Die Bretonen: Ein Volk entdeckt sich

Die biniou-kohz, der bretonische Dudelsack.

Jahrhundertelang unterdrückt, bereichern Sprache, Lieder und Tänze der Bretagne jetzt die Kultur ganz Frankreichs.

Von Virginie Henry, aus „Das Beste von Reader’s Digest“ März 1977 (Titelbild nicht aus dem Artikel).

Als ich im letzten Frühjahr durch das Departement Côtes-du-Nord fuhr, kam ich eines Abends in die aus vier Häusern bestehende Siedlung Lannegant im Südwesten. In einem Garten unterhalb einer alten Kapelle aus Granitstein tanzten etwa 200 Männer und Frauen. Sie wiegten sich im Rhythmus eines bretonischen Liedes, einer Sprache, die ich nicht kannte, obwohl ich in der Bretagne geboren bin.

Ich sagte zu einer älteren Frau, wie beweglich sie sei. „An dañs a zalh an den en e zav!“ (Das Tanzen erhält einen jung!) antwortete sie.

Ich hatte in der Bretagne meine Jugend verbracht, aber nie hatte ich dergleichen erlebt. Die bretonische Kultur beschränkte sich damals auf ein paar Folkloregruppen, die ihre bestickten Trachten für die Touristen anlegten. Das fest-noz (Nachtfest) in Lannegant dagegen war der unverfälschte Ausdruck einer starken Bewegung, die die Bretagne im letzten Jahrhundert erfaßt hat.

Keine Woche vergeht ohne vier bis fünf solcher Veranstaltungen. Hier begegnen die Bretonen ihrer Kultur wieder: der überlieferten Sprache, der Dichtung und dem Gesang; ihrer auf Bombardon und Dudelsack gespielten Musik; den Tänzen aus längst vergangenen Zeiten.

Heute wissen alle Franzosen, daß die Bretagne sich verändert hat. Plastikbomben, die die Mauern der Finanzämter zerreißen oder einen Fernsehsender zerstören, erinnern sie daran. Doch solche Aktionen sind das Werk einer kleinen Minderheit bretonischer Terroristen. Die Bewegung für die Renaissance der bretonischen Kultur vollzieht sich weniger auffällig, aber sie berührt alle gesellschaftlichen Ebenen.

Für die meisten Franzosen beginnt die Geschichte der Bretagne erst im 15. Jahrhundert; damals brachte die Herzogin Anne de Bretagne ihre Provinz als Mitgift in die Ehe mit König Karl VIII. ein und verknüpfte damit die Geschicke der Bretagne mit denen Frankreichs. Doch die 34.000 Quadratkilometer große Halbinsel, einst durch dichte Wälder vom übrigen Kontinent abgeschnitten, war bereits im 5. und 6. Jahrhundert von Kelten des britischen Inselreichs besiedelt. Das Bretonische ist auch kein Dialekt des Französischen, sondern eine mit dem Gälischen in Irland, Schottland und Wales verwandte Sprache.

Nach der Eingliederung der Bretagne 1532 griffen die französischen Könige scharf durch, um die bretonische Sprache auszurotten. Jahrhundertelang blieb diese Politik unverändert. Noch im April 1972 erklärte der damalige Staatspräsident Georges Pompidou: „In einem Frankreich, das sich dem Ziel verschrieben hat, Europa seinen Stempel aufzudrücken, ist kein Platz für regionale Sprachen und Kulturen.“

Die allgemeine Schulpflicht trug wesentlich zum Niedergang des Bretonischen bei. „Auf den Boden spucken und bretonisch sprechen ist verboten“, warnten Schilder in allen öffentlichen Schulen. „Als ich in den 60er Jahren zur Schule ging“, erzählte mir eine 23jährige, „war es nicht einmal erlaubt, auf dem Schulhof bretonisch zu sprechen.“ Wurde ein Kind dabei erwischt, so hängte der Lehrer ihm ein Holzscheit, eine durchbohrte Münze oder sogar einen Holzschuh um den Hals.

