Kosmos, Kabbala und Käse

Die Entwicklung des Universums gemäß dem Standardmodell der Kosmologie (aus „Sterne und Weltraum“ 2-2014).

Die Entwicklung des Universums gemäß dem Standardmodell der Kosmologie (aus „Sterne und Weltraum“ 2-2014).

Von Deep Roots, ursprünglich veröffentlicht auf „As der Schwerter“

Auf „Autarkes Rattelsdorf“ ist ein Artikel mit dem Titel „Die wahre Grundlage der Schulphysik“ erschienen, in dem behauptet wird, das gegenwärtige physikalische und kosmologische Weltbild sei nicht bloß ein „wissenschaftliches Irrgebäude“, sondern ein „religiöses System“ jüdischer Lügen, das bloß zurechtgebogen worden sei, um es so aussehen zu lassen, als hätte die Kabbala diese Aussagen bereits vor bis zu 2000 Jahren gemacht:

Die offiziellen Geschichtsbücher reden von einem Universum, das vor über 15 Milliarden Jahren durch einen Urknall entstanden sein soll. Man formulierte die Gravitationslehre, die Relativitätstheorie, die Quantentheorie, die String-Theorie usw.. Alles hoch wissenschaftlich denkt der uninformierte Leser, doch wer genauer hinsieht, kann die Lücken erkennen, die alle diese Theorien zum Einsturz bringen. Bisher konnte man das ganze physikalische Gebäude für einen Irrtum halten, der weiter und weiter aufgebaut wurde. Um eine unsinnige Theorie am Leben zu halten, wird eben eine neue unsinnige Theorie entwickelt, hauptsache die Fehler der alten Theorie müssen nicht zugegeben werden. 

Doch nun wurde mir bewusst, dass wir es gar nicht mit einem wissenschaftlichen Irrgebäude zu tun haben, sondern mit einem religiösen System, das bereits 2000 Jahre alt ist. Hört sich das unglaublich an? Dann lest bitte diesen Artikel bis zum Ende und ihr werdet erkennen, was wirklich hinter den angeblich so wissenschaftlichen Lehren der modernen Physik steckt. Und dann wird auch klar werden, warum man mit wissenschaftlichen Argumenten keine Chance hat. Wir haben es mit einem religiösen System zu tun, das sich als Wissenschaft ausgibt.

Gleich vorweg: Mir fallen bei diesen Thesen genügend Pferdefüße ein, um damit eine kleine Pferdeherde als Sleipnir-Lookalikes auszustatten. Aber der Reihe nach – zunächst geht es einmal um den Urknall und das Alter des Universums:

Aus welchem Glaubenssystem kommt die Überzeugung, dass das Universum über 15 Milliarden Jahre alt ist? Diese Zeitangabe stammt aus der jüdischen Geheimlehre, der Kabbala:

„Nechunya ben  HaKanah, ein Kabbalist aus dem 1.Jahrhundert, behauptete, dass man eine lange Zeit zwischen der Schöpfung des Universums und der Schöpfung des Menschen entziffern könnte, wenn man weiß, wie man die 42 Buchstaben des Namen Gottes anwendet. Er sagte das Alter des Universums sei 15,3 Milliarden Jahre, das ist die selbe Zeitangabe bei der die moderne Astrophysik gerade angekommen ist, und das 2000 Jahre früher.“

Nun beträgt das Alter des Universums nach derzeitigem Stand der „Schulphysik“ nicht 15,3 Milliarden Jahre, sondern 13,8 Milliarden (siehe Titelbild). Und zu diesem Wert ist man gelangt, indem man die kosmische Expansion zurückgerechnet hat, die anhand der Messung der Rotverschiebung des Lichtes von Galaxien durch den Doppler-Effekt ermittelt wurden. Seit der Entdeckung des Zusammenhangs zwischen dieser Rotverschiebung und der Verteilung der Galaxien durch Edwin Hubble im Jahr 1929 hat der auf diese Weise bestimmte Wert für das Alter des Universums je nach Stand der Beobachtungen ziemliche Veränderungen durchgemacht und variierte zwischen 8 bis 20 Milliarden Jahren. Parallel dazu wurde auch eine Zeitlang die Steady-State-Theorie diskutiert, wie sie unter anderem von Fred Hoyle vertreten wurde. Um diese Entwicklung nachzuzeichnen (und als Beweis, daß ich mir diese Angaben nicht aus den Fingern gesaugt habe), füge ich hier Beispiele aus diversen Büchern ein, zunächst aus dem rororo-Buch „Das Weltall“ von 1975 (David Bergamini, ISBN 3 499 18046 4):

