Hört die Signale: Zwangskollektivierung, Kulakenvernichtung, Holodomor

Die Bauern in der Ukraine reagieren auf die Zwangskollektivierung mit einem Anbaustreik. Stalin bestraft sie mit einer Hungerblockade: Alle vorhandenen Lebensmittel werden requiriert, und den Menschen wird gleichzeitig verboten, das Land zu verlassen, um etwa in die Städte zu ziehen. Die Folge ist eine Hungersnot, der Anfang der dreißiger Jahre schätzungsweise 10 Millionen Menschen zum Opfer gefallen sind. Die Menschen brachen auf der Straße zusammen und starben vor Hunger.

Von Hugo Portisch; Auszug aus seinem Buch „Hört die Signale: Aufstieg und Fall des Sowjetkommunismus“ (Verlag Kremayr & Scheriau, Wien 1991; Bestellnummer 01990 1), entstanden in Zusammenarbeit mit dem ORF als Ergänzung zu dessen Fernsehdokumentation „Hört die Signale“.

Die Zwangskollektivierung

Als hätte Trotzki den Text geschrieben: Das ZK-Plenum bezeichnet die Splitterung der Landwirtschaft als die Hauptursache für die unzureichende Getreideproduktion. Für den im Fünfjahresplan vorgesehenen raschen Aufbau einer eigenen sowjetischen Großindustrie müßten bedeutend mehr Devisen aufgebracht werden, als dies mit den gegenwärtigen Getreideexporten möglich sei. Will man die Getreideproduktion steigern, müsse man in der Landwirtschaft von der Bauernwirtschaft zur Großproduktion übergehen. Die Einzelbauern sollten sich – freiwillig – zu Kollektivwirtschaften zusammenschließen, zu Kolchosen, in die die Bauern auch ihr persönliches Eigentum, ihre Geräte und ihren Viehbestand einzubringen hätten. Die Felder würden zu großen Anbauflächen zusammengefaßt, die sich für den Einsatz mit Traktoren und Mähmaschinen eignen würden. Zentrale Maschinen- und Traktorenstationen würden den Kolchosen diese Geräte zur Verfügung stellen.

Unausgesprochenes Vorbild für die Anbaumethoden sind die Großfarmen in den USA: mit verhältnismäßig geringem Personalaufwand werden dort durch intensiven Maschineneinsatz große Ernteerträge erzielt. Das müßte auch in der Sowjetunion zu erreichen sein.

Das Konzept ist einleuchtend. Selbst die Bestimmungen zu seiner Verwirklichung scheinen erträglich: Nur Bauern, die das freiwillig tun, sich also von der Zielsetzung motivieren lassen, sollen in Kolchosen zusammengeschlossen werden. Doch die Praxis sieht wieder einmal ganz anders aus. Die Kollektivierung wird mit einem Schlag Bestandteil der Ideologie, und damit ist kaum noch Freiwilligkeit zugelassen. Parteiaktivisten, Komsomolzen und selbst Rotarmisten werden eingesetzt, um in einer Propagandakampagne größten Ausmaßes die Bauern in die Kollektivierung zu treiben. In den Dörfern werden Propagandareden gehalten, werden Versprechen abgegeben, wird eine helle, reiche Zukunft für alle geschildert.

Wer dennoch nicht bereit ist, sein Stück Land aufzugeben und mit seinem Besitz in die Kolchose einzuziehen, der wird zunächst beschimpft, dann bedroht und schließlich vor die Wahl gestellt, für die Kolchose zu unterschreiben oder das Dorf zu verlassen. Von Freiwilligkeit ist nicht mehr die Rede. Bald geht man einen Schritt weiter. Die größeren Bauern – nach mittel- und westeuropäischen Begriffen sind es Kleinstproduzenten – werden beschuldigt, sich auf Kosten der Allgemeinheit bereichert zu haben. Sie, die mit ihrem Fleiß und ihrer Produktion das Rückgrat der Neuen Ökonomischen Politik gebildet haben, werden nun wieder als Klassenfeinde eingestuft. Als solche dürfen diese Kulaken nicht einmal mehr den Kolchosen beitreten, sie werden entschädigungslos enteignet. Auch ihr gesamter privater Besitz wird ihnen weggenommen, meist werden sie unter Anleitung der Parteifunktionäre von den übrigen Dorfbewohnern geplündert. Unter der Anschuldigung, dem Staat Steuern entzogen zu haben, werden die Kulaken festgenommen und zu Hunderttausenden in die Zwangsarbeitslager deportiert. Die meisten von ihnen haben nicht überlebt.

Wer der Kolchose nicht beitritt, muß das Dorf verlassen. Vieh und Werkzeuge müssen zurückbleiben. Arme Bauern dürfen ihre Habseligkeiten mitnehmen. In den Dörfern kommt es zu harten Auseinandersetzungen der Bauern mit den Kommissaren.

Man schätzt, daß im Zuge der Zwangskollektivierung rund neun Millionen Menschen ausgerottet worden sind. Doch selbst die Bauern, die – freiwillig oder unfreiwillig – in die Kolchosen gegangen sind, werden dort einem sehr strengen, der Zwangsarbeit gleichenden Regime unterworfen. Für sie gilt nun, was für die Arbeiter in den Fabriken längst eingeführt ist: fest vorgeschriebene Arbeitszeiten und Arbeitsnormen; jedes Zuspätkommen zur Arbeit wird bestraft, unentschuldigtes Fernbleiben von der Arbeit gilt als Sabotage und daher als konterrevolutionäres Verbrechen. Die Kolchosen sind verpflichtet, ihre gesamte Produktion dem Staat abzuliefern, erst danach erfolgen die Zuteilungen für den Eigenbedarf. Kommt man dieser totalen Ablieferungspflicht nicht nach, gilt das als Diebstahl von Staatseigentum, darauf steht Gefängnis und sogar die Todesstrafe.

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Das „Schwarzbuch des Kommunismus“ über den Holodomor in der Ukraine

Lasar Kaganowitsch, jüdischer Volkskommissar der Sowjetunion und einer der Hauptbetreiber des Holodomor (Bild nicht aus dem „Schwarzbuch“).

Aus „Das Schwarzbuch des Kommunismus: Unterdrückung, Verbrechen und Terror“ von Stéphane Courtois und Co-Autoren, deutsche Ausgabe 1999, ISBN 3-492,-04176-0; hier zitierter Abschnitt: „Die Große Hungersnot“, S. 178 – 188. Die Bilder im Text stammen aus dem Buch.

Die Große Hungersnot

Zu den „weißen Flecken“ der sowjetischen Geschichte zählte lange Zeit die große Hungersnot von 1932/33, die nach heute allgemein anerkannten Quellen mehr als sechs Millionen Opfer forderte.222 Diese Katastrophe ist jedoch nicht vergleichbar mit den anderen Hungersnöten, die das zaristische Rußland in regelmäßigen Abständen heimsuchten. Denn sie war eine direkte Folge des neuen „militär-feudalistischen“ Wirtschaftssystems der Bauernschaft – so der Ausdruck des bolschewistischen Funktionärs und Stalingegners Nikolai Bucharin -, das während der Zwangskollektivierung aufgebaut worden war, und verdeutlichte auf tragische Weise den ungeheuren sozialen Rückschritt, der mit dem Angriff der sowjetischen Macht auf die Bauern Ende der zwanziger Jahre einherging.

Im Gegensatz zur Hungersnot von 1921/22, welche die sowjetischen Behörden nicht zuletzt durch ihre Appelle an die internationalen Hilfsorganisationen zugegeben hatten, war die von 1932/33 vom Regime immer geleugnet, und die wenigen Stimmen, die im Ausland die Aufmerksamkeit auf diese Tragödie lenkten, mit starker Propaganda übertönt worden. Aufgebauschte „Berichte“ haben dabei noch beträchtlich geholfen, so etwa der des französischen Abgeordneten Édouard Herriot, des Führers der Radikalen, der im Sommer 1933 auf einer Reise in die Ukraine von den vielen Gemüsegärten der Kolchosen schwärmte, alle „wunderbar bewässert und gepflegt“, und von den „wirklich bewundernswerten Ernten“. Daraus folgerte er mit unumstößlicher Überzeugung: „Ich habe die Ukraine durchquert und kann nur bestätigen, daß ich sie wie einen Garten mit vollem Ertrag erlebt habe.“223 Diese Verblendung ist zum einen auf die gigantische Inszenierung der GPU zurückzuführen, die für die ausländischen Gäste eine Reiseroute voller Musterkolchosen und vorbildlicher Kindergärten ausgearbeitet hatte. Für diese Verblendung gab es aber auch politische Gründe: besonders die damalige französische Regierung war mit Blick auf das mit der Machtübernahme Adolf Hitlers bedrohlicher gewordene Deutschland darauf bedacht, den sich abzeichnenden Annäherungsprozeß mit der Sowjetunion nicht zu stören.

