Morgenwacht: Wenn alles dunkel ist, macht Licht!

WAS KEINER WAGT

Was keiner wagt, das sollt Ihr wagen,
Was keiner sagt, das sagt heraus.
Was keiner denkt, sollt Ihr befragen,
Was keiner anfängt, das führt aus!

Wo keiner ja sagt, sollt Ihr’s sagen,
Wo keiner nein sagt, sagt doch nein.
Wo alle zweifeln, wagt zu glauben,
Wo alle mittun, steht allein!

Wenn alle loben, habt Bedenken,
Wenn alle spotten, spottet nicht.
Wenn alle geizen, wagt zu schenken,
Wenn alles dunkel ist, macht Licht!

Von der letzten Zeile dieses Gedichts von Walter Flex leitet sich auch mein Nick ab: Lucifex – der „Lichtmacher“.

Der Name dieses Blogs – Morgenwacht – wurde (obwohl kein SF-Blog) vom SF-Roman „Der graue Prinz“ von Jack Vance inspiriert, dessen Einführung ich nachfolgend zitiere:

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Das geborstene Schwert (2): Valgard

Dies ist Poul Andersons allererster Roman, der 1954 erstmals veröffentlicht wurde und hier in der von ihm 1971 überarbeiteten Fassung, in der 1987 erschienenen deutschen Übersetzung von Rosemarie Hundertmarck vorliegt. Siehe dazu „Der Zauber des Nordens“: Einleitungen zu „Das geborstene Schwert“! Zuvor erschienen: Das geborstene Schwert (1): Skaflocs Geburt und Jugend. (Das von mir eingefügte Titelbild ist eine Illustration von Kat Menschik zur isländischen „Njáls Saga“ und stellt Njáls Frau Hallgerð dar.)

VI

Die Hexe lebte allein im Wald. Nur ihre Erinnerungen leisteten ihr Gesellschaft, und im Lauf der Jahre fraßen sie ihre Seele auf und ließen nur Haß und Rachedurst zurück. In vielen magischen Experimenten lernte sie, wie sie ihre Macht ein wenig vergrößern konnte. Schließlich gelang es ihr, Geister aus der Erde zu rufen und mit den Dämonen der Luft zu sprechen, und diese lehrten sie mehr. Sie ritt auf einem Besenstiel zum Schwarzen Sabbath auf dem Brocken. Ein grauenhaftes Fest war das, bei dem abstoßende Gestalten aus alter Zeit um den dunklen Altar sangen und Blut aus Kesseln tranken, aber vielleicht am schlimmsten waren die jungen Frauen, die sich bei den Riten mit scheußlichen Wesen paarten.

Die Hexe kehrte klüger zurück und brachte sich einen Rattenmann als Vertrauten mit, der mit seinen scharfen kleinen Zähnen in ihre verwelkten Brüste biß und Blut daraus sog und des Nachts auf ihrem Kissen hockte und ihr im Schlaf ins Ohr flüsterte. Und so glaubte die Hexe, sie habe jetzt genug Kraft, um den zu rufen, nach dem sie schon lange verlangte.

Donner und Blitz rollten um ihre Hütte, blaues Licht und der Gestank des Höllenpfuhls. Aber das dunkle Wesen, vor dem sie sich zu Boden warf, war auf seine Art schön, wie jede Sünde dem bereitwilligen Sünder schön erscheint.

„O du mit den vielen Namen, Fürst der Dunkelheit, Böser Gefährte“, rief die Hexe, „ich möchte, daß du mir meinen Wunsch erfüllst, und dafür will ich dich in hergebrachter Weise bezahlen.“

Der, den sie gerufen hatte, sprach, und seine Stimme klang sanft und geduldig: „Du bist schon ein gutes Stück auf meinem Weg gewandert, aber du bist noch nicht ganz und gar mein. Die Gnade von oben ist unendlich, und wenn du sie nicht zurückweist, bist du auch noch nicht verloren.“

„Was frage ich nach Gnade?“ meinte die Hexe. „Durch Gnade werden meine Söhne nicht gerächt. Ich bin bereit, dir meine Seele zu geben, wenn du mir meine Feinde in die Hände lieferst.“

„Das kann ich nicht tun“, erwiderte ihr Gast, „aber ich kann dir die Mittel zur Hand geben, wie du ihnen eine Falle stellen kannst, wenn du schlauer bist als sie.“

„Das genügt mir.“

„Aber bedenke, hast du nicht bereits Rache an Orm genommen? Dein Werk ist es, daß er einen Wechselbalg als ältesten Sohn hat, und dieses Geschöpf kann großes Übel über ihn bringen.“

„Orms echter Sohn blüht und gedeiht jedoch in Alfheim, und seine jüngeren Kinder wachsen heran. Ich will diese faule Saat bis zum letzten Blutstropfen auslöschen, ebenso wie er meine ausgelöscht hat. Die heidnischen Götter werden mir nicht helfen, und sicher wird Er es nicht tun, dessen Namen ich besser nicht ausspreche. Deshalb mußt du, Schwarze Majestät, mein Freund sein.“

Flämmchen, die kälter waren als der Winter, flackerten in seinem Blick, und lange sah er sie an. „Die Götter sind bei dieser Sache nicht aus dem Spiel, wie du vielleicht gehört hast. Odin, der die Geschichte der Menschen voraussieht, schmiedet Pläne, die weit in die Zukunft reichen…. Aber du sollst meine Hilfe haben. Stärke und Wissen werde ich dir geben, auf daß du eine mächtige Hexe wirst. Und ich werde dir sagen, wie du deine Feinde treffen kannst, falls sie nicht klüger sind, als du glaubst.

Es gibt drei Kräfte in der Welt, gegen die Götter und Dämonen und Menschen machtlos sind, gegen die es keinen Zauber gibt. Das sind der Weiße Christus, die Zeit und die Liebe.

Von dem ersten hast du nichts anderes zu erwarten, als daß er deine Pläne durchkreuzen wird, und du mußt Obacht geben, daß er und die Seinen auf keine Weise in den Kampf hineingezogen werden. Du kannst es verhindern, indem du dir vor Augen hältst, daß der Himmel geringeren Wesen ihren freien Willen läßt und sie nicht auf seine Wege zwingt; selbst die Wunder haben den Menschen nur eine Möglichkeit eröffnet, mehr nicht.

