Dialog auf der Nebukadnezar – reloaded

Von Kairos, ursprünglich am 8. Juni 2011 auf „As der Schwerter“ veröffentlicht; hier wiedergegeben mitsamt den Kommentaren aus dem AdS-Originalstrang. „Osimandias“ ist natürlich Osimandia (damals noch unter „männlicher“ Tarnung), und Kairos („Neo“) zeichnet hier seinen Entwicklungsweg vom individualistischen, liberalen Islamkritiker nach, bei dem ihm „Morpheus“ Osimandia wesentlich geholfen hat.

 

Dramatis Personae:

Neo: Islamkritiker, Liberaler, Individualist, Suchender

Morpheus: Konspirationalist, Antiglobalist, meistgesuchter Terrorist der Welt

Prolog:

In einer Höhle sitzen auf Hockern angekettete Menschen. Sie sind so fest verzurrt, dass sie nicht einmal nach hinten sehen können, nur den Nachbarn können sie aus dem Augenwinkel erkennen. Hinter ihnen lodert ein Feuer, zwischen ihnen und dem Feuer tragen Narren Gegenstände herum. Die Schatten dieser Dinge sehen die Gefangenen als Schattenspiel an der Höhlenwand.

Befreite man einen Gefangenen, dann würde er kaum glauben, was er sieht: Nämlich, dass die Schatten, die er für die Realität hielt, nicht etwa echte Dinge, sondern nur Abbilder gewesen sind. Das Feuer würde ihn blenden, er würde zurück wollen auf seinen Platz, wo er alles kennt und das Licht ihn nicht blendet. Führte man ihn gar aus der Höhle hinaus zur Sonne, würde der Schmerz fast unerträglich werden.

Der Befreite würde sich zuerst nur bei Nacht trauen, die Dinge anzusehen, bei Tag wären ihm die Schatten vertrauter, so dass er zunächst die Schatten und erst später die Dinge, die sie werfen, ansehen würde. Käme er schließlich zurück in die Höhle, würde man ihn wieder anketten, welch grausames Los wäre das für ihn! Wie dumm kämen ihm seine Kollegen vor, die darum wetten würden, wann welcher Gegenstand als Schattenspiel an der Wand erscheint. Und wie würde er selbst auf die Mitgefangenen wirken, jetzt, wo er die Schatten kaum noch erkennen könnte, weil er noch ganz geblendet von der richtigen Welt wäre? Würden sie ihn nicht auslachen, weil er die Schatten nicht mehr richtig zuordnen könnte, und spotten und ihn für den allerdümmsten der Menschen halten?

Wir alle kennen dieses Gefühl, dieses Gefühl, das wir nicht beschreiben können, dass etwas nicht stimmt mit der Welt.

Und egal, ob wir wissen, dass die Umweltapokalypse droht, ob wir wissen, dass er Islam den Westen überrennen wird, wir wissen, dass der Kapitalismus untergeht, oder wir wissen, dass Gott schon bald Gericht halten wird, allein die Tatsache, zu den Auserwählten zu gehören, die wissen, ist vielen schon genug der Ehre.

Nun ist nicht jede Ideologie falsch, nur weil sie eben eine solche ist. Aber wir müssen uns hüten, nicht in einen blinden Elitismus zu verfallen und den Menschen unsere Sicht der Dinge aufzwingen zu wollen, wie all die Utopisten da draußen, links wie rechts, religiös wie säkular.

Wer aus der Höhle befreit wurde, hat ein Privileg erhalten, aber so wie Menschen, die Reichtum erben oder Schönheit oder Intelligenz, hat er dieses Gut, dieses Wissen, für das Gute einzusetzen. Statt sein Wissen im Elfenbeinturm zu verschließen und den Schlüssel wegzuwerfen – oder zumindest das Tor eifersüchtig zu bewachen – hat er andere aus der Höhle zu befreien!

Dies ist der Imperativ für die aus der Höhle Befreiten. Wer sich fragt, warum er seine Kraft dem Guten widmen sollte, warum er seinen Egoismus aufzugeben hat, der sitzt noch in der Höhle. Sein Weg hinaus wird hart und steinig sein, aber wahrscheinlich die Mühe wert. Die Wahrheit wird uns im Normalfall nicht gefallen, aber ihr Wert bemisst sich nicht danach, ob sie uns glücklich macht.

Die Wahrheit ist ein Wert für sich.

I. Exposition:

Neo:

Nach dem, was Du bisher erzählt hast, bist Du Anhänger einer Verschwörungstheorie, die ich gerne mit Dir diskutieren würde. Ich bin grundsätzlich kein Fan von Verschwörungstheorien, aber die Tatsache, dass die meisten Verschwörungstheorien Blödsinn sind, bedeutet ja nicht, dass es keine Verschwörungen gibt.

Du bemerkst ja ganz richtig, dass die Handlungen z.B. unserer neuen Familienministerin oder unseres Außenministers schlicht nicht rational erklärbar sind, verwendet man das in den MSM verbreitete Weltbild als Hintergrund derselben.

Schon seit Schröders Zeiten frage ich mich immer: Was wissen die, was die uns nicht sagen?

Nun ist es sicherlich sehr schwierig Dinge geheimzuhalten (auch das Weiße Haus soll ja in dieser Hinsicht recht durchlässig sein), aber es gibt eine Möglichkeit, dass Dinge trotzdem nicht beim Volk ankommen: Eine Meldung ist noch keine Nachricht. Bei der Flut an Nachrichten, die wir tagtäglich ertragen müssen, merken wir uns selektiv nur die Dinge, die wir wichtig finden (oder weißt du noch die Fußballergebnisse der letzten Saison?) und nur das, was in den MSM „breitgetreten“ wird bleibt im Langzeitspeicher.

Durch Verschweigen, bzw. herunterspielen, lässt sich also ein gewisser Grad von Geheimhaltung erreichen.

Ein anderes Manko vieler Verschwörungstheorien ist die Vorstellung einer hochpotenten Regierung. Den Mächtigen wird oft eine Macht zugeschrieben, die diese gar nicht besitzen. Ein deutscher Minister z.B. wirkt auf uns kleine Leute vielleicht wie ein hohes Tier, im global poker dagegen ist er eher ein kleines Licht. Schon national gesehen haben unsere „demokratischen“ Politiker relativ wenig Einfluss (So gab Seehofer, als er noch Verbraucherschutzminister war, mal zu, dass gegen die Pharmaindustrie nicht anzukommen ist.). Viele der „Moonfake“- Theorien oder die 9/11-Verschwörungs- phantasien bedienen sich solch eines Bildes.

Nach diesen Vorbemerkungen nun zu Deiner Theorie. Ich fasse sie so zusammen, wie ich Dich verstanden habe:

Es gibt einen durch postmarxistische Theorien (Frankfurter Schule) vorgedachten Plan unserer „Eliten“, eine „Neue Weltordnung“ zu etablieren. Hierbei geht es vor allem um die Zerstörung der Nationalstaaten. Die Masseneinwanderung nach Europa gehört genauso zu diesem Plan wie die pseudosozialistische Volkserziehung in MSM und öffentlichen Schulen. Für uns unverständliche Handlungen von Politikern können mit Rückgriff auf die NWO erklärt werden.

Ein paar Fragen: Was ist Deiner Meinung nach das Ziel dieser Bestrebungen (ein rassisch gemischtes androgynes (gegendertes) sozialistisches „Freiheits“wesen ist ja an sich noch kein Ziel, oder?)

Wer steckt dahinter, wer hat das angefangen (ich kann mir schwer vorstellen, dass ein paar jüdische Intellektuelle einen so großen Einfluss auf das Weltgeschehen seit 45 haben sollen)?

Zuletzt: Ist es eher ein kapitalistisches Projekt (Globalisierung), oder ein marxistisches (auch Marx wollte ja den weltweiten Kommunismus – „Proletarier aller Länder…“)?

Morpheus:

Ich kann Deine Fragen leider nicht beantworten, ich habe auch keine Informationen, die andere nicht haben. Im Grunde haben ”Verschwörungstheoretiker” nur einen anderen Blick auf die Realität. Es ist als ob man gemeinsam einen Film ansieht und der eine denkt: “Oh, nein, warum rennt die blöde Kuh die Treppe hoch, da oben sitzt sie doch in der Falle?!” während der andere denkt: “Jetzt lässt der Regisseur die Schauspielerin die Treppe hochrennen, damit es da oben zum Showdown mit dem Monster kommen kann”.

Ja, ich bin überzeugt, es gibt einen Regisseur, natürlich ist es nicht eine einzige Person und ich weiß auch nicht, wer es ist, ich habe da nur Spekulationen. Man fängt mit den Bilderbergern an (zunächst habe ich geglaubt, es gäbe die gar nicht und war dann überrascht, dass es sie doch gibt), dem Council on Foreign Relations, Trilateral Commission, Club of Rome, Freimaurer, Skulls and Bones, Bohemian Grove, Gorbatschow Foundation usw. Es gibt jede Menge solcher Clubs, wo sich sehr reiche, aber namentlich ziemlich unbekannte Personen mit politischen Frontmännern und – frauen treffen und alles ist untereinander vernetzt.