Eine Folge des Bürgerkrieges und der bolschewistischen Agrarpolitik: An der Wolga wütet eine schreckliche Hungersnot, die zwischen 1921 und 1922 fünf Millionen Menschen das Leben kostet – die ersten Opfer sind die Kinder.

Trotzdem hatten vor allem in Deutschland und Italien eine ganze Reihe maßgeblicher Politiker erstaunlich genaue Kenntnisse von der Hungersnot der Jahre 1932 und 1933. Die kürzlich von dem italienischen Historiker Andrea Graziosi224 entdeckten und veröffentlichten Berichte der in Charkow, Odessa und Noworossisk diensttuenden italienischen Diplomaten bewiesen, daß Mussolini, der diese Texte sorgfältig las, über die Situation genau im Bilde war, auch wenn er es für seine antikommunistische Propaganda nicht ausnützte. Im Gegenteil, im Sommer 1933 kam es zunächst zum Abschluß eines italienisch-sowjetischen Handelsvertrags, dem später noch ein Freundschafts- und Nichtangriffspakt folgte. Geleugnet oder der Staatsräson geopfert, setzte sich die Wahrheit über die Hungersnot, obwohl sie in einigen auflagenschwachen Publikationen von im Ausland sitzenden ukrainischen Organisationen zur Sprache gekommen war, erst ab der zweiten Hälfte der achtziger Jahre allmählich durch, als Folge einer Reihe von veröffentlichten Arbeiten und Forschungsberichten sowohl von westlichen Historikern als auch von Forschern der ehemaligen Sowjetunion.

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Die Feinde zerschmettern wie ein Hammer – die jüdische Sowjetunion

Dies ist ein Ausschnitt aus Juri Linas Buch Under the Sign of the Scorpion, welches im englischen Original hier als PDF erhältlich ist. Übersetzung durch Sternbald, von dem auch der für den Ausschnitt gewählte Titel stammt. Ursprünglich veröffentlicht auf „As der Schwerter“.

Alle hören auf ein Kommando

Die gesamte Gesellschaft wurde nun vom Bösen durchdrungen, und die Macht wurde noch stärker zentralisiert als zur Zeit der Jakobiner in Frankreich. Trotzki wollte militarisierte Sklaven als Untertanen. Alle Formen des Bettelns wurden verboten, genauso wie es in der Pariser Kommune am 16. April 1871 per Dekret erlassen worden war; auf Zuwiderhandeln stand der Tod. Das Bürgertum wurde gezwungen, die Straßen zu kehren und Schnee zu schaufeln; seine Kinder wurden von der höheren Schulbildung ausgeschlossen. Lenins Anweisung, dass die Universitäten vor allem denen offenstehen sollten, die nicht nach höherem Wissen strebten, sondern ein Diplom in der Hand halten wollten, wurde ebenfalls umgesetzt. Bereits die frühen Taoisten wussten: „Je mehr die Menschen wissen, desto schwieriger sind sie zu kontrollieren.“

1918 belegte der orthodoxe Patriarch Tikhon das Sowjetregime mit einem Bann und erklärte es als Werkzeug des Antichristen. Er protestierte vehement, als die Bolschewiken begannen, das Eigentum der Kirche zu konfiszieren. Die GPU [Anm. d. Übers.: Vorläufer des KGB] ermordete ihn im Mai 1922. Die kommunistische Terrorherrschaft war grenzenlos; im Namen der Macht wurden alle vorstellbaren Abscheulichkeiten begangen. Moses Uritzki (eigentlich Boretzki) wurde Chef der Tscheka in Petersburg. Durch sein außerordentlich brutales Vorgehen erwarb er sich den Spitznamen „Schlächter von Petersburg“. Er hatte mit der Hilfe von Seeleuten und deutschen Soldaten im Januar 1918 das Parlament aufgelöst.

Obwohl die jüdischen „Revolutionäre“ und Henker es vorzogen, unter Decknamen zu leben, fanden die gewöhnlichen Russen bald heraus, wer ihr Land mit eiserner Hand regierte. Die jüdischen Parteien „Bund“ und „Po’alei Zion“ blieben unbehelligt, als 1920 alle anderen Parteien verboten wurden. Im Dezember 1928 fusionierten sie mit der Kommunistischen Partei. Nicht eine einzige Synagoge wurde wie die Kirchen zerstört oder in öffentliche Toiletten oder Lagerhäuser umgewandelt. Nicht ein einziger Rabbi wurde gekreuzigt. Während 1922 viele Kirchen in Moskau abgerissen wurden, entstand eine neue Synagoge mit Platz für zweitausend Menschen. Insgesamt wurden 60 000 Kirchen zerstört. Die jüdischen Henker pflegten „Lang lebe der rote Terror! Tod der Bourgeoisie“ zu rufen. Arbeitsdienst wurde eingeführt, und Landstreicher wurden an Ort und Stelle erschossen. Die Times gestand am 18. September 1920: „Das Sowjetregime gründet auf jüdischen Gehirnen, lettischen [d.h. deutschen] und chinesischen Bajonetten und der fürchterlichen russischen Unwissenheit“. 1922 publizierte Victor Marsden, der Korrespondent der britischen Morning Post, die Namen aller 545 Mitarbeiter der zivilen Regierungsbehörde: 477 unter ihnen waren Juden und nur 30 Russen (5,5 %). 1920 arbeiteten bereits eine halbe Millionen Juden in der Sowjetischen Partei, im Staatsapparat, in verschiedenen Institutionen, als Unternehmensführer und in allen möglichen anderen Feldern im Bereich des Sowjetregimes. Viele von ihnen waren eingewandert, v.a. aus Polen und Litauen (vgl. The Book of Russian Judaism, New York: 1968, S. 137). Die wichtigsten Diplomaten der Sowjetunion waren ebenfalls Juden. Auch in der ersten sowjetischen Auslandsvertretung in Stockholm wirkten jüdische Funktionäre, beispielsweise Aaron Zimmermann.

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Das Scheitern des Multikulturalismus in der polnischen Ukraine

Mykola Pymonenko – In den Krieg!

Von Thomas Jones, übersetzt von Deep Roots. Das Original The Failure of Multiculturalism in Polish Ukraine erschien am 26. Februar 2017 auf „The Occidental Observer“.

Uns wird heute oft gesagt, daß der Multikulturalismus, das heißt, ein Staat, der aus einer Vielfalt von Völkern besteht, eine große Stärke sei. Nein, es ist in Wirklichkeit unsere größte Stärke! Irgendwelche Besorgnisse oder Kritiken zu äußern, egal wie mild, wird als Sakrileg gesehen.

Jedoch ist das Gegenteil wahr, und die ganze Geschichte hindurch gab es viele Beispiele für vielfältige und multikulturelle Gesellschaften, die in Zwietracht und Hader verfielen. Der Fokus dieses Artikels wird auf einem Ort liegen, der im Nachhinein für seinen Liberalismus und seine Toleranz gepriesen worden ist: Polen-Litauen.

Polen-Litauen entstand nach dem Vertrag von Lublin von 1569, als das Königreich Polen und das Großfürstentum Litauen vereinigt und zu einem Land gemacht wurden. Davor waren die beiden in der Union von Krewo von 1385 in einer Personalunion unter dem herrschenden litauischen Monarchen verbunden. Vor 1569 war das Gebiet, das jetzt Weißrußland und ein Großteil der Ukraine ist [1], ebenfalls Teil des Großfürstentums, das zu der Zeit das größte europäische Land war. Gemäß dem Vertrag von 1569 wurde jedoch die Ukraine an Polen übergeben, womit die Bühne für eine gewalttätige Zukunft des ethnischen Konflikts bereitet wurde.

