NWO-Propaganda in SF-Romanen: Alan Dean Fosters „Homanx“-Reihe (2) – Mehr von Flinx

Homanx-Raumschiff mit Abstrahlscheibe für das Posigravfeld des Kurita-Kinoshita-Antriebs am vorderen Ende (Titelbild von Tim White für Orphan Star / Der Waisenstern)

Von Lucifex.

Teil 2 von 4; zuvor erschienen: NWO-Propaganda in SF-Romanen: Alan Dean Fosters „Homanx“-Reihe (1) – „Das Tar-Aiym Krang“

Das Tar-Aiym Krang war der erste von Alan Dean Feinberg, äh, Foster veröffentlichte Roman um Philip Lynx, genannt Flinx, und der erste aus seinem Homanx-Commonwealth. Elf Jahre und mehrere danach spielende Flinx-Romane später brachte er unter dem Titel For Love of Mother-Not eine Vorgeschichte dazu heraus, die 1985 auf Deutsch unter dem Titel Flinx erschien.

Dieses Buch schildert, wie Flinx als Kind von der alten Händlerin Mutter Mastiff auf dem Sklavenmarkt von Drallar, der Hauptstadt des Planeten Moth, ersteigert und danach als Ersatzsohn aufgezogen wird, bis die „Meliorare Gesellschaft“, eine geheime Eugeniker-Organisation, ihn wieder unter ihre Kontrolle zu bringen versucht.

Der rassische Propagandagehalt ist hier geringer und uneindeutiger als in Krang, aber doch vorhanden. Generell wird die (((Propaganda))) in den Homanx-Geschichten unauffälliger und milder als in Robert Silverbergs „Nach all den Jahrmilliarden“ und ohne Schüren von Schuldgefühlen und „Culture of Critique“ verabreicht, gewissermaßen als Schluckimpfung auf Zuckerwürfeln statt als pieksende Spritze, sodaß sie einem leichter runtergeht und weniger als Propaganda bewußt wird. Dennoch ist es eine Ausblendung und Herabstufung von Weißen, vor allem von weißen Männern, und dient der geistigen Gewöhnung an eine zunehmend vielfältige und nichtweiße Zukunft, während die SF-Romanwelten ansonsten bis in die 1970er-Jahre überwiegend weiße Welten waren. Darin ähneln Fosters Homanx-Bücher dem heutigen Krieg gegen die Weißen in der Werbung, bei dem ebenfalls Weiße und speziell weiße Männer „ausgephast“ und Nichtweiße als interessant und attraktiv präsentiert werden.

Gleich am Anfang von Flinx bringt Foster jedoch eine weitsichtige Kritik an heuchlerischen wirtschaftsliberalen Einstellungen an, auf denen die heute schon zunehmend erkennbaren Bestrebungen in Richtung moderner Quasi-Sklaverei beruhen und wo ich ihm zustimme, weshalb ich diesen Anfang hier zitiere:

Das ist vielleicht ein zerschundener, wertloser, kleiner Knirps, dachte Mutter Mastiff. Sie preßte den Beutel mit Schnitzereien etwas fester an sich und vergewisserte sich, daß ihr Slicker ihn vor dem Regen schützte. Der ewige für den Herbst auf Drallar so typische Nieselregen perlte von dem wasserfesten Material.

Außenweltler hatten es schwer, zwischen den Jahreszeiten der Stadt irgendwelche Unterschiede festzustellen. Im Sommer war der Regen warm, im Herbst und Winter etwas kühler, im Frühjahr wich er einem beständig lastenden Nebel. Daß die Sonne einmal durch die fast ewige Wolkendecke schielte, war eine solche Seltenheit, daß die Behörden dann gewöhnlich einen öffentlichen Feiertag verfügten.

Eigentlich konnte man das, woran Mutter Mastiff jetzt vorbeitrottete, nicht gerade einen Sklavenmarkt nennen. Das war ein archaischer Begriff, wie ihn nur Zyniker benutzten. Es war einfach der Ort, wo Arbeit und Einkommen auf formelle Art aufeinander abgestimmt wurden.

Drallar war die größte Stadt der Welt, die sich Moth nannte, die einzige echte Metropole, die sie besaß, und zwar keine besonders wohlhabende. Die Behörden hielten die Steuern niedrig und hatten es dadurch geschafft, eine ganze Anzahl Gewerbetreibender und Handelsunternehmen auf einen günstig gelegenen, aber im wesentlichen unwirtlichen Planeten zu ziehen. Den Ausgleich dafür schafften sie, indem sie kommerzielle Lästigkeiten wie Zölle oder einengende Vorschriften weitgehend abgeschafft hatten. Das führte zwar zu beträchtlichem Wohlstand für einige, brachte aber der Stadtregierung praktisch keine Einnahmen.

Zu den zahlreichen Bereichen des öffentlichen Lebens, die darunter litten, gehörte auch die Fürsorge für die Armen. In Fällen von Bedürftigkeit, wenn das betreffende Individuum noch dazu durch die Umstände isoliert war, hielt man es daher für vernünftig, es wohlhabenderen Bürgern zu überlassen, der Regierung die Verantwortung abzunehmen.

Das reduzierte die Ansprüche an den Wohlfahrtsetat und sorgte dafür, daß die Bürokratie zufrieden blieb und verschaffte gleichzeitig dem betreffenden Individuum ein höheres Maß an Fürsorge – so behaupteten die Beamten wenigstens – als er oder sie von mit zu knappen Mitteln ausgestatteten Regierungsbehörden je erwarten konnte.

Die Vereinigte Kirche, der geistliche Arm des Commonwealth, war von solch einseitiger Wirtschaftspolitik nicht gerade begeistert. Aber das Commonwealth hielt nicht viel davon, sich in die inneren Angelegenheiten einzelner Welten einzumischen, und die Beamten von Drallar beeilten sich, gelegentlich zu Besuch erscheinende Padres oder Ratsherren davon zu überzeugen, daß es genügend gesetzliche Sicherheitsvorkehrungen gab, die den Mißbrauch von auf diese Weise „adoptierten“ Individuen verhinderten.

So kam es, daß Mutter Mastiff sich auf ihren Stock stützte und ihren Beutel mit den kunstgewerblichen Gegenständen an sich drückte und etwas verschnaufte, während sie die zugedeckte Plattform musterte. Ein neugieriger Zuschauer drängte sich zu nahe an sie heran und blickte böse, als sie ihn mit dem Stock anstieß, trat aber zur Seite, da er die Auseinandersetzung mit ihr scheute.

Auf der Plattform, innerhalb des Kompensationskreises, stand ein hagerer, ernst blickender Knabe von acht oder neun Jahren. Der Regen hatte ihm das rote Haar, das in scharfem Kontrast zu seiner ziemlich dunklen Haut stand, an den Kopf geklebt. Weite, unschuldige Augen, so groß, daß sie sein ganzes Gesicht zu erfüllen schienen, starrten über die vom Regen eingeweichte Zuschauergruppe. Er hielt die Hände hinter dem Rücken verschränkt. Das einzige, was sich an ihm bewegte, waren seine Augen, und ihr Blick huschte wie ein Insekt über die nach oben gerichteten Gesichter der Menge. Die Mehrzahl der Kauflustigen schien seine Anwesenheit überhaupt nicht zur Kenntnis zu nehmen.

Rechts von dem Jungen stand die großgewachsene, schlanke Vertreterin der Regierung, die im Auftrag der Wohlfahrtsbehörde den offiziellen Verkauf – man bezeichnete ihn hier als „Zuteilung von Verantwortung“ – durchführte. Auf der anderen Seite konnte man von einem großen Bildschirm die wesentlichen Daten des Jungen ablesen, und diesen Bildschirm studierte Mutter Mastiff gerade.

