Fukuyama über Vielfalt

Francis Fukuyama

Von Greg Johnson, übersetzt von Tekumseh. Das Original Fukuyama on Diversity erschien am 14. Januar 2019 auf Counter-Currents Publishing.

Zuvor erschienen: Fukuyama über Identitätspolitik

Francis Fukuyamas letztes Buch Identity (Identität) wurde geschrieben, um den Aufstieg rechter Identitätspolitik zu verhindern, aber, wie ich im Artikel „Fukuyama über Identitätspolitik“ beschrieben habe, ist das Buch sehr hilfreich für White Nationalists, weil es eine Anzahl unserer grundlegenden Prämissen eingesteht, aber gleichzeitig nur schwache Gründe gegen unsere schlussendlichen politischen Schlüsse bietet. Das wird besonders in seiner Diskussion der Vielfalt sichtbar.

Vielfalt innerhalt der gleichen Gesellschaft verursacht Konflikte.

Eines der wichtigsten Eingeständnisse ist, dass Vielfalt innerhalb des gleichen Staates Konflikte erzeugt. Er beginnt Kapitel 12 „Wir das Volk“ [We the People; Beginn der Verfassung der Vereinigten Staaten; d. Ü.] mit einem Bericht darüber, wie Syrien, eine rassisch homogene Gesellschaft mit bedeutender ethnischer und religiöser Vielfalt im Jahr 2011 in einem vernichtenden Bürgerkrieg versank.

Lassen wir die Rolle der US-Intervention, die den Syrischen Bürgerkrieg losgetreten hat, einmal beiseite; die äußeren Kräfte haben die Störungszonen nur ausgenutzt. Stattdessen, fragen wir uns einfach – wenn so viel religiöse und ethnische Vielfalt Syrien in den Krieg abdriften ließ, wie kann die viel größere religiöse, ethnische und rassische Vielfalt Amerikas eine Stärke sein?

Es ist eine gute Frage, auf die Fukuyama vier bemerkenswert schlechte Antworten gibt.

Fukuyamas erster Grund, jemandes Heimatland mehr wie Jugoslawien zu machen, ist die Wegwerf-Behauptung, dass „die Konfrontation mit unterschiedlichen Arten zu denken und zu handeln, oft Innovation, Kreativität und Unternehmergeist stimulieren können“ (S. 126). Natürlich können wir uns anderen Arten des Denkens und Handelns aussetzen ohne die ethnische Komposition unserer Gesellschaften zu verändern. Außerdem: Wie viel von dieser angeblichen Innovation, Kreativität und Unternehmergeist muss bloß wegen der Probleme mit der Vielfalt aufgebracht werden? Immerhin können wir die Wirtschaft auch durch das Zerbrechen von Fenstern anheizen. Die ethnische Vielfalt zu erhöhen stimuliert sicherlich die Märkte für Überwachungssysteme, Fenstersperren, Pfefferspray, PWK-Alarmanlagen, Betonpoller und Pillen danach. Aber das sind keine guten Dinge.

Fukuyamas zweiter Grund, das Risiko eines Bürgerkrieges syrischer Art zu steigern, liegt in all den großartigen Restaurants. Nein, ich scherze nicht:

Vielfalt bringt Reize und Vorteile. Im Jahr 1970 war Washington D.C. eine recht langweilige bi-rassische Stadt, in der das exotischste Essen, das man finden konnte, im Yenching Palace der Connecticut Avenue serviert wurde. Heute ist das weitere Umfeld Washingtons die Heimat einer unglaublichen Menge ethnischer Vielfalt: Man bekommt äthiopisches, peruanisches, kambodschanisches und pakistanisches Essen und kann von einer kleinen ethnischen Enklave zur nächsten reisen. Die Internationalisierung der Stadt hat andere Formen der Vorteile gebracht: Sobald die Stadt zu einem Ort wird, wo junge Menschen leben wollen, bringen sie neue Musik, Kunst, Technologien und gänzlich neue Nachbarschaften, die vorher nicht existierten. (S. 127).

Wo soll man anfangen?