Der polnische Adel, die Szlachta, war an ein hohes Maß an Autonomie gewöhnt, die nur noch größer wurde, nachdem die alte litauische Jagiellonendynastie ausstarb. Danach wurde die Monarchie gewählt und wurde zunehmend den Adeligen untergeordnet. Die Szlachta, das sollte festgehalten werden, war ethnisch nicht zur Gänze polnisch. Es gehörten schließlich litauische, ukrainische und andere nichtpolnische Adelshäuser dazu, die sich in solchem Ausmaß polonisierten, daß sie genausogut hätten ethnisch polnisch sein können. Zu den Beispielen für die Macht, die der Adel innehatte, gehörte dessen Fähigkeit, die Leibeigenschaft (genannt Neo-Leibeigenschaft) wieder einzuführen, und ein Gesetz von 1518, das besagte, daß der König an seinen Gerichten keine Beschwerden von Untertanen auf Adelsland annehmen durfte, was dem Adel eine freie Hand verschaffte. Die Adeligen gaben sich mit der Zeit die Macht, Fronarbeit einzuführen und Bauernland mitsamt den Bauern, die es bearbeiteten, zu beschlagnahmen [2].

Jedoch war in den Jahren, die zum turbulenten siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert führten, nicht alles in Ordnung mit dem Adel:

Scharfsinnige Ausländer… sahen zum Beispiel, daß die vielgepriesene Freiheit der Szlachta, die Polen den Ruf verschaffte, einer der freiesten Staaten der Welt zu sein, darauf beruhte, allen anderen Klassen der Bevölkerung Rechte wegzunehmen und sie zu versklaven; daß einhergehend mit den unbegrenzten Freiheiten der Adeligen den Bürgern alle Teilhabe am politischen Leben genommen wurde und sie in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung gehemmt und innerhalb der Stadtmauern eingesperrt wurden.

Der Parlamentarismus blühte in Polen, aber parallel dazu hatte die Exekutive nicht die Macht zu funktionieren. … Die Königsmacht war streng begrenzt, und alle Entscheidungen wurden von der mächtigen herrschenden Adelsschicht getroffen. Diese Klasse degenerierte außerdem. Die polnischen Adeligen hatten ihren früheren ritterlichen und kämpferischen Geist verloren. Sie waren durch den Reichtum korrumpiert und hatten ihre frühere Energie verloren, die nun nur noch erweckt werden konnte, um für Privilegien gegen reale oder eingebildete Angriffe seitens der Königsmacht zu kämpfen.[3]

Sie waren nicht nur durch Laster und Macht korrumpiert, sondern die Szlachta hatte auch aufgehört, irgendeinen Bezug zwischen sich und dem Volk zu sehen, das sie regierte. Der Adel hatte ab dem sechzehnten Jahrhundert eine Sarmatianismus genannte Ideologie entwickelt, die fälschlicherweise besagte, daß die Szlachta die Nachkommen von Sarmaten seien, eines Steppenvolkes, das aus der Gegend stammt, die heute Südrußland ist. Wichtig ist, daß die Szlachta sich als ethnisch verschieden auch gegenüber den polnischen Bauern sahen.[4] Sie sahen den römischen Katholizismus auch schließlich als die einzig wahre Form des Christentums. Solch eine Ideologie mußte scharfe gesellschaftliche Spaltungen erzeugen, aber besonders gegenüber ihren ukrainischen Untertanen. Dies sollte im mittleren und späten siebzehnten Jahrhundert eine große und schreckliche Auswirkung auf Polen-Litauen haben.

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Die Kultur der Kritik (3) – Juden und die Linke

Von Prof. Kevin MacDonald, übersetzt von Deep Roots (ursprünglich veröffentlicht auf „As der Schwerter“). Das Original „The Culture of Critique“ erschien 1998 bei Praeger Publishers und die mir vorliegende Paperback-Ausgabe 2002 bei 1st Books Library (ISBN 0-7596-7222-9). Ich erhebe keinen Anspruch auf eine wie auch immer geartete Vergütung für die Verwendung dieser Übersetzung durch den Verfasser, Professor Kevin MacDonald, für eine Veröffentlichung in Buchform oder in irgendeiner sonstigen Weise.

(I will not claim any reward whatsoever from the author, Professor Kevin MacDonald, should he publish this translation in printed or any other form)

Zuvor veröffentlicht:

Die Kultur der Kritik: Vorwort von Professor Kevin MacDonald

Die Kultur der Kritik: Vorwort von Professor Kevin MacDonald zur ersten Paperback-Ausgabe

Die Kultur der Kritik (1) – Juden und die radikale Kritik an der nichtjüdischen Kultur: Einführung und Theorie

Die Kultur der Kritik (2) – Die Boas’sche Schule der Anthropologie und der Niedergang des Darwinismus in den Sozialwissenschaften

Juden und die Linke

Ich konnte nie verstehen, was das Judentum mit dem Marxismus zu tun hatte, und warum die Infragestellung des Letzteren gleichbedeutend damit sei, illoyal gegenüber dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs zu sein. (Ralph de Toledano [1996, S. 50] in Diskussion seiner Erfahrungen mit osteuropäischen jüdischen Intellektuellen)

Der Sozialismus war für viele eingewanderte Juden nicht bloß Politik oder eine Idee, er war eine umfassende Kultur, ein Stil der Wahrnehmung und des Urteilens, durch den sie ihr Leben zu strukturieren hatten. (Irving Howe 1982, S. 9)

Die Verbindung zwischen Juden und der politischen Linken ist ab dem neunzehnten Jahrhundert weithin bemerkt und kommentiert worden. „Was immer ihre Situation sein mag… in fast jedem Land, über das wir Informationen haben, spielte ein Segment der jüdischen Gemeinschaft eine sehr entscheidende Rolle in den Bewegungen, die dazu bestimmt waren, die existierende Ordnung zu untergraben“ (Rothman & Lichter 1982, S. 110).

Zumindest oberflächlich betrachtet kann die jüdische Beteiligung an radikalen politischen Aktivitäten überraschend erscheinen. Der Marxismus, zumindest wie von Marx vorgestellt, ist das genaue Gegenteil des Judaismus. Der Marxismus ist ein Musterbeispiel einer universalistischen Ideologie, in der ethnische und nationalistische Barrieren innerhalb der Gesellschaft, ja sogar zwischen Gesellschaften im Interesse der gesellschaftlichen Harmonie und eines Gefühls gemeinsamen Interesses schlußendlich beseitigt werden. Zudem ist Marx selbst, obwohl von zwei ethnisch jüdischen Eltern geboren, von vielen als Antisemit gesehen worden.71 Seine Kritik am Judentum (Zur Judenfrage [Marx 1843/1975]) konzipierte das Judentum als grundsätzlich mit egoistischem Streben nach Geld befaßt; es hatte die Weltherrschaft erlangt, indem es sowohl den Menschen als auch die Natur zu verkäuflichen Objekten gemacht hatte. Marx sah das Judentum als abstraktes Prinzip menschlicher Habgier, das in der kommunistischen Gesellschaft der Zukunft ein Ende finden würde. Jedoch argumentierte Marx gegen die Idee, daß Juden ihr Judesein aufgeben müßten, um deutsche Bürger zu sein, und er stellte sich vor, daß der Judaismus, befreit vom Prinzip der Habgier, in der umgeformten Gesellschaft nach der Revolution zu existieren aufhören würde (Katz 1986, S. 113).

Was immer Marx’ Ansichten zu dem Thema waren, eine entscheidende Frage wird im Nachfolgenden sein, ob die Akzeptanz radikaler universalistischer Ideologien und die Teilnahme an radikalen, universalistischen Bewegungen mit der Identifikation als Jude vereinbar sind. Entfernt einen die Annahme einer solchen Ideologie im Grunde aus der jüdischen Gemeinschaft und ihrem traditionellen Bekenntnis zu Separatismus und jüdischem Volkstum? Oder, um diese Frage im Sinne meiner Sichtweise umzuformulieren, könnte das Verfechten radikaler, universalistischer Ideologien und Handlungen mit der fortgesetzten Teilnahme am Judaismus als gruppenevolutionärer Strategie vereinbar sein?