Größe und Gewicht entsprachen dem, was sie sehen konnte. Haar-, Augen- und Hautfarbe hatte sie bereits wahrgenommen. Lebende Verwandte, zugeteilt oder sonst – keine Angabe. Persönliche Vorgeschichte – wieder keine Angabe. Ein Zufallskind, dachte sie, das man, wie so viele andere, der gleichgültigen Barmherzigkeit der Regierung zugeschoben hatte. Ja, so wie er aussah, würde es tatsächlich besser für ihn sein, wenn er unter die Fittiche eines privaten Individuums käme. Zumindest würde er dann vielleicht ordentlich zu essen bekommen.

Und doch war da noch etwas Besonderes an ihm, etwas, das ihn irgendwie von der teilnahmslosen Schar von Waisen abhob, die Jahr für Jahr in gleichmäßiger Prozession über die vom Regen durchnäßte Plattform zogen. Mutter Mastiff spürte etwas, das hinter jenen weiten, traurigen Augen lauerte – eine Reife, über seine Jahre hinaus, mehr Intensität in seinem Blick, als man von einem Kind in seiner Lage erwarten durfte. Und dieser Blick schweifte immer noch über die Menge, suchte, tastete. Der Junge wirkte eher wie ein Jäger als wie ein Gejagter.

Und der Regen fiel ohne Unterlaß. Die Aufmerksamkeit der Zuschauer konzentrierte sich in erster Linie auf die rechte hintere Ecke der Plattform, wo ein einigermaßen attraktives, sechzehnjähriges Mädchen als nächstes an der Reihe war. Mutter Mastiff rümpfte geringschätzig die Nase. Was auch immer die Regierungsbeamten behaupteten, ihr würde keiner weismachen, daß diese drängelnden Schnösel in der vordersten Reihe nicht noch etwas anderes im Sinn hatten, als unschuldige altruistische Sorge um die Zukunft des Mädchens. O nein!

[…]

Die Augen des Jungen schweiften immer noch über die Zuschauerschar und erreichten schließlich die ihren – und hielten an. Plötzlich empfand Mutter Mastiff eine Art Schwindelgefühl. Ihre Hand griff an ihren Leib. Zu fett gefrühstückt, dachte sie Die Augen waren bereits weitergewandert. Seit sie fünfundachtzig geworden war, mußte sie sehr aufpassen, was sie zu sich nahm. Aber dann hatte sie auch einer Freundin einmal gesagt, „lieber sterbe ich mit Verdauungsschwierigkeiten und mit vollem Bauch, als mich mit Pillen und Konzentraten dahinzuquälen.“

„Zur Seite!“ hörte sie sich plötzlich sagen, ohne selbst recht zu wissen, was sie tat oder warum. „Zur Seite!“ Sie bahnte sich einen Weg durch die Menge, stieß einem der Zuschauer mit dem Stock in die Seite, brachte das prunkvolle Arrangement von Schwanzfedern eines Ornithorpen in Unordnung und veranlaßte eine übergewichtige Matrone zu einem erregten Schnattern. Sie arbeitete sich bis zu der freien Fläche unmittelbar vor der Plattform durch. Der Junge achtete nicht auf sie; seine Augen fuhren fort, die gleichgültige Menge abzusuchen.

*     *     *

Mutter Mastiff ersteigert Flinx gegen die Gebote eines hünenhaften Mannes, der noch während der Auktion vor der Polizei flieht. Sie gibt dem stillen Jungen ein Zimmer in ihrer kleinen Laden-Wohnung, und von ihr und befreundeten Bewohnern der Altstadt von Drallar lernt er, was er für das Leben dort wissen muß. Mit der Zeit stellt sich heraus, daß Flinx ein empathischer Telepath ist, der zwar keine Gedanken lesen, aber Gefühle auffangen kann – ein erratisch funktionierendes Talent, über das er kaum Kontrolle hat und das zum Geheimnis zwischen ihm und Mutter Mastiff wird. Diese argwöhnt jedoch, daß er auch andere Menschen unbewußt beeinflussen kann und sie dazu veranlaßt hat, ihn zu ersteigern (so wie er später auf dem Flug zum Krang Malaika auf die Idee mit dem Neutronenstern bringt).

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Bat Durston, oder: Das Herz im Widerstreit

Von George R. R. Martin, enthalten in GRRMs Sammelband „Traumlieder III“ (Heyne 2014, ISBN 978-3-453-31672-0) unter dem Titel „Das Herz im Widerstreit“. Das Titelbild von David Schleinkofer, das andere Bild sowie die Links im Text wurden von mir – Lucifex – eingefügt. Der Name der Raumyacht Bat Durston in meinem SF-Roman „Ace of Swords: Alles auf eine Karte“ ist eine Anspielung auf den Bat Durston, um den es hier geht. (GRRMs Erstlingsroman „Die Flamme erlischt“ hat ebenfalls ein paar kleinere Einflüsse auf „Ace of Swords“ gehabt). Man könnte sich vorstellen, daß der ursprüngliche Eigner der Bat Durston diesen Namen als Stinkefinger gegenüber denjenigen gedacht hat, die über bloß abenteuerorientierte SF die Nase rümpfen. (Diesen Beitrag, den ich ursprünglich auf NORD-LICHT eingestellt hatte, bringe ich heute als Referenzmaterial für meine in Arbeit befindliche Antwort auf John Does in diesem Kommentar enthaltene Fragen zum Thema Schreiben von Geschichten.)

 

DAS HERZ IM WIDERSTREIT

Nur alte Knaben und echte Fans pflegen noch die Erinnerung an Bat Durston, jene unerschrockene Plage des Weltenraums, deren Abenteuer in den 1950er-Jahren des Öfteren im Magazin Galaxy erschienen.

Bat wurde seinerzeit auch immer auf dem Umschlag erwähnt. Genauer gesagt, auf der Umschlagrückseite. Unter der Schlagzeile IN GALAXY WERDEN SIE SO WAS NIE LESEN stand da, in zwei Spalten aufgeteilt (Anm. v. Lucifex: im Buch in zwei Spalten nebeneinander; siehe das von mir danach eingefügte Bild der Originalseite):

Mit donnernden Hufen galoppierte Bat Durston über den schmalen Pass nach Eagle Gulch hinunter, das winzige, 400 Meilen nördlich von Tombstone liegende Goldgräberlager. Er preschte gerade auf einen niedrigen Felsvorsprung zu … als plötzlich hinter einem großen Findling ein hochgewachsener, hagerer Viehtreiber hervortrat, der einen Colt in der sonnengebräunten Hand hielt. „Halt an und steig ab, Bat Durston“, sagte der Fremde pampig. „Denn – ob du’s glaubst oder nicht – dies ist dein letzter Ritt durch diese Gegend.“

 *   *   *

Mit knatternden Düsen durchfegte Bat Durston die Atmosphäre des winzigen, sieben Milliarden Lichtjahre von Sol entfernten Planeten Bbllzznaj. Als er das Superhypertriebwerk ausschaltete, um zu landen … trat hinter dem Heckleitwerk ein hochgewachsener, hagerer Raumfahrer hervor, der einen Protonenblaster in der weltraumgebräunten Hand hielt. „Lass die Finger von der Steuerung, Bat Durston“, sagte der Fremde pampig. „Denn – ob du’s glaubst oder nicht – dies ist dein letzter Trip durch diesen Teil des Universums.“

„Gleicht sich irgendwie, nicht wahr?“, fuhr der Redakteur H. L. Gold unter diesen Spalten fort. „Und zwar mit Absicht, denn eine der Geschichten ist bloß ein auf einen lächerlichen anderen Planeten verlegter Western. Wenn Ihre Vorstellung von Science-Fiction-Literatur so aussieht, ist es Ihr Problem. IN GALAXY WERDEN SIE DERGLEICHEN NIE LESEN! In Galaxy finden Sie nur die beste … echte, plausible, durchdachte … Science Fiction, die von Autoren geschrieben wird, die nicht in allen Wassern fischen, sondern von Menschen, die Science Fiction schätzen, sich in ihr auskennen … und sie für Menschen schreiben, die sie ebenfalls schätzen und kennen.“

Die Annonce erschien im September 1950 in der ersten Galaxy-Ausgabe und wurde wiederholt abgedruckt. Damals war ich ein zwei Jahre altes Kerlchen (und ich kann Fotos vorlegen, die es beweisen). Selbst Rocky Jones lag für mich damals noch in ferner Zukunft (Rocky und Bat haben sich gewiss schon zusammen in der Weltraum-Ranger-Schule gelangweilt), wie auch Heinlein, Howard, Tolkien, Lovecraft und die Fantastischen Vier.

