Die Bretonen: Ein Volk entdeckt sich

Die biniou-kohz, der bretonische Dudelsack.

Jahrhundertelang unterdrückt, bereichern Sprache, Lieder und Tänze der Bretagne jetzt die Kultur ganz Frankreichs.

Von Virginie Henry, aus „Das Beste von Reader’s Digest“ März 1977 (Titelbild nicht aus dem Artikel).

Als ich im letzten Frühjahr durch das Departement Côtes-du-Nord fuhr, kam ich eines Abends in die aus vier Häusern bestehende Siedlung Lannegant im Südwesten. In einem Garten unterhalb einer alten Kapelle aus Granitstein tanzten etwa 200 Männer und Frauen. Sie wiegten sich im Rhythmus eines bretonischen Liedes, einer Sprache, die ich nicht kannte, obwohl ich in der Bretagne geboren bin.

Ich sagte zu einer älteren Frau, wie beweglich sie sei. „An dañs a zalh an den en e zav!“ (Das Tanzen erhält einen jung!) antwortete sie.

Ich hatte in der Bretagne meine Jugend verbracht, aber nie hatte ich dergleichen erlebt. Die bretonische Kultur beschränkte sich damals auf ein paar Folkloregruppen, die ihre bestickten Trachten für die Touristen anlegten. Das fest-noz (Nachtfest) in Lannegant dagegen war der unverfälschte Ausdruck einer starken Bewegung, die die Bretagne im letzten Jahrhundert erfaßt hat.

Keine Woche vergeht ohne vier bis fünf solcher Veranstaltungen. Hier begegnen die Bretonen ihrer Kultur wieder: der überlieferten Sprache, der Dichtung und dem Gesang; ihrer auf Bombardon und Dudelsack gespielten Musik; den Tänzen aus längst vergangenen Zeiten.

Heute wissen alle Franzosen, daß die Bretagne sich verändert hat. Plastikbomben, die die Mauern der Finanzämter zerreißen oder einen Fernsehsender zerstören, erinnern sie daran. Doch solche Aktionen sind das Werk einer kleinen Minderheit bretonischer Terroristen. Die Bewegung für die Renaissance der bretonischen Kultur vollzieht sich weniger auffällig, aber sie berührt alle gesellschaftlichen Ebenen.

Für die meisten Franzosen beginnt die Geschichte der Bretagne erst im 15. Jahrhundert; damals brachte die Herzogin Anne de Bretagne ihre Provinz als Mitgift in die Ehe mit König Karl VIII. ein und verknüpfte damit die Geschicke der Bretagne mit denen Frankreichs. Doch die 34.000 Quadratkilometer große Halbinsel, einst durch dichte Wälder vom übrigen Kontinent abgeschnitten, war bereits im 5. und 6. Jahrhundert von Kelten des britischen Inselreichs besiedelt. Das Bretonische ist auch kein Dialekt des Französischen, sondern eine mit dem Gälischen in Irland, Schottland und Wales verwandte Sprache.

Nach der Eingliederung der Bretagne 1532 griffen die französischen Könige scharf durch, um die bretonische Sprache auszurotten. Jahrhundertelang blieb diese Politik unverändert. Noch im April 1972 erklärte der damalige Staatspräsident Georges Pompidou: „In einem Frankreich, das sich dem Ziel verschrieben hat, Europa seinen Stempel aufzudrücken, ist kein Platz für regionale Sprachen und Kulturen.“

Die allgemeine Schulpflicht trug wesentlich zum Niedergang des Bretonischen bei. „Auf den Boden spucken und bretonisch sprechen ist verboten“, warnten Schilder in allen öffentlichen Schulen. „Als ich in den 60er Jahren zur Schule ging“, erzählte mir eine 23jährige, „war es nicht einmal erlaubt, auf dem Schulhof bretonisch zu sprechen.“ Wurde ein Kind dabei erwischt, so hängte der Lehrer ihm ein Holzscheit, eine durchbohrte Münze oder sogar einen Holzschuh um den Hals.

Noch 1914 war für 1,3 Millionen Menschen Bretonisch die Umgangssprache. In den 60er Jahren war ihre Zahl auf 500.000 geschrumpft. Mit der Zeit wurde die Sprache von der jungen Generation vergessen oder aufgegeben. „Mezh am eus bet“ (Ich schämte mich ihrer), gesteht eine junge Studentin der keltischen Kultur an der Universität Rennes.

Heute dagegen bekennen sich immer mehr Bretonen zu ihrer alten Sprache. Über 5000 Schüler lernen Bretonisch. Bei den Abschlußprüfungen 1975 am Lannion-Guingamp-Zentrum überflügelte Bretonisch, das beliebteste Wahlfach – jeder dritte Kandidat hatte sich dafür entschieden -, sogar Lateinisch und Griechisch. Zahlreiche Studenten arbeiten in den Semesterferien auf Bauernhöfen, wo nur bretonisch gesprochen wird. Etwa 2000 Leute belegen jährlich Korrespondenzkurse.

Aber all dies mußten sich die Bretonen Schritt für Schritt erkämpfen. Zwischen 1958 und 1970 brachten bretonische Abgeordnete in der Nationalversammlung Gesetzesvorlagen ein, um der lokalen Sprache offizielle Geltung zu verschaffen. Zwar genehmigte 1971 ein ministerieller Erlaß Kurse ab der dritten Klasse an höheren Schulen, aber die vorhandenen Mittel waren dürftig, und die meisten Lehrer werden noch heute schlecht oder gar nicht bezahlt. In der Regel werden die Stunden ans Ende des Schultags gelegt, wenn die letzten Schulbusse bereits abgefahren sind. Trotzdem ist der Zulauf beachtlich.

Bald stellte sich auch in den unteren Klassen Nachfrage ein. Anfang Januar 1975 wandten sich mehrere Familien an einen Lehrer einer höheren Schule in Brest und drangen auf Bretonischunterricht. Am 22. Januar öffnete die skol vrezoneg ar merher (Bretonische Mittwochsschule) ihre Pforten. „Wir erwarteten die Kinder um 14.30 Uhr“, sagte mir ein Verwalter. „Um 14 Uhr waren die Klassenzimmer überfüllt.“

Die Bretonen geben sich damit noch nicht zufrieden. Sie wollen ihre Sprache auch öfter im Fernsehen hören. Bisher werden wöchentlich nur 13 Minuten in Bretonisch gesendet – 60mal weniger, als die BBC dem Gälischen an Sendezeit zugesteht.

Das wachsende Interesse an Literatur und Sprache zeigt sich in jeder Buchhandlung der Halbinsel. Die Zahl der Veröffentlichungen in bretonischer Sprache hat sich von sechs im Jahr 1936 auf 31 erhöht.

Verlage unter ehrenamtlicher Leitung – nur der Drucker wird bezahlt – bringen Werke bretonischer Dichter und Romanciers heraus. Die Schriftsteller kommen aus allen sozialen Schichten; Ärzte sind darunter und Universitätsprofessoren, Künstler und ein Bahnarbeiter. Maodez Glanndour, Pfarrer im Dörfchen Louannec, arbeitet seit 20 Jahren an einer Bibelübersetzung ins Bretonische. Das Gedicht Kan an Douar (Das Lied der Erde) verwandelte den Bauernhof der Verfasserin Anjela Duval in einen Wallfahrtsort. „Sie kommen hierher“, sagt Anjela, „wie man zu einem alten Brunnen pilgert.“

Musik und Tanz sind die wesentlichen Elemente der wiederaufflammenden Kultur. Ich verstand die Eigenart und Ursprünglichkeit dieser Folklore nicht ganz, bis ich bei einem Bauernfest in Bourbriac zusah. „Außer in Afrika habe ich so etwas noch nie gesehen oder gehört“, sagte mein Bekannter, ein Experte für Kulturen der Primitiven.

Die Tänzer wirbeln zum durchdringenden Wimmern der biniou-kohz, einer Art Dudelsack, und zum Bombardon, einem Vorläufer des Fagotts. Mein Freund erklärte mir, die Wirkung der Instrumente beruhe ähnlich wie die Musik Afrikas mehr auf dem Rhythmus als auf der Melodie.