Erstens ist es eine snobistische Verunglimpfung der Weißen wie der Schwarzen zu sagen, dass Washington DC 1970 eine recht langweilige bi-rassische Stadt war; diese fanden sie einen netten Platz zum Leben, sofern sie nicht gerade aneinandergerieten. (Wahrscheinlich waren die Weißen, die sich nicht ökonomisch von den Schwarzen segregieren konnten, zu dieser Zeit bereits ziemlich weg.)

Zweitens: Seit wann ist die Anwesenheit von ethnischen Restaurants ein Indikator für soziales Wohlergehen, im Gegensatz zu, sagen wir, sozialem Vertrauen, Nachbarschaftlichkeit und anderen Werten, die Robert Putnam mit der Zunahme von Vielfalt zu schwinden fand? [1]

Drittens: Welcher Prozentsatz der Nicht-Weißen führt ethnische Restaurants? Sind es überhaupt 1%? Ich würde ihnen glücklich erlauben zu bleiben, wenn wir den Rest deportieren könnten. Aber, wenn es solch einen schreienden Mangel an Schawarma gibt, wieso können wir nicht lernen, sie selbst zu kochen?

Viertens: Wer sind diese jungen wurzellosen kosmopolitischen Städter-Naturen, die wir preisen sollen? Im Wesentlichen sind sie alle Juden und Menschen, die denken wie sie und leben wie sie. Aber wieso sollten ihre Vorlieben wertvoller als die von „langweiligen“ weißen und schwarzen Leuten mit Familien, Jobs und Gemeinschaften sein?

Und diese „ganzen Nachbarschaften, die zuvor nicht existierten“, existierten doch davor! Zu Beginn waren sie von Weißen bewohnt, die dann von schwarzen Aufständen und Kriminalität verdrängt wurden. Dann waren sie von Schwarzen bewohnt, die von Hipstern verdrängt wurden, die die Mieten hinauftrieben und die Polizei riefen, um ihre bevorzugten Verhaltensstandards durchzusetzen.

Vielfalt ist, kurz gesagt, kein Fortschritt für alle. Vielfalt ist bloß ein Euphemismus für weniger weiße Menschen, besonders „langweilige“ weiße Menschen, die Familien haben und Grundbesitz, aber oft Tätowierungen und einen Geschmack für Selbstgebrautes missen lassen. Kann man wirklich glauben, diese Menschen würden nicht irgendwann gegen ihre ethnische Verdrängung kämpfen?

Der dritte Grund, den Fukuyama dafür angibt, die Star Wars Cantina nachzubilden, kommt aus der Biologie. Vielfalt, so erklärt er uns, ist „von grundlegender Bedeutung für [biologische] Resistenz“ und „der Motor der Evolution an sich“. Überaschenderweise sieht Fukuyama nicht, dass das tatsächlich ein Argument für rassische und kulturelle Homogenität und Separatismus ist. Wenn nämlich zwei unterschiedliche Arten die gleiche ökologische Nische besetzen, führt das zu der Vernichtung der biologischen Vielfalt durch Auslöschung oder Hybridisierung. Wenn menschliche biologische und kulturelle Vielfalt Werte sind, dann folgt Ethnonationalismus als eine selbstverständliche Konsequenz, weil Ethnonationalismus Hindernisse für die Hauptgründe biologischer Extinktion, insbesondere Habitatverlust, Konkurrenz durch invasive Spezies, Hybridisierung und Prädation schafft.

Fukuyamas vierter Grund dafür, Rwanda nachzueifern, ist, dass Vielfalt wertvoll ist, weil Immigranten „ihrer Homogenisierung in größere Kulturen widerstreben“ und „an den am schnellsten verschwindenden indigenen Sprachen der Welt festhalten; ebenso wie an traditionellen Handlungen, die frühere Arten zu leben zurückrufen“ (S. 127).

Es gibt ein paar Probleme an diesem Punkt. Erstens ist er kein Argument dafür, wieso die Steigerung der Vielfalt gut für die Autochthonen einer Gesellschaft sein sollte. Inwiefern ist Amerika ein besserer Ort, indem es gastlicher für Einwanderer ist, die verweigern, sich unseren Gebräuchen und unserer Sprache anzupassen? Zweitens sollten Einwanderer, die ihre Sprachen und Bräuche beibehalten wollen, ganz einfach in ihren Heimatländern bleiben. Sofern sie in ein anderes Land einwandern wollen, sollten es nicht sie sein, die die Kosten der Assimilation zu tragen haben, anstatt die Bürde unassimilierter Immigranten ihrer neuen Gesellschaft aufzuerlegen. Drittens empfiehlt Fukuyama selbst zwei Kapitel später assimilationistische Politiken. Inwieweit nimmt er dann also diese Sorte von Vielfalt als Wert wahr?

