Beurteilung nach dem Erscheinungsbild

Von F. Roger Devlin, übersetzt von Lucifex. Das Original Judging by Appearances erschien am 17. März 2018 auf The Ocidental Observer.

How to Judge People by What They Look Like
[„Wie man Menschen nach dem beurteilt, wie sie aussehen]
Edward Dutton, Eigenverlag 2018
107 Seiten, $ 14,19 als Paperback, gratis auf Kindle

Der Anthropologe Ed Dutton wird manchen Lesern wegen seiner Arbeit mit Richard Lynn (einschließlich des Buches Race and Sport) und als gelegentlicher Beitragsautor für The Occidental Quarterly bekannt sein. Er hat gerade ein kurzes Buch über die Physiognomie veröffentlicht, d. h., über die Beziehung zwischen physischen Merkmalen und Verhaltensneigungen.

Wir hören oft, daß es nicht möglich sei, andere nach dem Erscheinungsbild zu beurteilen, aber es gibt reichlich Beweise dafür, daß wir alle das tun, und nicht nur im Zusammenhang mit der Partnersuche. Dutton lenkt unsere Aufmerksamkeit auf den Allgemeinen Prolog von Chaucers Canterbury Tales, wo der Dichter sorgfältig die physische Erscheinung jedes der Pilger beschreibt und sie ihren Persönlichkeiten gegenüberstellt, wie sie sich in ihrem Verhalten und den Geschichten offenbart, die sie erzählen. Der dünne Körperbau des Vogts soll zu seiner Reizbarkeit und seinem Jähzorn passen. Die Ehefrau aus Bath hat eine Lücke zwischen ihren Vorderzähnen, die auf ihre sexuelle Aggressivität hindeuten soll. Es gab eine ganze Lehre der Physiognomie im mittelalterlichen Europa, wo der Gegenstand bis ins sechzehnte Jahrhundert an Universitäten unterrichtet wurde. Leider hatte vieles von der mittelalterlichen Physiognomielehre eine astrologische Grundlage, was ihre wissenschaftliche Brauchbarkeit begrenzt.

Wäre es nicht an der Zeit, die Frage neu zu eröffnen?

1966 führten Psychologen an der Universität von Michigan ein Experiment an 84 Studenten durch, die einander noch nie begegnet waren. Sie mußten 15 Minuten lang in völligem Schweigen beisammensitzen und einander einfach nach der Erscheinung hinsichtlich ihrer Persönlichkeitsmerkmale beurteilen. Jeder Teilnehmer absolvierte auch einen Persönlichkeitstest. Bei drei Wesenszügen – Extrovertiertheit, Gewissenhaftigkeit und Offenheit – korrelierten die auf dem Erscheinungsbild beruhenden Beurteilungen der Studenten in signifikanter Weise positiv mit den tatsächlichen Persönlichkeitswerten (Passini & Warren, 1966).

Eine spätere Nachfolgestudie replizierte die Ergebnisse für Extrovertiertheit und Gewissenhaftigkeit rein unter Verwendung von Porträtfotos.

Viele Homosexuelle behaupten, ein „gaydar“ zu haben, eine Fähigkeit, andere Homosexuelle beim bloßen Anblick zu erkennen. Eine kürzliche, weithin veröffentlichte Studie erbrachte eine empirische Untermauerung solcher Behauptungen. Kosinski und Wang (2017) entwarfen ein Computerprogramm, das mit einer Genauigkeit von 87 % zwischen Fotos von homosexuellen und heterosexuellen Männern unterscheiden konnte. Eine Kontrollgruppe menschlicher Beurteiler erreichten 61 % Genauigkeit. Die Zahlen für die Unterscheidung zwischen Lesbierinnen und heterosexuellen Frauen waren etwas niedriger, sowohl bei menschlichen Beurteilern als auch bei Computern. Dies könnte auf die größere Bedeutung sozialer Faktoren in der Ätiologie [den Ursachen] des Lesbentums hindeuten.

Der Körpertyp kann ebenfalls aufschlußreich sein. Endomorphe [Dickliche] neigen zu Extrovertiertheit, Ektomorphe haben hohe Werte bei Gewissenhaftigkeit und Neurotizismus, und Mesomorphe [athletische Typen] liegen in der Gewissenhaftigkeit niedrig. Diese Befunde widerspiegeln teilweise Unterschiede im Testosteronspiegel.

