Die anglo-normannische Invasion Irlands im Jahr 1170: Ermöglicht durch „aristokratische“ Machtrivalität

Von Mathias Mesenhüller, aus GEO EPOCHE Nr. 90 „Irland 1170 – 2018: Die Geschichte der Grünen Insel“, dort erschienen ab Seite 22 unter dem Titel „Rivalen um die Macht“. (Hier nachveröffentlicht zur weiterführenden Information über die in „Etwas anderes als weiß werden“: Irland und radikaler jüdischer Aktivismus“ erwähnte Invasion Irlands durch Richard „Strongbow“ FitzGilbert auf Einladung des irischen Regionalfürsten Dermot MacMurrough.)

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Seit Jahrhunderten ringen lokale Fürsten um die Hoheit über ganz Irland. Doch dann verschafft sich einer der Kontrahenten Unterstützung von außen – und die Ankunft des normannischen Ritters Strongbow aus Britannien im Jahr 1170 wird zum schicksalhaften Wendepunkt. Denn mit ihr beginnt die Ära der Fremdherrschaft, die die Insel bis heute prägen wird.

Es ist der 23. August 1170. Am Horizont vor der südirischen Küste zeichnet sich eine furchteinflößende Silhouette ab und kommt stetig näher: große Segelschiffe. Von Wales aus haben sie das Meer überquert und steuern nun auf das irische Städtchen Waterford zu.

Auf den Decks der Schiffe lagern Ritter samt Pferden, Schilden, Kettenhemden, schweren Lanzen und Schwertern. Außerdem Infanteristen mit langstieligen Streitäxten, weit schießenden Bögen und dicken Bündeln präzise gefertigter Pfeile. Dazu Belagerungsgerät, Schanzwerkzeug.

Eine hochgerüstete, kampferprobte Truppe, insgesamt rund 1200 Mann. Und ein Bräutigam.

Denn die Armada kommt auf Einladung eines irischen Fürsten, Dermot MacMurrough, des Herrschers des Reiches Leinster im Südosten der Insel. Der Anführer der Flotte, Richard FitzGilbert, genannt Strongbow, soll Dermots Tochter heiraten – und vielleicht einmal dessen Reich erben.

Zuvor freilich muss Strongbow dem künftigen Schwiegervater einen Dienst erweisen: Seine Krieger sollen wesentliche Teile dieses Reiches überhaupt erst erobern. Sie sollen Dermots irische Rivalen bezwingen, ihn so zum mächtigsten Mann auf der Insel machen – und einige vergangene Kränkungen rächen. Strongbows Sold für diese Dienste: die Prinzessin und die Erbschaft.

Damit beginnt ein Feldzug, der Irland für Jahrhunderte in den Bann der größeren britischen Nachbarinsel schlagen wird. Ein Krieg, dem ein fruchtbarer Austausch folgen wird, eine reiche Mischkultur – aber ebenso auch Leid und Bitterkeit. Und aus dem Fremdherrschaft und Freiheitskampf als die großen Themen der irischen Geschichte hervorgehen.

Am Anfang steht eine arrangierte Ehe. Ein Pakt, der keine Nationen kennt, nur persönliche Vorteile. Das Aufeinandertreffen ungleicher Waffen – aber der gleichen zügellosen Gier nach Ruhm, Reichtum und Abenteuer.

Die Ritter, die Strongbow nun bei Waterford an Land führt, sind entschlossen, sich ihr Glück, ihre Zukunft zu erkämpfen. Wie schon ihre Väter es getan haben und deren Väter vor ihnen. Sie kennen es nicht anders.

Denn sie sind Normannen.

Die normannischen Krieger sind nicht die ersten Fremden, die Irland erreichen. Bereits in der Zeit vor Christi Geburt haben Kelten die Insel besiedelt – wehrhafte Stämme, die vom Festland kamen und die Ureinwohner verdrängten.

Die Kelten prägen die Gegend über viele Jahrhunderte, denn weder das Weltreich der Römer noch die Völkerwanderungen der Germanen erreichen die Insel. Und als im 5. Jahrhundert Prediger wie der Brite Patrick den Iren das Christentum verkünden, passen sie ihre Lehre gezielt den keltischen Bräuchen an.

So erblüht hier, abseits der europäischen Kriege, in mächtigen Klöstern ein kulturelles und geistiges Leben, das auf dem Kontinent seinesgleichen sucht. Irische Missionare, Klostergründer und Gelehrte reisen schon bald bis nach Germanien, Gallien, Norditalien.

Politisch jedoch ist Irland friedlos, zerklüftet. Als der Kelte Dermot MacMurrough um das Jahr 1110 geboren wird, gebieten mehr als 100 Clanführer über die irischen Sippen, unter denen oft bittere Rivalität herrscht.

Diese Anführer schulden größeren Herren die Treue, über denen wiederum die Fürsten von sechs Reichen stehen. Auch sie streiten um Vorrang – um die Würde des Königs von Irland. Ein Titel, der viele Mächtige lockt, ohne dass ihn je eine Dynastie sichern konnte.

MacMurrough ist der Sohn eines solchen Fürsten, des Herrn über Leinster. Sein Vater wird von Feinden erschlagen, als er noch ein Kind ist. Dennoch kann sich Dermot kurz nach 1130 als Thronerbe in Leinster durchsetzen.

Sein Ehrgeiz ist rücksichtslos. So lässt er im Streit um die Hoheit über ein Klostergut Dutzende seiner Bewohner töten, die Äbtissin durch seine Soldaten vergewaltigen und ihr Haus niederbrennen. Widersacher im eigenen Adel bringt er um oder lässt sie ermorden; andere befiehlt er zu blenden.