Fukuyamas Argumente für Vielfalt sind so schwach, dass man sich fragen muss, ob er sie überhaupt ernst meint. Dieser Eindruck wird von der Tatsache unterstrichen, dass, sobald er sein ultimatives Argument (das er später zurücknimmt) anführt, verkündet, „Auf der anderen Seite ist Vielfalt kein einseitiges Gut. Syrien und Afghanistan sind sehr diverse Orte, aber solche Vielfalt erntet Gewalt und Konflikt anstatt von Kreativität und Resilienz“ (S. 127f.). Nationale Einheit, behauptet er, hat eine schlechte Reputation entwickelt, „weil sie mit einem exklusiven, ethnisch basierten Sinn von Zugehörigkeit assoziiert wurde, die man als Ethno-Nationalismus kennt“ (S. 128). Aber da ist nichts falsch mit nationaler Identität an sich, nur „enge, ethnisch basierte, intolerante, aggressive und tief illiberale“ Formen von Nationalität lehnt Fukuyama ab. Dennoch versichert er uns, „Nationale Identitäten können um liberale und demokratische politische Werte herum aufgebaut sein“ (S. 128).

Fukuyama führt dann sechs Argumente zugunsten der Nationalen Einheit ins Feld:

Erstens fördert sie die physische Sicherheit, was Bürgerkrieg und ethnische Säuberungen nicht tun.

Zweitens begünstigt sie eine gerechte Verwaltung, im Gegensatz zu korrupten und parteiischen Regierungssystemen.

Drittens erleichtert sie die ökonomische Entwicklung.

Viertens bringt sie eine große Menge sozialen Vertrauens hervor, das ein wichtiger Faktor für ehrliche Regierungen und ökonomisches Gedeihen ist.

Fünftens ermöglicht sie den Sozialstaat. Menschen sind gewillt hohe Steuern zu bezahlen, wenn sie meinen, dass sie das für sich, nicht für parasitische Fremdgruppen tun. Das ist einer der Gründe, wieso die Vereinigten Staaten keinen so umfangreichen Sozialstaat wie Skandinavien oder auch das angrenzende Kanada hervorgebracht hat. Die US haben eine große nicht-weiße Bevölkerung und dunkle Haut hat sich als zuverlässiger Marker derjenigen herausgestellt, die mehr vom Staat nehmen als sie geben. Daher können wir vorhersagen, dass steigende nicht-weiße Populationen in Europa und anderswo zum Niedergang des Sozialstaates führen werden.

Schlussendlich macht nationale Einheit die liberale Demokratie möglich – und faktisch alle Formen von Selbstregierung – weil die Leute ohne Einheit nicht fühlen, dass sie sich selbst regieren. Stattdessen fühlen manche Gruppen unvermeidlich, dass sie regiert werden – und ausgebeutet werden – von anderen Gruppen. Soll pluralistische Demokratie ohne Bürgerkrieg existieren, müssen die unterschiedlichen Parteien wissen, dass sie tatsächlich Teil desselben Volkes sind. Leute sind nur dann bereit, Macht mit anderen Fraktionen zu teilen, wenn sie nicht den Eindruck haben, dass sie von einem fremden Volk unterjocht werden.

Alle dieser Argumente sind begründet. Aber man muss fragen: In welcher Art von Gesellschaft werden sie am wahrscheinlichsten zu finden sein: In einer Gesellschaft, in der eine Rasse und eine Kultur ist – oder einer multirassischen, multikulturellen Gesellschaft, wo Menschen ein demokratisches Glaubensbekenntnis und eine Kultur teilen? Die Theorie der Genetischen Ähnlichkeit [J. P. Rushton; d. Ü.] würde ersteres vorhersagen und die empirischen Studien von Robert Putnam und Tatu Vanhanen untermauern das.