Man beachte, daß diese Frage sich von der Frage unterscheidet, ob Juden als Gruppe zutreffend als Befürworter radikaler politischer Lösungen für nichtjüdische Gesellschaften beschrieben werden können. Es wird nicht behauptet, daß der Judaismus eine einheitliche Bewegung darstellt oder daß alle Segmente der jüdischen Gemeinschaft dieselben Überzeugungen oder Einstellungen gegenüber der nichtjüdischen Gemeinschaft haben (siehe Kap. 1). Juden können ein vorherrschendes oder notwendiges Element in radikalen politischen Bewegungen ausmachen, und Identifikation als Jude kann sehr gut mit der Beteiligung an radikalen politischen Bewegungen vereinbar sein oder diese sogar begünstigen, ohne daß die meisten Juden an diesen Bewegungen beteiligt sind und selbst wenn Juden innerhalb der Bewegung eine zahlenmäßige Minderheit sind.

RADIKALISMUS UND IDENTIFIKATION ALS JUDE

Die Hypothese, daß jüdischer Radikalismus mit dem Judaismus als gruppenevolutionäre Strategie vereinbar ist, bedeutet, daß radikale Juden sich weiterhin als Juden identifizieren. Es gibt wenig Zweifel daran, daß die große Mehrheit der Juden, die sich ab dem neunzehnten Jahrhundert für linke Anliegen einsetzten, sich stark als Juden identifizierten und keinen Konflikt zwischen Judaismus und Radikalismus sahen (Marcus 1983, S. 280ff; Levin 1977, S. 65, 1988, I, S. 4 – 5; Mishkinsky 1968, S. 290, S. 291; Rothman & Lichter 1982, S. 92 – 93; Sorin 1985 an verschiedenen Stellen). Tatsächlich waren die größten jüdischen radikalen Bewegungen sowohl in Rußland als auch in Polen die Jüdischen Bünde, die ausschließlich jüdische Mitglieder und ein sehr eindeutiges Programm der Verfolgung spezifisch jüdischer Interessen hatten. Das Proletariertum des polnischen Bundes war in Wirklichkeit Teil eines Versuchs, ihre Nationalität als Juden zu bewahren (Marcus 1983, S. 282). Die Brüderlichkeit mit der nichtjüdischen Arbeiterklasse sollte ihre spezifisch jüdischen Ziele fördern, und eine ähnliche Aussage kann über den russischen Jüdischen Bund gemacht werden (Liebman 1979, S. 111ff). Nachdem die Bünde bei weitem die Mehrheit der jüdischen radikalen Bewegung in diesen Gebieten stellten, identifizierte sich die große Mehrheit der Juden, die sich an radikalen Bewegungen dieser Zeit beteiligten, stark als Juden.

Außerdem scheinen viele jüdische Mitglieder der Kommunistischen Partei der Sowjetunion darauf aus gewesen zu sein, eine Form von säkularem Judentum zu begründen, anstatt das Weiterbestehen der Juden als Gruppe zu beenden. Die postrevolutionäre Sowjetregierung und die jüdischen sozialistischen Bewegungen rangen mit der Frage der Bewahrung der nationalen Identität (Levin 1988; Pinkus 1988). Trotz einer offiziellen Ideologie, in der Nationalismus und ethnischer Separatismus als reaktionär gesehen wurden, war die Sowjetregierung dazu gezwungen, sich mit der Realität sehr starker ethnischer und nationaler Identifikation in der Sowjetunion auseinanderzusetzen. Als Folge davon wurde eine jüdische Sektion der Kommunistischen Partei (Evsektsiya) geschaffen. Diese Sektion „kämpfte hart gegen die zionistisch-sozialistischen Parteien, gegen demokratische jüdische Gemeinschaften, gegen den jüdischen Glauben und gegen die hebräische Kultur. Sie hatte jedoch Erfolg bei der Formung einer säkularen Lebensart, die auf Jiddisch als anerkannter Sprache der jüdischen Volksgruppe beruhte, im Kampf um das nationale Überleben der Juden in den 1920ern und bei der Verlangsamung des Assimilationsprozesses der Sowjetisierung der jüdischen Sprache und Kultur in den 1930ern“ (Pinkus 1988, S. 62).72

Das Ergebnis dieser Anstrengungen war die Entwicklung einer staatlich geförderten, separatistischen jiddischen Subkultur, einschließlich jiddischer Schulen und sogar jiddischer Sowjets. Diese separatistische Kultur wurde sehr aggressiv von der Evsektsiya gefördert. Widerstrebende jüdische Eltern wurden „durch Terror“ gezwungen, ihre Kinder in diese kulturell separatistischen Schulen zu schicken statt in Schulen, wo die Kinder ihren Stoff nicht noch einmal auf Russisch zu lernen hätten brauchen, um Aufnahmsprüfungen zu bestehen (Gitelman 1991, S. 12). Die Themen der prominenten und offiziell geehrten sowjetjüdischen Schriftsteller in den 1930ern weisen auch auf die Wichtigkeit der ethnischen Identität hin: „Der Tenor ihrer Prosa, Gedichte und Dramen lief auf eine Idee hinaus – die Beschränkung ihrer Rechte unter dem Zarismus und das Aufblühen der einst unterdrückten Juden unter den Sonne der Verfassung von Lenin und Stalin“ (Vaksberg 1994, S. 115).

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Legt eure Bescheidenheit ab und führt!

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„Legt eure Bescheidenheit ab und führt!“ – Ruuben Kaalep interviewt Greg Johnson

Von Greg Johnson, übersetzt von zippelmütz. Das Original “Set Aside Your Humility & Lead” – Ruuben Kaalep Interviews Greg Johnson erschien am 26. Oktober 2015 auf Counter Currents Publishing.

Ruuben Kaalep: Guten Abend, mein Name ist Ruuben Kaalep, und ich bin aus Estland. Heute Abend bin ich hier mit Dr. Greg Johnson, der ein amerikanischer weißer Nationalist ist, ein Intellektueller, ein Philosoph, und meiner Meinung nach eine der weisesten und inspirierendsten Figuren, die wir Nationalisten auf unserer Seite haben. Dr. Johnson hat einen Ph.D. in Philosophie. Er ist der Gründer und Editor von Counter-Currents Publishing, das eine wirklich großartige und intellektuell reiche Website hat (www.counter-currents.com). Er ist Autor von drei Büchern. Ein neues kommt dieses Jahr heraus. Ich kann seine Bücher und Schriften jedem, der an unserer nationalistischen Sache interessiert ist, nur empfehlen. Ich mache dieses Interview speziell für unsere estnischen Leser und Zuhörer. Wir werden allgemein über die Situation von Europäern in Europa und weltweit sprechen, und ein bißchen über das liberale und post-kommunistische Europa, und was die Rolle von Estland und estnischen Nationalisten dabei ist.

Greg, Sie sind ein Nationalist und Weißenbefürworter in den USA seit etwa 15 Jahren. Können Sie in den USA frei Ihre Meinung sagen, oder müssen sie Rückwirkungen befürchten?

Greg Johnson: Nun, Ruuben, zuerst einmal Danke, daß Sie dieses Interview machen, und für Ihre nette Einleitung. Es gibt in den Vereinigten Staaten keine Gesetze gegen die Äußerung nationalistischer Ideen, da die Redefreiheit durch den ersten Zusatz zur US-Verfassung ausdrücklich geschützt ist. Dies schützt Nationalisten jedoch nicht vor Verfolgung und Zensur durch private Organisationen und Individuen. Die Mainstream-Medien, sowohl Linke als auch Rechte, sind ausgesprochen feindlich gegenüber rassisch-nationalistischen Ideen und halten sich selten mit dem Anschein der Objektivität auf. Linke Agitatoren haben viele Universitäten, Geschäfte und NGOs dazu gebracht, Bestimmungen und Regelungen anzunehmen, die die Anhänglichkeit an Multikulturalismus und Diversity zu Bedingungen für eine Einstellung machen, was den Vorwand liefert, Dissidenten zu feuern. Aber selbst diese Vorwände sind unnötig, da Amerikaner nach Belieben gefeuert werden können, wenn sie kontroverse Überzeugungen haben.

In Europa hat die Redefreiheit nicht den gleichen Schutz durch die Verfassung wie in den Vereinigten Staaten, aber in vielen europäischen Gesellschaften ist es nicht möglich für Arbeitgeber, Leute willkürlich aufgrund politischer Einstellungen zu kündigen. Deswegen glaube ich, daß letztlich verfassungsmäßige Garantien der Redefreiheit sehr wenig bedeuten, wenn Dissidenten straflos privater Zensur und Verfolgung ausgesetzt werden können. Kann sein, daß deswegen in Europa, wo Nationalisten weniger legale Redefreiheit haben, sie tatsächlich mehr und effektiver zugunsten nationalistischer Politik sprechen.

