Solo: A Star Wars Story

Von Trevor Lynch (Greg Johnson), übersetzt von Lucifex. Das Original Solo: A Star Wars Story erschien am 25. Mai 2018 auf Counter-Currents Publishing.

Ich hatte ein schlechtes Gefühl bei dieser Sache.

Es war nicht bloß die verfluchte Produktionsgeschichte von Solo; die ursprünglichen Regisseure wurden nahe dem Ende des Drehs gefeuert, und Ron Howard wurde hinzugeholt, um den Film fertigzustellen, wofür er 70 Prozent davon neu drehte. Es waren nicht bloß die Gerüchte, daß Alden Ehrenreich der Rolle des Han Solo nicht gewachsen war. Es waren nicht bloß die lauwarmen Rezensionen.

Das wahre Problem besteht darin, überhaupt einen Film über den jungen Han Solo zu machen. Denn das, was Star Wars fesselnd macht, sind nicht Raumschlachten und Kantinen voller exotischer Außerirdischer. Es ist die Präsenz von großer Politik – das Imperium und die Rebellion – und des Numinosen: die Macht und die in sie Eingeweihten, die guten und bösen. Han Solo vor seiner Verwicklung in das eine und das andere ist bloß der zynische Schmuggler, dem wir auf Tatooine begegneten.

Nun gab es nicht, das Disney davon abhielt, einen großartigen Film über einen zynischen Schmuggler mit einem guten Herzen zu machen, der seinen Lebensunterhalt in einem brutalen Universum zu bestreiten versucht. Aber solch ein Film wäre anders als jeder andere Star-Wars-Film, und das würde ein Problem für den Autor und den Regisseur darstellen. Sie konnten sich nicht bei der großen Politik und beim Numinosen bedienen. Bestenfalls konnten diese nur am Rande und in einer Weise erscheinen, in der Han ihre volle Bedeutung nicht begreifen konnte. Stattdessen würden sie einen schlichten Abenteuerfilm machen müssen, der im Star-Wars-Universum spielt, aber ohne sich auf die Faktoren zu stützen, die das Franchise einzigartig und fesselnd machen. (Ganz zu schweigen von sicheren Hits, selbst wenn sie schlecht sind.)

Aber es gibt zwei Arten von Abenteuerfilmen: Schundfilme mit Pappkartoncharakteren, die beliebigen Explosionen ausweichen – und gute Filme, die drei Dinge haben müssen: Charakterentwicklung, dramatische Konflikte in Verbindung mit tiefen moralischen und metaphysischen Themen, und eine Geschichte, die nicht bloß ein Zufall nach dem anderen ist. Eine gute Handlung braucht ein Element der Notwendigkeit. Die Geschichte muß in irgendeiner Weise von den Charakteren und den moralischen und metaphysischen Themen erzeugt werden. Großartige Geschichten, die einen in ihren Bann ziehen, sind Begegnungen zwischen dem, was tief in uns ist, und dem, was tief im Universum ist.

Solo hätte ein guter Film sein können, sogar ein großartiger. Aber die Autoren und Regisseure mußten sich bei jedem Schritt fragen: Wäre dies immer noch ein guter Film, wenn wir all den Star-Wars-Scheiß fallenließen und ihn in irgendeinem anderen Universum oder in einer anderen Zeit spielen ließen? Die Antwort ist leider nein. Ich fand Solo als von Anfang bis Ende leblosen Film, an dem man keinen Anteil nimmt.

Solo ist keine kalkulierte, abgekupferte Farce wie Das Erwachen der Macht und Die letzten Jedi. Diese Filme sind böse und ungeschickt. Solo ist nichts davon. Er hat eine originelle Handlung. Die Regie ist gut. Er ist kompetent gespielt. Er ist oft großartig anzusehen. Aber er ist im Grunde bloß ein Gaunerfilm auf Schundniveau, wo die Helden von einer gekünstelten Krise zur anderen eilen und immer gerade noch rechtzeitig die Situation retten.