Als ich es soweit gebracht hatte, selbst Science Fiction zu schreiben, hatte Galaxy sein H. L. Gold[enes] Zeitalter längst hinter sich. 1961, nach einem Autounfall, gab Gold auf und überließ die Zügel (das Steuer? die Lenkung des Raumschiffs?) Frederik Pohl, der sich als hervorragender Nachfolger erwies. Gegen Ende des Jahrzehnts wurde Ejler Jakobsson Pohls Nachfolger und heuerte Gardner Dozois an, da er jemanden brauchte, der die unaufgefordert eingesandten Manuskripte begutachtete. Dass der Rest Geschichte ist, wissen Sie, wenn Sie meine frühesten Anmerkungen zu diesem Thema gelesen haben.

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NWO-Propaganda in SF-Romanen: Alan Dean Fosters „Homanx“-Reihe (1) – „Das Tar-Aiym Krang“

Von Lucifex. (Achtung, LANGER Artikel!)

„Wo Silverberg heute hingeht, wird ihm der Rest der Science Fiction morgen folgen”

1972, nur drei Jahre nach Robert Silverbergs SF-Roman „Across a Billion Years / Nach all den Jahrmilliarden“, erschien der Erstlingsroman des jüdischen Autors Alan Dean Foster, The Tar-Aiym Krang (deutsch „Das Tar-Aiym Krang“, 1979), dem im Laufe der Jahre 28 weitere Romane aus Fosters „Homanx-Commonwealth“ folgten. Besonders populär waren davon die Geschichten um Philip Lynx, genannt Flinx, und seinen Minidrach Pip, eine halbintelligente, geflügelte Schlange vom Planeten Alaspin, die wie Flinx gewisse telempathische Fähigkeiten hat.

Ich kenne viele dieser Romane seit einer Zeit, als ich selbst nicht viel älter war als Flinx in Das Tar-Aiym Krang, und ich habe sie immer geliebt, vor allem die frühen Flinx-Geschichten. Vor etlichen Jahren habe ich mir dann drei neu erschienene Flinx-Bücher gekauft, Flucht ins Chaos, Nichts als Ärger und Patrimonium, und diese haben mir mit ihrer politkorrekten Antirassismus- und Universalismuspropaganda sehr mißfallen. Daraufhin habe ich die „guten alten“ Bücher wieder gelesen, bei denen ich mich zu erinnern glaubte, daß es darin noch anders zugegangen wäre, und mußte feststellen, daß sie auch schon einigermaßen so waren.

Das fing bereits in Das Tar-Aiym Krang an, das ich (neben Der Kollapsar) von allen Homanx-Romanen rein als SF-Geschichte betrachtet auch heute noch am liebsten wieder einmal lese, was unter anderem sicher auch daran liegt, daß man zu dem, was man in den „formativen Jahren“ als Teenager und junger Erwachsener mochte, oft auch später noch einen besonderen Bezug hat. Dieses Buch stelle ich nachfolgend etwas ausführlicher vor, als Beispiel für die gesamte Serie, um zunächst zu zeigen, warum ein junger SF-Leser wie ich damals davon fasziniert war, und anschließend, was darin der erst viel später erkannte (((Propagandagehalt))) ist, bei dem es prototypisch für die gesamte Homanx-Serie ist:

Das Tar-Aiym Krang

Flinx, ein noch nicht ganz siebzehnjähriger Waisenjunge, der als Kind von der Markthändlerin „Mutter Mastiff“ auf einem Sklavenmarkt gekauft und als Ersatzsohn aufgezogen wurde, bestreitet seinen Lebensunterhalt als Schausteller auf dem Marktplatz von Drallar, der Hauptstadt des Planeten Moth. Daneben ist er auch ein Gelegenheitsdieb, der aber – als „ethischer Dieb“, wie es auf der ersten Seite heißt – nur Leute bestiehlt, die es selber mit dem Gesetz nicht so genau nehmen. Eines Tages kommt er in einer Seitengasse dazu, wie zwei Männer einen dritten überfallen, und wird in den Kampf verwickelt. Einen der Angreifer ersticht er, während Pip den zweiten tötet, indem er ihm sein schnellwirkendes Gift in die Augen spuckt. Dem bereits ebenfalls toten Angriffsopfer nimmt Flinx eine Sternkarte ab, die anscheinend der Grund für den Überfall war, und verschwindet damit, ehe die Polizei eintrifft.

Noch am selben Abend wird er von zwei außerplanetarischen Besuchern als Fremdenführer angeheuert: dem Menschen Bran Tse-Mallory und dem Thranx-Philosophen Truzenzuzex, einem Insektoidwesen, mit dessen Spezies die Menschen eine verschmolzene Zivilisation gebildet haben: das Homanx-Commonwealth (von Homo sapiens und Thranx). Die beiden lassen sich von Flinx in die Wohnstadt der Reichen von Drallar führen, eine gated community, wo auch der Turm des schwerreichen, interstellar tätigen Handelsherrn Maxim Malaika steht. Dort angekommen, stellt sich heraus, daß Flinx‘ Auftraggeber bedeutende Gelehrte sind, und weiters, daß die Sternkarte in Flinx‘ Besitz für Tse-Mallory und Truzenzuzex bestimmt war und für das Unternehmen wichtig ist, das sie Malaika vorschlagen: die Suche nach dem Krang, einem mysteriösen Artefakt der Tar-Aiym, einer Alien-Spezies, die vor 479.000 Jahren in einem interstellaren Krieg gegen die Hur’rikku zusammen mit ihren Gegnern untergegangen ist. Dieses Krang, das sowohl eine Superwaffe als auch eine Art Musikinstrument sein soll, wird auf einem Planeten im sogenannten „Brand“ vermutet, einem weiten Raumgebiet, in dem alle intelligenten und halbintelligenten Lebewesen durch jenen Krieg ausgelöscht worden waren. Die beiden Gelehrten gewinnen Malaika dafür, sich mit ihnen in seiner Raumyacht Gloryhole auf die Suche nach dem Krang zu machen. Nachdem sie gegangen sind, ruft der Händler per Hyperfunk seine Geschäftsrivalin Rashallaila Nuaman, die Indizien zufolge (und auch tatsächlich) den Überfall auf den Sternkartenüberbringer beauftragt hat, auf deren Privatplaneten an und teilt ihr spöttisch mit, daß er nun die Karte besitzt.

Am nächsten Tag fliegt die Gruppe, vervollständigt durch Flinx und Pip, Malaikas Diener und Piloten Wolf, die Copilotin Atha Moon und Malaikas aktuelle Gespielin Sissiph, mit einem Shuttle zur Gloryhole in den Orbit hinauf. Nachdem sie sich an Bord einquartiert haben, beschleunigt die Raumyacht aus dem System von Moth hinaus, gezogen vom Posigravfeld, das der Abstrahltrichter des Doppelka-Antriebs vor sie projiziert, und geht auf Überlichtgeschwindigkeit. Unbemerkt folgt ihr das Schiff eines Agenten von Rashallaila Nuaman, für den die Sternkarte hätte geraubt werden sollen.