Fettleibigkeit korreliert im Westen mit niedrigem sozioökonomischem Status, niedriger Intelligenz und schwacher Impulskontrolle, aber auch mit Freundlichkeit und Geselligkeit. Schlankere Menschen neigen dazu, gewissenhafter zu sein, während ungesunde Dünnheit mit Neurotizismus, Depression und Ängstlichkeit verbunden ist.

Viele physiognomische Signale werden durch Testosteron vermittelt, d. h., Testosteronspiegel helfen sowohl physische als auch Persönlichkeits- und Verhaltenszüge zu bestimmen, sodaß Letztere von Ersteren abgeleitet werden können. Hohe Testosteronwerte bei Männern z. B. neigen dazu, mit geringer Körpergröße, Muskulosität, Breite der Gesichter, kantigen Kiefern und sogar „Schaufelhänden“ verbunden zu sein, d. h., relativ geringen Unterschieden zwischen den Längen der Finger. Männer mit hohem Testosteron sind auch haariger – außer an der Oberseite ihres Kopfes, wo sie mit größerer Wahrscheinlichkeit kahl werden. All diese Merkmale tendieren daher dazu, Konkurrenzdenken, niedrige Impulskontrolle, wenig Empathie und größere räumlich-visuelle, mathematische und Systematisierungsfähigkeiten vorherzusagen.

Ähnliche Merkmale sind sogar bei Frauen mit höherem Testosteronspiegel zu finden. Dutton berichtet:

Ich war 2015 bei einer Konferenz am University College in London. Die Universität versuchte für die Idee zu werben, daß Frauen einen bedeutenden Beitrag zur Wissenschaft geleistet haben. Die Wand im Speisesaal der Studenten war mit Fotografien lebender, relativ berühmter Wissenschaftlerinnen dekoriert. Es war bemerkenswert (für mich und meine Kollegen bei der Konferenz), wie maskulin die Gesichter dieser Wissenschaftlerinnen waren.

Markante sekundäre Geschlechtsmerkmale, wie große Brüste bei Frauen, tendieren dazu, mit einer schnelleren Lebensgeschichte (r-Strategie) zu korrelieren, d. h., einer Tendenz, in der Gegenwart zu leben.

Kleine Brüste pflegen die Tatsache anzuzeigen, daß die Frau weniger auf sexuelles Werben programmiert war, was eine langsamere Lebensgeschichte [= K-Strategie] bedeutet. Daher würde es für einen Mann mit einem langsameren Lebensgeschichtsstil sinnvoll sein, mehr von kleineren Brüsten angezogen zu werden, um eine Frau mit langsamerer Lebensgeschichte zu gewinnen.

Manche körperlichen Merkmale sind innerhalb von Rassen aufschlußreich, während rassenübergreifende Vergleiche problematischer sind. Zum Beispiel gibt es innerhalb von Rassen eine Korrelation von etwa 0,1 zwischen Intelligenz und Körpergröße. Aber Größenvergleiche zwischen Männern verschiedener Rassen könnten dieses Muster nicht aufweisen, nachdem nördlichere Breiten sowohl höhere Intelligenz als auch einen stämmigeren Körperbau begünstigen.

Zwei chinesische Forscher, Wu und Zhang, daß bestimmte physische Merkmale dazu tendieren, Kriminelle zu charakterisieren. Der Winkel „von der Nasenspitze zu zwei Mundwinkeln ist bei Kriminellen im Durchschnitt um 19,6 % kleiner als bei Nicht-Kriminellen und hat eine größere Varianz.“ Zusätzlich „ist die Krümmung der Oberlippe… bei Kriminellen im Durchschnitt um 23,4 % größer“, und die Distanz „zwischen zwei inneren Augenwinkeln“ ist bei Kriminellen ein wenig schmaler (5,6 %) als bei Nicht-Kriminellen. Kriminelle haben auch weniger symmetrische Gesichter und allgemein eine größere Variation der Gesichtszüge, möglicherweise wegen eines Zusammenhangs zwischen kriminellen Neigungen und höherer Mutationsbelastung.

Manche Eigenschaften, die sprichwörtlicherweise mit rotem Haar in Verbindung gebracht werden, könnten aus dem MCIR.3-Gen resultieren, das nicht nur rotes Haar bewirkt, sondern auch eine größere Empfindlichkeit gegenüber Schmerz und Kälte.

Gutes Aussehen sagt im Allgemeinen Religiosität, Traditionalismus und Akzeptanz gesellschaftlicher Hierarchie voraus. Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, daß die meisten physiologischen Korrelationen niedrig sind, oft um 0,1, daher ist jedes einzelne Merkmal wahrscheinlich nicht besonders aufschlußreich. Eine Kombination mehrerer Merkmale ist für zuverlässige Vorhersagen notwendig.

