Technologischer Utopismus und ethnischer Nationalismus

Von Greg Johnson, übersetzt von Lucifex. Das Original Technological Utopianism & Ethnic Nationalism erschien am 17. September 2018 auf Counter-Currents Publishing.

Anmerkung des Autors: Dies ist der Text meiner Rede beim vierten Treffen des Scandza Forum in Kopenhagen am 15. September 2018. In meiner früheren Rede beim Scandza Forum argumentierte ich, daß wir ethnonationalistische Botschaften für alle weißen Gruppen entwickeln müssen, sogar für Trekkies. Dies ist mein Brief an die Trekkies. Ich möchte jedem danken, der dort war, und jedem, der das Forum möglich machte.

Die Idee, eine utopische Gesellschaft durch wissenschaftlichen und technologischen Fortschritt zu schaffen, reicht bis zu Gründern der modernen Philosophie wie Bacon und Descartes zurück, obwohl die Idee bereits von Machiavelli angedeutet wurde. Aber heute leiten sich die Vorstellungen der meisten Menschen von einem technologischen Utopia von der Science Fiction ab. Mit der bemerkenswerten Ausnahme von Frank Herberts Dune-Serie tendiert die Science Fiction dazu, Fortschritt mit politischem Liberalismus und Globalismus zu identifizieren. Denkt bloß an Star Trek, worin die liberale, multirassische Föderation ständig gegen immerwährende Übel wie Nationalismus und Eugenik kämpft. Daher ist es wert zu fragen: Ist ethnischer Nationalismus – der illiberal und antiglobalistisch ist – mit technologischem Utopismus kompatibel oder nicht?

Meine Sicht ist, daß technologischer Utopismus nicht nur mit ethnischem Nationalismus kompatibel ist, sondern auch, daß Liberalismus und Globalisierung den technologischen Fortschritt untergraben und daß der Ethnostaat in Wirklichkeit der ideale Inkubator für die technologische Apotheose der Menschheit ist.

Bevor ich jedoch diese Punkte diskutiere, muß ich ein bißchen darüber sagen, was technologischer Utopismus beinhaltet und warum Menschen denken, daß er auf natürliche Weise zur Globalisierung paßt. Das Wort Utopia bedeutet wörtlich Nirgendwo und bezeichnet eine Gesellschaft, die nicht verwirklicht werden kann. Aber beim Fortschritt von Wissenschaft und Technologie geht es um die Eroberung der Natur, d. h., die Erweiterung der Macht und Reichweite des Menschen, sodaß Utopia erreichbar wird. Zu den spezifischen Ambitionen des wissenschaftlichen Utopismus gehören die Abschaffung des materiellen Mangels, die Erforschung und Besiedelung der Galaxis, die Verlängerung des menschlichen Lebens und die Aufwärtsevolution der menschlichen Spezies.

Es ist natürlich, zu denken, daß wissenschaftlicher und technologischer Fortschritt Hand in Hand mit der Globalisierung gehen. Die Wirklichkeit ist eins, daher müssen die Wissenschaft, die die Wirklichkeit versteht, und die Technologie, die sie manipuliert, ebenfalls eins sein. Wissenschaft und Technologie sprechen eine universale Sprache. Sie sind kumulative kollaborative Unternehmungen, die die Beiträge der besten Menschen von überall auf dem Globus mobilisieren können. Daher erscheint es als vernünftig, daß der Weg zum technologischen Utopia von nationalen Grenzen nur behindert werden kann. Ich werde drei Argumente anbieten, warum das nicht so ist.

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Spekulationen über Wasserwelten in habitablen Zonen

Von Paul Gilster; Original: Speculations on Habitable Zone Waterworlds, erschienen am 26. April 2017 auf Centauri Dreams („Imagining and Planning Interstellar Exploration“).

Übersetzt von Cernunnos

Was soll man von Fergus Simpsons neuem Artikel über Wasserwelten halten, der behauptet, daß die meisten Planeten in habitablen Zonen von diesem Typ sind? Falls solche Welten häufig sind, könnten wir herausfinden, daß die meisten Planeten in den habitablen Zonen ihrer Sterne zur Entwicklung von Leben fähig sind, aber mit geringer Wahrscheinlichkeit technologische Zivilisationen beherbergen. Eine Erklärung für das sogenannte „Fermi-Paradox“? Möglicherweise, aber es gibt alle möglichen Dinge, die erklären könnten, warum wir keine anderen Zivilisationen sehen, die meisten davon werden von Stephen Webb in seinem Buch If the Universe Is Teeming with Aliens … Where Is Everybody? (2. Ausgabe, Springer 2015) behandelt, das 75 Lösungen für das Problem anbietet.

Simpson (Universität von Barcelona) legt seine These auf den Seiten von Monthly Notices of the Royal Astronomical Society dar und argumentiert, daß das Gleichgewicht, das von einer Planetenoberfläche mit großen Mengen von Land wie auch Wasser gehalten wird, empfindlich ist. Die Bayes’sche statistische Analyse des Autors deutet darauf hin, daß die meisten Planeten entweder von Wasser oder Land dominiert werden, am wahrscheinlichsten von Wasser. Die Erde könnte also eine Art Ausreißer sein, während die meisten Planeten zu über 90 Prozent von Wasser bedeckt werden.

Kontinente auf anderen bewohnbaren Welten könnten damit zu kämpfen haben, über das Meeresniveau zu kommen, wie der Großteil Europas in dieser Illustration, die die Erde mit einer geschätzten 80%igen Bedeckung durch Ozeane darstellt. Bild von Antartis / Depositphotos.com.