Das zweite, das mehr Namen hat als ich selbst – Schicksal, Bestimmung, Gesetz, Wyrd, die Nornen, Notwendigkeit, Brahma und zahllose andere – kannst du nicht anrufen, weil es nicht hört. Auch wirst du nicht begreifen, wie es gleichzeitig mit dem freien Willen, von dem ich gesprochen habe, bestehen kann, ebenso wenig wie daß es sowohl alte Götter als auch den neuen gibt. Aber damit der größere Zauber wirkt, mußt du darüber nachdenken, bis du ganz von dem Wissen durchdrungen bist, daß die Wahrheit so viele Gesichter hat, wie es Seelen gibt, die danach streben, sie zu erkennen.

Und die dritte Kraft ist etwas Sterbliches, und daher kann sie ebenso schaden wie nützen, und dies ist die Kraft, die du benutzen mußt.“

Nun schwor die Hexe einen bestimmten Eid und wurde unterrichtet, wo und wie sie das Wissen zu trinken habe, das sie benötigte, und damit endete die Besprechung.

Doch da war noch etwas: Als ihr Besucher die Hütte verließ und sie ihm nachsah, entdeckte sie, daß der, der ging, nicht der gleiche war wie vorher. Es war die Gestalt eines sehr großen Mannes, der mit jugendlicher Schnelligkeit ausschritt, obwohl sein Bart lang und wolfsgrau war. Er war ganz in einen Mantel eingehüllt und trug einen Speer, und es schien, daß unter seinem breitrandigen Hut nur ein Auge leuchtete. Sie dachte daran, wem ebenfalls nachgesagt wurde, daß er sehr schlau sei und oft hinterlistig und sich bei seinen Wanderungen auf der Erde gern verkleidet, und ein Schauder überlief sie.

Aber es konnte ja auch eine durch das Sternenlicht hervorgerufene Täuschung gewesen sein. Sie grübelte über diese Frage nicht länger nach, sondern richtete ihre Gedanken allein auf ihren Verlust und ihre zukünftige Rache.

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Das geborstene Schwert (1): Skaflocs Geburt und Jugend

Dies ist Poul Andersons allererster Roman, der 1954 erstmals veröffentlicht wurde und hier in der von ihm 1971 überarbeiteten Fassung, in der 1987 erschienenen deutschen Übersetzung von Rosemarie Hundertmarck vorliegt. Siehe dazu „Der Zauber des Nordens“: Einleitungen zu „Das geborstene Schwert“! (Das Titelbild wurde von mir eingefügt und zeigt das im Roskildefjord gefundene Wikingerschiff Skuldelev 2, dessen Nachbau „Havhingsten fra Glendalough“ [„Seehengst von Glendalough“] heute im Wikingerschiffsmuseum von Roskilde zu besichtigen ist.)

I

Es war ein Mann, Orm der Starke genannt, ein Sohn von Ketil Asmundssohn. Ketil war Freisasse im Norden von Jütland, und seine Sippe lebte dort schon seit Menschengedenken und besaß viel Land. Ketils Frau hieß Asgerd. Sie war das Kind einer Buhle von Ragnar Fellhose. Also war Orm von guter Herkunft, aber da er der fünfte lebende Sohn seines Vaters war, hatte er kein großes Erbteil zu erwarten.

Orm war ein Seefahrer und verbrachte die meisten Sommer auf Beutefahrt. Er war noch jung, als Ketil starb. Asmund, der älteste Bruder, übernahm den Hof. Das ging so lange, bis Orm in seinem zwanzigsten Winter zu ihm ging und sagte:

„Jetzt sitzt du seit einigen Jahren hier auf Himmerland und machst guten Gebrauch von dem, was dein ist. Wir übrigen wollen einen Anteil. Aber wenn wir den Boden in fünf teilen, ganz zu schweigen von dem Leibgedinge für unsere Schwestern, sinken wir zu Kleinbauern herab, und wenn wir tot sind, wird sich niemand mehr an uns erinnern.“

„Das ist wahr“, antwortete Asmund. „So arbeiten wir am besten zusammen.“

„Ich will nicht der fünfte Mann am Ruder sein“, sagte Orm, „und deshalb mache ich dir dies Angebot. Gib mir drei Schiffe mit Gut und Vorräten und an Waffen genug, um die, die mir folgen wollen, auszurüsten, und ich will mir eigenes Land suchen und den Anspruch auf das unseres Vaters aufgeben.“

Das hörte Asmund gern, besonders, da zwei der Brüder erklärten, sie wollten mit Orm gehen. Ehe es Frühling wurde, waren die Langschiffe bereit und ausgestattet, und viele der jüngeren und ärmeren Männer waren froh, mit Orm westwärts zu segeln. Beim ersten guten Wetter, als aber die See noch rauh war, führte Orm seine Schiffe aus dem Limfjord, und Asmund sah ihn niemals wieder.

Sie ruderten schnell nach Norden, bis die Moore und tiefen Wälder unter dem hohen Himmel von Himmerland hinter ihnen lagen. Als sie das Skagerrak umrundet hatten, bekamen sie guten Wind und konnten Segel setzen. Nun zeigten ihre Hintersteven auf ihr Heimatland, und da zogen sie am Bug die Drachenköpfe auf. Das Tauwerk ächzte, die Wellen schäumten, die Möwen schrien um die Rahnock. Frohen Herzens sang Orm:

Weißmähnige Rosse wiehern,
nach Westen sie eilen,
schnaubend und schäumend
schütteln sie sich.
Wild wie die Winde
des Winters
toben und trotzen sie,
tragen sie Lasten für mich.

Da er die Fahrt so früh angetreten hatte, erreichte er England vor den meisten anderen Wikingern und machte reiche Beute. Als der Sommer zu Ende ging, suchte er in Irland ein Winterquartier. Von dieser Zeit an blieb er für immer auf den westlichen Inseln. Die Sommer verbrachte er auf Beutefahrt und tauschte im Winter einiges von seinem Reichtum gegen weitere Schiffe ein.

