Was der Kapitalismus noch zu sagen hat

Von Michael Walker, übersetzt von Lucifex. Das Original What Capitalism Has Left to Say erschien am 12. August 2019 auf Counter-Currents Publishing. [Anm. d. Ü.: der Originaltitel könnte ein doppeldeutiges Wortspiel sein, mit der möglichen anderen Bedeutung: „Was der Kapitalismus der Linken zu sagen hat“.]

Charles Robin
La gauche du capital: libéralisme culturel et idéologie du Marché
Paris: Krisis, 2014

Auf den Fußspuren von Jean-Claude Michéa (dessen Our Enemy: Capital ich für Counter-Currents rezensiert habe) veröffentlichte Charles Robin, ein ehemaliger Militanter in der Linksaußenpartei Nouveau parti antcapitaliste (NPA), im Jahr 2014 ein Buch mit dem Titel La Gauche du Capital: libéralisme culturel et idéologie du Marché (Die Linke des Kapitals: Kulturliberalismus und Marktideologie). Es besteht aus einer Anzahl kritischer Essays über den Liberalismus und seine typische Beziehung zum Kapitalismus. Der erste davon, „Le Liberalisme comme Volonté et comme Representation“ („Liberalismus als Wille und Idee“) ist bei weitem der längste und nimmt 86 der 243 Seiten ein. Diese Wortschöpfung, die dem Titel von Arthur Schopenhauers berühmtestem Werk (Die Welt als Wille und Idee) entlehnt ist, verweist auf die Hauptthese des Buches, nämlich daß es nicht viele unabhängige Arten von Liberalismus gibt, sondern nur eine: eine monolithische, „totalisierende“ (Robin verwendet nicht das Wort „totalitär“) Weltsicht, getrieben vom Willen, alles plattzumachen und zu vernichten, was sich ihr widersetzt.

Robins Ziel ist, eine radikale Untersuchung des Liberalismus zu liefern. Sein Argument ist, daß alle Arten von Liberalismus – insbesondere einschließlich dessen, was er als die beiden Hauptformen sieht, den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Liberalismus – Manifestationen einer Ideologie sind und ontologisch in Wechselbeziehung stehen. Eine Analogie von Pierre Bérard im selben Sinne wird aus einem Interview für das französische „neurechte“ Journal Éléments zitiert: Zusammen, sagt er, demonstrieren der Liberalismus in der Wirtschaft und der gesellschaftliche Liberalismus „die sehr hervorstechende Versöhnung des Castor und Pollux des doppelten liberalen Denkens.“[1] Im selben Sinne lautet Robins Argument, daß die „menschliche Vielfalt“, die überall in der westlichen Welt gepriesen wird, sich auf der einen Seite im Engagement der Linken für „freie Bewegung von Menschen“ und „keine Grenzen“ widerspiegelt und auf der anderen Seite im Engagement des Kapitalismus für „die freie Bewegung von Kapital und Arbeitskräften.“ Engagement für Toleranz und Vielfalt und Engagement für Fortschritt und Profit sind dasselbe Engagement, da sie derselben liberalen Quelle entspringen.

Liberalismus wird von verschiedenen Autoren und sogar in verschiedenen nationalen Traditionen in sehr verschiedener Weise verstanden. Liberalismus scheint in Frankreich, Britannien und den Vereinigten Staaten nicht dasselbe Phänomen auszudrücken. Ich sage „scheint“, weil es genau Robins Überzeugung ist, daß verschiedene Autoren in der Betrachtung verschiedener Aspekte des Liberalismus nicht mehr oder weniger recht haben, sondern keine holistische Sicht auf den Liberalismus haben und ihn daher nicht richtig verstehen. Diejenigen, die den Liberalismus als nur links sehen, als nur laissez-faire-kapitalistisch oder nur als permissive Gesellschaftspolitik, betrachten den Liberalismus, ohne das zu erkennen, was Robin die „Prüfsteine“ der liberalen Ideologie nennt.

