Die Gedanken-Falle

Von Clifford D. Simak. Das Original „Junkyard“ erschien im Mai 1953 in GALAXY SCIENCE FICTION; deutsche Übersetzung von Lothar Heinecke aus Ullstein 2000 – Science Fiction Stories 66, 1977 (ISBN 3-548-03323-7).

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Sie glaubten, das Geheimnis enträtselt zu haben. Sie hatten ein paar scharfsinnige Überlegungen angestellt, die entsprechenden Schlüsse gezogen – aber sicher waren sie sich ihrer Sache nicht. Es war dies zwar nicht die Art, in der üblicherweise eine Abteilung des Vermessungsdienstes ihre Arbeit tat. Für gewöhnlich griffen sie ein Problem auf, schüttelten es kräftig durch und ließen nicht locker, bis sie herausgeholt hatten, was herauszuholen war, und konnten abschließend immer mit einer eindrucksvollen Liste von Tatsachen aufwarten. Hier jedoch gab es keine einzige greifbare Tatsache außer der einen, die selbst einem zwölfjährigen Kind als solche erschienen wäre.

Commander Ira Warren machte sich deshalb Sorgen, und er äußerte sich auch in diesem Sinne, als er sich mit Schlappohr Brady, dem Schiffskoch und etwas anrüchigen Kumpan seiner Jugendzeit unterhielt. Die beiden fuhren jetzt schon seit mehr als dreißig Jahren zusammen und konnten, obwohl oder weil sie an entgegengesetzten Enden der Rangliste standen, sich gegenseitig doch Dinge sagen, die sie keinem anderen an Bord sagen konnten oder einem anderen Mann hätten erlauben können zu sagen.

„Schlappohr“, sagte Warren, „ich mach mir Sorgen.“

„Du machst dir immer Sorgen“, gab Schlappohr zurück. „Das gehört nun mal zu deinem Job.“

„Die Sache mit dem Schrottplatz…“

„Du wolltest schließlich was werden“, sagte Schlappohr, „und ich hab dir gesagt, was dann passieren würde. Ich hab dich gewarnt. Autorität – das heißt Verantwortung, und das heißt Sorgen. Damit mußt du dich abfinden. Hm, also es geht um diese Schrottplatz-Geschichte? Ich hab da noch irgendwo eine Flasche stehen. Wie wär’s denn mit einem kleinen Schluck?“

Warren wies den Gedanken weit von sich. „Eines Tages werde ich es dir schon mal besorgen. Ich kann mir nicht denken, wo du das Zeug immer versteckt hältst, aber auf jeder Fahrt…“

„Aber Ira! Nun reg dich bloß nicht unnütz auf.“

„Aber auf jeder Fahrt schleppst du genug totes Gewicht an Alkohol mit, um immer halb beduselt herumlaufen zu können.“

„Es ist Gepäck“, meinte Schlappohr störrisch. „Schließlich darf man doch wohl sein Reisegepäck mitnehmen. Ich hab sonst nicht viel anderes. Ich bringe eben meine Getränke mit.“

„Eines Tages“, sagte Warren heftig, „wirst du erleben, daß man dich deshalb fünf Lichtjahre von Nirgendwo aus dem Schiff hinauswirft.“

Die Drohung war nicht neu und konnte deshalb Schlappohr auch nicht weiter aufregen.

„Diese Sorgen machen dich noch ganz krank“, sagte Schlappohr, „und sie bringen dich auch nicht weiter.“

„Aber unser wissenschaftliches Team hat versagt“, widersprach Warren. „Begreifst du denn nicht, was das heißt? Zum ersten Mal in mehr als hundert Jahren Vermessungsarbeit haben wir Anzeichen gefunden, die darauf hindeuten, daß noch eine andere Rasse außer der menschlichen die Raumfahrt kennt. Und wir wissen nichts darüber. Aber wir sollten es. Bei der Menge des Plunders, der da draußen herumliegt, sollten wir inzwischen ein dickes Buch darüber schreiben können.“

Schlappohr spuckte verächtlich aus. „Du meinst, diese Wissenschaftler sollten es.“

Auf die Art und Weise, wie er „Wissenschaftler“ aussprach, klang es wie ein unanständiges Wort.

„Die sind schon in Ordnung“, sagte Warren. „Die besten, die es gibt.“

„Erinnerst du dich noch an die alten Tage, Ira?“ fragte Schlappohr. „Damals, als du noch ein kleiner Leutnant warst und wir uns ab und zu einen hinter die Binde gossen und…“

„Was hat das mit dieser Sache zu tun?“

„Damals hatten wir noch richtige Männer an Bord. Wir haben uns einen Knüppel gegriffen, uns ein paar Eingeborene geschnappt und ihnen mit dem Knüppel ein bißchen nachgeholfen. Und auf diese Weise haben wir in ein paar Stunden mehr in Erfahrung gebracht als diese Wissenschaftler mit ihren Methoden in einem Monat.“

„Du übersiehst eine Kleinigkeit“, sagte Warren. „Hier gibt es keine Eingeborenen.“

Tatsache war, daß es auf diesem Planeten weder Eingeborene gab noch sonst was zu holen war. Es war ein ausgesprochen armseliger Planet, und er würde auch die nächste Milliarde Jahre nicht viel ansehnlicher werden. Verständlicherweise war der Vermessungsdienst nicht allzu sehr an Planeten interessiert, die erst in einer Milliarde Jahren etwas darstellen würden.

Seine Oberfläche bestand zum größten Teil aus gewachsenem Fels und herumliegenden Gesteinstrümmern. Während der letzten halben Million Jahre waren die ersten primitiven Pflanzen aufgetaucht. Moose und Flechten füllten die Felsspalten und krochen über das Gestein, aber davon abgesehen schien kein anderes Leben vorhanden zu sein. Obwohl, um genau zu sein, man dessen nicht sicher sein konnte, denn keiner hatte sich eingehender für den Planeten interessiert. Sie hatten ihn weder genauer untersucht noch nach Leben geforscht. Dafür war jedermann viel zu sehr an dem Schrottplatz interessiert gewesen.