Endlich jedoch wuchs in ihm der Wunsch nach einem eigenen Heim. Er schloß sich mit seiner kleinen Flotte der großen Guthorms an, den die Engländer Guthrum nannten. Er gewann viel, während er diesem Herrn an Land und zur See folgte, aber er verlor auch viel, als König Alfred den Tag bei Ethandun gewann. Orm und eine Anzahl seiner Männer gehörten zu denen, die sich durchschlugen. Später hörte er, daß Guthrum und den anderen eingeschlossenen Dänen ihr Leben dafür geschenkt worden war, daß sie die Taufe annahmen. Orm sah voraus, daß es irgendwann zwischen seinem Volk und dem Alfreds zum Frieden kommen würde. Dann konnte er in England nicht mehr so frei zugreifen, wie er es bisher getan hatte.

Daher steuerte er die Gegend an, die später Danelaw genannt wurde, und suchte nach einem Ort, wo er sich niederlassen konnte.

Er fand einen grünen, schönen Platz an einer kleinen Bucht, die als Hafen für seine Schiffe dienen konnte. Der Engländer, der dort wohnte, war ein reicher und ziemlich mächtiger Mann und wollte nicht verkaufen. Aber Orm kam des Nachts zurück, umstellte mit seinen Männern das Haus und verbrannte es. Der Eigentümer, seine Brüder und die meisten seiner Knechte fanden den Tod. Es hieß, die Mutter des Mannes, die eine Hexe war, kam davon – denn die Angreifer ließen alle Frauen, Kinder und Mägde, die es wünschten, aus dem Haus gehen – und sprach über Orm den Fluch, sein ältester Sohn solle außerhalb der Welt der Menschen aufwachsen, während Orm an seiner Stelle einen Wolf großziehen solle, der ihn eines Tages zerreißen werde.

Da schon viele Dänen in dieser Gegend lebten, wagte die Sippschaft des Engländers nichts anderes zu tun, als von Orm Wergeld und Landpreis anzunehmen, und damit gehörte der Hof nach dem Gesetz ihm. Er baute ein schönes neues Wohnhaus und andere Gebäude, und mit seinem Gold, seinen Gefolgsleuten und seinem Ruhm galt er bald als ein großer Häuptling.

Als er ein Jahr auf seinem Hof gesessen hatte, hielt er es für angebracht, sich eine Frau zu nehmen. Mit vielen Kriegern ritt er zu dem englischen Edelmann Athelstane und warb um dessen Tochter Älfrida, die als die schönste Jungfrau im Königreich galt.

Athelstane erging sich in Ausflüchten, aber Älfrida sagte Orm ins Gesicht: „Einen Heidenhund will ich nicht heiraten, und ich kann es auch nicht. Und wenn du mich mit Gewalt nimmst, wirst du wenig Freude daran haben – das schwöre ich.“

Sie war schlank und zart mit weichem, rötlichbraunem Haar und großen grauen Augen. Orm dagegen war ein großer, mächtiger Mann, dessen Haut von Wind und Wetter gerötet und dessen Mähne von der Sonne beinahe weißgebleicht war. Und doch hatte er irgendwie das Gefühl, sie sei die Stärkere. Nachdem er eine Weile nachgedacht hatte, antwortete er: „Jetzt, da ich in einem Land lebe, wo die Menschen den Weißen Christus verehren, wäre es wohl klug, wenn ich mit Ihm und mit Seinem Volk Frieden machte. Die Wahrheit ist, daß schon viele Dänen desgleichen getan haben. Ich werde mich taufen lassen, wenn du mich heiraten wirst, Älfrida.“

„Das ist kein Grund!“ rief sie.

„Bedenke“, sagte Orm schlau, „wenn du mich nicht heiratest, werde ich ein Heide bleiben, und dann ist meine Seele verloren, wenn wir den Priestern trauen können. Du wirst dich vor deinem Gott dafür verantworten müssen.“ Athelstane flüsterte er zu: „Außerdem werde ich dieses Haus niederbrennen und dich von den Klippen ins Meer werfen.“

„Aye, Tochter, wir dürfen es nicht zulassen, daß eine menschliche Seele verlorengeht“, erklärte Athelstane schnell.

Älfrida widersetzte sich nicht mehr lange, denn auf seine Art hatte Orm weder ein häßliches Aussehen noch schlechte Manieren. Abgesehen davon konnte Athelstanes Sippe einen so starken und reichen Verbündeten wohl brauchen. Also wurde Orm getauft, und bald danach heiratete er Älfrida und führte sie in sein Haus. Sie lebten recht zufrieden miteinander, wenn auch nicht immer friedlich.

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„Der Zauber des Nordens“: Einleitungen zu „Das geborstene Schwert“

Dies sind die Einleitungen und Vorwörter des amerikanischen Herausgebers Lin Carter, des deutschen Lektors Helmut Pesch und des Autors selbst zu Poul Andersons erstmals 1954 veröffentlichtem Roman „Das geborstene Schwert“ („The Broken Sword“) in der 1971 vom Autor überarbeiteten Fassung, die erstmals 1987 in dieser deutschen Übersetzung von Rosemarie Hundertmarck veröffentlicht wurde.

Einleitung von Lin Carter: „Der Zauber des Nordens“

Der englische Dichter W. H. Auden nannte es „the Northern thing“, jene seltsame Faszination, die von den Überlieferungen des altnordischen Kulturkreises und der Geschichte der skandinavischen Länder ausgeht. Dieser Zauber des Nordens hat auch die Phantasie vieler Autoren jener Art von Literatur beflügelt, die man heute „Fantasy“ nennt. Die Liste der Namen ist eindrucksvoll; sie reicht von William Morris, dem Begründer des Genres, über H. Rider Haggard und E. R. Eddison bis hin zu C. S. Lewis, Poul Anderson und natürlich J. R. R. Tolkien, dem Autor des „Herrn der Ringe“.

Der Zauber des Nordens ist nicht schwer zu erklären. Die skandinavischen Nationen – Island, Norwegen, Schweden, Dänemark, vielleicht noch Finnland – sind die Geburtsstätte einer der großartigsten Mythologien der Welt. Und Mythen haben nun einmal einen besonderen Reiz für Fantasy-Liebhaber. Darüber hinaus hat der Norden eine ganz eigene Literaturform hervorgebracht – die Saga.