Erst als die Bläser das Podium verließen, begannen drei Sänger langsam einen rituellen Satz zu singen. Einer stimmte an, dann fielen nach und nach die anderen ein. Verbunden mit einem Tanz und ohne Begleitinstrumente ist dieser Gesang, der Kan ha diskan, eine einzigartige Form der Volksmusik in Frankreich.

Der bretonische Gruppentanz wirkt sehr brav, die Choreographie nüchtern und einfach; er verlangt große Geschmeidigkeit und vollkommene Beherrschung der Schritte. Jeder Tanz ist an einen bestimmten Ort gebunden.

Als die Landwirtschaft mechanisiert wurde, verließen viele Bretonen ihre Felder und wanderten in die Städte ab. 1942 waren nur noch etwa 30 Bläser auf dem Land zurückgeblieben. Damals gründete Polig Monjarret mit seinen Freunden in Rennes den Bodadeg-ar-Sonerion (Bläserverband), um erfahrene Musiker für die Ausbildung einer neuen Bläsergeneration zu gewinnen. Heute gibt es schätzungsweise 3000 aktive Bläser.

Damit die Lieder nicht verlorengingen, die nur einigen alten, auf dem Land lebenden Leuten noch bekannt waren, hat eine junge Frau aus Guingamp, Claudine Mazeas, eine andere Rettungsaktion gestartet. 15 Jahre lang hat sie Hunderte von Gedichten und Liedern der Bauern, Müller und Schuster aufgezeichnet.

Die Kan-ha-diskan-Sänger, Künstler der bäuerlichen Tradition, werden mit Einladungen zu festou-noz überhäuft. Von jeder Schallplatte, die der bretonische Sänger und Komponist Alan Stivell gemacht hat, wurden gut 100.000 Stück verkauft. Und in seine letzten zehn Vorstellungen in Paris strömten 50.000 Menschen. Auch die Dichterin Anjela Duval erregte in ganz Frankreich Aufmerksamkeit, als sie im Fernsehprogramm Die Geschichtenerzähler auftrat. Zahllose Zuschriften gingen beim Sender ein.

Langsam, aber stetig durchdringt so die bretonische Kultur die alte Halbinsel und erobert allmählich auch das übrige Land. Die Bretonen, die sich das Recht auf ihre Identität erkämpft haben, beweisen, daß Achtung vor der Kultur eines Landstrichs das Erbe einer ganzen Nation bereichern kann.

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Zum Nachlesen über die Situation heute, fast vierzig Jahre später:

Bretagne

Bretonen

Bretonische Sprache

Siehe auch Wissen bewahren von Osimandia

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Neue Kommentarpolitik auf „Morgenwacht“: Wie bereits hier unter Punkt 1 angekündigt, am Schluß dieses Kommentars wiederholt als Absicht geäußert und in diesem Kommentar endgültig festgelegt, werden neue Kommentatoren nicht mehr zugelassen und sind die Kommentarspalten nur noch für die bereits bekannte Kommentatorenrunde offen.

Alexiej Shiropajews „Gefängnis der Nation“: Eine ethnonationalistische Geschichte Rußlands, Teil 2

Wiktor Wasnezov, „Iwan der Schreckliche“, 1897 (Detail)

Von Jarosław Ostrogniew, übersetzt von Lichtschwert (= Lucifex). Das Original Alexiey Shiropayev’s Prison of the Nation: An Ethnonationalist History of Russia, Part 2 erschien am 29. Januar 2016 auf Counter-Currents Publishing.

Teil 2 von 4. Zuvor erschienen: Alexiej Shiropajews „Gefängnis der Nation“: Eine ethnonationalistische Geschichte Rußlands, Teil 1

Der Archetyp des Tyrannen: Iwan der Schreckliche

Während Iwan III. das Fundament eines unabhängigen russischen Königreichs schuf (oder vielmehr eines orthodoxen Moskowiter Khanats), war es sein Enkel Iwan IV. Wassiljewitsch, besser bekannt als Iwan der Schreckliche, der das zaristische Rußland schuf und die wahren Moskowiter Expansionen des 16. Jahrhunderts begann.

Shiropajew identifiziert die Gründung der Opritschnina als die größte Errungenschaft des antirussischen Projekts unter Iwan dem Schrecklichen. Opritschnina ist ein Begriff, der für die Beschreibung der Innenpolitik von Iwan dem Schrecklichen verwendet wird: brutale Stärkung der Macht des Zaren und Unterdrückung allen Widerspruchs, was die Zerschlagung der inneren Opposition seitens der Bojaren (der russischen Adeligen) oder jeglicher separatistischer Tendenzen bedeutete. Die Ausführenden dieser Politik waren die Opritschniks: Mitglieder einer Elitegarde, die direkt dem Zaren verantwortlich war. Sie wurden zu seinen Hunden und Besen erklärt (zur Bewachung und Säuberung seines Königreichs). Die Methoden der Opritschniks waren Folter und Hinrichtungen, Terror und Verrat. Shiropajew betrachtet die Opritschniks als Vorbild für die spätere sowjetische Sicherheitstruppe, die Tscheka, die Russen nach der Revolution hinrichtete.

Iwan der Schreckliche wird oft als labiler, geistesgestörter Mann dargestellt, dem es – trotz seiner Krankheit – gelang, einen effektiven russischen Staat aufzubauen. Shiropajew sieht das anders: Iwans Handlungen erscheinen abnormal im Vergleich zu europäischen Herrschern. Aber wenn man ihn mit mongolischen Khanen vergleicht, so sind seine Zornausbrüche, seine Ausrottungen ganzer Populationen, seine Neigung zu Grausamkeit und daß er sogar Mitglieder seiner eigenen Familie ermordete, nur typische Eigenschaften eines asiatischen Despoten. Seine Politik des Terrors und der Expansion sollte nicht als bloße persönliche Marotten betrachtet werden. Sie sind genau die Art, wie die mongolische Tyrannei und die Horde immer funktioniert hatten.

Die Mutter von Iwan dem Schrecklichen war Helena Glinskaja, deren Familie vom mongolischen Khan Mamai selbst abstammte. Iwan der Schreckliche war Asiate in Blut und Geist, was einer der Gründe dafür ist, daß er keine Zurückhaltung bei der Ausrottung der russischen Bevölkerung hatte, die er als seine Sklaven von fremder Herkunft betrachtete. Unter der Herrschaft von Iwan dem Schrecklichen erlitten Asiaten keine Diskriminierung; ganz im Gegenteil. Der Zar respektierte die asiatischen Adelstitel und betrachtete den mongolischen Adel als von höherem Rang als seine weißen Untertanen (oder genauer: Sklaven). Jedoch begünstigte Iwan der Schreckliche das orthodoxe Christentum und förderte die Christianisierung, was im Grunde bedeutete, daß die Ostexpansion Rußlands in Rassenvermischung resultierte, da getaufte Mongolen als reguläre Mitglieder der orthodoxen Gesellschaft betrachtet wurden.

Der letzte Khan des Khanats von Kasan, Yadegar Mokhammat, kämpfte zuerst gegen Iwan den Schrecklichen, akzeptierte aber schließlich die Herrschaft des Zaren, konvertierte zum Christentum und wurde unter dem Namen Simeon Kasajewitsch ein russischer Adeliger. Ein weiterer Khan, Sain-Bulat, später bekannt als Simeon Bekbulatowitsch, heiratete eine der Töchter von Iwan dem Schrecklichen und wurde (für ein Jahr) vom Zaren zum Großfürsten der Rus‘ gemacht; Simeon wurde später zum Großfürsten über Twer und Torschok gemacht, zu einem der Befehlshaber der Armee des Zaren, und wurde schließlich ein orthodoxer Mönch. Ein weiterer Tatar am Hof des Zaren war Boris Godunow, einer der Opritschniks, ein Mitglied einer christianisierten mongolischen Familie, der einer der Favoriten von Iwan dem Schrecklichen war und nach dessen Tod Zar wurde.