Gut, die Antikonspirationisten behaupten, die würden da nichts von Bedeutung reden, aber ich halte das nicht für sehr glaubwürdig, dass die nur Smalltalk machen, zumal in allen westlichen Ländern exakt das gleiche abläuft. Manchmal passieren ihnen sogar dumme Fehler und fleißige “Verschwörungstheoretiker” merken es. Zum Beispiel haben die Premiers von Kanada und Australien zum Auftakt des Irakkriegs exakt Wort für Wort dieselbe Rede gehalten.

Auch hier könnte man sagen: Okay, hat der eine vom anderen abgekupfert. Aber würde ein Politiker dann nicht wenigstens die Worte ein bisschen umstellen? Tun das nicht sogar Schüler, wenn sie abschreiben? Aber das ist nur ein Detail. Es gibt so viele und, wenn man nur eines oder ein paar sieht, kann man es immer als Zufall wegerklären.

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Die moslemische politische Kultur der Angst

Ägyptische Polizei setzt Tränengas ein, um Protestierer bei Zusammenstößen in der Stadt Mahalla zu zerstreuen.

Von Kevin MacDonald, übersetzt von Deep Roots. Das Original The Muslim Political Culture of Fear erschien am 3. Februar 2011 im Occidental Observer.

Beim Nachlesen zu einem Artikel von AltRight über Geert Wilders stieß ich auf diesen Kommentar von Wilders über die moslemische politische Kultur, beruhend auf seinen Beobachtungen als 18jähriger in Ägypten im Jahr 1982:

Als wir in Sharm el-Sheikh waren, war zufällig gerade Präsident Mubarak dort zu Besuch.

Ich erinnere mich an die Angst, die plötzlich die Stadt einhüllte, als angekündigt wurde, daß Mubarak zu einem unerwarteten Besuch käme; ich kann immer noch die Kavalkade schwarzer Autos am Tag seines Besuchs vor mir sehen und das beinahe physische Gefühl der Angst wie einen kalten Hauch an diesem sehr heißen Sommertag spüren.

Es war ein unheimliches Erlebnis; Mubarak wird nicht als der schlimmste islamische Tyrann betrachtet, und doch konnte sogar ich die Furcht der gewöhnlichen Ägypter vor ihrem Führer spüren. Ich frage mich, wie die Saudis sich fühlen, wenn ihr König in der Stadt ist, wie die Libyer sich fühlen, wenn Gaddafi sein Kommen ankündigt, wie die Iraker sich gefühlt haben mußten, wenn Saddam Hussein nahe war. Ein paar Jahre später las ich im Koran, wie sich die Araber des 7. Jahrhunderts in Anwesenheit Mohammeds fühlten, der, wie mehrere Verse beschreiben, „Furcht in ihre Herzen warf“ (Suren 8:12, 8:60, 33:25, 59:12). [Siehe hier.]

Zwei Artikel in der heutigen L.A. Times schildern dasselbe Bild: „Hartes Durchgreifen in Ägypten widerspiegelt Jahre von Mubaraks eiserner Herrschaft: Die Ägypter haben lange in Furcht und Verzweiflung unter Präsident Hosni Mubarak gelebt“:

Präsident Hosni Mubarak toleriert keine Meinungsverschiedenheit. Er neigt eher dazu, sie zu zermalmen, als Kompromisse zu schließen. Diejenigen, die geboren wurden, nachdem 1981 seine Herrschaft begann, haben ihr ganzes Leben unter Notstandsgesetzen verbracht, inmitten der geisterhaft allgegenwärtigen Sicherheitskräfte, die jemanden von der Straße fischen und augenblicklich verschwinden können…

Viele von denen, die die Regierung herausforderten, endeten im Gefängnis und wurden gefoltert. Politische Gegner wurden bedroht. Wahlen wie die Parlamentswahl im November trotzten den mathematischen Chancen, indem sie die herrschende Partei an die Macht spülten, während andere Kandidaten und ihre Unterstützer von Schlägern eingeschüchtert wurden. Mehr als 1.200 Mitglieder und Unterstützer der Moslembruderschaft wurden verhaftet.

Mubaraks Macht wohnt in der dunkleren Magie der Furcht. Es hat jahrzehntelang funktioniert. Die Armen sind zu arm, um zu protestieren, die Intellektuellen werden unter Verschluß gehalten, Aktivisten werden gejagt; jeder wird in Unruhe gehalten. Es gibt ein Aufglimmen von Demokratie, einschließlich ungestümer unabhängiger Nachrichtenmedien, aber sie werden mehr als Ärgernisse denn als Bedrohung für die regierende Partei gesehen. Es ist ein unheimliches, unberechenbares Klima: Man weiß nie, ob man ignoriert oder verhaftet wird.

Ein weiterer Artikel beschreibt die politische Kultur von Tunesien auf Basis eines Interviews mit einem Sicherheitsoffizier („Ein tunesischer Offizier der Staatspolizei gibt erschütternde Innenansichten“):

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Die Mesira-Mentalität: Gesetze sind dazu da, um gebrochen zu werden

Von Kevin MacDonald, übersetzt von Deep Roots. Das Original The Mesira Mentality: Laws are Made to Be Broken erschien am 8. September 2011 im Occidental Observer.

Beim chassidischen Steuerbetrugsfall (der zuvor hier diskutiert wurde) gibt es noch eine Kleinigkeit. In dem Fall geht es um reiche Chassidim, die einem jüdischen religiösen Zentrum Millionen an steuerabzugsberechtigten Spenden gegeben haben und dann fast das gesamte Geld zurückbekommen haben, nachdem es durch ein internationales religiöses Netzwerk gewaschen wurde. Die LA Times berichtet, daß einem Rabbi, Moshe Zigelman, der vor zwei Jahren ins Gefängnis kam, weil er sich weigerte, gegen andere Juden auszusagen, wieder Gefängnis droht, falls er nicht aussagt (“U.S. threatens to send rabbi back to jail“).

Dies ist ein weiteres Beispiel für das jüdische Gesetz der mesira, das Juden dazu ermahnt, keine Zeugenaussage gegen Juden zu machen: „’Keine irdische Sanktion wird Rabbi Zigelman jemals dazu bringen, seine religiösen Regeln aufzugeben’, schrieb Michael Proctor, ein Anwalt Zigelmans, in den Gerichtsakten.“

Die Mesira ist daher in orthodoxen Gemeinden gesund und munter – und wird, wie in diesem Fall, von den führenden Gestalten der Gemeinde praktiziert. Die Staatsanwaltschaft wird argumentieren, daß jüdische religiöse Gesetze für die Gesetze der Vereinigten Staaten irrelevant sind – ein Schlag für den gesunden Menschenverstand. Der Artikel zitiert einen Experten für jüdische Religionsgesetze, der sagt, daß die Mesira nicht in modernen demokratischen Gesellschaften gilt, sondern „aus einer Zeit unterdrückerischer und brutaler säkularer Behörden stammt.“

Was immer es unter religiösen Autoritäten auch für Dispute geben mag, Tatsache ist, daß es in der zeitgenössischen Welt unter traditionellen Juden eine ziemliche Menge Fälle gibt; wie John Graham angemerkt hat, ist Mesira ein wahrscheinlicher Grund dafür, daß es im Betrugsfall Bernie Madoff keine ordentlichen Ermittlungen gegeben hat, angesichts dessen, daß die Anzeichen für Betrug so offensichtlich waren.

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Zerfall

Von Kevin Alfred Strom, übersetzt von Deep Roots. Das Original Falling Apart erschien am 23. August 2014 in Kevin Alfred Stroms Essays (auf Basis einer Radiosendung von American Dissident Voices vom selben Datum).

[Anm. v. Lucifex: das im Originalartikel verlinkte Video, in dem Black Panthers Sprechgesänge anführen, in denen der Tod von Officer Darren Wilson gefordert wird – „Wen wollen wir? Darren Wilson! Wie wollen wir ihn? Tot!“ – gibt es inzwischen nicht mehr.]

WIE WILLIAM PIERCE SIE 1970 WARNTE, und wie ich Sie jahrzehntelang gewarnt habe, sind multirassische Gesellschaften keine gesunden Gesellschaften. Sie reißen sich unweigerlich in blutige Stücke und foltern und töten auf dem Weg dorthin unzählige Unschuldige. Die kürzlichen Ereignisse in Ferguson, Missouri, beweisen, daß ich recht habe. Es ist höchste Zeit, daß wir die Warnungen beachten, die die National Alliance – und die Natur – uns gibt, oder unsere Kinder werden keine Zukunft haben.