Die Unwahrscheinlichkeit, daß ein Planet ein Gleichgewicht wie das der Erde bewahrt, gibt dem Artikel seine Ausrichtung. Simpson gibt ein pädagogisches Beispiel für den Bayes’schen Ansatz:

…stellen Sie sich vor, sie betrachten die Arbeitsplatte einer Küche und bemerken ein paar verschüttete Kaffeekörnchen. Eines dieser Körnchen, ein beliebig ausgewähltes, liegt innerhalb von 0,1 mm vom Rand der 600 mm breiten Arbeitsplatte entfernt. Diese Nähe könnte natürlich völlig zufällig sein. Aber es ist viel wahrscheinlicher, daß der Großteil der Körnchen auf den Boden gefallen ist und daß das, was Sie sehen, bloß das Schwanzende der Verteilung ist.

Befindet sich der Planet Erde am Schwanzende der Verteilung? Wir haben nicht genug Daten über Exoplaneten, um das zu wissen. Aber das statistische Modell hier beachtet, was wir in unserer Erforschung des äußeren Sonnensystems gelernt haben. Denken Sie an Titan, wo Stanley Dermott und Carl Sagan 1995 vorhersagten, daß der Umstand, daß die Umlaufbahn des Mondes nicht durch ozeanische Gezeiteneffekte kreisförmig gemacht wurde, auf eine weitgehend trockene Oberfläche anstelle einer von einem ausgedehnten Ozean bedeckten Oberfläche hindeutete. Wir wissen jetzt, daß das Duo recht hatte: Titans flüssige Kohlenwasserstoffe machen etwa 1 Prozent der Gesamtoberfläche aus.

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Löcher im Modell des demographischen Übergangs?

Von Andrew Hamilton, übersetzt von Lucifex. Das Original Holes in the Demographic Transition Model? erschien am 14. Februar 2014 auf Counter-Currents Publishing und wurde am 28. Mai 2018 auf National Vanguard nachveröffentlicht (Titelbild aus letzterer Version übernommen, die anderen Bilder sind in beiden dieselben).

Das Modell des demographischen Übergangs ist eine akademische Theorie über die Bevölkerungsentwicklung. Sie wurde anfänglich formuliert, um zu beschreiben, was bereits in entwickelten (zu der Zeit weißen) europäischen Ländern stattgefunden hatte. Sie hat seither genauso wie der Begriff „industrielle Revolution“ Eingang in den allgemeinen Sprachgebrauch gefunden, oder annähernd so sehr, aber je genauer man sie sich ansieht, desto schwammiger wird sie. Insbesondere gibt es eine weitverbreitete Erkenntnis, daß das vorhergesagte dritte Stadium, die nachhaltige Bevölkerungsstasis, nicht mehr zutrifft. Folglich sind zusätzliche Stadien, wie „vier“, „fünf“ und „sechs“ vorgeschlagen worden, obwohl hier die Übereinstimmung zusammenbricht.

Die Theorie beruht auf einer 1929 vom amerikanischen Demographen Warren Thompson (1887 – 1973) entwickelten Interpretation scharfer Veränderungen historischer Geburten- und Sterberaten in Industrieländern im Laufe der vorangegangenen 200 Jahre. Sie wurde nachfolgend vom Demographen Frank W. Notestein (1902 – 1983) und anderen weiter ausgearbeitet. Notestein prägte den Begriff „demographischer Übergang“ und skizzierte 1945 das ursprüngliche Dreistufenmodell, um die angenommene Dynamik des Bevölkerungswachstums während der Modernisierung von Gesellschaften zu veranschaulichen. Trotz Notesteins Nachnamen und seines kosmopolitisch-elitistischen Berufsprofils – Professor der Princeton University, Präsident des Rockefellers’ Population Council, erster Direktor der Bevölkerungsabteilung der Vereinten Nationen – scheint er kein Jude gewesen zu sein.

Kurz formuliert besagt die Theorie, daß in vormodernen Gesellschaften sowohl Geburten als auch Todesfälle hoch sind, mit wenig oder keinem Bevölkerungswachstum. In Stadium Zwei steigen die Lebensstandards, und die Gesundheitsversorgungsbedingungen verbessern sich, was die Sterberaten schnell fallen läßt. Bei immer noch hohen Geburtenraten beschleunigt sich das Bevölkerungswachstum und erreicht typischerweise 3 Prozent pro Jahr. Während das nicht nach viel klingen mag, resultiert ein Bevölkerungswachstum von 3 Prozent pro Jahr in einer nahezu zwanzigfachen Zunahme pro Jahrhundert. So wie sich die Lebensstandards weiter verbessern, beginnt die Geburtenrate zu sinken. Schließlich fällt die Geburtenrate auf das Niveau der Sterberate. Dies ist Stadium Drei, wo fortgeschrittene Populationen wieder stabil sind.

Afrika versus Europa, Prognose von 2009.

Dieses Endstadium entspricht der Erhaltungsfruchtbarkeit (gerade über 2 Kinder im Durchschnitt), dem Bevölkerungsnullwachstum und Lebenserwartungen über 70 Jahre. Haushalte nähern sich dem Typ der ehelichen Kernfamilie aus Ehepaaren und ihrem Nachwuchs an.

Zweifel

Der wichtigste Punkt, der am so formulierten Modell des demographischen Übergangs verstanden werden muß, ist, daß es eine Theorie ist. Anfänglich entwickelt, um zu beschreiben, was bereits in weißen, europäischen Populationen stattgefunden hatte, ist sie in weiterer Folge auf die gesamte Welt ausgedehnt worden. Sie ist auch über die Beschreibung hinausgegangen, um die Zukunft vorherzusagen und politische Maßnahmen zu bestimmen. Es ist wichtig, diese dreifache Natur der Theorie im Kopf zu behalten.