2a Das Weltall 1975 S 184

 

2b Das Weltall 1975 S 185

Sodann aus der „Cambridge Enzyklopädie der Astronomie“ von 1977 (deutsch 1978, ISBN 3-572-03667-4), wo im Text von einem Alter gemäß damals neuester Beobachtungen von 20 Milliarden Jahren ausgegangen wird:

3a Cambridge Enzyklopädie der Astronomie 1977

…in der auf der gegenüberliegenden Seite dargestellten Grafik samt Begleittext jedoch die Spanne des möglichen Alters des Universums mit zwischen 7,4 und 13 Milliarden Jahren dargestellt wird, je nachdem, ob die Gravitation der gesamten Materie im Universum ausreicht, um dessen Expansion irgendwann anzuhalten und umzukehren, oder ob sie nicht ausreicht und der Kosmos sich für immer ausdehnen wird:

3b Cambridge Enzyklopädie der Astronomie 1977

Der jüdische Autor Carl Sagan schreibt in seinem Buch „Unser Kosmos“ von 1980 (deutsch 1982, ISBN 3-86047-244-5), der Urknall liege zehn bis zwanzig Milliarden Jahre zurück:

4 Carl Sagan Unser Kosmos 1980

Im Artikel „Urknall oder nicht?“ aus „Sterne und Weltraum“ 2-2014, aus dem auch das Titelbild meines Artikels stammt, ist bereits der heute aktuelle Wert von 13,8 Milliarden Jahren angegeben. Es werden darin auch die Problempunkte der Kosmologie vom Urknall und der kosmischen Expansion nicht verschwiegen:

„Erstaunlich ist im Szenario der Inflation, dass die winzigen Fluktuationen der Quantenwelt als Inhomogenität ausreichen könnten, um genau solche Strukturen hervorzubringen, die wir in der kosmischen Hintergrundstrahlung und in der heutigen Galaxienverteilung sehen. Deshalb gehört die Inflation heute zum Standardbild des heißen Urknalls. Ihr Problem ist jedoch, dass sie quasi aus dem Hut gezaubert wurde und sich aus keinem bekannten physikalischen Phänomen ergibt. Sie kann zwar so gestaltet werden, dass sie dem Universum die richtigen Eigenschaften verleiht, doch Kritiker sehen sie damit nicht als Lösung, sondern als Verlagerung der Frage: Woher bezieht nun die Inflation genau die richtigen Eigenschaften?“

In weiterer Folge werden diverse Alternativen zum Urknall geschildert, etwa zyklische Universen, die sich periodisch aufblähen und in sich zusammenfallen, bevor sie wieder in eine Expansion zurückspringen. Seit jedoch Ende der 1990er Jahre genauere Messungen von Supernovae zeigten, daß sich die Expansion des Weltalls derzeit sogar beschleunigt, und diese Messungen durch Beobachtungen mit verschiedenen Methoden gestützt werden, ist die Rückkehr zur Kontraktion wieder vom Tisch. Eine weitere alternative Theorie, die vorgestellt wird, ist die Konforme zyklische Kosmologie von Roger Penrose, der zufolge das Universum eine unendliche Serie von Zeitstufen durchläuft, ohne daß es einen Urknall gäbe. Das Resümee des S&W-Autors Christian Wolf:

„Es scheint, als ob unser Bild vom Universum im Lauf der Zeit immer komplexer wird. Der erste Schritt führte von der immerwährenden Stetigkeit zur Expansion und weitere Schritte fügten Inflation und eine beschleunigte Ausdehnung auf Grund einer geheimnisvollen Dunklen Energie hinzu. Was sonst noch? Hier kann eine Regel namens Ockhams Rasiermesser weiterhelfen: Der englische Franziskaner-Gelehrte William of Ockham (1288 – 1348) schlug vor, von zwei möglichen Hypothesen diejenige zu bevorzugen, die weniger postulierte Faktoren braucht, um das Geschehen vollständig zu erklären. Wir sollten also so wenige Faktoren postulieren wie möglich, aber so viele, wie wir brauchen, um unsere Messdaten zu erklären. Die Messungen zwingen uns jedoch, allzu einfache Vorstellungen abzulegen. Wo das All gestern noch als homogen und isotrop galt, finden wir heute Hinweise auf großräumige Strukturen, die sich über vier Milliarden Lichtjahre erstrecken, und koordinierte großräumige Strömungen vieler Galaxien, die nicht in das Idealbild passen.