Dermot, ein hünenhafter Krieger mit rauher, befehlsgewohnter Stimme, ist ein harter Herr, der lieber auf die Furcht seiner Untertanen baut als auf deren Anhänglichkeit. Spielt er da bereits mit dem Gedanken, sich zum König zu erheben? Jedenfalls versucht er, einen Schlüssel zur höchsten Macht zu gewinnen: die Oberherrschaft über die Stadt Dublin, die im Norden an Leinster grenzt.

Dublin ist die größte unter eine Handvoll Hafenstädten, die im 9. und 10. Jahrhundert n. Chr. von wikingischen Raubfahrern gegründet worden sind. Anfangs war die Siedlung kaum mehr als eine mit Palisaden gesicherte Anlegestelle, später dann ein Sklavenmarkt. Inzwischen aber ist Dublin ein lebhafter Handelsort mit fruchtbarem Hinterland, in dem Nachfahren der skandinavischen Zuwanderer den Ton angeben – ein eigenes, von den Wikingern geprägtes Fürstentum, das zwischen den irischen Mächten laviert.

Dermots Ringen mit den wehrhaften Bewohnern Dublins verläuft wechselvoll; immerhin kann er ihnen zeitweilig seine Anerkennung als Oberherr abzwingen.

Im Jahr 1152 nutzt er die Gelegenheit, dass ein Nachbar in der Ferne Krieg führt, und raubt dessen Frau, Fürstin Devorgilla, von einer vermeintlich sicheren Insel. Auch ihre Möbel und ihr Vieh schleppt er davon.

Angeblich rächt sich der Fürst von Leinster damit für eine Demütigung im Kampf, die er als junger Mann ertragen musste.

Aber ist es überhaupt eine Entführung? Dermot selbst brüstet sich, Devorgilla sei ihm freiwillig gefolgt; und ein Chronist bestätigt dies: Es habe sich um einen romantischen Coup gehandelt, um weibliche Leidenschaft und jugendlichen Übermut.

Allein, die Adelige ist bereits Mitte 40, und Dermot hat den Thron seit rund 20 Jahren inne – kaum das Alter für eine halsbrecherische Amour fou.

So mag hinter dem Nebel der Überlieferung eine Intrige liegen. Ein Verwandter vielleicht, der Devorgilla unter Dermots Schutz stellt – der wiederum den Schützling kühl zu seiner Geisel macht.

Sein Preis ist nicht bekannt, doch lässt er die Entführte nach einem Jahr gehen. Der gedemütigte Ehemann aber wird den Vorfall nicht vergessen.

Im Jahr 1166 ergibt sich eine Gelegenheit zur Rache: Rory O’Connor, der Fürst des irischen Reichs Connacht (oder ein von ihm gedungener Mörder) tötet den Fürsten von Ulster im Norden, Dermots stärksten Bundesgenossen.

Zu O’Connors Gefolgsleuten zählt Devorgillas Mann, der nun, da Dermot seinen wichtigsten Verbündeten verloren hat, Rory O’Connor mit Erfolg anstachelt, in Leinster einzufallen.

Die vorrückenden Krieger treffen auf wenig Widerstand: Verbittert von der harschen, hochfahrenden Art ihres Herrn, laufen zahlreiche Adelige über, beteiligen sich daran, Dermot in seiner Stammesburg einzuschließen. Gemeinsam berennen sie die Anlage, nehmen und zerstören sie.

Als der gefangene Dermot vor den Siegern steht, darf er sich kaum mehr Hoffnung machen. Sie werden ihn töten. Zumindest aber blenden, für allemal ausschalten. So wie er es einst selbst mit unterlegenen Rivalen getan hat.

Doch sei es aus Mitgefühl, Sorglosigkeit – oder vielleicht, um seine Machtvollkommenheit oder gar Großmut zu demonstrieren: Rory O’Connor belässt es dabei, Dermot MacMurrough nur aus dem Land zu jagen.

Keiner der Beteiligten kann die Folgen dieses Gnadenakts auch nur ahnen. Sie sind gewaltig. Am Ende werden sie der irischen Geschichte eine neue Bahn geben – für immer. Denn der gestürzte Herr über Leinster denkt nicht daran, sich geschlagen zu geben.

Er wendet sich nach England.

Dort regiert nach längerem Bürgerkrieg seit einigen Jahren König Heinrich II., ein Anglo-Normanne. Dessen wikingische Vorfahren sind einst als „Nordmänner“ an der Seine-Mündung in Frankreich sesshaft geworden, haben die französische Sprache angenommen und im Jahr 1066 von der Normandie aus England erobert.

Inzwischen, 100 Jahre später, haben sie als Anglo-Normannen ein gewaltiges Reich errichtet, das von der schottischen Grenze bis zu den Pyrenäen reicht.

Heinrich II.: graue, unterlaufene Augen, die im Zorn jäh aufblitzen. Ein von Natur schwerer und breiter Mann mit bebender Stimme, hitzig, ruhelos selbst während kurzer Unterbrechungen seiner fortwährenden Feldzüge.

Ähnlich wie Dermot ist er hart und herrisch gegen den Adel. Jederzeit bereit, zu seinem Vorteil ein gegebenes Wort zu brechen.

Dermot, der Heinrich einst wahrscheinlich bei einer Rekrutierung von Söldnern unterstützt hat, bittet den Anglo-Normannen um Hilfe, doch an einem Eingreifen in Irland hat der Monarch kein Interesse. Aber er erlaubt dem Bittsteller, unter seinen Vasallen Kämpfer anzuwerben. Zu einem hohen Preis: Dermot muss Heinrich II. als Lehnsherrn über sich und seinen künftigen Besitz anerkennen.