Noch 1914 war für 1,3 Millionen Menschen Bretonisch die Umgangssprache. In den 60er Jahren war ihre Zahl auf 500.000 geschrumpft. Mit der Zeit wurde die Sprache von der jungen Generation vergessen oder aufgegeben. „Mezh am eus bet“ (Ich schämte mich ihrer), gesteht eine junge Studentin der keltischen Kultur an der Universität Rennes.

Heute dagegen bekennen sich immer mehr Bretonen zu ihrer alten Sprache. Über 5000 Schüler lernen Bretonisch. Bei den Abschlußprüfungen 1975 am Lannion-Guingamp-Zentrum überflügelte Bretonisch, das beliebteste Wahlfach – jeder dritte Kandidat hatte sich dafür entschieden -, sogar Lateinisch und Griechisch. Zahlreiche Studenten arbeiten in den Semesterferien auf Bauernhöfen, wo nur bretonisch gesprochen wird. Etwa 2000 Leute belegen jährlich Korrespondenzkurse.

Aber all dies mußten sich die Bretonen Schritt für Schritt erkämpfen. Zwischen 1958 und 1970 brachten bretonische Abgeordnete in der Nationalversammlung Gesetzesvorlagen ein, um der lokalen Sprache offizielle Geltung zu verschaffen. Zwar genehmigte 1971 ein ministerieller Erlaß Kurse ab der dritten Klasse an höheren Schulen, aber die vorhandenen Mittel waren dürftig, und die meisten Lehrer werden noch heute schlecht oder gar nicht bezahlt. In der Regel werden die Stunden ans Ende des Schultags gelegt, wenn die letzten Schulbusse bereits abgefahren sind. Trotzdem ist der Zulauf beachtlich.

Bald stellte sich auch in den unteren Klassen Nachfrage ein. Anfang Januar 1975 wandten sich mehrere Familien an einen Lehrer einer höheren Schule in Brest und drangen auf Bretonischunterricht. Am 22. Januar öffnete die skol vrezoneg ar merher (Bretonische Mittwochsschule) ihre Pforten. „Wir erwarteten die Kinder um 14.30 Uhr“, sagte mir ein Verwalter. „Um 14 Uhr waren die Klassenzimmer überfüllt.“

Die Bretonen geben sich damit noch nicht zufrieden. Sie wollen ihre Sprache auch öfter im Fernsehen hören. Bisher werden wöchentlich nur 13 Minuten in Bretonisch gesendet – 60mal weniger, als die BBC dem Gälischen an Sendezeit zugesteht.

Das wachsende Interesse an Literatur und Sprache zeigt sich in jeder Buchhandlung der Halbinsel. Die Zahl der Veröffentlichungen in bretonischer Sprache hat sich von sechs im Jahr 1936 auf 31 erhöht.

Verlage unter ehrenamtlicher Leitung – nur der Drucker wird bezahlt – bringen Werke bretonischer Dichter und Romanciers heraus. Die Schriftsteller kommen aus allen sozialen Schichten; Ärzte sind darunter und Universitätsprofessoren, Künstler und ein Bahnarbeiter. Maodez Glanndour, Pfarrer im Dörfchen Louannec, arbeitet seit 20 Jahren an einer Bibelübersetzung ins Bretonische. Das Gedicht Kan an Douar (Das Lied der Erde) verwandelte den Bauernhof der Verfasserin Anjela Duval in einen Wallfahrtsort. „Sie kommen hierher“, sagt Anjela, „wie man zu einem alten Brunnen pilgert.“

Musik und Tanz sind die wesentlichen Elemente der wiederaufflammenden Kultur. Ich verstand die Eigenart und Ursprünglichkeit dieser Folklore nicht ganz, bis ich bei einem Bauernfest in Bourbriac zusah. „Außer in Afrika habe ich so etwas noch nie gesehen oder gehört“, sagte mein Bekannter, ein Experte für Kulturen der Primitiven.

Die Tänzer wirbeln zum durchdringenden Wimmern der biniou-kohz, einer Art Dudelsack, und zum Bombardon, einem Vorläufer des Fagotts. Mein Freund erklärte mir, die Wirkung der Instrumente beruhe ähnlich wie die Musik Afrikas mehr auf dem Rhythmus als auf der Melodie.