Überraschenderweise streicht Robin nicht die verschiedenen Konnotationen hervor, die das Wort „liberal“ in verschiedenen Ländern zu haben tendiert, Konnotationen, die durch Unterschiede in der nationalen Geschichte erklärt werden können. Wie entstand der Liberalismus? In Britannien bezog der Begriff sich ursprünglich auf die sogenannten Whigs – die protestantischere Klasse von Freihändlern, die den liberalen Manchesterkapitalismus förderten, der mehr Rechte für die Stadt und die Produktion gegenüber den wirtschaftlichen Interessen der Landwirtschaft und des Reichtums aus Landverpachtung forderte (tatsächlich wurde die erste große liberale Tageszeitung in England in Manchester veröffentlicht, der Manchester Guardian). Die Gegner der Whigs wurden durch die Partei der Krone repräsentiert, die Tories. Im Laufe der Zeit und besonders mit dem Aufstieg der Labour Party wurde der Begriff „liberal“ zumindest in Britannien zunehmend als auf jene bezogen verstanden, die einen gemäßigten dritten Weg zwischen den Kräften des Konservatismus und der Empires auf der Rechten und der Herausforderung des Sozialismus und der internationalen Arbeiterrevolution auf der Linken suchten.

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Fukuyama über Identitätspolitik

Von Greg Johnson, übersetzt von Tekumseh. Das Original Fukuyama on Identity Politics erschien am 11. Januar 2019 auf Counter-Currents Publishing.

Francis Fukuyama: Identity. Contemporary Identity Politics and the Struggle for Recognition. (Identität. Zeitgenössische Identitätspolitik und ihr Ringen um Anerkennung). London: Profile Books 2018.

 

Francis Fukuyama ist der am meisten hervorstechende lebende neokonservative Intellektuelle. Ich habe sein Werk seit 1992, als er sein erstes Buch, The End of History and the Last Man. (Das Ende der Geschichte und der letzte Mensch) veröffentlichte, bewundert und davon profitiert. Darum war ich etwas besorgt zu hören, dass er mit großer Geschwindigkeit ein neues Buch geschrieben hatte, um den Wind aus den Segeln Weißer Identitätspolitik zu nehmen.

Hat Fukuyama einen gröberen Fehler im White Nationalism entdeckt, der uns zu einem Überdenken unserer Positionen oder sogar ihrer Preisgabe bringen würde? Die Antwort ist nein. Tatsächlich ist Identity ein sehr nützliches Buch für White Nationalists, weil Fukuyama praktisch jede essentielle Prämisse für unsere Position einräumt, aber seine Argumente, um unseren schlussendlichen ethnonationalistischen Schlüssen zu widerstehen, sind extrem schwach.

Rechte Identitätspolitik ist in der menschlichen Natur angelegt.

Das wichtigste Zugeständnis, das Fukuyama macht, ist, dass Identitätspolitik in der menschlichen Natur angelegt ist und darum niemals ausgemerzt werden kann.

Die moderne liberal-globalistische Auffassung ist, dass Politik in letzter Konsequenz in rationalem Eigennutz besteht. Im Leben geht es nur darum, die Vernunft einzusetzen, um die eigenen Wünsche zu erfüllen; Liberalismus und Globalismus folgen daraus notwendig. Liberalismus ist einfach ein Rahmen, um den Individuen die Verfolgung ihrer privaten Interessen durch freie Verträge zu ermöglichen. Aber weil Vernunft eine universelle Eigenschaft ist, und alle Menschen die gleichen Grundbedürfnisse haben, gibt es keinen Grund, wieso das liberale System sich nicht über den ganzen Globus erstrecken sollte.

Liberalismus ist darum gegen alle politischen Identitäten gerichtet, die seine globale Ausdehnung verhindern; besonders die Bindung an bestimmte Rassen, Nationen, ethnischen Gruppen und religiösen Gemeinschaften, die ausschließliche Wahrheit behaupten. Linke (Liberale) halten solche Anhänglichkeiten einfach für nicht fundierte Stimmungen und Aberglauben aus der Vergangenheit, die wir abschütteln müssen und können, indem wir uns weiterentwickeln und in eine immer perfektere linke Zukunft fortschreiten. (mehr …)

Gedanken zu Plan B

NUADA

Wir alle sind vermutlich immer mal wieder in Gesprächen mit dem Argument konfrontiert: „Das mag ja alles schön und gut sein, aber eine Lösung hast du auch nicht.“ Insbesondere dürfte das denjenigen unter uns entgegenschallen, die nicht mit der Superman-Wirkung der AfD rechnen und die – wie ich – nicht nur Wahlen ganz allgemein ablehnend gegenüberstehen, sondern darüber hinaus auch nicht ganz davon überzeugt sind, dass man Dinge damit bewirken kann, indem man in großen Gruppen mit Plakaten friedlich durch die Straßen zieht.

