft war. Aber Hoffman fokussiert sich zum Großteil auf den scharfen Anstieg der Nachfrage nach billiger Arbeitskraft und deren Transport, den die Entdeckung der Neuen Welt auslöste. Mehr als zwei Jahrhunderte lang wurden das koloniale Amerika und die Karibik zu Brutstätten der Versklavung von Weißen. Zum Beispiel machten um 1627 weiße Sklaven mehr als vier Fünftel der 25.000 Sklaven auf Barbados aus. Während dieser Zeit wurde „barbados“ in England als Verb benutzt, um die Entführung armer Weißer auf den Straßen und ihre Verschiffung als Sklaven in die Karibik zu bezeichnen.

Hoffman liefert eine umfassende und ziemlich widerliche Darstellung des erbärmlichen Elends, das große Zahlen von Weißen in England vom sechzehnten bis ins neunzehnte Jahrhundert erdulden mußten. Als Ergebnis einer weitverbreiteten Landenteignung, die gegen Ende der Herrschaft von Queen Elizabeth I. stattfand, wurden große Zahlen englischer Freibauern von ihren Familienhöfen vertrieben und strömten in die Städte, was die doppelte Krise der Überbevölkerung und der Armut schuf. Hoffman zitiert ausführlich Herman Melville, der noch 1839 Zeuge des massenhaften Verhungerns auf den Straßen von Liverpool wurde. In einer Passage besuchte der schwarze Sklave von John Randolph aus Roanoke Irland mit seinem Herrn und wurde beim Anblick der weitverbreiteten Armut und des Elends dazu bewegt, über seine höhere Stellung im Leben nachzudenken.

Und Arbeit war nicht unbedingt ein Ausweg für diese Leute, sofern sie nicht einen frühen Tod brachte – besonders für Kinder. Hoffman schätzt, daß die Sterblichkeitsrate für Kinder im Arbeitshaus neunzig Prozent war.

Im England des 19. Jahrhunderts wurden tausende weiße Kinder als Sklavenarbeiter in britischen Kohlebergwerken beschäftigt. Kleine weiße Jungen, sieben Jahre alt, wurden wie Esel vor Kohlenkarren gespannt und mußten sie durch Bergwerksstollen ziehen. Im Jahr 1843 arbeiteten vierjährige weiße Kinder in den Kohlegruben. Auf alten englischen Friedhöfen kann man Inschriften auf Grabsteinen sehen wie „William Smith, acht Jahre alt, Bergmann, gestorben am 3. Januar 1841.“

Unter diesen aufwühlenden Umständen pflegten unternehmerische Männer, die „spirits“ genannt wurden, „press gangs“ zu bilden und arme Weiße für die lebenslängliche Knechtschaft in der Neuen Welt zu entführen – alles gegen eine Gebühr. Kinder wurden ganz buchstäblich von den Straßen geschnappt, manchmal in Anwesenheit ihrer Eltern oder Geschwister, um nie wiedergesehen zu werden. Natürlich fand diese Praxis die stillschweigende Billigung vieler in der Aristokratie – wie in Robert Louis Stevensons Klassiker Kidnapped (dt. Entführt, oder Die Abenteuer des David Balfour) dargestellt. Reiche Kaufleute transportierten diese unglücklichen Seelen dann in den Laderäumen gewöhnlicher Frachtschiffe zum amerikanischen Doppelkontinent – eine Reise, die mindestens genauso gefährlich und tödlich war wie der viel berühmtere transatlantische Sklavenhandel mit Afrikanern. Hoffman schätzt, daß Hunderttausende armer Weißer aus England, Irland und Schottland, von denen viele Kinder waren, solch ein grauenhaftes Schicksal fanden. Die Etymologie des Begriffs „kidnap“ – wie in nabbing kids, Kinder stehlen – bezeugt dieses entsetzliche Phänomen.

Die englischen Behörden waren auch recht schlau darin, wie sie dieses Verhalten darstellten. Meistens hieß es, dies seien Kriminelle gewesen, denen man den Galgen erspart und gnädigerweise eine zweite Chance in der Neuen Welt als Schuldknechte (indentured servants) gegeben hätte. Um diese Lüge zu rechtfertigen, senkten die Behörden beträchtlich die Latte hinsichtlich dessen, was einen Kriminellen ausmacht. Wenn man einen Hirsch wilderte oder am Sonntag einen Gottesdienst ausließ oder einen Laib Brot stahl, um seine hungernden Kinder zu ernähren, dann hatte man eine realistische Chance, barbadosiert zu werden. Politische Gefangene ebenfalls.