Ursprünglich hatten sie nicht einmal die Absicht gehabt, hier zu landen. Sie hatten den Planeten umkreist, die üblichen Messungen vorgenommen und die üblichen Angaben in das Logbuch eingetragen.

Dann hatte jemand, der hinter einem Teleskop saß, den Schrottplatz entdeckt, und sie waren gelandet, um ihn sich näher anzusehen, und hatten ein Vexierspiel vorgefunden, das sie fast an den Rand des Wahnsinns trieb.

Sie hatten die Stelle Schrottplatz getauft, und etwas anderes war sie auch nicht. Ringsherum verstreut lag ein Haufen Zeug, das allem Anschein nach Maschinenteile waren, obwohl niemand etwas Bestimmtes sagen konnte. Pollard, der Ingenieur, war über der Aufgabe, einige von ihnen zusammenzubauen, bald verrückt geworden. Schließlich hatte er drei Stücke irgendwie zusammenbekommen, aber klüger war er dadurch auch nicht geworden. Deshalb wollte er sie wieder auseinandernehmen, schon um zu sehen, wie er sie zusammenbekommen hatte. Er bekam sie nicht wieder auseinander. Das war der Moment, wo Pollards Nerven mit ihm durchgingen.

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Zukunftsvisionen aus dem „Zweiten Goldenen Zeitalter“ der Science Fiction

Von Lucifex.

In Ergänzung zu den von mir immer wieder veröffentlichten Science-Fiction-Geschichten und als visuelle „Einladung zu Gedankenreisen“ bringe ich hier fünf musikunterlegte Videos mit Zusammenstellungen klassischer Science-Fiction-Illustrationen der 1970er und 1980er von Künstlern wie Angus McKie, Bob Layzell, Bob McCall, Chris Foss, Chris Moore, Colin Hay, Fred Gambino, Jim Burns, John Berkey, John Harris, John Schoenherr, Peter Elson, Peter Jones, Syd Mead, Tim White, Tony Roberts oder Vincet Di Fate.

Die Videos haben eine Länge von je zehn Minuten, und die Musik ist von Tangerine Dream (das Stück zum ersten Video heißt „Stratosfear“):

Als Ergänzung folgt hier noch „Syd Mead – Visual Futurism“ (ebenfalls 10 min.):

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Neue Kommentarpolitik auf „Morgenwacht“: Wie bereits hier unter Punkt 1 angekündigt, am Schluß dieses Kommentars wiederholt als Absicht geäußert und in diesem Kommentar endgültig festgelegt, werden neue Kommentatoren nicht mehr zugelassen und sind die Kommentarspalten nur noch für die bereits bekannte Kommentatorenrunde offen.

Rasse in The Wandering Earth

Von Collin Aisling, übersetzt von Lucifex. Das Original A World without America: Race in The Wandering Earth erschien am 15. Mai 2019 auf Counter-Currents Publishing. Der obige Trailer (mit holprigen deutschen Untertiteln) wurde vom Übersetzer eingefügt.

Die Prämisse von The Wandering Earth, entstanden unter der Regie von Frank Gwo auf Basis des gleichnamigen Romans von Liu Cixin, ist, daß die Erde in ein neues Sonnensystem übersiedeln muß, nachdem die Sonne überaktiv wird. Riesige Triebwerke schieben die Erde von der Sonne weg, was die menschliche Spezies in den Untergrund zwingt.

Statt einer Rezension des Films, den man zusammenfassend als leidlich unterhaltsamen Science-Fiction-Film voller 2012-ähnlicher Nahtoderfahrungen beschreiben kann, ist es viel interessanter, wie der Film Rasse, Sprache und Nationalität behandelt. Die Beziehung des Menschen zur Technologie ist natürlich ein entscheidendes Element, und der beste Teil des Films ist die Gestaltung und Darstellung der Triebwerke und der Konzepte, die das Projekt „Wandernde Erde“ funktionieren lassen würden.

Der Film folgt im Wesentlichen zwei Perspektiven: jener des jungen Liu Qi und seiner adoptierten Halbschwester Han Duoduo, und jener von Liu Qis Vater Liu Peiqiang (gespielt von Wu Jing aus den „Wolf Warrior“-Filmen). Qi und Duoduo beginnen die Geschichte unterhalb von Peking im vierundzwanzigsten Jahrhundert. Duoduo sitzt in etwas, das ein gewöhnliches Klassenzimmer zu sein scheint, und trägt eine gewöhnliche Schuluniform, aber wir sehen bald, daß das Licht, das aus den Fenstern kommt, simuliert ist. Liu wohnt in einem unordentlichen Zimmer und arbeitet als Mechaniker. Jeder im Untergrund-Peking des Fils ist ein Han-Chinese, wie im wirklichen Leben. Es gibt chinesische Dekorationen, und das alltägliche Leben der Menschen erscheint mehr oder weniger genauso normal und unbedeutend wie im einundzwanzigsten Jahrhundert. Sie begeben sich an die Oberfläche und stehlen einen Lastwagen, um sich „C171-11“ auf dessen Mission anzuschließen, die Reaktorkerne eines der Triebwerke zu ersetzen, nachdem nahezu alle von ihnen ausfallen.

Währenddessen ist Liu Peiquiang oben in der Raumstation, die die Erde umkreist. Die wenigen Aufnahmen, die größere Gruppen von Kosmonauten in der Station zeigen, enthüllen, daß die meisten von ihnen Chinesen sind, mit ein paar Weißen darunter. Nachdem sie alle die Flaggen ihres jeweiligen Landes am Arm tragen, sieht man ein paar Europäer, und der Rest sind großteils Chinesen. Peiqiangs Arbeitskollege und Freund ist ein kahlköpfiger, kräftig gebauter Russe namens Makarov. Weil jeder, der im Weltraum oder auf der eisigen Oberfläche der Erde arbeitet, mit einer Uniform ausgerüstet ist, die einen am Arm befestigten Computer hat, sprechen Peiqiang und Makarov miteinander in ihrer jeweiligen Muttersprache und verstehen einander perfekt.