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Alexiej Shiropajews „Gefängnis der Nation“: Eine ethnonationalistische Geschichte Rußlands, Teil 1

Von Jarosław Ostrogniew, übersetzt von Lichtschwert (= Lucifex). Das Original Alexiey Shiropayev’s Prison of the Nation: An Ethnonationalist History of Russia, Part 1 erschien am 27. Januar 2016 auf Counter-Currents Publishing.

Алексей Широпаев
Тюрьма Народа. Русский взгляд на Россию
Москва 2001

[Alexiej Shiropajew, Gefängnis der Nation: Die russische Perspektive auf Rußland (Moskau, 2001).]

Es gibt verschiedene Ansätze beim Erzählen der Geschichte Rußlands und des russischen Volkes. Es gibt die patriotisch-orthodoxe Version der Geschichte, das kommunistische sowie das liberale und demokratische Narrativ. Es gibt natürlich einige wichtige Alternativen. Diejenige, die gegenwärtig die beliebteste unter europäischen Nationalisten zu sein scheint, ist die eurasianistisch-imperialistische Version, wie sie von Alexander Dugin beworben wird, aber in Wirklichkeit von Lew Gumiljow geschaffen wurde. Es gibt jedoch auch eine explizit weiß-nationalistische Erzählweise der Geschichte Rußlands. Die wichtigste Präsentation dieser Sichtweise ist Tyurma Naroda (Gefängnis des Volkes oder Gefängnis der Nation) von Alexiej Shiropajew. Wie Sie aus dem Titel allein ersehen können, ist Shiropajews Sicht auf den russischen Staat extrem kritisch.

Da das Buch nur auf Russisch erhältlich ist, und es extrem unwahrscheinlich ist, daß es jemals ins Englische (oder irgendeine andere Sprache) übersetzt werden wird, werde ich zuerst eine detaillierte Übersicht über Shiropajews Argument präsentieren, und dann eine Kritik an dem Buch.

Rus’ protiv Rossiyi: Rus’ versus Rußland

Ein Thema, das gleich einmal geklärt werden muß, ist die Terminologie. Zwei völlig verschiedene Wirklichkeiten werden durch die deutschen Begriffe „Rußland“ und „Russe“ zu einer gemacht. In der russischen Sprache gibt es zwei verschiedene Wörter als Name des Landes: „Rus‘“ und „Rossiya“. Rus‘ steht für die Länder, die ursprünglich von östlichen Slawen bewohnt wurden, wohingegen Rossiya den größeren russischen Staat bedeutet: das zaristische russische Reich, die Sowjetunion oder die zeitgenössische Russische Föderation. Und diese beiden Begriffe werden oft unter Verwendung eines Wortes ins Deutsche übersetzt: „Rußland“, was daher einige Verwirrung verursacht.

Im Russischen gibt es zwei verschiedene Begriffe: „Russkiy“ und „Rossiskiy“. „Russkiy“ (sowohl als Eigenschaftswort wie auch als Hauptwort) bedeutet einen ethnischen Russen, eine Person von ostslawischer Herkunft, die die russische Sprache spricht. „Rossiskiy“ (als Eigenschaftswort) oder „Rossiyanin“ (als Hauptwort) steht für eine Person, die Russisch spricht oder sich als Teil der russischen („rossiyskiy“) Kultur betrachtet und ein Bürger des russischen Staates sein kann – aber von jeder ethnischen Herkunft sein kann. Wiederum werden beide oft als ein Wort ins Deutsche übersetzt: „Russe“.

Daher ist ein moslemischer Tschetschene, dessen Muttersprache Tschetschenisch ist, der Grundkenntnisse in Russisch hat und sich als loyalen Bürger der Russischen Föderation betrachtet, unzweifelhaft ein „Rossiyanin“ und ohne Zweifel kein „Russkiy“. Ein heidnischer Russe, dessen Muttersprache Russisch ist und dessen Familie über zahllose Jahrhunderte auf russischem Boden gelebt und diesen bearbeitet hat, der die Russische Föderation verläßt und sich den ukrainischen Freiwilligenkräften anschließt, um gegen die Separatisten von Novorossiya zu kämpfen, ist kein „Rossiyanin“ mehr, aber er ist sicherlich ein „Russkiy“.

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Was Populismus nicht ist

Von Greg Johnson, übersetzt von Lucifex. Das Original What Populism Isn’t erschien am 28. Dezember 2018 auf Counter-Currents Publishing.

Jan-Werner Müller
What is Populism?
Penguin, 2017

Wenn ein politisches Establishment sich von einer wachsenden Kraft wie dem Nationalpopulismus bedroht fühlt, dann besteht Plan A darin, das Establishment zu verteidigen und seine Gegner anzugreifen, indem es geistig durchschnittliche Journalisten entsendet, um zu spotten und zu verhöhnen, und geistig durchschnittliche politische Schreiberlinge, um parteipolitische Argumente zu konstruieren. Das Ziel des Establishments ist, die Loyalität seiner Basis zu verstärken, die Köpfe der Unentschlossenen zu vergiften und Dissidenten zu demoralisieren, indem es sie wie Dreck behandelt.

Wenn es Plan A nicht gelingt, die steigende Flut zurückzudrängen, dann besteht Plan B darin, die akademischen Gehirn-Bugs auf das Studium der Opposition und die Formulierung von Kritiken und Gegenstrategien anzusetzen. Offensichtlich lautet die Annahme von Plan B, daß das Establishment objektives Wissen braucht, um ernsthaften Gegnern zu kontern. Es besteht jedoch eine Gefahr, daß Spuren der parteipolitischen Apologetik der ernsthaften intellektuellen Analyse von Plan B in die Quere kommen. Ein Paradebeispiel dafür ist Jan-Werner Müllers What Is Populism?

Populismus und Demokratie bedeuten genau das Gleiche. Sogar ihre Etymologien sind dieselben. Demos ist Griechisch und populus ist Lateinisch für „das Volk“. „Das Volk“ bezieht sich richtigerweise auf das Ganze eines Staatswesens, kann aber auch „die Vielen“ bezeichnen – die gewöhnlichen Leute im Gegensatz zu den Eliten.

Populisten verwenden „das Volk“ in beiderlei Sinn. Populisten meinen, daß politische Legitimität auf dem Gemeinwohl der Gesellschaft beruht – des Volkes als Ganzem. Aber Populisten sprechen oft im Namen des Volkes im engeren Sinn von „die Vielen“, denn wenn politische Systeme vom Gemeinwohl abweichen, dann nimmt es buchstäblich immer die Form an, daß „die Wenigen“ – Regierungs- und Wirtschaftseliten – ihre Gruppeninteressen auf Kosten der Vielen verfolgen. Daher verteidigen und mobilisieren populistische Bewegungen das Volk im engeren Sinne, um ein Regime wiederherzustellen, das den Interessen des Volkes im breiten Sinn dient.

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„Das Volk bin ich“: Rezension von Jan-Werner Müllers „What is Populism?“

Von F. Roger Devlin, übersetzt von Lucifex. Das Original Le Peuple, C’est Moi erschien am 18. Dezember 2018 auf Counter-Currents Publishing.

Jan-Werner Müller
What Is Populism?
Penguin, 2017

Jan-Werner Müller, ein gebürtiger Deutscher, ist Professor für Politik an der Princeton University und der Autor mehrerer vorheriger Bücher. Die vorliegende Studie über den Populismus wurde 2016 von der University of Pennsyslvania Press veröffentlicht und schnell von Penguin Books in einem beliebten Taschenbuchformat nachgedruckt. Diese für einen akademischen Titel ungewöhnliche Auszeichnung verdankt natürlich viel der jüngsten Mode des Begriffs „populistisch“, aber auch der ungewöhnlichen Klarheit der These des Autors und deren Darlegung.

Es gibt wenig allgemeine Einigkeit über den Populismus, außer daß es eine Form der Politik ist, die sich für das „Volk“ gegen die Eliten einsetzt. Müller bemerkt, daß eine solche Haltung tatsächlich eine notwendige Voraussetzung für die Identifizierung eines Politikers oder einer Bewegung als „populistisch“ ist, aber keine ausreichende. Er lehnt psychologisierende Erklärungen ab, die sich auf den „Zorn“ von Populisten fokussieren, während sie dessen Ursachen ignorieren. Diese Arten von Theorien behaupten, daß das, was Populisten wirklich brauchen, nicht politische Repräsentation oder die Beseitigung objektiver Mißstände ist, sondern eine Art von Psychotherapie. Das ist sowohl herablassend als auch etwas, das unheimlich an den alten sowjetischen Mißbrauch der Einweisung von Dissidenten in psychiatrische Kliniken erinnert.