Als der riesige, brutale Michael Brown, ein aggressiver 18jähriger Schwarzer, der von Drogen high war und gerade von einem Raub in einem Gemischtwarenladen kam, bei dem er den Geschäftsleiter physisch beiseite schleuderte, als ob er ein Spielzeug sei, vom Fergusoner Polizisten Darren Wilson angehalten wurde, war er bereit zu kämpfen. Zunächst hielt Wilson nur an, um Brown und einen Begleiter zu ersuchen, nicht mehr mitten auf der Straße zu gehen und den Verkehr zu behindern. Wenn Brown ein rationales menschliches Wesen gewesen wäre, hätte er dem friedlich und sofort Folge geleistet, egal wie sehr der Befehl ihn gewurmt hätte. Brown paßte zu der Beschreibung des Räubers, obwohl Wilson das zuerst anscheinend nicht wußte. Er hatte gestohlene Waren – Zigarren – bei sich und schwenkte sie anscheinend sogar herum, sodaß alle sie sehen konnten. Einen Polizisten unter solchen Umständen herauszufordern, selbst verbal, war zutiefst dumm. Mit dem Polizisten wegen einer Belanglosigkeit wie auf dem Gehsteig zu bleiben zu raufen, wo er unbewaffnet war und es mit zwei bewaffneten Männern mit Funkgerät zu tun hatte, die sofort Unterstützung herbeiholen konnten, wäre wahnsinnig dumm gewesen, selbst wenn er nicht soeben Jahre im Gefängnis für eine Handvoll Rauchwaren riskiert hätte. Aber das ist genau das, was er tat. Während der Rauferei, bei der Browns Körper sich halb im Polizeiwagen befand, ging Darren Wilsons Waffe los, und Brown und sein Freund rannten ein Stück davon.

An diesem Punkt weichen die Darstellungen voneinander ab. Manche sagen, daß Brown sich umdrehte und auf Officer Wilson zuzustürmen begann, der sein Leben in Gefahr fühlte. Andere sagen, daß Brown bereits verletzt war und bloß vorwärts stolperte, nachdem er sich umdrehte. Aber alle stimmen darin überein, daß Darren Wilson dann mehrere Kugeln in Michael Brown feuerte und ihn tötete. Fotografien vom Schauplatz unmittelbar nach der Tötung zeigen Brown mit dem Gesicht nach unten, in Richtung zum Polizeiwagen hin, mit Blut, das nur aus seiner Körpervorderseite floß.

Die Tötung von Michael Brown hat tagelange Proteste, Krawalle und Plünderungen durch Schwarze im Bereich von Ferguson ausgelöst. Zunächst gab es von Seiten der Polizei eine Reaktion militärischen Stils, mit Ausgangssperren, Gasangriffen, Panzerfahrzeugen, militärischer Sturmausrüstung und dergleichen. (Später führten die Behörden eine „weichere“ Vorgangsweise ein und praktizierten sogar ein „Hände weg“ gegenüber den Plünderern, die unbehelligt blieben, während sie dabei gefilmt wurden, wie sie frei und fröhlich „gegen die Macht kämpften“, indem sie Fenster einschlugen und Sportschuhe und Elektronikartikel stahlen. Eine Anzahl von Schwarzen bezweifelte sogar die Klugheit dieser Entscheidung der Polizei.)

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Parteinahme in Konflikten: Alternative Justizprinzipien für einen volkstreuen Staat

Ein Diskussionsbeitrag von Harald.

Ich habe ein umfangreiches Rechtskonzept zur Problematik des juridischen Umgangs mit dem Eingreifen Dritter in Konfliktsituationen im jetzigen Justizsystem samt Vorschlägen für alternative Rechtsprinzipien in einem zukünftigen volkstreuen Staat erstellt, das ich nachfolgend in Form von Kommentaren präsentieren und zur Diskussion stellen werde. Inhaltlich ist es ein Gedankenexperiment in Sachen „Alternativer, parasitenresistenter Gesellschaftsaufbau“, zu dem ich auf eine anregende Diskussion hoffe.

Siehe auch:

Die Verschafung der Europäer, ein Gemeinschaftswerk von AdS-Admins und Stammkommentatoren von „As der Schwerter“

Zur Rechtslage in der BRD von Dunkler Phönix

Robert Heinleins Sternenkrieger (4): Geschichte(n) und Moralphilosophie

Von Deep Roots (ursprünglich veröffentlicht auf „As der Schwerter“).

Dies ist Teil vier meiner Reihe über „Sternenkrieger“ von Robert Anson Heinlein (deutsche Erstausgabe von 1979 ISBN 3-404-01280-1, übersetzt von Bodo Baumann. Das Original „Starship Troopers“ wurde 1959 veröffentlicht. Zuvor hier erschienen: Kapitel 1, Kapitel 2 und Kapitel 3.

In weiterer Folge werde ich nur noch Ausschnitte aus dem Buch zitieren, ergänzt um meine eigenen Überleitungen und Anmerkungen. Der erste Abschnitt bietet einen aufschlußreichen Vergleich zu Verhoevens Film, wo man anhand der „Messerwurf-Ausbildungsszene“ erkennen kann, in welch verzerrender Weise Verhoeven von der Romanvorlage abgewichen ist:

Aber das passierte, nachdem wir Camp Currie bereits verlassen hatten und schon ein gutes Stück in der Ausbildung vorangekommen waren. Vor allen Dingen in der Gefechtsausbildung – Gefechtsübungen und Gefechtsdrill und Gefechtsmanöver, in denen alles zum Einsatz kam, was man als Waffe verwenden konnte, angefangen bei der bloßen Hand bis hinauf zur simulierten Atomwaffe. Ich hätte nie geglaubt, daß es so viele Möglichkeiten gibt, sich zu verteidigen! [….] Als sich unsere Reihen lichteten, kümmerte Zim sich nicht mehr um die Verbandsausbildung, nahm nur noch die Appelle und Paraden ab und widmete sich immer mehr der Einzelausbildung. Und er unterstützte die Unteroffiziere beim Unterricht. Er war perfekt im Umgang mit jeder Waffe, aber sein Lieblingskind war das Messer, das er selbst zurechtgeschliffen und ausbalanciert hatte, obwohl das Gerät, das wir in der Waffenkammer erhalten hatten, keine Wünsche offenließ. Als Einzelausbilder wurde er sogar sympathischer, war nicht mehr so ein Widerling, sondern nur noch unerträglich. Er konnte sehr viel Geduld haben, wenn man ihm dumme Fragen stellte.

Zum Beispiel, als einer von den Jungs in einer der zweiminütigen Pausen, die sparsam über den Tag verteilt waren – ein Bursche namens Ted Hendrick – fragte: „Sergeant? Ich kann mir denken, daß Messerwerfen Spaß macht… aber warum müssen wir das lernen? Was können wir denn damit anfangen?“

„Nun“, erwiderte Zim, „nehmen wir mal an, du hast nur ein Messer? Oder nicht einmal ein Messer? Was tust du dann? Sprichst ein Gebet und stirbst? Oder versuchst du es trotzdem und wehrst dich mit Erfolg? Hier geht es immer ums Ganze – es ist kein Damespiel, wo du einen Stein opfern kannst, wenn du dich im Nachteil zu befinden glaubst.“

„Aber das meine ich doch gar nicht, Sir. Nehmen wir mal an, ich habe überhaupt keine Waffe. Oder nur einen von diesen Dolchen. Und der Gegner, den ich vor mir habe, ist ein wandelndes, tödliches Waffenarsenal. Daran kann man doch nichts ändern! Da kann man doch nur noch beten!“

Zim erwiderte nachsichtig: „Du hast das ganz falsch begriffen, mein Sohn. Es gibt nichts, was man als ‚gefährliche Waffe’ bezeichnen könnte.“

„Wie bitte, Sir?“

„Es gibt keine gefährlichen Waffen, sondern nur gefährliche Männer – gefährlich für den Gegner, solange ihr noch eine Hand oder einen Fuß besitzt und am Leben seid. Wenn ihr nicht versteht, was ich meine, dann lest einmal ‚Horatius an der Brücke’ oder ‚Der Tod von Bon Homme Richard’; beide Bücher stehen in unserer Lagerbibliothek. Aber kommen wir auf den Fall zurück, den du zuerst erwähntest; ich bin du, und alles, was ich habe, ist ein Messer. Das Ziel hinter mir – der Kamerad Nummer drei, den du gerade verfehlt hast, ist ein Wachposten, mit allem ausgerüstet, was wir in unserem Arsenal haben, nur nicht mit einer Atombombe. Du mußt ihn erledigen… leise und prompt, damit er nicht mehr um Hilfe schreien kann.“ Zim drehte sich in den Hüften – zack! – und ein Messer, das er eben noch gar nicht in der Hand gehalten hatte, steckte mit zitterndem Griff im Herzen des Pappkameraden Nummer drei. „Siehst du das? Am besten, du trägst zwei Messer bei dir, aber erledigen mußt du ihn, auch mit bloßen Händen.“

„Äh…“

„Hast du immer noch deine Zweifel? Sprich sie aus. Deswegen bin ich hier, um deine Fragen zu beantworten.“

„Äh, ja, Sir. Sie sagten, der Posten habe keine Atombombe bei sich. Aber er hat doch eine; das ist der springende Punkt. Das heißt, wir hätten eine am Gürtel, wenn wir der Wachposten dort wären… und die Wahrscheinlichkeit, daß der Gegner sie auch besitzt, ist groß.“

„Ich verstehe dich.“

„Nun… das ist es doch, Sir, was ich nicht begreife. Wenn wir eine Wasserstoffbombe verwenden können, und, wie Sie sagen, es kein Spiel mehr ist, sondern Krieg, der Ernstfall – ist es dann nicht widersinnig, im Gras herumzukriechen und Messer zu werfen, sich möglicherweise den Tod dabei zu holen und sogar den Krieg zu verlieren, obwohl man eine richtige Waffe hat, mit der man gewinnen kann? Was ist das für eine Logik, die verlangt, daß eine Menge Leute ihr Leben mit veralteten Waffen aufs Spiel setzen, wenn ein einziger Professor viel mehr ausrichten kann, indem er nur auf einen Knopf drückt?“