Die besten und bedeutendsten Sagas wurden im 13. Jahrhundert in Island geschrieben, beziehen sich aber auf Ereignisse, die weit in die Vergangenheit zurückreichen. Sie lassen sich in drei größere Gruppen unterteilen; erstens die historischen Chroniken; zweitens die heroischen Sagas, große Abenteuererzählungen, die keine historische Genauigkeit beanspruchen; und drittens die Familienchroniken. Ein Beispiel der ersten Gruppe wäre die Heimskringla des Snorri Surluson; der zweiten die Saga von Grettir dem Starken; und der dritten die Laxdæla Saga, die dem heutigen Leser trotz ihres Alters fast wie ein moderner realistischer Roman erscheint.

Einige dieser Werke haben die Jahrhunderte seit ihrer Entstehung fast unbeschadet überstanden und sind im Deutschen wie im Englischen den Lesern in neuerer Zeit durch bedeutende Übersetzungen erneut nahegebracht worden.

William Morris selbst hat eine Reihe von skandinavischen Stoffen ins Englische übertragen. Dazu zählen allein zwei der fünf großen Íslendinga Sögur (wie sie genannt werden), die Eyrbryggja und die unsterbliche Grettla, die er in Zusammenarbeit mit dem Isländer Eiríkr Magnússon übersetzte. Für diese Aufgabe entwickelte Morris einen ganz eigenen, bewußt einfachen Sprachstil, der nicht nur Vorbild für spätere Saga-Übersetzungen, sondern auch für seine eigenen Fantasy-Werke wurde.

E. R. Eddison, der Autor jenes gewaltigen Buches „Der Wurm Ourobouros“, wagte sich an ein weiteres der fünf großen Meisterwerke, die Egla oder Egil’s Saga, und schuf damit eine der perfektesten und beeindruckendsten Übersetzungen aus dem Isländischen.

Im deutschen Sprachraum sei nur auf die Saga-Übersetzungen der „Sammlung Thule“ im Diederichs-Verlag verwiesen, die immer noch ungemein lesbar sind.

Professor Tolkien hat zwar keine der Sagas übersetzt, wenn er sich auch in seiner Arbeit an dem angelsächsischen Epos Beowulf eingehend mit den nordischen Quellen der altenglischen Überlieferung beschäftigte. Seine Kenntnisse der altnordischen Sprache wurden selbst von Fachkollegen bewundert. Seine Studie über das „Finnesburg“-Fragment, die 1983 posthum veröffentlicht wurde, beschäftigt sich eingehend mit den skandinavischen und germanischen Vorfahren der Angelsachsen und ihrem legendären Anführer Hengest, einem Vorfahren der Wikinger, der sein Volk im 5. Jahrhundert nach England brachte.

Tolkiens Sohn Christopher, der selbst Dozent in Oxford war, bevor er sich ganz dem Nachlaß seines Vaters widmete und als Herausgeber des „Silmarillion“ bekannt wurde, hat die Heidreks oder Hervarar Saga aus dem Isländischen übersetzt.

Auch das, was Poul Anderson in diesem Band geschaffen hat, steht unmittelbar in der großen Tradition jener Fantasy-Autoren, die dem Zauber des Nordens verfallen sind.

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Die ADL: In Blut geboren, Teil 4

Von Kevin Alfred Strom, übersetzt von Deep Roots. Das Original The ADL: Born in Blood, part 4 erschien am 17. November 2018 in Kevin Alfred Stroms Essays auf Basis einer Radiosendung von American Dissident Voices vom selben Datum.

Zuvor erschienen: Die ADL: In Blut geboren, Teil 1, Teil 2 und Teil 3.

Laut dem Washington Report on Middle East Affairs bot die ADL Geld, um Exekutivbeamte und Amtsträger zu korrumpieren und als Gegenleistung für illegal erhaltene persönliche Informationen, die hätten vernichtet werden sollen. Wie viele dieser korrupten Beamten wurden nie vor Gericht gestellt, und wie viele wurden während der „Bildungskonferenzen“ und Israelreisen rekrutiert, die für sie von der ADL-Abteilung für Kontakte zur Exekutive arrangiert wurden? Der Report stellt fest:

Nach COINTELPRO, einer immer noch umstrittenen FBI-Operation zur Destabilisierung von schwarz-nationalistischen und anderen Gruppen in den 1960ern und ‘70ern, wurde dem FBI und bundesstaatlichen und lokalen Polizeibehörden das Sammeln von Informationen über legitime politische Aktivitäten amerikanischer Bürger untersagt. Aber in einigen großen amerikanischen Städten fanden Akten der Exekutive mit Bezug zu legitimen und von der Verfassung geschützten politischen Aktivitäten, deren Vernichtung befohlen worden war, stattdessen in die Büros der ADL, die schnell zu einem Clearinghaus für solche illegal beschafften und illegal aufbewahrten Informationen wurde.

Die Abwesenheit des FBI, bundesstaatlicher und lokaler Polizeiermittler in dem Bereich schuf daher ein Vakuum, das die ADL sich zu füllen beeilte, indem sie ihre hauseigenen „fact-finding“-Agenten und Fähigkeiten erweiterte und verbesserte Arbeitsbeziehungen zu „offiziellen Freunden“ – Amtsträgern, Ermittlern und Geheimdienstoffizieren der Regierung – entwickelte. Manche davon waren die Beamten, die Akten mit illegal beschafftem Material nicht vernichtet hatten, oder private Kopien der offiziellen Akten hergestellt hatten, bevor sie in Befolgung der gerichtlichen Anordnung vernichtet wurden.

Die ADL begünstigte viele ihrer „offiziellen Freunde“ mit bezahlten Reisen nach Israel, wo sie sich mit freundlichen Offizieren von Israels Spionage- und Spionageabwehrorganisationen Mossad und Shin Bet trafen und von ihnen unterhalten wurden, womit ein bedeutender Kanal für den Fluß sensibler und nützlicher innenpolitischer Geheimdienstinformationen aus den USA zu Israels Spionagemeister in Tel Aviv geschaffen wurde.