Die wahrhaft essentielle Eigenschaft des Populismus ist nach Müllers Sichtweise der Anspruch auf ausschließliche Vertretung des Volkes. Das erste Beispiel, das er anbietet, ist der gegenwärtige Präsident der Türkei, Recep Erdogan. Bei einem vor kurzem stattgefundenen Parteikongreß antwortete Erdogan seinen Kritikern mit der Bemerkung: „Wir sind das Volk; wer seid ihr?“ Der Autor kommentiert:

Natürlich wußte er, daß seine Gegner ebenfalls Türken waren. Der Anspruch auf ausschließliche Vertretung ist kein empirischer; er ist immer eindeutig moralisch. Populisten stellen ihre politischen Konkurrenten als Teil der unmoralischen, korrupten Elite dar.

Kurz gesagt, der Populist ist nach Müllers Darstellung die politische Gestalt oder Bewegung, die angedeutet oder ausdrücklich behauptet: le peuple, c’est moi – das Volk bin ich.

Dies ist eine kühne These, nicht zuletzt, weil sie nach dem eigenen Eingeständnis des Autors die People’s Party der amerikanischen 1890er – die oft als die originalen Populisten betrachtet wird – davon disqualifiziert, als „wahre“ Populisten betrachtet zu werden. Sie unterstellt auch, daß das antike Athen, trotzdem es uns das Wort Demagoge vermachte, keine „wahren“ populistischen Führer hervorbrachte, denn niemand konnte in einer direkten Demokratie, die keinen Gebrauch von Repräsentation machte, Anspruch auf ausschließliche Vertretung erheben. Weiter hinten in dem Buch erklärt er auch, daß Bernie Sanders nach dieser Definition nicht als Populist qualifiziert wäre.

Aber Müller verweist sicherlich auf eine reale und hervorstechende Neigung vieler Politiker, die als populistisch bezeichnet werden. Hugo Chavez’ Wahlkämpfe bringen Slogans wie „Chavez ist das Volk! und „Chavez, wir sind Millionen, auch ihr seid Chavez!“ George Wallace begann seine berühmte „Rassentrennung für immer“-Rede mit der folgenden großspurigen Erklärung: „Im Namen des großartigsten Volkes, das jemals auf Erden wandelte, ziehe ich die Linie im Staub und werfe der Tyrannei den Fehdehandschuh vor die Füße…“ Der Autor fragt spitz, mit welcher Autorität der Gouverneur von Alabama annahm, im Namen des amerikanischen Volkes als Ganzem zu sprechen.

Klarerweise erhalten populistische Politiker niemals einhundert Prozent Unterstützung von den Wählern. Um diese unbequeme Tatsache zu umschiffen, neigen sie dazu, an die vage Vorstellung vom „wirklichen“ Volk zu appellieren, das aus der Gesamtsumme der tatsächlichen Staatsbürger herausgezogen und von dieser unterschieden werden muß. Als zum Beispiel Nigel Farage im Brexit-Referendum das Ergebnis bekam, das er wollte, nannte er es einen „Sieg für das wahre Volk,“

und machte damit die 48 Prozent der britischen Wählerschaft, die dagegen gewesen waren, das Vereinigte Königreich aus der Europäischen Union herauszuholen, irgendwie weniger als real – oder stellte ihren Status als eigentliche Mitglieder der politischen Gemeinschaft in Frage.

In ähnlicher Weise hat eine populistische finnische Partei sich bis vor kurzem die „Wahren Finnen“ genannt.

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Implizites Weißentum und die Republikaner

Von Greg Johnson, übersetzt von Deep Roots. Das Original Implicit Whiteness and the Republicans erschien am 11. November 2010 im „Occidental Observer“. (Titelbild und Schlußbild vom Übersetzer hinzugefügt)

Kevin MacDonalds Arbeit am Konzept des „impliziten Weißentums“ in seinem Essay Psychology and White Ethnocentrism ist ein bedeutender Durchbruch für den weißen Nationalismus. Ethnozentrismus – üblicherweise als „Xenophobie“ und „Rassismus“ stigmatisiert – ist eine Präferenz, mit genetisch ähnlichen Menschen zusammen zu sein. Anti-Ethnozentrismus – eine Präferenz für Menschen, die uns unähnlich sind – wird heute als „Vielfalt“ [„Diversity“] verkauft, die geheime Zutat, die „Stärke“ verleiht, wo immer man sie findet.

Laut MacDonald ist Ethnozentrismus ein natürliches Phänomen, das in den ältesten und tiefsten Ebenen des Gehirns festverdrahtet ist. Anti-Ethnozentrismus jedoch existiert als bewußte moralische Überzeugung. Vom psychologischen Standpunkt aus ist Anti-Ethnozentrismus daher relativ oberflächlich, auch wenn er gegenwärtig unsere Kultur und Politik dominiert.

Der Anti-Ethnozentrismus ist dominant, weil seine Befürworter die Kräfte kontrollieren, die unser explizites Bewußtsein formen: Bildungswesen, die Künste, die Nachrichten- und Unterhaltungsmedien. Aber der unbewußte Ethnozentrismus bleibt bestehen und kann niemals ausgerottet werden, weil er im Hirn festverdrahtet ist.

Wenn daher Linke die Weißen des „unbewußten“ Rassismus bezichtigen, haben sie recht. Unbewußter weißer Ethnozentrismus manifestiert sich in Zugehörigkeitsmustern. MacDonald zitiert besonders Country Music, NASCAR und die Republikanische Partei als Brennpunkte impliziter weißer Zugehörigkeit.

Aber weil Ethnozentrismus festverdrahtet ist, können Antirassisten nicht wirklich etwas dagegen machen. Antirassistische „Bewußtseinsbildung“ kann bestenfalls nur einen Dauerzustand des inneren psychologischen Konfliktes begründen.

Die Linken dachten, daß sie durch die Kontrolle der expliziten Kultur den Ethnozentrismus ein für alle Mal eliminieren könnten. Aber das können sie nicht. Sie können nur einen psychologisch auszehrenden Konflikt zwischen unseren bewußten Überzeugungen und unseren unbewußten Instinkten erzeugen. Und sie können niemals ruhen, denn wenn sie bei der Konditionierung nur eine Minute locker lassen, können sie all ihre Gewinne – und ihre Macht – hinweggefegt sehen.

Im Gegensatz zur Feindpropaganda ist Ethnozentrismus ein völlig normaler und gesunder Wesenszug. Ein rassisch bewußtes Individuum, das bewußt glaubt, daß seine ethnozentrischen Instinkte moralisch richtig sind, genießt eine innere psychologische Harmonie, den Seelenfrieden, der Antirassisten verwehrt ist, die in einem ständigen Zustand des inneren Konflikts zwischen ihren natürlichen Instinkten und ihren unnatürlichen moralischen Überzeugungen existieren.

Antirassisten sind in einem realen Sinne geisteskrank, wohingegen diejenigen von uns, die selbstbewußt und stolz ethnozentrisch sind, geistig gesund sind (zumindest in dieser Hinsicht). Und weil so viel von der mentalen Energie der Antirassisten von inneren Konflikten aufgezehrt wird, sind wir „Rassisten“, wenn alles andere gleich ist, stärker, glücklicher und fähiger, die Welt zu verwandeln.

Deshalb ist MacDonalds Forschungsarbeit ein Grund zur Hoffnung:

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Chinesische und weiße Nationalisten sollten zusammenarbeiten

Ist das kommunistische Han-China eine Nation oder ein Imperium?

Von Chinese Nationalist Maiden, übersetzt von Lucifex. Das Original Chinese and White Nationalists Should Work Together erschien am 11. Januar 2015 auf Council of European Canadians.