Hoffman beschreibt detailliert die Schrecken, mit denen weiße Sklaven im Amerika der Kolonialzeit konfrontiert waren: die Ketten, die Folter, die Auspeitschungen, die Vergewaltigungen, die Morde, die Selbstmorde, die unaufhörliche körperverbiegende Arbeit. Die Gesetze gegen entflohene Sklaven waren streng und wurden nahezu allgemein durchgesetzt. Flucht oder Fluchthilfe wurde brutal bestraft. Hoffman zeigt auch auf, wie betrügerisch die Indenturknechtschaft in Wirklichkeit war. Ja, in manchen Fällen bekam jemand ein Stück Land und seine Freiheit, nachdem er seine Zeit abgedient hatte. Aber in den meisten Fällen pflegten die weißen Sklavenhalter den Vertrag zu ignorieren oder zu annullieren, den sie mit ihren Sklaven hatten (wobei sie fast immer vom korrupten Gerichtssystem sekundiert wurden), oder sie unterdrückten ihre Untergebenen gegen Ende ihrer Dienstzeit gnadenlos, um sie zur Flucht anzuspornen. Dies würde diesen zynischen Sklavenhaltern letztendlich den Vorwand geben, um ihren bedrängten Sklaven neue Bedingungen aufzuzwingen, sobald sie eingefangen und zurückgebracht worden waren.

Tatsächlich erlebte die Hälfte der weißen „indentured servants“ die Erlangung ihrer Freiheit nicht. Falls jemand denkt, daß sich diese düstere Angabe hauptsächlich auf Weiße bezieht, die als ältere Leute versklavt wurden: sie bezieht sich in Wirklichkeit auf Weiße, die im Alter von 16 bis 20 erstmals „in Schuldknechtschaft genommen“ wurden.

*  *  *

They Were White and They Were Slaves fordert, wie man erwarten würde, auch die vorherrschenden Mythen (manche würden sagen „Schwindeleien“) über schwarzes Opfertum und weißen Rassismus heraus. Wenn Weiße ihre eigenen Leute genauso schlimm, wenn nicht schlimmer versklavten, als sie es mit Schwarzen taten, dann sprengt das irgendwie die Vorstellung in die Luft, daß Rassismus die Erbsünde unserer Nation sei, oder? Weiters nutzen heute nahezu alle nach Macht strebenden Minderheiten in den Vereinigten Staaten ihren gekränkten Status als „Opfer“ als Mittel, um sich Macht anzumaßen. Ob dieses Opfertum real ist oder ob Weiße diese Minderheiten in Wirklichkeit besser behandeln, als diese einander in ihren eigenen Teilen der Welt behandeln, bleibt belanglos. Was zählt, ist, wie diese Minderheiten die Geschichte als Waffe benutzen, so wie sie ihre Opfernarrative konstruieren und aufrechterhalten.

Natürlich ist Weißen das nicht erlaubt. Weißes Opfertum würde nicht nur die Opfernarrative von Minderheiten entgleisen lassen, sondern es würde Weiße auch ganz vorne in die Warteschlange um jegliche Reparationen oder Privilegien stellen, die diese Minderheiten als rechtmäßig ihnen zustehend empfinden. Vielleicht ist das der Grund, warum der Linke Howard Zinn versklavte Weiße in der Kolonialzeit in seiner People’s History of the United States als „Diener“ bezeichnet statt als Sklaven, trotzdem er einige der gleichen Quellen wie Hoffman verwendet.

Hoffman sagt es am besten:

Der ganze Apparat der Institution der Menschensklaverei im englischsprachigen Amerika, der in der umfangreichen Literatur über die Negersklaverei in die Erinnerung eingebrannt worden ist, wurde erstmals für die Versklavung von Weißen eingeführt, die in ihrem Geburtsland entführt wurden, an Bord der Schiffe starben, Kindersklaverei und Trennung der Eltern von ihren Kindern für immer erlitten; die Gesetze gegen entflohene Sklaven, das Verbot von Versammlungen weißer Sklaven und strenge und extreme Körperstrafen erduldeten, manchmal bis zum Tod.

