Der wahre Ursprung der Sinti und Roma, Teil 3 von 3: „Appendix“

Von Sándor Avraham, übersetzt von Lucifex. Das Original Appendix erschien als Ergänzung zum Essay The True Origin of Roma and Sinti auf Myths, Hypotheses and Facts Concerning the Origin of Peoples. [Anm. d. Ü.: der Autor, der selbst ein Zigeuner ist, argumentiert, daß sein Volk aus einem verlorenen jüdischen Stamm des nördlichen Königreichs Israel hervorgegangen ist.]

Zuvor erschienen: Der wahre Ursprung der Sinti und Roma, Teil 1 und Teil 2.

Antwort

Bald nachdem diese Webseite veröffentlicht wurde (siehe die Hauptseite), reagierten manche Unterstützer des „Mythos vom indischen Ursprung“ mit Mißfallen, doch ohne irgendeinen Beweis für die Unterstützung ihrer dahinschwindenden Theorie zu liefern.

Es ist wohlbekannt, daß die angesehensten Wissenschaftler im Mittelalter glaubten, daß die Erde flach sei, mit der unzweifelhaften Unterstützung des anscheinenden Beweises, daß sie tatsächlich flach ist, nachdem wir auf ihr stehen. Wer meinte, daß sie rund sei, wurde zum Verbrennen auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Nun würden sogenannte Gelehrte der Theorie vom „indischen Ursprung“ mich ebenfalls bereitwillig auf dem Scheiterhaufen verbrennen, nachdem ich ihren Mythos zerstört habe und sie keine Beweise gegen die hier vorgelegten haben. [Einschub des Übersetzers: Wie ich in diesem und diesem Kommentar zu meinem Artikel „Kosmos, Kabbala du Käse“ darlege, ist diese Vorstellung vom angeblichen mittelalterlichen Glauben an die flache Erde samt dessen kirchlicher Durchsetzung offenbar selbst ein Mythos, der zur Zeit der Aufklärung in Umlauf gebracht wurde, um sich gegenüber dem Mittelalter als so viel fortschrittlicher darzustellen.]

Bisher sind die Leute, die über den Ursprung der Roma theoretisierten, in großer Mehrheit Gadje (Nicht-Roma), und es ist für sie unmöglich, die Roma-Kultur intim zu kennen. Es ist dasselbe, als würde ein herausragender Bibelgelehrter die Essenz des Judaismus erklären, ohne selbst ein Jude zu sein – egal wie tief diese Person die hebräische Sprache und die Thora kennt, die Kabbala und den Talmud, so könnte er niemals in der Lage sein, die innersten jüdischen Gefühle und Spiritualität darzulegen – zumindest nicht als Nichtjude.

Die wenigen davon, die Roma sind, sind sehr säkularisiert und sind einfach dem von den Theorien der Gadje-Wissenschaftler gesetzten Trend gefolgt, ohne irgendwelche tieferen Recherchen innerhalb ihrer eigenen Herkunftskultur durchzuführen. Die Tatsache, daß es Roma gibt, die den „Mythos vom indischen Ursprung“ unterstützen, bedeutet nicht, daß solch eine Theorie glaubwürdig ist, in gleicher Weise, wie die Tatsache, daß Karl Marx ein Jude war, ihn nicht zu einer Autorität bezüglich des Judaismus macht. Ein psychotischer Romanautor namens Koestler war ebenfalls ein Jude und erfand die Legende, daß sein eigenes Volk nicht semitisch sei, sondern türkisch, eine Theorie, die bald von allen Antisemiten akzeptiert wurde. Doch seine Theorie wurde als irrig bewiesen, obwohl es ein Jude war, der sie formulierte. Daher lade ich die Roma, die im Grunde ein bescheidenes Volk sind, dazu sein, nicht der pseudo-intellektualistischen Mode zu folgen, sondern innerhalb ihrer eigenen kulturellen Wurzeln Nachforschungen zu treiben, die sie sicherlich nicht nach Indien führen werden, sondern anderswohin.