Von Interstellar zum biologischen Imperialismus

Der Film Interstellar (2014) läßt in geschickter Weise den kulturellen Optimismus der amerikanischen 1960er und den radikal expansionistischen Drang wieder aufleben, der die amerikanische Wissenschaft allgemein und die NASA im Besonderen kennzeichnete. Vielleicht nicht bloß zufällig erscheint die Weltraumreise als Metapher für die westliche Geisteshaltung. Den ganzen Film hindurch habe ich eine typisch weiße rassische Weltsicht beobachtet, die sich sowohl auf einfache als auch komplexe Arten manifestierte. Viele würden sagen, daß das zentrale Thema von Interstellar eine Vater-Tochter-Beziehung ist, und ich würde nicht widersprechen, aber ich fing auch viele implizite rassebezogene Botschaften auf.

Wenn es nur eine Sache gäbe, die aus einem rassischen Blickwinkel interpretiert werden könnte, dann würde ich jede rasseorientierte Analyse dieses Films „eine Projektion rasseorientierter Werte auf einen Film, wo es keine solchen Werte gibt“ nennen. Jedoch überzeugte mich die Geisteshaltung „expandieren oder sterben“, die ein wiederkehrendes westlich-imperialistisches Thema während des ganzen Films war, davon, daß ich Interstellar vielleicht als einen Film würde interpretieren müssen, der deutlich von westlichem „expandieren oder sterben“-Imperialismus mit einem implizit rasseorientierten Unterton gefärbt ist.

Obwohl ich erwarte, daß Christopher Nolan den rassischen Blickwinkel nachdrücklich bestreitet, glaube ich doch, daß es solide Beweise dafür gibt, daß „Menschheit“ in der Welt von Nolans Interstellar synonym mit „westlicher Mensch“ ist. Es ist ein Film, der sich mit dem philosophischen Thema des Überlebens des westlichen Menschen befaßt.

Nach einer kurzen Analyse der wiederkehrenden Themen in Interstellar aus einem rassischen Blickwinkel sollte klar werden, daß das Ende der Menschheit in komplizierter Weise mit dem Gebrauch von Menschheit als Synonym für den westlichen Menschen zusammenhängt – dies beschwört die Tatsache herauf, daß der Niedergang des Westens und der Niedergang der Menschheit ein und dasselbe sind. Die westliche Zivilisation als Produkt des westlichen Menschen kann nicht ohne ihren Wirt überleben, denn die Weltsicht, die diese Zivilisation schuf, hat eine feste Basis in rassischer Biologie. Wie durch die Rassebiologie bestimmt, ist eine Weltsicht nicht bloß eine kulturelle Angelegenheit. Sie ist jedoch eine rassespezifische biologische Kraft, die auf komplizierte Weise mit dem kreativen Drang jeder Menschenrasse zusammenhängt. Daher wird jede Gegnerschaft gegenüber einer hochzivilisierten Rasse, wie sie durch die weiße Rasse charakterisiert wird, zum Schaden jener Hasser erfolgen, die, geblendet von ihrem taktlosen Hass, gegen sich selbst und ihre Nachkommen handeln.

Nachdem die Gegnerschaft gegenüber noblem Blut vergeblich ist, wird all die Opposition gegen die weiße Rasse zum Schaden der Antiweißen erfolgen; diese Tatsache ist kein Fluch, sondern ein Naturgesetz. Das Prinzip des noblen Blutes ist unveränderlich. Während die Vorkämpfer einer selbstschädigenden Ideologie all ihre Macht, ihr Geld und ihre Energie anwenden, um Zerstörung über die weiße Rasse zu bringen, wird ihr Eifer wie kein Eifer sein, denn selbst wenn der Marsch eines zivilisierten Volkes vorübergehend durch ideologische Ablenkungen aufgehalten wird, wird es schließlich ungeduldig werden, seine Reihen neu ordnen, sich auf den Abmarsch vorbereiten und losmarschieren, als ob seine Todfeinde nichts Größeres als Ameisen wären. Der Niedergang der weißen Rasse wird weitergehen, bis ein kritischer Punkt erreicht ist, der nicht nur ihren Lebenswillen wieder bestärken wird, sondern auch ihren Willen zu gedeihen. Somit ist der Niedergang nur eine Unterbrechung in der Fortdauer des Erbes des europäischen Imperialismus, der die Manifestation eines noblen Geistes ist.

Vom Imperialismus zu Rotchina

Wo wir vom Imperialismus sprechen, fallen einem Rotchina und seine territorialen Ansprüche ein. Die Volksrepublik China (VRC) ist nun die Volkswirtschaft Nummer 1 der Welt (Arends, 2014), aber ihre diplomatischen Beziehungen zum Rest der Welt sind genauso schlecht wie immer. Die Kommunistische Partei Chinas (KPC) hat keinen beeindruckenden Plan, der seine internationalen Beziehungen aus diplomatischem Blickwinkeln irgendwann in der nahen oder fernen Zukunft verbessern wird. Man glaubt, daß die VRC als Supermacht mehr „soft power“ zeigen wird (Zhou, 2014), aber die politische Realität ist, daß die VRC zunehmend aggressiv werden wird (Glaser, 2011). Als Zeugnis dieses Trends zu mehr politischer Aggression durch die VRC haben sich die Beziehungen zu Rußland verschlechtert.

Die Russen erkennen China nun als unzuverlässige Macht (Novikova, 2014). Die unbehaglichen Beziehungen Chinas zur internationalen Gemeinschaft (Zhou, 2014) könnten jederzeit in einem katastrophalen Krieg kulminieren, in dem China sich isoliert und daher gegen die ganze Welt kämpfend wiederfinden könnte. Daher sind die politische Strategie und die Ideologie der KPC nicht gut für China als Supermacht und haben eine extrem isolierende Wirkung. Der Kommunismus – selbst mit bedeutenden Reformen wie im Fall der KPC – ist ein Teil des Problems. Die Propagandamaschine der KPC verkauft uns den Kommunismus als „patriotisch“ oder „nationalistisch“ (Chen, 2014), aber wenn er so „patriotisch“ oder „nationalistisch“ wäre, dann wäre er kein Teil des Problems (Oiwan, 2014).

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Juden debattieren über das Weißsein

Von Tanstaafl, übersetzt von Lucifex. Das Original Jews Debate Whiteness erschien am 21. Juni 2017 auf Age of Treason.

Nichtweiße Kritiker des neuen Hollywood-Remakes von Wonder Woman, speziell der Besetzung der ehemaligen Miss Israel, Gal Gadot, in der Hauptrolle, haben unter Juden eine Diskussion darüber ausgelöst, ob Gadot und Juden allgemein „weiß“ sind.

Nichts an ihrem Austausch wird regelmäßige Leser hier überraschen, aber es könnte bei der Aufklärung von Weißen helfen, die sich gerade mit Identität, Rasse und dem Judenproblem auseinanderzusetzen beginnen. Unter dem gegenwärtigen weißenfeindlichen, pro-jüdischen Regime sind die meisten Weißen dazu konditioniert, sich wohler damit zu fühlen, Juden sich über „Antisemitismus“ und ihr Weißenproblem beklagen zu hören, als umgekehrt.

Also bitte sehr, diese Konversation ist für euch.

Wenn ihr über die oberflächlichen Details hinaussehen könnt – diese Schauspielerin, dieser Film, im Jahr 2017 -, dann bekommt ihr hier einen Blick auf das jüdische Verhalten über Raum und Zeit hinweg. Man kann sich leicht die zahllosen Debatten vorstellen, die Juden in ihren Shtetls und Ghettos während der vergangenen Jahrtausende gehabt haben – auch wenn sie zu diesen Zeiten und an diesen Orten statt über das Weißentum darüber diskutiert haben mögen, ob das Babyloniertum, das Ägyptertum, das Griechentum, das Römertum, das Spaniertum oder das Deutschtum gut oder schlecht für die Juden sei.