Irgendwann in der Mitte des Films kam es mir, daß, nachdem die Triebwerke die Erde von der Sonne wegschoben und nachdem die Erde nicht mehr rotierte, die gesamte westliche Hemisphäre aufgegeben worden war. Dies wird nicht ausdrücklich erwähnt; wir sehen einen CNN-Clip am Anfang und hören Stimmen mit amerikanischem Akzent, die uns die Katastrophe erläutern, aber nach dem Prolog haben die englischsprachigen Stimmen, die wir hören, britische, australische oder indische Akzente. Nord- und Südamerika sind in dieser Zukunft verschwunden, und es wird nichts zu dieser Tatsache gesagt.

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Spacewreck: Killerplaneten / Salamander City

Während des frühen Stadiums der Besiedelung wohnten und arbeiteten Kolonisten oft in Schutzfahrzeugen.

Original: „Killer Planets“ und „Killer Planets: Salamander City“, hier zusammengefaßt; Übersetzung: Cernunnos alias Lucifex (Bilder von Angus McKie [Titelbild] und Tony Roberts [2. Bild]). Dies ist Teil 9 meiner Übersetzungsreihe Spacewreck aus dem Buch SPACEWRECK: Ghostships and Derelicts of Space (1979, ISBN 0600 329909) von Stewart Cowley, einer Sammlung kurzer illustrierter, nicht zusammenhängender Geschichten vor dem Hintergrund einer fiktiven Geschichte der Expansion des Menschen in die Galaxis. (Links zu den anderen bisher hier veröffentlichten Übersetzungen am Schluß).

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Killerplaneten

Die Besiedelung einer fremden Welt wird nie leichtfertig unternommen. Die Investitionen an Leben und extrem teurer Ausrüstung kann nie ohne sorgfältigste Untersuchung und vorheriges Studium des fraglichen Planeten aufs Spiel gesetzt werden. So anpassungsfähig der Mensch auch ist, so sind die Bedingungen, unter denen er überleben kann, stark eingeschränkt. Die Atmosphäre, die er atmen kann, ist eine fein ausgewogene Mischung, und die Existenz eines einzigen giftigen Gases kann eine ansonsten ideale Welt ungeeignet machen. Es gibt natürlich isolierte Fälle, wo Kolonien an Orten gegründet werden, wo die Errichtung einer künstlichen Umwelt notwendig ist. Damit dies der Fall ist, muß die Welt Ressourcen oder Eigenschaften von beträchtlichem Wert besitzen, da der Import und die Wartung der geeigneten Technologie kostspielig ist.

Zusätzlich muß es eine angemessene Wasserversorgung geben, eine Oberflächenbeschaffenheit, die für die Versorgung mit Nahrungsmitteln genutzt werden kann, und ein erträgliches Klima. Die Masse und Schwerkraft sind ein weiterer Faktor, der eine Bewohnung durch Menschen zulassen muß, zusammen mit einer Anzahl geringerer Erwägungen wie einheimische Lebensformen, mit denen die Kolonisten vielleicht konkurrieren müssen. Diese Gleichung reduziert die Anzahl der Welten, wo Menschen arbeiten und leben können, sehr dramatisch, und je weiter der Planet vom Herzen der Terranischen Föderation entfernt liegt, desto sorgfältiger muß er in Erwägung gezogen werden. Wenige Kolonien können ihre Gründungsjahre ohne angemessenen Zugang zu den Heimatwelten zwecks Unterstützung und Nachschub überleben. Und da die Föderation es sich nicht leisten kann, einen neuen Planeten unbegrenzt zu finanzieren, ist dessen zukünftiger Beitrag zum Netzwerk des interstellaren Handels bei jeder kolonialen Beurteilung von großer Bedeutung.

Sobald eine Kandidatenwelt entdeckt ist, wird ein komplexes und gründliches Studienprogramm eingeleitet. Unbemannte Sonden und Forschungslaboratorien führen eine anfängliche Untersuchung durch, bevor PSR-Teams (Pre-Settlement Research – Erforschung vor der Besiedlung) entsandt werden, um eine Untersuchung aus erster Hand durchzuführen. Während diese Aktivität im Gange ist, studieren Experten in den Datenzentren der Terran Trade Authority die mögliche Logistik der neuen Welt und erforschen ihre Implikationen hinsichtlich des galaktischen Handels. Infolgedessen ist zu der Zeit, wo der Planet als geeignet für eine Kolonisierung erklärt wird, das Spektrum der Produkte oder Materialien, die die Siedler zu exportieren streben sollten, festgestellt worden. Dies hindert die zukünftigen Bewohner natürlich nicht daran, jedes seltene oder einzigartige Gut ausbeuten zu können, die der Planet vielleicht bietet, aber es ermöglicht ihnen, sich sicher in dem Wissen zu fühlen, daß sie einen sofortigen Beitrag leisten können, der ihr Unternehmen zu finanzieren hilft.

Wenn die Kolonisationsschiffe mit ihren Frachten aufbrechen, führen sie eine Nutzlast aus Ausrüstung und Versorgungsgütern mit, die spezifisch auf die Eroberung der vor ihnen liegenden Welt maßgeschneidert ist, und die Siedler selbst sind sorgfältig so ausgewählt, daß sie die Geeignetsten für dieses bestimmte Projekt sind.