Warum sollte das Frau Merkel stören? Ganz zu schweigen von ihren Strippenziehern. Die Antwort ist natürlich ganz offensichtlich: Es stört sie nicht die Bohne! Sie tun allenfalls ein bisschen so. Die lassen sich ja noch nicht einmal von der Antifa beeindrucken, die beim G20-Gipfel ein bisschen mehr als nur einen friedlichen Spaziergang gemacht hat.

Um es gleich vorneweg zu nehmen, ich habe wirklich keinen Plan B, der…

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Alexiej Shiropajews „Gefängnis der Nation“: Eine ethnonationalistische Geschichte Rußlands, Teil 2

Wiktor Wasnezov, „Iwan der Schreckliche“, 1897 (Detail)

Von Jarosław Ostrogniew, übersetzt von Lichtschwert (= Lucifex). Das Original Alexiey Shiropayev’s Prison of the Nation: An Ethnonationalist History of Russia, Part 2 erschien am 29. Januar 2016 auf Counter-Currents Publishing.

Teil 2 von 4. Zuvor erschienen: Alexiej Shiropajews „Gefängnis der Nation“: Eine ethnonationalistische Geschichte Rußlands, Teil 1

Der Archetyp des Tyrannen: Iwan der Schreckliche

Während Iwan III. das Fundament eines unabhängigen russischen Königreichs schuf (oder vielmehr eines orthodoxen Moskowiter Khanats), war es sein Enkel Iwan IV. Wassiljewitsch, besser bekannt als Iwan der Schreckliche, der das zaristische Rußland schuf und die wahren Moskowiter Expansionen des 16. Jahrhunderts begann.

Shiropajew identifiziert die Gründung der Opritschnina als die größte Errungenschaft des antirussischen Projekts unter Iwan dem Schrecklichen. Opritschnina ist ein Begriff, der für die Beschreibung der Innenpolitik von Iwan dem Schrecklichen verwendet wird: brutale Stärkung der Macht des Zaren und Unterdrückung allen Widerspruchs, was die Zerschlagung der inneren Opposition seitens der Bojaren (der russischen Adeligen) oder jeglicher separatistischer Tendenzen bedeutete. Die Ausführenden dieser Politik waren die Opritschniks: Mitglieder einer Elitegarde, die direkt dem Zaren verantwortlich war. Sie wurden zu seinen Hunden und Besen erklärt (zur Bewachung und Säuberung seines Königreichs). Die Methoden der Opritschniks waren Folter und Hinrichtungen, Terror und Verrat. Shiropajew betrachtet die Opritschniks als Vorbild für die spätere sowjetische Sicherheitstruppe, die Tscheka, die Russen nach der Revolution hinrichtete.

Iwan der Schreckliche wird oft als labiler, geistesgestörter Mann dargestellt, dem es – trotz seiner Krankheit – gelang, einen effektiven russischen Staat aufzubauen. Shiropajew sieht das anders: Iwans Handlungen erscheinen abnormal im Vergleich zu europäischen Herrschern. Aber wenn man ihn mit mongolischen Khanen vergleicht, so sind seine Zornausbrüche, seine Ausrottungen ganzer Populationen, seine Neigung zu Grausamkeit und daß er sogar Mitglieder seiner eigenen Familie ermordete, nur typische Eigenschaften eines asiatischen Despoten. Seine Politik des Terrors und der Expansion sollte nicht als bloße persönliche Marotten betrachtet werden. Sie sind genau die Art, wie die mongolische Tyrannei und die Horde immer funktioniert hatten.

Die Mutter von Iwan dem Schrecklichen war Helena Glinskaja, deren Familie vom mongolischen Khan Mamai selbst abstammte. Iwan der Schreckliche war Asiate in Blut und Geist, was einer der Gründe dafür ist, daß er keine Zurückhaltung bei der Ausrottung der russischen Bevölkerung hatte, die er als seine Sklaven von fremder Herkunft betrachtete. Unter der Herrschaft von Iwan dem Schrecklichen erlitten Asiaten keine Diskriminierung; ganz im Gegenteil. Der Zar respektierte die asiatischen Adelstitel und betrachtete den mongolischen Adel als von höherem Rang als seine weißen Untertanen (oder genauer: Sklaven). Jedoch begünstigte Iwan der Schreckliche das orthodoxe Christentum und förderte die Christianisierung, was im Grunde bedeutete, daß die Ostexpansion Rußlands in Rassenvermischung resultierte, da getaufte Mongolen als reguläre Mitglieder der orthodoxen Gesellschaft betrachtet wurden.