Obwohl es schwierig ist, direkte Kritiken des Modells zu finden – viel schwieriger, als man erwarten würde -, sind Hinweise auf zugrundeliegende Unsicherheit unter Experten häufig.

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Klima-Gruppendenken

Von David Archibald, übersetzt von Lucifex. Das Original Climate Groupthink erschien am 18. April 2018 auf Taki’s Magazine.

Es heißt, daß das Vereinigte Königreich den längsten Selbstmord-Abschiedsbrief der Welt produziert hätte – sein Klimawandelgesetz von 2008. Es sind aber noch ein paar vernünftige Leute in GB übrig; diejenigen in der Global Warming Policy Foundation beauftragten den angesehenen britischen Journalisten Christopher Booker, einen Bericht mit dem Titel Global Warming: A case study in groupthink [„Globale Erwärmung: Eine Fallstudie im Gruppendenken“] zu schreiben. Richard Lindzen schrieb das Vorwort, das bezüglich der Theorie von der globalen Erwärmung die Frage enthält:

Wie kommen ansonsten intelligente Menschen dazu, solch himmelschreienden Unsinn trotz seiner Unplausibilität, inneren Widersprüche, widersprüchlichen Daten, offenkundiger Korruption und lächerlicher politischer Implikationen zu glauben?

Wie, in der Tat. Dr. Lindzen hat seit über dreißig Jahren Abhandlungen veröffentlicht, die kritisch gegenüber der Theorie von der globalen Erwärmung sind. Für jeden, der sich dafür interessiert, wie wir zum gegenwärtigen Spielstand in Sachen Klima gekommen sind, liefert der Bericht eine interessante Einführung. Er enthält viele amüsante Anekdoten über die Mätzchen, auf die Global-Warming-Wissenschaftler und ihre Unterstützer zur Förderung ihrer Sache zurückgreifen, großteils mit Bezug auf deren inhärente Heuchelei. Nachfolgend sind einige dieser Geschichten zu finden.

Das wissenschaftliche Establishment in den Vereinigten Staaten und in Europa war seit mindestens dreißig Jahren beim Global-Warming-Hoax mit an Bord, noch bevor die Beweise dafür überhaupt fabriziert worden waren. Natürlich wurde kein Widerspruch dazu toleriert; aus Seite 13:

Aber, wie Lindzen anmerkte, war bald klar geworden, daß es bei allen Konzepten, die für uneindeutig hinsichtlich der globalen Erwärmung gehalten wurden, höchst unwahrscheinlich war, daß sie akzeptiert würden. Er erinnerte sich, wie die National Science Foundation im Winter 1989 einem seiner MIT-Kollegen, Professor Reginald Newell, die Mittel entzog, als seine Datenanalysen nicht zeigten, daß das vorhergehende Jahrhundert eine Nettoerwärmung erlebt hatte (ein Beurteiler meinte, daß seine Ergebnisse „gefährlich für die Menschheit“ seien).

Dr. Lindzen hatte ebenfalls ähnliche Probleme, wie auf Seite 14 erzählt wird:

Dies war ein Zeichen dafür, wie rücksichtslos der Druck geworden war, um jegliche Kritiker am „Konsens“ von der Debatte auszuschließen. Als Lindzen selbst eine Kritik an der These von der globalen Erwärmung an Science schickte, das Journal der American Association for the Advancement of Science, wurde sein Artikel als „nicht von Interesse“ für seine Leser abgelehnt. Aber zu seinem Erstaunen griff Science dann seinen Artikel an, obwohl er nicht veröffentlicht worden war.

Obwohl der Artikel schließlich im Bulletin der American Meteorological Society erschien, bemühte dessen Herausgeber „sich sehr, Widerlegungen anzufordern.“

Auf einer Ebene war die Theorie von der globalen Erwärmung ein Mittel zu einem Zweck, und die tatsächliche Umkehrung des Schadens, den zusätzliches Kohlendioxid angeblich verursachte, war nicht das, worauf es ankam. Worum es ging, war, ein Hassobjekt zu haben, das rechtfertigen würde, was die Protagonisten tun wollten. Auf Seite 18 gibt es ein Zitat aus The First Global Revolution, Bericht des Club of Rome, von 1991:

Auf der Suche nach einem neuen Feind, der uns vereinen würde, kamen wir auf die Idee, daß Umweltverschmutzung, die Drohung der globalen Erwärmung, Wasserknappheiten, Hungersnot und dergleichen dafür passen würden… all diese Gefahren werden durch menschliches Eingreifen verursacht… der wahre Feind ist also die Menschheit selbst.

Das Wunderbare an der globalen Erwärmung als Problem ist, daß kein physischer Beweis für ihre Existenz notwendig war, den die Menschen in ihrem täglichen Leben erfahren. Zu einem großen Ausmaß fälschten die Global Warmers sie, „bis sie sie machten“, aber keine Temperaturerhöhung kam daher, um ihnen zu helfen. Ihre Vorhersagen sind nun um nichts weniger lächerlich, aber die Warmers haben gelernt, sie viel weiter in die Zukunft hinauszuschieben.

Damals in den 1990ern dachten manche der ursprünglichen Teilnehmer in der Global-Warming-Industrie, sie wären an echter wissenschaftlicher Arbeit beteiligt, daher also diese amüsante Geschichte von Seite 20 über einen IPCC-Bericht von 1995:

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Das aktualisierte Warpantriebs-Raumschiffkonzept der NASA sieht aus wie zum Leben erweckte Science Fiction

Das Original NASA’s Updated Warp Drive Spacecraft Concept Looks Like Science Fiction Brought to Life erschien am 11. Juni 2014 auf 33rdsquare.com.