„Flinx lächelte, achtete aber darauf, daß der Handelsmann es nicht bemerkte. Nur wenige wußten, was der Name von Malaikas privater Yacht zu bedeuten hatte. Die meisten glaubten, es handele sich um ein altes terranisches Wort, das einen reichen Mineralfund bedeutet…“ (Ich – Lucifex – wußte damals auch noch nicht, was ein Gloryhole ist.)

Dieser Teil der Geschichte war für mich wegen des Themas eines Sternenschiffes in Privatbesitz (anstelle eines militärischen oder sonstwie staatlichen Schiffes) reizvoll, das ich damals ansonsten hauptsächlich aus dem ebenfalls neuen Film Krieg der Sterne kannte. Anders als Han Solos Millennium Falcon ist Maxim Malaikas viel größere Gloryhole eine luxuriöse Raumyacht: ihre Luftschleuse ist mit Pelz ausgekleidet, der Salon „ein Märchen aus Glas, Holz und Plastik“, durch dessen grünen, pelzartigen Boden echte Bäume wachsen und dessen Decke als Hologramm ausgebildet ist, das einen freien Himmel mit Wolken und Sonne zeigt. Für die Reisenden gibt es komfortable Kabinen, und die Mahlzeiten werden vom Autokoch im Salon serviert.

Nach den ersten paar Reisetagen, in denen nichts Dramatischeres passiert als eine Rauferei aus Eifersucht zwischen Sissiph und Atha Moon, die heimlich in ihren Chef verliebt ist, kommt es zu einer Begegnung mit zwei Zerstörern der AAnn, kriegerischen Reptiloidwesen, den „Klingonen“ des Homanx-Universums. Deren Kommandant ist von Teleen auz Rudenuaman, die ihrer Tante Rashallaila Nuaman ins Geschäft pfuschen will, über Vermittlung eines AAnn-Geschäftsmannes auf sie angesetzt worden. Aus diesem Teil zitiere ich nun ein längeres Stück:

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NWO-Propaganda in SF-Romanen: Robert Silverbergs „Nach all den Jahrmilliarden“

Von Lucifex, beruhend auf meinem Kommentar (als Deep Roots) zu Jonathan Pyles Essay „Star Trek und die multirassische Zukunft“.

Stammleser werden die von Kairos, Dunkler Phönix, Sternbald und mir verfaßte 16teilige AdS/MoWa-Artikelreihe „Star Dreck“ kennen, die sich dem Aufzeigen von JNWO-Propaganda (Antinationalismus, Feminismus, Rassenvermischung, Weißenfeindlichkeit etc.) in Filmen und Fernsehserien mit dem Star-Trek-Franchise als Musterbeispiel widmet. (Ein inoffizieller 17. Teil widmet sich den Munsters, läuft aber nicht unter dem Titel „Star Dreck“, weil es ein „Interview“ mit Herman Munster mit mir als „Ghostwriter“ ist.)

Ich wollte schon länger auch ein paar Artikel dieser Art über JNWO-Propaganda in Science-Fiction-Romanen machen, und als erstes Thema habe ich „Nach all den Jahrmilliarden“ (Across a Billion Years, 1969, deutsch 1982) des jüdischen Autors Robert Silverberg ausgewählt. Zwar ist dieser Roman schon älter und wird vielen heutigen Lesern nicht mehr geläufig sein, aber Silverberg gilt als sehr einflußreicher Autor in der SF-Szene („Wo Silverberg heute hingeht, wird ihm der Rest der Science Fiction morgen folgen”, heißt es über ihn). Daher eignet sich „Nach all den Jahrmilliarden“, das mir seinerzeit recht gut gefallen hat und mir rein als SF-Geschichte auch später noch gefiel, recht gut als Beispiel dafür, welche Propagandatrends jüdische Autoren wie Silverberg schon zu dieser Zeit zu setzen begonnen haben, mit der Folge, daß andere – auch nichtjüdische – SF-Autoren davon beeinflußt wurden und sie für eigene Werke aufgriffen.

Tom Rice und Kelly Wachmann beim Auffinden des Projektors der „Erhabenen“; im Hintergrund der Dinamonianer Mirrik.

Der Roman spielt im Jahr 2375, und der Ich-Erzähler ist ein junger Archäologe namens Tom Rice, der an einer Raumexpedition zum öden Planeten Higby V teilnimmt, wo die Überbleibsel einer Superzivilisation (der sogenannten „Erhabenen”, die sich Mirt Korp Ahm nannten) erforscht werden sollen. Die Ausgrabungsstätte ist der bis dahin zweiunddreißigste gefundene Außenposten der „Erhabenen“, deren Zivilisation vor etwa 1,1 Milliarden Jahren entstand und eine Viertelmilliarde Jahre die Galaxis beherrschte. Es ist weder bekannt, wo die Ursprungswelt der „Erhabenen“ war noch was aus ihnen wurde.

Die Menschheit dieser Zukunftswelt gehört einem interstellaren Zivilisationsverbund mehrerer intelligenter Spezies an, der von einer Institution namens „Zentralgalaxis“ (was und wo immer das auch ist) regiert wird. Deshalb besteht das elfköpfige archäologische Team aus fünf Menschen, einer Androidin (d. h., einer künstlich in einem Bottich gezüchteten, aber biologisch lebenden Menschenfrau) und fünf Außerirdischen aus ebensovielen Spezies:

Mirrik von Dinamon IX ähnelt in Gestalt und Größe einem Nashorn, nur daß er außer den vier Beinen auch zwei Arme hat sowie Stoßzähne im Unterkiefer und eine blaue Haut. Er rezitiert gern Gedichte und wird von Pollen betrunken. (Das untenstehende Bild spielt auf eine Szene an, wo Mirrik im berauschten Zustand außerhalb der Forschungsbasis herumtobte und dabei ein Fahrzeug schwer beschädigte.) Pilazinool von Shilamak ist eine Art Cyborg, der gerne seine künstlichen Implantate poliert und bei Streß dazu neigt, seine Robotergliedmaßen abzumontieren und auf einen Haufen zu legen. Dr. Horkkk vom Planeten Thhh, einer der drei Chefs der Expedition, reicht einem Menschen nur bis zur Hüfte und hat vier Arme, vier Beine, drei Augen und zwei Münder (einen zum Essen, einen zum Sprechen). Er ist so dünn, daß er von der Seite gesehen fast unsichtbar ist. Daneben gibt es noch die gelbe Oktopuskreatur 408b und den Hermaphroditen Steen Steen.

Bei den Ausgrabungen auf Higby V findet Tom Rice ein Gerät der „Erhabenen“, eine Art Projektor, der unter anderem eine Sternkarte projiziert sowie Aufnahmen von den Mirt Korp Ahm, kuppelköpfigen Aliens mit sechs Gliedmaßen. In einer Szene ist zu sehen, wie vor 941.285.008 Jahren ein Roboter in einer Höhle auf einem Asteroiden begraben wird. Auf der Suche nach diesem Roboter und nach den Erhabenen, die vielleicht doch nicht ausgestorben sind, macht das Expeditionsraumschiff sich in ferne, unerforschte Bereiche der Galaxis auf. Am Ende findet man tatsächlich den Roboter sowie die letzten Mirt Korp Ahm, die auf ihrer Heimatwelt in einer Dysonsphäre leben: eine Handvoll von Individuen in einem vegetativen Zustand, gepflegt von praktisch unsterblichen Robotern, die sich selbst warten und reparieren.

