Australische Greifvögel lösen Brände aus, um Beute aufzuscheuchen

Von John Pickrell, übersetzt von Lucifex. Das Original Australian raptors start fires to flush out prey erschien am 12. Januar 2018 (!) auf COSMOS: The Science of Everything.

Im ersten aufgezeichneten Fall, wo Feuer von anderen Tieren als Menschen benutzt wird, sind drei australische Greifvogelspezies dabei gesehen worden, wie sie brennende Zweige trugen, um neue Brände auszulösen. John Pickrell berichtet.

Schwarzmilane fliegen um ein Feuer herum, bei dem es aufgrund von Beobachtungen gut möglich ist, daß sie es selbst ausgelöst haben.

Das Sagengut australischer Aborigines ist voll von Erwähnungen von Vögeln, die Feuer tragen, und manche traditionellen Zeremonien stellen das Verhalten sogar dar. Nun haben Ornithologen Berichte von Zeugen quer durch die Savannen von Australiens „Top End“ genanntem fernen Norden gesammelt, die darauf hindeuten, daß drei australische Greifvogelspezies glühende Zweige benutzen, um Brände zu verbreiten und Beute in ihre wartenden Krallen zu scheuchen.

Schwarzmilane (Milvus migrans), Keilschwanzweihen (Haliastur sphenurus) und Habichtfalken (Falco berigora) versammeln sich alle regelmäßig in der Nähe der Ränder von Buschfeuern und nützen einen Exodus kleiner Echsen, Säugetiere, Vögel und Insekten aus – aber es scheint, daß manche gelernt haben, Feuer nicht nur zu ihrem Vorteil zu nutzen, sondern es auch zu kontrollieren.

„An einer aktiven Feuerfront oder in deren Nähe heben Vögel – für gewöhnlich Schwarzmilane, aber manchmal auch Habichtfalken – eine Brandfackel oder einen Stock nicht viel größer als Ihr Finger auf und tragen ihn fort zu einer unverbrannten Grasfläche und lassen ihn dort fallen, um ein neues Feuer auszulösen“, sagt Bob Gosford, ein Ornithologe beim Central Land Council in Alice Springs im Northern Territory, der die Dokumentation der Zeugenberichte leitete. „Es ist nicht immer erfolgreich, aber manchmal resultiert es in einer Zündung.“

„Beobachter berichten sowohl von allein als auch in Kooperation unternommenen, oft erfolgreichen Versuchen, Buschbrände absichtlich durch einmaligen oder wiederholten Transport brennender Stöcke in Krallen oder Schnäbeln zu verbreiten. Dieses Verhalten, das oft in heiligen Zeremonien dargestellt wird, ist den Einheimischen im Northern Territory weithin bekannt“, schreiben die Autoren hinter der Entdeckung im Journal of Ethnobiology.

Gosford verweist insbesondere auf zwei Traumfeuerzeremonien – die Lorrkon- und die Yabuduruwa-Zeremonie aus dem Arnhemland im Northern Territory –, zu denen Szenen mit dem Nachstellen der Verbreitung von Feuer von Ort zu Ort durch Vögel gehören.

Buschfeuer schaffen glückliche Jagdgründe für mehrere australische Greifvogelarten, einschließlich der hier gezeigten Schwarzmilane.

„Die meisten der Aborigine-Gruppen, mit denen wir im Northern Territory sprachen, besonders im Top End, können die Vorstellung, daß dies passiert, sehr gut akzeptieren…für viele Leute ist es als Tatsache akzeptiert“, sagt Gosford.

Europäische Wissenschaftler haben jedoch einen Widerwillen gezeigt, die Beobachtungen australischer Ureinwohner zu akzeptieren, was erklärt, warum dieses anscheinend weitverbreitete Verhalten bis jetzt nicht wissenschaftlich dokumentiert worden ist.

Zu diesem Zweck verbrachten Gosford und seine Mitautoren, einschließlich des Geographen Mark Bonta an der Pennsylvania State University in Altoona, USA, sechs Jahre mit dem Sammeln von mehr als 20 Zeugenberichten von traditionellen Grundbesitzern, Landbewirtschaftern und Aborigine-Wildhütern quer durch das Top End, die darauf hindeuten, daß das Verhalten sehr weitverbreitet sein könnte. „Wir haben Protokolle von der Ostküste, aus den Tropen von Queensland und quer durch bis Westaustralien. Es scheint eine besondere Häufung durch die Savannen-Waldländer des mittleren Nordaustralien zu geben“, sagt Gosford.