Übersetzt von Cernunnos (Originalübersetzung hier)

Ein NASA-Physiker hat ein realistischeres Konzept seines Warpantriebs-Raumfahrzeugs enthüllt, und der gar nicht so subtile Einfluß von Star Trek steht an vorderster Front. Während es in diesem Stadium eindeutig nur ein Konzept ist, fällt es schwer, nicht davon inspiriert zu sein.

Harold White von der Weltraumbehörde hat mit dem Künstler Mark Rademaker zusammengearbeitet, um in Bildern seine seit langem existierende Idee für ein Schiff zu realisieren, das zu Reisen mit Geschwindigkeiten und über Entfernungen fähig ist, die buchstäblich unglaublich sind.

Das Konzept, das auf dem Alcubierre-Warpantrieb beruht, würde ein Raumfahrzeug beinhalten, das an einem großen Ring befestigt ist, der es umgibt. Dieser potentiell aus exotischer Materie bestehende Ring würde eine Verzerrung der Raumzeit um das Schiff bewirken und einen Bereich zusammengezogenen Raums vor ihm und einen Bereich gedehnten Raumes dahinter erzeugen.

White hat seit 2010 am Johnson Space Center der NASA an einem funktionierenden Warpantriebskonzept gearbeitet. Die Idee besteht darin zu versuchen, die Raumzeit zu verzerren, um buchstäblich die Distanz zwischen zwei Punkten um das Schiff herum zu verkürzen und es diesem zu ermöglichen, schneller als das Licht zu fliegen.

Die Renderbilder zeigen, wie ein mit dem Antrieb ausgestattetes Raumfahrzeug (benannt als IXS Enterprise) wirklich aussehen könnte. Annalee Newitz auf iO9 hat auch das untenstehende Video ausgegraben, in dem White seine Idee auf der Konferenz Space Vision 2013 erläutert (bis etwa zur 42-Minuten-Marke überspringen).

Seht euch die volle Bildergalerie auf seiner Flickr-Seite an. Rademaker sagt, daß die Erstellung der Bilder mehr als 1.600 Stunden gedauert hat.

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Siehe auch:

Wie die NASA ihren allerersten Warpantrieb bauen könnte von George Dvorsky

Der Mikro-Warpantrieb von John G. Cramer

Der Woodward-Antrieb: Mit „seltsamem Schub“ in die Zukunft? von Deep Roots

Anm. d. Ü.: Aus den Bildern der verlinkten Galerie wird ersichtlich, daß dieses Konzeptraumschiff im fertigen Zustand mit zwei Warpantriebsringen ausgestattet ist, von denen der hintere ebenfalls von drei flossenförmigen Streben getragen wird. Ein Teil der Bilder zeigt verschiedene Stadien des Zusammenbaus; von den hier verwendeten stellen das erste und das dritte den fertigen Zustand dar. Beim zweiten fehlt der vorne angeordnete Besatzungsteil und der hintere Antriebsring, der beim vierten Bild auch noch nicht vorhanden ist. Hier sind noch weitere vier; die beiden letzten dürften nicht von Rademaker sein, sondern von anderen Computergrafikern auf dieser Basis erstellt worden sein.

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Neue Kommentarpolitik auf „Morgenwacht“: Wie bereits hier unter Punkt 1 angekündigt, am Schluß dieses Kommentars wiederholt als Absicht geäußert und in diesem Kommentar endgültig festgelegt, werden neue Kommentatoren nicht mehr zugelassen und sind die Kommentarspalten nur noch für die bereits bekannte Kommentatorenrunde offen.

Der Mikro-Warpantrieb

Von John G. Cramer; Original: The Micro-Warp Drive, ursprünglich verfaßt am 15. August 1999 und veröffentlicht in der Februarausgabe 2000 des Analog Science Fiction & Fact Magazine.

Übersetzt von Cernunnos (das Titelbild von Adrian Mann wurde vom Übersetzer als „Symbolbild“ eingefügt). [Originalübersetzung hier; Links für hier auf „Morgenwacht“ angepaßt.]

Ein kürzlicher Durchbruch hat das Konzept eines „Warpantriebs“ einen weiteren Schritt auf dem Weg von einer fiktiven Requisite für die Science Fiction zu einem gut fundierten physikalischen Konzept befördert, das vielleicht eines Tages verwirklicht werden könnte. Diese Verbesserung des Alcubierre-Warpantriebs wurde von Chris Van Den Broeck entwickelt, einem Theoretiker über die Allgemeine Relativitätstheorie an der Katholischen Universität von Löwen in Belgien. Er hat scheinbar unüberwindliche Probleme mit dem Entwurf des Alcubierre-Warpantriebs beseitigt. Seine Verbesserung bedient sich topologischer Gymnastik, um das Innere der Warp-Blase groß zu halten, während deren äußere Oberfläche sehr klein gemacht wird. Aber bevor ich Van Den Broecks Arbeit beschreibe, werde ich das Konzept des Alcubierre-Warpantriebs selbst zusammenfassen, das erstmals in meiner Kolumne #81 in der Novemberausgabe 1996 von Analog vorkam.

Bis 1994 war ein „Warpantrieb“ einer der Mythen der Science Fiction, ein gummiwissenschaftliches Konzept, das hauptsächlich verwendet wurde, um Helden von Weltraumopern mit Überlichtgeschwindigkeit von einem Sternsystem zum anderen flitzen zu lassen und dabei die Handlung voranzutreiben. Diejenigen, die mit den Gesetzen der Physik vertraut sind, sahen den Warpantrieb als eine offenkundige Verletzung der Prinzipien der Speziellen Relativitätstheorie, der Energieerhaltung und der Physik, wie wir sie kennen. Er wurde als exzessiver, aber vielleicht notwendiger Gebrauch der literarischen Freiheit von SF-Autoren toleriert.