Trotz ihrer offensichtlichen – und zugegebenen – Verbindungen zum Staat Israel und ihrer Agenda der Förderung von Israels politischen Zielen und der Gewinnung von Macht zur Erpressung oder sonstigen Einschüchterung vermeintlicher Feinde Israels hat die ADL sich nie als ausländischer Repräsentant registrieren müssen, wie es von anderen, viel harmloseren Organisationen verlangt worden ist.

Arnold Forster, rechts, mit Jithzhak Shamir.

Der ehemalige nationale Direktor der ADL, Benjamin Epstein, sprach in einem internen Brief, der 1970 während des Aufdeckungsverfahrens in einem Prozeß gegen die ADL enthüllt wurde, voller Stolz über die enge Kooperation, die zwischen der ADL und Israels Geheimdienstapparat existierte. In seiner Autobiographie von 1988 nannte der Justitiar der ADL, Arnold Forster, spezifisch den Mossad als in enger Verbindung mit der Liga befindlich. Der Mossad betreibt routinemäßig auf der ganzen Welt politische Mordanschläge an denjenigen, die für „Israels Feinde“ gehalten werden.

Mehr als nur spionieren?

Laut dem Ermittler William Norman Grigg tat Bullock (der letzte Woche erwähnte ADL-Geheimagent) viel mehr, als nur für seine ADL-Bosse zu spionieren: „1993 entdeckte man, daß Roy Bullock versucht hatte, eine politische Ehe zwischen dem Institute for Historical Review, einer geschichtsrevisionistischen Organisation, und dem American-Arab Anti-Discrimination Committee (AADC) zu arrangieren, damit die ADL [AADC-] Mitglieder als Neonazis ‚outen‘ konnte.“ [Solcherart ist die Mentalität der ADL-Führung: Wenn Sie die Richtigkeit selbst ihrer extremsten Propagandaaussagen in Frage stellen, dann sind Sie der „Extremist“.]

Aber es war nicht nur Bullock, und es ging nicht nur darum, Opfern eine Falle zwecks größerer und besserer Verleumdungen zu stellen. Ein agent provocateur der ADL hatte eine Rolle als Führer und Sprecher für Gruppen, auf die die ADL es abgesehen hatte – wobei er die ahnungslosen Radikalen zweifellos in Richtungen lenkte, die für die ADL-Agenda hilfreich und gegen ihre eigenen Interessen waren. Und er inszenierte auch völlig gefälschte „extremistische Vorfälle“, damit die Medien Ängste vor „Rassismus“ und „antisemitischer“ Gewalt schüren konnten.

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Monuments Men

Von Trevor Lynch (Greg Johnson), übersetzt von Deep Roots. Das Original The Monuments Men erschien am 11. Februar 2014 auf Counter-Currents Publishing/North American New Right.

Wenn die großen Meisterwerke des amerikanischen Kinos als Kriegsbeute nach Peking gebracht werden, wird Monuments Men nicht in Gefahr sein. Als ich hörte, daß der alternde Blödmann George Clooney der Regisseur und Co-Autor war und auch eine Hauptrolle spielte, war das alles, was ich wirklich wissen mußte.

Die Vorschauen waren „zu viel Information“: Ich erfuhr, daß in dem Film auch Matt Damon, Bill Murray, John Goodman, Cate Blanchett und Hugh Bonneville (besser bekannt als der Earl of Grantham) Hauptrollen spielen, was bedeutet: 1) zu viele Köche, 2) Mangel an Selbstvertrauen in das Drehbuch und 3) daß es irgendwo in dieser Wüste aus Auftrittszeiten und obersten Stellen auf den Plakaten als Entschädigung ein winziges Wasserloch des Prestiges oder numinoser Tugend geben muß, wo diese dickhäutergroßen Egos ihren Narzißmus stillen können.

Und wirklich, in Monuments Men geht es um Kunst, und es spielt während des Holocaust (man kann jetzt sicher schon die Heuchelei fallen lassen, es Zweiter Weltkrieg zu nennen), was bedeutet, daß es in den Vereinigten Staaten ein natürliches Publikum von, sagen wir, zehn Millionen Hörern von National Public Radio hat, wovon sechs Millionen Juden sind.

Das ist ein ziemlich kleines Publikum für einen 70-Millionen-Dollar-Film, besonders bei der scharfen Konkurrenz durch echte Programmkinofilme und den Holocaust-Film des Monats. Mit überwiegend negativen Rezensionen sieht Monuments Men nach einem Flop an den Kinokassen aus.

Monuments Men handelt von einer Gruppe alliierter Soldaten, die während des Zweiten Weltkriegs damit beauftragt werden, in Westeuropa Denkmäler zu schützen und Kunstschätze zu bewahren und zu bergen. In Wirklichkeit gab es 400 solcher Individuen, aber um der dramatischen Vereinfachung willen befaßt sich dieser Film nur mit sieben Monuments Men, plus einer Französin, gespielt von Cate Blanchett, die mit den Nazis kollaborierte, die uns aber versichert, daß sie insgeheim für die Résistance arbeitete – wie 40 Millionen anderer Franzosen. Jeder Kellner, der in das Essen eines Deutschen spuckte, war anscheinend ein Held der Résistance.

Sogar diese beschränkte Besetzung stellt sich jedoch als zu viel für Regisseur/Drehbuchautor Clooney heraus. Die Handlung von Monuments Men ist ein verwirrendes Durcheinander aus mehreren Handlungssträngen und Zeitsprüngen, das die meisten Kinogeher ratlos machen wird. Quentin Tarantino kann solche Handlungen durchziehen, aber Clooney nicht.

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Jüdische Sklaverei

Von Tanstaafl, übersetzt von Lucifex. Das Original Jew Slaving erschien am 24. Oktober 2018 auf Age of Treason.

Du wirst die Milch der Völker saugen und an der Brust von Königen trinken. – Jesaja 60,16

Das Folgende ist eine Antwort in Artikellänge auf einen aufschlußreichen Kommentar von High Arka betreffend Janitscharen, die entführten weißen Sklavensoldaten des dschihadisch/jewhadischen Joint Ventures, das allgemein als Osmanisches Reich bekannt ist. Die Juden sind tatsächlich welthistorische Versklaver mit einem Hang zur Versklavung von Weißen. Dies ist eine Widerspiegelung der im Wesentlichen parasitischen Natur der Beziehung zwischen den beiden Gruppen.