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Spacewreck: Opfer von Arachnidia

Original: „Killer Planets: Victims of Arachnidia“; Übersetzung: Cernunnos alias Lucifex (Bild von Tony Roberts). Dies ist Teil 8 meiner Übersetzungsreihe Spacewreck aus dem Buch SPACEWRECK: Ghostships and Derelicts of Space (1979, ISBN 0600 329909) von Stewart Cowley, einer Sammlung kurzer illustrierter, nicht zusammenhängender Geschichten vor dem Hintergrund einer fiktiven Geschichte der Expansion des Menschen in die Galaxis. Zuvor hier veröffentlicht:

Spacewreck: Einführung
Todesschiff von Alkahera
Das Wrack der Jancis Jo
Die Kriegswelt Alshain
Kinder der Götter
Ein tödliches Eden

Der Friedhof von Beta Pavonis

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Manchmal stößt selbst die bestvorbereitete Expedition auf Probleme, auf die ihre Mitglieder keine Antwort haben und die sie zu überwältigen drohen. Beim gegenwärtigen System der Erforschung und Besiedelung ist kein Außenposten so abgelegen, daß er nicht in der Lage ist, die Ressourcen der Föderation zur Hilfe oder Rettung anzurufen. Leider hatten die frühen Kolonisten keine solche Rückgriffsmöglichkeit. Zu oft führte ihr Eroberer- und Abenteuergeist sie weit über den Kontakt zu ihren Mitmenschen hinaus, und von vielen hörte man nie wieder etwas. Manche dieser Gruppen gedeihen vielleicht noch auf fernen und aus anderen Gründen unbekannten Welten, wo ihre Isolation vom Rest der Menschheit es ermöglicht hat, daß ihre Entwicklung auf einem Weg weitergeht, der frei von irgendeinem körperschaftlichen Einfluß weitergeht. Es ist vorstellbar, sogar wahrscheinlich, daß zukünftige Forschungen Welten wiederentdecken, wo menschliche Siedler überlebt und sich in solche einer Weise entwickelt haben, daß sie für ihre Mitmenschen nicht wiederzuerkennen sind. Andere sind zweifellos gescheitert, angesichts von Bedrohungen, gegen die sie keine Verteidigung hatten. Ein tragisches Beispiel dafür wurde im einsamen Einplanetensystem Epsilon Hydrae gefunden, eines Zwergsterns vom Spektraltyp G0, der 136 Lichtjahre von der Erde entfernt liegt.

Jede Welt, die eine atembare Atmosphäre besitzt, ist für die Terran Trade Authority von vorrangigem Interesse, und da diese einsame Welt eine erdähnliche Lufthülle hatte, wurde ein Erkundungsschiff entsandt, sobald die Entdeckung gemacht worden war. Dessen Bericht war nicht ermutigend, da Wasser knapp zu sein schien und die aride Oberfläche wenig Vegetation aufwies. Was es an struppigen Gewächsen überhaupt gab, war an den Polen konzentriert, und obwohl es einen recht hohen Bedeckungsgrad durch Wolken gab, war die Niederschlagsrate auf dem Großteil des Globus extrem niedrig. Es gab wenig Variation zwischen Nacht und Tag, da die geringe Lichtmenge von der kleinen Sonne, die die Wolkenbänke durchdrang, schwach war. Jedoch deutete eine vorläufige Untersuchung darauf hin, daß der felsige Planet, obwohl ihm ein Reiz als mögliche Kolonialwelt fehlte, einigen Wert für den Bergbau haben könnte, und ein spezialisiertes Forschungsteam wurde ausgesandt, um eine Oberflächenstudie durchzuführen.

Die Geologen hatten mehr als drei unbequeme Monate mit dem Sammeln von Proben und der Kartierung der Planetenoberfläche verbracht, bevor sie ihre Aufmerksamkeit einer der vielen gebirgigen Regionen des Planeten zuwandten. Während eines der frühen Märsche in diesem Terrain stießen sie auf ein Gebiet, das eine Anzahl großer spinnwebartiger Strukturen enthielt. Sie bestanden aus einem immens starken Material, das sich der Analyse widersetzte, und stellenweise waren sie so dicht, das sie unmöglich zu passieren waren. Sie schienen in bestimmten Bereichen mit freiem Boden darum herum konzentriert zu sein. Nachdem es mehrere dieser bemerkenswerten Phänomene umgangen hatte, sah das Team ein weiteres vor sich. Sie wollten ungern einen weiteren Umweg machen und wollten schon denselben Weg zurückgehen, als einem der Gruppe eine ungewöhnliche Felsstruktur im Herzen der Netzmasse auffiel. Während das Terrain immer zerklüftet und kantig gewesen war, war dieser Felsvorsprung glatter und hob sich von dem steinernen Wirrwarr ab, das ihn umgab. Sie beschlossen, so nahe wie möglich heranzugehen, um eine Holovid-Aufzeichnung zu machen, bevor sie zur Basis zurückkehrten, und kletterten über die Felsen darauf zu. Je näher sie kamen, desto unnatürlicher sah das Objekt aus, bis sie plötzlich erkannten, daß es keine Felsformation war.

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Spacewreck: Der Friedhof von Beta Pavonis

Der Friedhof von Beta Pavonis ist ein wahrhaft ehrfurchtgebietender Anblick. Unzählige tausende verlassener Schiffe kreisen endlos um den leblosen Globus des einzigen Planeten in dem System. Fast alle Fahrzeuge stammen von jenseits der bekannten Galaxis, und diejenigen, die identifiziert worden sind, kommen aus vielen Perioden unserer Geschichte. Eines der bemerkenswertesten davon ist der uralte und beinahe intakte Space Shuttle, der in den ersten Tagen des Raumfluges operierte, noch bevor überhaupt die Föderation gebildet worden war. (Bild von Peter Elson.)

Original: „The Graveyard of Beta Pavonis“; Übersetzung: Cernunnos alias Lucifex (Bilder von Peter Elson, Fred Gambino, Tony Roberts und Robin Hiddon). Dies ist Teil 7 meiner Übersetzungsreihe Spacewreck aus dem Buch SPACEWRECK: Ghostships and Derelicts of Space (1979, ISBN 0600 329909) von Stewart Cowley, einer Sammlung kurzer illustrierter, nicht zusammenhängender Geschichten vor dem Hintergrund einer fiktiven Geschichte der Expansion des Menschen in die Galaxis. Zuvor hier veröffentlicht:

Spacewreck: Einführung

Todesschiff von Alkahera

Das Wrack der Jancis Jo

Die Kriegswelt Alshain

Kinder der Götter

Ein tödliches Eden

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Die fernsten Teile jedes großen Reiches haben in der ganzen Geschichte immer ein größeres Maß an Freiheit und Unabhängigkeit erfahren als jene Regionen, die näher an der Zentralregierung liegen. Das Gesetz ist schwerer durchzusetzen, und die Kommunikation ist auf das Wesentliche beschränkt. Obwohl es viele Vorteile für die Bewohner jener abgelegenen Gebiete geben mag, gibt es auch Nachteile. Es ist beträchtlich schwerer für sie, am gemeinsamen Netzwerk des Handels und der Wirtschaft mit ihren offenkundigen Vorteilen teilzunehmen, und sie sind zu einem hohen Maß an Autarkie gezwungen, um zu existieren. Wichtige Materialien und Versorgungsgüter sind Mangelware und oft von einer Art, die unmöglich zu improvisieren ist.