Skeptiker fragen sich, ob die Beweislage für das Standardmodell der Kosmologie wirklich eindeutig ist oder nicht. Dabei gilt, dass wir den Kontext der Erschaffung des Universums wohl kaum je physikalisch erkunden und erklären werden. Nun ist jeder Mensch mit A-priori-Ur-Annahmen ausgestattet. Wir benutzen sie, um bei unklarer Lage die Hinweise für und gegen eine Behauptung zu gewichten. Solange also die Sachlage keine zwingenden Beweise enthält, ruht die empfundene Gültigkeit eines kosmologischen Gesamtmodells letztlich auf den Ur-Annahmen des Individuums.“

Wie auch immer die Realität aussehen mag, ob es nun einen Urknall gab oder nicht: Für mich sieht diese ganze Entwicklung nicht danach aus, als hätten sich irgendwann vor sechs oder sieben Jahrzehnten irgendwelche jüdischen Wissenschaftler und andere einflußreiche Juden zusammengesetzt, um eine bis heute laufende Verschwörung zur Durchsetzung einer erfundenen Kosmologie auszuhecken, die „beweisen“ soll, daß die Kabbala sie schon vor zwei Jahrtausenden richtig vorhergesagt hat. Vielmehr haben sich offenbar Generationen von Wissenschaftlern ehrlich um die Klärung schwieriger kosmologischer Fragen bemüht.

Laut Rattelsdorf ebenfalls bloß „erfundene Schulphysik zur Stützung der Kabbala“ ist die Umwandlung von Materie in Energie gemäß Einsteins Gleichung E=mc²:

Ist das nicht interessant? Die Kabbalisten kannten also bereits vor 2000 Jahren das „wissenschaftliche“ Alter des Universums. Denn dieser HaKanah war nicht der einzige Kabbalist, der das Alter des Universums berechnete. Lohnt es sich daher nicht, einmal zu schauen, was die Kabbala über die Entstehung des Universums und des Lebens sagt? Rücken wir in der Zeit nach vorne und schauen wir uns die Lehre eines der berühmtesten Rabbiner des Mittelalters an. Nachmanides (1194 -1270) lehrte folgendes über das Universum und die Kabbala:

„Der Kabbalist Nachmanides … sagt, obwohl die Tage [der Genesis] 24 Stunden lang sind, beinhalten sie ‘kol yemot ha olam’ –  alle Zeitalter und alle Geheimnisse der Welt … Nachmanides sagt: Es gibt eine körperliche Schöpfung, und diese Schöpfung war ein winziger Punkt … Als dieser Punkt sich ausdehnte, verwandelte sich seine Substanz – so dünn, dass sie kein Wesen besitzt – in Materie wie wir sie kennen. … In dem Moment, als sich aus dieser substanzlosen Substanz Materie formte, beginnt die Zeit … Einsteins  E=MC2 sagt uns, dass Energie sich in Materie verwandeln kann. Und sobald sie sich in Materie verwandelt, beginnt die Zeit… Dieser Zeitpunkt, bevor die Uhr für die Bibel das Schlagen begann, dauerte ein 1/100.000 einer Sekunde. Eine winzige Zeit. Aber in dieser Zeit expandierte das Universum von einem winzigen Punkt zu unserem Sonnensystem. Von diesem Zeitpunkt an haben wir Materie und die Zeit fließt vorwärts.“ [2] 

Die Kabbala lehrt also sowohl den Urknall als auch die Relativitätstheorie! Und das mindestens 800 Jahre vor der Schulphysik!