Die Links sind in chronologischer Reihenfolge präsentiert. Die meisten der Artikel beziehen sich aufeinander und antworten aufeinander, daher halten die nachfolgenden Auszüge die relevantesten, am wenigsten redundanten Teile des Austauschs fest. Auch so ist es noch eine lange Lektüre. Wenn euch an irgendeiner Stelle langweilig oder schlecht wird, dann überspringt es auf jeden Fall und schaut zum Schluß, wo ich die entscheidenden Punkte zusammenfasse.

Das Hin und Her begann (anscheinend aus heiterem Himmel) vor ein paar Monaten, fokussierte sich um Gadot und erweiterte sich von da.

24. Januar 2017, Dani Ishai Behan, timesofisrael.com: Are Jews A People of Color?:

Solange wir uns erinnern können, hat unser Volk in Nordamerika immer eine rassisch „mehrdeutige“ Position eingenommen. Obwohl wir zuerst zusammen mit anderen westasiatischen Volksgruppen als „Asiaten“ betrachtet wurden (was zu zahlreichen Versuchen führte, uns die Staatsbürgerschaft abzuerkennen), sollten Lobbyingbemühungen schließlich die Definition von „weiß“ auf Nahostler und Nordafrikaner erweitern. Jedoch ist in den letzten Jahrzehnten ein politisches Klima entstanden, in dem unser rassischer Status wieder einmal in Bitterkeit und Ungewißheit steckt.

Durch die ganze Geschichte hindurch hat das rassische Zu-Anderen-Erklären [„othering“] von Juden zu einigen ziemlich schrecklichen Ergebnissen geführt, daher ist es verständlich, warum manche es vorziehen würden, Rasse/Volkszugehörigkeit überhaupt aus der Gleichung wegzulassen. Aber gleichzeitig hilft die Vorstellung von Juden als entweder „weiß“ oder „bloß eine Religion“, wie viele unserer Kritiker es zu tun pflegen, bei der Fortsetzung einer Kultur des Antisemitismus seitens der antirassistischen Linken. Das heißt, wenn wir „bloß Weiße mit komischen Hüten“ sind, dann sind wir zwangsläufig nicht „wirklich“ eine unterdrückte Gruppe, wodurch es Antirassisten ermöglicht wird, ihre Legitimation zu behalten, ohne Juden zuhören oder unsere Besorgnisse ernst nehmen zu müssen. Dieses Konstrukt ist auch untrennbar mit antisemitischer Politik verbunden und vergegenständlicht Vorstellungen von jüdischem „Privileg“ zusammen mit der (unrichtigen) Verleumdung, daß die Wiedererrichtung Israels ein „weißes Kolonialprojekt“ war, was unterstellt, daß aschkenasische Juden (die die Mehrheit der zionistischen olim vor 1948 stellten) fremde Eindringlinge ohne echte Wurzeln in der Region sind, deren Bindung zum Land bestenfalls unauthentisch, nichtorganisch und ausschließlich religiöser Natur ist.

Ein weiteres, häufig vorgebrachtes Argument lautet, daß ein großer Prozentanteil von uns ein weiß wirkendes Erscheinungsbild hat, aber dies ist bei allen levantinischen Gruppen ziemlich häufig, nicht nur bei Juden. Außerdem sind hellhäutige Latinos, Iraner, Paschtunen und amerikanische Ureinwohner auch nicht wirklich selten. Dies nennt man „als weiß durchgehen“: die Fähigkeit, sich optisch einzufügen und einigen der unmittelbareren Effekte eines Nichtweißentums zu entgehen, während man immer noch unter der Marginalisierung und der Differenzierung als Andere leidet, die nichtjüdische Minderheiten erleben. Anders ausgedrückt: weiß auszusehen ist nicht dasselbe wie weiß zu sein.

Ich habe all die Argumente über das jüdische „Weiß-Sein“ gehört, aber ich muß erst noch eines hören, das wirklich überzeugend ist.

1. Juni 2017, Matthew Mueller, comicbook.com, Wonder Woman: There IS A Person Of Color In The Lead Role:

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Die Adametz-Sammlung: Vom Gerümpel zum hochgeschätzten Archiv alter Landrassen

Pferdeschädel aus der Adametz-Sammlung des Wiener Naturhistorischen Museums

Wie eine Schädel- und Skelettsammlung beinahe auf dem Müll gelandet wäre, wie sie gerettet wurde und welche herausragende Rolle sie in der wissenschaftlichen Rekonstruktion der Geschichte der Nutztierfauna wie auch der Wirtschafts- und Sozialgeschichte spielt.

Von Erich Pucher, aus Heft September 2011 der ORF-Publikation UNIVERSUM. (Hier mit einem Anhang von Deep Roots.)

Die Archäologisch-Zoologische Sammlung der 1. Zoologischen Abteilung zählt zu den vergleichsweise jungen Einrichtungen des Naturhistorischen Museums Wien. Erst Anfang der 1970er-Jahre wurde sie vor allem als interdisziplinäre Forschungsstelle ins Leben gerufen, um einerseits den Wunsch der Archäologen nach wissenschaftlicher Interpretation der von ihnen oftmals zu Tausenden aus vor- und frühgeschichtlichen Siedlungen ausgegrabenen Tierknochenreste auch hierzulande abdecken zu können, andererseits, um auf diese Weise Einblicke in das Schicksal der Wild- und Haustierfauna zwischen der Eiszeit und der Gegenwart zu erhalten. Gerade diese, für den heutigen Zustand des Landes so entscheidende Zeitspanne der immer massiver werdenden Eingriffe des Menschen in die Natur war nicht nur in Österreich beinahe unerforscht. Die interdisziplinär ausgerichtete Archäozoologie sprang in diese Lücke und hat inzwischen mehrfach bewiesen, dass aus den meist arg zerstückelten Knochenresten vielfältige Aussagen, sowohl zur Geschichte der Wild- und Haustierfauna, als auch zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte gewonnen werden können. Voraussetzungen dafür sind nicht etwa eine sündteure High-Tech-Apparatur, sondern vor allem solide morphologische Kenntnisse, herausragendes Gestaltwahrnehmungsvermögen und eine möglichst umfassende Vergleichssammlung.

Leopold Adametz

Kaum hatte die neue Sammlung unter improvisierten Bedingungen in beengten Verhältnissen zu arbeiten begonnen, kam 1976 aus der Universität für Bodenkultur die Nachricht, dass das Institut für Tierproduktion dabei sei, die Adametz-Sammlung auszuscheiden, um Platz für moderne Einrichtungen zu schaffen. Es handelte sich dabei um eine rund 1.300 Schädel und einige Skelette alter Nutztierrassen umfassende Sammlung, die großteils zwischen den 1890er und 1930er-Jahren vom damaligen Inhaber der Lehrkanzel für Tierzucht, Professor Leopold Adametz, zusammengetragen worden war, um die Verwandtschafts- und Abstammungsverhältnisse der Nutztierrassen mit den damals gebräuchlichen typologisch-schädelkundlichen Methoden untersuchen zu können. Adametz nützte dabei die letzte sich bietende Gelegenheit, Belegstücke der einst so vielfältigen, seit dem 19. Jahrhundert aber rapide dahinschwindenden alten Landrassen zu erwerben.

Die Vielgestaltigkeit der Hausrinder

Adametz war seiner Zeit insofern weit voraus, als er in den mitunter über viele Jahrhunderte an lokale ökologische Bedingungen adaptierten, anspruchslosen, robusten und vitalen Landrassen ein reichhaltiges genetisches Reservoir erblickte, dessen Bedeutung von der modernen, rein ertragsorientierten Tierproduktion zunehmend unterschätzt wurde. Erst heute, da bloß einige wenige anspruchsvolle und dazu genetisch gefährlich eingeengte Hochleistungsrassen fast sämtliche Ställe besetzen, versucht man zu retten, was noch zu retten ist, und die kärglichen Reste der Landrassen als gesunde genetische Reserve zu erhalten. In der Folge entwickelte Adametz als anerkannte wissenschaftliche Autorität seiner Zeit ein Lehrgebäude zur Abstammung der Nutztierrassen, in das er auch archäologische Funde mit einbezog. Wie sein Schweizer Vorläufer Ludwig Rütimeyer und zuvor schon der Brite Richard Owen, meinte auch Adametz die Vielgestaltigkeit der Hausrinder nicht auf eine einzige Stammform zurückführen zu können, sondern hielt an der Abstammung der Kurzhornrassen von einem ausgestorbenen wilden Kurzhornrind, auch gegenüber langsam lauter werdender Kritik an dieser Auffassung, bis zu seinem Tode unerbittlich fest, denn der 1627 ausgestorbene Auerochse schien ihm nur als Ahne der großhörnigen Hausrinder in Frage zu kommen. Wenig später erwiesen sich sämtliche vermeintliche Beweise für die einstige Existenz eines wilden Kurzhornrindes im Lichte neuer Untersuchungsmethoden als unhaltbar. An Adametz blieb ungeachtet seiner vielen anderen Verdienste der Ruf haften, vor allem ein starrsinniger Verfechter der „polyphyletischen“ Abstammung des Hausrindes gewesen zu sein.