Tom Rice erzählt die Geschichte in Form von „Hörbriefen” die er für seine Schwester Lorie aufnimmt, und gleich am Anfang äußert er sich über das archäologische Team, mit dem er unterwegs ist:

Wie du vielleicht vermutest, sind wir eine rassisch gemischte Mannschaft. Die Liberalen mußten ihren Willen durchsetzen. Und somit ist uns das Quotierungssystem auferlegt worden: Unsere Gruppe umfaßt sechs Terraner, einschließlich eines Androiden, und fünf ausgewählte Repräsentanten von fünf anderen intelligenten Spezies der Galaxis. Nun, du weißt, ich bin nicht voreingenommen. Mir ist es gleich, wie viele Augen, Tentakel, Eßöffnungen oder Fühler irgendein Lebewesen zufälligerweise ein eigen nennt – solange es seine Arbeit versteht. Es paßt mir nur nicht, jemanden dabeizuhaben, der fachlich unterqualifiziert ist und nur der rassischen Ausgewogenheit willen einer Expedition zugeteilt wird.

Hier holt Silverberg seine Leser „dort ab, wo sie stehen”, in dem er seinen Protagonisten dieselben Vorbehalte gegen „Affirmative Action” äußern läßt, die diese wohl auch hegen (wohlgemerkt, der Roman wurde 1969 verfaßt!). Diese Propagandataktik wird von den liberal verstrahlten Rezensenten nicht verstanden, die auf der Goodreads-Seite über Across A Billion Years „Sexismus“ und „1960s white male outlook“ bemängeln.

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Der Wachtposten

Von Fredric Brown, übersetzt von Lucifex. Das Original „Sentry“ (hinunterscrollen zur zweiten Geschichte) erschien erstmals in der Februarausgabe 1954 von Galaxy Science Fiction. (PDF – 1 Seite – hier auf „Morgenwacht“)

Er war naß und verdreckt und hungrig; ihm war kalt, und er war fünfzigtausend Lichtjahre von zu Hause entfernt. Eine seltsame blaue Sonne spendete Licht, und die Schwerkraft, doppelt so stark wie die, an die er gewöhnt war, machte jede Bewegung schwierig.

Aber in Zehntausenden von Jahren hatte sich dieser Teil des Krieges nicht geändert. Die Fliegerjungs waren fein raus mit ihren schnittigen Raumschiffen und ihren hochentwickelten Waffen. Wenn es hart auf hart kam, war es aber immer noch der Fußsoldat, die Infanterie, die das Gelände einnehmen und halten mußte, Meter um blutigen Meter. Wie dieser verdammte Planet eines Sterns, von dem er nie zuvor gehört hatte, bevor sie ihn dort abgesetzt hatten. Und jetzt war es heiliger Boden, weil die Fremden ebenfalls hier waren. Die Fremden, die einzige andere intelligente Rasse in der Galaxis… grausame, häßliche und abstoßende Monster.

Der Kontakt mit ihnen war nahe dem Zentrum der Galaxis hergestellt worden, nach der langsamen, schwierigen Kolonisierung von einem Dutzend tausend Planeten; und es war Krieg vom ersten Anblick an gewesen; sie hatten geschossen, ohne auch nur zu versuchen, zu verhandeln oder Frieden zu schließen.

Nun wurde es ausgekämpft, Planet um bitteren Planeten.

Er war naß und dreckig und hungrig und fror, und der Tag war erfüllt von starkem Wind, der ihm in den Augen weh tat. Aber die Fremden versuchten einzusickern, und jeder Wachtposten war lebenswichtig.

Er blieb wachsam, die Waffe bereit. Fünfzigtausend Lichtjahre von zu Hause entfernt, auf einer fremdartigen Welt kämpfend, und er fragte sich, ob er es jemals erleben würde, die Heimat wiederzusehen.

Und dann sah er einen von ihnen auf sich zurobben. Er legte an und feuerte. Der Fremde gab diesen seltsamen, schrecklichen Laut von sich, wie sie es alle tun, und lag dann still.

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Duell im All („Arena“)

Von Fredric Brown, übersetzt von Lucifex. Das Original „Arena“ wurde erstmals 1944 im „Astounding Science Fiction Magazine“ veröffentlicht und ist hier auf „Morgenwacht“ als 18seitige PDF herunterladbar. In „Das Beste aus Reader’s Digest“ Nr. 5-1982 ist eine deutsche Fassung unter dem Titel „Duell im All“ erschienen, die aber nicht einmal ein Viertel des Originalumfangs hat und somit eher eine zusammenfassende Nacherzählung ist. Das Bild oben ist der Beginn einer Nachveröffentlichung auf „Starlog 4“ mit einer Illustration von Boris Vallejo; das Bild weiter unten im Text ist von David Schleinkofer.

*   *   *

Carson öffnete die Augen und bemerkte, daß er im Sand lag. Er blickte auf und sah in eine flimmernde, trübe Bläue. Es war heiß, und er lag auf Sand, und ein im Sand eingebetteter scharfer Stein schmerzte in seinem Rücken. Er rollte sich zur Seite, vom Stein herunter, und stemmte sich dann in sitzende Position hoch.

Ich bin wohl verrückt, dachte er. Verrückt – oder tot – oder irgendwas. Der Sand war blau, leuchtend blau. Und so etwas wie hellblauen Sand gab es doch nirgendwo auf der Erde oder sonst einem Planeten.

Blauer Sand.

Blauer Sand unter einer blauen Kuppel, die nicht der Himmel war noch sonst ein Raum, sondern ein umgrenzter Bereich – irgendwie wußte er, daß er umgrenzt und endlich war, obwohl er nicht bis zu seiner Oberseite sehen konnte.

Er nahm eine Handvoll auf und ließ die Körner durch die Finger laufen. Er rieselte auf sein bloßes Bein hinunter. Bloß?

Nackt. Er war von oben bis unten nackt, und von seinem Körper troff bereits der Schweiß von der enervierenden Hitze, blau mit Sand überzogen, wo immer Sand ihn berührt hatte.

Aber anderswo war sein Körper weiß.

Er dachte: Dann ist dieser Sand wirklich blau. Wenn er nur wegen des blauen Lichtes blau erschiene, dann wäre ich ebenfalls blau. Aber wenn ich weiß bin, dann ist der Sand blau. Blauer Sand. Es gibt keinen blauen Sand. Es gibt keinen Ort wie diesen.

Schweiß rann ihm in die Augen.

Es war heiß, heißer als die Hölle. Nur daß die Hölle – die Hölle der Alten – rot sein sollte und nicht blau.

Aber wenn dieser Ort nicht die Hölle war, was war er dann? Von allen Planeten besaß nur der Merkur eine solche Hitze, und das war nicht der Merkur. Der lag ungefähr sechs Milliarden Kilometer entfernt von…

Da fiel es ihm wieder ein, wo er sich zuletzt befunden hatte: in dem kleinen Einmannaufklärungsraumschiff jenseits der Umlaufbahn des Planeten Pluto. Und sein Auftrag war die Überwachung eines knapp anderthalb Millionen Kilometer umfassenden Raumes an der Flanke der terrestrischen Raumflotte, die die Outsider abfangen sollte.

Dieses plötzliche schrille Klingeln der Alarmglocke, als der Aufklärer der Rivalen – das Outsiderschiff – in Reichweite seiner Detektoren gekommen war!

Niemand wußte, wer die Outsider waren, wie sie aussahen, oder aus welcher fernen Galaxis sie gekommen waren, außer daß sie in der allgemeinen Richtung der Plejaden lag.