Der letzte Khan des Khanats von Kasan, Yadegar Mokhammat, kämpfte zuerst gegen Iwan den Schrecklichen, akzeptierte aber schließlich die Herrschaft des Zaren, konvertierte zum Christentum und wurde unter dem Namen Simeon Kasajewitsch ein russischer Adeliger. Ein weiterer Khan, Sain-Bulat, später bekannt als Simeon Bekbulatowitsch, heiratete eine der Töchter von Iwan dem Schrecklichen und wurde (für ein Jahr) vom Zaren zum Großfürsten der Rus‘ gemacht; Simeon wurde später zum Großfürsten über Twer und Torschok gemacht, zu einem der Befehlshaber der Armee des Zaren, und wurde schließlich ein orthodoxer Mönch. Ein weiterer Tatar am Hof des Zaren war Boris Godunow, einer der Opritschniks, ein Mitglied einer christianisierten mongolischen Familie, der einer der Favoriten von Iwan dem Schrecklichen war und nach dessen Tod Zar wurde.

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Was Populismus nicht ist

Von Greg Johnson, übersetzt von Lucifex. Das Original What Populism Isn’t erschien am 28. Dezember 2018 auf Counter-Currents Publishing.

Jan-Werner Müller
What is Populism?
Penguin, 2017

Wenn ein politisches Establishment sich von einer wachsenden Kraft wie dem Nationalpopulismus bedroht fühlt, dann besteht Plan A darin, das Establishment zu verteidigen und seine Gegner anzugreifen, indem es geistig durchschnittliche Journalisten entsendet, um zu spotten und zu verhöhnen, und geistig durchschnittliche politische Schreiberlinge, um parteipolitische Argumente zu konstruieren. Das Ziel des Establishments ist, die Loyalität seiner Basis zu verstärken, die Köpfe der Unentschlossenen zu vergiften und Dissidenten zu demoralisieren, indem es sie wie Dreck behandelt.

Wenn es Plan A nicht gelingt, die steigende Flut zurückzudrängen, dann besteht Plan B darin, die akademischen Gehirn-Bugs auf das Studium der Opposition und die Formulierung von Kritiken und Gegenstrategien anzusetzen. Offensichtlich lautet die Annahme von Plan B, daß das Establishment objektives Wissen braucht, um ernsthaften Gegnern zu kontern. Es besteht jedoch eine Gefahr, daß Spuren der parteipolitischen Apologetik der ernsthaften intellektuellen Analyse von Plan B in die Quere kommen. Ein Paradebeispiel dafür ist Jan-Werner Müllers What Is Populism?

Populismus und Demokratie bedeuten genau das Gleiche. Sogar ihre Etymologien sind dieselben. Demos ist Griechisch und populus ist Lateinisch für „das Volk“. „Das Volk“ bezieht sich richtigerweise auf das Ganze eines Staatswesens, kann aber auch „die Vielen“ bezeichnen – die gewöhnlichen Leute im Gegensatz zu den Eliten.

Populisten verwenden „das Volk“ in beiderlei Sinn. Populisten meinen, daß politische Legitimität auf dem Gemeinwohl der Gesellschaft beruht – des Volkes als Ganzem. Aber Populisten sprechen oft im Namen des Volkes im engeren Sinn von „die Vielen“, denn wenn politische Systeme vom Gemeinwohl abweichen, dann nimmt es buchstäblich immer die Form an, daß „die Wenigen“ – Regierungs- und Wirtschaftseliten – ihre Gruppeninteressen auf Kosten der Vielen verfolgen. Daher verteidigen und mobilisieren populistische Bewegungen das Volk im engeren Sinne, um ein Regime wiederherzustellen, das den Interessen des Volkes im breiten Sinn dient.

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„Das Volk bin ich“: Rezension von Jan-Werner Müllers „What is Populism?“

Von F. Roger Devlin, übersetzt von Lucifex. Das Original Le Peuple, C’est Moi erschien am 18. Dezember 2018 auf Counter-Currents Publishing.

Jan-Werner Müller
What Is Populism?
Penguin, 2017

Jan-Werner Müller, ein gebürtiger Deutscher, ist Professor für Politik an der Princeton University und der Autor mehrerer vorheriger Bücher. Die vorliegende Studie über den Populismus wurde 2016 von der University of Pennsyslvania Press veröffentlicht und schnell von Penguin Books in einem beliebten Taschenbuchformat nachgedruckt. Diese für einen akademischen Titel ungewöhnliche Auszeichnung verdankt natürlich viel der jüngsten Mode des Begriffs „populistisch“, aber auch der ungewöhnlichen Klarheit der These des Autors und deren Darlegung.