Der irreführende Faktor

Wie bereits in diesem Essay gesagt worden ist, ist die ganze Hypothese hinsichtlich des angeblichen indoeuropäischen Volkstums der Roma auf einer einzigen Sache begründet: der Roma-Sprache. Obwohl die Klassifizierung von Völkern nach ihrer Sprachfamilie aufgegeben worden ist, folgen die Unterstützer des Mythos vom indischen Ursprung immer noch dieser irreführenden Spur und weigern sich, auf den neuesten Stand gebracht zu werden – sie beharren immer noch auf der Unterstützung der Formel „Sprache = Ethnizität“. Hier präsentieren wir einige Beispiele, um zu zeigen, wie völlig irrig es ist, den ethnischen Ursprung nach der Sprache zuzuordnen:

Unter ungebildeten Menschen hört man oft, daß die Franzosen oder die Spanier oder die Italiener „lateinische“ Völker sind, nur weil die Sprachen, die sie sprechen, lateinischen Ursprungs sind (aus demselben Grund werden die Spanischsprachigen in den Vereinigten Staaten „Latinos“ genannt). Betrachten wir diese Sache nun ernsthaft: ein paar Menschen von unbekannter Herkunft, angeblich Trojaner, gründeten auf etruskischem Territorium ein Dorf, das sie „Roma“ nannten, und folglich wurden sie von ihren Nachbarn „Römer“ genannt. Sie sprachen Latein. Das Land, wo dieses Dorf erbaut wurde, war von verschiedenen Völkern unterschiedlicher Herkunft bewohnt: im Süden gab es Italiker (ein Komplex aus Stämmen, die vermutlich einen gemeinsamen Hintergrund hatten), Griechen, Seevölker (Philister), Sikuler, Phönizier (Kanaaniter) etc.; in der mittleren Region – wo das Dorf Rom lag – gab es Etrusker, Umbrier, Italiker, Kelten etc.; im Norden wohnten Venedi, Ligurier, Kelten etc. Es ist offensichtlich, daß diese Völker verschiedenen Ethnien angehörten und daß das heute „Italien“ genannte Land sehr heterogen war. Die Römer waren eine Art von „Kshatriyas“, die das ganze Land eroberten und ihre Sprache der gesamten Bevölkerung aufzwangen, in einer Weise, daß sie sich sogar gegenüber den Invasoren und Siedlern behauptete, die nach dem Fall des Römischen Reiches kamen: Goten, Lombarden, Heruler, Sarazenen, Normannen, Türken etc. Sie sind nun alle Italiener, ein „lateinisches“ Volk…

Die Römer machten weiter: sie eroberten Gallien, eine keltische Nation, und nachdem ihre Herrschaft vorbei war, übernahmen die Franken, ein germanisches Volk, das Land und gaben ihm ihren Namen, doch die Sprache der Römer blieb und wurde sogar von den normannischen Siedlern übernommen. Sie sind nun die Franzosen, ein „lateinisches“ Volk…

Die Römer zogen weiter westwärts über die Pyrenäen und unterwarfen ein Land, das von Tartessiern, Phöniziern, Iberern, Basken, Kelten etc. bewohnt war; sie setzten ihre Sprache in einer Weise durch, daß sogar die Goten, Vandalen, Alanen und alle anderen, die nach ihnen kamen, immer noch Sprachen sprechen, die von jener der Römer abgeleitet sind. Jene Völker sind nun Spanier, Katalanen und Portugiesen, alles „lateinische“ Völker… Sie zogen auch nordwärts über den Ärmelkanal und eroberten das keltische Großbritannien, wo sie tiefe Spuren ihrer Kultur hinterließen – aber die germanischen Invasoren, die nach ihnen kamen, übernahmen nicht die Sprache der Römer, daher bestimmte dieser Faktor, daß die Briten kein lateinisches Volk waren (während sie ethnisch und auch durch viele Traditionen viel enger mit den Römern verwandt sind als die Franzosen).