Putnam studierte 41 Gesellschaften in den United States, die von hochdivers zu äußerst homogen reichten und er fand, dass soziales Vertrauen stark mit Homogenität korreliert war und soziales Misstrauen mit Vielfalt. Putnam schloss andere mögliche Gründe für die Variationen des sozialen Vertrauens aus und kam zum Schluss, dass „Vielfalt per se einen enormen Effekt hat.“ [2] Der Verlust des sozialen Vertrauens führt zum Niedergang der sozialen Ordnung. Menschen fühlen sich isoliert, fremd und machtlos. Sie vertrauen sozialen Institutionen und Fremden weniger und sind weniger wahrscheinlich altruistisch.

Vanhanen kam zu ähnlichen Schlüssen, als er eine vergleichende Studie von Vielfalt und Konflikt in 148 Staaten durchführte. [3] Vanhanen fand, dass diverse Gesellschaften ungeachtet ob reich oder arm, demokratisch oder autoritär mehr Konflikt haben als homogene, welche harmonischer sind, ungeachtet des Ausmaßes von Wohlstand oder Demokratisierung.

Die Grenzen des Bekenntnis-Nationalismus.

Ein anderes bemerkenswertes Eingeständnis, das Fukuyama macht, ist, dass ein geteiltes Bekenntnis nicht genug ist, eine Gesellschaft politisch zu einen. Nationale Identität ist nicht auf nüchternen Gründen, sondern auf thymos aufgebaut. Menschen müssen sich leidenschaftlich mit ihrer Gesellschaft identifizieren:

Demokratien werden nicht überleben, wenn Bürger nicht durch das Gefühl von Stolz und Patriotismus an die Ideen der verfassungsgemäßen Regierung und der menschlichen Gleichheit gebunden sind. Diese Bindungen werden Gesellschaften durch ihre Tiefpunkte steuern, wenn pure Vernunft zur Verzweiflung über die Arbeit der Institutionen raten möchte (S. 131).

Das erklärt eine Menge der Frustration der White Nationalists mit der Nachkriegs Baby-Boomer-Generation. Boomer-Konservative sind ausgesprochen resistent gegenüber Argumenten von White Nationalists, einfach weil ihre Bindung an den farbenblinden konservativen Verfassungspatriotismus niemals auf Argumenten beruhte. Stattdessen beruht sie auf einer leidenschaftlichen thymotischen Identifikation mit einem Amerika, das vor ihren Augen wegschmilzt – und sie sind erstaunlich blind dafür.

Das bringt uns zu den grundlegenden Einwänden der White Nationalists gegen den farbenblinden Bürger-Nationalismus. Fukuyama möchte, dass alle Amerikaner damit aufhören, sich in parteiischer Identitätspolitik zu identifizieren und sich stattdessen mit dem Ganzen Amerikas identifizieren, definiert in maximal inklusiven Begriffen der liberalen Demokratie. Aber amerikanischer Bürger-Nationalismus ist keine durchführbare politische Ideologie, weil sie ausschließlich von Weißen angenommen würde. Nicht-Weiße werden fortfahren, offen oder im Verborgenen Identitätspolitik zu üben, weil es ihnen nützt.

Team-Strategien übertreffen durchwegs individualistische Strategien. Darum werden Weiße, falls sie farbenblinden Individualismus üben, während Nicht-Weiße rassischen und ethnischen Kollektivismus praktizieren, kontinuierlich Reichtum und Macht an Nicht-Weiße verlieren. Darum ist farbenblinder Bürger-Nationalismus in der Praxis einfach ein Mechanismus weißer Enteignung – ein Mechanismus, der Weiße dafür blind macht, was passiert und ihnen lehrt, dass Blindheit eine moralische Tugend ist. Wenn jemand Blindheit als eine Tugend predigt, sind die Chancen gut, dass er nicht Gutes im Schilde führt.

Die irrationale Identifikation unseres Volkes mit dem Amerikanischen Bürger-Nationalismus ist eine starke Behinderung des White Nationalism. Aber im Schnitt arbeitet der thymos für uns, weil die Bindung an Familie, Ethnizität und Rasse sehr viel konkreter und realer ist als die Bindung an ein im zunehmenden Maße polarisiertes und dysfunktionales Empire und seine fadenscheinige Ideologie.