Unter den Osmanen waren von Juden versklavte weiße Frauen wahrscheinlich die häufigste Quelle für Mischlinge. Blond, Tall, with Honey-Colored Eyes: Jewish Ownership of Slaves in the Ottoman Empire:

Hunderte von hebräischen schriftlichen Quellen, Dutzende von offiziellen Erlassen, Gerichtsprotokollen (sijillat) und Berichte europäischer Reisender deuten darauf hin, daß Sklavenhaltung – besonders von Frauen slawischer Herkunft – in jüdischen Haushalten in den städtischen Zentren des Osmanischen Reiches vom sechzehnten bis zum neunzehnten Jahrhundert weitverbreitet war.

. . .

Die Dokumente betreffen fast ausschließlich weibliche Sklaven; ich fand nur einen Fall, der einen Mann betraf. Die Sklaverei scheint daher auf diejenigen begrenzt gewesen zu sein, die Haushaltsdienste von der Art leisten würden, die ausschließlich von Frauen ausgeführt werden, einschließlich sexueller Dienste. Dies hilft zu erklären, warum nahezu alle der Sklaven weiße Frauen waren, hauptsächlich von slawischer Herkunft, die bei osmanischen Feldzügen gefangengenommen worden waren, oder von ihren tatarischen Kollaborateuren in Osteuropa, mit nur wenigen von anderer Herkunft – tscherkessisch, kaukasisch, ungarisch und österreichisch. Schwarze Sklaven werden nicht erwähnt. Physische Beschreibungen von Sklavinnen enthalten Bemerkungen über blondes Haar und hellfarbige Augen, obwohl dies möglicherweise einfach die allgemeinen Merkmale der gefangenen und versklavten Frauen widerspiegelt; männliche Präferenz sollte jedoch nicht ausgeschlossen werden.

Nichtjuden war es verboten, Sklaven zu besitzen, aber Juden taten es trotzdem – ein empirischer Hinweis auf ihre Macht und ihre Privilegien. Damals wie heute spielen dokumentierte Berichte die jüdische Rolle herunter, wenn sie die Schuld nicht gänzlich den Moslems zuschieben, die vorgeblich regierten.

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Leben in alten Zeiten: Der Quartierer

Ausspeisung mit der Armensuppe. Gemälde von Albert Anker (1831-1910).

Von Gertraud Steiner, aus „Servus in Stadt & Land“ 11-2017.

Er war meist zerlumpt wie ein Bettler. Aber er besaß einen Heimatschein, ein Armutszeugnis oder Dienstbotenbüchl – und damit das Anrecht auf das täglich Brot und ein Dach über dem Kopf.

Das Mittelalter hatte die Armut noch als gottgefällig angesehen. Kein Reicher sollte in den Himmel kommen, der nicht für Arme und Kranke gesorgt hatte. Spitäler, Stiftungen, Bruderhäuser und Bruderschaften wurden geschaffen, um das menschliche Leid zu lindern. Doch Kriege, Naturgewalten, Brände und Hungerjahre ließen das Heer der Besitzlosen und Elenden immer mehr anwachsen.

Mit der Regierungszeit Maria Theresias und ihres Sohnes Joseph II. nahm sich erstmals der Staat der sozialen Frage an. Man wollte die menschenunwürdige Bettelei, wie es hieß, abschaffen und sparte dafür nicht mit Gewalt und Strafen. Arbeitshäuser, Waisenhäuser und Zuchthäuser wurden zu neuen Errungenschaften.

VAGABUNDEN DROHTEN PRÜGEL

Nicht Mitgefühl und Glaube, sondern Vernunft und Sachlichkeit sollten die Armut besiegen. Das Vermögen der frommen Bruderschaften, einer Vorform der Sozialversicherung, wurde vom Staat eingezogen und an die neu gegründeten Armenfonds und Armeninstitute vergeben, die Armenväter und Armenvögte als Vorstand hatten.

In der Regel blieb diese Rolle dem Pfarrer, der nun zusammen mit der Gemeinde darauf schaute, dass vor allem Waisenkinder und arbeitsunfähige Alte ein Obdach und Verpflegung erhielten. Ein notdürftig uniformiertes Wachorgan fungierte als Armenpolizei, die Vagabunden mit Haft, Prügelstrafe und Abschiebung bedrohte.

Seit dem Heimatrechtsgesetz von 1863, das die Armenpflege zu einer Aufgabe der Gemeinden machte, wurde zäh um die Versorgung der Armen gefeilscht.

Einige Fürsorge durften sich Dienstboten erwarten, die auf dem Hof alt oder krank geworden waren. Die Altersrente für Landarbeiter hingegen wurde erst 1957 verwirklicht. Davor bewahrte sie nur die Familie oder das sogenannte „Einlagesystem“ vor der Obdachlosigkeit: Die Gemeinden wiesen den Unversorgten auf Zeit ein Quartier zu, daher der Name Quartierer oder Einleger.

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Der tote Raumfahrer – Teil 5

Von James Patrick Hogan. Das Original „Inherit the Stars“ wurde 1977 veröffentlicht, die deutsche Fassung (übersetzt von Andreas Brandhorst) erschien 1981 im Moewig-Verlag (ISBN 3-8118-3538-6) und war lange nur noch in Gebrauchtexemplaren über Amazon erhältlich. Inzwischen gibt es wieder eine überarbeitete Neuauflage unter dem Titel Das Erbe der Sterne, die seit 30. Dezember 2016 erhältlich ist. (Bilder von mir eingefügt; Titelbild aus der Manga-Version zu „Inherit the Stars“ [Abschnitt Inherit the Stars 5 – Jupiter-5].)