An einer Stelle kam mir in den Sinn, daß Disney vielleicht Han Solo mit Indiana Jones verwechselt hatte. Aber die ersten drei dieser Filme waren ziemlich gut, und sogar sie hatten Mysterium und Magie. (Natürlich weiß jeder, daß Star Wars auf alten Weltraumoper-Schundserien beruht. Aber Lucas brachte sie auf ein höheres Niveau.)

Im Grunde erstellt Solo eine Liste all der Dinge, die wir aus der ursprünglichen Trilogie über den jungen Han Solo wissen. Er hatte vermutlich eine Kindheit. Er hat einen Namen. Er begegnete Chewie. Er gewann die Millennium Falcon in einem Kartenspiel mit Lando Calrissian. Er schaffte etwas, das Kesselstrecke genannt wird, in 12 Parsecs. Der Film nahm sich dann vor, das alles zusammenzustoppeln und dabei andere obligatorische Star-Wars-Elemente einzufügen: eine Kantinenszene, einen witzelnden Droiden, ein paar Raumschlachten und Verfolgungsjagden. Es gibt nichts über die Jedi und die Macht, und das Imperium ist nur am Rande präsent, und das in möglichst schäbiger und schmutziger Weise. (Wir entdecken jedoch, warum Sturmtruppler nicht schießen können, denn die Bewerbungsprozedur ist kaum rigoros.)

Aber so schafft man keine Geschichte. Bestenfalls sind das bloß Beilagen und Garnierungen. Das Hauptgericht hätte eine originelle Handlung sein sollen. Das Zeug mit der Hintergrundgeschichte hätte nebenher oder als Überraschungen eingearbeitet werden sollen. Eines der besten Dinge an Die Rache der Sith und Rogue One ist, wie sauber und angenehm sie sich in das Geschehen einfügten, das wir bereits aus der ersten Trilogie kannten. Aber sie waren nicht bloß Hintergrundgeschichten. Sie hatten in sich geschlossene Handlungen.

Ich kann Solo nicht empfehlen. Der Film ließ mich einfach kalt. Es ist kein schlechter Film, aber auch kein guter. Er machte mich nicht wütend wie Das Erwachen der Macht und Die letzten Jedi. Er langweilte mich einfach. Er ist eine Verschwendung von Zeit und Geld. Ich hielt von Anfang an nie viel von Han Solo. Und das tue ich immer noch nicht. Der Charakter hat keine Magie oder Größe. Er war dem Star-Wars-Universum nie ganz gewachsen, und er ist nichts ohne es. Ron Howard ist ein talentierter Regisseur, es gab vielleicht nichts, das er hätte tun können. Das Schicksal von Solo war vielleicht schon besiegelt, bevor er einsprang.

Solo hat vieles, das rassebewußte Weiße irritiert. Alden Ehrenreich ist zweimal so jüdisch wie Harrison Ford. Woody Harrelsons Charakter hat eine schwarze Tussi. Der Weltraumzuhälter Lando soll pansexuell sein, aber das soll einfach heißen, daß er ein Schauspieler ist. In seinem Droiden ist eine freche schwarze Kommunistin gefangen. Emilia Clarkes Qi’ra soll etwas völlig Neues sein: eine starke, harte Frau. Aber sie ist in Wirklichkeit keine MaRey Sue. Sie ist einfach verräterisch und hinterhältig. Der Anführer der Plünderer hat ein Gesicht wie aus der Rassenvermischungsausgabe von National Geographic. Und so weiter.

Wie ich sagte, hatte ich schon beim Hineingehen ein schlechtes Gefühl wegen Solo. Und während der Film ablief, empfand ich definitiv das Fehlen von Größe und Mysterium. Aber am Ende wurde die Quelle meiner Unzufriedenheit bestätigt, als das Hologramm von Darth Maul erschien, um seinen Diener nach Dathomir zu berufen. Dies ergibt nur Sinn, wenn man die animierte Serie Star Wars: The Clone Wars gesehen hat.

Nach Die letzten Jedi gab ich die Hoffnung bezüglich Star-Wars-Kinofilmen auf und beschloß, die beiden Animationsserien zu erforschen, Clone Wars und Star Wars: Rebels. Immerhin sind Star-Wars-Filme sowieso großteils Zeichentrick.