Wie viel sich der Monarch davon erhofft, inwieweit der Bittsteller die Tragweite des Abkommens erfasst, bleibt Spekulation. Für die Geschichte Irlands entscheidend wird: Dermot McMurrough, entthronter irischer Fürst von Leinster, beugt vor Heinrich II. von England das Knie.

Wohl Anfang 1167 begibt sich Dermot nach Wales, wo Heinrichs Barone in einem Dauerkrieg mit den dort schon lange siedelnden keltischen Fürsten liegen. Als besonders wagemutiger normannischer Krieger in dem Grenzkonflikt gilt ein schlachtenerprobter Ritter von vielleicht 35 Jahren: Richard FitzGilbert, genannt Strongbow (der Beiname ist wohl eine Verballhornung des Familientitels Lord of Striguil).

Als Dermot auf Strongbow trifft, glaubt der Ire zunächst an eine Verwechslung: Vor ihm steht ein hochaufgeschossener Mann mit sommersprossigen Zügen von fast weiblicher Schönheit, rotem Haar, hoher Stimme. Die Arme sind einem Chronisten zufolge so lang, dass er sich aufrecht gehend an die Knie fassen kann. Er legt eine irritierende, erlesene Höflichkeit an den Tag.

Doch viel mehr als seine Manieren, Kampferfahrung und der engste Familienbesitz sind Strongbow nicht geblieben. Nachdem er im Bürgerkrieg gegen Heinrich II. gefochten hatte, nahm ihm der Monarch reiche Ländereien. Schwer drücken den verschwenderischen Edelmann seine Schulden.

Nun bietet Dermot ihm eine unverhoffte Chance. Strongbow soll helfen, das verlorene Reich zurückzugewinnen. Als Lohn soll er Dermots Tochter Eva zur Frau erhalten – und damit Aussicht auf das Fürstentum selbst. Die Männer werden handelseinig.

Die Hoffnung auf Abenteuer, Land und Beute lockt noch weitere normannische Adelige; Dermot malt ihnen Irland als den Ort aus, an dem sie zu Macht und Reichtum gelangen können.

Bald darauf folgen ihm 50 normannische Ritter und einige Hundert Bogenschützen in die Heimat. Strongbow ist aber nicht unter ihnen – offenbar verweigert Heinrich II. ihm aus Missgunst oder Argwohn die Erlaubnis.

Wie zum Hohn schickt der König den Vasallen nach Jahren der Missachtung nun sogar auf eine diplomatische Mission in das weit entfernte Deutschland.

Aber auch ohne Strongbow kann Dermot nun mit Hilfe der extrem kampferprobten Anglo-Normannen sowie einiger loyal gebliebener irischer Krieger einen Teil seines Reichs zurückgewinnen, dann sogar die erneute Anerkennung als Fürst von Leinster.

Alles sieht danach aus, dass Strongbow zu spät kommt, er seine Chance verpasst hat.

Doch mit den Siegen wächst Dermot MacMurroughs Gier. Warum nicht noch mehr gewinnen? Vielleicht das reiche Dublin, gar die Würde eines Königs über ganz Irland? Dazu aber braucht er ein stärkeres Heer. Also bedrängt er Strongbow per Boten, persönlich auf die Insel zu kommen.

Und tatsächlich: Von Ehrgeiz und Geldnot getrieben, setzt sich der Normanne über die Befehle Heinrichs II. hinweg.

Strongbow beruft seine Leute ein, heuert Söldner und Schiffe an. Im August 1170 sticht er von Wales aus in See, an der Spitze einer Armee von 200 Rittern sowie 1000 Infanteristen und Bogenschützen.

Die Invasionstruppe landet nahe Waterford und stößt tags darauf zu ihren Landsleuten sowie Dermots Männern, die Waterford gerade belagern: eine wohlhabende, von Wikingern gegründete und bewohnte Stadt, weniger bedeutend als Dublin, aber ähnlich unabhängig gesinnt.

Die Normannen sind eine eher kleine Schar, selbst nach Strongbows Ankunft sind sie dem Feind gegenüber meist in der Unterzahl. Doch ihre Ausrüstung ist besser – und sie wissen, wie die verschiedenen Waffengattungen am besten zusammenwirken.

In der Regel töten oder verwunden zunächst gedungene walisische Bogenschützen – allesamt Meister an einem der effizientesten Kriegswerkzeuge des Mittelalters – die Gegner in großer Zahl, ehe die überhaupt aufs Kampffeld gelangen.

Anschließend brechen die schweren, in dichter Formation heranstürmenden Panzerreiter in die dezimierten Reihen ein, eine meterlange, mit einer breiten Eisenspitze bewehrte Lanze voraus, die hohe, feste Sattelstütze gegen den Aufprall im Rücken. Danach kämpfen sie, in ihren Steigbügeln aufgerichtet, mit zweischneidigen, mächtigen Schwertern, die Helme zu spalten vermögen, mit der Axt oder dem Streitkolben.

Auch die Infanteristen sind zu ihrer Sicherung vielfach mit Helm, Kettenhemd, schwerem Schild und Schwert ausgestattet, gehen in disziplinierter Reihe vor – und halten in geschlossener Linie selbst den Angriffen gewaltiger Haufen stand.

Leichte Reiterei schließlich jagt Fliehende, macht die Reste der Verlierer nieder – und gerade weil sie so wenige sind, kämpfen die Normannen verbissen, rücksichtslos, grausam.