Letzter Teil; zuvor erschienen: Der tote Raumfahrer – Teil 1, Teil 2, Teil 3 und Teil 4

20

Die riesigen Schiffe, die im Zuge des fünften bemannten Unternehmens zum Jupiter fliegen würden, waren in über einem Jahr in der Mondumlaufbahn gebaut worden. Außer dem Leitschiff waren hoch über der Mondoberfläche allmählich sechs Frachter entstanden, von denen jeder in der Lage war, dreißigtausend Tonnen an Versorgungs- und Ausrüstungsgütern zu transportieren. Während der letzten zwei Monate vor dem geplanten Starttermin war das wie Weihnachtsbaumlametta wirkende dahintreibende Durcheinander aus Maschinen, Werkzeugen, Containern, Fahrzeugen, Tanks, Kisten, Zylindern und den tausend anderen Posten zusammengestellten Gerätschaften langsam im Innern der Schiffe verschwunden. Die Wega-Fähren, Fernraumkreuzer und anderen Schiffe, die ebenfalls für dieses Projekt vorgesehen waren, wurden im Verlaufe mehrerer Wochen von ihren jeweiligen Mutterschiffen aufgenommen. Während der letzten Wochen lösten sich die Frachter in regelmäßigen Abständen aus der Mondumlaufbahn und setzten Kurs auf Jupiter. Als die Passagiere und letzten Besatzungsmitglieder von der Mondoberfläche hinaufgebracht wurden, war nur noch das Leitschiff übrig; einsam und verlassen schwebte es in der Leere. Mit dem Näherrücken der Stunde Null zog sich die Schar von Wartungsschiffen und Begleitsatelliten zurück. Ein paar Kilometer entfernt verdichtete sich ein Pulk aus Geleitschiffen, und ihre Kameras übertrugen die Bilder via Luna in das Welt-Nachrichtennetz der Erde.

Als die letzten Minuten heranrückten, zeigten Millionen Bildschirme einen eindrucksvollen, fast zwei Kilometer langen Schatten, der sich fast unmerklich über dem Sternenhintergrund bewegte. Die Stille dieses Schauspiels schien irgendwie die unvorstellbare Kraft anzukündigen, die entfesselt werden sollte. Genau nach Zeitplan beendeten die Flugkontrollcomputer die letzte Endcountdown-Überprüfung, erhielten vom Hauptprozessor der Bodenkontrolle eine „Grün“-Bestätigung und aktivierten die thermonuklearen Haupttriebwerke. Sie flammten in einem Blitz auf, der selbst von der Erde aus zu sehen war.

Das Jupiter-Fünf-Unternehmen hatte begonnen.

In den nächsten fünfzehn Minuten gewann das Schiff an Geschwindigkeit und schraubte sich immer höher hinauf. Dann schüttelte es mit müheloser Leichtigkeit die restlichen Gravitationsfesseln des Mondes ab. Jupiter-Fünf setzte dazu an, die Flotte der Frachter, die zu diesem Zeitpunkt bereits eine sich über Millionen Kilometer hinziehende Reihe bildete, einzuholen und sich ihr hinzuzugesellen. Nach einer Weile kehrten die Geleitschiffe zum Mond zurück, und die Bildschirme auf der Erde zeigten einen stetig blasser werdenden Lichtpunkt, der von den Orbitalteleskopen eingefangen wurde. Bald war auch der verschwunden, und nur noch die Fernortungen und Lasertaster blieben übrig, um den elektronischen Datenaustausch über den sich vergrößernden Ozean aus Leere fortzusetzen.

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Der tote Raumfahrer – Teil 4

Von James Patrick Hogan. Das Original „Inherit the Stars“ wurde 1977 veröffentlicht, die deutsche Fassung (übersetzt von Andreas Brandhorst) erschien 1981 im Moewig-Verlag (ISBN 3-8118-3538-6) und war lange nur noch in Gebrauchtexemplaren über Amazon erhältlich. Inzwischen gibt es wieder eine überarbeitete Neuauflage unter dem Titel Das Erbe der Sterne, die seit 30. Dezember 2016 erhältlich ist.

Zuvor erschienen: Der tote Raumfahrer – Teil 1, Teil 2 und Teil 3

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Caldwell trat einen Schritt näher heran, um das knapp drei Meter große Plastikmodell eingehender zu betrachten, das im Zentrum eines der Laboratorien des Biologischen Instituts von Westwood stand. Danchekker gab ihm reichlich Zeit, die Details in Augenschein zu nehmen, bevor er fortfuhr.

„Eine lebensgroße Kopie eines Ganymederskeletts“, sagte er. „Aufgrund der von Jupiter hierher übermittelten Daten konstruiert. Die erste unbestreitbar fremde intelligente Lebensform, die jemals von Menschen untersucht werden konnte.“ Caldwell sah zu dem in die Höhe ragenden Knochengerüst auf und schürzte in einem lautlosen Pfiff die Lippen.

Hunt rührte sich nicht und ließ in sprachloser Faszination seinen Blick über die ganze Größe des Modells auf und ab gleiten.

„Diese Körperstruktur ist in keiner Weise mit der irgendeiner noch existierenden oder ausgestorbenen Lebensform verwandt, die auf der Erde jemals untersucht wurde“, informierte sie Danchekker. Er zeigte auf das Modell. „Sie basiert auf einem inneren, aus Knochen bestehenden Skelett. Wie Sie sehen können, bewegte sich das Wesen aufrecht wie ein Zweifüßler, und der Kopf befand sich oben auf dem Rumpf. Aber abgesehen von solchen äußerlichen Ähnlichkeiten: Es entstammt zweifelsfrei einer völlig fremden Evolution. Nehmen Sie den Kopf als ein deutliches Beispiel. Die Gliederung des Schädels kann in keiner Weise mit der irgendeines bekannten Wirbeltieres in Übereinstimmung gebracht werden. Das Gesicht ist nicht wie bei uns in den unteren Schädelteil zurückgewichen, sondern nach wie vor eine lange, nach unten deutende Schnauze, die sich oben erweitert, um breite Zwischenräume für Augen und Ohren zu schaffen. Ferner hat sich der Hinterkopf vergrößert, um, wie beim Menschen, ein sich entwickelndes Hirn unterzubringen. Aber anstatt eine abgerundete Form anzunehmen, wölbt er sich über den Hals hinweg, um ein Gegengewicht zum hervorstehenden Gesicht und Kinn zu bilden. Und sehen Sie sich die Öffnung im Schädel an, mitten auf der Stirn. Ich glaube, hier könnte ein Wahrnehmungsorgan untergebracht gewesen sein, das wir nicht besitzen – möglicherweise in Infrarotdetektor, der von einem nachtaktiven, fleischfressenden Vorfahren geerbt wurde.“