Zim antwortete nicht sofort, was gar nicht seine Art war. Dann sagte er leise: „Fühlst du dich wohl bei der Infanterie, Hendrick? Du kannst deinen Abschied nehmen, wie du weißt.“

Hendrick stotterte irgend etwas; Zim sagte: „Sag es klar und deutlich!“

„Meinen Abschied? Nein, Sir, ich werde meine Dienstzeit ableisten.“

„Also gut. Nun, die Frage, die du mir gestellt hast, dürfte ein Sergeant eigentlich nicht beantworten, und du solltest sie eigentlich auch nicht an mich richten. Man erwartet von dir, daß du die Antwort schon kennst, ehe du dich zum Wehrdienst meldest. Hast du in deiner Schule Unterricht in Geschichte und Moralphilosophie gehabt?“

„Wie bitte? Sicher – ja, Sir.“

„Dann müßtest du also auch die Antwort kennen. Aber ich gebe sie dir trotzdem – inoffiziell – meine persönliche Meinung. Wenn du ein Kind bestrafen willst, würdest du ihm dann gleich den Kopf abhacken?“

„Wie bitte… nein, Sir!“

„Natürlich nicht. Du gibst ihm einen Klaps auf den Hintern oder eine Tracht Prügel. Nun können sich Umstände ergeben, unter denen es genauso töricht wäre, eine Stadt des Gegners mit einer Wasserstoffbombe zu vernichten, wie ein Baby mit einer Axt zu vertrimmen. Denn Krieg ist nicht Gewalt und Vernichtung schlechthin. Ein Krieg ist kontrollierte Gewalttätigkeit zu einem Zweck. Der Zweck eines Krieges ist die Unterstützung einer Regierungsentscheidung mit gewalttätigen Mitteln. Der Zweck des Krieges ist niemals der Tod des Gegners als Selbstzweck, sondern ein Mittel, ihn zu zwingen, das zu tun, was du von ihm verlangst. Nicht seine Vernichtung… sondern kontrollierte und sinnvolle Gewalt. Aber es ist nicht deine und meine Aufgabe, zu entscheiden, welchen Zweck die Gewalt erfüllen soll. Es ist niemals die Aufgabe eines Soldaten, zu entscheiden, wann – oder wie – oder wo – oder warum er kämpft. Das obliegt den Staatsmännern und den Generälen. Die Staatsmänner entscheiden, warum und wie groß die Gewalt sein muß, die Generäle übernehmen dann deren Entscheidung und sagen uns, wo und wann und wie. Wir üben dann die Gewalt aus; andere Leute – ältere und klügere Köpfe, wie man zu sagen pflegt – stellen die Kontrolle. So, wie es auch sein soll. Das ist die beste Antwort, die ich dir geben kann. Wenn sie dir nicht genügt, gebe ich dir einen Zettel mit, damit du den Regimentskommandeur sprechen kannst. Wenn er dich nicht überzeugen kann, dann geh nach Hause und werde wieder ein Zivilist! Denn in diesem Fall wirst du wahrscheinlich niemals ein Soldat werden.“

Er sprang auf die Füße. „Ihr wollt euch wohl nur drücken, weil ihr mich reden laßt. Auf, Soldaten! Ein bißchen munter! Auf Gefechtsstation, Ziel frei – Hendrick, Sie zuerst. Diesmal möchte ich, daß Sie das Messer in südliche Richtung werfen. Nach Süden, verstanden? Nicht nach Norden. Das Ziel befindet sich genau südlich von Ihnen, und ich möchte, daß Sie das Messer wenigstens ungefähr in südlicher Richtung werfen. Ich weiß, Sie werden es nicht treffen, aber vielleicht können Sie es ein bißchen einschüchtern. Und schneiden Sie sich nicht dabei das Ohr ab! Und daß es Ihnen nicht aus der Hand rutscht und aus Versehen einen Hintermann verletzt – konzentrieren Sie nur Ihr bißchen Gehirn darauf, daß das Ziel sich südlich von Ihnen befindet! Fertig – Ziel frei! Werfen!

Hendrick warf wieder daneben.

Schon ganz anders als im Film, nicht? Der Wechsel vom Du zum Sie gegenüber Hendrick ist übrigens ein originaler Lapsus des Übersetzers.

Der nächste Abschnitt spielt, nachdem eben jener Hendrick im Rahmen einer Gefechtsübung gegen Zim tätlich geworden war und ihm ein Veilchen verpaßt hat. Zim hatte versucht, diesen Vorfall gegenüber dem Bataillonskommandeur, Captain Frankel, herunterzuspielen und als bloße Befehlsverweigerung darzustellen, um Hendrick die Konsequenzen zu ersparen. Captain Frankel konnte sich denken, was wirklich vorgefallen ist, spielte aber ebenfalls mit und verdonnerte Hendrick zu dreißig Tagen Arrest, diversen Strafdiensten und der Reduzierung seiner Abendmahlzeit während der Strafdauer auf Wasser und Brot. Hendrick war empört mit seiner Darstellung herausgeplatzt, daß Zim ihn mit den Händen geschlagen und zu Boden geworfen habe, weil er sich nach dem Befehl „Einfrieren!“ noch von einem Stechameisennest wegbewegt hatte, auf dem er beim Deckungnehmen gelandet war. Dabei sei er aufgesprungen und habe Zim eine verpaßt…

Nach dieser Aussage vor Zeugen – zwei Wachsoldaten und unserem Ordonnanzdienst leistenden Romanhelden Johnnie Rico – war Frankel nichts anderes übrig geblieben, als Hendrick wegen „Schlagens eines Vorgesetzten im Dienst“, (einer der „31 Bruchlandungen“), verschärft durch den Umstand, daß die Terranische Föderation sich zu dieser Zeit im Alarmzustand befand, zu zehn Peitschenhieben und Ausstoßung aus der Armee wegen schlechter Führung zu verurteilen.

In weiterer Folge hatte Johnnie Rico unbemerkt noch mitbekommen, wie Zim sich in einem Gespräch mit Frankel Selbstvorwürfe gemacht hatte, weil er Hendrick überhaupt erst Gelegenheit zu diesem Angriff gegeben hatte. In der Nacht nach Hendricks Verstoßung aus der Armee hatte Rico seinen moralischen Tiefpunkt erreicht; er hatte lange über die Sache nachgegrübelt und war – bestärkt durch einen Brief seiner Mutter, in dem sie ihm geschildert hatte, wie sein Vater schweigend unter der Entscheidung seines Sohnes für den Wehrdienst litt – zum Schluß gekommen, daß es Zeit sei, auszusteigen, bevor er einmal die Nerven verlieren und eine „Bruchlandung“ bauen würde. Am nächsten Tag würde er um seine Entlassung ansuchen:

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Robert Heinleins Sternenkrieger (3): Kapitel 3

Von Robert Anson Heinlein; aus der deutschen Erstausgabe von 1979 (ISBN 3-404-01280-1), übersetzt von Bodo Baumann. Das Original „Starship Troopers“ wurde 1959 veröffentlicht. Zuvor hier erschienen: Kapitel 1 und Kapitel 2.

Und er soll sie weiden mit einem eisernen Stabe.
Offenbarung II : 27

Meine Grundausbildung erhielt ich in Camp Arthur Currie auf den nördlichen Prärien, zusammen mit ein paar tausend anderen Opfern, und wenn ich ‚Lager’ sage, so ist das wörtlich zu nehmen, denn die einzigen festen Gebäude dort waren für die Lagerung der Ausrüstung bestimmt. Wir schliefen und aßen in Zelten; wir lebten im Freien – wenn man das als ‚Leben’ bezeichnen kann, was ich damals nicht konnte. Ich war an ein warmes Klima gewöhnt; für mich schien der Nordpol nur noch fünf Meilen vom Lager entfernt zu sein und jeden Tag näherzukommen. Zweifellos stand uns eine Eiszeit ins Haus.

Doch Bewegung hält warm, und sie sorgten dafür, daß wir reichlich Bewegung erhielten.

Der erste Morgen im Lager begann schon vor Tagesanbruch. Ich hatte Mühe gehabt, mich der Zeitverschiebung anzupassen, und es kam mir so vor, als wäre ich gerade erst eingeschlafen. Ich konnte mir nicht vorstellen, daß jemand ernsthaft von mir verlangte, ich solle mitten in der Nacht aufstehen. Aber sie verlangten es. Irgendwo plärrte ein Lautsprecher Marschmusik in einer Phonzahl, die selbst Tote aufgeweckt hätte, und ein stark behaartes Individuum, das die Lagerstraße heruntergetrampelt kam, brüllte: „Alles aufstehen! Raus aus den Federn! Marsch! Marsch!“, kehrte im Galopp zurück, als ich mir gerade die Decke über den Kopf ziehen wollte, kippte meine Koje um und schüttete mich auf die kalte, harte Erde.

Es war nichts Persönliches; er blieb nicht einmal so lange im Zelt, um zuzusehen, wie mir das Wecken bekam.