Es gibt wenig allgemeine Einigkeit über den Populismus, außer daß es eine Form der Politik ist, die sich für das „Volk“ gegen die Eliten einsetzt. Müller bemerkt, daß eine solche Haltung tatsächlich eine notwendige Voraussetzung für die Identifizierung eines Politikers oder einer Bewegung als „populistisch“ ist, aber keine ausreichende. Er lehnt psychologisierende Erklärungen ab, die sich auf den „Zorn“ von Populisten fokussieren, während sie dessen Ursachen ignorieren. Diese Arten von Theorien behaupten, daß das, was Populisten wirklich brauchen, nicht politische Repräsentation oder die Beseitigung objektiver Mißstände ist, sondern eine Art von Psychotherapie. Das ist sowohl herablassend als auch etwas, das unheimlich an den alten sowjetischen Mißbrauch der Einweisung von Dissidenten in psychiatrische Kliniken erinnert.

Die wahrhaft essentielle Eigenschaft des Populismus ist nach Müllers Sichtweise der Anspruch auf ausschließliche Vertretung des Volkes. Das erste Beispiel, das er anbietet, ist der gegenwärtige Präsident der Türkei, Recep Erdogan. Bei einem vor kurzem stattgefundenen Parteikongreß antwortete Erdogan seinen Kritikern mit der Bemerkung: „Wir sind das Volk; wer seid ihr?“ Der Autor kommentiert:

Natürlich wußte er, daß seine Gegner ebenfalls Türken waren. Der Anspruch auf ausschließliche Vertretung ist kein empirischer; er ist immer eindeutig moralisch. Populisten stellen ihre politischen Konkurrenten als Teil der unmoralischen, korrupten Elite dar.

Kurz gesagt, der Populist ist nach Müllers Darstellung die politische Gestalt oder Bewegung, die angedeutet oder ausdrücklich behauptet: le peuple, c’est moi – das Volk bin ich.

Dies ist eine kühne These, nicht zuletzt, weil sie nach dem eigenen Eingeständnis des Autors die People’s Party der amerikanischen 1890er – die oft als die originalen Populisten betrachtet wird – davon disqualifiziert, als „wahre“ Populisten betrachtet zu werden. Sie unterstellt auch, daß das antike Athen, trotzdem es uns das Wort Demagoge vermachte, keine „wahren“ populistischen Führer hervorbrachte, denn niemand konnte in einer direkten Demokratie, die keinen Gebrauch von Repräsentation machte, Anspruch auf ausschließliche Vertretung erheben. Weiter hinten in dem Buch erklärt er auch, daß Bernie Sanders nach dieser Definition nicht als Populist qualifiziert wäre.

Aber Müller verweist sicherlich auf eine reale und hervorstechende Neigung vieler Politiker, die als populistisch bezeichnet werden. Hugo Chavez’ Wahlkämpfe bringen Slogans wie „Chavez ist das Volk! und „Chavez, wir sind Millionen, auch ihr seid Chavez!“ George Wallace begann seine berühmte „Rassentrennung für immer“-Rede mit der folgenden großspurigen Erklärung: „Im Namen des großartigsten Volkes, das jemals auf Erden wandelte, ziehe ich die Linie im Staub und werfe der Tyrannei den Fehdehandschuh vor die Füße…“ Der Autor fragt spitz, mit welcher Autorität der Gouverneur von Alabama annahm, im Namen des amerikanischen Volkes als Ganzem zu sprechen.

Klarerweise erhalten populistische Politiker niemals einhundert Prozent Unterstützung von den Wählern. Um diese unbequeme Tatsache zu umschiffen, neigen sie dazu, an die vage Vorstellung vom „wirklichen“ Volk zu appellieren, das aus der Gesamtsumme der tatsächlichen Staatsbürger herausgezogen und von dieser unterschieden werden muß. Als zum Beispiel Nigel Farage im Brexit-Referendum das Ergebnis bekam, das er wollte, nannte er es einen „Sieg für das wahre Volk,“

und machte damit die 48 Prozent der britischen Wählerschaft, die dagegen gewesen waren, das Vereinigte Königreich aus der Europäischen Union herauszuholen, irgendwie weniger als real – oder stellte ihren Status als eigentliche Mitglieder der politischen Gemeinschaft in Frage.