Der Status des Warp-Antriebs änderte sich 1994 dramatisch, als Dr. Miguel Alcubierre einen Artikel mit dem Titel „The Warp Drive: hyper-fast travel within general relativity“ [„Der Warpantrieb: hyperschnelles Reisen im Rahmen der Allgemeinen Relativitätstheorie“] im Journal Classical and Quantum Gravity veröffentlichte. Alcubierre ist ein theoretischer Physiker aus Mexiko, der 1994 an der University of Wales arbeitete und sich nun am Albert-Einstein-Institut in Potsdam, Deutschland, befindet. Ebenfalls ein Fan der SF, war er von der SF-Tradition erfüllt und wandte seine Expertise in Physik den Überlegungen darüber zu, wie ein Warpantrieb innerhalb der Einschränkungen der Allgemeinen Relativitätstheorie, unseres gegenwärtigen „Standardmodells“ der Schwerkraft, konstruiert werden könnte. Alcubierre konstruierte eine „Metrik“, eine mathematische Spezifikation der Krümmung der Raumzeit, die all die Eigenschaften eines SF-Warpantriebs einschließlich der Fähigkeit zum überlichtschnellen Flug hatte. Überraschenderweise ist Alcubierres Warpantriebsmetrik eine Lösung von Einsteins Gleichungen zur Allgemeinen Relativitätstheorie und ist völlig mit ihnen konsistent. Dem Warpantrieb der Science Fiction war eine konsistente theoretische und mathematische Grundlage gegeben worden.

Wenn theoretische Physiker die Allgemeine Relativitätstheorie benutzen, besteht ihre normale Prozedur darin, mit irgendeiner Verteilung massiver Objekte zu beginnen und die Metrik zu berechnen, die die Raumzeitkrümmung beschreibt, die solch eine Verteilung produzieren würde. Alcubierre kehrte diese Prozedur um. Ohne sich darum zu sorgen, wie sie geformt werden könnte, konstruierte er eine Metrik, die ein Volumen eines flachen [= ungekrümmten; d. Ü.] Raumes, das vielleicht ein Raumschiff enthält, mit Überlichtgeschwindigkeit transportieren könnte. Dies wurde dadurch erreicht, daß das Volumen von flachem Raum in eine „Blase“ stark gekrümmten Raumes plaziert wird, worauf der Raum vor der Blase vernichtet und neuer Raum dahinter geschaffen wird. Effektiv wird die Warp-Blase durch Schaffung und Vernichtung von Raum vorangetrieben, als ob ein örtlicher Urknall hinter dem Heck des Raumschiffs stattfinden würde, während ein örtlicher „Big Crunch“ davor stattfände.

Wie schafft es Alcubierres Metrik, ein Objekt schneller als mit Lichtgeschwindigkeit zu bewegen? Steht das nicht in direktem Widerspruch zu Einsteins Spezieller Relativitätstheorie? In Wirklichkeit nicht. Die Allgemeine Relativitätstheorie behandelt die Spezielle Relativitätstheorie als eine eingeschränkte Subtheorie, die örtlich für jede Raumregion zutrifft, die ausreichend klein ist, daß ihre Krümmung vernachlässigt werden kann. Die Allgemeine Relativitätstheorie verbietet überlichtschnelle Reisen oder Kommunikation nicht, aber sie verlangt, daß die örtlichen Einschränkungen der Speziellen Relativitätstheorie gelten. In anderen Worten: die Lichtgeschwindigkeit ist die örtliche Geschwindigkeitsgrenze, aber der breitere Kontext der Allgemeinen Relativitätstheorie kann Wege zur Umgehung dieses örtlichen Gesetzes bieten. Ein Beispiel dafür ist ein Wurmloch (siehe meine AV-Kolumnen Analog 6/89 und 5/90), das zwei weit voneinander entfernte Orte im Weltraum verbindet, sagen wir, fünf Lichtjahre auseinander. Ein Objekt könnte ein paar Minuten brauchen, um sich mit geringer Geschwindigkeit durch ein Wurmloch zu bewegen, und auf dem ganzen Weg die örtliche Geschwindigkeitsgrenze einhalten. Durch Passieren des Wurmlochs ist das Objekt jedoch fünf Lichtjahre in wenigen Minuten gereist und hat dabei eine effektive Geschwindigkeit produziert, die das Millionenfache der Lichtgeschwindigkeit beträgt.

Ein weiteres Beispiel für ein überlichtschnelles Phänomen ist die Ausdehnung des Universums selbst. Während sich das Universum ausdehnt, wird neuer Raum zwischen jeglichen zwei voneinander getrennten Objekten geschaffen. Die Objekte mögen sich jeweils in ihrer eigenen Raumzeit in Ruhe befinden, aber trotzdem kann der Abstand zwischen ihnen mit einer Rate wachsen, die viel größer ist als die Lichtgeschwindigkeit. Dem gegenwärtigen Standardmodell der Kosmologie zufolge weicht der Großteil des Universums mit Überlichtgeschwindigkeit zurück und ist daher völlig von uns isoliert.

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Wie die NASA ihren allerersten Warpantrieb bauen könnte

Das obige vulkanische Kommandoschiff weist ein Warptriebwerk ähnlich einem Alcubierre-Antrieb auf.