Mit der Widerlegung dieser These verlor auch die Adametz-Sammlung scheinbar an wissenschaftlichem Wert. Überhaupt wehte der Typologie gerade eine steife Brise entgegen. Man bevorzugte moderne Methoden und ließ kein gutes Haar an der altmodischen Schädel- und Rassenlehre. Die Archäozoologie konzentrierte sich nun weniger auf die Rassen- als auf die Wirtschaftsgeschichte. Selbst offenkundige Rassenunterschiede im archäologischen Fundmaterial wurden kurzerhand als extreme Varianten ein und derselben Population abgetan. Auch innerhalb der Tierzucht schien sich niemand mehr für die Rassengeschichte zu interessieren, da man sich auf die weitere Ertragssteigerung der modernen Hochleistungsrassen konzentrierte und niemand den gerade aussterbenden oder schon verschwundenen alten Landrassen mit ihren viel geringeren Erträgen eine Träne nachweinte. Der kurzsichtige Zeitgeist macht auch vor der Wissenschaft nicht halt. So war es eigentlich kein Wunder, dass der Entschluß fiel, die Adametz-Sammlung zu entsorgen. Dem damaligen Zoologiedozenten Hans Martin Steiner war es zu verdanken, dass die Sammlung doch noch vor ihrer Vernichtung gerettet wurde, indem er sie an das Naturhistorische Museum vermittelte, das sich im Wissen, dass in der ganzen Welt nur sehr wenige vergleichbare Sammlungen existieren, bereit erklärte, sie trotz akuten Platzmangels vorläufig irgendwie zu verstauen, bis man eine adäquate Lagermöglichkeit fände. Diese fand sich dann erst zwanzig Jahre später, nach dem Ausbau des Dachgeschosses.

Knöchernes Archiv der Nutztierrassen

Vergleich zwischen der aus Fragmenten zahlreicher Individuen von E. Pucher erstellten graphischen Schädelrekonstruktion einer keltischen Kuh (oben) und einer Kuh der Steirischen Bergschecken aus der Adametz-Sammlung (unten).

Erst in den 1990er-Jahren wissen neue archäozoologische Untersuchungen, statistische Analysen und schließlich auch molekulargenetische Daten darauf hin, dass doch schon zur Jungsteinzeit unterschiedlich beschaffene Landrassen existiert haben müssen. Die Geschichte der Rinderrassen begann sich damit wieder als Frage zu stellen. Gleichzeitig führten eingehende Vergleiche von Rinderknochen aus der Keltenzeit mit den in der Adametz-Sammlung enthaltenen Schädeln und auch Knochenfunden aus alpinen Schachthöhlen in der Wiener Archäozoologie zur Einsicht, dass unter allen von Adametz gesammelten Schädeln jene der Steirischen Bergschecken die beste Übereinstimmung mit diesen Funden zeigten. Wenig später stellte sich heraus, dass sogar die in den Salzminen des Halleiner Dürrnbergs erhalten gebliebenen Fellreste denselben Scheckungstyp und dieselbe Feinheit der Haare aufwiesen, wie die alten Bergschecken. Schritt für Schritt wurde immer klarer, dass diese 1986 ausgestorbene, uralte Landrasse nichts anderes darstellte, als die über zweieinhalb Jahrtausende beinahe unveränderten Nachkommen der Rinder des keltischen Königreichs Noricum. Ihre Schädel existierten nun nur noch in der Adametz-Sammlung. Doch auch für andere Funde fanden sich ausgezeichnete Parallelen in der Sammlung, so dass langsam immer mehr Licht auf die Geschichte der Rinderrassen fiel. So stützte der Vergleich der Schädelfunde großgewachsener Importrinder der Römischen Kaiserzeit mit den Schädeln der mittelitalienischen Razza Chianina der Adametz-Sammlung die von vielen Autoren seit langem gehegte Meinung, dass die weißen Chiana-Rinder als neuzeitliche Nachkommen der Römerrinder anzusehen seien.

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Die helfende Hand

Von Poul Anderson. Das Original „The Helping Hand“ erschien im Mai 1950 in ASTOUNDING SCIENCE FICTION (deutsche Übersetzung von Bodo Baumann, erschienen in einem alten SF-Taschenbuch).

Der melodische Glockenklang wurde begleitet von der sachlichen Stimme des Roboters im Vorzimmer: „Seine Exzellenz, Valka Vahino, Sonderbotschafter der Liga von Cundaloa bei der Regierung des Solaren Commonwealth.“

Die Irdischen erhoben sich höflich, als der Botschafter eintrat. Trotz der Schwerkraft und der trockenen Kälte – so mußten ihm die irdischen Verhältnisse erscheinen – trat der Botschafter mit der typischen Anmut seiner Rasse auf, und wieder einmal waren die Irdischen beeindruckt von der Schönheit dieser Geschöpfe.

Geschöpfe – nun, die Bevölkerung von Cundaloa war ziemlich menschenähnlich, sowohl geistig wie auch physisch, um mit irdischen Maßstäben gemessen zu werden. Ihre Unterschiede im Vergleich zu den Menschen waren nicht bedeutend. Ein gewisser Charme, eben das „Anderssein“, das immer romantische Betrachtungen auslöst, umgab diese Fremdlinge, so daß man bei ihrem Anblick mit Genugtuung feststellte, daß nichts Unheimliches diese Rasse von den Menschen unterschied.

Ralph Dalton betrachtete den Botschafter von Kopf bis Fuß. Valka Vahino war ein typischer Vertreter seines Volkes – menschenähnlicher Zweifüßler mit einem Gesicht, das männlich wirkte, doch dessen Züge feiner, hübscher waren als bei einem irdischen Mann. Die Wangenknochen waren kräftig, die Augen groß und dunkel. Die Statur war kleiner und zierlicher als die eines Erdenbewohners, und die katzenhafte Geschmeidigkeit der Glieder verband sich mit der Anmut der schlanken Gestalt. Langes blauschimmerndes Haar fiel auf die Schultern herab, bildete einen Kontrast zu der hohen Stirn und der goldfarbenen Haut. Der Botschafter trug die uralte zeremonielle Kleidung von Cundaloa – Tunika aus Silber, Mantel aus purpurfarbenem Material, hier und dort mit Metall durchwirkt, das wie Sterne am Abendhimmel aufblitzte – und dazu mit Gold besetzte Stiefel aus weichem Leder. Die eine schlanke Hand mit den sechs Fingern hielt den kunstvoll geschnitzten Stab, der als Beglaubigung seines Planeten angesehen werden mußte, während er die andere Hand feierlich zum Gruß hob.

Er verbeugte sich – doch nichts Serviles lag in dieser Geste, nur Anmut. Dann sprach er in fehlerloser irdischer Sprache: „Friede sei mit eurem Haus! Das Große Haus von Cundaloa schickt seine besten Grüße und Wünsche für Euer Wohlergehen! Ich, das unwürdige Mitglied seines Haushaltes, komme zu seinen solaren Brüdern und erbitte ihre Freundschaft!“

Ein paar Irdische bewegten sich ein bißchen verlegen. In der Übersetzung klang das alles ein wenig gespreizt, dachte Dalton. Aber die Sprache von Cundaloa war trotzdem eine der schönsten in der Milchstraße.