Erst als die Bläser das Podium verließen, begannen drei Sänger langsam einen rituellen Satz zu singen. Einer stimmte an, dann fielen nach und nach die anderen ein. Verbunden mit einem Tanz und ohne Begleitinstrumente ist dieser Gesang, der Kan ha diskan, eine einzigartige Form der Volksmusik in Frankreich.

Der bretonische Gruppentanz wirkt sehr brav, die Choreographie nüchtern und einfach; er verlangt große Geschmeidigkeit und vollkommene Beherrschung der Schritte. Jeder Tanz ist an einen bestimmten Ort gebunden.

Als die Landwirtschaft mechanisiert wurde, verließen viele Bretonen ihre Felder und wanderten in die Städte ab. 1942 waren nur noch etwa 30 Bläser auf dem Land zurückgeblieben. Damals gründete Polig Monjarret mit seinen Freunden in Rennes den Bodadeg-ar-Sonerion (Bläserverband), um erfahrene Musiker für die Ausbildung einer neuen Bläsergeneration zu gewinnen. Heute gibt es schätzungsweise 3000 aktive Bläser.

Damit die Lieder nicht verlorengingen, die nur einigen alten, auf dem Land lebenden Leuten noch bekannt waren, hat eine junge Frau aus Guingamp, Claudine Mazeas, eine andere Rettungsaktion gestartet. 15 Jahre lang hat sie Hunderte von Gedichten und Liedern der Bauern, Müller und Schuster aufgezeichnet.

Die Kan-ha-diskan-Sänger, Künstler der bäuerlichen Tradition, werden mit Einladungen zu festou-noz überhäuft. Von jeder Schallplatte, die der bretonische Sänger und Komponist Alan Stivell gemacht hat, wurden gut 100.000 Stück verkauft. Und in seine letzten zehn Vorstellungen in Paris strömten 50.000 Menschen. Auch die Dichterin Anjela Duval erregte in ganz Frankreich Aufmerksamkeit, als sie im Fernsehprogramm Die Geschichtenerzähler auftrat. Zahllose Zuschriften gingen beim Sender ein.

Langsam, aber stetig durchdringt so die bretonische Kultur die alte Halbinsel und erobert allmählich auch das übrige Land. Die Bretonen, die sich das Recht auf ihre Identität erkämpft haben, beweisen, daß Achtung vor der Kultur eines Landstrichs das Erbe einer ganzen Nation bereichern kann.

*   *   *

Zum Nachlesen über die Situation heute, fast vierzig Jahre später:

Bretagne

Bretonen

Bretonische Sprache

Siehe auch Wissen bewahren von Osimandia

*     *     *

Neue Kommentarpolitik auf „Morgenwacht“: Wie bereits hier unter Punkt 1 angekündigt, am Schluß dieses Kommentars wiederholt als Absicht geäußert und in diesem Kommentar endgültig festgelegt, werden neue Kommentatoren nicht mehr zugelassen und sind die Kommentarspalten nur noch für die bereits bekannte Kommentatorenrunde offen.

Wardrunas Skald

Das Album-Cover

Von A. Graham, übersetzt von Lucifex. Das Original Wardruna’s Skald erschien am 5. Dezember 2018 auf Counter-Currents Publishing. (Die Links im Text und die Musikvideos im Anhang wurden vom Übersetzer eingefügt.)

Wardruna
Skald
Indie Recordings/By Norse Music, 2018

Das neueste Album der norwegischen Band Wardruna, Skald, ist eine Hommage an die altnordische Dichtkunst, die zehn akustische Balladen enthält, welche vom Mitgründer der Band, Einar Selvik, live eingespielt wurden. Das Begleitheft enthält die originalen Texte (die meisten sind in Altnordisch) und ihre jeweiligen englischen Übersetzungen sowie eine kurze Einführung in die altnordische Skaldendichtung, die vom isländischen Philologen Bergsveinn Birgisson geschrieben wurde (ein Skalde war im alten Skandinavien jemand, der Gedichte über heldenhafte Taten verfaßte und vortrug).