In Waterford erobern Strongbows Leute nach kurzem Kampf die Stadt, metzeln Bewaffnete wie Bürger nieder. In Haufen türmen sich die Leichen auf den Straßen.

Daraufhin erfüllt Dermot MacMurrough seinen Teil des Paktes: Noch bei Waterford gibt er Strongbow seine Tochter zur Frau. Anschließend marschiert das vereinigte Heer auf Dublin.

Die Leute dort sind stolz, kämpferisch. In einem früheren Streit haben sie einen keltischen Fürsten erschlagen und ihn zum Hohn zusammen mit einem Hund begraben, unter dem Boden ihrer Ratshalle. Dieser Fürst war Dermot MacMurroughs Vater.

Am 21. September 1170 steht nun der Sohn gemeinsam mit Strongbow vor der Stadt. Sie wird geschützt von einer stabilen, steinernen Mauer; zum Wasser hin haben die Bewohner hinter Wällen aus Erde und ausgedienten Schiffen Polder gewonnen, neues Land. In dichten Reihen stehen dort meist kleine Häuser, errichtet aus geflochtenen, lehmverschmierten Eschenstangen.

Unterhändler kommen zu den Belagerern hinaus. Begleitet von ihrem Erzbischof, schlagen sie eine Waffenruhe vor, um nach einer friedlichen Lösung zu suchen. Dermot willigt ein.

Zwei der normannischen Anführer jedoch sammeln ihre beutegierigen Gefolgsleute und greifen, offenbar ohne Absprache mit Strongbow oder Dermot, überraschend aus mehreren Richtungen an. Sie gelangen über die Mauern Dublins. Panik bricht aus. Die Vornehmen der Stadt drängen zum Hafen, verladen fieberhaft Schätze.

Mann um Mann machen die Eindringlinge die überrumpelten Verteidiger nieder. Die Fliehenden springen in Boote und Schiffe, nach und nach legt die Flotte ab, viele entkommen. Derweil wüten die Eroberer unter den Zurückgebliebenen, plündern selbst den Bischofssitz. Strongbow braucht Tage, um in der gefallenen Stadt Ordnung herzustellen. Dann macht er einen der beiden eigenmächtigen Truppenführer zum Garnisonschef: Unter normannischen Rittern gibt der Erfolg einem Draufgänger recht.

In den Wochen darauf führt Strongbow seine Truppen auf Betreiben Dermots zu Streifzügen in das benachbarte Gebiet, verwüstet die dortigen Gehöfte mit Feuer und Schwert. Wo sie auf Gegenwehr treffen, behalten die Angreifer trotz ihrer geringeren Zahl meist die Oberhand, denn ihre Gegner sind nur leicht gerüstet. Sie reiten ohne Sattel, ihr Körperschutz besteht aus gesteppten Leinenjoppen, bestenfalls Lederzeug und einem kleinen Rundschild. Ihre leichten Wurfpfeile, Speere und Streitäxte vermögen wenig auszurichten gegen die Normannen, die fast ganz in Helme mit Gesichtsschutz, in Panzerhemden und Hauben aus geflochtenem Eisendraht gehüllt sind. Und deren langgezogene Schilde ihren halben Leib decken.

Als Dermots alter Rivale Rory O’Connor erfährt, was die Fremden anrichten, spricht er eine wütende Drohung aus: Entweder der Fürst ruft seine wüsten Rittter zurück – oder er werde einem von Dermots Söhnen, den der Herrscher von Leinster ihm einst als Geisel geben musste, den Kopf abschlagen. Dermot antwortet mit einem hochmütigen Brief und fordert O’Connor stattdessen auf, sich zu unterwerfen. Der lässt den Jungen wie angekündigt töten.

Kurz darauf endet die Feldzugsaison, wird das Wetter kalt und nass, weicht den Grund auf, greift Männer und Material an. Strongbow führt das Heer nach Waterford ins Winterquartier. Der Frühling wird, so hofft er, weitere Siege bringen, Eroberungen – und seinem Schwiegervater vielleicht sogar den ersehnten Rang eines Königs von Irland.

Da trifft die Nachricht ein, dass Heinrich II. seine Vasallen bis Ostern 1171 aus Irland zurückruft. Ein Grund ist Strongbows Unbotmäßigkeit. Weit mehr aber schrecken dessen Triumphe den Monarchen auf: Er kennt den Stolz seiner normannischen Barone, ihren rebellischen Ehrgeiz – und nun steht einer von ihnen im Begriff, zu einer unabhängigen Macht in der Flanke Englands zu werden.

Also droht Heinrich II. seinen Vasallen und jedem, der bei ihnen bleibt, mit dem Verlust ihres Besitzes und sperrt die englischen Häfen für Transporte nach Irland.

Strongbow schickt zwar einen untertänigen Brief, macht aber keine Anstalten, von seiner Beute abzulassen – erst recht nicht, als Anfang Mai 1171 der alt gewordene Dermot MacMurrough stirbt. Im Namen von dessen Tochter Eva, seiner Frau, beansprucht Strongbow nun die Herrschaft über Leinster und alle umliegenden Eroberungen als Erbe.

Es ist ein riskantes Spiel. Strongbows Erbanspruch wird von vielen irischen Adeligen nicht anerkannt und hängt deshalb an der Schlagkraft seiner Kämpfer. Die jedoch erhalten unter Heinrichs Embargo keinen Nachschub mehr an Verpflegung, Pfeilen, Männern. Vorläufig zieht sich Strongbow mit einigen Hundert Gefolgsleuten erst einmal ins befestigte Dublin zurück.