Die Raumregion, die von Alpha Indi dominiert wird, einer Sonne sehr ähnlich unserer eigenen, war ein typisches Beispiel. 102 Lichtjahre vom Zentrum der Terranischen Föderation entfernt liegend, besaß sie mehrere Planeten, von denen zwei in der jüngeren Vergangenheit kolonisiert worden waren. Obwohl beide Welten recht groß waren, war ein Großteil ihrer Oberfläche dürr und unwirtlich, und die Kolonisation nahm die Form zahlreicher isolierter Siedlungen an, die über die ganzen Enklaven fruchtbaren Landes verteilt waren. Aber diese Welten waren für sich nicht der Grund, warum Menschen durch die Leere gereist waren. Über das ganze System verstreut gab es mehrere erzreiche Asteroidenschwärme, von denen jeder aus Tausenden einzelner Objekte bestand. Das Problem war, an sie heranzukommen. Versorgungsschiffe von den Industriewelten näher am Kern der Föderation kamen selten vorbei, und wenn einmal Händler bei Alpha Indi aus dem Warp auftauchten, beförderten sie üblicherweise wichtige medizinische Nachschubgüter oder Haushaltsgeräte statt Raumschiffbaugruppen oder Bergbauausrüstung, die zu bezahlen den Siedern schwerfallen würde. Die großen Bergbaukonzerne waren in diesem Stadium mehr an den Feldern näher der Heimat mit ihren bedeutend niedrigeren Transportkosten interessiert. Es war für die Kolonisten sehr frustrierend, die Chance zu sehen, die riesigen Konzerne mit diesen reichen Feldern zu schlagen, und doch unfähig zu ihrer Ausbeutung zu bleiben. Ihr Problem war nicht einzigartig, und die Konzerne waren damit zufrieden zu warten, bis die Nachfrage die neuen Felder rentabel machen würde, bevor sie ihre Ausrüstung heranschafften. Auf jeden Fall waren viele von ihnen auch Raumschiffhersteller und begrenzten in gegenseitigem Einvernehmen die Lieferung von Raumfahrzeugen und Ausrüstung an solche Welten.

Daher bemerkten sie mit einiger Überraschung einen Zuwachs des Angebots bestimmter wichtiger Minerale auf dem Markt, einen Zuwachs, für den sie nicht verantwortlich waren. Zuerst war das Volumen nicht bedeutend genug, um die allgemeinen Preise zu drücken, und sie achteten wenig darauf. Aber allmählich nahm das Rieseln zu, und es begann eine deutliche Wirkung auf ihre Preise zu haben. Die Lieferungen wurden bald nach Alpha Indi zurückverfolgt, und Kundschafter wurden ausgeschickt, um herauszufinden, wie die Siedler an die Quelle gelangten und die Materialien abbauten. Es war offenkundig, daß die Menschen von Alpha Indi Schiffe hatten, aber es gelang den Kundschaftern nicht herauszufinden, wie man sie erhalten hatte, insbesondere nachdem sie keinen existierenden Typen entsprachen. Die Kolonisten beharrten darauf, daß sie sie selbst gebaut hätten, aber dies erschien unmöglich. Sie hatten weder die beträchtliche Expertise, die nötig war, um solche Fahrzeuge von Grund auf zu konstruieren und zu bauen, noch die hochentwickelten Einrichtungen, die solch ein Unterfangen erfordern würde. Die Fabriken, die es gab, waren nicht mehr als ziemlich primitive Montagewerkstätten. Der Bau fertiger Schiffe wäre nur mit einem hohen Grad an Vorfabrikation möglich gewesen, und kein registrierter Anbieter hatte solche Baugruppen angeliefert.

Dennoch wurden die Erze in ständig wachsenden Mengen gefördert, wobei die Siedler selbst die Schiffe in die Heimatsysteme flogen. Die Bergbaufirmen ersuchten schließlich die Terran Trade Authority um Ermittlung, mit der Begründung, daß die neue Kolonie vielleicht ihre Produktionsquote überschreiten könnte, aber die TTA konnte nichts ausrichten. Produktionsquoten wurden vorab vor jeder Bergbauoperation festgesetzt, und in diesem Fall war keine festgelegt worden, weil erwartet wurde, daß diese Felder erst in vielen Jahren in Betrieb sein würden. Was die Schiffe betraf, so waren sie von einzigartiger Konstruktion, aber sie entsprachen alle den standardmäßigen Sicherheitsvorschriften und waren ordnungsgemäß registriert worden.

Daß es genug Schiffe gab, um einen Bergbaubetrieb von beträchtlicher Größe zu ermöglichen, war außergewöhnlich genug, aber daß es auch eine große Zahl von Fahrzeugen gab, die als private Verkehrsmittel zwischen den beiden Schwesterwelten benutzt wurden, viel mehr, als mit dem gewachsenen Wohlstand der Bergbauleute erklärt werden konnte, war ganz unerklärlich. Die TTA war offensichtlich sehr interessiert daran, wie eine isolierte und etwas verarmte Kolonie es geschafft hatte, fast über Nacht eine blühende und individuelle Schiffbauindustrie zu schaffen, ohne die teuren und raffinierten Ressourcen, die für ein Unternehmen dieser Art für notwendig erachtet wurden. Ihre Ermittler wurden offen und warmherzig empfangen und sofort zu den betreffenden Fabriken geführt, wo bald offensichtlich wurde, daß die Bewohner mit den Grundbaugruppen in vorfabrizierter Form beliefert wurden.