Selvik schreibt, daß Skald „live im Studio aufgenommen wurde, in der Absicht, die kompromißlose Energie einer Livedarbietung einzufangen, statt auf eine makellose und ausgefeilte Ausdrucksform abzuzielen“ und daß es sich „daran macht, der alten Kunst eine Stimme zu geben, die einst das Herzstück der nordischen mündlichen Traditionen war, präsentiert so wie sie heute in den Händen eines bescheidenen zeitgenössischen Skalden Gestalt annimmt.“

Die schlichte, minimalistische Klanglandschaft von Skald kennzeichnet eine Abweichung gegenüber Wardrunas früheren Werken. Selviks Stimme wird auf dem Großteil des Albums von nichts als einer Kravik-Leier begleitet (eine taglharpa kommt in einem Lied ebenfalls vor, und der erste Titel beginnt mit den Klängen eines bukkehorns). Sein Gesangstalent zeigt sich hier voll. Seine Stimme ist reich und volltönend und hat eine große emotionale Tiefe. Sie beschwört die Vorstellung herauf, einen ergrauten Wikinger Geschichten am Feuer erzählen zu hören.

Einar Selvik

Die Lieder behandeln einen breiten Themenbereich: den Tod geliebter Menschen, die Götter und die Schöpfung und die Rolle des Skalden. Die Texte stammen aus verschiedenen Quellen, einschließlich eines Gedichts von Bragi Boddason, der Völuspá, Ragnars saga loðbrókar (zwei Strophen, die Ragnar Lothbroks Tod in einer Schlangengrube beschreiben) und eine Klage von Egill Skallagrimsson. Drei Lieder in dem Album („Helvegen“, „Fehu“ und „Voluspá“) sind alte Wardruna-Lieder, die hier in auf das Wesentliche reduzierter „skaldischer“ Form präsentiert werden. Der Text für „Gravbakkjen“ wurde von Selvik verfaßt und zur Melodie eines traditionellen Begräbnisliedes gesungen.

(mehr …)

„Samain Night“: Loreena McKennitts Lieder

Von Lichtschwert alias Lucifex, ursprünglich veröffentlicht am 31. Oktober 2017 auf „Nord-Licht“ [Nachveröffentlichung hier auf „Morgenwacht“ anläßlich des heutigen 61. Geburtstags von Loreena McKennitt, nachdem ich den Artikel nach Erscheinen des Originals vorerst nur rebloggt hatte.]

Anläßlich des heutigen fünften Bestandsjubiläums meines Blogs „Nord-Licht“ zum diesjährigen Samhain bringe ich eine Auswahl von Liedern der kanadischen Sängerin und Musikerin Loreena McKennitt, die ich sehr schätze. Wie ich bereits einmal geschrieben habe, gefällt mir nicht nur ihre Musik allgemein und ihre Stimme, sondern es ist überhaupt ihre ganze Darbietung immer wieder sehr ansprechend, mit Gesichtsausdruck, Kopfhaltung und allem; so schön, so feierlich und würdevoll.

Loreena McKennitt, die am 17. Februar 1957 geboren wurde und schottisch-irischer Abstammung ist, hat bisher 21 Alben und eine Single veröffentlicht, die alle von ihrer eigenen Plattenfirma Quinlan Road produziert wurden; ihr Debutalbum war Elemental (1985). Im Jahr 1998 kam ihr Verlobter Ronald Rees zusammen mit seinem Bruder Richard und deren Freund Gregory Cook bei einem Bootsunglück auf der Georgian Bay ums Leben. Dieses Ereignis hatte sie sehr getroffen, und sie gründete daraufhin im selben Jahr die Wasserrettungsstiftung „Cook-Rees Memorial Fund for Water Search and Rescue“. Die Einnahmen ihres zu dieser Zeit gerade produzierten Albums Live in Paris and Toronto wurden für diese Stiftung gespendet und belaufen sich auf bisher etwa drei Millionen Dollar. Nach der Veröffentlichung dieses Albums entschied Loreena, daß sie die Zahl ihrer öffentlichen Auftritte verringern werde, und sie hat danach bis zum Studioalbum An Ancient Muse (2006) keine neuen Aufnahmen mehr herausgebracht.