Da marschiert zu Beginn des Sommers Rory O’Connor vor der Stadt auf. Angeschlossen haben sich ihm etliche Adelige, auch unzufriedene Clanchefs aus Leinster. Zusammen stellen sie wohl mehr als 20.000 Mann und bilden die größte Armee, die je ein irischer Anführer zusammengebracht hat.

Zwei Monate lang belagern O’Connors Männer Dublin. Immer knapper werden die Vorräte der Verteidiger. Schließlich schickt Strogbow Emissäre hinaus, um zu verhandeln. O’Connor jedoch antwortet mit einem Ultimatum: Entweder der Normanne gibt seinen Anspruch auf Leinster auf – oder man werde am folgenden Tag die geschwächte Festung Dublin angreifen.

Daraufhin setzt Strongbow alles auf eine Karte. Er zieht seine Männer von den Mauern ab, lässt sie Aufstellung nehmen. Und plötzlich, gegen vier Uhr nachmittags, stürmen sie aus den Toren, die Panzerreiter vorweg.

Der Ausfall kommt völlig unerwartet, trifft die Iren zumeist außerhalb ihres Lagers – Rory O’Connor angeblich beim Baden. Lanzen bohren sich durch Leiber, unter Schreien und Kampflärm dringen die Normannen in die leicht bewaffnete Masse, gefolgt von ihren verbliebenen keltischen Verbündeten. Äxte und Schwerter gehen knirschend und krachend auf Leiber nieder, immer neu preschen die Ritter hinzu.

Eine blutige Gasse entsteht. Schon laufen die ersten Männer vor der Wucht des Angriffs davon, trotz ihrer Überzahl – dann setzt eine Massenflucht ein. Reiter und Fußvolk setzen den Fliehenden nach. Sie machen nieder, wen sie erhaschen. Als sich der Tag zum Abend neigt, haben die Normannen einen entscheidenden Sieg errungen.

Nach der Schlacht um Dublin zerfällt die Koalition O’Connors; der Ire selbst jedoch entkommt. Den Widerstand lokaler Clanchefs bricht Strongbow mit Gewalt, lässt mindestens einen von ihnen enthaupten und den Hunden vorwerfen. Nun gibt es für ihn nur noch einen Gegner: Heinrich II.

Denn der König hat seine Drohung wahr gemacht und die Güter des trotzigen Vasallen beschlagnahmt. Jetzt bereitet er sogar einen eigenen Feldzug nach Irland vor. Werden Normannen nun gegen Normannen kämpfen?

Dazu ist Strongbow zu klug. Im Sommer des Jahres 1171 sucht er Heinrich in der Nähe von Gloucester auf, legt dem König alles zu Füßen, was er und seine Gefährten in Irland erobert haben, und erbittet untertänigst die Herrschaft über Leinster – nicht aus eigenem Recht, sondern als Lehen.

Nach einigem Zögern nimmt Heinrich II. den Antrag gnädig auf. Und er beschließt, Strongbow und dessen adeligen Kampfgenossen in Irland seine königliche Macht unmittelbar zu demonstrieren, indem er auf die Insel reist und ihre Unterwerfung persönlich entgegennimmt. Zudem will er die Gelegenheit nutzen, seine Oberhoheit nun auch auf die keltischen Fürsten des Eilands auszudehnen.

Mitte Oktober landet der Herrscher bei Waterford mit einer schlagkräftigen Armee. Und fast augenblicklich erscheinen irische Fürsten vor dem mächtigen Mann inmitten seiner gepanzerten Kämpfer, um den Lehnseid zu schwören und Tribut zuzusagen. Dafür, so hoffen sie, wird Heinrich ihren Besitz garantieren, sie vor der Habgier und Herrschsucht der normannischen Ritter bewahren.

Über den Winter hält Heinrich Hof in Dublin, in einer eigens errichteten Empfangshalle aus Flechtwerk. Er imponiert den zahlreich herbeiströmenden irischen Anführern durch Pomp und Luxus. Durch Extravaganzen wie die, als Delikatesse Kranich servieren zu lassen; nur zögernd greifen die Gäste zu: Kann man das wirklich essen?

Gut ein halbes Jahr lang empfängt der englische König die Lehnseide von keltischen Fürsten, den Wikinger-Herrschern der Städte sowie normannischen Rittern. Dann, am Montag vor Ostern 1172, lässt Heinrich sich zu einem auf Reede ankernden Schiff rudern und segelt zurück. Über Wales und England erreicht er die Normandie, wo ein Krieg mit dem König von Frankreich droht.

Für einen Großteil der Iren bleibt zunächst fast alles beim Alten. Nur steht an der Spitze ihrer Herren nun einer der mächtigsten Monarchen Europas. Als sich schließlich 1175 auch Rory O’Connor unterwirft, erkennt Heinrich ihn als Regenten über das gesamte noch nicht anglo-normannisch besetzte Irland an. Als König – aber von Englands Gnaden.

So wird Heinrich II. ohne einen Schwertstreich Oberherr von ganz Irland. Und stellt unter sich bewusst ein Gleichgewicht der Rivalen her, von Kelten und Normannen.

Im Jahr darauf stirbt Strongbow. Zu den Eroberungen in Irland hat er seither seinen Besitz in England und Wales zurückerhalten – und Heinrichs Gunst. Er hinterlässt eine ihm treu zugetane Frau (angeblich lenkt Eva sogar Gefechte für ihn) und zwei Kinder. Der Sohn wird nicht alt; die Tochter aber heiratet einen Normannen, der den Besitz noch erweitert und später sogar zum Regenten von England aufsteigt. Mit ihm werden die Nachfahren von Dermot MacMurroughs Tochter und Richard FitzGilbert, genannt Strongbow, zum mächtigsten aller anglo-normannischen Aristokratenclans in Irland.