Darum ist der beste Weg, unsere Leute zu deprogrammieren, thymos gegen sich selbst wirken zu lassen, indem man sie systematisch damit konfrontiert, wie ihre Loyalität zu der herrschenden Ideologie mit ihren konkreteren und natürlicheren Loyalitäten zusammenstößt. Nichts bringt die moralische Obszönität des liberalen Bürger-Nationalismus besser zum Vorschein als die Reaktionen der Familie Tibbetts aus Iowa auf den Mord an ihrer Tochter durch einen illegalen Einwanderer. Manche Menschen sind gewillt, eine Menge für authentische Burritos zu bezahlen.

Die Liberale Demokratie unterminiert nationale Identitäten.

Eine weitere für White Nationalism wichtige Konzession ist Fukuyamas Eingeständnis, dass die Theorie der liberalen Demokratie nationale Identitäten unterminiert. Dieses Problem wird äußerst deutlich durch das Problem der Einwanderung erkennbar, was eine der wichtigsten Kräfte ist, die Menschen zu nationalistischem Populismus zu bringen. Fukuyama räumt ein, dass diese Gegenbewegung gänzlich vernünftig ist, weil die Migrationszahlen in Amerika, das eine lange Geschichte der Einwanderung hat, in historischen Höhen sind, ebenso wie in Europa, das diese Tradition nicht hat.

Dann hat Fukuyama eine verblüffend unehrliche Erwiderung für jene weiße Amerikaner, die ihr Land „zurückerobern“ wollen. Die amerikanische Verfassung, sagt er, richtet eine bestimmte politische Ordnung für „uns selbst und jene, die nach uns kommen.“ [Zitat aus der Verf.; d. Ü.] „Aber es definiert nicht, wer die Leute sind oder auf welcher Basis Individuen in die nationale Gemeinschaft eingebunden werden sollen“ (S. 133). Tatsächlich lässt die Verfassung kaum Punkte offen, wer „wir und jene, die nach uns kommen“ sind. Schwarze und Indianer werden nicht als Teil des amerikanischen Gemeinwesens verstanden. Und 1790, als die Gründerväter ihre Aufmerksamkeit jenen zuwandten, die sie gewillt waren zu „naturalisieren“ [einzubürgern; d. Ü.] und sich mit „jenen, die nach uns kommen“ zu mischen, schränkten sie ein, es müsse sich um „freie weiße Menschen handeln.“

Daher glauben viele weiße Amerikaner zurecht, dass eine weiße Republik ihr Geburtsrecht ist, ein Geburtsrecht, dass seit langem erodiert ist und nun am Kipppunkt steht, ihnen unwiderruflich entrissen zu werden. Nochmals: Glaubt wirklich irgendjemand, dass weiße Amerikaner nicht beginnen würden, sich ihrer Enteignung entgegenzustellen, sobald das Endgame [die Endphase; aber mit bestimmter Konnotation; d. Ü.] klar wird?

Dennoch hält Fukuyama zutreffend fest – er zitiert an dieser Stelle den Mit-Neokonservativen Pierre Manent – dass liberale Theorie einfach die Existenz von Nationalstaaten voraussetzt. Außerdem kann liberale Theorie keine Grenzen zwischen den Staaten ziehen, weil der Liberalismus auf der Idee von universalen Menschenrechten beruht, die von ethnischen und rassischen Unterschieden absehen. Stattdessen tendiert der Liberalismus dazu, die Nationalstaaten zu untergraben und eine globale Regierung zu preisen.

Überraschenderweise lehnt Fukuyama die Weltregierung ab, und zwar weil „niemand in der Lage war, eine gute Methode zu finden, wie solche Körperschaften demokratisch verantwortlich gehalten werden könnten“ (S. 138). Daher schließt Fukuyama, dass internationale Körperschaften auf der Kooperation souveräner Staaten beruhen müssen.

Aber diese Verteidigung des Nationalstaates klingt hohl, wenn man sich vor Augen hält, dass Fukuyama empfiehlt, dass Nationalstaaten sich als Kern ihrer Identität zur liberalen Demokratie bekennen, was mit sich bringt, dass es ohnehin keinen bedeutenden Unterschied zwischen ihnen geben wird.