Loreena McKennitt, die mehrere Instrumente spielt, darunter Harfe, Klavier und Akkordeon, verwendet in ihrer Musik zwar teils auch orientalische und andere Einflüsse aus verschiedenen Teilen der Welt, fühlt sich aber aufgrund ihrer schottisch-irischen Herkunft stark zu ihren keltischen Wurzeln hingezogen („my infatuation with the Celts“, wie sie einmal bei einem Live-Auftritt sagte) und läßt sich davon nicht nur bei ihren eigenen Kompositionen inspirieren, sondern nimmt auch traditionelle Lieder aus dem anglo-keltischen Kulturraum in ihr Repertoire auf. Bevor sie irgendwelche Musik komponiert, betreibt sie beträchtliche Forschungen zu einem bestimmten Thema, das dann das allgemeine Konzept eines Albums formt. Sie reist auch viel, unter anderem auch zu anderen keltisch beeinflußten Gegenden, um sich Inspirationen zu holen. In ihrem Hüllentext zu Troubadours on the Rhine, einem Live-Album, das am 24. März 2011 im Mainzer SWR-Studio aufgenommen wurde, schreibt sie, daß sie erfreut war zu erfahren, daß diese Örtlichkeit ebenfalls ein keltisches Erbe hat.

Den Anfang meiner Liederpräsentation mache ich, dem Datum entsprechend, mit Samain Night (aus Parallel Dreams, 1989):

Hier ist der Text dazu:

When the moon on a cloud cast night
Shone above the tree tops‘ height
You sang me of some distant past
That made my heart beat strong and fast
Now I know I’m home at last.

You offered me an eagle’s wing
That to the sun I might soar and sing
And if I heard the owl’s cry
Into the forest I would fly
And in its darkness find you by.

So our love’s not a simple thing
Nor our truths unwavering
Like the moon’s pull on the tide
Our fingers touch, our hearts collide
I’ll be a moonsbreath from your side.

Bekannt ist Loreena auch für ihre Vertonungen klassischer Gedichte aus der englischsprachigen Literaturwelt, zu denen sie die Musik komponiert und Instrumentalarrangements erstellt und die sie dann gemeinsam mit ihren Musikern vorträgt.

Ein Beispiel dafür ist The Lady of Shalott, eine 1832 veröffentlichte Ballade von Alfred Lord Tennyson, die lose auf der Legende von Elaine of Astolat aus dem Sagenkreis um König Artus beruht.

Elaine, die anderswo auch als Nimue, die Herrin vom See etc. in Erscheinung tritt, lebt unter einem Zauberbann einsam in einer Burg auf der Insel Shalott, die in dem Fluß liegt, der nach Camelot fließt. Dort sitzt sie mit dem Rücken zum Fenster an einem Webstuhl und webt das, was sie in einem magischen Spiegel sieht, zu Bildern eines endlosen Teppichs. Aus dem Fenster darf sie nicht schauen. Nur die Feldarbeiter in der Nähe hören ihre Gesänge. Eines Tages sieht sie im Spiegel den Ritter Lancelot vorbeireiten, und um ihn besser sehen zu können, schaut sie direkt aus dem Fenster und verliebt sich in ihn. Da zerbricht der Spiegel, und Elaine weiß, daß der auf ihr liegende Fluch nun in Erfüllung geht. In einem Boot fährt sie nach Camelot, während ihre Lebenskraft sie bereits verläßt, und als sie dort ankommt, ist sie tot. Die Ritter sind erstaunt über ihre Schönheit, und Lancelot bittet Gott um Gnade für sie.

Nach einer ersten Vertonung dieses Gedichts durch den englischen Komponisten Cyril Rootham im Jahr 1909 hat Loreena McKennitt ebenfalls eine geschaffen, und zwar für ihr Album The Visit von 1991. Hier trägt sie ihre Version bei der Verleihung der Juno Awards von 1992 vor, wo sie für das Best Roots/Traditional Album ausgezeichnet worden war:

In Loreenas textlich stark gekürzter Live-Fassung von Tennysons langer Ballade wird diese Geschichte jedoch nur unvollständig vermittelt, und auch die 11:34 min. lange Studioversion aus The Visit (siehe nächstes Video) enthält nicht alle Strophen des Originals. Ich gebe daher nachfolgend den gesamten Text wieder, mit den von Loreena in The Visit gesungenen Strophen in ihrer Textfassung (nur in den beiden hier eingestellten Live-Versionen [Juno Awards und Alhambra] enthaltene Strophen in fetter Schrift, die beiden in der etwas längeren Konzertdarbietung von Troubadours on the Rhine zusätzlich dazu verwendeten zwischen Sternchen; gänzlich weggelassene in Klammern):