Ich weiß nicht, woher der Rattelsdorfer aus diesen zusammengewürfelten Zitaten von Nachmanides und irgendeines über diesen schreibenden Autors den Zusammenhang zwischen den Äußerungen von Nachmanides und der Relativitätstheorie nimmt, aber die Umwandlung von Materie in Energie ist physikalische Realität. Auf ihr beruht die Atomenergie: Wenn ein Urankern gespalten wird, dann hat die Summe der Spaltprodukte etwas weniger Masse, als der Urankern vorher hatte, und dieser kleine Massendefekt ist eben die freigesetzte Energie. Im Deutschen Reich während des Zweiten Weltkriegs ist man offensichtlich auch davon ausgegangen, daß das so ist, sonst hätte man ja nicht an der deutschen Bombe gearbeitet. Und im nationalsozialistischen Deutschland gab es ganz bestimmt keine „jüdisch gesteuerte Wissenschaft“.

Außerdem: Woher sollte die gigantische Energiefreisetzung von Atomexplosionen denn sonst kommen?

french nuke test 1970 1

Oder sollen wir etwa glauben, daß es gar keine Atombomben gibt? Keine Atom-U-Boote und keine Atomkraftwerke? Alles nur erfunden, bloß um der Kabbala einen wissenschaftsprophetischen Anstrich zu verleihen?

Die Stringtheorie ist laut Rattelsdorf ebenfalls ein kabbala-inspirierter Teil der „religiösen Irrlehre“, welche die Schulphysik angeblich ist:

Das 10-dimensionale Universum der Stringtheorie ist nichts anderes wie die „wissenschaftliche“ Formulierung des kabbalistischen Lebensbaumes. Der Kabbalist Rav Berg schreibt zu diesem Thema: 

„Die Gemeinsamkeiten zwischen der Kabbala und der Superstringtheorie sind verblüffend. Es ist unheimlich wie die „magischen Zahlen“ der Physik in der Kabbala auftauchen.“

Dabei ist die Stringtheorie alles andere als eine etablierte „offizielle Schulphysik“, sondern bloß eine Anzahl hypothetischer Modelle, von der es z. B. auf Wikipedia heißt: „Ob es sich bei der Stringtheorie überhaupt um eine wissenschaftliche Theorie handelt, die falsifizierbare experimentelle Voraussagen machen kann, ist nicht geklärt.“ Also auch nix mit dogmatisch-religiöser Kabbala-Bestätigung. Außerdem gibt es keine einheitlich zehndimensionale Stringtheorie, sondern Modelle mit unterschiedlicher Dimensionenzahl: 10 Dimensionen sind es beim Superstring, während es beim Bosonen-String 26 sind. Und der Zusammenhang zwischen der aus dem kabbalistischen Lebensbaum hergeleiteten Zahl 10 und der Zahl der Dimensionen in der Superstring-Theorie ist sowieso an den Haaren herbeigezogen. Dann müßte man ja jede Theorie, in der die Zahl 10 vorkommt, als kabbalistisches Lügensystem verdächtigen.

Völlig irr wird es mit der Ablehnung des Kopernikanismus:

Lehrt die Kabbala etwa noch mehr Konzepte, die in der offiziellen Wissenschaft wieder auftauchen? Wie wäre es mit dem Kopernikanischen Universum, noch vor Kopernikus? Kein Problem. Es ist der selbe berühmte Rabbiner Nachmanides, der 300 Jahre vor Kopernikus als Kommentar zur Genesis schreibt:

„Einige Gelehrte erklären „einen Tag“ als Verweis auf die Rotation der sphärischen Erde in 24 Stunden, und jeden Moment gibt es auf der Erde einen Morgen und eine Nacht auf der gegenüberliegenden Seite der Erde.“ 

Diese „Erkenntnisse“ verkauft man heute als kabbalistische Großleistung, wie folgender Satz aus einem jüdischen Nachrichtenportal zeigt:

„… das ist unglaublich! Wir haben hier nicht nur die Idee einer runden Erde (und nicht einer flachen), sondern auch dass Sonnenaufgang und Sonnenuntergang von der Erdrotation, und nicht von einer bewegenden Sonne, ausgelöst werden, — viele Jahre bevor die Wissenschaft das herausgefunden hat…“

[….]