Dies ist ein faszinierendes Buch über ein Thema, das in der Forschungsliteratur allgemein ignoriert worden ist. Sehr zu empfehlen.

*   *   *   *   *   *   *   *

Siehe auch Why We Are So Good Looking von Jef Costello

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Neue Kommentarpolitik auf „Morgenwacht“: Wie bereits hier unter Punkt 1 angekündigt, am Schluß dieses Kommentars wiederholt als Absicht geäußert und in diesem Kommentar endgültig festgelegt, werden neue Kommentatoren nicht mehr zugelassen und sind die Kommentarspalten nur noch für die bereits bekannte Kommentatorenrunde offen.

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3 Kommentare

  1. Anti-Negro

     /  April 17, 2018

    „Es war bemerkenswert (für mich und meine Kollegen bei der Konferenz), wie maskulin die Gesichter dieser Wissenschaftlerinnen waren.“

    Weil es Transgender sind. Einfach mal auf YouTube/JewTube unter „Transvestigation“ suchen.

    Antwort
  2. zippelmütz

     /  Mai 19, 2018

    @antinegro: das halte ich für blühenden Blödsinn. Auch das Gesicht einer meiner Urgroßmütter, die zeitlebens Bäuerin und Hausfrau war und 8 Kinder zur Welt brachte – übrigens wurden alle recht alt, um die 90 – hatte ein kantiges, „maskulines“ Gesicht. Daß es sich dabei um eine Sorte mit „langsamem Lebenswandel“ handelt, erscheint mir deswegen plausibel.

    Antwort
  3. In GEO 4-2017 bin ich auf einen Kurzbeitrag gestoßen, den ich nachfolgend zitiere:

    Gibt es Verbrechergesichter?

    Schiefe Nase, krummes Kinn, zusammengewachsene Augenbrauen: Wem trauen wir – und wem weichen wir in dunklen Gassen lieber aus? Manche Menschen scheinen uns schon auf den ersten Blick zwielichtig oder gar kriminell zu sein.

    Kein Wunder also, dass über alle Zeitalter hinweg Gelehrte die Ansicht vertraten, Charaktereigenschaften seien uns ins Gesicht geschrieben. Der Italiener Cesare Lombroso entwickelte im 19. Jahrhundert eine neue Schule der Kriminologie und meinte, Verbrecher an Äußerlichkeiten identifizieren zu können. Ein Ansatz, der später in die Rassenlehre des Nationalsozialismus einfloss.

    Bis zur heutigen Zeit ist das Thema in der Forschung aktuell. 2011 belegte eine Studie an der Cornell University im US-Bundesstaat New York, dass Menschen überraschend gut Verbrecher an ihrem Konterfei erkennen können.

    2016 trainierten Wissenschaftler von der Shanghai Jiao Tong University einen Computer, ein sogenanntes neuronales Netzwerk, mit 1856 Fotoporträts, die eine Hälfte von Verbrechern, die andere von Gesetzestreuen. Am Ende konnte der Computer die Straftäter mit einer Genauigkeit von fast 90 Prozent herauspicken.

    Die Forscher präsentierten auch gleich den Unterschied zwischen bravem Bürger und Kriminellem: Verbrechergesichter fallen mehr aus dem Rahmen des allgemeinen Durchschnittsgesichts.

    Wohin aber führen uns solche Ergebnisse? Wird bald neben dem Ausweisfoto die Tendenz zum Gesetzesbruch vermerkt? Werden mögliche Diebe oder Mörder schon vor ihrer Tat durch Gesichtserkennungssoftware aus der Masse gefischt und weggesperrt?

    Wohl kaum. Ein Verfahren, das Menschen nach biometrischen Daten einordnet, mag in einer eng eingegrenzten Versuchsanordnung funktionieren, es fehlt aber der Alltagstest. Schon Schatten auf dem Gesicht oder Änderungen der Mimik können die Sortierung verdrehen.

    Zudem würde das Programm aus Shanghai selbst bei perfekten Bedingungen jeden Zehnten zu Unrecht in Sicherheitsverwahrung stecken. Und den anderen neun absprechen, sich mit ihrem Willen gegen eine biologisch-genetische Prädeterminierung erheben zu können.