In ähnlicher Weise hat eine populistische finnische Partei sich bis vor kurzem die „Wahren Finnen“ genannt.

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Als der Konsens zerbricht: das Ende der Römischen Republik

Aus GEO EPOCHE Nr. 50 „ROM: Die Geschichte der Republik“

Jahrhundertelang eilt Rom von Sieg zu Sieg, beherrscht schließlich fast das gesamte Mittelmeer. Und doch scheitert die Republik. Der Historiker Bernhard Linke über die Gründe für deren Niedergang:

GEO EPOCHE: Herr Professor Linke, die Römische Republik hat mehr als 400 Jahre bestanden, länger als irgendeine andere Republik der Weltgeschichte. Was macht ihren Erfolg aus? Ihre militärische Schlagkraft?

Bernhard Linke: Eher ihre enorm starke Mittelschicht.

Das müssen Sie uns erklären.

Die Römische Republik ist eigentlich eine Agrargesellschaft, selbst die Oberschicht rekrutiert sich traditionell aus Landbesitzern, die meisten Römer sind und bleiben während der gesamten Antike Bauern. Und diese Bauern sind autark. Der Familienvater führt den Hof, darf Eigentum erwerben und verkaufen, darf richten über seine Sklaven, sogar über seine Frau, seine Kinder. Der pater familias übernimmt also staatliche Aufgaben. Das sind freie, unabhängige Männer, die das auch bleiben wollen.

Was hat das mit dem Erfolg der Republik zu tun?

Es ist das Fundament, denn diese Bürger stellen die Soldaten. Sie kämpfen für ihre Freiheit, für ihre Eigenständigkeit. Und sie kämpfen für Beute. Deswegen folgen sie den Feldherren der senatorischen Oberschicht in den Krieg. Die innenpolitischen Verhältnisse bleiben stabil, weil die Republik ab etwa 340 v. Chr. expandiert, sehr viel Beute da ist, sehr viele Ressourcen akquiriert werden – und weil sich die senatorische Oberschicht damit „Zufriedenheit“ bei der Mittelschicht sichern kann. Zugleich haben alle in dieser Beutegemeinschaft verbundenen Bürger das Gefühl, den anderen Völkern überlegen zu sein. Dieses Selbstverständnis macht die Römer unglaublich stark.

Der Konsens hält aber nicht ewig. 133 v. Chr. erschlagen Senatoren nach einem Machtkampf den Volkstribun Tiberius Gracchus. Die Feldherren Sulla und Caesar werden später zu Diktatoren. Was bringt das Erfolgssystem ins Wanken?

Das ist immens kompliziert. Zunächst einmal beginnt mit dem 2. Jahrhundert v. Chr. eine Zeit der tiefgreifenden Verwerfungen. Während des Zweiten Punischen Krieges bringt Hannibal den Römern gewaltige Verluste bei. Wenn unsere Schätzungen richtig sind, kommen allein in den ersten Kriegsjahren ungefähr 25 Prozent der wehrfähigen Bevölkerung um. Zugleich sind etwa zwei Drittel aller Senatoren gefallen. Die alte Oberschicht ist geschwächt. Die nachwachsende Generation ist weitgehend ausradiert. Mehr als 100 Senatorenposten müssen nun mit Leuten aus völlig neuen Familien besetzt werden.

Ein gewaltiger Traditionsbruch.

Es herrschen schwierige Verhältnisse im Senat. Die alten Familien sehen sich sogar gezwungen, die Neuen mit Sittengesetzen dazu zu bringen, sich wie richtige Senatoren zu verhalten. Anschließend gewinnen die Römer zwar in kürzester Zeit den Osten dazu, Makedonien wird 168 v. Chr. zerschlagen, das kleinasiatische Seleukidenreich düpiert – doch dann geschieht Erstaunliches: Die römische Oberschicht hört auf zu erobern.

Warum?

Das wissen wir nicht. Leider bricht auch Livius – unsere Hauptquelle – hier ab. Aber eines ist gewiss: Die Oberschicht nutzt die äußeren Ressourcen immer weniger, es kommt kaum noch Beute nach Rom.

Wie steht die Mittelschicht dazu?

