Hey Whitey…

Widerspruch

Der Anfang des Widerspruchs: Der Tag, an dem du erkennst, daß Freiheit kostbarer ist als Honig.

Von Fiona McLeod; Original: Hey Whitey . . ., erschienen am 13. März 2013.

Ich werde nicht auf die Art schreiben, wie die anderen Essays hier üblicherweise geschrieben sind: das heißt, höfliche Predigten, die von den bereits Bekehrten gelesen werden. Genausowenig bin ich undankbar für die Gelegenheit, von höflichen, bereits bekehrten Kameraden gelesen zu werden, ganz und gar nicht. Wirklich, wenn es nur sie und mich gäbe, würde ich mich immer noch unermeßlich reich schätzen.

Ich verstehe, daß dieser Essay im Internet stehen wird. Und nachdem das Internet ist, was es ist, kann ich nur annehmen, daß es Gelegenheitsleser gibt und Leser, die am Rande des Erwachens schwanken, wie auch Leser, die insgeheim mit der Nordamerikanischen Neuen Rechten übereinstimmen, aber Angst davor haben, es gegenüber sich selbst zuzugeben, weil ihnen wieder und wieder und wieder gesagt worden ist, daß dies eine böse Seite ist. Eine sehr böse Seite. Eine Seite von Hassern und Rassisten, und sofern sie kein Hasser oder Rassist sind, dürfen sie nicht hier sein. Dennoch wollen sie hier sein, wenn auch nur in kurzen Zeitabschnitten, sodaß ihnen niemand über die Schulter schauen kann. Aber eine Menge der Essays hier sind voll von einem Jargon, den zu lernen seine Zeit braucht, von Kommentaren, die ohne einen Hintergrund schleierhaft sind, und von Verweisen, die ein wenig zu gelehrt sind, um in den schnellen Happen verdaut zu werden, die jene verstohlenen Leser sich zugestehen.

Daher werde ich nicht auf diese Weise schreiben. Ich werde für genau diese gerade aus dem Schlaf erwachende Person da draußen schreiben, die eine nette Person ist, eine freundliche Person, eine verantwortungsbewußte Person, die sich hier nicht gar so wohl fühlt, aber… sich dort auch nicht mehr wohl fühlt. Vielleicht kann ich durchkommen. Ich bin nett, freundlich, verantwortungsvoll, und ich heiße dich willkommen, dich, der es so satt hat, was vorgeht, und nicht darüber reden kann. Ich werde als erste darüber reden. Dann kannst du darüber nachdenken. Dann kannst du dich entscheiden.

Also, bist du es schon müde, untragbar zu sein? Hat es dir einen Stich versetzt, als Rassist bezeichnet zu werden, weil du es wagtest, Obama nicht zu mögen? Wie fühlt es sich für dich an, das Weißenprivileg vorgeworfen zu bekommen… ein so widerlicher Vorwurf, daß auf deinen Protest hin behauptet wird, dagegen zu protestieren sei eines der Symptome davon? Du erinnerst dich sicherlich daran, wie die Geschichtelehrbücher, mit denen du aufgewachsen bist, die Pilgerväter wegen ihrer Praxis der Wasserprobe für Hexen als vertrottelte Fanatiker geschmäht haben? Wenn sie ins Wasser getaucht würde, behaupteten sie, würde eine Hexe nicht ertrinken, nur die Unschuldigen würden ertrinken… Erinnerst du dich daran, wie du gedacht hast, was für ein manipuliertes System das war? Klingeln jetzt Alarmglocken?

Sie klingeln natürlich, auch wenn du es dir selbst gegenüber nicht zugibst. Immerhin bist du nicht dumm, du bist nur schockiert. Es sollte nie so sein, oder so werden. Die Welt sollte inzwischen angeblich besser sein, für uns alle, und das Wort „alle“ sollte auch für dich gelten und für die Menschen, die aussehen wie du. Aber sie ist nicht besser für dich, oder für deine weißen Arbeitskollegen, weißen Freunde, weißen Nachbarn, weißen Landsleute; sie ist schlechter.

Reagiere jetzt nicht reflexartig; ich möchte dich nicht verlieren, du hörst allen anderen zu, wenn sie dir rassisch gesprochen sagen, was Sache ist; möchtest du also nicht noch ein bißchen länger farbenblind sein und mir zuhören? Ich bin weiß, daher gehöre ich zu der deutlichen Minderheit unter den Leuten, von denen du üblicherweise etwas zu solchen Angelegenheiten hörst. Ich meine, du bist doch daran gewöhnt zu hören, wie du über jede andere Rasse da draußen denkst, und wie du über sie denken sollst. Ich denke, du bist auch daran gewöhnt, daß man dir sagt, wie du über deine Rasse denken sollst, aber ich glaube, du bist nur daran gewöhnt, daß man dir Dinge sagt, bei denen du dich schlecht fühlst. Gefällt dir das wirklich? Und, was noch wichtiger ist, wenn du mit dir und deinen Gedanken allein bist, glaubst du es wirklich, ganz wirklich? Glaubst du ehrlich, daß deine Großeltern böse waren? Glaubst du, daß ihre Großeltern böse waren?

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