Der Kirche wirft man in jedem Schulbuch vor die Erdrotation nicht anerkannt zu haben, weil man blind am Glauben festhalten wollte. Das Gegenteil ist wahr: Die Erdrotation konnte damals nicht bewiesen werden und wurde folgerichtig von der Kirche abgelehnt. Kopernikus wurde seinerzeit bereits von Tycho Brahe, dem größten Astronomen des 16.Jahrhunderts, widerlegt.

Keine Erdrotation? Von Tycho Brahe widerlegt? Im Ernst?

Fangen wir mit dem Zerpflücken an:

Bei einer stillstehenden Erde, um die sich alles dreht (Sonne, Mond, das ganze Universum) wären keine geostationären Satelliten möglich, denn wenn ein Satellit über einem bestimmten Ort der nicht rotierenden Erdoberfläche stillstünde, müßte er herunterfallen. Aber wovon beziehen all die Satellitenschüsseln dann ihre Signale? Als Parabolantennen sind sie ja Richtempfänger und müssen ihre Signale aus der Richtung erhalten, in die sie eingestellt sind, und wenn sie in den leeren Himmel zeigen, was soll denn dort sonst sein, wenn nicht geostationäre Satelliten? Corioliskraft gäbe es bei einer nicht rotierenden Erde auch keine, und die ist in der Realität aber bei Windsystemen und Meeresströmungen wirksam. Außerdem müßte der Mond in knapp 25 Stunden um die Erde kreisen, um wie beobachtet jeden Tag um 50 Minuten später auf- und unterzugehen. In der Realität kommt das davon, daß er in 29,5 Tagen um die Erde kreist (in derselben Richtung wie deren Drehsinn), sodaß die Erde sich nach jedem vollen Tag noch um ca. eine Neunundzwanzigstel-Umdrehung weiterdrehen muß, um wieder gleich zum Mond zu stehen. Das heißt, der Mond dürfte (wenn die Gravitationsgesetze der „Schulphysik“ stimmen) nur etwas über 42.000 km (bzw. ca. 36.000 km über der Erdoberfläche) entfernt sein statt 384.392 km und wäre daher nicht einmal 1/10 so groß wie „offiziell“. Um auf einem Zehntel des aktuellen Abstandes dieselbe Gezeitenwirkung zu haben wie der „richtige“ Mond, müßte der Rattelsdorfer Mond ca. 1/100 der Masse haben. Bei einem Zehntel des Durchmessers hätte er aber nur ein Tausendstel des Volumens und müßte daher die zehnfache Dichte haben wie in Wirklichkeit, was nicht einmal möglich wäre, wenn er zur Gänze aus Wolfram bestünde. Außerdem müßte die Sonne, trotzdem sie in 24 Stunden und somit schneller als der Mond um die Erde laufen würde, auf einer etwas ferneren Bahn als dieser kreisen, um bei Sonnenfinsternissen von ihm verdeckt werden zu können. Sie wäre dann ebenfalls viel kleiner und hätte weniger als 4000 km Durchmesser statt über eine Million. Das hieße, daß auch die gültigen Theorien über die Energieerzeugung in Sternen durch Kernfusion nicht stimmen könnten und man eine alternative Erklärung für das Leuchten der Sonne finden müßte.

Der gesamte Kosmos müßte um die Erde kreisen, um bei einer stillstehenden Erde den Eindruck eines sich um sie drehenden Himmelsgewölbes zu erzeugen, was aber allein deshalb schon gar nicht möglich wäre, weil näher an den Himmelspolen befindliche Objekte (Sterne) für diesen Eindruck um die in beide Richtungen verlängerte Erdachse kreisen müßten anstatt um den Erdmittelpunkt, wie es für den Ausgleich zwischen Fliehkraft und Erdanziehung notwendig wäre. Ein Umlauf z. B. der Sterne des Großen Wagens um den Erdmittelpunkt würde nämlich zu einer geneigten Umlaufbahn führen anstatt zu der beobachteten Bahn parallel zu den scheinbaren Bahnen aller anderen Sterne.