Wir wissen, daß die Römer auch nach Osten expandierten und nicht so erfolgreich waren, ihre Sprache überall durchzusetzen, außer in einem Land, das von Illyrern bewohnt war, wohin die Römer ein gemischtes Kontingent schickten, das hauptsächlich aus Italikern und einer unbedeutenden Zahl „echter“ Römer bestand. In diesem Land gab es nachfolgend Invasionen vieler verschiedener Völker wie Skythen, Goten, Sarmaten, Hunnen, Slawen, Petschenegen, Kumanen, Türken, Mongolen, Sachsen etc., und es wurde großteils durch die slawische und die griechische Kultur beeinflußt; dennoch nennt ein Teil der Population, der ostwärts in die Donauregion zog, sich stolz „Român“ und ihr Land „România“; ihre Sprache steht dem alten Latein am nächsten, trotzdem sie die einzige ist, die geographisch von allen anderen und vom römischen Gebiet selbst getrennt ist (obwohl die Rumänen nicht aus Dakien stammen – siehe „Vlach“). Außerdem hat das Rumänische in einem ganz anderen Umfeld und ohne irgendeine Verbindung eine sehr ähnliche Evolution durchgemacht wie die süditalienischen Dialekte, hauptsächlich Neapolitanisch und Salentinisch, und hat auch einige Elemente mit dem Sizilianischen und Sardinischen gemeinsam. Von allen modernen Sprachen würde ein antiker Römer wahrscheinlich Rumänisch besser verstehen als irgendeine andere. Dies bedeutet, daß die Person, die heute einen Dialog mit einem alten Römer hätte, wahrscheinlich nicht die geringste Spur von römischem Blut in ihren Adern hätte, sondern vielmehr eine kumanische oder illyrische Abstammung (da die Rumänen keine Autochthonen des alten Dakien sind, sondern zum Großteil aus der Balkanregion an der Südostküste des Adriatischen Meeres stammten).

So wie die römischen „Kshatriyas“, obwohl sie eine unbedeutende Zahl von Einwohnern eines beinahe unbekannten Dorfes in Etrurien waren, einem beträchtlichen Bereich Europas eine „lateinische“ Identität angehängt haben, haben auch die indischen (oder hurritischen) Kshatriyas genau dasselbe auf dem gesamten Subkontinent getan, dessen Bevölkerung sie unterwarfen und der sie ihre Sprache, ihre Kultur und ihr Kastensystem aufzwangen. Mit welcher Gewißheit können moderne Wissenschaftler behaupten, daß die Bevölkerung Indiens eine homogene Masse mit einem gemeinsamen Ursprung ist?

Was das moderne Rumänisch betrifft, so ist es ein gutes Beispiel für eine weitere Antwort auf einige Aussagen des Autors der Theorie vom Ursprung in Kannauj, die in dem Essay zitiert wurden.

Er sagt:

„unter allen modernen indoarischen Sprachen haben nur die Dialekte des Raumes um Kannauj, einige der Braj-Sprachen und Nepali (Nepal ist nur sechzig Meilen von Kannauj entfernt) eine Endung der männlichen Hauptwörter und Eigenschaftswörter auf ~o (oder ~au = ~o), die mit Romanes identisch ist, wo es ebenfalls ~o ist: purano ‚antik, alt‘ (andere indoarische Sprachen purana, Romanes purano), taruno‚ jung [wörtlich in Hindi]‘ (andere indoarische Sprachen taruna, Sinto tarno, Romanes terno). In Wirklichkeit unterliegt die Dialektentwicklung des häufigen ~a zu ~o recht komplizierten Regeln, die immer noch aufgeklärt werden müssen.“

Was ist mit der Tatsache, daß unter allen neulateinischen Sprachen nur Rumänisch, Sardinisch und süditalienische Dialekte eine Endung männlicher Hauptwörter auf ~u haben? Warum ist zum Beispiel der Begriff „Zunge“ im Rumänischen und Sardinischen genau gleich [„limba“], während kein anderer dazwischenliegender neulateinischer Dialekt sich in dieser Weise entwickelt hat? Stammen die Rumänen von sardinischen Soldaten ab? Die Geschichte beweist, daß es in römischer Zeit keine Beziehung zwischen diesen beiden Völkern gab, und doch sind die für beide Sprachen einzigartigen linguistischen Übereinstimmungen offenkundig.