RK: Europa ist seit kurzem mit einer noch nie dagewesenen Migrationskrise geschlagen. Welche Art von Resultaten sehen Sie voraus, für Europa und die ganze Welt?

GJ: Alle europäischen Nationen haben schrumpfende einheimische Bevölkerungen. Wenn die Immigration von Nichtweißen unvermindert anhält, gibt es wirklich nur drei verschiedene Möglichkeiten:

Erstens, Europa wird aufhören zu existieren, kulturell und rassisch, sobald seine Bevölkerung durch sich schnell vermehrende Nichtweiße ersetzt ist. Sobald Europa nicht mehr existiert, erwarte ich, daß die anderen Rassen sich unbekümmert vermehren und den Planeten plündern, und nichts als ein Häuflein geschwärzte Asche im Weltraum hinterlassen. Daher glaube ich, daß das Wohlergehen Europas letztendlich identisch ist mit dem Wohlergehen der Welt. Ihr wollt die Welt retten? Dann rettet die weiße Rasse! Wir sind der Teil, der sich am meisten ums Ganze kümmert.

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Das „jüdische“ Khanat: Geschichte und Religion des Reiches der Chasaren

Aus dem Historie-Magazin „Karfunkel“, Ausgabe Nr. 79 Dezember 2008 – Januar 2009 (einschließlich der Bilder). Der Autor ist dort mit „jpk“ angegeben.

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Als „jüdisches Atlantis“ oder „dreizehnten Stamm“ bezeichnete man das Reich der turkstämmigen Chasaren, die vom 7. bis zum 10. Jahrhundert die Steppen nördlich des Kaspischen und Schwarzen Meeres beherrschten und von denen sich ein Teil zum Judentum bekehrte. Auch die letzte umfangreichere deutschsprachige Publikation zu den Chasaren spricht vom „vergessenen Großreich der Juden“. Tatsächlich stellt die Existenz eines mächtigen Staates mit einem jüdischen Herrscher im Mittelalter ein einzigartiges und faszinierendes Phänomen dar, doch darf die tatsächliche Rolle des Judentums in diesem Steppenreich auch nicht überschätzt werden.

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Im hebräischen Antwortbrief des chasarischen Herrschers Joseph an den am Hof des Kalifen von Cordoba Ab dar-Rahman III. sehr einflußreichen jüdischen Arzt und Gelehrten Hasday ibn Shaprut (ca. 905 – 975) – eine unserer wichtigsten Quellen für die Geschichte der Chasaren – wird erklärt, daß der Urvater der Chasaren von Togarma, einem Sohn des Gosmer und Enkel des Noahsohnes Japhet, abstamme; somit war erfolgreich der Anschluß an die Völkertafel der Genesis hergestellt. Dieser Stammbaum findet sich auch in verschiedenen arabischen Quellen, von denen manche sogar eine Abkunft der Chasaren von Abraham behaupten, der nach dem Tod seiner ersten Gattin Sarah eine Araberin namens Kantura geehelicht habe und mit ihr nach Chorasan im Nordostiran übersiedelt sei, wo sich seine Sippe mit den Chasaren vermischt hätte. Schließlich wurde in manchen Texten auch die Theorie aufgestellt, die Chasaren seien Reste der zehn verlorenen Stämme Israels, also jener Juden, die bei der Eroberung des israelitischen Nordreichs durch die Assyrer 722 v. Chr. verschleppt wurden.

Solche Konstruktionen dienten natürlich dazu, die (in ihrer Oberschicht) nunmehr jüdischen Chasaren mit dem Geschick des Volkes Israel zu verbinden.

Chasaren = Nomaden?

Die moderne Geschichts- und Sprachwissenschaft kommt erwartungsgemäß zu einem anderen Ergebnis: Die Chasaren, deren Namen sich eventuell vom alttürkischen q’azar („Nomade“) ableitet, stellten ein turkstämmiges Volk dar, das sich ab der Mitte des 6. Jh. n. Chr. in den Steppen nördlich des Kaspischen Meeres nachweisen läßt. Dort stand es Anfang des 7. Jh. unter der Oberhoheit des köktürkischen Großreiches, dessen westlicher Khagan um 625 ein Bündnis mit dem byzantinischen Kaiser Herakleios gegen das persische Reich der Sasaniden einging und mit seinen Einfällen nach Transkaukasien zum Sieg der Byzantiner beitrug. Spätere Autoren identifizierten schon diese wertvollen Bundesgenossen mit den Chasaren (während die zeitnaheren Quellen von Türken sprechen), doch stellten sie nur eines – wenn vielleicht auch wichtiges – unter den Völkern im Heer des Khagans dar. Erst als das köktürkische Reich nach 630 zerfiel und das westliche Khaganat 659 von den Chinesen zerstört wurde, konnten die Chasaren, deren Herrscher nun selbst den Titel eines Khagan annahm, eine eigene Machtposition in den Steppen nördlich des Kaspischen und Schwarzen Meeres erringen.

Das Wolgadelta bei Astrachan, in dessen Nähe sich vermutlich auch die chasarische Hauptstadt Itil befand.

Das Wolgadelta bei Astrachan, in dessen Nähe sich vermutlich auch die chasarische Hauptstadt Itil befand.

Die Entstehung des Chasaren-Reiches

Zur Vormacht in diesem Raum wurden die Chasaren um 660, als sie das sogenannte großbulgarische Reich besiegten; Stämme dieses Reiches gelangten nun unter chasarische Oberhoheit, andere wanderten nach Westen, unter anderem an die Donau, wo sie um 680 ein neues Reich begründeten.

Der Sieg über die Bulgaren wird auch im Brief des Joseph als „Gründungsdatum“ chasarischer Herrschaft erwähnt. Das Zentrum der chasarischen Macht lag damals im heutigen Daghestan nördlich des Kaukasus, wo die Städte Balanjar (vermutlich am Mittellauf des Sulak in Daghestan, heute in einem Stausee verschwunden) und Samandar (vermutlich nahe der heutigen Hauptstadt Machatschkala) die wichtigsten Stützpunkte der Chasaren darstellten.

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Mythen und die russischen Pogrome, Teil 3 – Die jüdische Rolle

Von Andrew Joyce, übersetzt von Deep Roots. Das Original Myth and the Russian Pogroms, Part 3 – The Jewish Role erschien am 13. Mai 2012 im Occidental Observer. Zuvor erschienen: Neubetrachtung der russischen Pogrome im 19. Jahrhundert, Teil 1: Rußlands Judenfrage und Mythen und die russischen Pogrome, Teil 2: Erfindung von Greueltaten.

 

Wir setzen unsere Serie von Essays zur Untersuchung der russischen Pogrome mit diesem Essay über die Rolle fort, die von Juden bei der Provokation zu den Unruhen gespielt wurde. Wie in Teil 2 festgestellt, ist eines der Schlüsselprobleme mit der existierenden Geschichtsschreibung zu den Pogromen (und zu „Antisemitismus“ im Allgemeinen), daß diese Narrative ständig behaupten, daß die Misere der Juden das Ergebnis von nichts weiter als irrationalem Hass war. Juden nehmen in diesem Narrativ eine sanftmütige und passive Rolle ein und haben nichts Schlimmes getan außer Juden zu sein. Es gibt kein Gefühl jüdischer Einwirkung, und man erhält den Eindruck, daß Juden historisch die Fähigkeit gefehlt hat, in der Welt zu agieren. In fast jeder einzelnen akademischen und populären Geschichte der Pogrome akzeptiert der Autor blindlings die Grundannahme (oder hält sie vorsätzlich aufrecht), daß die Juden im Russischen Reich jahrhundertelang gehasst wurden, daß dieser Hass irrational und unbegründet war und daß der Ausbruch antijüdischer Unruhen im späten 19. Jahrhundert eine reflexhafte emotionale Reaktion auf die Ermordung des Zaren und einige Ritualmordvorwürfe war.