Die Venus müßte wie in Wirklichkeit um die Sonne kreisen, um abwechselnd als Morgenstern vor ihr aufzugehen (wenn sie von uns aus gesehen rechts von ihr steht) und als Abendstern nach ihr unterzugehen. Wenn man jedoch ihren Abstand von der Sonne maßstäblich mit dieser verkleinerte, damit ihr Winkelabstand von ihr stimmt, würde sie in ca. 310.000 km um die Sonne kreisen. Da die Sonne im Rattelsdorfer Kosmos aber nicht viel weiter weg sein dürfte als der ca. 36.000 km entfernte Mond, hieße das, daß die Venus dabei immer wieder hinter der Erde vorbeilaufen müßte. Und wieso sie auf so einem engen Umlauf (statt auf ihrem richtigen mit einem Bahnradius von 108 Millionen Kilometern) trotzdem 224 Tage brauchen sollte, weiß man wohl nur in Rattelsdorf.

Sämtliche astrophysikalischen Beobachtungsdaten über Sterne müßten gefälscht sein, nachdem sie ihre Energie nicht durch Kernfusion erzeugen könnten, wenn sie wie die Sonne nur wenige tausend Kilometer groß wären.

Ich glaube, ich brauche nicht noch mehr Beispiele dafür anzuführen, was für ein Unsinn das ist. Und wozu all dieser gigantische Schwindel, den man – je nach Themenbereich – schon bis zu mehrere Jahrhunderte lang betrieben haben müßte und in den Tausende Wissenschaftler verwickelt wären? Bloß um „beweisen“ zu können, daß die Kabbala recht hatte, so wie die Moslems alle möglichen Aussagen der modernen Wissenschaft schon im Koran herauslesen zu können meinen? Und dann nicht einmal groß in der Öffentlichkeit damit herumzuprahlen? Immerhin war mir das ja vor dem Rattelsdorfer Artikel völlig neu.

Dazu kommt noch, daß es gar keine allgemeingültige, einheitliche Kabbala gibt, sondern verschiedene kabbalistische Schriften und Schulen mit zum Teil gegensätzlichen Strömungen, einschließlich solcher, die unter nichtjüdischen Prominenten propagiert werden („Hollywood-Kabbala“). Mir erscheint es plausibel, daß diese vorgeblich wissenschaftsprophetischen Kabbala-Aussagen im Nachhinein in eine solche neuzeitliche Kabbala hineingeschwindelt wurden, so wie bei verschiedenen Ereignissen nachträglich behauptet wird, sie seien von Nostradamus prophezeit worden. Entweder in derselben Absicht wie die erwähnten moslemischen Versuche, die Vorwegnahme moderner wissenschaftlicher Erkenntnisse in den Koran hineinzuinterpretieren – oder um Vertreter unserer sogenannten „Wahrheitsbewegung“ lächerlich zu machen, wenn sie darauf anspringen.

Und die Neigung, Käse wie diesen zu glauben oder selber zu propagieren, ist leider nur allzu verbreitet. Die Motive dafür sind vielfältig:

  • Eine pauschale Verneinungshaltung, weil man draufgekommen ist, daß so manche offizielle Wahrheiten in Wirklichkeit gelogen oder verzerrt sind: „es ist Mainstream, es ist offiziell anerkannt, deshalb müssen es jüdische Lügen sein.“
  • Weil man selber zu systemkritischen Ansichten und Einsichten gelangt ist, die vom Mainstream als „Verschwörungsspinnerei“ abgetan werden, neigt man dazu, anderen „Verschwörungstheoretikern“ aus Solidarität einen Glaubwürdigkeitsbonus zuzubilligen, ohne die Stichhaltigkeit ihrer Thesen geprüft zu haben.
  • Das Bedürfnis, anderen Verschwörungstheoretikern etwas voraus zu haben und sich ihnen gegenüber als die wahren Durchblicker überlegen fühlen zu können, weil man auf eine noch abgefahrenere Sache draufgekommen zu sein meint.
  • Das, was Matt Parrott „Mustererkennungsorgasmus“ (Pattern Recognition Orgasm) nennt.
  • Das Pippi-Langstrumpf-Motiv:

„Zweimal drei macht vier,

widiwidiwitt, und drei macht neune,

ich mach’ mir die Welt,

widiwidiwie sie mir gefällt.“

Die Vertreter dieser Richtung hängen der einen oder anderen Wunschvorstellung an, wie die Welt in bestimmten Punkten zu sein hat, und wenn Aussagen der Wissenschaft diesem Weltbild widersprechen, dann muß eben diese Wissenschaft als „pseudoreligiöse Irrlehre“ und jüdisch gesteuertes Lügensystem abqualifiziert werden. Plausible Motive für die Inszenierung solcher aufwendiger Lügenverschwörungen bleiben oft unerwähnt. Nötigenfalls projiziert man das heutige Ausmaß der jüdischen Macht ein, zwei Jahrhunderte zurück, um erklären zu können, daß der Schwindel schon so lange läuft und „in Wirklichkeit“ alles ganz anders sein kann.