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Spacewreck: Ein tödliches Eden

„Für den nichtsahnenden Reisenden gibt es nichts am System Delta Gruis selbst, das auf die Gefahr hindeutet, die auf der Oberfläche des Planeten Eden lauert. Nur die Warnfunkfeuer, die diesen Raumbereich umringen, liegen zwischen der Realität und dem Wahnsinn.“ (Bild von Angus McKie)

Original: „Killer Planets: A Deadly Eden“; Übersetzung: Cernunnos alias Lucifex (Bilder von Angus McKie, Fred Gambino und Colin Hay). Dies ist Teil 6 meiner Übersetzungsreihe Spacewreck aus dem Buch SPACEWRECK: Ghostships and Derelicts of Space (1979, ISBN 0600 329909) von Stewart Cowley, einer Sammlung kurzer illustrierter, nicht zusammenhängender Geschichten vor dem Hintergrund einer fiktiven Geschichte der Expansion des Menschen in die Galaxis. Zuvor hier veröffentlicht:

Spacewreck: Einführung

Todesschiff von Alkahera

Das Wrack der Jancis Jo

Die Kriegswelt Alshain

Kinder der Götter

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230 Lichtjahre von der Erde entfernt liegt die nähere Komponente des optischen Doppelsterns Delta Gruis. Delta Eins ist eine Sonne mit ähnlichen Eigenschaften wie Sol, anders als der fernere des Paares, der ein roter Stern vom Spektraltyp M4 ist. Vor etwa 34 Jahren wurde herausgefunden, daß Delta Eins ein Planetensystem aus mindestens vier größeren Körpern besitzt, und eine Vorbeiflugsonde zeigte an, daß zwei davon die Eigenschaften bewohnbarer Welten hatten. Es ist nicht oft der Fall, daß ein System auch nur einen solchen Planeten enthält, und daß eines zwei davon enthält, war selten genug, daß die Entdeckung beträchtliches Interesse erregte. Infolgedessen wurde ein Vermessungsteam eigens zusammengestellt, um sofort weiterzuforschen, statt daß das System der Liste der Welten hinzugefügt wurde, die darauf warteten, studiert zu werden. Nach einer ereignislosen Reise näherten sich die beiden Schiffe des Teams dem ersten der fraglichen Planeten und gingen in den Orbit, um mit der Arbeit zu beginnen.

Selbst die ersten Studien deuteten schon darauf hin, daß dies eine so nahe am Idealen liegende Welt war, wie man sie bisher nur entdeckt hatte. Es gab reichlich Oberflächenwasser, eine sauerstoffreiche Atmosphäre, ein gemäßigtes Klima mit wenig Variation zwischen den Polen und weite Gebiete mit üppiger Vegetation. Keine Hinweise auf künstliche Strukturen oder Bauwerke, die groß genug waren, um aus dieser Höhe entdeckbar zu sein, waren zu finden, was darauf hindeutete, daß jegliche intelligente Spezies, die die Oberfläche bewohnte, nicht aus großen Stammesgruppen bestand, und daß es daher unwahrscheinlich war, daß sie eine sehr hoch entwickelte Technologie besäße. Es gab eigentlich nichts, das darauf hindeutete, daß der Planet überhaupt bewohnt war. Es wurde daher beschlossen, mit einer Erkundung im Tiefflug fortzufahren und so bald wie möglich auf der Oberfläche zu landen.

Es war aus dem Studium im Tiefflug leicht zu ersehen, daß es mehrere große Tierarten gab, die die ausgedehnten Wälder bewohnten, und andere, sie sich in den Meeren und seichten Seen regten, welche die grünen Weiten unterbrachen. Bei einem dieser Überflüge erfaßten die Scanner die Form eines großen künstlichen Objekts, das auf der Oberfläche lag. Die beiden Vermessungsschiffe trafen sich sofort über der Position, wobei eines höher stieg, um das andere zu decken, während es zu einem langsamen Überflug wendete. Der Formationsführer hielt seine Geschwindigkeit und Höhe so niedrig, wie er es wagte, und seine Besatzung hielt sich für einen Notaufstieg beim kleinsten Anzeichen von Problemen bereit.

Als sie sich vorsichtig auf das Gebiet zu bewegten, das von den Koordinaten angezeigt wurde, begaben sich die Mitglieder des Forschungsteams an die Sichtschirme und spähten auf den endlosen Anblick subtropischer Vegetation hinaus. Dort, über das dichte Gewirr aufragend, lag die rostende Masse eines gigantischen Raumfahrzeuges. Mit an mehreren Stellen gebrochenem Rücken lag das riesige Schiff über eine Lichtung ausgebreitet, und große Risse hoben sich schwarz von der hellfarbig korrodierten Außenhaut ab. Davon abgesehen war es im wesentlichen intakt und war offensichtlich irgendwann in der fernen Vergangenheit ohne Probleme gelandet. Sein gegenwärtiger Zustand lag hauptsächlich am Zahn der Zeit und an den Einwirkungen der Atmosphäre auf sein Gefüge. Als seine Tragkonstruktion schwächer wurde, führte ein Gewicht seinen Zusammenbruch herbei. Das Schiff selbst paßte zu keinem bekannten Typ der Föderation, aber es war eindeutig nicht für den Oberflächenbetrieb entworfen worden. Die Art des Rumpfes war die eines Tiefraumfahrzeuges, und die Leistung, die für Oberflächenlandungen notwendig gewesen wäre, hätte eine wiederholte Verwendung in dieser Weise unpraktisch gemacht. Es konnte nur ein Kolonisationsschiff sein; die Frage war: woher?