Die Motivation für die Vertuschung des Ausmaßes der Weißenversklavung durch vom Establishment finanzierte und genehmigte Hauswissenschaftler ist offensichtlich. Die wahre Geschichte der Weißenversklavung zuzugeben und sie wahrheitsgemäß in der modernen Geschichtsschreibung zu verzeichnen, hieße empirische Beweise dafür zu liefern, daß weiße Haut nicht unbedingt Macht oder Status verkörpert; daß der „arme Weiße“, der „Redneck“ von heute, der ersucht wird, mit seinen Steuern Subventionen zu zahlen und Opfer bei seinen Lebenslohn- und Jobaussichten zu bringen, damit Schwarze „für die Sklaverei entschädigt“ werden können, in Wirklichkeit niemandem etwas für irgendetwas schuldet.

Hoffman bemüht sich auch zu zeigen, wie weiße Sklaven vielerorts schlechter behandelt wurden als schwarze Sklaven. Dafür gab es mehrere Gründe, wovon der erste rein wirtschaftlicher Art ist. Nachdem sie zum Großteil gestohlen und dann auf Frachtschiffen transportiert wurden, die sowieso in die Neue Welt fuhren, konnte man weiße Sklaven viel leichter erwerben und sich ihrer entledigen als schwarze. Schwarze Sklaven mußten an der Westküste Afrikas gekauft und bezahlt werden. Sklavenhändlerschiffe, die für den alleinigen Zweck des Transports von Sklaven gebaut wurden, mußten ebenfalls bezahlt werden. Als Folge davon waren schwarze Sklaven tendenziell wertvoller als weiße, und ihre Besitzer waren eher abgeneigt, sie zu mißhandeln oder sie potentiell tödlicher Arbeit auszusetzen.

Hier ist eine Anekdote, die den Unterschied in der Stellung zwischen schwarzen und weißen Sklaven beispielhaft darstellt:

Im Zuge einer Reise im Jahr 1855 auf dem Dampfboot Fashion den Alabama River hinauf beobachtete Frederic Law Olmstead, der Landschaftsarchitekt, der den Central Park von New York City entwarf, wie Baumwollballen aus beträchtlicher Höhe in den Laderaum eines Schiffes geworfen wurden. Die Männer, die die Ballen einigermaßen rücksichtslos in den Laderaum schmissen, waren Neger, die Männer im Laderaum waren Iren. Olmstead befragte einen Maat auf dem Schiff dazu. „Oh“, sagte der Maat, „die Nigger sind zu viel wert, um sie hier zu riskieren; wenn die Paddies über Bord gestoßen werden oder sich den Rücken brechen, verliert niemand etwas.“

Der zweite Grund hat mit der rebellischen Natur von Weißen zu tun, wenn sie wie Tiere behandelt werden. Gesetze gegen entlaufene Sklaven wurden so rigoros durchgesetzt und entflohene weiße Sklaven wurden so brutal bestraft, weil die Drohung, daß Sklaven davonlaufen oder rebellieren, sehr real war, laut Hoffman mehr als bei den schwarzen Sklaven. Natürlich behandelt Hoffman Bacons Rebellion und andere gescheiterte weiße Sklavenrevolten. Er zitiert auch zeitgenössische Quellen, die die Unruhe unter weißen Sklaven als „chronisch“ beschreiben und als etwas, das ganze Regionen „an den Rand des Bürgerkriegs“ bringt. Unfriede dieser Art veranlaßte die meisten Pflanzer im Süden und andere Sklavenhalter, ihre weißen Sklaven nach und nach durch schwarze zu ersetzen.