Zehn Minuten später, bekleidet mit Hose, Hemd und Schuhen, stand ich zusammen mit den anderen in einer Ziehharmonika-Linie, zur Freiübung angetreten, als die Sonne gerade mit ihrem Scheitel am östlichen Horizont auftauchte. Vor der Linie stand ein breitschultriger, tückisch aussehender Hüne, in Unterhemd und Hose wie wir – nur mit dem Unterschied, daß ich aussah und mich fühlte wie eine einbalsamierte Leiche, während sein Kinn frisch rasiert glänzte, seine Hose eine messerscharfe Bügelfalte hatte, man sich in seinen Schuhen einen Scheitel ziehen konnte und er sehr munter, aufgeweckt, hellwach und ausgeschlafen aussah. Man hatte den Eindruck, daß er überhaupt keinen Schlaf brauchte, nur alle zehntausend Meilen eine Inspektion – und dazwischen lediglich ein bißchen Staub-Abwischen.

Kompanieee – Achtunggg… stillgestanden!“ bellte er. „Ich bin Career Ship’s Sergeant Zim, euer Kompanieführer. Wenn ihr mich anredet, macht ihr eine Ehrenbezeugung und sagt ‚Sir’. Ihr grüßt jeden und sagt ‚Sir’ zu ihm, der so einen Kommandostock unter dem Arm trägt.“ Er hielt so einen Stock in der Hand und schlug rasch ein Rad damit hinter seinem Rücken, um uns zu zeigen, was er unter einem Kommandostock verstand. Als wir am Abend zuvor im Camp eingetroffen waren, waren mir bereits ein paar Männer mit diesem Stock aufgefallen. Diese Stöcke sahen hübsch und elegant aus, und ich hatte mir vorgenommen, mir ebenfalls einen zu besorgen – doch jetzt änderte ich meine Meinung.

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Robert Heinleins Sternenkrieger (2): Kapitel 2

Von Robert Anson Heinlein; aus der deutschen Erstausgabe von 1979 (ISBN 3-404-01280-1), übersetzt von Bodo Baumann. Das Original „Starship Troopers“ wurde 1959 veröffentlicht. Zuvor hier erschienen: Heinleins Sternenkrieger (1): Kapitel 1.

It scared me so, I hooked it off,
Nor stopped as I remember,
Nor turned about till I got home,
Locked up in mother’s chamber.
Yankee doodle, keep it up,
Yankee doodle dandy,
Mind the music and the step,
And with the girls be handy.

Ich hatte nie ernsthaft vor, anzumustern.

Und schon gar nicht bei der Infanterie! Ich hätte mich lieber öffentlich auspeitschen und mir den Vorwurf meines Vaters gefallen lassen, daß ich seinen stolzen Namen beschmutzt hätte. Oh, ich hatte mal etwas meinem Vater gegenüber verlauten lassen, gegen Ende meiner Schulzeit in der Abiturklasse, daß ich mich mit dem Gedanken beschäftigte, ob ich mich nicht freiwillig zur Armee melden sollte. Vermutlich trägt sich jeder Junge mit diesem Gedanken, wenn sein achtzehnter Geburtstag heranrückt, und meiner fiel in die Woche unseres Abschlußexamens. Natürlich spielen die meisten von ihnen nur mit dem Gedanken, sich zu bewerben, und tun dann doch etwas anderes – gehen aufs College, besorgen sich einen Job oder dergleichen. Vermutlich hätte ich das auch getan, wenn nicht mein bester Freund sich mit der todernsten Absicht getragen hätte, dem Militär beizutreten.

Carl und ich hatten in der Oberschule alles immer gemeinsam unternommen – den Mädchen nachgesehen, sie gleichzeitig zum Rendezvous bestellt, im gleichen Klub debattiert und zusammen in seinem Heimlaboratorium die Elektronen gebändigt. Ich war kein großes Licht in theoretischer Elektronik, aber ich konnte geschickt mit einem Lötkolben umgehen. Carl sorgte für das Gehirnschmalz, und ich führte seine Anweisungen aus. Es machte Spaß. Alles, was wir gemeinsam anstellten, machte Spaß. Carls Eltern besaßen nicht annähernd so viel Geld wie mein Vater, aber das hatte keinen Einfluß auf unser Verhältnis. Als mein Vater mir zu meinem vierzehnten Geburtstag einen Rolls-Copter schenkte, gehörte er Carl genauso wie mir. Im umgekehrten Sinne galt das auch für sein Laboratorium.

Deshalb gab es mir zu denken, als Carl mir anvertraute, daß er sein Studium unterbrechen und erst seinen Wehrdienst leisten würde. Er meinte es wirklich so, wie er es sagte. Offenbar hielt er das für eine richtige und naheliegende Entscheidung.

Deshalb sagte ich ihm, ich würde mich freiwillig melden. Er warf mir einen seltsamen Blick zu. „Dein alter Herr wird das nicht erlauben.“

„Ha? Wie könnte er das verhindern?“ Und selbstverständlich konnte er das auch nicht, nicht gesetzlich. Es ist die erste vollkommen freie Entscheidung (und vielleicht die letzte), die ein Junge oder ein Mädchen treffen kann, wenn er – oder sie – achtzehn Jahre alt wird. Sie können sich freiwillig zum Wehrdienst melden, und kein anderer darf ihnen in dieser Sache etwas dreinreden.

„Warte es nur ab.“ Carl wechselte das Thema.

Also setzte ich mich mit meinem Vater auseinander, vorsichtig, auf Umwegen.

Er legte seine Zeitung und seine Zigarre beiseite und starrte mich an. „Bist du verrückt geworden, Sohn?“

„Ich glaube nicht“, murmelte ich.

„Nun, es hört sich aber so an“. Er seufzte. „Trotzdem… ich hätte so etwas erwarten müssen; es ist eine voraussehbare Phase bei einem heranwachsenden jungen Mann. Ich erinnere mich noch daran, als du das Gehen lerntest und kein Baby mehr warst – offen gestanden warst du eine Zeitlang ein kleiner Teufel. Du zerbrachst damals eine von Mutters Ming-Vasen – absichtlich. Da bin ich ganz sicher… aber du warst noch zu jung, um zu begreifen, daß es sich
um ein kostbares Stück handelte. Also bekamst du nur einen Klaps auf die Hand. Ich kann mich auch noch gut an den Tag erinnern, als du mir eine Zigarre stahlst – und wie schlecht es dir davon wurde. Deine Mutter und ich haben damals absichtlich vermieden, dich zur Rede zu stellen, als du dann kein Abendbrot essen konntest, und es ist das erste Mal, daß ich zu dir darüber spreche. Kinder müssen solche Dinge ausprobieren und selbst darauf kommen, daß ihnen die Laster der Erwachsenen schaden. Wir sahen dir zu, wie du den Wendepunkt zwischen Kindheit und Jüngling erreichtest und dir bewußt wurde, daß Mädchen anders sind – und wunderbar.“ Er seufzte erneut. „Alles normale Entwicklungsstufen. Und dann die letzte Phase, ehe man richtig erwachsen ist, in der ein Junge sich entschließt, zum Militär zu gehen und eine hübsche Uniform zu tragen. Oder er ist überzeugt, es sei die große Liebe, so groß, wie sie noch keiner vor ihm erlebt hat – und daß er sie auf der Stelle heiraten müsse. Oder beides.“ Er lächelte grimmig. „Bei mir war es beides. Aber ich kam in beiden Fällen noch rechtzeitig auf den Boden, der Wirklichkeit zurück, ehe ich einen Narren aus mir machte und mein Leben ruinierte.“

„Aber, Vater, ich würde mein Leben nicht ruinieren. Ich werde nur Zeitsoldat – mache keine Karriere daraus.“

„Dann diskutieren wir es aus, okay? Ich werde dir sagen, was du tun wirst – weil du es von mir hören willst. Also hör zu. Erstens hat sich diese Familie seit mehr als hundert Jahren aus der Politik herausgehalten und sich nur um ihre eigenen Angelegenheiten gekümmert. Ich sehe keinen Anlaß, warum du diese stolze Tradition unterbrechen solltest. Vermutlich steckt dieser Bursche an deiner Schule dahinter – wie heißt er doch gleich? Du weißt schon, wen ich meine!“

Er bezog sich auf unseren Lehrer für Geschichte und Moralphilosophie – selbstverständlich ein ehemaliger Soldat. „Mr. Dubois.“

„Ahem, ein blöder Name – paßt zu ihm. Zweifellos ein Ausländer. Es sollte untersagt werden, die Schulen als getarnte Rekrutierungsstationen zu benützen. Ich denke, ich sollte einen Beschwerdebrief schreiben – ein Steuerzahler hat auch Rechte!“

„Aber Vater! Er wirbt doch gar nicht! Er…“ Ich unterbrach mich, weil ich nicht wußte, wie ich ihn beschreiben sollte. Mr. Dubois hatte eine schnoddrige, anmaßende Art. Er behandelte uns so, als wäre keiner von uns wirklich gut genug für den Militärdienst. Ich mochte ihn nicht. „Er tut eher das Gegenteil, entmutigt uns.“