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Spacewreck: Kinder der Götter

„Andere Gerätschaften wurden gefunden, wie dieser Landschreiter, die aus dem zerstörten außerirdischen Kolonisationsschiff stammen mußten, aber nun Gegenstände von heiliger Bedeutung waren.“ (Illustration von Tony Roberts)

Original: „Children of the Gods“; Übersetzung: Cernunnos (Lucifex). Dies ist Teil 5 meiner Übersetzungsreihe Spacewreck aus dem Buch SPACEWRECK: Ghostships and Derelicts of Space (1979, ISBN 0600 329909) von Stewart Cowley, einer Sammlung kurzer illustrierter, nicht zusammenhängender Geschichten vor dem Hintergrund einer fiktiven Geschichte der Expansion des Menschen in die Galaxis. Zuvor hier veröffentlicht:

Spacewreck: Einführung

Todesschiff von Alkahera

Das Wrack der Jancis Jo

Die Kriegswelt Alshain

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Die Paquita war eine TTA-Fregatte der Quantum-Klasse, die aus der Mitte des 24. Jahrhunderts stammte. Obwohl hundert Jahre alt, konnte sie die meisten der gegenwärtigen Generation von Mehrzweckschiffen an Leistung übertreffen. Ursprünglich für militärische Geleit- und Aufklärungszwecke gedacht, hatten die Schiffe der Quantum-Klasse jahrelang gedient, bevor sie ausgemustert und für den Verkauf an jeden verfügbar gemacht wurden, der es sich leisten konnte, sie zu betreiben. Es gab wenige Kunden, weil ihre sehr hohe Leistung und beschränkte Frachtkapazität sie nicht für wirtschaftlichen Betrieb geeignet machten. Die meisten derer, die verkauft wurden, gingen an Frachtkonzerne, die nach Schiffen für den Transport kompakter, aber wertvoller Fracht suchten, aber ein paar wurden von Einzelpersonen gekauft.

Chalee Sameth war einer davon. Geboren auf dem erbittert unabhängigen Planeten Asterion II, der etwa dreißig Lichtjahre von der Erde entfernt im Sternbild Canes Venatici (Jagdhunde) lag, fühlte er sich von der stolzen, aber etwas primitiven Lebensweise seines Volkes eingeengt. Entschlossen, sein Glück anderswo zu finden, erarbeitete er sich seine Passage zur Erde und trat in den Dienst einer der von der TTA betriebenen Frachtlinien ein. [TTA = Terran Trade Authority] Er lernte schnell und war nach ein paar Jahren zum Ersten Flugingenieur geworden, und die Beförderung zum Kapitän war nicht weit entfernt. Aber die Aussicht auf weitere Jahre auf lokalen Fahrten war nicht reizvoll, und er bewarb sich erfolgreich um einen Posten als Navigator auf Tiefraumfrachtern. Leider erwies sich auch dies als weniger befriedigend, als er gehofft hatte, und er begann sich nach etwas umzusehen, das zu seinem Temperament paßte.

Obwohl seine Tüchtigkeit außer Frage stand, hatte seine stolze und wilde Natur seine Dienstakte mit zahlreichen Vermerken gefüllt, die den begehrten Kapitänsrang zu einer eher langfristigen Möglichkeit machten. Die Entscheidung betreffend seine Zukunft bei der TTA wurde schließlich für ihn getroffen. Während er darauf wartete, daß sein Schiff auf einem der großen Frachtterminals in den Menkalinan-Feldern mit der Beladung fertig wurde, wanderte er durch das verrufenere Viertel der Siedlung auf dem Asteroiden und brachte es fertig, in einer kleinen, schäbigen Bar, die in einer Hintergasse versteckt lag, monumental betrunken zu werden. Als er nahezu vierzehn Stunden später aufwachte, war sein Schiff schon lange weg, und nachdem das Nichterscheinen zum Dienst auf einem interstellaren Flug für ein höherrangiges Besatzungsmitglied als schwerer Verstoß behandelt wird, begann er sich nach einer neuen Anstellung umzusehen. Für die meisten Männer ist es leicht, Arbeit auf den Bergwerksfeldern in diesem ungezähmten und mineralreichen Teil der Galaxis zu finden, aber nicht für einen Raumfahrer. Alle Flugjobs sind nur für zugelassenes Personal oder lizensierte Privatbetreiber offen, und Lizenzen sind schwierig und teuer zu erlangen.

Aus diesem Grund sind die Frachttransportraten recht hoch, aber es gibt eine Anzahl von Schiffen, die ohne Lizenzen und zu verhandelbaren Raten operieren. Nach einer oder zwei Wochen war Chalees Geld zu Ende gegangen, und er fand sich in schmuddeligen kleinen Zimmern bei schmuddeligen kleinen Bars wieder, wo er verstohlen mit Fremden flüsterte, bis er eines Tages aus einem davon als Navigator der Grey Lady herausging, eines heruntergekommenen und veralteten Frachters, der eine unter der Hand verkaufte Lieferung von Werkzeugmaschinen zu erledigen hatte. Die Reise war ein Erfolg, und auch diejenigen danach. Es dauerte nicht lange, und Chalee hatte genug verdient, um eine beträchtliche Anzahlung auf eine zernarbte und verbeulte Fregatte der Quantum-Klasse zu leisten, die Paquita, und ein paar Flüge später konnte er es sich leisten, sie so weit wiederherstellen zu lassen, daß sie in besserem Zustand war, als sie es seit langem gewesen war. Drei Wochen nachdem er sie ausprobiert hatte, fand er eine Besatzung und hatte seinen ersten Liefervertrag abgeschlossen. Die Kreditzinsen und die fälligen Raten zwangen ihn, sich für die hochbezahlten Jobs zu entscheiden, bei denen keine Fragen gestellt wurden. Die ersten beiden gingen glatt, und Chalee begann über Verbesserungen nachzudenken, die er an der Paquita vornehmen könnte, aber der dritte Job ging ziemlich schief.

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Spacewreck: Die Kriegswelt Alshain

Daß die öde Welt Alshain IV einst die Heimat einer technologisch fortgeschrittenen Spezies gewesen war, war aus den vielen verfallenden Relikten ersichtlich, die dort entdeckt wurden. Die kriegerische Natur dieser verschwundenen Spezies wurde durch solche Artefakte wie diese primitive Raketenbatterie veranschaulicht. (Bild von Bob Layzell.)