Ich war angenehm überrascht. Diese Animationsserien unter der Leitung von Regisseur und Produzent Dave Filoni sind gleichzeitig dem Geist der ursprünglichen Lucas-Filme treu, während sie höchst fantasievoll und originell sind – und oft recht tief und emotionell stark. Sie sind allen Diesney-Filmen unendlich überlegen und die wahren Erben und Hüter von George Lucas‘ Vermächtnis.

Anmerkung:

Hier ist meine gegenwärtige Reihung der Star-Wars-Filme und Animationsserien (Rogue One sank beträchtlich ab, nachdem ich ihn auf BluRay angesehen hatte).

Das Imperium schlägt zurück

Krieg der Sterne (Eine neue Hoffnung)

Star Wars: Rebels

Die Rache der Sith

Star Wars: The Clone Wars

Die Rückkehr der Jediritter

Rogue One

Angriff der Klonkrieger

Solo

Die dunkle Bedrohung

Die letzten Jedi

Das Erwachen der Macht

Zu diesem Artikel gib es jetzt auch eine Videofassung, gesprochen von Trevor Lynch / Greg Johnson:

*     *     *

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Ein Kommentar

  1. „ Ich hielt von Anfang an nie viel von Han Solo. Und das tue ich immer noch nicht. Der Charakter hat keine Magie oder Größe.“

    „Nach Die letzten Jedi gab ich die Hoffnung bezüglich Star-Wars-Kinofilmen auf und beschloß, die beiden Animationsserien zu erforschen,…“

    Da kann ich es mir aber nicht verkneifen, diesen Aussagen des guten Trevor/Greg jene gegenüberzustellen, die er in seinem Essay Star Wars: Die letzten Jedi dazu abgegeben hat (fette Hervorhebung von mir):

    „Ist es also für das Star-Wars-Franchise Zeit zu sterben?

    Nein. Rogue One vom letzten Jahr bewies, daß Disney einen guten Star-Wars-Film herausbringen kann. Rogue One nahm Elemente des etablierten Mythos und bevölkerte ihn mit neuen Charakteren und einer originellen Geschichte. Es gibt buchstäblich kein Ende der Möglichkeiten solcher Filme, besonders wenn sie gute Drehbücher und gute Regisseure haben. Ich freue mich tatsächlich auf den Han-Solo-Film nächstes Jahr, unter der Regie von Ron Howard. Das, Disney, ist der Weg nach vorn.

    Die Figur des Han Solo in der Originaltrilogie habe ich durchaus gemocht, wenngleich für mich (der ich damals auch noch viel jünger war) Luke Skywalker der eigentliche Held war. Han Solo und sein Schiff haben jedenfalls meine Fantasien von Weltraumabenteuern inspiriert: so ein handliches und doch ausreichend großes Schiff zu besitzen und damit zwischen den Sonnensystemen umherzufliegen…

    Gesehen habe ich „Solo: A Star Wars Story“ noch nicht, daher kann ich nichts dazu sagen, wie der Film mir gefällt. Mir ist er aber schon durch das erste Bild von Alden Ehrenreich als Han Solo verleidet worden, noch ehe ich von der jüdischen Identität des Darstellers wußte (seine Großeltern sind laut Anglo-Wiki jüdische Einwanderer aus Rußland, Polen, Ungarn und Österreich, von wo auch sein Nachname stammen wird). Mir erscheint er einfach zu schmalzig und unmarkant, nicht so, wie man sich Harrison Ford in diesem jugendlichen Alter vorstellen würde.

    Mit seiner allgemeinen Kritik bezüglich der Problematik, überhaupt einen Film über den jungen Han Solo zu machen, könnte Trevor/Greg jedoch recht haben. Zusätzlich gibt es die Problematik von „Prequels“ allgemein, wo man ja weiß, daß den Figuren, die man aus den später spielenden Geschichten (ob Filme oder Romane) schon kennt, nichts passieren kann. Da bleibt als Spannungsfaktor nur die Ungewißheit, ob die Sache, für die sie sich im jeweiligen Prequel einsetzen, erfolgreich sein wird, und wie das Schicksal anderer Figuren ausgeht, die man darin kennen- und (hoffentlich) zu schätzen lernt.

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