„Ahem! Weißt du nicht, wie man einen Esel aufs Eis lockt? Nun, lassen wir das. Wenn du das Examen bestehst, wirst du Betriebswirtschaft in Harvard studieren; das weißt du bereits. Danach verbringst du ein paar Semester an der Sorbonne, gehst auf Reisen, machst dich mit unseren Generalvertretungen bekannt und schnupperst ein bißchen bei der Konkurrenz hinein. Dann kommst du wieder nach Hause und gehst an die Arbeit. Du wirst ganz unten anfangen, als Knochenarbeiter, Lagerverwalter oder ähnliches, aber das ist nur Formsache. Denn ehe du dich versiehst, wirst du dich auf einem leitenden Posten wiederfinden, weil ich nicht jünger werde. Und je früher du dir Verantwortung auf die Schulter lädst, umso besser ist es für dich. Sobald du tüchtig und verantwortungsbewußt genug dafür bist, wirst du der Boß sein. Nun, wie gefällt dir dieses Programm? Willst du statt dessen zwei Jahre deines Lebens vergeuden?“

Ich sagte nichts dazu. Es war keine Neuigkeit für mich, und ich hatte gründlich darüber nachgedacht. Vater stand auf und legte eine Hand auf meine Schulter. „Glaube nicht, mein Sohn, daß ich nicht mit dir sympathisiere; ich fühle mit dir. Aber halten wir uns doch an die Tatsachen. Hätten wir einen Krieg, wäre ich der erste, der dich ermunterte – und der seine Firma auf den Kriegsbedarf umstellte. Aber wir befinden uns nicht in einem Krieg und, gottlob, wird es keinen Krieg mehr geben. Wir haben den Krieg überwunden. Auf diesem Planeten herrschen Frieden und Glück, und wir unterhalten sehr gute Beziehungen zu anderen Planeten. Was bedeutet also diese sogenannte ‚Bundes-Wehr’? Schmarotzertum, nichts anderes. Eine funktionslose Einrichtung, ein nutzloses Fossil, das dem Steuerzahler auf der
Tasche liegt. Eine sündhaft teure Art, minderwertige Leute ein paar Jahre lang auf öffentliche Kosten zu beschäftigen, die sonst arbeitslos sein würden und sich anschließend bis zu ihrem Lebensende noch damit brüsten. Willst du so ein Schmarotzer werden?“

„Carl ist nicht minderwertig!“

„Entschuldigung, nein, er ist ein ordentlicher Junge… aber falsch beeinflußt.“ Sein finsteres Gesicht hellte sich auf, und er lächelte mich an. „Ich hatte dich eigentlich damit überraschen wollen, mein Sohn – als Geschenk für dein bestandenes Examen. Aber ich werde es dir jetzt schon verraten, damit du dir diesen Unsinn leichter aus dem Kopf zu schlagen vermagst. Nicht, daß mir bange wäre, du könntest aus der Art schlagen; ich habe Vertrauen zu deinen guten Anlagen, obwohl du noch sehr jung bist. Aber du bist verwirrt, ich weiß – und dieses Geschenk wird deine Grillen vertreiben. Kannst du raten, was es ist?“

„Äh – nein.“

Er grinste. „Eine Erholungsreise zum Mars.“

Ich war wie vom Donner gerührt. „Himmel, Vater, ich hatte ja keine Ahnung…“

„Es sollte eine Überraschung sein, und wie ich sehe, ist sie mir auch gelungen. Ich weiß, wie reisewütig ihr jungen Leute seid, obgleich ich nicht verstehe, was man daran findet, wenn man zum ersten Mal auf einem anderen Planeten gewesen ist. Aber für dich ist es genau die richtige Zeit, so eine Reise zu unternehmen – ganz allein; erwähnte ich das schon? – und auf andere Gedanken zu kommen… denn wenn du erst einmal in Amt und Würden bist, hast du so viele Dinge um die Ohren, daß du dir nicht einmal eine Woche für Luna freinehmen kannst.“

Er nahm seine Papiere wieder hoch. „Nein, bedanke dich jetzt nicht, zieh los und laß mich dieses Memorandum fertigstellen – ich erwarte in Kürze ein paar Herren. Geschäftlich.“

Ich empfahl mich. Ich glaube, er dachte, damit sei das Problem erledigt… und vermutlich dachte ich das auch. Mars! Eine Urlaubsreise zum Mars ohne meine Eltern! Doch ich erwähnte Carl gegenüber nichts davon; ich hatte den leisen Verdacht, daß er die Reise als Bestechung auslegen würde. Vielleicht war sie das auch. Ich sagte ihm nur, daß meine Ansichten und die meines Vaters sich offenbar nicht deckten.

„Meiner ist auch dagegen“, erwiderte er. „Aber es ist mein Leben.“

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Robert Heinleins Sternenkrieger (1): Kapitel 1

Von Robert Anson Heinlein; aus der deutschen Erstausgabe von 1979 (ISBN 3-404-01280-1), übersetzt von Bodo Baumann. Das Original „Starship Troopers“ wurde 1959 veröffentlicht.

Vorwärts, ihr Affen! Wollt ihr ewig leben?
Unbekannter Feldwebel, 1918

Ich bekomme immer das Zittern vor einem Absprung. Selbstverständlich habe ich die Injektionen erhalten und die hypnotische Vorbereitung, und vernünftigerweise kann ich gar keine Angst haben. Der Schiffspsychiater hat meine Gehirnwellen überprüft und mir törichte Fragen im Schlaf gestellt. Und er versichert mir, es wäre keine Angst, es wäre nichts Wichtiges – nur so ein Bibbern, wie es ein ungeduldiges Rennpferd in der Startbox befällt. Dazu kann ich nichts sagen; ich bin nie ein Rennpferd gewesen. Tatsächlich bin ich jedesmal verrückt vor Angst.

Um A-minus-dreißig, nachdem wir uns im Absetzraum der Rodger Young versammelt hatten, inspizierte uns der Zugführer. Er war nur kommissarisch Zugführer, weil Lieutenant Rascak bei unserem letzten Einsatz gefallen war. Eigentlich war er unser Zugfeldwebel, Career Ship’s Sergeant Jelal. Jelly war ein finnisch-türkisches Mischblut aus Iskander in der Nähe von Proxima – ein dunkelhäutiger kleiner Mann, schmächtig wie ein Ladenschwengel, doch ich hatte selbst erlebt, wie er zwei amoklaufende Rekruten, die so groß waren, daß er sich auf die Zehen stellen mußte, beim Schopf packte, ihre Köpfe zusammenschlug wie Kokosnüsse und dann rasch einen Schritt zurückweichen mußte, damit sie ihn nicht unter sich begruben.

Außerdienstlich war er nicht übel – für einen Feldwebel. Man durfte ihn sogar mit „Jelly“ anreden. Natürlich nicht die Rekruten, aber jeder, der mindestens einen Einsatz mitgemacht hatte.

Jetzt war er im Dienst. Jeder von uns hatte seine Kampfausrüstung selbst überprüft (es geht schließlich um euren Kopf, kapiert?), der stellvertretende Zugfeldwebel hatte uns antreten lassen und jeden gründlich überprüft, und jetzt ging Jelly die Reihe entlang mit grimmigem Gesicht und scharfen Augen, denen nichts entging. Er blieb bei meinem Vordermann im ersten Glied stehen, drückte auf den Knopf an seinem Gürtel, der seine physischen Daten preisgab, und befahl: „Wegtreten!“

„Aber, Sergeant, es ist doch nur eine Erkältung. Der Arzt meinte…“

„Aber, Sergeant!“ unterbrach ihn Jelly barsch. „Der Arzt muß nicht springen – und du wirst nicht springen mit erhöhter Temperatur. Glaubst du, ich hätte so kurz vor dem Absprung noch Zeit, mit dir zu streiten? Wegtreten!

Jenkins trat mit rotem Kopf aus dem Glied, und es traf mich ebenfalls hart. Weil es den Lieutenant beim letzten Einsatz erwischt hatte und die Männer um einen Rang aufrückten, um die Lücke zu füllen, war ich jetzt stellvertretender Gruppenführer, zweite Gruppe, und jetzt hatte ich einen Ausfall in meiner Abteilung und keinen Ersatzmann dafür. Das konnte ins Auge gehen: ein Mann kommt vielleicht in eine Klemme, ruft um Hilfe, und es ist keiner da, der ihm beispringen kann.