*  *  *

Ihr könnt euch wahrscheinlich die andere Seite der Teufelsmünze hier denken. Indem er den heimtückischen Mythos vom schwarzen Opfertum mit dem weißen Opfertum untergräbt, stärkt Hoffman gleichzeitig den begleitenden Mythos, daß die Weißen die ultimativen Schurken seien. In They Were White and They Were Slaves gibt es im Grunde keine anderen. Weiße besorgten das Einfangen, das Verschiffen, den Kauf und die Mißhandlung. Manche wurden damit auch reich. Blaublütige Briten wie Andrew Reid, James und Andrew Armour, Scot Duncan und andere dienten als die Kaufleute mit den Geldsäcken hinter dem Sklavenhandel. Kaltblütige wie die Kapitäne Edward Brockett und Barnett Bond erwarben sich einen furchtbaren Ruf mit der Peitsche. Ja, der jüdische Ökonom David Ricardo wird als besonders herzlos in seiner Einschätzung dargestellt, daß es besser wäre, arbeitslose Weiße verhungern zu lassen, als „eine unbegrenzte Nachfrage nach menschlichen Wesen zu schaffen“. Aber in dieser Hinsicht unterscheidet Ricardo sich kaum von anderen Denkern dieser Zeit wie Jeremy Bentham und Thomas Malthus. Letzterer drängte die Armen einmal dazu, „moralische Zurückhaltung“ zu praktizieren. Übersetzung: hört auf, Kinder zu haben. Ein Jahrhundert später stellte der englische Romanautor George Gissing die städtischen Armen in seinem Klassiker The Nether World mitfühlend dar. Und doch bezeichnet er – als Erzähler – den vorzeitigen Tod kleiner Kinder, die in verzweifelte Familien geboren wurden, als „Freundlichkeit des Schicksals“.

Tatsächlich waren die „überschüssigen“ weißen Populationen Englands nicht nur für sich selbst ein reales Problem, sondern auch für die Aristokratie. Die Aristokratie sah arme Weiße als revolutionäre Bedrohung und waren daher schmerzlich langsam dabei, die barbarische Praxis der Sklaverei zu stoppen, die diese in Entwicklung befindlichen Robespierres entweder in die Kolonien verschwinden ließ oder alle mögliche Arbeit mit einer Aderpresse aus ihnen herausquetschte. Gesetzesentwürfe, die vorsahen, daß das Mindestalter für Rauchfangkehrer zehn Jahre sein müsse, wurden im Parlament viermal zwischen 1804 und 1819 abgelehnt. Dies war eine gefährliche und potentiell tödliche Arbeit, deren Ausführung von Jungen erwartet wurde, die erst fünf Jahre alt waren. Laut dem wahrscheinlich unbeschnittenen Lord Sydney Smith konnte eine Reform des Rauchfangkehrergewerbes „nicht ohne großen Schaden für Eigentumsrechte durchgeführt werden“.

(Und um hier des Teufels Advokaten zu spielen – sogar so weit, daß der Teufel selbst sagt: „Ja, schon gut. Nein. Hör auf. Wirklich. Hör einfach auf. Du läßt mich schlecht aussehen.“ – was, wenn die Aristokratie da nicht ganz unrecht hatte? Was, wenn der wahre Grund, warum die Französische Revolution keine Parallele auf britischem Boden hatte, nicht Edmund Burkes vollkommene Staatsmannschaft war – wie Russell Kirk in The Conservative Mind meint -, sondern daß die Obrigkeit einfach ständig kreative Möglichkeiten fand, die anschwellenden Populationen ihrer Armen zu managen?)

Uff. Für das komme ich in die Hölle. Aber anscheinend werde ich in einer sehr langen Schlange warten. Weißenfürsprecher und Identitäre müssen klarsichtig bezüglich der Sünden in unserer eigenen Vergangenheit sein. Sicher, uns werden ständig die Dinge um die Ohren gehauen, die wir Nichtweißen angetan haben. Aber in vielen Zeiten und an vielen Orten haben Weiße einander ebenfalls bestialische Dinge angetan. Der einzige Trost erscheint, wenn wir begreifen, daß die Weißen vielleicht verglichen mit allen anderen die moralischere Rasse gewesen sind. Hoffman diskutiert sehr wohl, wie Weiße und nur Weiße ständig Versuche in Richtung von Reformen machten, Versuche, die schließlich die blutende Wunde in unserer Seite zu heilen begannen, die die Weißenversklavung war. Dasselbe kann man nicht von mesoamerikanischen, moslemischen, afrikanischen und asiatischen Gesellschaften sagen, die die Sklaverei niemals aufgegeben hätten, wenn die Weißen es nicht als erste getan hätten.

Eine magere Ausbeute, aber immerhin.