Von George Dvorsky; das Original How NASA might build its very first warp drive erschien am 26. November 2012 auf io9.

Übersetzt von Cernunnos. (Originalübersetzung hier; Link zum Woodward-Artikel auf „Morgenwacht“ geändert)

 

Vor ein paar Monaten verblüffte der Physiker Harold White die Flugtechnikwelt, als er verkündete, daß er und sein Team bei der NASA mit der Arbeit an der Entwicklung eines überlichtschnellen Warpantriebs begonnen hätte. Sein vorgeschlagener Entwurf, eine geniale neue Vorstellung von einem Alcubierre-Antrieb, könnte schließlich ein einem Triebwerk resultieren, das ein Raumfahrzeug innerhalb von Wochen zum nächsten Stern transportieren kann – und alles, ohne Einsteins Relativitätsgesetz zu verletzen. Wir kontaktierten White bei der NASA und ersuchten ihn zu erklären, wie dieser Warpantrieb des wirklichen Lebens tatsächlich funktionieren könnte.

Der Alcubierre-Antrieb

Die Idee kam White, während er über eine ziemlich bemerkenswerte Gleichung nachdachte, die vom Physiker Miguel Alcubierre formuliert worden war. In seinem Artikel von 1994 mit dem Titel „The Warp Drive: Hyper-Fast Travel Within General Relativity“ [„Der Warpantrieb: Hyperschnelle Reisen im Rahmen der allgemeinen Relativitätstheorie“] schlug Alcubierre einen Mechanismus vor, durch den die Raumzeit sowohl vor als auch hinter einem Raumfahrzeug verzerrt [engl. „warped“] werden könnte.

Michio Kaku nannte Alcubierres Vorstellung einen „Reisepaß zum Universum“. Sie nutzt eine Eigenart des kosmologischen Gesetzes, die die Ausdehnung und Zusammenziehung der Raumzeit zuläßt und hyperschnelle Reisen zwischen interstellaren Zielen ermöglichen könnte. Im Wesentlichen würde man den leeren Raum hinter einem Sternenschiff zur schnellen Ausdehnung veranlassen, was das Fahrzeug in Vorwärtsrichtung schiebt – Passagiere würden es trotz des völligen Fehlens von Beschleunigung als Bewegung wahrnehmen.

White spekuliert, daß solch ein Antrieb in „Geschwindigkeiten“ resultieren könnte, die ein Raumfahrzeug in bloßen zwei Wochen nach Alpha Centauri bringen könnten – obwohl das System 4,3 Lichtjahre entfernt ist.

Bezüglich der Triebwerksmechanik würde ein sphäroides Objekt zwischen zwei Bereichen der Raumzeit (eine, die sich ausdehnt, und eine, die sich zusammenzieht) plaziert. Eine „Warp-Blase“ würde dann erzeugt, die die Raumzeit um das Objekt herumbewegt und es effektiv neu positioniert – wobei das Endergebnis eine überlichtschnelle Reise ist, ohne daß das Sphäroid (oder Raumfahrzeug) sich gegenüber seinem örtlichen Bezugsrahmen bewegen muß.

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Marsianische Lavaröhren

Längsschnitt einer marsianischen Lavaröhre mit Skylight

Eine Übersetzung des englischen Wikipedia-Artikels Martian lava tubes, zu dem es noch keine deutsche Wiki-Version gibt. Übersetzt von Deep Roots.

 

Marsianische Lavaröhren sind natürliche, unter der Oberfläche befindliche Lavaröhren-Höhlen auf dem Mars, von denen man glaubt, daß sie sich als Ergebnis schnellfließender basaltischer Lavaströme in Verbindung mit Schildvulkanismus bilden. Lavaröhren entstehen für gewöhnlich, wenn die äußere Oberfläche der Lavakanäle schneller abkühlt und eine ausgehärtete Kruste über Lavaflüssen im Untergrund bildet. Der Fluß hört schließlich auf und entleert sich aus der Röhre, wobei er einen rohrförmigen leeren Raum hinterläßt, der gewöhnlich mehrere Meter unter der Oberfläche liegt. Lavaröhren treten typischerweise in Verbindung mit extrem fließfähiger Pāhoehoe-Lava auf. Die Schwerkraft auf dem Mars beträgt etwa 38 % jener der Erde, was ermöglicht, daß marsianische Lavaröhren vergleichsweise viel größer sind.

Querschnitt einer marsianischen Lavaröhre

Entdeckung und Zugang

Lavaröhren und damit verwandte Fließstrukturen wurden erstmals bei der Untersuchung von Bildern der Viking-Orbiter erkannt und später unter Verwendung von Orbiter-Bildern von Mars Odysssey, Mars Global Surveyor, Mars Express und Mars Reconnaissance Orbiter identifiziert. Lavaröhren können visuell auf zwei Arten aufgespürt werden. Die erste sind als „Rillen“ bekannte gewundene Mulden, von denen man glaubt, daß sie die Überreste eingestürzter Lavaröhren sind. Die zweite Methode der möglichen Identifizierung ist die durch Beobachtung von Höhlen-„Skylights“ oder Pitkrater oder Schachtkrater, die als dunkle, nahezu kreisrunde Gebilde auf der Marsoberfläche erscheinen. Im Juni 2010 half eine Gruppe von Wissenschaftsstudenten an der Evergreen Middle School in Cottonwood, Kalifornien, die am Mars Student Imaging Project teilnahmen, den Forschern bei der Entdeckung einer neuen Reihe von Lavaröhren nahe Pavonis Mons, indem sie ein Skylight identifizierten, das auf einen Durchmesser von 190 x 160 Meter und mindestens 115 Meter Tiefe geschätzt wird. Es ist erst das zweite Skylight, von dem man weiß, daß es mit diesem Vulkan in Verbindung steht. Zusätzlich zu Bildern aus der Umlaufbahn könnten Lavaröhren aufgespürt werden durch:

  • Bodenradar
  • Gravimetrie
  • Magnetometermessungen
  • Seismographie
  • Atmosphärische Effekte
  • Lidar
  • Infrarot
  • Erforschung durch Menschen oder Roboter

Gewundene Kette von Einsturzgruben, die in einen durchgehenden, nicht eingestürzten Abschnitt einer lunaren Lavaröhre übergehen. Die Kette ist etwa 50 km lang.