Dies ist natürlich weit von der Wahrheit entfernt, aber die Vorherrschaft dieses „Opferparadigmas“ spielt zwei bedeutende Rollen. Erstens ist die jüdische Geschichtsschreibung gesättigt mit Anspielungen auf den „einzigartigen“ Status der Juden, die unter „einzigartigem“ Hass seitens aufeinanderfolgender Generationen von Europäern gelitten haben. Im Wesentlichen ist es die Vorstellung, daß Juden als exemplarisches „schuldloses Opfer“ in der Welt allein dastehen. Auch nur irgendein Gefühl jüdischer Einwirkung zuzulassen – irgendeine Behauptung, daß Juden vielleicht in mancher Weise zu antijüdischen Einstellungen beigetragen haben – heißt, dem Fortbestand dieses Paradigmas zu schaden. In diesem Sinne trägt das „Opferparadigma“ auch stark zum Anspruch auf jüdische Einzigartigkeit bei, und, wie Norman Finkelstein hervorgehoben hat, kann man in vielen Beispielen jüdischer Geschichtsschreibung die Tendenz erkennen, sich nicht so sehr auf die „Leiden von Juden“ zu fokussieren, sondern vielmehr auf die einfache Tatsache: „Juden haben gelitten.“ [1] Als Ergebnis davon bietet das Paradigma keinen Platz für nichtjüdisches Leiden. Einfach ausgedrückt ist das „Opferparadigma“ eine Form von säkularer „Auserwähltheit“. Dieser Aspekt wird völlig zu Recht als nützliches Hilfsmittel im Hier und Jetzt betrachtet. Es gibt vielleicht keine Rasse auf Erden, die ihre Geschichte so sehr zur Rechtfertigung ihrer Handlungen in der Gegenwart benutzt, wie das jüdische Volk. Vom Streben nach Reparationen bis zur Gründung von Nationalstaaten ist jüdische Geschichte eine der Grundsteine, die jüdische internationale Politik in der Gegenwart stützen. Als solche wird jüdische Geschichte sorgfältig konstruiert und erbittert verteidigt. Das Zusammenspiel zwischen jüdischer Geschichte und zeitgenössischer jüdischer Politik ist klar zu erkennen – ich brauche nur die Begriffe „Revisionist“ und „Leugner“ zu erwähnen, um Bilder von Marionettenprozessen und Gefängniszellen heraufzubeschwören.

Zweitens läßt das Weglassen des jüdischen Beitrags zur Entwicklung von Antisemitismus (sei es im dörflichen oder nationalen Rahmen) den Scheinwerfer umso heftiger auf den „Aggressor“ herniederbrennen. Innerhalb dieses Kontexts hat das schuldlose Opfer die Freiheit, die scheußlichsten Vorwürfe zu machen und sich in der Versicherung zu sonnen, daß seine eigene Rolle, und in Erweiterung sein eigener Charakter, unantastbar ist. Das Wort dieses makellosen, einzigartigen, schuldlosen Opfers wird als Fakt genommen – seine Darstellung soll zweifellos mit dem „Aggressor“ verbündet sein. In Teil Zwei untersuchten wir die Art, wie das RJC dieses Konstrukt voll ausnützte, um entsetzliche und unbegründete Greuelgeschichten zu liefern. Allgemeiner gesprochen, sind übertriebene Geschichten von Brutalität seitens Nichtjuden in der jüdischen Literatur und Geschichtsschreibung gang und gäbe und gehen Hand in Hand mit Bildern von taubenhaften Juden. Zum Beispiel hat Finkelstein auf Jerzy Kosinskis The Painted Bird, ein Werk, das jetzt weithin als „der erste größere Holocaust-Schwindel“ anerkannt ist, als Beispiel für diese „Pornographie der Gewalt“ hingewiesen. [2] Die Zwillingskonzepte von jüdischer Schuldlosigkeit und extremer nichtjüdischer Brutalität sind untrennbar aneinander gebunden, und Unterstützer des einen Strangs des „Opferparadigmas“ sind stets Unterstützer des anderen. Nehmen Sie zum Beispiel diesen Hohepriester der jüdischen Auserwähltheit, Elie Wiesel, der Kosinskis Potpourri sadomasochistischer Fantasien als „mit tiefer Aufrichtigkeit und Empfindsamkeit geschrieben“ lobte. [3]

Nachdem wir diesen theoretischen Rahmen geklärt haben, wenden wir unsere Aufmerksamkeit nun der Dekonstruktion des zweiten Strangs des Pogrom-„Opferparadigmas“ zu. Um uns am effektivsten mit der Frage nach der jüdischen Schuldhaftigkeit bei der Verschlechterung der Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden zu befassen, werden wir tiefer stochern müssen, und mit mehr Konzentration, als wir es in Teil Eins unternommen haben. Dieser Essay wird sich auf spezifische Beispiele antijüdischer Unruhen im Russischen Reich vor 1880 befassen, mit einem besonderen Augenmerk auf jüdische Wirtschaftspraktiken, die diesen Ereignissen vorausgingen.

Antijüdische Unruhen im Russischen Reich vor 1880

Aus den oben diskutierten Gründen hat die Mehrheit der jüdischen Historiker lange eine Abneigung gegen die Vorstellung gezeigt, daß jüdische Wirtschaftspraktiken historisch eine bedeutende Rolle bei der Provokation von Antisemitismus gespielt haben. Zum Beispiel behauptet Leon Poljakow in The History of anti-Semitism: From Voltaire to Wagner, daß die Vorstellung von wirtschaftlichem Antisemitismus „ohne echten Erklärungswert“ ist. [4] In ähnlicher Weise hat Jonathan Freedman erklärt, daß wirtschaftlicher Antisemitismus bei der Erklärung antijüdischer Einstellungen nur eine sehr „kleine erklärende Rolle“ spielen sollte. [5] Beide Historiker postulieren, daß Theologie, und in Erweiterung das Christentum (und daher die westliche Kultur) die Quelle und der Ursprung des Antisemitismus ist. Robert Weinberg erklärt in seinem Artikel Visualizing Pogroms in Russian History von 1998 antisemitische Gewaltausbrüche in Osteuropa, indem er behauptet, daß sie das Produkt „der Frustrationen russischer und ukrainischer Landbewohner, Arbeiter und Kleinstadtbewohner waren, die zum Großteil ihre Frustrationen spontan an einem bewährten Sündenbock ausließen, den Juden.“ [6] Weinberg verzichtet auf die Angabe, woraus genau diese „Frustrationen“ entstanden, aber man beachte wiederum die extrem passive jüdische Rolle in seiner Analyse.

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Mythen und die russischen Pogrome, Teil 2: Erfindung von Greueltaten

Von Andrew Joyce, übersetzt von Deep Roots. Das Original Myth and the Russian Pogroms, Part 2: Inventing Atrocities erschien am 11. Mai 2012 im . Dies ist Teil 2 von 3.

Zuvor erschienen: Neubetrachtung der russischen Pogrome im 19. Jahrhundert, Teil 1: Rußlands Judenfrage

Nachdem wir uns in der Geschichte von Rußlands Judenfrage geerdet haben, ist es für uns nun Zeit, unsere Aufmerksamkeit den antijüdischen Unruhen der 1880er zuzuwenden. Der folgende Essay wird den Leser zuerst mit dem Standardnarrativ dieser Ereignisse versorgen, das von jüdischen Zeitgenossen und der Mehrheit der jüdischen Historiker vorgebracht wurde – ein Narrativ, das sich im öffentlichen Bewußtsein überwiegend durchgesetzt hat. Die letztere Hälfte des Essays wird der Analyse des jüdischen Narrativs gewidmet sein, und der Erläuterung, wie die Ereignisse wirklich geschehen sind. Andere Aspekte des jüdischen Narrativs werden in späteren Beiträgen dieser Serie untersucht werden. Während eine Arbeit wie diese unter schwere Kritik seitens gewisser Segmente der Bevölkerung geraten kann, die sie vielleicht als „revisionistisch“ verurteilen, kann ich nur sagen, daß „Revisionismus“ jeder historischen Arbeit am Herzen liegen sollte. Wenn wir die Geschichten blindlings akzeptieren, die uns überliefert werden, werden wir wahrscheinlich zum Opfer dessen werden, was auf wenig mehr als ein glorifiziertes „Stille Post“-Spiel hinausläuft. Und wenn wir das Recht des Historikers tabuisieren, Geschichte im Licht neuer Forschungen und neuer Entdeckungen neu zu interpretieren, dann haben wir uns weit von allem entfernt, was wahrer Wissenschaft ähnelt.