Dabei ist die Wissenschaft in den Propagandabestrebungen der jüdischen NWO nur eine Nebenfront, während der Hauptangriff über Unterhaltungsmedien, Tageszeitungen, moralisierende „Bewußtseinsbildung“ in der Schule, NGO-Aktivismus, Laberfach-Wissenschaften etc. läuft. Außerdem funktioniert die NWO-Propaganda im Bereich der „harten“ Wissenschaft kaum in der Weise, daß ganze Theorien erfunden oder wissenschaftliche Entdeckungen unterschlagen werden. Stattdessen wird mit „Faktoiden“ gearbeitet, die man zu wissen meint, weil man sie irgendwo einmal gehört oder gelesen hat und „jeder“ sie weiß, die man aber durchaus auch aus Mainstream-Quellen widerlegen kann, wenn man von ihnen weiß. Und darüber hinaus werden zutreffende, aber politisch inkorrekte Aussagen aufgrund wissenschaftlicher Fakten nicht wirklich widerlegt, sondern es wird meist nur der Eindruck erweckt, sie seien moralisch inakzeptabel und würden deshalb von der Mehrheit abgelehnt.

Ja, es gibt und gab Verschwörungen und verschwörungsähnliche Umtriebe, die seit einer Weile teils gar nicht mehr so verschwörungsmäßig betrieben werden müssen, weil hier nicht eine Gruppierung aus dem Untergrund Komplotte gegen die Obrigkeit schmiedet, sondern die Obrigkeit selber Zersetzung und Verrat an den weißen Völkern betreibt. Ja, man kann und soll Indizien nachgehen, die auf solche Bestrebungen hindeuten und wo seitens der Ausführenden ausreichende Motive plausibel erscheinen. Dabei sollte man sich jedoch einen klaren Kopf bewahren und auf dem Teppich der Realität bleiben. Denn in Abwandlung von Napoleons Spruch „Sinnlose Gesetze schwächen die notwendigen Gesetze“ gilt hier:

„Spinnerte Verschwörungstheorien schaden den zutreffenden Verschwörungstheorien.“

Siehe auch:

Die frühen imaginären Abenteuer von Gott von Bob Parkinson

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Ein Kommentar

  1. In einem Kommentar zu Es ist alles biologisch (Teil 3) (den ich gar nicht erst an die Oberfläche habe kommen lassen), hat jemand geschrieben, es gäbe in der Biologie weder ein Immunsystem noch krankmachende Kleinstlebewesen; das sei eine Interpretation und Glaube der Menschen, angeblich seit über 30 Jahren empirisch-wissenschaftlich widerlegt. Und man möge hierzu stattdessen die „Germanische Heilkunde“ studieren.

    Ja, klar. Dass die Erfolge bei der Verhinderung und Heilung von Krankheiten gegenüber früher so zugenommen haben, seit man „an krankmachende Kleinstlebewesen glaubt“ und bei den Maßnahmen gegen Krankheiten „so tut, als gäbe es sie“ (Sterilisierung etc.), ist wohl bloßer Zufall, ganz zu schweigen von allen wissenschaftlichen Forschungsergebnissen, seit es Mikroskope gibt, bis hin zur Molekularbiologie.

    Im Kommentarstrang zu Kevin Stroms Ebola-Artikel auf „As der Schwerter“ ist auch einmal so einer aufgetaucht, was Hildesvin zu einer köstlichen Antwort veranlasst hat, die meiner Erinnerung nach so ging:

    „Etwas befremdet ich bin, würde Meister Yoda sagen. Viren es nicht gibt? Dann wohl eher die bösen Säfte…?“

    Jedenfalls war das für mich ein Anlass, den obigen Artikel von Deep Roots hier nachzuveröffentlichen.

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