(mehr …)

Zum österreichischen Nationalfeiertag: „A Land zum Leb’n“, trotz Patriotismusvernaderern

Von Deep Roots alias Lucifex, ursprünglich veröffentlicht am 26. Oktober 2014 auf As der Schwerter“. (Laut Rückmeldung meiner AdS-Kameraden nach der Originalveröffentlichung auf AdS sind manche der enthaltenen Videos von Deutschland aus nicht aufrufbar.)

Am Freitag, dem 24. Oktober 2014 erschien in der „Kronen-Zeitung“ eine Kolumne von Mathias Grilj, der mir schon länger als gutmenschelnder, feministischer Vielfaltspinsel verhasst ist. Titel: „Heimatkitsch? Und wie gern!“

Gleich im ersten Absatz lieferte Grilj eine Aussage, die meinem Frühstückskaffee beim Blutdrucksteigern geholfen hat und zum bevorstehenden Nationalfeiertag ungefähr so paßte wie Eselpisse zu Sachertorte:

„Bei jedem kollektiven Stolz kann ich nur den Kopf schütteln. Stolz kann man nur auf Leistung sein. Herkunft ist Zufall. Aber wenn du es hinkriegst, dass es Menschen, die dir lieb sind, gut geht, Frau und Kind und Alten und den anderen, dann sei gern stolz darauf! Wenn es dir gelingt, ein Mensch zu sein. Natürlich auch auf einen Salto rückwärts, hepp! Aber auf Nationalität sind nur Versager stolz.“

Zum Beweis füge ich dieses Stück Zersetzungspropaganda als Scan an:

(mehr …)

Die singende Revolution / Und wer nicht singt, der küsst

Dieser Beitrag ist ein Doppelpack aus zwei Artikeln; der erste davon ist The Singing Revolution von Matt Parrott, erschienen am 5. Juli 2011 bei Counter-Currents Publishing/North American New Right und übersetzt von Deep Roots:

thesingingrevolution

DIE SINGENDE REVOLUTION

The Singing Revolution ist ein Dokumentarfilm über den Kampf der winzigen Ostseenation Estland um Souveränität, einer Nation, die das halbe zwanzigste Jahrhundert im Griff des Sowjetimperiums verbrachte. Es ist ein besinnlicher und informativer Film, der entweder nicht erkennt oder sich nicht darum kümmert, daß es eine mitreißende Geschichte des Triumphes einer weißen Nation über eine globale Ideologie ist. Das Meer hellhaariger Patrioten, die als eine unerschütterliche erweiterte Familie in Solidarität gegen eine Ideologie versammelt sind, die in ihrer Zukunft keinen Platz für sie sieht, ist atemberaubend.

Die Geschichte zentriert sich um das Estnische Liederfestival (das Laulupidu), eine Veranstaltung, die mehr als ein Jahrhundert lang alle fünf Jahre veranstaltet wurde und bei der Zigtausende Esten zusammenkommen, um traditionelle Volkslieder zu singen. Sie sangen öffentlich Texte wie „Land meiner Väter / Land, das ich liebe / ich kann dich nicht im Stich lassen“ und rezitierten privat Slogans wie „Eines Tages, komme, was da wolle, werden wir gewinnen“, bis sie ein freies Land waren. Der Erzähler behauptet, es sei „die Geschichte davon, wie die Kultur eine Nation rettet“, womit er der „Singenden Revolution“ das Verdienst zuschreibt, die Ketten der Unterdrückung ohne Hass oder Gewalt entfernt zu haben.