Obwohl sie sich auch untereinander bekämpfen und berauben, allein an persönliche Vorteile denken, ihren Status und Besitz, eignen sich die Anglo-Normannen bis Mitte des 13. Jahrhunderts große Teile des Landes an. Und sichern es mit mächtigen Burgen, Städten und Garnisonen.

Zunehmend siedeln sie nun auch Bauern aus Britannien an, die persönlich frei sind – während erhebliche Teile der keltischen Bevölkerung als Leibeigene behandelt werden. Weitgehend unabhängig bleiben vor allem einige Clanführer in abgelegenen Wäldern, Morasten, dem Hochland.

Gezielt werden die Bischofsstühle mit eingewanderten Klerikern besetzt. In Stadt und Land breitet sich das Englische aus. Damit ist Irland de facto zu Englands Kolonie geworden. Ein Land zwischen Herren und Knechten. Zwischen zwei Sprachen und Kulturen – ein Land, dauerhaft zerrissen zwischen Unterwerfung und Revolte.

Dermots Pakt mit Strongbow, dessen Ehe mit Eva, der Machtwille Rory O’Connors sowie die taktische Finesse Heinrichs II. haben der irischen Geschichte eine neue Richtung gegeben. Sie auf ein neues Leitmotiv gestimmt: Fremdherrschaft, Vermischung und Freiheitsdrang. Es wird für fast ein Jahrtausend Irlands Dreiklang sein, sein Leitmotiv des Leidens.

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Neue Kommentarpolitik auf „Morgenwacht“: Wie bereits hier unter Punkt 1 angekündigt, am Schluß dieses Kommentars wiederholt als Absicht geäußert und in diesem Kommentar endgültig festgelegt, werden neue Kommentatoren nicht mehr zugelassen und sind die Kommentarspalten nur noch für die bereits bekannte Kommentatorenrunde offen.

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8 Kommentare

  1. Dieser Artikel enthält zwar keine Erwähnung der jüdischen Finanzierung von Richard Strongbows Invasion, aber dafür liefert er ein „Sittenbild“ des wahren Wesens der sogenannten Aristokraten, ihrer egoistischen, materialistischen Räubermentalität, die so fern von dem verlogenen Bild ist, das der Schnöselbaron Julius Evola von ihnen malt.

    Ähnlich wie im Fall der maurischen Invasion Spaniens im Jahr 711 (siehe diesen Kommentar von mir und die folgenden im selben Strang), wo der maurische Heerführer Musa bin Nusayr sich erst zur Überquerung der Straße von Gibraltar entschloß, nachdem der westgotische Adelige Graf Julian von Ceuta ihn zur Invasion in Iberien ermutigt und ihm sowohl von den Reichtümern und der Schönheit des Landes wie auch von der Ungerechtigkeit des Königs erzählt hatte, unter dem das Volk leiden solle, mit der Folge von sieben Jahrhunderten Fremdherrschaft und Unterdrückung für die Spanier, ist auch hier das Schicksal eines ganzen Landes und seines Volkes wegen der internen Rivalitätskämpfe seiner Alphapaviane für ebenfalls sieben Jahrhunderte sehr zum Schlechteren gewendet worden.

    Nicht nur folgten auf die anglo-normannische Annektion Irlands eine lange Zeit der Fremdherrschaft, sondern jene Fremdherrschaft hatte für die Iren auch schlimme Folgen, die bis hin zur buchstäblichen Versklavung reichten (siehe Weiße Sklaverei: Man kann die Wahrheit nicht widerlegen von David Sims): Beginnend ungefähr um 1610 fingen die englischen Tudor-Könige ab James I., dem Nachfolger von Elizabeth I., Hunderttausende Iren ein und verkauften sie als Sklaven in die Karibik und nach Nordamerika, wo die ersten schwarzen Sklaven 1617 eintrafen. Dieser Genozid am irischen Volk, der bis 1652 dauerte, hatte einschließlich der militärischen Schlächtereien zur Folge, das die Bevölkerungszahl Irlands in dieser Zeit von etwa 1.500.000 auf etwa 600.000 fiel.

    Während der Großen Hungersnot von 1845 – 1852 hatten die wetterbedingten Mißernten wegen der englischen Landbesitz- und Ausbeutungspolitik gegenüber den Iren eine ähnliche Zahl von Toten zur Folge, und viele irische Auswanderer nach Amerika mußten in dieser Zeit die Schuldknechtschaft (Indentur) auf sich nehmen, um sich die Auswanderung überhaupt leisten zu können. Das System der Indentur wird in John Lilburnes Essay Amerika: Land der Freien und Tapferen, oder des Oligarchen und des weißen Sklaven? ausführlich beschrieben.

    All diese schlimmen Folgen für das irische Volk erwuchsen letztendlich aus den ehrgeizigen Handlungen eines irischen Fürsten, der in seiner Machtgier und in seinem kurzfristigen Egoismus überhaupt nicht an die langfristigen Auswirkungen für das irische Volk dachte, genausowenig wie alle anderen „aristokratischen“ Akteure jener Zeit.

    Anhand dessen erkennt man, welche Illusion Vorstellungen wie die von Greg Johnson sind, der die gesellschaftspolitischen Verhältnisse in Frank Herberts „Dune“-Romanen so schön „archäofuturistisch“ findet und meint, Aristokratten seien wegen ihrer vermeintlich überlegenen langfristigen Orientierung die richtigen Führer für Langfristprojekte wie die Kolonisierung fremder Welten.