„unter allen modernen indoarischen Sprachen präsentiert nur Awadhi (eine Sprache, die von etwa 20 Millionen Benutzern in einem großen Bereich westlich von Kannauj gesprochen wird) genau wie das Romanes eine alternative lange Form des besitzanzeigenden nachgestellten Verhältniswortes. Es gibt nicht nur eine strikte Parallele in dem Phänomen selbst, sondern die nachgestellten Verhältnisworte sind auch in der Form identisch: zusätzlich zur kurzen Form (~ka, ~ki ~ke), die allen indoarischen Sprachen gemeinsam ist, hat Awadhi eine lange Variante ~kar(a), ~keri, ~kere, genau wie viele der archaischsten Romanes-Dialekte…“

Dasselbe trifft auf das Rumänische und die Dialekte der Region um Neapel zu: unter allen neulateinischen Sprachen stellen nur diese beiden das besitzanzeigende Fürwort hinter das Hauptwort statt vor dieses und sind in der Form identisch: das typische Beispiel ist „sora ta“ (deine Schwester), das in beiden Sprachen gleich ausgesprochen und geschrieben wird – dasselbe gilt für alle besitzanzeigenden Fürwörter. Zusätzlich ist die neapolitanische Art, das „a“ auszusprechen, recht ähnlich dem rumänischen „â“. Viele andere Begriffe sind erstaunlich gleich, zum Beispiel ist das Verb „heiraten“ für einen Mann auf Rumänisch und Neapolitanisch „ânsura“, und für eine Frau ist dasselbe Verb in beiden Sprachen „marita“. Eine große Zahl von Verben und Ausdrücken ist nur in diesen beiden Regionen zu finden und nirgendwo sonst in dem weiten neulateinischen Gebiet. Wenn wir konsistent mit der Argumentation über den Mythos vom Ursprung in Kannauj oder Indien sein sollen, dann müßten wir schlußfolgern, daß die Rumänen von Menschen abstammen, die im Raum von Neapel lebten, als die örtliche Sprache im Entstehen begriffen war, aber tatsächlich entwickelte sich die rumänische Sprache am anderen Ufer des Adriatischen Meeres und hatte keine Beziehung zur Entstehung der tyrrhenisch-italienischen Dialekte. Tatsache ist, daß nur eine unbedeutende Zahl römischer Soldaten (weil es sehr weniger Römer gab und der Großteil ihrer Armee aus Männern bestand, die aus ihren eroberten Ländern rekrutiert wurden) in Rumänien siedelte und daß ethnisch moderne Rumänen fast keine Verwandtschaft mit Römern oder Italienern haben – und daß die Italiener selbst nicht von echten Römern abstammen, abgesehen von einer winzigen Zahl.

Doch um kohärent mit den Wissenschaftlern zu sein, die gern spekulative Theorien auf der Grundlage scheinbarer linguistischer Übereinstimmungen und anderer Elemente ausarbeiten, warum nicht einen weiteren absurden Ursprung der Roma (Zigeuner) vorschlagen? Hier ist er: Die Geschichte bezeugt, daß die alten Römer einen ungewissen Ursprung hatten; es ist nicht genau bekannt, woher sie kamen. Sie erschienen plötzlich durch Fakten, die mit Legenden verwoben sind, wie der Raub der Sabinerinnen – Brautraub ist ein typischer Zigeunerbrauch. Die Römer waren sehr abergläubisch und praktizierten Magie und Wahrsagerei und bevorzugten den zoroastrischen Mithraskult gegenüber ihrer eigenen heidnischen Religion. Sie waren auch von Ägypten fasziniert, sodaß sie viele Obelisken stahlen, die sie in ihrer Stadt aufstellten, obwohl sie keine Ägypter waren. Das Herz ihrer Hauptstadt wird „Foro Romano“ genannt, was auf Romanes genau „Zigeunerstadt“ bedeutet. Daher stammen die Roma (deren Volksname derselbe ist wie der Name ihrer ursprünglichen Stadt) von den alten Römern ab. Als sie Dakien eroberten, waren die Einwohner dort schwer zu unterwerfen, sodaß sie zahlreiche Armeen aus Rom schickten, und das ist der Grund, warum es so viele Roma in Rumänien gibt. Lächerlich, nicht wahr? Genauso wie die spekulativen Theorien, die von modernen Wissenschaftlern formuliert werden, die einen indoarischen Ursprung unterstellen! Tatsächlich hatten die alten Römer viele Merkmale mit den hurritischen/indischen Kshatriyas gemeinsam, zumindest in der Hinsicht, daß sie beide ein großes Reich gründeten, in dem den unterworfenen Völkern ein niedrigerer Status zugewiesen wurde, aber den Kriegern ein höherer. Sie waren ethnisch nicht miteinander verwandt, übten aber einen Einfluß auf die Bevölkerung aus, über die sie herrschten, der unauslöschliche Spuren über die Jahrhunderte hinterließ, sodaß viele dieser Völker immer noch durch die Sprache identifiziert werden, die sie sprechen: „Latein“ oder „Indo-Arisch“. Ist Sprache nicht ein irreführender Faktor?