*  *  *

Ein weiterer Trommelschlag, der sich durch dieses ganze Buch zieht, ist jener vom weißen Tugendsignalisieren – besonders wenn es um Nichtweiße geht. Ihr denkt, das ist ein neueres Phänomen? Ihr denkt, es könnte heute nicht noch ärgerlicher werden? Falsch gedacht.

Wieder und wieder haben wir gutsituierte Weiße, die sich absolut über das Schicksal der armen Negersklaven aufregen, während rund um sie verarmte und versklavte Weiße leiden. Die abolitionistischen Quäker, die keine Hemmung hatten, weiße Sklaven zu besitzen, kommen als besonders scheinheilig rüber. In Bleak House gibt Charles Dickens uns Mrs. Jellyby, eine Figur, die sich obsessiv mit dem Wohlergehen ferner Afrikaner beschäftigt, während sie die Bedingungen für die weißen Kinder unerträglich macht, die in ihrem Haushalt arbeiten. Erinnert ihr euch an jene Gesetzesentwürfe bezüglich des Rauchfangkehrens, die im Parlament niedergestimmt wurden? Drei dieser Ablehnungen gab es nach der Abschaffung des Negersklavenhandels im Jahr 1808. Dies zeigt recht deutlich, wo die Prioritäten der britischen Eliten damals lagen – was nicht weit von dem entfernt ist, wo sie heute liegen.

Vielleicht der köstlichste Moment in They Were White and They Were Slaves kommt gegen Ende, wenn Hoffman sich über Harriet Beecher Stowe hermacht. Er nennt sie „eine der größten Scheinheiligen des 19. Jahrhunderts, eine fromme Heuchlerin, deren Vermächtnis des bösartigen Hasses auf ihre eigenen Leute bis zum heutigen Tag manch andere weiße Männer und Frauen infiziert hat“.

Ich würde mehr zitieren, ziehe es aber vor, etwas vom Besten für diejenigen übrigzulassen, die das Buch tatsächlich lesen werden.

*  *  *

Das finale Narrativ, das in die Seiten von They Were White and They Were Slaves eingeflochten ist, führte mich an jenen seligmachenden Meta-Ort, wo man alles mit blendender, gottähnlicher Klarheit sieht. Es ist vermutlich so ähnlich wie Peyote. Ich habe es nie damit versucht. Jedenfalls, verzeiht mir, falls irgendwelche von euch Lesern diesen wundervollen Ort bereits erreicht haben und sich all diese Jahre gewundert haben, wann dieser Lahmarsch Spencer J. Quinn endlich auftauchen würde. Nun, da bin ich.

Dank dieses erstaunlichen kleinen Buches verstehe ich nun, warum Weiße die Demokraten wählen!

Was, wenn – was, wenn verdammt nochmal – die sture Loyalität, die viele arme Weiße und Weiße der Arbeiterklasse gegenüber einer Partei haben, die mehr Wurm als Apfel ist, wenn es um Korruption geht, die eine miserable Leistung in Sachen Wirtschaft gebracht hat, die dem Christentum und dem Patriotismus beinahe gänzlich abgeschworen hat und die ihre rassischen Interessen offen dämonisiert, in Wirklichkeit ein Artefakt des Handels mit weißen Sklaven von vor Jahrhunderten ist? Was, wenn diese armen Weißen Klasse als tiefere Trennlinie sehen als Rasse, Religion, Wirtschaft oder die Flagge? Und schließlich, was, wenn diese Klassenteilung in Wirklichkeit die immer noch schmerzliche Narbe ist, die von der Weißenversklavung zurückgeblieben ist?

Das bedeutet, daß die Demokratische Partei dem amerikanischen Volk ein Smörgåsbord aus geformten dampfenden Kackwürsten servieren kann, aber solange sie mehr tut als bloß Lippenbekenntnisse zu den Klasseninteressen armer Weißer abzugeben, wird sie ihre Stimmen bekommen. Was hatten die Republikaner vor Trump als Alternative zu bieten? Die Laffer-Kurve?