Das jüdische Narrativ

Im Jahr 1881 produzierte das „Russo-Jewish Committee“ (RJC), ein Arm von Britanniens jüdischer Elite, massenhaft ein Pamphlet mit dem Titel „The Persecution of the Jews in Russia“ [„Die Verfolgung der Juden in Rußland“] und begann es durch die Presse, die Kirchen und zahlreiche andere Kanäle zu verbreiten. Um 1899 wurde es ausgeschmückt und als kurzes Buch veröffentlicht, und heute sind digitalisierte Ausgaben online frei erhältlich. [1] Bis Anfang des 20. Jahrhunderts hatte das Pamphlet sogar ein vierseitiges Journal mit dem Titel Darkest Russia – A Weekly Record of the Struggle for Freedom [„Finsterstes Rußland – Ein wöchentliches Protokoll des Kampfes um Freiheit“] hervorgebracht, das sicherstellte, daß der durchschnittliche britische Bürger nicht weit kam, ohne an die „Schrecken“ erinnert zu werden, denen sich die russischen Juden gegenübersahen. [2] Daß diese Publikationen massenproduziert wurden, sollte einen Hinweis auf ihren Zweck geben: Es ist klar, daß diese Publikationen eine der ehrgeizigsten Propagandakampagnen in der jüdischen Geschichte darstellten, und kombiniert mit ähnlichen Anstrengungen in den Vereinigten Staaten zielten sie darauf ab, die Aufmerksamkeit der westlichen Nationen zu gewinnen und sie „aufzuklären“ und den Vorrang der „jüdischen Seite der Geschichte“ sicherzustellen. Darin inbegriffen war nicht nur ein Wunsch, antirussische Einstellungen zu provozieren, sondern auch eine reichliche Menge Mitgefühl für die schikanierten Juden – Mitgefühl, das notwendig war, um sicherzustellen, daß massenhafte jüdische Kettenmigration in den Westen ungestört und ungehindert durch Nativisten vor sich ging. War denn nicht der bigotte Nativist nur einen Schritt vom herumwütenden Kosaken entfernt?

Das erste Element des vom RJC vorgebrachten Narrativs ist im Wesentlichen eine Manipulation der Geschichte russisch-jüdischer Beziehungen. Es vertrat die Auffassung, daß die Juden Osteuropas jahrhundertelang unterdrückt wurden, ihr ganzes Leben „von der Wiege bis zur Bahre von restriktiven Gesetzen behindert wurde.“ [3] Es wurde behauptet, daß die Russen ein ungeschriebenes Gesetz hätten: „Daß kein russischer Jude einen Lebensunterhalt verdienen soll.“ [4] Russische Juden haben laut dem Russo-Jewish Committee nichts weiter gewollt als an der russischen Gesellschaft teilzuhaben, sind aber wieder und wieder als „Häretiker und Fremde“ zurückgewiesen worden. Der Ansiedlungsrayon ist eine undurchdringliche Festung, wo jeder Jude „leben und sterben muß.“ In dieser Interpretation der Geschichte russisch-jüdischer Beziehungen inbegriffen ist die Überzeugung, daß „die Quelle und der Ursprung all der Mißstände, welche das russische Judentum plagen“, nichts mit den Juden selbst zu tun hat, sondern alles mit der Kirche, dem Staat und dem Ansiedlungsrayon zu tun hat. Im Wesentlichen war die Misere der Juden das Resultat von nichts weiter als irrationalem Hass. Juden nehmen in diesem Narrativ eine sanftmütige und passive Rolle ein und haben nichts anderes angestellt als Juden zu sein. Sie werden auch als die einzigen Opfer russischer Gewalt präsentiert. Es gibt keine Anerkennung der gescheiterten russischen Versuche, die jüdischen Mauern der Exklusivität einzureißen und die Juden als Brüder anzunehmen. Eigentlich gibt es gar keine Erwähnung der Mauern der Exklusivität. Die Pogrome selbst brachen laut dem jüdischen Narrativ nach der Ermordung von Alexander II. aus, als Schock, Zorn und ein Wunsch nach Rache diesen irrationalen, wurzellosen Hass an die Oberfläche brachte.

Das zweite Element des jüdischen Narrativs ist, daß die Regierung und das kleine Beamtentum irgendeine Rolle bei der Organisation und Leitung der Pogrome zu spielen hatte. Viel Verachtung wird auf die Regierung gehäuft, und auf das untere Beamtentum, von dem es hieß, daß es von „einer chronisch antisemitischen Sichtweise“ befallen gewesen sei. Es wurde behauptet, daß es der Regierung, als die Unruhen begannen, „überhaupt nicht leid tat, daß sich die Erregung des Volkes an den Juden Luft machte.“ [5] In Bezug auf die restriktiven Maigesetze waren die Autoren gezwungen zuzugeben, daß sie nie wirklich durchgesetzt worden waren, blieben aber dabei, daß „die Maigesetze, ob moderat oder rigoros angewandt, dennoch im russischen Gesetzbuch blieben.“ [6]

Das dritte Element des jüdischen Narrativs ist, daß die Pogrome genozidal waren, und daß sie von Gruppen organisiert und begangen worden waren, die die Auslöschung der Juden anstrebten. Die 1899er Ausgabe von „The Persecution of the Jews in Russia“ enthielt eine Kopie eines ausführlichen Briefes, der mit Datum 5. November 1890 von Nathan Joseph, dem Sekretär des RJC, an die London Times geschrieben wurde. In dem Brief behauptete Joseph, daß unter den gegenwärtigen Umständen „Hunderttausende ausgelöscht werden könnten“, [7] und daß russische Gesetze bezüglich der Juden „ein Instrument der Folter und Verfolgung“ darstellten. In Summe wurde behauptet, daß die Juden Rußlands unter „einem Todesurteil“ lebten, und es wurde weiters behauptet, daß „die Exekutionen weitergehen.“ Der Brief endet mit einem Appell an „das zivilisierte Europa“, zu intervenieren, Rußland zu züchtigen und den zu Opfern gemachten Juden zu helfen. [8]

Das vierte Schlüsselelement des jüdischen Narrativs ist, daß die Pogrome von extrem brutaler Natur waren. Zeitgenössische Medienberichte waren die Quelle der meisten Greuelgeschichten, angeblich von frisch eingetroffenen „Flüchtlingen“ gesammelt, die vor dem Russo-Jewish Committee Aussagen über die Pogrome gemacht hatten, vor denen sie geflohen waren. In diesen Berichten, die sehr regelmäßig sowohl von der New York Times als auch von der London Times gebracht wurden, wurde den Russen vorgeworfen, die teuflischsten Greueltaten in enormstem Ausmaß begangen zu haben. Jeder Jude im Russischen Reich war bedroht. Männer waren skrupellos ermordet worden, Kleinkinder waren gegen Steine geschmettert oder lebendig in ihrem eigenen Zuhause geröstet worden. Während einer britischen parlamentarischen Anhörung zu den Pogromen im Jahr 1905 behauptete ein Rabbi Michelson, daß „die Greueltaten so teuflisch gewesen waren, daß sie nicht einmal in den barbarischsten Annalen der barbarischsten Völker Parallelen finden konnten.“ [9] Die New York Times berichtete, daß während des Pogroms von 1903 in Chisinau „Babies von dem rasenden und blutdürstigen Mob buchstäblich in Stücke gerissen wurden.“ [10]

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Neubetrachtung der russischen Pogrome im 19. Jahrhundert, Teil 1: Rußlands Judenfrage

Von Andrew Joyce, übersetzt von Deep Roots. Das Original Revisiting the 19th-Century Russian Pogroms, Part 1: Russia’s Jewish Question erschien am 8. Mai 2012 im Occidental Observer. Dies ist Teil 1 von 3.