Und schließlich würden die Unterstützer des indischen Ursprungs der Roma Amerika nicht entdecken. Sie denken immer noch, daß die Erde flach sei und es keine Möglichkeit gibt, den Osten zu erreichen, indem man westwärts segelt. Das ist eine Torheit, die sich nur ein Verrückter ausdenken würde, der es verdient, auf dem Scheiterhaufen verbrannt zu werden.

Diese Wissenschaftler gründen ihre Mythen immer noch auf eine scheinbare linguistische Verwandtschaft, ohne die wahren Werte des Volkstums zu berücksichtigen, die weit über die Sprache hinausgehen. Ihre Theorien liefern jedoch keine Erklärung der Fakten, die in diesem Essay dargelegt wurden (siehe vorherige Seite: „Die Fakten“), wesentliche Besonderheiten der Roma und Sinti, die zu keinem indischen oder indo-arischen Volk gehören. Es ist Zeit, daß sie nach einer umfassenderen Hypothese suchen, die mit der Kultur und Spiritualität der Roma übereinstimmt, statt die Roma zur Akzeptanz einer Klassifizierung zu zwingen, in der Roma sich nicht wohlfühlen und mit der sie sich nicht wirklich identifizieren. Den Kshatriyas gelang es, den Roma ihre Sprache zu geben, aber es gelang ihnen nicht ihnen jeden anderen Aspekt aufzuzwingen; moderne Wissenschaftler versuchen diesen Assimilationsprozeß zu vollenden, indem sie den Roma ihre wahre Identität stehlen und ihnen eine andere zuschreiben, die ihnen völlig fremd ist.

Über die Gruppenbezeichnungen der Roma

Neben der nur auf Linguistik beruhenden Ursprungstheorie ist von Gadje-Wissenschaftlern auch eine willkürliche Klassifizierung der verschiedenen Roma-Gruppen nach fragwürdigen Mustern gefördert worden. Vielleicht die irrigste Definition ist die der „Rom Vlax“, die auf die osteuropäische Roma-Gruppe angewandt wird. In Wirklichkeit gibt es keinen einzigen Rom im ganzen Universum, der sich als „Vlax“ identifizieren würde. Man kann von denen, die in solch eine Klassifikation einbezogen wurden, sagen hören: „Ame sam Kalderasha“ oder „Ame sam Churarya“ oder „Ame sam Lovarya“ oder auch „Ame sam Gábor“ oder eine andere Identifikation, aber sicherlich würde man keinen von ihnen sagen hören: „Ame sam Vlaxurya“ oder „Ame das duma Vlaxitsko Romanes“. In Wirklichkeit hat solch ein Begriff überhaupt keine Bedeutung für Roma und existiert im Romanes auch nicht einmal.

Es gibt drei hauptsächliche Möglichkeiten einer Klassifikation des Volkes:

1) Der Name, mit dem Roma ihre eigene Gruppe benennen (diee beste Möglichkeit);
2) Der Name, der einer Gruppe von anderen Roma gegeben wurde (in den meisten Fällen eine akzeptable Möglichkeit);
3) Wie die Gadje Roma-Gruppen benennen (die unpassendste Art).