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  2. Noch eine andere Parallele:

    Engländer, die die britische Herrschaft über Irland rechtfertigen wollten, behaupteten früher gerne, Iren seien weniger intelligent, fleißig und tüchtig als Engländer; sie stellten sie gewissermaßen als eine Art weiße Neger dar, die es brauchen würden, daß man über sie herrscht und sie zur Arbeit ranhält.

    Damit haben sie rasserealistischer Argumentation einen Bärendienst erwiesen, denn wenn man heute auf tatsächliche Intelligenzunterschiede zwischen Rassen hinweist, kann die Gegenseite sagen: „Jaja, Engländer haben früher auch behauptet, Iren seien weniger intelligent als andere Weiße…“

    Deutsche Nazis, die Hitlers Slawenpolitik rechtfertigen wollen – und/oder eine erneute deutsche Ostexpansion, wenn es einmal möglich wäre – stellen Slawen auch gern als eine Art weiße Neger dar, denen befohlen werden müsse, was zu tun ist, weil sie von selber nichts auf die Reihe brächten, und „denen nützt ihre Scheiss-Freiheit doch gar nichts!“

    Wahrscheinlich habe ich mich damit erneut bei einem Teil meiner Leser unbeliebt gemacht und zur weiteren Vergraulung dieses Lesersegments beigetragen, aber was soll’s, es muß gesagt werden: „Was keiner wagt, das sollt ihr wagen, was keiner sagt, das sagt heraus“…

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    • Schildbürger

       /  September 20, 2019

      Habe kürzlich etwas Interessantes gesehen was mich da doch nicht unwesentlich an den geschilderten Sachverhalt erinnert, die Schlacht bei Visby 1361.

      Hier ein Filmbeitrag darüber, leider mit Alterssperre. Mit der richtigen Suchmaschine lässt sich diese allerdings auch umgehen.

      Ist schon alleine deshalb hochinteressant weil die Toten zum großen Teil in voller Rüstung (außer den Helmen, die wurden wohl als Beute mitgenommen) beerdigt wurden und die Knochen der Gefallenen eine Menge Aufschluss darüber lassen wie genau gekämpft wurde, aber was ebenfalls Augenmerk verdient ist der Ablauf.

      Wenn man Bolschewiki glauben darf, und in diesem Falle halte ich das Geschilderte für doch recht glaubwürdig, war es nicht gerade ein harmonisches Verhältnis zwischen der gotländischen Landbevölkerung und dem Händlervolk von Visby. Wen es zu Handelsplätzen wie die Motten zum Licht immer gerne hinzieht, denke da braucht man wenige Worte verlieren. Aber ich will da nicht zu viel spekulieren.

      Dann überfällt der Dänenkönig mit einer Söldnerschar die Insel. Die Landbevölkerung formt eine Bürgerwehr und stellt sich ihnen entgegen, wird geschlagen und zieht in Richtung von Visby, welches befestigt ist.
      Die Städter verwehren der Bürgerwehr den Einlass in die Stadtmauern, diese wird massakriert, und im Anschluss öffnen sie dem Dänenkönig und seinem Söldnerhaufen doch die Tore und lassen sich plündern bzw. zahlen Tribut.

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    • Das ist wirklich eine sehr sehenswerte und zum Schluß hin auch bewegende Dokumentation (hier im Kommentar eingebettet kam die Alterssperre übrigens gar nicht zur Wirkung).

      Daß es in Visby einen gewissen einflußreichen jüdischen Bevölkerungsanteil gegeben hat, ist durchaus denkbar. Daneben war auch die Aussage interessant, daß die Stadtbevölkerung damals sehr kosmopolitisch und international war, mit Bewohnern aus vielen europäischen Ländern – Multikulturalismus im Mittelalter. Das könnte ganz unabhängig von jüdischen Einflüssen zu einem gewissen Gegensatz zwischen den Bürgern Visbys und den einheimischen Bauern und Fischern geführt haben, die als einzige einen wirklichen tiefen Bezug zum Land hatten. Die internationalen Bürger Visbys werden sich vielleicht gesagt haben: „Sind eh nicht unsere Leute, was sollen wir uns wegen ihnen Ärger mit den Dänen einhandeln…“

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      • In den Buch von Richard Tedor Hitlers Revolution wird in Kapitel 6 „Revolution gegen Reaktion“ und ganz speziell in den Abschnitten „Verrat im Osten“ und „Die Normandie“ beschrieben wie der Adel gezielt Sabotage betrieb um eine militärische Niederlage zu erreichen. Tresckow und Becks dieser Verbrecher haben im vollen Bewusstsein die 4. Arme von den Russen über rollen lassen wobei von 350000 nur Mann 57000 überlebten. Dieser Adel fühlte sich auch nicht mit dem Volk verbunden.

      • Schildbürger

         /  Oktober 14, 2019

        @Lucifex:
        Ja, interessanter Punkt. Erinnert auch an heutige Tage wenn man sich die heutigen „Kulturzentren“ wie Berlin oder München (auch ganz ohne Verbuntung) anschaut. Da gibt es einfach sehr viele Zugezogene von überall, z.B. Studenten oder welche die das schillernde Nachtleben suchen, die mit ihrer Wunschheimat dann wohl nicht so recht verbunden sind und eher in Richtung persönlicher Vorteil als für einen Erhalt wählen.
        Gut, Geburtsort heißt nicht zwangsweise Heimatliebe. Die letzten beiden Berliner Oberbürgermeister, (die davor hab ich selber nicht bewusst wahrgenommen, von daher halte ich mich dahingehend bedeckt), Wowereit und Müller, beide geborene Berliner, eisiges Schweigen meinerseits.
        Aber irgendwer wählt die ja.