Hunt trat bis an die Seite Caldwells vor und betrachtete eingehend die Schultern. „Die haben ebenfalls mit nichts Ähnlichkeit, was ich jemals gesehen habe“, kommentierte er. „Sie bestehen aus… einer Art sich überlappender Knochenplatten. Ganz und gar nicht wie unsere.“

„Eben“, bestätigte Danchekker. „Wahrscheinlich die Überbleibsel der Körperpanzerung eines Vorfahren. Und der Rest des Rumpfes ist ebenfalls völlig fremdartig. Zwar existiert, wie Sie sehen können, ein Rückgrat mit einer unterhalb der Schulterplatten gelegenen Rippengliederung. Aber die unterste Rippe – unmittelbar über der Bauchhöhle – hat sich zu einem massiven Knochenreifen mit diametralen Streben entwickelt, die aus einem vergrößerten Rückgratwirbel entspringen. Nun, beachten Sie die an den Seiten des Ringes gelegenen zwei Gruppen kleinerer, miteinander verbundener Knochen…“

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Der tote Raumfahrer – Teil 3

Von James Patrick Hogan. Das Original „Inherit the Stars“ wurde 1977 veröffentlicht, die deutsche Fassung (übersetzt von Andreas Brandhorst) erschien 1981 im Moewig-Verlag (ISBN 3-8118-3538-6) und war lange nur noch in Gebrauchtexemplaren über Amazon erhältlich. Inzwischen gibt es wieder eine überarbeitete Neuauflage unter dem Titel Das Erbe der Sterne, die seit 30. Dezember 2016 erhältlich ist.

Zuvor erschienen: Der tote Raumfahrer – Teil 1 und Teil 2

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Die Dienste der Sonderauftragsgruppe L wurden sofort in Anspruch genommen, als die neue Abteilung offiziell eingerichtet wurde, und innerhalb der folgenden Wochen nahm die Arbeitsbelastung rapide zu. Gegen Ende des Monats war Hunt mit Anträgen und Anfragen regelrecht überhäuft und gezwungen, mehr Mitarbeiter anzufordern, als er zuerst vorgehabt hatte. Ursprünglich war es sein Plan gewesen, eine Zeitlang mit einer Stammannschaft zurechtzukommen. Zumindest so lange, bis er eine Vorstellung davon hatte wie viele Mitarbeiter er benötigte. Als Caldwell zum ersten Mal von der Gründung einer neuen Sektion sprach, hatte es ein oder zwei Fälle von Eifersucht und Verstimmung gegeben. Aber schließlich setzte sich die Einschätzung durch, daß Hunt einige überlegenswerte Ideen eingebracht hatte und es deshalb nur vernünftig sei, ihn auf Dauer zum Projekt hinzuzuziehen. Nach einer Weile mußten selbst die Opponenten widerwillig einräumen, daß mit der Hilfe der Gruppe L die Dinge glatter liefen. Einige vollführten schließlich eine völlige Kehrtwendung und wurden zu enthusiastischen Befürwortern dieser neuen Einrichtung, als sie zu begreifen begannen, daß die Kommunikationskanäle zu Hunts Leuten auch in der anderen Richtung funktionierten und daß für jedes Informationsbit, das sie in diese Kanäle einspeisten, zehn aus der anderen Richtung zurückkamen. Als Caldwells Koordinierungsmaschine auf diese Weise geschmiert wurde und sich als produktiv erwies, wurde sie auf volle Touren gebracht, und plötzlich begannen sich die Mosaiksteinchen zusammenzufügen.

Die Mathematik beschäftigte sich noch immer mit den Gleichungen und Tabellen, die man in den Büchern gefunden hatte. Da mathematische Beziehungen völlig unabhängig von den Zeichen waren, mit denen man sie ausdrückte, gestaltete sich ihre Interpretation weitaus weniger willkürlich als die Decodierung der lunarischen Sprache. Durch die Entdeckung der Maßeinheitumrechnungstabellen waren die Mathematiker angespornt worden. Sie richteten ihre Aufmerksamkeit auf die anderen Tabellen desselben Buches und stießen bald auf eine, die eine Reihe von gewöhnlichen physikalischen und mathematischen Konstanten auflistete. Kurz darauf machten sie pi und e, die Basis der natürlichen Logarithmen, und noch ein oder zwei andere Konstanten ausfindig. Allerdings verstanden sie noch immer nicht genug von dem System der Maßgrundeinheiten, um die Mehrzahl von ihnen zu berechnen.

Als die Kartographen schlüssige Beweise für die Einheiten der Kreiseinteilung erbracht hatten, konnten andere Tabellen schnell als Beschreibungen einfacher, trigonometrischer Funktionen erkannt werden. Die Überschriften der Spalten dieser Tabellen bestanden aus den lunarischen Symbolen für Sinus, Kosinus, Tangens und so weiter. Sobald diese bekannt waren, ergaben mathematische Zeichen an anderen Stellen mehr Sinn; einige von ihnen erwiesen sich rasch als Definitionen bekannter trigonometrischer Beziehungen. Diese wiederum halfen, die Zeichen zu finden, die die Grundrechnungsarten und die Exponentialrechnung benannten, was zur Identifikation der Gleichungen führte, die mathematischer Ausdruck für die Gesetze der Gravitation waren. Niemand war überrascht, als diese Gleichungen offenbarten, daß die lunarischen Wissenschaftler die gleichen Gesetze abgeleitet hatte wie auch Newton. Die Mathematiker stießen dann zu Tabellen vor, die die ersten grundlegenden Integrale und Standardgleichungen einfacher Differentialrechnung beinhalteten. Auf anderen Seiten fanden sie Ausdrücke, von denen sie annahmen, daß sie die Gesetze der Resonanz und gedämpften Oszillation beschrieben. Hier führte die Ungewißheit über die Maßeinheiten erneut zu einem Problem: Ausdrücke von dieser Art würden in einer Standardform gehalten sein, die gleichwohl für elektrische, mechanische, thermische oder viele andere physikalische Erscheinungen zutreffen konnten. Bis sie nichts Genaueres über das lunarische Maßsystem wußten, konnten sie nicht absolut sicher sein, was diese Gleichungen bedeuteten, selbst dann nicht, wenn sie sie mathematisch interpretieren konnten.

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