Leider ist die dritte Möglichkeit ausgewählt und zur offiziellen erklärt worden! Tatsächlich bedeutet der Begriff „Vlax/Vlah/Vlach“ „Rumäne, Walache“, das ist ein anderes Volk (siehe Vlach). Außerdem ist es in der Roma-Sprache wie ein Synonym für „Gadjo“, „Nicht-Rom“! Das ist bei den Roma aus Rumänien der Fall, die den „Gadjo“ mehr mit dem Rumänen identifizieren als mit irgendeiner anderen Nationalität; zum Beispiel kann man einen Rom bei einem internationalen Treffen verschiedene Völker so erwähnen hören: „Kothe sas Ungurya, Nyamtsurya, Frantsusanurya thai vi Gazhé“; übersetzt heißt das: „Da waren Ungarn, Deutsche, Franzosen und auch Gadje“, wobei mit „Gadje“ Rumänen gemeint sind. Wenn man also Roma als „Vlax“ klassifiziert, dann ist das dasselbe, als würde man sagen: „Gadje-Roma“ oder Roma Nicht-Roma!“

Der Ursprung des Wortes Vlax ist sehr gut definiert: es ist das Wort, mit dem die germanischen Völker die Kelten bezeichneten (und das heute im englischen Namen von Wales überlebt); nachdem die meisten keltischen Stämme romanisiert waren, wurde diese Bezeichnung auf die lateinischsprachigen Völker angewandt (wie die belgischen Wallonen, um sie von den flämischsprachigen Belgiern zu unterscheiden, oder das schweizerische Welsche, nämlich die französischsprachigen Schweizer, wie sie von den deutschsprachigen Schweizern genannt werden – ihre Kantone werden für gewöhnlich als Welschschweiz bezeichnet -, und in gleicher Weise wird das italienische Gebiet Trentino-Südtirol Welsch-Tirol genannt). [Einschub des Übersetzers: die Südtiroler nennen die Italiener „die Walschn“; vergleiche „Verkaufte Heimat“ von Felix Mitterer.] Später wurde der Begriff von den Slawen und Ungarn mit der Bedeutung römer-ähnlich, italienisch, französisch oder balkan-walachisch (rumänisch) übernommen; von daher der heutige polnische Name Italiens, Włochy, und das ungarische Wort für Italiener, Olasz (eine Variation von Olah, Walache). Um das Paradox zu vervollständigen, enthält derselbe Begriff auch die Bedeutung „Schafhirte“, ein Beruf, der niemals für Roma typisch gewesen ist…

Es ist keine leichte Aufgabe, eine angemessene Klassifikation der Roma-Gruppen zu erstellen, aber zumindest sollten wir versuchen, geeignetere Begriffe zu finden, die auch von Roma anerkannt würden oder mit denen sie sich in irgendeiner Weise identifizieren. Das erste abzuschaffende Wort ist natürlich Vlax!

Sándor Avraham

Links aus dem Originalartikel:

Comparison of Romany Law with Israelite Law and Indo-Aryan Traditions

Roma and Gypsies

The Indus Valley History Chronology

The Simeon Deceit

 

Siehe auch:

Übernatürliche Beschmutzung: Die Vorstellungen der Zigeuner von Dennis Mangan

Gypsy Law des Ökonomen Peter T. Leeson, ein 20seitiger PDF-Text, auf den Dennis Mangans Artikel sich bezieht (ich glaube mich zu erinnern, daß diese PDF früher ähnlich hieß wie Mangans Essay und 40 Seiten hatte; irgendwo habe ich die damalige Fassung gespeichert)

Gene zeichnen Geschichte der Roma nach aus „Spektrum der Wissenschaft“ 2-2013

The Little Blonde Gypsy Girl von Jim Goad

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Neue Kommentarpolitik auf „Morgenwacht“: Wie bereits hier unter Punkt 1 angekündigt, am Schluß dieses Kommentars wiederholt als Absicht geäußert und in diesem Kommentar endgültig festgelegt, werden neue Kommentatoren nicht mehr zugelassen und sind die Kommentarspalten nur noch für die bereits bekannte Kommentatorenrunde offen.

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