Jelly musterte sonst keinen mehr aus. Er stellte sich vor die Front, blickte uns an und schüttelte betrübt den Kopf. „Was für eine Horde von Affen!“ klagte er. „Vielleicht könnte man wieder von vorne anfangen, wenn ihr alle ins Gras beißen würdet, und eine Truppe aufbauen, wie der Lieutenant sie sich vorgestellt hatte. Aber wahrscheinlich geht das auch nicht mit den Rekruten, die man heutzutage als Ersatz bekommt.“ Er richtete sich plötzlich auf und rief: „Ich möchte euch Nieten nur daran erinnern, daß jeder von euch der Regierung mehr als eine halbe Million gekostet hat, an Waffen, Ausrüstung, Munition, Geräten und Ausbildung, einschließlich Unterkunft und Mastfutter, mit dem ihr eure Bäuche angefressen habt. Legt noch die dreißig Cents dazu, die ihr wirklich wert seid, und ihr seid eine verdammt teure Investition.“ Er funkelte uns an. „Also bringt das Inventar zurück! Ihr seid entbehrlich, aber das gilt nicht für die Luxusgarderobe, mit der ihr ausgestattet seid. Ich möchte keinen Helden in diesem Haufen haben; das wäre auch dem Lieutenant nicht recht. Ihr habt eine Aufgabe zu erfüllen, ihr springt hinunter, erledigt sie, haltet die Ohren offen für das Rückrufsignal und findet euch sofort wieder vollzählig am Sammelpunkt ein. Habt ihr mich verstanden?“

Er blickte uns durchbohrend an. „Jeder von euch sollte den Einsatzplan kennen. Aber da einige von euch so vernagelt sind, daß die Hypnose nicht durchschlägt, werde ich ihn noch einmal skizzieren. Ihr werdet in zwei Schützenlinien abgesetzt, wobei der Abstand zwischen den beiden Linien auf zweitausend Yards berechnet ist. Nach der Landung erfolgt sofort Peilung auf mich und Peilung und Entfernungsbestimmung auf die Nebenleute in eurer Gruppe, während ihr in Deckung geht. Damit habt ihr schon zehn Sekunden tatenlos verplempert, und deshalb führt ihr sofort einen Vernichtungsschlag gegen alle erreichbaren Ziele aus, bis die Flankenmänner gelandet sind.“ (Damit war ich gemeint – als stellver-
tretender Gruppenführer war ich linker Flügelmann, an der linken Seite ungedeckt. Ich begann zu zittern.)

„Sobald die Flügelmänner aufsetzen, richtet ihr die Linien aus und korrigiert die Abstände! Unterbrecht das Feuer und bringt Ordnung in den Haufen! Zwölf Sekunden. Dann rückt ihr im Wechselsprung vor, die ungeraden Zahlen zuerst und dann die geraden, während die stellvertretenden Gruppenführer das Manöver überwachen und die Umklammerung einleiten.“

Er blickte mich an. „Wenn ihr das vorschriftsmäßig erledigt – was ich bezweifle -, treffen die Flügel der beiden Linien zusammen, wenn das Rückrufsignal ertönt… und dann ist es Zeit, wieder nach Hause zu gehen. Irgendwelche Fragen?“

Da waren keine Fragen, es gab nie welche. „Noch etwas“, fuhr er fort, „das ist nur ein Kommandounternehmen, nicht eine Schlacht. Es ist eine Demonstration der Feuerkraft und Entschlossenheit. Wir haben die Aufgabe, dem Gegner deutlich zu machen, daß wir seine Stadt hätten zerstören können, uns aber zurückhalten. Wir verpassen ihm einen Denkzettel, wenn wir auch die Stadt vor der Vernichtung verschonen. Ihr werdet keine Gefangenen machen. Ihr werdet nur töten, wenn es unbedingt notwendig ist. Doch der Bezirk, den wir uns ausgesucht haben, wird zerstört. Ich möchte keinen von euch wieder mit einer scharfen Bombe zurückkommen sehen. Habt ihr mich verstanden?“ Er blickte auf die Uhr. „Rascaks Rauhnacken haben einen Ruf zu verteidigen. Der Lieutenant sagte zu mir, ehe er abkratzte, ich soll euch ausrichten, daß er euch immer im Auge behält… und daß er erwartet, daß ihr ihm keine Schande macht!“

Jelly blickte zu Sergeant Migliaccio hinüber, dem Führer der ersten Gruppe. „Fünf Minuten für den Pater“, erklärte er. Ein paar Jungs traten aus dem Glied und knieten sich vor Migliaccio nieder. Und es waren durchaus nicht nur Männer, die sich zu seinem Glauben bekannten. Moslems, Christen, Gnostiker, Juden – jeder, der vor einem Absprung noch geistlichen Zuspruch suchte, versammelte sich in seiner Ecke. Früher soll es Armeen gegeben haben, in denen die Geistlichen vom Dienst mit der Waffe befreit waren. Es ist mir unverständlich, wie ein Geistlicher seinen Segen zu etwas geben konnte, was er selbst zu tun nicht bereit war. In der Mobilen Infanterie jedenfalls gibt es keine Ausnahme – jeder springt und jeder kämpft: der Pfarrer und der Koch und der Schreiber des Kompanieführers. Sobald abgesetzt wurde, blieb kein Rauhnacken mehr an Bord zurück, außer Jenkins natürlich, und das war nicht seine Schuld.

Ich ging nicht zum Pfarrer hinüber. Ich hatte immer Angst, jemand könnte bemerken, wie mir die Knie zitterten. Und schließlich konnte mir der Pater auch aus der Entfernung seinen Segen erteilen. Doch er kam zu mir, nachdem die letzten Nachzügler sich wieder von den Knien erhoben, und drückte seinen Helm gegen meinen, um mir ein paar private Worte zu sagen. „Johnnie“, meinte er gelassen, „es ist dein erster Einsatz als Unteroffizier.“

„Sicher.“ Ich war nicht zum Unteroffizier befördert, sondern bekleidete diesen Posten nur kommissarisch wie Jelly, der auch nicht zum Offizier befördert war.

„Nur ein guter Rat, Johnnie. Übernimm dich nicht. Du verstehst dein Handwerk. Tu, was von dir verlangt wird, aber versuche nicht, dir einen Orden zu verdienen.“

„Vielen Dank, Pater, ich werde Ihren Rat beherzigen.“

Er fügte leise noch etwas in einer Sprache hinzu, die ich nicht verstehe, klopfte mir auf die Schulter und eilte zu seiner Abteilung zurück. Jelly rief: „Ach-tung!“ und wir standen alle still.

Zug!

Abteilung!“ riefen Migliaccio und Johnson gleichzeitig.

„Erste und Zweite Abteilung – Backbord und Steuerbord – fertigmachen zum Absetzen!“

Abteilung! An die Kapseln! Vorwärts!

Gruppe!“ – Ich mußte warten, bis Trupp vier und fünf ihre Kapseln bestiegen hatten und stellte mich hinten bei der Absetzkanone an, bis meine Kapsel auf dem Backbordlader auftauchte und ich einsteigen konnte. Ich fragte mich, ob die antiken Helden auch so gezittert hatten, als sie das Trojanische Pferd bestiegen. Oder war ich der Einzige, der davor zitterte? Jelly fertigte jede Kapsel selbst ab und legte mir persönlich die Gurte an. Dabei beugte er sich vor und sagte: „Dreh nicht durch, Johnnie. Es ist auch nicht anders als im Manöver.“

Der Deckel schloß sich über meinem Kopf, und ich war allein. „Auch nicht anders als im Manöver“, sagte er! Ich flog am ganzen Körper.

Dann hörte ich Jellys Stimme über Kopfhörer aus der mittleren Absetzkanone melden: „Brücke! Rascaks Rauhnacken… fertig zum Absetzen!“

„Siebzehn Sekunden, Lieutenant!“ erwiderte die freundliche Altstimme der Schiffskommandantin – und ich ärgerte mich, daß sie Jelly mit ‚Lieutenant’ anredete. Unser Lieutenant war zwar gefallen, und vielleicht würde Jelly sein Patent bekommen – aber wir waren immer noch ‚Rascaks Rauhnacken’.

„Viel Glück, Jungs!“ kam ihre Stimme über den Kopfhörer.

„Vielen Dank, Captain.“

„Alle Gurte fest! Noch fünf Sekunden.“

Ich war verschnürt wie ein Paket – Gurte über dem Bauch, der Stirn und den Schienbeinen. Doch ich zitterte heftiger als zuvor.

Es ist nicht mehr so schlimm, wenn du schon abgesetzt bist. Doch bis dahin sitzt du tatenlos in totaler Finsternis. Eingewickelt wie eine Mumie gegen die Beschleunigungskräfte, kaum in der Lage zu atmen. Und du weißt, daß du in deiner Kapsel nur von Stickstoff umgeben bist, wenn du glaubst, du müßtest deinen Helm öffnen, weil du sonst erstickst, aber du kannst ihn gar nicht öffnen. Und du weißt, daß du auch nicht aus der Kapsel herauskannst, weil sie nämlich in einer Kanone steckt, und wenn das Schiff getroffen wird, ehe du aus der Kanone abgefeuert wirst, hast du nicht einmal mehr Luft für ein Gebet, sondern du wirst stumm sterben, hilflos, unfähig, dich von der Stelle zu rühren. Es ist dieses endlose Warten im Dunkeln, das mein Zittern auslöst – der zermürbende Gedanke, daß sie dich vergessen haben, daß das Schiff als ausgeweidete, tote Masse im Orbit verweilt und du jetzt auch ganz langsam in deiner Kapsel an Luftmangel krepierst. Oder es wird eine Bruch-Umlaufbahn, und du stirbst beim Aufschlag, wenn du nicht schon auf dem Weg nach unten geröstet wirst.

Dann setzte das Bremsprogramm des Schiffes ein, und ich hörte auf zu zittern. Achtfache Erdbeschleunigung, würde ich sagen, oder vielleicht sogar zehnfache. Wenn ein weiblicher Pilot am Steuer sitzt, geht es auch nicht sanfter zu. Du bekommst überall dort Blutergüsse, wo du angegurtet bist. Ja, ja, ich weiß, daß sie sich besser zum Raumschiffpiloten eignen als die Männer. Ihre Reaktionen sind schneller, und sie können mehr G’s aushalten. Sie können schneller in den Orbit gehen und schneller wieder heraus und dadurch die Überlebenschance für jeden verbessern – für uns und für sich selbst. Aber deswegen ist es noch lange kein Vergnügen, wenn plötzlich das zehnfache Körpergewicht gegen die Wirbelsäule drückt.