Wie man einen Ethno-Staat gründet.

Für mich ist das bemerkenswerteste Eingeständnis, das Fukuyama dem White Nationalism einräumt, seine Diskussion, wie nationale Identitäten gebildet werden.

Erstens können wir Grenzen stabil halten und Menschen über sie drüber bewegen, also bestehende Populationen entfernen und neue zuführen.

Zweitens können wir die Menschen lassen, wo sie sind, und die Grenzen so bewegen, dass sie ihnen passen.

Das sind selbstverständlich die beiden Mechanismen, rassisch und ethnisch homogene Staaten zu schaffen.

Drittens können wir „Minderheitengruppen in die Kultur einer existierenden ethnischen oder linguistischen Gruppe assimilieren“ (S. 141).

Viertens können wir „die nationale Identität auf solche Weise neufassen, dass sie zu den existierenden Charakteristika der Gesellschaft im Fokus passen“ (S. 141).

Das sind die Mechanismen, die von Bürger-Nationalisten wie Fukuyama bevorzugt werden.

Erstaunlicherweise gesteht Fukuyama ein, dass „alle vier Pfade zur nationalen Identität friedlich und konsensual oder durch Gewalt und Zwang verwirklicht werden können“ (S. 142). Ja, Fukuyama sagt, dass wir Ethno-Staaten schaffen können, indem wir Grenzen und Menschen auf friedliche und konsensuale Weise bewegen, ohne zu Gewalt und Zwang zu greifen. Damit nicht einige Leute ihre hohen Rösser satteln und andere Leute über ihre historische Schuld belehren, fügt Fukuyama an, dass „alle existierenden Nationen die historischen Nebenprodukte einer Kombination dieser vier darstellen und eine Kombination von Zwang und Konsens für sich beanspruchen“ (S. 142).

Aber dann bescheißt Fukuyama seine Leser:

Die Herausforderung, der gegenwärtige liberale Demokratien heute im Angesicht der Einwanderung und wachsenden Vielfalt entgegensehen, ist eine Kombination des dritten und vierten Pfades – eine inklusive nationale Identität zu definieren, die zu der diversen Realität der Gesellschaft passt und Neuzugänge in diese Identität zu assimilieren. Es steht bei dieser Aufgabe nicht weniger auf dem Spiel als die Erhaltung der liberalen Demokratie selbst. (S. 143)

Später schreibt er:

Wir müssen nationale Identitäten des Bekenntnisses fördern, die um die Grundideen der modernen liberalen Demokratien herum aufgebaut sind und öffentliche politische Methoden einsetzen, um Neuhinzukommende ganz bewusst in diese Identitäten zu assimilieren. Die liberale Demokratie hat ihre eigene Kultur, welche in höherem Ansehen gehalten werden muss als Kulturen, die demokratische Werte zurückweisen. (S. 166)

Zunächst muss man sich darüber klarwerden, dass Fukuyama Immigration und Vielfalt als Probleme behandelt, die bewältigt werden müssen. Das ist wahr. Aber nachdem er nur schwache Gründe für den Wert der Vielfalt an sich geliefert hat, wieso sollte man dabei stehenbleiben, sie zu bewältigen?

Wieso Einwanderung und Vielfalt nicht dramatisch reduzieren oder gänzlich eliminieren? Wieso sollte nicht eine Gesellschaft versuchen, weniger Syrien, Jugoslawien und Rwanda zu ähneln? Es nicht klar, ob Fukuyama in seiner Vorstellung jemals zusätzliche Vielfalt stoppen möchte. Wird es immer „Neuzugänger“ geben? Wieso?

Fukuyama hat bereits erklärt, dass es möglich ist, homogenere Gesellschaften zu schaffen, indem man Grenzen und Menschen bewegt, und zwar in einer gänzlich moralischen Art und Weise; warum also werden die ersten beiden Optionen einfach übersprungen?

Später schreibt Fukuyama:

Die Frage ist nicht, ob Amerikaner zurückgehen sollten, zu einem ethnischen und religiösen Verständnis der Identität. Das gegenwärtige Schicksal der Vereinigten Staaten – und das von jeder anderen kulturell vielfältigen Demokratie, die überleben will – ist, eine Willensnation zu sein. (S. 161).