Zuerst hatte es vereinzelte Überfälle auf Erdkolonien und Außenposten gegeben, isolierte Kämpfe zwischen Erdpatrouillen und Raumschiffen der Outsider; Kämpfe, die manchmal gewonnen und manchmal verloren wurden, aber nie in der Kaperung eines fremden Schiffes resultierten. Auch hatte kein Mitglied einer überfallenen Kolonie jemals überlebt, um die Outsider zu beschreiben, die die Schiffe verlassen hatten, falls sie sie überhaupt verlassen hatten.

Keine allzu ernsthafte Bedrohung, zu Anfang, denn die Überfälle waren nicht zahlreich oder zerstörerisch gewesen. Und einzeln hatten die Schiffe sich als den besten Erdenkampfschiffen in der Bewaffnung leicht unterlegen erwiesen, obwohl sie in der Geschwindigkeit und Manövrierfähigkeit etwas überlegen waren. Tatsächlich war es ein ausreichender Geschwindigkeitsvorteil, um den Outsidern die Wahlmöglichkeit zwischen Flucht oder Kampf zu ermöglichen, sofern sie nicht umzingelt waren.

Dennoch hatte die Erde sich für ernsthafte Schwierigkeiten vorbereitet und die mächtigste Raumflotte aller Zeiten gebaut. Sie hatte nun schon seit langer Zeit gewartet, diese Armada. Nun kam der Showdown.

Aufklärer 30 Milliarden Kilometer weit draußen im Raum hatten die Annäherung einer mächtigen Flotte der Angreifer gemeldet. Jene Aufklärer waren nie zurückgekehrt, aber ihre radiotronischen Botschaften. Und nun befand sich die terrestrische Armada mit 10.000 Raumschiffen und einer halben Million Raumkämpfern da draußen, außerhalb der Plutobahn, und wartete darauf, die Outsider abzufangen und bis zum Tod zu kämpfen.

Und es würde eine ausgeglichene Schlacht werden, nach den Vorausmeldungen der Männer der fernen Vorpostenlinie zu urteilen, die ihr Leben gegeben hatten, um – vor ihrem Tod – über die Größe und Stärke der fremden Flotte zu berichten.

Es war die Schlacht von jedermann, und die Herrschaft über das Sonnensystem hing dabei in der Schwebe, zu ausgeglichenen Chancen. Eine letzte und einzige Chance, denn die Erde und alle ihre Kolonien würden völlig der Gnade der Outsider ausgeliefert sein, falls sie diesen Spießrutenlauf überstanden.

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Die Mars-Chroniken: Nächtliche Begegnung

Von Ray Bradbury. Das Original „August 2002: Night Meeting“ ist eine Kurzgeschichte aus „The Martian Chronicles“ von 1950. Die hier wiedergegebene deutsche Übersetzung stammt aus der deutschen Ausgabe „Die Mars-Chroniken“ in der Übersetzung von Thomas Schlück und Wolfgang Jeschke, Heyne-Buch Nr. 3410, 2. überarbeitete Auflage 1974. Das Titelbild „The Martian Chronicles“ von Michael Whelan wurde von mir (Lucifex) eingefügt.

(Anm. von Lucifex: Ich habe die deutsche Fassung mit dem Originaltext verglichen und festgestellt, daß die Übersetzung recht vollständig und vorlagengetreu ist; nur an drei Stellen habe ich nicht ganz dem Original entsprechende Wörter gegen die richtigen ausgetauscht. Die Geschichte selbst beschreibt einen Mars, wie man ihn sich in den frühen 1950ern noch vorstellen konnte; als heutiger Leser kann man sie sich ja auf einen außersolaren Planeten übertragen vorstellen, der eben so ist. Dies wäre auch die geeignetste Herangehensweise für eine eventuelle Verfilmung.)

 

Vor der Fahrt in die blauen Berge hielt Tomás Gomez noch an der entlegenen Tankstelle.

„Ziemlich einsam hier draußen, wie?“ fragte Tomás.

Der alte Mann wischte über die Windschutzscheibe des kleinen Lastwagens. „Es geht.“

„Wie gefällt es Ihnen auf dem Mars, Opa?“

„Gut. Gibt immer etwas Neues. Als ich letztes Jahr raufkam, hab ich keine großen Dinge erwartet und keine Ansprüche gestellt und wollte mich auch nicht überraschen lassen. Wir müssen die Erde vergessen, wir müssen vergessen, wie es da unten war. Wir müssen uns ansehen, was wir hier haben und wie anders alles ist. Das Wetter zum Beispiel. Schon das Wetter macht mir hier verdammt Spaß. Ist eben marsianisches Wetter. Heiß wie die Hölle am Tage, kalt wie die Hölle in der Nacht. Ich beschäftige mich viel mit den andersartigen Blumen und dem andersartigen Regen. Ich wollte mich auf dem Mars zur Ruhe setzen, mir ein Plätzchen suchen, wo alles anders ist. Ein alter Mann braucht das. Das junge Volk will nichts mehr von ihm wissen, und seine Altersgenossen langweilen ihn zu Tode. Also hielt ich es für das Beste, mir ein Fleckchen zu suchen, das so anders ist, daß ich nur die Augen aufzumachen brauche und schon etwas zu sehen habe. Hier die Tankstelle hab ich mir besorgt. Wenn das Geschäft zu lebhaft wird, suche ich mir weiter oben eine andere alte Straße, auf der es noch ruhiger ist und wo ich ausreichend verdiene und noch Zeit habe, all das Fremde in mich aufzunehmen.“

„Sie machen’s richtig, Opa“, sagte Tomás. Seine braunen Hände ruhten locker auf dem Steuerrad. Er fühlte sich wohl. Er hatte zehn Tage hintereinander in einer der neuen Kolonien gearbeitet und hatte jetzt zwei Tage frei und war auf dem Weg zu einer Party.

„Mich überrascht gar nichts mehr“, sagte der alte Mann. „Ich sehe mich nur um. Ich registriere. Wenn man den Mars nicht so nehmen kann, wie er ist, sollte man gleich wieder zur Erde fliegen. Hier oben ist alles verrückt – der Boden, die Luft, die Kanäle, die Eingeborenen (ich hab noch keine gesehen, aber es sollen sich ja noch welche herumtreiben), die Uhren. Sogar meine Uhr ist komisch. Auch die Zeit ist völlig verdreht. Manchmal komme ich mir vor, als wäre ich ganz allein, als gäbe es außer mir keine Seele auf dem ganzen verdammten Planeten. Ich könnte in solchen Momenten glatt wetten, allein zu sein. Manchmal komme ich mir etwa acht Jahre alt vor, ganz winzig zusammengequetscht, und alles ist riesig. Mein Gott, hier ist wirklich der richtige Ort für einen alten Mann. Hält mich munter und zufrieden. Wissen Sie, was der Mars ist? Er ähnelt einem Geschenk, das ich vor siebzig Jahren zu Weihnachten gekriegt hab – weiß nicht, ob Sie so etwas schon mal gesehen haben. Kaleidoskope hießen die Dinger, eckige glitzernde Glasstücke und Stoff und Perlen und schönes Zeug. Man hielt es ins Sonnenlicht und schaute hindurch, und es stockte einem der Atem. Was für Formen! Also, so ist auch der Mars. Genießen Sie ihn. Lassen Sie ihn, wie er ist. Mein Gott, wissen Sie, daß diese Straße hier von den Marsianern vor über sechzehn Jahrhunderten gebaut wurde und immer noch gut in Schuß ist? Das wären ein Dollar und fünfzehn Cents, vielen Dank und gute Nacht.“

Tomás fuhr leise lachend auf der Landstraße weiter. Es war eine lange Straße, die in die Dunkelheit zwischen den Hügeln führte, und er hielt das Steuer und langte dann und wann in seinen Eßkorb und nahm sich ein Bonbon. Er war etwa eine Stunde gleichmäßig gefahren, und es war kein anderer Wagen auf der Straße und kein Licht, nur die Straße, die unter ihm dahinraste, das Summen, das Dröhnen, und der Mars dort draußen, so ruhig. Der Mars war immer ruhig, doch heute war er stiller als je zuvor. Die Wüstenstriche und leeren Meere glitten an ihm vorüber, und die Sterne bewegten sich über den Bergen.