Es hat ein gesteigertes Interesse an der Identifizierung und Untersuchung von Lavaröhren gegeben, weil Wissenschaftler dadurch Informationen hinsichtlich der geologischen, paläo-hydrologischen und vermuteten biologischen Geschichte des Planeten geben könnte. In einer Aussage über lunare Lavaröhren erklärt Dr. William „Red“ Whittaker, der Leiter von Astrobotic Technology: „Etwas so Einzigartiges an den Lavaröhren ist, daß sie das eine Ziel sind, das die Dreierkombination aus Wissenschaft, Erkundung und Ressourcen vereinigt.“ Zugang zu nicht eingestürzten Abschnitten von Lavaröhren kann erreicht werden, indem man am Ende der Rille hineingeht, oder durch Skylights, oder möglicherweise indem man durch die Decke einer Lavaröhre bohrt oder sprengt. Die anfängliche Erkundung von Lavaröhren wird höchstwahrscheinlich mit Rovern erfolgen, aber da wird es viele Herausforderungen geben. Direkt unter traditionellen Skylights gibt es große Schutthaufen (wie im ersten Bild zu sehen), die für den Rover zu einem extremen Hindernis werden könnten. Der tiefe senkrechte Fall, den der Rover ausführen müßte, wäre ebenfalls zu berücksichtigen, wie auch die Fähigkeit des Rovers, mit Geräten an der Oberfläche oder im Orbit in Verbindung zu bleiben. Fehlendes Sonnenlicht könnte ebenfalls ein Problem sein, falls Solarenergie die Hauptenergiequelle des Rovers ist.

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Sehr clever! Lunar Reconnaissance Orbiter sieht riesiges Lavaröhren-Skylight im Mare Ingenii

Diese Grube im Mare Ingenii, dem „Meer der Begabung“, hat einen Durchmesser von etwa 130 Meter! Die Bildbreite beträgt 550 Meter, die Beleuchtung kommt von oben rechts. LROC-Bild: NAC M128202846LE; NASA/Goddard/Arizona State University

Von Nancy Atkinson, übersetzt von Deep Roots. Das Original Very clever! LRO views huge lava tube skylight in Mare Ingenii erschien im Juni 2010 auf „Universe Today“ (die Kommentare darunter beginnen am 17. Juni 2010) und wurde zuletzt am 24. Dezember 2015 aktualisiert.

Ist dies ein Fenster ins Innere des Mondes und ein Eingang zu einem potentiellen zukünftigen Mondhabitat? Die Kamera des Lunar Reconnaissance Orbiter hat einen genaueren Blick auf etwas geworfen, das für ein Skylight in eine Lavaröhre im Mare Ingenii (Meer der Begabung), einem der wenigen Mare auf der Rückseite des Mondes, gehalten wird. Dieses Skylight ist riesig – etwa 130 Meter im Durchmesser – und ist wahrscheinlich das Ergebnis einer teilweise eingestürzten Lavaröhre. Aber Mondgeologen erwarteten wirklich nicht, ein ungewöhnliches Gebilde dieser Art in dieser Region zu sehen. Zuvor wurde ein Skylight, oder eine offene Grube, in der Region Marius Hills im Ozean der Stürme auf der Mondvorderseite gefunden, die voller vulkanischer Kuppeln und Rillen ist, wo eine Lavaröhre entstehen könnte. Jedoch werden vulkanische Strukturen dieser Art im Mare Ingenii nicht gefunden. LRO wird definitiv zusätzliche Blicke auf diese Grube werfen.

Das japanische Raumfahrzeug SELENE/Kaguya entdeckte erstmals dieses unregelmäßig geformte Loch, das im oberen Bild mit der Auflösung der LRO-Kamera von 0,55 m pro Pixel zu sehen ist. Die Felsblöcke und der Schutt auf dem Boden der Grube sind teilweise beleuchtet (linker Teil der Grube), entstanden wahrscheinlich an der Oberfläche und fielen beim Einsturz durch die Grubenöffnung.

Der Pfeil zeigt die Lage der Grube. „S“ zeigt einen der zahlreichen lunaren „Swirls“ an, die in dieser Region liegen. Das Bild ist Teil eines Mosaiks der LROC WAC [Lunar Reconnaissance Orbiter Camera Wide Angle Camera?], Auflösung 200 m pro Pixel; Bildbreite 160 km. Bild: NASA/Goddard/Arizona State University

Dies könnte aus mehreren Gründen ein wichtiger Fund sein. Lavaröhren sind wichtig für das Verständnis dessen, wie Lava auf dem frühen Mond transportiert wurde, aber sie könnten auch ein Zuhause für zukünftige menschliche Forscher bieten. Diese auf der Mondrückseite wäre ein großartiger Ort, um eine Basis für zukünftige Teleskope einzurichten, die für Beobachtungen von der Rückseite des Mondes aus hinaus ins Universum vorgeschlagen werden. Die Mondoberfläche ist ein harscher Ort, dem menschlichen Körper tut es nicht gut, wenn er der ständigen Strahlung ausgesetzt ist, die in der atmosphärelosen Umwelt des Mondes vorhanden ist. Eine langfristige menschliche Präsenz würde funktionieren, wenn Astronauten den Großteil ihrer Zeit abgeschirmt im Untergrund verbringen könnten. Während das Graben eines ausreichend großen Loches für eine ganze Mondkolonie eine riesige technische Herausforderung wäre, könnten diese Lavaröhren fertige Standorte für eine gut abgeschirmte Basis bieten.