Dies ist ein „faszinierendes Phänomen“, kommentiert Alex Kacelnik, ein Experte für Werkzeuggebrauch durch Tiere an der Universität Oxford in Großbritannien, und fügt hinzu: „Viele Spezies mögen gelernt haben, auf natürliches Feuer zu reagieren, indem sie davor fliehen oder es ausnützen, um fliehende Beute zu jagen, aber diese Greifvögel zeigen eine Form von Feuerkontrolle.“ Dies ist das erste Mal, daß er davon bei nichtmenschlichen Tieren gehört hat, sagt er.

Das Verhalten liefert weitere Beweise dafür, daß Vögel sehr gut im „Schaffen innovativer Lösungen für Nahrungsbeschaffungsprobleme“ sind, sagt Kacelnik, der spekuliert, daß die Fertigkeit periodisch an verschiedenen Orten wiederentdeckt und dann von jüngeren Greifvögeln in derselben Population kopiert wird.

Gosford sagt, zum nächsten Stadium ihrer Forschungsarbeit wird das Legen kontrollierter Brände mit Hilfe von Aborigine-Landbewirtschaftern gehören, um zu versuchen, die gefiederten Brandstifter in Aktion zu erwischen. „Wir streben danach, so viele Daten wie möglich an so vielen Feuerfronten zu sammeln, wie wir können, und hoffen, das Verhalten auf Film aufzuzeichnen.“

Bis jetzt sind Menschen und Blitze als die einzigen Brandvektoren in Australien betrachtet worden, aber es gibt jetzt „Grund zur Überprüfung unseres Verständnisses der Brandgeschichte und dessen, wie Feuer in der Landschaft wirkt“, sagt er.

John Pickrell ist ein in Sydney ansässiger Wissenschaftsautor und der Autor von Weird Dinosaurs und Flying Dinosaurs.

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4 Kommentare

  1. Dieser ein Jahr alte Zufallsfund erhält durch die anhaltenden Wald- und Buschbrände in der diesjährigen Trockenzeit in Australien besondere Aktualität.

    Es könnte gut sein, daß Greifvögel mit dem geschilderten Verhalten ebenfalls zu der unkontrollierbaren Ausbreitung der Brände dort beitragen – aber mein Hauptverdacht geht natürlich in Richtung Zündelei durch „Zweibeiner ohne Federkleid“ im Auftrag von Kreisen, die ein Interesse an einer Schürung von Klimapanik mit nachfolgendem Aktionismusdruck haben und eine heuer besonders ausgeprägte und heiße Trockenzeit dafür ausnützen.

    Antworten
    • Dittmann Röhr

       /  Januar 12, 2020

      Spiegel: Aborigines Kleine Feuer erhalten die Beute
      Weil sie nicht nur auf die Jagd gehen, sondern zeitgleich immer wieder kleine Feuer legen, schaffen Aborigines eine vielfältig bewachsene Landschaft. Was viele für einen religiösen Mythos hielten, hat tatsächlich ganz praktische Gründe.
      24.10.2013, 17:41 Uhr

      Antworten
  2. bertinia

     /  Januar 15, 2020

    Überrascht vielleicht niemanden. Ich denke zum Antrieb Klimawahn, und natürlich zu allen anderen in Frage kommenden Gründen, gesellt sich im schlimmsten Fall noch der Hass/Neid auf Weisse und ihre Gesellschaft, in der man alles umsonst kriegt.

    https://www.theage.com.au/national/victoria/brazen-teen-trio-caught-on-cctv-lighting-melton-west-fire-20180118-p4yym6.html
    https://www.dailytelegraph.com.au/newslocal/parramatta/teen-accused-of-lighting-fire-laughs-after-court-appearance/news-story/1f8e27db12131cc603a9436b61a715c6

    vgl. auch die Großbrände in Kalifornien vor einiger Zeit:

    https://people.com/crime/calif-man-sentenced-to-12-years-for-starting-wildfire/#

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  1. Australische Greifvögel lösen Brände aus, um Beute aufzuscheuchen – finger’s blog

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