Es lag heute abend ein Geruch von Zeit in der Luft. Er lächelte und verweilte bei dieser Fantasievorstellung. Ein interessanter Gedanke. Wie roch die Zeit überhaupt? Nach Staub und Uhren und Menschen. Und wenn man sich fragte, welches Geräusch die Zeit machte, so klang sie wie Wasser, das in einer dunklen Höhle dahinströmt, und wie weinende Stimmen und Erdschollen, die auf hohle Sargdeckel fallen, und wie Regen. Um den Gedanken weiterzuspinnen, wie sah die Zeit aus? Die Zeit sah aus wie Schneefall in einem schwarzen Raum oder wie ein Stummfilm in einem alten Kino oder wie hundert Milliarden Gesichter, die wie unzählige Neujahrsballons herabsinken, immer tiefer hinab ins Nichts. Ja, so roch und klang die Zeit und so sah sie aus. Und heute – Tomás hielt eine Hand in den Fahrtwind des Lastwagens – heute abend konnte man die Zeit beinahe fühlen.

Er steuerte seinen Wagen zwischen Hügeln aus Zeit. In seinem Nacken begannen sich die kleinen Härchen aufzurichten, und er starrte angestrengt nach vorn.

Er erreichte eine kleine tote Marsstadt, stellte den Motor ab und ließ die Stille von allen Seiten auf sich eindringen. Er saß da, ohne zu atmen, und betrachtete die weißen Gebäude im Mondlicht. Unbewohnt seit Jahrhunderten. Vollkommen und makellos. Zerstört, gewiß – aber gleichwohl vollkommen.

Er startete den Motor und fuhr noch etwa eine Meile, ehe er wieder stoppte, ausstieg und seinen Eßkorb zu einem kleinen Vorsprung trug, von dem aus er die eben durchfahrene Stadt überschauen konnte. Er öffnete seine Thermosflasche und goß sich eine Tasse Kaffee ein. Ein Nachtvogel flog vorüber. Tomás fühlte sich ausgezeichnet.

Etwa fünf Minuten später ertönte ein Geräusch. Oben in den Hügeln, wo sich die alte Straße dahinschlängelte, war eine Bewegung zu sehen und ein schwaches Licht, dann hörte er ein Murmeln.

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Die Gedanken-Falle

Von Clifford D. Simak. Das Original „Junkyard“ erschien im Mai 1953 in GALAXY SCIENCE FICTION; deutsche Übersetzung von Lothar Heinecke aus Ullstein 2000 – Science Fiction Stories 66, 1977 (ISBN 3-548-03323-7).

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Sie glaubten, das Geheimnis enträtselt zu haben. Sie hatten ein paar scharfsinnige Überlegungen angestellt, die entsprechenden Schlüsse gezogen – aber sicher waren sie sich ihrer Sache nicht. Es war dies zwar nicht die Art, in der üblicherweise eine Abteilung des Vermessungsdienstes ihre Arbeit tat. Für gewöhnlich griffen sie ein Problem auf, schüttelten es kräftig durch und ließen nicht locker, bis sie herausgeholt hatten, was herauszuholen war, und konnten abschließend immer mit einer eindrucksvollen Liste von Tatsachen aufwarten. Hier jedoch gab es keine einzige greifbare Tatsache außer der einen, die selbst einem zwölfjährigen Kind als solche erschienen wäre.

Commander Ira Warren machte sich deshalb Sorgen, und er äußerte sich auch in diesem Sinne, als er sich mit Schlappohr Brady, dem Schiffskoch und etwas anrüchigen Kumpan seiner Jugendzeit unterhielt. Die beiden fuhren jetzt schon seit mehr als dreißig Jahren zusammen und konnten, obwohl oder weil sie an entgegengesetzten Enden der Rangliste standen, sich gegenseitig doch Dinge sagen, die sie keinem anderen an Bord sagen konnten oder einem anderen Mann hätten erlauben können zu sagen.

„Schlappohr“, sagte Warren, „ich mach mir Sorgen.“

„Du machst dir immer Sorgen“, gab Schlappohr zurück. „Das gehört nun mal zu deinem Job.“

„Die Sache mit dem Schrottplatz…“

„Du wolltest schließlich was werden“, sagte Schlappohr, „und ich hab dir gesagt, was dann passieren würde. Ich hab dich gewarnt. Autorität – das heißt Verantwortung, und das heißt Sorgen. Damit mußt du dich abfinden. Hm, also es geht um diese Schrottplatz-Geschichte? Ich hab da noch irgendwo eine Flasche stehen. Wie wär’s denn mit einem kleinen Schluck?“

Warren wies den Gedanken weit von sich. „Eines Tages werde ich es dir schon mal besorgen. Ich kann mir nicht denken, wo du das Zeug immer versteckt hältst, aber auf jeder Fahrt…“

„Aber Ira! Nun reg dich bloß nicht unnütz auf.“

„Aber auf jeder Fahrt schleppst du genug totes Gewicht an Alkohol mit, um immer halb beduselt herumlaufen zu können.“

„Es ist Gepäck“, meinte Schlappohr störrisch. „Schließlich darf man doch wohl sein Reisegepäck mitnehmen. Ich hab sonst nicht viel anderes. Ich bringe eben meine Getränke mit.“

„Eines Tages“, sagte Warren heftig, „wirst du erleben, daß man dich deshalb fünf Lichtjahre von Nirgendwo aus dem Schiff hinauswirft.“

Die Drohung war nicht neu und konnte deshalb Schlappohr auch nicht weiter aufregen.

„Diese Sorgen machen dich noch ganz krank“, sagte Schlappohr, „und sie bringen dich auch nicht weiter.“

„Aber unser wissenschaftliches Team hat versagt“, widersprach Warren. „Begreifst du denn nicht, was das heißt? Zum ersten Mal in mehr als hundert Jahren Vermessungsarbeit haben wir Anzeichen gefunden, die darauf hindeuten, daß noch eine andere Rasse außer der menschlichen die Raumfahrt kennt. Und wir wissen nichts darüber. Aber wir sollten es. Bei der Menge des Plunders, der da draußen herumliegt, sollten wir inzwischen ein dickes Buch darüber schreiben können.“

Schlappohr spuckte verächtlich aus. „Du meinst, diese Wissenschaftler sollten es.“

Auf die Art und Weise, wie er „Wissenschaftler“ aussprach, klang es wie ein unanständiges Wort.

„Die sind schon in Ordnung“, sagte Warren. „Die besten, die es gibt.“

„Erinnerst du dich noch an die alten Tage, Ira?“ fragte Schlappohr. „Damals, als du noch ein kleiner Leutnant warst und wir uns ab und zu einen hinter die Binde gossen und…“

„Was hat das mit dieser Sache zu tun?“

„Damals hatten wir noch richtige Männer an Bord. Wir haben uns einen Knüppel gegriffen, uns ein paar Eingeborene geschnappt und ihnen mit dem Knüppel ein bißchen nachgeholfen. Und auf diese Weise haben wir in ein paar Stunden mehr in Erfahrung gebracht als diese Wissenschaftler mit ihren Methoden in einem Monat.“

„Du übersiehst eine Kleinigkeit“, sagte Warren. „Hier gibt es keine Eingeborenen.“

Tatsache war, daß es auf diesem Planeten weder Eingeborene gab noch sonst was zu holen war. Es war ein ausgesprochen armseliger Planet, und er würde auch die nächste Milliarde Jahre nicht viel ansehnlicher werden. Verständlicherweise war der Vermessungsdienst nicht allzu sehr an Planeten interessiert, die erst in einer Milliarde Jahren etwas darstellen würden.