Die römischen Bauern sitzen spätestens seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. auf sehr fruchtbaren Böden, die meisten Bürger sind wohl gut ernährt. Die Kinder haben große Chancen, erwachsen zu werden. Die Kriege haben aber bisher auch dazu geführt, dass die Gesellschaft nicht zu stark anschwillt und keine Tendenzen der Verarmung da sind – denn gefallene Soldaten konkurrieren nicht mit ihren Geschwistern daheim, können nicht heiraten, keine Kinder zeugen.

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Informationen für Schießwütige – Waffenrecht in der BRD

Von Dunkler Phönix (ursprünglich erschienen auf „As der Schwerter“; Titelbild von Osimandia)

Diesen Artikel wollte ich schon lange schreiben, habe das aber immer vor mir hergeschoben. Nun hat aber ein Gespräch mit einem noch aktiven Sportschützen einige neue Erkenntnisse über die Rechtslage erbracht, so dass ich mich aufgerafft habe.

Solltet ihr die Absicht haben eine Schusswaffe zu erwerben um z.B. eure Familie zu schützen und ihr wohnt in der BRD und die Waffe soll nicht illegal sein, bleibt euch nur eine Option: Auswandern!

Das Waffenrecht der BRD sieht das Führen von Waffen in einer Art und Weise, dass man sich damit wehren kann, nicht vor. Nicht zu Hause und erst Recht nicht auf der Straße.

Einen Waffenschein kriegen nur Leute, die „im öffentlichen Leben stehen“; sprich: Politiker, Schauspieler, Prominente, im Klartext: Huren der NWO. Von denen haben übrigens recht viele einen Schein und tragen auch eine Waffe, selbst (und gerade) diejenigen, (bitte unbedingt diesem Link folgen!) die immer wieder für eine Verschärfung des Waffenrechtes plädieren.

Dann gibt es Leute, die dienstlich Waffen tragen, also vor allem Polizisten, Soldaten und Personenschützer. Diese Berufsgruppen tragen ihre Waffen bis auf einige wenige Ausnahmen nur im Dienst. Das heißt der Streifenpolizist lässt seine Dienstwaffe auf der Dienststelle, wenn er abends nach Hause geht. Auch der SEK-Elitepolizist trägt nur im Einsatz Waffen mit sich. Ebenso verbleiben die Kriegswaffen, mit denen ein Soldat hantiert, in der Kaserne, wenn er Freigang hat. Einige Kriminalbeamte, verdeckte Ermittler und Personenschützer haben das Recht, ihre Waffe zu Hause zu verwahren. Dort kommt sie allerdings nicht unters Bett, sondern in den Waffenschrank (mehr dazu unten). Es ist nicht vorgesehen, dass jemand, der dienstlich Schusswaffen trägt, diese auch in der Freizeit einsetzt, z.B. um spontan Nothilfe zu leisten.

Zuletzt gibt es noch Bürger, die Schusswaffen zu bestimmten Zwecken benutzen, nämlich Jäger, Sportschützen und Brauchtums-Schützen. Bei diesen Personengruppen sieht das BRD- Waffenrecht so rigide Verfahrensweisen in Bezug auf Transport und Lagerung vor, dass es schon kein Zufall mehr sein kann, wenn einer von ihnen tatsächlich in eine Notwehrsituation gerät und dann die Waffe parat hat.

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Technologischer Utopismus und ethnischer Nationalismus

Von Greg Johnson, übersetzt von Lucifex. Das Original Technological Utopianism & Ethnic Nationalism erschien am 17. September 2018 auf Counter-Currents Publishing.

Anmerkung des Autors: Dies ist der Text meiner Rede beim vierten Treffen des Scandza Forum in Kopenhagen am 15. September 2018. In meiner früheren Rede beim Scandza Forum argumentierte ich, daß wir ethnonationalistische Botschaften für alle weißen Gruppen entwickeln müssen, sogar für Trekkies. Dies ist mein Brief an die Trekkies. Ich möchte jedem danken, der dort war, und jedem, der das Forum möglich machte.

Die Idee, eine utopische Gesellschaft durch wissenschaftlichen und technologischen Fortschritt zu schaffen, reicht bis zu Gründern der modernen Philosophie wie Bacon und Descartes zurück, obwohl die Idee bereits von Machiavelli angedeutet wurde. Aber heute leiten sich die Vorstellungen der meisten Menschen von einem technologischen Utopia von der Science Fiction ab. Mit der bemerkenswerten Ausnahme von Frank Herberts Dune-Serie tendiert die Science Fiction dazu, Fortschritt mit politischem Liberalismus und Globalismus zu identifizieren. Denkt bloß an Star Trek, worin die liberale, multirassische Föderation ständig gegen immerwährende Übel wie Nationalismus und Eugenik kämpft. Daher ist es wert zu fragen: Ist ethnischer Nationalismus – der illiberal und antiglobalistisch ist – mit technologischem Utopismus kompatibel oder nicht?