Original: „The Warworld of Alshain“; Übersetzung: Cernunnos (Lucifex). Dies ist Teil 4 meiner Übersetzungsreihe Spacewreck aus dem Buch SPACEWRECK: Ghostships and Derelicts of Space (1979, ISBN 0600 329909) von Stewart Cowley, einer Sammlung kurzer illustrierter, nicht zusammenhängender Geschichten vor dem Hintergrund einer fiktiven Geschichte der Expansion des Menschen in die Galaxis. Zuvor hier veröffentlicht: Spacewreck: Einführung, Todesschiff von Alkahera und Das Wrack der Jancis Jo.

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Das Sternbild Aquila oder Adler liegt in der Milchstraße unterhalb jenes des Schwans. Der markanteste Stern in dieser Gruppe ist Altair, der bloße sechzehn Lichtjahre entfernt liegt. Von größerem Interesse für die Terranische Föderation war jedoch der gelbe G8-Zwergstern Alshain, der zweiundvierzig Lichtjahre von der Erde entfernt liegt und sehr ähnliche Eigenschaften wie unsere eigene Sonne hat. Im Jahr 2355 wurde herausgefunden, daß er ein Planetensystem von sechs größeren Körpern besitzt, und eine Expedition wurde zusammengestellt, um diese Welten zu untersuchen.

Drei der umlaufenden Kugeln kreisten zu nahe um Alshain selbst, um bewohnbar zu sein, und zeigten keine Anzeichen von Leben. Die fünfte und sechste waren eng miteinander verbunden und schwangen auf ihren unregelmäßigen Bahnen weit in die Dunkelheit hinaus. Sie waren ebenfalls unbewohnbar, aber aus dem gegenteiligen Grund. Alshain IV war ein ganz anderes Angebot und, obwohl es eine heißere und rauhere Welt als die Erde war, sicherlich in der Lage, menschliches Leben zu tragen.

Sie war gewiß eines näheren Blickes wert, und die Expeditionsflotte drang in das System ein und bezog Station nahe dessen Grenze und im Schatten von Alshain V, während zwei der mitgeführten Aufklärungsschiffe sich in den Orbit begaben, um festzustellen, ob dort intelligentes Leben existierte. Nach einem oder zwei unglücklichen Vorfällen in den frühen Tagen der Weltraumforschung war nun anerkannt, daß Vorsicht unter diesen Umständen bei weitem die beste Politik war. Das plötzliche Erscheinen unerwarteter und unbekannter Schiffe im Territorium einer Rasse mit einer fortgeschrittenen Technologie konnte leicht eine unerwünschte Wirkung haben. Während einer der Aufklärer für den Fall von Schwierigkeiten Position auf halbem Weg bezog, flog der andere näher heran, um die großen Kontinentalmassen abzusuchen, die von warmen, seichten Meeren umgeben waren.

Der größere Teil der Oberfläche schien aus riesigen Wüstengebieten zu bestehen, die von trockenen und schroffen Bergketten umringt und bar jeglicher größerer Formen von Vegetation waren. In den gemäßigteren Breiten bestand das Gelände hauptsächlich aus Buschland, das von Bändern reicheren Bewuchses durchzogen war, die den Weg einer Anzahl träger, schlammbeladener Flüsse markierten. Die Polargebiete waren von extrem dichtem Wald bedeckt, der von vielen großen Gipfeln durchbrochen war, und dort wurden die ersten Anzeichen einer bedeuteten Lebensform entdeckt.

Die verschiedenen Sensoren, die von dem Aufklärer eingesetzt wurden, machten seltsame Unterschiede in der Formation und Zusammensetzung einer Anzahl der isolierten Gipfel aus, während eine nähere Untersuchung darauf hindeutete, daß sie künstliche Bauwerke sein könnten. Zusätzlich schienen die Berge, die diese Phänomene aufwiesen, der Mittelpunkt von etwas zu sein, das nur als irgendeine Art von Straßen bezeichnet werden konnte.

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Star Trek: Discovery

Von Alex Graham, übersetzt von Lucifex. Das Original Star Trek: Discovery erschien am 6. Mai 2019 auf Counter-Curents Publishing. (Die beiden Videos im Text und einige Infolinks wurden vom Übersetzer eingefügt.)

Star Trek: Discovery (fürderhin mit der passenden Abkürzung STD bezeichnet) ist die sechste Star-Trek-Fernsehserie und eine direkte Vorgeschichte zur Originalserie Star Trek (Raumschiff Enterprise). Die erste Staffel hatte ihre Premiere im Jahr 2017, und die zweite diesen Januar. Die Handlung zentriert sich um die Heldentaten der USS Discovery inmitten eines Krieges zwischen dem Klingonischen Imperium und der Vereinten Föderation der Planeten.

STD ist zu Star Trek, was Das Erwachen der Macht zu Star Wars ist (bis hin zur übermäßigen Verwendung von Dutch Angles und Lens Flares [Linsenreflexionen]): eine verpfuschte Farce, die das Franchise zum Gespött macht und vorsätzlich dazu bestimmt zu sein scheint, seine großteils weiße, männliche Fanbasis zu provozieren. Es ist unzweifelhaft die schlechteste StarTrek-Serie. Die Handlungsstränge und Dialoge sind grottenschlecht. Die CGI ist beeindruckend, aber es ist nichts weiter als ein hohles Spektakel, das in den Fußstapfen der hirntoten, actiongeladenen Star-Trek-Rebootfilme des vergangenen Jahrzehnts folgt. Bei einem Budget von satten 8 – 8,5 Millionen Dollar pro Episode ist es ziemlich bemerkenswert, daß die Macher keine bessere Serie zustandebringen konnten.

Alex Kurtzman, einer der Mitschöpfer und ausführenden Produzenten von STD, arbeitete tatsächlich mit J. J. Abrams an Star Trek (2009) und Star Trek Into Darkness (2013). Abrams gab einmal zu, daß er Star Trek nicht einmal mochte, und man argwöhnt dasselbe bei den Produzenten von STD.

Wie Das Erwachen der Macht und Die letzten Jedi ist STD von Kritikern gelobt, aber von Fans scharf kritisiert worden. Für die zweite Staffel stehen die Zustimmungsraten unter Kritikern bei zweiundachtzig Prozent, während die Zustimmungsrate beim Publikum bloße fünfunddreißig Prozent beträgt.

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