Es ist verzeihlich, daß sowohl der nationale Mythos als auch die These des Dokumentarfilms besagen, daß sie den Bolschewismus mit all ihrem Singen besiegt hätten. Immerhin, „wenn 20.000 Menschen ein Lied zu singen beginnen, selbst ohne einen Dirigenten, kann man sie nicht zum Schweigen bringen.“ In Wirklichkeit implodierte der Bolschewismus von selber. Bis dahin waren sowohl die militanten „Waldbrüder“ als auch die verweichlichten Dirigenten gleichermaßen machtlos gegen den einschüchternden globalen Moloch. Es war jedoch auf seine eigene Weise subversiv. Es spielte eine entscheidende Rolle bei der Bewahrung der estnischen Stammesidentität gegen die Auflösung, sodaß es zu einem späteren Zeitpunkt noch ein Estland zum Wiederherstellen geben konnte.

Der aufmerksame amerikanische weiße Nationalist wird diese Darbietung mit mehreren Parallelen zu unserem eigenen Kampf übersät finden. An einer Stelle meint ein Mann: „In der Schule unterrichteten sie einen Haufen Scheiße, aber mein Vater sagte mir, wie es wirklich war.“ Es ist ermutigend zu sehen, wie diese Völker nach weitverbreiteten Gehirnwäschebestrebungen der Regierung so schnell wieder zu Sinnen kommen. Sollte der globale Kapitalismus in ähnlicher Weise implodieren wie der globale Kommunismus, wird unser eigenes Volk dann genauso schnell wieder zu Sinnen kommen? Tun wir Fackelträger alles, was wir können, um ein Gefühl der Identität am Leben zu halten?

(mehr …)

Bauernmaler Sepp Hilz: Alliierter Kunstraub?

„Bäuerliche Trilogie: Das Füllhorn“, 1941

„Bäuerliche Trilogie: Das Füllhorn“, 1941

Von Deep Roots, ursprünglich veröffentlicht auf „As der Schwerter“. (Hier nachveröffentlicht anlässlich des 49. Jahrestags des Todes von Sepp Hilz am 30. September 1967.)

 

Von unserer langjährigen Leserin „Serbian Girl“, die ich schon seit Eisvogels „Acht der Schwerter“ kenne, wurde ich auf den deutschen Maler Sepp Hilz (22. Oktober 1906 – 30. September 1967) und seine Bilder aufmerksam gemacht.

„Spätherbst“

„Spätherbst“

Sepp Hilz, der ab 1930 eigene Werke zu schaffen begann, hatte sich auf ländliche Themen spezialisiert und galt daher als „Bauernmaler“.

Sepp Hilz (ganz rechts) mit Annerl Meierhanser, seinem Modell für die „Bäuerliche Venus“.

Sepp Hilz (ganz rechts) mit Annerl Meierhanser, seinem Modell für die „Bäuerliche Venus“.

Im nationalsozialistischen Deutschland war er sehr erfolgreich und wurde, obwohl unpolitisch, von Adolf Hitler und der Reichsführung gefördert und protegiert.

„Bäuerliche Venus“, 1939

„Bäuerliche Venus“, 1939

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Hilz von Hitler in die Liste der „Gottbegnadeten“ aufgenommen, was ihn vor einem Kriegseinsatz bewahrte.

„Nach Feierabend“

„Nach Feierabend“

Nach dem Krieg arbeitete Sepp Hilz als Restaurator beschädigter Kirchengemälde; seine eigenen Bilder zeigten zunehmend religiöse Motive. Obwohl er in der Zeit des Nationalsozialismus unpolitisch gewesen war und auch keine politischen Bilder oder Porträts von Mitgliedern der Reichsführung gemalt hatte, genügte die bloße Tatsache, daß er vom offiziellen nationalsozialistischen Deutschland wohlgelitten war und daß seine Bilder aufgrund ihrer Thematik und auch wegen ihrer Schönheit in jener Zeit populär gewesen waren, daß er in der Nachkriegszeit als Maler keinen Erfolg mehr hatte und seine Werke von der „öffentlichen“ Kunstszene gering geachtet wurden. 1951 beteiligte er sich an einer Münchner Ausstellung, die am öffentlichen Protest beinahe scheiterte und nur durch eine Initiative des bayerischen Bildungsministers durchgeführt werden konnte (siehe hier). Sepp Hilz gab deshalb 1956 das Malen auf.

„Bauernbraut“, 1940

„Bauernbraut“, 1940

(mehr …)