        Ähnlich wie im sonst an sich ja sehr konservativen (ich weiß, ich weiß… aber das würde jetzt abschweifen) Bayern dausgerechnet die Hauptstadt München seit ich denken kann ritzerot war.

        Hängt möglicherweise auch mit der allzeit vorherrschenden Meinungsmache zusammen dass man fern reisen müsse, das Gewohnte aufzugeben und so weiter. Möglichst weit weg von zuhause, keinen Bezug herstellen, der Bürger soll sich nur mit Dukaten k…en und brav auf Befehl Sitz machen für die politischen und wirtschaftlichen „Eliten“ abfinden.

        @Pils:
        Ich wär da immer vorsichtig. Hat auch immer schon Adlige gegeben die ehrbewusst waren und sich daran erinnert haben warum sie mal dahin gekommen sind wo sie sind bzw. waren und das auch honoriert haben.
        Aber eben nicht alle, was einmal mehr die Unsinnigkeit von Erbadel verdeutlicht.
        Der Mann erschaffts, der Sohn erhälts, der Enkel verprassts, so ging der Spruch doch irgendwie. Etwas plakativ, aber im Grunde ist keiner ganz dagegen gefeit.
        Feudalismus und Erbadel wurden wenn ich mich jetzt recht entsinne der ursprünglichen Meritokratie wie sie in den alten europäischen Gesellschaften eher Brauch war vom Machtgeier und Brudervölkermörder Karl dem Großen erst so richtig eingeführt, gefestigt durch den Papst und wohl beeinflusst durch Einflüsterer im Hintergrund.

  3. Hier noch zwei Musikvideos mit Liedern über irischen Freiheitskampf:

    Rising of the Moon – offizielle Version (über den irischen Aufstand von 1798):

    „Oh then tell me Sean O’Farrell,
    tell me why you hurry so?“
    „Hush a bhuachaill, hush and listen“,
    and his cheeks were all aglow
    „I bear orders from the captain,
    get you ready quick and soon
    For the pikes must be together
    by the rising of the moon.“

    By the rising of the moon, by the rising of the moon
    For the pikes must be together by the rising of the moon

    „Oh then tell me Sean O’Farrell,
    where the gathering is to be?“
    „At the old spot by the river
    quite well known to you and me.
    One more word for signal token,
    whistle out the marching tune
    With your pike upon your shoulder
    by the rising of the moon.“

    By the rising of the moon, by the rising of the moon
    With your pike upon your shoulder by the rising of the moon

    Out from many a mud walled cabin
    eyes were watching through the night
    Many a manly chest was throbbing
    for the blessed morning light
    Murmurs passed along the valleys
    like the banshee’s lonely croon
    And a thousand blades were flashing
    at the rising of the moon

    At the rising of the moon, at the rising of the moon
    And a thousand blades were flashing at the rising of the moon

    There beside that singing river
    that dark mass of men was seen
    High above their shining weapons
    hung their own beloved green
    Death to every foe and traitor,
    forward, strike the marching tune
    And hoorah me boys for freedom
    ‚tis the rising of the moon.

    ‚Tis the rising of the moon, ‚tis the rising of the moon
    And hoorah me boys for freedom ‚tis the rising of the moon

    Well they fought for poor old Ireland,
    And full bitter was their fate,
    Oh what glorious pride and sorrow,
    Fill the name of ninety-eight!
    Yet, thank God, e’en still are beating
    Hearts in manhood burning noon,
    Who would follow in their footsteps,
    At the rising of the moon.

    At the rising of the moon,
    at the rising of the moon
    Who would follow in their footsteps,
    At the rising of the moon.

    Sinéad O’Connor & the Chieftains – The Foggy Dew (über den irischen Osteraufstand von 1916):

    As down the glen one Easter morn
    to a city fair rode I
    There armed lines of marching men
    in squadrons passed me by
    No pipe did hum, no battle drum
    did sound it’s loud tattoo
    But the Angelus bell o’er the Liffey swell
    rang out through the foggy dew.

    Right proudly high over Dublin Town
    they hung out the flag of war
    ‚Twas better to die ’neath an Irish sky
    than at Sulva or Sud El Bar.
    And from the plains of Royal Meath
    strong men came hurrying through
    While Britannia’s Huns, with their long range guns
    sailed in through the foggy dew.

    ‚Twas Britannia bade our Wild Geese go
    that small nations might be free
    But their lonely graves are by Sulva’s waves
    or the shore of the Great North Sea.
    Oh, had they died by Pearse’s side
    or fought with Cathal Brugha
    Their names we will keep where the fenians sleep
    ’neath the shroud of the foggy dew.

    But the bravest fell, and the requiem bell
    rang mournfully and clear
    For those who died that Eastertide
    in the springing of the year.
    And the world did gaze, in deep amaze,
    at those fearless men, but few
    Who bore the fight that freedom’s light
    might shine through the foggy dew.

    Ah, back through the glen I rode again
    and my heart with grief was sore
    For I parted then with valiant men
    whom I never shall see more.
    But to and fro in my dreams I go
    and I’d kneel and pray for you,
    For slavery fled, O glorious dead,
    When you fell in the foggy dew.

    Antworten
  4. Hinsichtlich der von mir in einem Kommentar weiter oben angesprochenen anglo-nationalistisch motivierten Darstellung der Iren als Untermenschen ist eine Artikelreihe von Michael O’Meara auf Counter-Currents interessant, die ich nachfolgend samt den als Titelbilder verwendeten anti-irischen Karikaturen verlinke:

    How the Irish Became White, Part 1

    How the Irish Became White, Part 2

    How the Irish Became White, Part 3

    Antworten

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