Warum Musik? Ein Blick auf Kunst und Propaganda

Anne Vallayer-Coster, „Attributes of Music“, 1770

Anne Vallayer-Coster, „Attributes of Music“, 1770

Von Elizabeth Whitcombe, übersetzt von Deep Roots. Das Original Why Music? A Look at Art & Propaganda erschien im November 2009 in Ab Aeterno bzw. am 14. November 2013 auf Counter-Currents Publishing / North American New Right.

Musik kann unsere Emotionen und die Qualität unserer Urteile beeinflussen.

Unsere Emotionen spielen eine entscheidende Rolle dabei, wie wir Überlegungen anstellen. Wenn wir emotional aus dem Gleichgewicht sind, werden wir nicht so effektiv überlegen können. Musik ist die Kunstform, die am meisten dazu in der Lage ist, uns vom kritischen Denken abzubringen.

Unsere Gehirne haben eine plastische Eigenschaft – die Schaltkreise, die wir mehr benutzen, werden stärker, jene, die wir weniger benutzen, verkümmern. Die Eigenschaften der Musik, die man hört, und die Art, wie man sie hört, beeinflussen die Fähigkeit zum Treffen von Entscheidungen.

Wegen dieser Eigenschaften ist die Musik immer ein attraktives Propagandamittel gewesen. Die Überzeugungskraft der Musik steht im Zentrum von Platos Argument für die Zensierung der Künste.[1]

Was gibt also der Musik ihre Macht? Die Natur hat uns dafür geschaffen, nach Schönheit zu suchen, und die Musik nützt unsere Hilfsmittel, mit denen wir sie finden.

Musik und das sich entwickelnde Gehirn

Musik besteht aus geordneten Tönen. Unsere Ohren fangen Vibrationen in der Umwelt um uns auf. Die Vibrationen werden im Innenohr in elektrische Impulse umgewandelt und in den Informationsverarbeitungskanal unseres Gehirns geschickt.

Millionen elektrischer Pulse werden jede Sekunde ins Zentralnervensystem geleitet. Eine Ballung von Nervenzellen, die retikuläres Aktivierungssystem (RAS) genannt wird, muß auswählen, welche Pulse interessant genug für den Geist sind, um auf sie zu achten.

Das RAS wird insbesondere von geordneten akustischen Takten und Rhythmus angezogen. Ein regelmäßiger Rhythmus kann die Aufmerksamkeit des Gehirns so sehr absorbieren, daß andere automatische Systeme von dem Takt mitgerissen werden – zum Beispiel unbewußtes Fußklopfen, Auf- und Abbewegen des Kopfes und dergleichen.

Musik ist ein Weg, um Gruppenaufmerksamkeit zu fokussieren: von Gottesdiensten über militärische Märsche bis zu Trommelkreisen. Ein starker Takt scheint Menschen zu Anstrengungen zu treiben, die ansonsten extrem schwierig wären. In seinem Buch The Influence of Music on Behaviour von 1927 merkt Charles Diserens an, wie Musikhörer in manchen Fällen dabei so in Anspruch genommen werden, daß sie in einen tranceartigen Zustand eintreten.[2] Ein modernes Beispiel wäre die Energie einer Menschenmenge bei einem Konzert. Musik hat ein riesiges Potential zur Schaffung einer Menschenmasse.

Pawlow’scher Ton

Matthias Grünewald, „Engelskonzert“ (Detail), 1515

Matthias Grünewald, „Engelskonzert“ (Detail), 1515

Musik kann uns mit einem angenehmen Erlebnis „belohnen“ oder mit Streß „bestrafen“. Das tut sie, indem sie das Gehirn zur Freisetzung von Chemikalien anregt und unsere Heuristiken manipuliert.

Heuristiken sind einfache Regeln, die unser Gehirn benutzt, um Informationen effizienter zu verarbeiten. Sie sind „Daumenregeln“, die uns dabei helfen, Entscheidungen zu treffen, Urteile zu fällen und Probleme zu lösen.

Das Gehirn hat sich dazu entwickelt, Dinge anzunehmen, die uns zu überleben helfen. Heuristiken helfen dabei. Wir bekommen ein „Hochgefühl“, wenn wir richtig raten, und empfinden Streß, wenn wir falsch raten – insbesondere wenn wir wiederholt falsch raten. Musik spielt auf einer sehr tiefen Ebene mit diesem Wunsch, „richtig zu raten“. Dies ist die Schönheit von Harmonie und Melodie.

Harmonie entsteht in der Musik, wenn einander ergänzende Schwingungen gemeinsam oder nacheinander gespielt werden. Der Verstand erwartet, daß die Noten einer Melodie über die Tonleiter auf und ab variieren, aber dazu tendieren, mit irgendeiner Kombination komplementärer Schwingungen zu enden. Wenn die Melodie sehr unvorhersehbar ist, wird der Verstand gestreßt: welche Tonart ist das? Welche Note kommt am wahrscheinlichsten als nächstes? Dies ist nicht schön!

Tatsächlich hat es diesen Wunsch nach Harmonie bei Säugetieren und Vögeln seit sehr früher Zeit gegeben. Petr Janata von der University of California/Davis spielte einer Eule den Donauwalzer von Strauss vor, aber mit stellenweise weggelassenen wichtigen Schwingungen.[3] Professor Janata maß die elektrischen Pulse, die aus dem Teil des Eulengehirns kamen, der die Töne verarbeitete, und fand heraus, daß die Eule die fehlenden Schwingungen wieder in den Walzer eingefügt hatte! Das Bedürfnis, unsere Umwelt korrekt vorauszuberechnen – und die heuristischen Mittel, die wir als Abkürzungen verwenden – sind ein sehr alter Teil unseres Wesens.

Es gibt Musik, die bewußt darauf abzielt, diese Erwartungen zu frustrieren – zum Beispiel die Musik von Arnold Schönberg. Schönberg schrieb Musik, die Vorhersehbarkeit vermeidet und eine Menge aktiver Analyse erfordert.

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