Nein, Amerika hat nicht das „Schicksal“ eine multikulturelle Gemeinschaft zu sein. Ebenso wenig Schweden, Frankreich oder jede andere weiße Gesellschaft. Es war kein „Schicksal“, dass unsere Grenzen geöffnet und weiße Normen und Kulturen dekonstruiert hat, zum Nutzen des Multikulturalismus‘. Es waren Menschen, die dieses Experiment des Social Engineering beschlossen haben und es waren Menschen, welche die Werkzeuge der Staatskunst und Propaganda in den Händen hielten, welche es weißen Gesellschaften aufzwang.

Diese Entscheidungen können zudem von anderen, besseren Menschen rückgängig gemacht werden und die Konsequenzen können mit den gleichen Werkzeugen ungeschehen gemacht werden. Wenn es für Einwanderer möglich ist, weiße Länder zu betreten, ist es ihnen auf gleiche Weise möglich, sie wieder zu verlassen. Die wirkliche Frage ist, ob weiße Länder wollen sollten, sich wiederherzustellen. Weil, wo ein Wille, da ein Weg – ein komplett gewaltloser und humaner Weg, wie Fukuyama schreibt.

Multikulturalismus ist ein Programm des Social Engineerings, das den meisten weißen Staaten erst in den Dekaden nach dem Zweiten Weltkrieg oktroyiert wurde. Die Konsequenzen waren ferner katastrophal – und sie werden mit der Zeit nur schlimmer. Beispielsweise stellen islamische Einwanderer der zweiten Generation ein größeres Problem dar als ihre Eltern. Wieso sollte dieses laufende Experiment des Social Engineering – ein Experiment, das so katastrophal gescheitert ist wie der Kommunismus – als sakrosankt behandelt werden? Nehmt euch in acht vor Hegelianern, die von „Schicksal“ sprechen.

Für White Nationalists ist es keine Frage, ob sie in einer „kulturell vielfältigen Demokratie“ „überleben“ möchten. Wir wollen zuallererst als Rasse und eine distinkte weiße Nation überleben und wir glauben, dass weißes Überleben mit rassisch und ethnisch diversen Demokratien nicht kompatibel ist. Wie ich in „The White Nationalists Manifesto“ argumentiert habe, setzt die multikulturelle liberale Demokratie die Weiße Rasse in all unseren Heimatstaaten Bedingungen aus, die zu unserer biologischen und kulturellen Vernichtung führen werden – sofern White Nationalism diese Trends nicht umkehrt. Verglichen mit unserer Auslöschung verbleicht jede andere politische Frage, die uns trennt, zu völliger Bedeutungslosigkeit.

Fukuyama behandelt die Frage nicht, ob multikulturelle, multirassische liberale Demokratien mit dem langfristigen Überleben von Weißen kompatibel sind. Und er bietet keinen guten Grund, wieso Weiße nicht anstreben sollen, homogene Heimatstaaten wiederherzustellen oder zu schaffen. Stattdessen macht er bloß Vorschläge, wie man multirassische liberale Demokratien funktionaler machen kann, um den Aufstieg rechten Populismus‘ zu verhindern. Wie wir aber im letzten Teil der Serie sehen werden, sind seine Vorschläge erstaunlich schwach.

Fußnoten

[1] Robert D. Putnam, „E Pluribus Unum: Diversity and Community in the Twenty-First Century“, Scandinavian Political Studies, 30 (2007).

[2] Ibid., S. 153.

[3] Tatu Vanhanen, Ethnic Conflicts Explained by Ethnic Nepotism (Stamford, Conn.: JAI Press, 1999).

Fortsetzung: Fukuyama über Staatsbürgernationalismus

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Neue Kommentarpolitik auf „Morgenwacht“: Wie bereits hier unter Punkt 1 angekündigt, am Schluß dieses Kommentars wiederholt als Absicht geäußert und in diesem Kommentar endgültig festgelegt, werden neue Kommentatoren nicht mehr zugelassen und sind die Kommentarspalten nur noch für die bereits bekannte Kommentatorenrunde offen.

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