Seine Oberfläche bestand zum größten Teil aus gewachsenem Fels und herumliegenden Gesteinstrümmern. Während der letzten halben Million Jahre waren die ersten primitiven Pflanzen aufgetaucht. Moose und Flechten füllten die Felsspalten und krochen über das Gestein, aber davon abgesehen schien kein anderes Leben vorhanden zu sein. Obwohl, um genau zu sein, man dessen nicht sicher sein konnte, denn keiner hatte sich eingehender für den Planeten interessiert. Sie hatten ihn weder genauer untersucht noch nach Leben geforscht. Dafür war jedermann viel zu sehr an dem Schrottplatz interessiert gewesen.

Ursprünglich hatten sie nicht einmal die Absicht gehabt, hier zu landen. Sie hatten den Planeten umkreist, die üblichen Messungen vorgenommen und die üblichen Angaben in das Logbuch eingetragen.

Dann hatte jemand, der hinter einem Teleskop saß, den Schrottplatz entdeckt, und sie waren gelandet, um ihn sich näher anzusehen, und hatten ein Vexierspiel vorgefunden, das sie fast an den Rand des Wahnsinns trieb.

Sie hatten die Stelle Schrottplatz getauft, und etwas anderes war sie auch nicht. Ringsherum verstreut lag ein Haufen Zeug, das allem Anschein nach Maschinenteile waren, obwohl niemand etwas Bestimmtes sagen konnte. Pollard, der Ingenieur, war über der Aufgabe, einige von ihnen zusammenzubauen, bald verrückt geworden. Schließlich hatte er drei Stücke irgendwie zusammenbekommen, aber klüger war er dadurch auch nicht geworden. Deshalb wollte er sie wieder auseinandernehmen, schon um zu sehen, wie er sie zusammenbekommen hatte. Er bekam sie nicht wieder auseinander. Das war der Moment, wo Pollards Nerven mit ihm durchgingen.

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Zukunftsvisionen aus dem „Zweiten Goldenen Zeitalter“ der Science Fiction

Von Lucifex.

In Ergänzung zu den von mir immer wieder veröffentlichten Science-Fiction-Geschichten und als visuelle „Einladung zu Gedankenreisen“ bringe ich hier fünf musikunterlegte Videos mit Zusammenstellungen klassischer Science-Fiction-Illustrationen der 1970er und 1980er von Künstlern wie Angus McKie, Bob Layzell, Bob McCall, Chris Foss, Chris Moore, Colin Hay, Fred Gambino, Jim Burns, John Berkey, John Harris, John Schoenherr, Peter Elson, Peter Jones, Syd Mead, Tim White, Tony Roberts oder Vincet Di Fate.

Die Videos haben eine Länge von je zehn Minuten, und die Musik ist von Tangerine Dream (das Stück zum ersten Video heißt „Stratosfear“):

Als Ergänzung folgt hier noch „Syd Mead – Visual Futurism“ (ebenfalls 10 min.):

*     *     *

Neue Kommentarpolitik auf „Morgenwacht“: Wie bereits hier unter Punkt 1 angekündigt, am Schluß dieses Kommentars wiederholt als Absicht geäußert und in diesem Kommentar endgültig festgelegt, werden neue Kommentatoren nicht mehr zugelassen und sind die Kommentarspalten nur noch für die bereits bekannte Kommentatorenrunde offen.

Rasse in The Wandering Earth

Von Collin Aisling, übersetzt von Lucifex. Das Original A World without America: Race in The Wandering Earth erschien am 15. Mai 2019 auf Counter-Currents Publishing. Der obige Trailer (mit holprigen deutschen Untertiteln) wurde vom Übersetzer eingefügt.

Die Prämisse von The Wandering Earth, entstanden unter der Regie von Frank Gwo auf Basis des gleichnamigen Romans von Liu Cixin, ist, daß die Erde in ein neues Sonnensystem übersiedeln muß, nachdem die Sonne überaktiv wird. Riesige Triebwerke schieben die Erde von der Sonne weg, was die menschliche Spezies in den Untergrund zwingt.

Statt einer Rezension des Films, den man zusammenfassend als leidlich unterhaltsamen Science-Fiction-Film voller 2012-ähnlicher Nahtoderfahrungen beschreiben kann, ist es viel interessanter, wie der Film Rasse, Sprache und Nationalität behandelt. Die Beziehung des Menschen zur Technologie ist natürlich ein entscheidendes Element, und der beste Teil des Films ist die Gestaltung und Darstellung der Triebwerke und der Konzepte, die das Projekt „Wandernde Erde“ funktionieren lassen würden.

Der Film folgt im Wesentlichen zwei Perspektiven: jener des jungen Liu Qi und seiner adoptierten Halbschwester Han Duoduo, und jener von Liu Qis Vater Liu Peiqiang (gespielt von Wu Jing aus den „Wolf Warrior“-Filmen). Qi und Duoduo beginnen die Geschichte unterhalb von Peking im vierundzwanzigsten Jahrhundert. Duoduo sitzt in etwas, das ein gewöhnliches Klassenzimmer zu sein scheint, und trägt eine gewöhnliche Schuluniform, aber wir sehen bald, daß das Licht, das aus den Fenstern kommt, simuliert ist. Liu wohnt in einem unordentlichen Zimmer und arbeitet als Mechaniker. Jeder im Untergrund-Peking des Fils ist ein Han-Chinese, wie im wirklichen Leben. Es gibt chinesische Dekorationen, und das alltägliche Leben der Menschen erscheint mehr oder weniger genauso normal und unbedeutend wie im einundzwanzigsten Jahrhundert. Sie begeben sich an die Oberfläche und stehlen einen Lastwagen, um sich „C171-11“ auf dessen Mission anzuschließen, die Reaktorkerne eines der Triebwerke zu ersetzen, nachdem nahezu alle von ihnen ausfallen.

Währenddessen ist Liu Peiquiang oben in der Raumstation, die die Erde umkreist. Die wenigen Aufnahmen, die größere Gruppen von Kosmonauten in der Station zeigen, enthüllen, daß die meisten von ihnen Chinesen sind, mit ein paar Weißen darunter. Nachdem sie alle die Flaggen ihres jeweiligen Landes am Arm tragen, sieht man ein paar Europäer, und der Rest sind großteils Chinesen. Peiqiangs Arbeitskollege und Freund ist ein kahlköpfiger, kräftig gebauter Russe namens Makarov. Weil jeder, der im Weltraum oder auf der eisigen Oberfläche der Erde arbeitet, mit einer Uniform ausgerüstet ist, die einen am Arm befestigten Computer hat, sprechen Peiqiang und Makarov miteinander in ihrer jeweiligen Muttersprache und verstehen einander perfekt.

Irgendwann in der Mitte des Films kam es mir, daß, nachdem die Triebwerke die Erde von der Sonne wegschoben und nachdem die Erde nicht mehr rotierte, die gesamte westliche Hemisphäre aufgegeben worden war. Dies wird nicht ausdrücklich erwähnt; wir sehen einen CNN-Clip am Anfang und hören Stimmen mit amerikanischem Akzent, die uns die Katastrophe erläutern, aber nach dem Prolog haben die englischsprachigen Stimmen, die wir hören, britische, australische oder indische Akzente. Nord- und Südamerika sind in dieser Zukunft verschwunden, und es wird nichts zu dieser Tatsache gesagt.

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