Nachdem ich in der oberen Mittelklasse aufgewachsen bin, habe ich die Anzeichen für diesen Klassenkampf mein ganzes Leben lang gesehen und ihn nie ernst genommen: Filme wie Norma Rae und Roger and Me; Romane wie The Grapes of Wrath (Früchte des Zorns) und The Jungle (Der Dschungel); die Lieder von Bruce Springsteen aus seiner klassischen Periode, um ein paar zu nennen. David Duke, einer der bekanntesten Weißenfürsprecher der Welt, bewarb sich Anfang der 1990er als Demokrat um das Präsidentenamt, nicht als Republikaner. Es gibt eine faszinierende Szene aus dem Film The Pope of Greenwich Village:

Die aus der Arbeiterklasse stammende irische Mutter eines Polizisten in New York City (in einer atemberaubenden Darbietung von Geraldine Page) trifft sich mit zwei Vertretern des NYPD, nachdem ihr Sohn unter mysteriösen Umständen gestorben war. Später bezeichnet sie sie als „zwei kleine Arschlöcher mit Collegebildung“. Die schiere Verachtung in der Art, wie Page das sagt, werde ich nie vergessen. Ich sah diesen Film im College, und ich wunderte mich damals, warum diese Person Menschen einfach deshalb hassen sollte, weil die das College besucht hatten.

Jetzt weiß ich es. Oder zumindest denke ich, daß ich es weiß. Entschuldigt mich, während ich Ideen sammle:

Für viele amerikanische Weiße sind die größten Schurken der Geschichte nicht Nichtweiße, sondern andere Weiße. Es ist schwer, hier genaue Zahlen zu bekommen, aber Hoffman schätzt, daß die Zahl der weißen Briten, die in die Sklaverei in der Neuen Welt entführt, hereingelegt oder dazu verurteilt wurden, weit in die Hunderttausenden geht. Vergleicht das mit der großteils von Schwarzen an Schwarzen begangenen Kriminalität in unseren Städten und mit den weniger als 600 Weißen, die Schwarze jedes Jahr töten. [Anm. d. Ü.: über einen vergleichbaren Zeitraum von zwei bis drei Jahrhunderten entspräche das aber auch 120.000 – 180.000!] Vergleicht das mit den etwa 3.000 Weißen, die auf amerikanischem Boden ab 9/11 durch islamischen Terror getötet wurden. [der Übersetzer räuspert sich] Tut mir leid, das zu sagen, aber die meisten armen Amerikaner werden nichts über die schrecklichen Bedingungen von Weißen in Südafrika wissen, oder über die Geschichte des islamischen Handels mit weißen Sklaven. Und die Juden sind so gut darin, uns zu unterhalten und ihre Spuren zu verwischen, daß alle Faxen, die sie machen, den armen Amerikanern wahrscheinlich ebenfalls entgehen werden.

Im Lichte dessen ergibt es also Sinn, daß viele arme Weiße dem Kapitalismus mißtrauen werden, freien Märkten, Steuersenkungen für die Reichen und anderen klassischen wirtschaftlichen Programmen der Republikanischen Partei. Ja, ein kleineres Stück von einem größeren Kuchen wird ihnen in absoluten Begriffen mehr bescheren. Aber darum ging es nie. Es ging darum, die Reichen daran zu hindern, zu reich zu werden – weil man nie weiß, was sie mit all dieser Macht tun werden.

*  *  *

Wenn They Were White and They Were Slaves uns etwas lehrt, dann ist es Demut. Das ist etwas, das wir alle im einen oder anderen Ausmaß haben sollten. Die Dissidente Rechte kann einen nichtweißen Holocaust wahrnehmen, der sich bereits vom Horizont nähert – der erste seit vielleicht der Belagerung Wiens im Jahr 1683. Eine Menge ist seit 1683 passiert. Wir hatten einen von uns selbst herbeigeführten Holocaust, über den in den letzten Jahren kriminell wenig berichtet wurde. Dies ist vielleicht ein Hauptgrund dafür, warum die Weißen so langsam reagiert haben.

Natürlich muß sich das ändern.