Meine Sicht ist, daß technologischer Utopismus nicht nur mit ethnischem Nationalismus kompatibel ist, sondern auch, daß Liberalismus und Globalisierung den technologischen Fortschritt untergraben und daß der Ethnostaat in Wirklichkeit der ideale Inkubator für die technologische Apotheose der Menschheit ist.

Bevor ich jedoch diese Punkte diskutiere, muß ich ein bißchen darüber sagen, was technologischer Utopismus beinhaltet und warum Menschen denken, daß er auf natürliche Weise zur Globalisierung paßt. Das Wort Utopia bedeutet wörtlich Nirgendwo und bezeichnet eine Gesellschaft, die nicht verwirklicht werden kann. Aber beim Fortschritt von Wissenschaft und Technologie geht es um die Eroberung der Natur, d. h., die Erweiterung der Macht und Reichweite des Menschen, sodaß Utopia erreichbar wird. Zu den spezifischen Ambitionen des wissenschaftlichen Utopismus gehören die Abschaffung des materiellen Mangels, die Erforschung und Besiedelung der Galaxis, die Verlängerung des menschlichen Lebens und die Aufwärtsevolution der menschlichen Spezies.

Es ist natürlich, zu denken, daß wissenschaftlicher und technologischer Fortschritt Hand in Hand mit der Globalisierung gehen. Die Wirklichkeit ist eins, daher müssen die Wissenschaft, die die Wirklichkeit versteht, und die Technologie, die sie manipuliert, ebenfalls eins sein. Wissenschaft und Technologie sprechen eine universale Sprache. Sie sind kumulative kollaborative Unternehmungen, die die Beiträge der besten Menschen von überall auf dem Globus mobilisieren können. Daher erscheint es als vernünftig, daß der Weg zum technologischen Utopia von nationalen Grenzen nur behindert werden kann. Ich werde drei Argumente anbieten, warum das nicht so ist.

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Schußwaffen, Privatsphäre und durchsichtige Rucksäcke

Von C. B. Robertson, übersetzt von Lucifex. Das Original Guns, Privacy, & Clear Backpacks erschien am 30. März 2018 auf Counter-Currents Publishing.

David Hogg

Der Aktivismus des seltsam stark von den Medien präsentierten David Hogg, eines Schülers an der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland, Florida, hat genau das zur Folge gehabt, was er wollte: die Schule tritt in Aktion und wird von allen Schülern verlangen, durchsichtige Rucksäcke zu tragen, wenn der Frühling kommt.

Hogg jedoch begriff nicht, daß es das war, was er verlangte. Nun beklagen er und seine Mitschüler sich, daß die Rucksäcke ihr Recht auf Privatsphäre verletzen werden.

Hier stellt sich eine seltsame Frage: Warum auf Erden sollten wir ein „Recht“ auf Privatsphäre haben? Immerhin hat man nichts zu fürchten, wenn man nichts zu verbergen hat, richtig?

Während es eine nette Art ist, die Leute zu beruhigen, wenn man sagt, wir hätten nichts zu verbergen, sollten wir alle Dinge haben, die wir verbergen. Nichts zu verbergen zu haben, ist nur in einer Welt sinnvoll, in der wir jedem vertrauen können, und es gibt eine Menge Leute, denen wir nicht trauen sollten, vor allem der Regierung.

Information ist Macht, und je mehr Information jemand über euch hat, desto mehr Macht hat er über euch. Wenn ihr ein anonymes Mitglied der Dissidenten Rechten seid, und jemand weiß, wo ihr wohnt, und eure Telefonnummer hat, dann kann er euch erpressen oder diese Information an religiöse oder politische Radikale schicken und sie darüber informieren, daß ihr ein Feind seid. Wenn ihr zu Hause eine Sicherheitsanlage habt und jemand weiß, wo eure Kameras sind, kann er in euer Haus einbrechen, ohne identifiziert zu werden. Wir wahren Geheimnisse als Absicherung gegen nicht vertrauenswürdige Leute. Dies ist der Grund, warum wir Stalking – ein im Grunde räuberisches Verhalten – als Akt der Aggression behandeln.

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