    Menschen nach scheinbar allgemeingültigen Regeln in bestimmte Gruppen einzuteilen, schafft offenbar auch bei neuronalen Netzwerken Vorurteile.

    Das sind Befangenheiten, die wir selbst aus dem Alltag kennen, etwa wenn Personen mit südländischem Aussehen öfter kontrolliert werden. So etwas zersetzt ein Miteinander viel eher, als es echte Sicherheit schafft. Aussagen anhand von Gesichtssymmetrie mögen für Personengruppen Relevanz zeigen. Angewendet auf Individuen können sie nur zu Ungerechtigkeiten führen.

    In diesem Sinne sollte uns das Ergebnis der Studie aus Schanghai nicht zum Handeln, sondern höchstens zum Hinterfragen anregen: Wenn neuronale Netzwerke eine Art Menschenkenntnis erlernen können, welche anderen intuitiven Fähigkeiten entwickeln sie noch?

    Und sollten wir auf der anderen Seite nicht stetig unsere eigenen Vorurteile im Auge behalten? Denn immerhin können wir, im Gegensatz zu Computern, entscheiden, wie wir uns von einem ersten Eindruck beeinflussen lassen.

    Die Bedenkenwälzerei des Autors Tobias Hamelmann in der zweiten Hälfte samt den Mahnungen gegen Vorurteile und für Einzelfallgerechtigkeit war zu erwarten. Aber abgesehen davon, daß neuronale Netzwerke mit weiter verbesserter Software und umfangreicherem Training anhand vieler weiterer Beispielsbilder sicher eine noch größere Unterscheidungssicherheit auch bei unterschiedlichen Beleuchtungsrichtungen und Gesichtsausdrücken erlangen könnten, geht es auch gar nicht darum, Menschen irgendwann aufgrund solcher Computerprogramme von vornherein als schuldig einzustufen und sicherheitshalber wegzusperren.

    Studien wie die beiden erwähnten zeigen aber, wie groß die Korrelation zwischen bestimmten Gesichtsmerkmalen und Verbrechensneigung ist, und daß es offenbar einen bedeutenden evolutionären Vorteil gehabt haben muß, solche Unterschiede zwischen Personen, mit denen man zu tun hat, mit einiger Sicherheit erkennen zu können, andernfalls sich diese hohe Treffsicherheit bei Menschen nicht entwickelt hätte. Man muß deswegen einen Menschen, der einem aufgrund solcher Merkmale instinktiv verdächtig vorkommt, ja nicht von vornherein erschießen, abstechen oder totschlagen, aber man kann sich vor ihm in Acht nehmen, ihn „ausgrenzen“, solange man nichts Entlastendes über ihn weiß, und zum Geier mit der „Einzelfallgerechtigkeit.“ Und wenn sogar neuronale Netzwerke „Vorurteile“ entwickeln, dann haben sie offenbar einen gewissen heuristischen Nutzen.

    Ausführliche Argumente für die Sinnhaftigkeit von Vorurteilen kann man in Greg Johnsons lesenswertem Artikel Zur Verteidigung des Vorurteils nachlesen.

    Falls euch schon aufgefallen ist, daß ich in letzter Zeit öfters Sachen aus älteren Zeitschriften bringe: Jef Costellos Essay I Will Not Become My Father hat auch mir einen gewissen Anstoß hinsichtlich Entrümpeln und Vermeidung unnötigen „Hortens“ von Sachen gegeben, die man vielleicht irgendwann mal zu brauchen meint. Zwar treibe ich es lange nicht so arg wie Jef Costellos verstorbener Vater (ich habe noch keine auswärtigen Lagermöglichkeiten angemietet), aber ich habe dennoch schon zu viel Zeug angehäuft. Außerdem habe ich viele der Dinge, für die ich Inhalte in den vielen Zeitschriften irgendwann mal zu verwenden vorhatte oder brauchen zu können meinte, inzwischen aufgegeben. Und ein begrenzender Faktor für den Nutzen der Menge an Sachen, die man hat, ist die Zeit, um all das tatsächlich damit zu tun, was man mit dem Zeug tun könnte oder wollte.

    Am Schluß seines Essays argumentiert Jef Costello, der Ansätze zu den geschilderten Neigungen seines Vaters auch an sich schon bemerkt hat, dafür, sich mithilfe seines Willens gegen genetische Prädispositionen durchzusetzen, die man an sich als negativ erkannt hat, womit ein inhaltlicher Bogen zum Schluß von Tobias Hamelmanns obigem Kurzartikel geschlagen wäre.

    Antwort

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