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Kaguya entdeckt Lavaröhre auf dem Mond

Von Ryan Anderson, übersetzt von Deep Roots. Das Original Kaguya Discovers Lava Tube on the Moon erschien im November 2009 auf „Universe Today“ (die Kommentare darunter beginnen am 25. November 2009) und wurde zuletzt am 24. Dezember 2015 aktualisiert.

Zukünftige Mondastronauten könnten ihre Höhlenforscherfähigkeiten aufpolieren wollen: die erste Lavaröhre ist auf dem Mond entdeckt worden.

In einem neuen Artikel, der in Geophysical Research Letters veröffentlicht wurde, berichten Junichi Haruyama und Kollegen, daß sie in hochaufgelösten Bildern vom Raumfahrzeug Kaguya ein mysteriöses Loch in der Mondoberfläche entdeckt haben. Das Loch hat einen Durchmesser von 65 Metern und liegt in der vulkanischen Region Marius Hills auf der Mondvorderseite, direkt in der Mitte einer langen Sinusrille. Man denkt, daß Sinusrillen durch fließende Lava geformt wurden, entweder an der Oberfläche oder in umschlossenen Lavaröhren.

Natürlich gibt es eine Menge Arten, wie ein Loch in der Mondoberfläche entstehen kann. Die naheliegendste ist ein Einschlag: der Mond ist im Laufe der Jahre von Steinen aus dem Weltraum buchstäblich in Stücke geschlagen worden. Könnte dieses Loch nicht ein frischer Einschlagkrater sein? Nichts da. Das Haruyama-Team beobachtete das Loch neun separate Male, unter verschiedenen Beleuchtungswinkeln, und sogar als die Sonne direkt darüber stand, sah es großteils schwarz aus, was darauf hindeutet, daß es sehr tief ist. Sie berechnen eine Tiefe von um die 88 Meter, daher ist das Loch tiefer als breit. Kein Einschlagkrater ist so.

Vier verschiedene Ansichten des Lavaröhren-Skylights bei verschienenen Sonnenstandswinkeln. Die Pfeile zeigen die Richtung des einfallenden Sonnenlichts (I) und der Kamerablickrichtung (V). Bild: JAXA/SELENE

Eine weitere Möglichkeit ist, daß das Loch durch irgendeinen Vulkanausbruch entstand, aber es gibt keine Anzeichen vulkanischer Ablagerungen wie Lavaflüsse oder Asche aus dem Loch. Das Loch ist isoliert, daher ist es auch nicht wahrscheinlich, daß es aufgrund eines Bruchs in der Mondkruste entstand – man würde erwarten, daß solch ein Bruch eine Kette von Löchern bilden würde.

Das Haruyama-Team schlußfolgerte, daß die wahrscheinlichste Erklärung die ist, daß das von ihnen entdeckte Loch ein „Skylight“ ist – eine Stelle, wo das Dach einer Lavaröhre einstürzte, entweder als die Lava abfloß, die die Röhre ausfüllte, oder später in der Geschichte des Mondes aufgrund eines Einschlags, eines Mondbebens oder von Gezeitenkräften der Erde. Falls es eine Lavaröhre ist, zeigen ihre Berechnungen auf Basis der mehreren Bilder des Loches, daß die Röhre 370 Meter breit sein könnte.

Lavaröhren sind wichtig für das Verständnis dessen, wie Lava auf dem frühen Mond transportiert wurde, aber sie sind nicht nur eine wissenschaftliche Kuriosität: sie könnten auch eine wertvolle Zuflucht für zukünftige menschliche Forscher bieten. Die Oberfläche des Mondes wird vor der harten Strahlung des Weltraums nicht durch ein Magnetfeld oder eine dichte Atmosphäre geschützt, daher wäre eine langfristige menschliche Präsenz am besten machbar, wenn Astronauten den Großteil ihrer Zeit abgeschirmt im Untergrund verbringen könnten. Ein Loch zu graben, das groß genug ist, daß eine ganze Mondkolonie hineinpaßt, wäre eine riesige technische Herausforderung, aber Lavaröhren könnten fertige Standorte für eine gut abgeschirmte Basis sein, was zukünftige Astronauten zu den technologisch fortschrittlichsten Höhlenbewohnern der Geschichte machen würde.

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Siehe auch:

Lavaröhren sicher genug für Mondbasis von Paul Rincon

Sehr clever! Lunar Reconnaissance Orbiter sieht riesiges Lavaröhren-Skylight im Mare Ingenii von Nancy Atkinson

Lavaröhre (Wikipedia)

Lava tube (Wikipedia englisch)

Lunar lava tubes (Wikipedia)

Marsianische Lavaröhren (Wikipedia-Übersetzung)

Planetary Base Shields von Winchell Chung auf „Atomic Rockets“ (dort bin ich überhaupt erst auf dieses Thema aufmerksam geworden)

Lunar Pits Could Shelter Astronauts, Reveal Details of How ‚Man in the Moon‘ Formed von Bill Steigerwald

There could be lava tubes on the moon, large enough for whole cities von Matt Williams

Luna Rising von Rick Robinson

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