Dalton erwiderte mit der gleichen Feierlichkeit: „Grüße und Willkommen. Das Solare Commonwealth empfängt den Abgesandten der Liga von Cundaloa mit aufrichtiger Freundschaft. Ralph Dalton, Premierminister des Commonwealth, spricht für alle Bewohner des Sonnensystems.“

Er stellte dann die anderen Anwesenden vor – die Minister, die technischen Berater, die Mitglieder der militärischen Stäbe. Es war eine imponierende Versammlung. Ein beträchtlicher Teil von denen, die im Sonnensystem Rang und Macht besaßen, war heute hier im Raum anwesend.

Er schloß seine Rede mit den Worten: „Dies ist eine vorbereitende Konferenz über die wirtschaftlichen Maßnahmen, die wir vor kurzem Ihrem Regime, dem Großen Haus von Cundaloa vorgeschlagen haben. Diese Konferenz hat noch keine gesetzlich verbindlichen Beschlüsse gefaßt. Doch sie wird über alle Kanäle ausgestrahlt, und somit wird die Solare Generalversammlung auf der Grundlage dieser und ähnlicher Konferenzen ihre Entscheidung treffen.“

„Ich verstehe. Das ist eine löbliche Einstellung.“

Vahino wartete, bis alle wieder Platz genommen hatten, und ließ sich dann ebenfalls nieder.

Jetzt folgte eine Pause. Alle Augen blickten immer wieder hinauf zur Wanduhr. Vahino war pünktlich erschienen, doch Skorrogan von Skontar verspätete sich. Taktlos, dachte Dalton, aber das war man von diesen Geschöpfen gewöhnt. Ihre Sitten waren eben barbarisch – ganz und gar nicht mit der liebenswürdigen Ehrerbietung der Cundaloaner zu vergleichen, die man nicht als Schwäche mißdeuten durfte.

Man füllte die Wartezeit mit höflichen Floskeln. „Wie gefällt es Ihnen bei uns?“ und so fort. Vahino, wie sich herausstellte, hatte in den verflossenen zehn Jahren das Sonnensystem schon oft besucht. Das war kein Wunder, wenn man die immer enger werdenden Handelsbeziehungen zwischen seinem Planeten und dem Solaren Commonwealth in Betracht zog. Eine stattliche Anzahl von cundaloanischen Studenten bildete sich auf irdischen Universitäten, und vor dem Krieg hatte auch ein lebhafter Touristenverkehr zwischen Sol und Avaiki bestanden. Wahrscheinlich würde er sich wieder beleben – bald sogar, sofern die Verwüstungen rasch beseitigt werden konnten…

„Oh, ja“, lächelte Vahino, „es ist der Ehrgeiz aller jungen anamai – der Männer von Cundaloa, die Erde zu besuchen, und wenn es auch nur zu einem kurzen Aufenthalt reicht. Es ist keine Schmeichelei, wenn ich behaupte, daß unsere Bewunderung für die Irdischen und ihre Errungenschaften geradezu grenzenlos ist.“

„Die Bewunderung ist gegenseitig“, beeilte sich Dalton zu versichern. „Ihre Kultur, die cundaloanische Kunst und Musik, die Literatur – all das findet hier im solaren System begeisterte Bewunderer und Nachahmer. Viele Menschen – und nicht bloß Gelehrte – lernen die Sprache von Luaia nur, um das Dvanagoa-Epos im Original lesen zu können. Cundaloanische Sänger und Sängerinnen bekommen mehr Applaus als die einheimischen Künstler.“ Er lächelte. „Ihre jungen Studenten an unseren Universitäten können sich kaum vor Verehrerinnen retten, und Ihre wenigen weiblichen Vertreter an den Stätten der Gelehrsamkeit sind wegen der zahlreichen Einladungen wohl kaum in der Lage, einem geregelten Studium nachzugehen. Ich glaube, nur der Umstand, daß eine Verbindung zwischen ihnen und irdischen Männern unfruchtbar bleibt, hat bisher die Zahl der Eheschließungen von Einwohnern beider Planetensysteme so niedrig gehalten.“

„Vielleicht“, erwiderte Vahino. „Trotzdem sind wir uns auf meinem Planeten bewußt, daß Ihre Zivilisation in der uns bekannten Milchstraße den Ton angibt. Nicht allein, daß die Zivilisation des Sonnensystems technisch am weitesten fortgeschritten ist – natürlich ist das auch ein wichtiger Faktor – sondern auch die Tatsache ist entscheidend, daß ihr zu uns gekommen seid – mit euren Raumschiffen, eurer Atomenergie, eurer Medizin und so fort. Doch das läßt sich lernen und aufholen. Nicht aufholen oder überbieten können wir jedoch eure Großzügigkeit, mit der ihr uns – nun, eure Unterstützung anbietet: Ihr baut zerstörte Welten wieder auf, die Lichtjahre von euch entfernt sind. Ihr pumpt euren Reichtum und euer technisches Wissen in unsere Heimstätten und Länder, obwohl wir doch nur Bescheidenes als Gegengabe anzubieten haben. Das ist es, was euch zur führenden Rasse der Milchstraße macht!“

„Nun, wir haben auch eigensüchtige Motive, die wir mit unserer Hilfe verbinden“, erwiderte Dalton. „Viele eigensüchtige Gründe. Natürlich gibt es auch humanitäre Erwägungen. Wir können nicht Rassen, die uns verwandt sind, in Not und Bedürftigkeit verkommen lassen, wenn unser Sonnensystem und seine Kolonien mehr Reichtum besitzen, als sie verbrauchen können. Aus unserer eigenen blutigen Vergangenheit wissen wir sehr wohl, daß wirtschaftliche Hilfsmaßnahmen meist zum Nutzen des Wohltäters geraten. Wenn wir Cundaloa und Skontar wieder aufgebaut haben, ihre rückständigen Industrien modernisiert, ihre Ernteerträge gesteigert und ihre wissenschaftlichen Methoden verbessert haben, werden beide mit uns Handel treiben. Und unsere Wirtschaft ist immer noch – trotz ihres hohen Alters – vorwiegend auf Gewinn und Geldvermehrung aufgebaut. Und dann werden beide Planeten zu sehr aufeinander angewiesen sein, um sich noch einmal in so verheerendem Zwiespalt zu zerfleischen wie in dem Krieg, der kürzlich erst endete. Und von da an werden sie unsere Verbündeten in einem Kampf sein, der sich gegen Kulturen richtet, die uns tatsächlich fremd und gefährlich sind – Reiche und Planeten, die wir eines Tages in der Milchstraße entdecken werden und gegen die wir uns dann behaupten müssen.“

„Möge der Göttliche verhindern, daß der Friede der Milchstraße erneut gebrochen wird“, erwiderte Vahino ernst. „Wir haben genug vom Krieg.“

In diesem Augenblick läutete die Glocke zum zweitenmal, und der Roboter verkündete: „Seine Exzellenz, Skorrogan Valthaks Sohn, der Herzog von Kraakahaym, Sonderbotschafter des Skontarischen Reiches beim Commonwealth!“

Die Irdischen erhoben sich wieder – diesmal etwas langsamer -, und Dalton sah den Ausdruck von Ablehnung auf den Gesichtern vieler, die hier versammelt waren. Natürlich verflog dieser Ausdruck sofort, als der Botschafter eintrat, wurde durch die Miene neutraler Sachlichkeit ersetzt. Aber es bestand gar kein Zweifel, daß die Skontaraner im Sonnensystem keine Popularität genossen. Das war natürlich zum Teil ihre eigene Schuld. Eine Schuld, die sich wohl gar nicht vermeiden ließ.

Auf den ersten Blick sah es so aus, als wären die Skontaraner für den Ausbruch des Krieges verantwortlich gewesen. Das war ein Irrtum. Das Mißgeschick wollte es, daß die Sonnen Skang und Avaiki, die ein halbes Lichtjahr voneinander entfernt ihr Planetensystem um sich scharten, noch ein drittes System in der Nähe hatten. Dieses System – nach seinem irdischen Entdecker, Captain Allan, der dort mit einer irdischen Raumflotte gelandet war, meist Allan-System genannt – war unbewohnt.

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