 

Die antijüdischen Unruhen oder „Pogrome” im Rußland des späten 19. Jahrhunderts stellen eine der entscheidendsten Perioden in der modernen jüdischen Geschichte, wenn nicht der Weltgeschichte, dar. Ganz offensichtlich hatten die Unruhen demographische Konsequenzen für westliche Länder – etwa 80 % der heutigen Diaspora-Juden im Westen sind Nachkommen jener Juden, die Rußland und seine Umgebung im Zeitraum von 1880 – 1910 verließen. Aber das vielleicht dauerhafteste Vermächtnis dieser Zeit war die Steigerung des jüdischen „nationalen Selbstbewußtseins” und die beschleunigte Entwicklung „moderner internationaler jüdischer Politik” [1]

Die Pogrome selbst sind von (hauptsächlich jüdischen) Historikern durchgehend als „irrationale Manifestationen von Hass gegen Juden“ dargestellt worden [2], wo bäuerliche Mobs die unwissentlichen Gelackmeierten böswilliger russischer Amtsträger waren. Andere Erklärungen sind so sehr ohne Beweise und ohne Logik, daß sie die Gutgläubigkeit bis zum Bruchpunkt strapazieren. Zum Beispiel hat Professor Donald G. Dutton von der University of British Columbia behauptet, daß die Mobs nicht von „der plötzlichen schnellen Zunahme der jüdischen Stadtbevölkerung, dem außergewöhnlichen wirtschaftlichen Erfolg russischer Juden oder der Verwicklung von Juden in russischen revolutionäre Politik“ motiviert waren, sondern vielmehr durch die „Ritualmordlegende“ [3]

Wenig oder keine Geschichtsschreibung ist dafür verwendet worden, die Schichten von „Flüchtlings“-Geschichten abzuschälen, um zu enthüllen, was im Russischen Reich vor und während der Unruhen wirklich geschah. Dieser Mangel an wissenschaftlicher Nachforschung kann zumindest teilweise einem großen Widerwillen jüdischer Historiker zugeschrieben werden, die Pogrome in irgendeiner Weise jenseits des bloß Oberflächlichen zu untersuchen. Zusätzlich ist offen von historischer Nachforschung von Nichtjuden zu dem Thema abgeschreckt worden. Als zum Beispiel ukrainische Historiker Hinweise entdeckten, die bewiesen, daß zeitgenössische Medienberichte über jüdische Todesfälle in dieser Nation übertrieben waren, reagierte die jüdische Genealogie-Webseite „JewishGen“ mit der Aussage: „Wir glauben, daß [diese Tatsachen] mehr als irrelevant sind, weil es die öffentliche Aufmerksamkeit vom Hauptthema ablenkt: der genozidalen Essenz der Pogrome.“

Es sollte hier genügen festzustellen, daß diese Antwort der ganzen Essenz historischer Forschung widerspricht – die Geschichte so zu enthüllen, wie sie wirklich geschah, ungeachtet der unbequemen Wahrheiten, die darin liegen mögen. Die Aussage könnte man so übersetzen: „Lassen wir nicht zu, daß die Tatsachen einer guten Geschichte in die Quere kommen.” Auch fehlt, wie dieser Text zeigen wird, der Tendenz, die Unruhen als „genozidal“ darzustellen, völlig die Grundlage. Der Soziologieprofessor Michael Mann von der University of California Los Angeles hat umfangreiche Beweise geliefert, die darauf hindeuten, daß „die meisten Täter nicht daran dachten, die Juden insgesamt zu beseitigen.“ [4]

Die Anspielung von JewishGen auf Völkermord sollte auch als Teil eines allgemeineren Problems in der modernen jüdischen Geschichtsschreibung gesehen werden. Statt die Pogrome als Produkte spezifischer örtlicher Umstände zu sehen, bei denen Juden zumindest eine indirekte Rolle spielten, hat es eine Tendenz gegeben, sie zu Vergleichszwecken zu benutzen. John Klier erklärt, daß bei Verwendung in vergleichendem Sinn „Beispiele fast ausschließlich aus dem 20. Jahrhundert herangezogen werden, und diese Ereignisse werden dann in die frühere Periode von 1881-1882 hineingelesen“, was jede objektive historische Forschung schwierig macht und das Vorhandensein irgendeiner nichtexistenten „pan-europäischen“ Malaise bei antijüdischen Handlungen impliziert.

Trotzdem wird diese Serie von Essays danach streben, die Mythen abzuschälen, ein paar Fäden der Wahrheit aus dem Schleier zu zupfen, der diese Ereignisse verhüllt. Ermutigenderweise ist in dieser Hinsicht bereits mit etwas Arbeit begonnen worden. I. M. Aronsons Behauptung, daß die Pogrome „im einen oder anderen Ausmaß von Elementen innerhalb der Regierung selbst geplant oder gefördert“ wurden [5], ist in den letzten Jahren durch die konzertierte Arbeit einer kleinen Zahl nichtjüdischer Historiker, insbesondere des Professors für hebräische und jüdische Studien John Doyle Klier vom University College London, ein Todesstoß versetzt worden. In seiner Arbeit Russians, Jews, and the Pogroms of 1881-2 von 2005 behauptet Klier: „Die zeitgenössische Forschung hat den Mythos verscheucht, daß russische Amtsträger für die Anstiftung, Zulassung oder Billigung der Pogrome verantwortlich waren.“ [6]

Diese Serie von Essays wird versuchen, weiter zu gehen, in der Überzeugung, daß die Fakten der Ereignisse für die historische Forschung vorrangig bleiben, statt eine „ablenkende“ Bedeutungslosigkeit zu sein. Die Serie wird mit einer Erläuterung der Ursprünge von Rußlands „Judenfrage” beginnen. Nachfolgende Artikel werden sich  mit den Pogromen selbst befassen und damit, wie Mythen und Übertreibungen unsere  Vorstellung von ihnen verpestet haben. Schlußendlich werde ich untersuchen, warum diese Mythen entwickelt wurden, und die allgemeineren Implikationen von Mythen in der jüdischen Geschichte.

Teil 1: Rußlands Judenfrage

Im Jahr 1772 orchestrierte das Russische Reich die erste Teilung Polens, „löschte ein großes Königreich von der geopolitischen Landkarte Europas, das sich im siebzehnten Jahrhundert über weite Bereiche zwischen Preußen und der südlichen Ukraine erstreckt hatte.“ [7]

Bezeichnenderweise beaufsichtigte das Russische Reich dabei auch „die Auflösung des größten jüdischen Kollektivs der Welt.” [8] Das polnische Judentum wurde in drei Teile aufgeteilt – jene in Posen kamen unter die Herrschaft Preußens, jene in Galizien unter die Herrschaft Österreichs, und jene im eigentlichen Polen kamen unter die Herrschaft des Russischen Reiches. [9]“ Im eigentlichen Polen betrieb die polnische Öffentlichkeit Innenschau und suchte hektisch nach den Gründen für den Ruin der Nation, und dabei, erklärt Israel Friedlander, „konnte das jüdische Problem nicht anders, als sich ihrer Aufmerksamkeit aufzudrängen.” [10]

Untersuchungen, die von Sonderkommissionen durchgeführt wurden, entdeckten, daß das polnische Judentum in den Jahrzehnten vor der Aufteilung eine demographische Explosion erlebt hatte, wobei die Juden nun fast 20 % der gesamten Bevölkerung ausmachten. Zusätzlich wurde entdeckt, daß Juden volle 75 % der polnischen Exporte kontrollierten und daß viele sich nun aus überbevölkerten Stadtzentren auf das Land ergossen und ihren Lebensunterhalt mit der Monopolisierung des Spirituosenverkaufs an die Landbevölkerung verdienten. [11] Um 1774 erreichten russische Amtsträger Beschwerden von nichtjüdischen Kaufleuten, die behaupteten, daß jüdische ethnische Netzwerkerei das Exportmonopol stützte und daß dieses Monopol in Kürze schlimme Konsequenzen für den Konsumenten haben würde. [12] Diese Enthüllungen waren die entscheidenden Motivationsfaktoren bei der Entscheidung, Warschaus Juden im Jahr 1775 zu vertreiben, und bis zum frühen 19. Jahrhundert gab e seine Art Pattsituation zwischen Polen und Juden. [13] Napoleons Gründung des Fürstentums Warschau im Jahr 1807 trug wenig zur Änderung der Situation bei, da Napoleon sich der örtlichen Einstellung anschloß, demzufolge Juden nicht von der neuen Verfassung profitieren sollten, solange sie nicht „ihre seltsamen Eigentümlichkeiten beseitigt hatten.” [14] Im Jahr 1813 machte sich die Regierung des Fürstentums daran, das jüdische Monopol auf Spirituosen zu brechen, allen Juden zu verbieten, Alkohol in den Dörfern zu verkaufen, und der Aktivität „Zehntausender” jüdischer Spirituosenhändler in den Provinzen ein Ende zu machen. Es überrascht nicht, daß das polnische Judentum keine Tränen vergoß, als das Fürstentum 1815 nach Napoleons gescheitertem Invasionsversuch in Rußland aufgelöst wurde.

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