Aber ich muß zugeben, daß Captain Deladrier etwas von ihrem Fach versteht. Da wurde keine Sekunde gebummelt, sobald das Bremsmanöver der Rodger Young zu Ende ging. Ich hörte, wie sie energisch befahl: „Mittlere Kanone klar – feuern!“ und ich spürte die beiden Rückstöße, als Jelly und sein Zugfeldwebel abgesetzt wurden. Und sofort darauf: „Backbord- und Steuerbordkanonen – automatisches Feuer!“ Jetzt kamen wir an die Reihe.

Bumm! und deine Kapsel springt eine Position weiter nach vorne – bumm! und sie bewegt sich schon wieder vor wie die Patrone im Ladegurt einer altmodischen Schnellfeuerwaffe, die in die Kammer eingeführt wird. Genau das waren wir – lebende Patronen in einem Gurt, nur daß die Rohre der Kanonen, in die man uns einführte, Zwillingsrohre waren, die in einem Raumschiff-Truppentransporter eingebaut wurden, um damit Truppen auf einem Planeten abzusetzen. Die Patronen, mit denen sie geladen wurden, waren Kapseln, gerade groß genug, um einen Infanteristen mit seiner gesamten Ausrüstung aufzunehmen.

Bumm! – Ich war an die Position drei gewöhnt, an ein frühes Absetzen. Jetzt war ich Charlie, der Letzte, Schlußmann der Abteilung von drei Gruppen. Das ist ein zermürbendes Warten, selbst wenn in jeder Sekunde eine Kapsel abgefeuert wird. Ich versuchte mitzuzählen – bumm! (zwölf) bumm! /(dreizehn) bumm! (vierzehn – mit einem merkwürdig hohlen Klang, das mußte die Kapsel sein, mit der eigentlich Jenkins abgesetzt werden sollte) bumm!

Und klick! – jetzt bin ich dran, und meine Kapsel gleitet in die Kammer – dann WHAM! die Explosion trifft mich mit einer Gewalt, daß mir das Bremsmanöver des Captains im Vergleich dazu wie eine sanfte Liebkosung erscheint.

Und dann plötzlich nichts.

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Historischer Hintergrund zum Zweiten Weltkrieg

William Joyce (Lord Haw-Haw“), ca. 1940er-Jahre.

Von William Joyce, übersetzt von Deep Roots. Das Original Historical Background to the Second World War erschien am 8. März 2012 bei Counter-Currents Publishing/North American New Right.

Anmerkung des Herausgebers [d. h. Greg Johnson]:

Das Folgende ist das erste Kapitel „Historical Background“ von William Joyces Twilight Over England. Joyce wurde in New York City geboren. Dann ging er nach Irland und England, wo er ein Mitglied von Sir Oswald Mosleys British Union of Fascists wurde. (Sein Gesicht wurde in einer Straßenschlacht mit jüdischen Schlägern schrecklich vernarbt.)

Kurz bevor Britannien den Zweiten Weltkrieg anfing, flohen Joyce und seine Frau nach Deutschland, wo er 1940 eingebürgert wurde. In seinen Schriften und populären englischsprachigen Radiosendungen unter dem Namen Lord Haw Haw strebte Joyce danach, Deutschlands Sicht auf den Krieg und die Gefahren zu erläutern, denen die europäische Zivilisation sich gegenübersah.

Nach dem Krieg exekutierten die Briten William Joyce wegen seiner Ansichten und klagten ihn des Verrats an, obwohl sie dazu keine Rechtshoheit hatten, denn Joyce war nie ein britischer Staatsbürger gewesen. Kurz, William Joyce starb, damit Sie diese Worte lesen können.

 

WIEVIEL man aus der Geschichte lernen kann, ist lange eine Sache der Spekulation gewesen.

Viel hängt von der Fähigkeit des Schülers ab. Es gibt wahrscheinlich keinen Zweig des Lernens, außer der Ökonomie, in dem Vermutungen eine so große Rolle spielen. Fast jede Anzahl von Fakten kann in parteiischer Weise ausgewählt werden, um jede Theorie zu beweisen, wie absurd sie auch sei. In diesem Kapitel wird kein Versuch einer philosophischen Verallgemeinerung gemacht werden. Unsere einzige Absicht ist es zu zeigen, wie Englands historische Entwicklung zu dem schicksalhaften und fatalen Schritt beitrug, den seine Regierung am 3. September 1939 unternahm [Britanniens Kriegserklärung gegen Deutschland].

Es liegt eine gewisse dramatische Ironie in Mr. Chamberlains Wahl des Datums. Denn der 3. September war das Datum von Oliver Cromwells Geburt und auch seines Todes. Und wieviel das England von heute Cromwell verdankt, wird von sehr wenigen gewürdigt. Diese grobe, harte, hässliche, selbstgerechte Gestalt hat immer noch ihre Bewunderer. Selbst so scharfsinnige und grundehrliche Gelehrte wie Thomas Carlyle haben ihm Anerkennung gezollt. Und die meisten der englischen Liberalen, die vor Diktatur zurückscheuen, haben am Schrein dieses militärischen Autokraten gehuldigt, weil er der erste Engländer war, der eine völlige metaphysische Einheit zwischen Bibel, Geld und Schwert erlangte. Der Leser darf nicht denken, daß wir die Tugenden von Charles I. zu debattieren beabsichtigen, des guten Vaters und treuen Ehemannes. Im Gegenteil, wenn dieser auf nüchterne Weise fromme Mensch es verstanden hätte, sein Wort zu halten, wenn er sich nicht als den Botschafter des Allmächtigen in England betrachtet hätte, wäre es gut möglich gewesen, daß der Name Oliver Cromwells in die Mittelmäßigkeit gehüllt geblieben wäre, aus der er hervorging. Das Schicksal wollte es anders.

Im Jahr 1642 brach der Englische Bürgerkrieg aus, der die gesamten Britischen Inseln in Hader verwickeln sollte. Auf der einen Seite repräsentierte Charles die unbeschränkte Monarchie, die Church of England und in einem geringen Maß ein feudales Gesellschaftskonzept; auf der anderen Seite stand eine in der Tat sehr seltsame Kombination. Es war im Wesentlichen eine Partei, die aus den Lagern der Kaufleute und der Puritaner zusammengeschweißt war, die bereits in den Tagen Königin Elizabeths Anzeichen von Aufsässigkeit gezeigt hatten.

Die Tudor-Despotie war 1485 begründet worden, weil der Handel ohne feste Regierung unmöglich gewesen wäre und auch weil das ganze Land den dauernden Zank unter den Überbleibseln der alten Aristokratie satt hatte.

Kaum hatte jedoch diese Autokratie, diese Diktatur, dem englischen Volk Wohlstand gebracht, als auch schon eine Bewegung damit begann, sich ihrer zu entledigen. Nichts auf der Welt konnte natürlicher sein, als daß die Kaufmannsprinzen, fett geworden an den Gewinnen aus der Neuen Welt, Einwände dagegen hatten, Steuern – und noch dazu hohe Steuern – an den Thron zu zahlen, der ihnen ihren Erfolg verschafft hatte. Daher entstand früh in de englischen Geschichte die unheilvolle Tendenz, Geld und Macht als synonym zu betrachten. Nun wurde diese neue Plutokratie enthusiastisch von den Puritanern unterstützt. Diese ernsten, wenn auch fanatischen Extremisten hatten unzweifelhafte Beschwerden. Es wurde ihnen sicherlich verboten, ihre Religion auszuüben. Sie wurden in vielen Fällen mit der Intoleranz dieser Zeit verfolgt, wie es auch die römischen Katholiken wurden. Diese Puritaner hatten jedoch allzu tief aus der jüdischen Philosophie getrunken. Sie waren nicht damit zufrieden, das Alte Testament zu lesen. Sie mußten sich mit den Gestalten darin identifizieren. Sie gaben sich Namen wie „Hew-Agag-In-Pieces-Before-The-Lord.“ Ben Johnson übertrieb kaum, als er seine Puritaner Tribulation Wholesome [„Gesunder Kummer“] und Zeal-in-theLand [„Eifer im Land“] nannte. Gewiß hatte sich der Materialismus der Juden, wie er im Alten Testament enthüllt wird, tief in ihre Seelen gefressen: denn bei all ihren Psalmen und all ihren Hymnen begannen sie bald, mit vollen Händen Geld zu scheffeln. Durch irgendeinen ziemlich obskuren Vorgang schlichen sie sich allmählich in die Kaufmannsschicht ein, vielleicht weil ihre Religion kein Laster außer der Liebe zum Geld erlaubte. Wenn ihr Eindringen in die Plutokratie auch nicht leicht zu erklären ist, so ist es nicht schwierig zu erklären, warum so viele Kaufleute Puritaner wurden. Der Grund war, daß es so viel würdiger klang, in Verteidigung der Religionsfreiheit gegen die Krone zu protestieren als in versuchter Steuervermeidung.

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