Und die eine Person, die der Kurve diesbezüglich voraus zu sein schien, war niemand anders als Donald Trump. Trump war (und ist immer noch) der einzige Republikaner auf nationaler Ebene seit Ronald Reagan, der erfolgreich die Hand über diese innerweiße Teilung hinweg ausstreckte. F. H. Buckley beschreibt dieses Phänomen in seinem Buch The Republican Worker’s Party aus dem Jahr 2018. Trump gab etwas von dem Freimarkt-Neocon-Kapitalismus auf, den er von Mitt Romney, John McCain und George W. Bush erbte und ging mit etwas gutem, altmodischem Populismus auf Millionen unzufriedener Weißer zu. Und es funktionierte. Dies ist der Schlüssel zum Erfolg für die weiße Rasse in dem multirassischen Thunderdome, zu dem der Westen wird. Wir müssen Bücher wie They Were White and They Were Slaves lesen, wir müssen die tiefgreifenden Unterschiede verstehen, die es als Ergebnis unserer schwierigen Vergangenheit immer noch zwischen uns gibt, und wir müssen die Wunden heilen, die uns als Volk immer noch getrennt halten.

Denn wenn wir es nicht tun, dann werden wie Wunden, die wir empfangen, sobald wir zu verachteten Minderheiten in unseren Nationen werden, weit schlimmer sein.

 

Dieser Kommentar aus dem Originalstrang hat mir (dem Übersetzer) am besten gefallen:

coalminersdaughter:

„Was, wenn diese armen Weißen Klasse als tiefere Trennlinie sehen als Rasse, Religion, Wirtschaft oder die Flagge? Und schließlich, was, wenn diese Klassenteilung in Wirklichkeit die immer noch schmerzliche Narbe ist, die von der Weißenversklavung zurückgeblieben ist?“

Konservative Republikaner scheinen erstaunt zu sein, wenn arme Weiße nicht Schlange stehen, um für eine globalistische Wirtschaftspolitik zu stimmen – und „dissident rechte“ Typen wundern sich, warum die meisten Weißen wenig Interesse an oder vielleicht sogar eine aktive Feindseligkeit gegenüber ihrer Sehnsucht nach einer neuen „Aristokratie“ zeigen, während sie dem „Egalitarismus“ die Schuld an allen Problemen geben.

Wenn die dissidente Rechte bloß will, daß ihre Sklavenklasse weiß ist, nicht schwarz, warum genau sollten Weiße dann mit ihnen mitmachen?

„Für viele amerikanische Weiße sind die größten Schurken der Geschichte nicht Nichtweiße, sondern andere Weiße.“

Ich meine, ja, natürlich. Schwarze haben uns nicht versklavt.

„Im Lichte dessen ergibt es also Sinn, daß viele arme Weiße dem Kapitalismus mißtrauen werden, freien Märkten, Steuersenkungen für die Reichen und anderen klassischen wirtschaftlichen Programmen der Republikanischen Partei. … Es ging darum, die Reichen daran zu hindern, zu reich zu werden – weil man nie weiß, was sie mit all dieser Macht tun werden.“

Offensichtlich. Das ist auch der Grund, warum wir unsere Schußwaffen lieben.

*   *   *   *   *   *   *   *

Das ist das Lied „Coalminer’s Daughter“ von Loretta Lynn, auf das der Nick der Kommentatorin anspielt:

Und hier noch ein paar einschlägige Leseempfehlungen:

Amerika: Land der Freien und Tapferen, oder des Oligarchen und des weißen Sklaven? von John Lilburne

Tod im Atlantik: Die deutschen Auswanderer der „Love and Unity“ von Christina Krätzig (aus GEO Juni 2013)

Schwarze in Amerika besaßen schwarze Sklaven von David Sims

Massenmord und Sklaverei: Weiße Monopole? Verdammt, nein! von David Sims

Weiße Sklaverei: Man kann die Wahrheit nicht widerlegen von David Sims

Nichtweiße versklaven gegenwärtig 40 Millionen andere Nichtweiße von Bradford Hanson

Jüdische Sklaverei von Tanstaafl

Tausende Sklaven in Israel, ergibt eine globale Studie von Lazar Berman

Egon Flaig: Weltgeschichte der Sklaverei von Manfred Kleine-Hartlage

White Slavery Denial von Jim Goad

*     *     *

Neue Kommentarpolitik auf „Morgenwacht“: Wie bereits hier unter Punkt 1 angekündigt, am Schluß dieses Kommentars wiederholt als Absicht geäußert und in diesem Kommentar endgültig festgelegt, werden neue Kommentatoren nicht mehr zugelassen und sind die Kommentarspalten nur noch für die bereits bekannte Kommentatorenrunde offen.

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2 Kommentare

  1. Endzeit-Umschau – Oktober 2020 – Deutsches Herz

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