Die neo-osmanische Türkei: eine feindliche islamische Macht

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Übersetzung und Bilder: BeforeDawn

Das Original „Neo-ottoman Turkey – a Hostile Power“ ist am 10. April 2010 in OrthodoxyToday erschienen.

In Ergänzung zu Fjordmans vor kurzem hier geposteten Essay über die Türkei Erdogans („Ein gemäßigter Islam – eine Illusion„) bringe ich hier auszugsweise die Übersetzung eines Aufsatzes von Srdja Trifkovic. Ebenfalls von Trifkovic auf diesem Blog: „Großbritannien führt die Scharia ein„.

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Die neo-osmanische Türkei: eine feindliche islamische Macht

von Srdja Trifkovic

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Dienstleistungen für die Ummah

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Als die Regierung in Ankara im Jahr 1963 mit der Unterzeichnug des Ass0ziationsabkommens mit der EWG (wie sie damals noch hieß) den Vorbereitungsprozess zum Beitritt begann, war ihr Ziel, die Türkei „europäischer“ zu machen. Dies ist das Ziel aufeinanderfolgender Versuche zur Euro-Integration verschiedener neo-kemalistischer Regierungen vor Erdogans Wahlsieg vor acht Jahren gewesen, vor allem von den Regierungen von Turgut Özal und Tansu Chiller in den 1990er Jahren. Die Säkularisten hofften, die „europäische Berufung“ der Türkei als attraktive innenpolitische Alternative zum wachsenden Einfluss des politischen Islam präsentieren und gleichzeitig die Bedrohung durch den Islamismus als Mittel nutzen zu können, um von Brüssel politische Zugeständnisse und besondere Zeitpläne zu bekommen. Erdogan und sein persönlicher Freund und politischer Verbündeter Abdullah Gül, der Präsident der Türkei, wollen auch jetzt noch die Mitgliedschaft, aber ihre Motive sind ganz andere. Weit davon entfernt, die Türkei europäischer machen zu wollen, wollen sie jetzt Europa türkischer – viele deutsche Städte sind auf dem Weg schon gut vorangekommen – und islamischer machen, was einer Umkehr der Niederlage von 1683 gleichkäme, ohne dass ein Schuss fiele.

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Die eurasische Idee

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Alexander Dugin

Von Alexander Dugin, übersetzt von Deep Roots. Das Original The Eurasian Idea erschien am 8. November 2013 auf Counter-Currents Publishing/North American New Right (ursprüngliche Quelle: Ab Aeterno No. 1, November 2009).

Veränderungen in der ursprünglichen Bedeutung des Eurasianismus

Verschiedene Begriffe verlieren ihre ursprüngliche Bedeutung durch ihren täglichen Gebrauch im Laufe vieler Jahre. Solch fundamentale Konzepte wie Sozialismus, Kapitalismus, Demokratie, Faschismus haben sich tiefgreifend verändert. Eigentlich sind sie banal geworden.

Die Begriffe „Eurasianismus“ und „Eurasien“ enthalten ebenfalls einige Ungewißheiten, weil sie neu sind, sie gehören zu einer neuen politischen Sprache und einem intellektuellen Kontext, der erst heute geschaffen wird. Die eurasische Idee widerspiegelt einen sehr dynamischen Prozeß. Ihre Bedeutung ist die ganze Geschichte hindurch klarer geworden, muß aber weiter entwickelt werden.

Eurasianismus als philosophischer Kampf

Die eurasische Idee repräsentiert eine fundamentale Revision der politischen, ideologischen, ethnischen und religiösen Geschichte der Menschheit, und sie bietet ein neues Klassifizierungssystem und Kategorien, die Standardklischees überwinden werden. Die eurasische Idee machte zwei Stadien durch – eine formative Periode des klassischen Eurasianismus am Beginn des 20. Jahrhunderts durch ausgewanderte russische Intellektuelle (Trubeckoy, Savickiy, Alexejew, Suvchinkiy, Iljin, Bromberg, Hara-Davan et al.), gefolgt von den historischen Arbeiten von Lew Gumilew und schließlich der Konstitution des Neo-Eurasianismus (zweite Hälfte der 1980er bis zur Gegenwart).

Hin zum Neo-Eurasianismus

Die klassische eurasische Theorie gehört zweifellos der Vergangenheit an und kann richtigerweise in den Rahmen der Ideologien des 20. Jahrhunderts eingeordnet werden. Der klassische Eurasianismus mag vorüber sein, aber der Neo-Eurasianismus hat ihm eine zweite Geburt, einen neuen Sinn, einen neuen Maßstab und neue Bedeutung gegeben. Als die eurasische Idee sich aus ihrer Asche erhob, wurde sie weniger offensichtlich, hat aber seither ihr verborgenes Potential enthüllt. Durch den Neo-Eurasianismus hat die gesamte eurasische Idee eine neue Dimension erhalten. Heute können wir die große historische Periode des Neo-Eurasianismus nicht ignorieren und müssen versuchen, ihn im modernen Kontext zu begreifen. Des weiteren werden wir die verschiedenen Aspekte dieses Konzepts beschreiben.

Eurasianismus als globaler Trend; Globalisierung als Hauptteil der modernen Geschichte

Im breiten Sinn entsprechen die eurasische Idee und sogar das eurasische Konzept nicht strikt den geographischen Begrenzungen des eurasischen Kontinents. Die eurasische Idee ist eine Strategie in globalem Maßstab, die die Wirklichkeit der Globalisierung und der Beendigung der Nationalstaaten anerkennt, aber gleichzeitig ein anderes Szenario der Globalisierung anbietet, das keine unipolare Welt oder vereinigte globale Regierung mit sich bringt. Stattdessen bietet sie mehrere globale Zonen (Pole). Die eurasische Idee ist eine alternative oder multipolare Version der Globalisierung, aber die Globalisierung ist der gegenwärtig größte fundamentale Weltprozeß, der über den Hauptvektor der modernen Geschichte entscheidet.

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„Krone“-Interview: „Scheiß-Türken! Das höre ich sehr oft

Hümeyra Sarikaya

Interview in der österreichischen „Kronen-Zeitung“ vom 29. Juni 2013:

Krone-Interview: “Scheiß-Türken! Das höre ich sehr oft”

Beim Aufmarsch Tausender Türken mitten in Wien protestierte eine 17- Jährige an vorderster Front. Mit Conny Bischofberger sprach Hümeyra Sarikaya über Nationalstolz, Kopftuch- Debatten und ihr Leben zwischen den Welten.

„Schickt alle, die für Erdogan sind, mit One-Way-Tickets heim in die Türkei!“ Ausgerechnet der grüne, türkisch-stämmige Bundesrat Efgani Dönmez hat mit seinem provokanten Sager über 10.000 türkische Demonstranten für Schlagzeilen gesorgt (er wurde mittlerweile von seiner Partei zurückgepfiffen, siehe Infobox). Doch dann meinte auch der unbestechliche Peter Pilz, man solle diese Leute „nicht mit österreichischen Staatsbürgerschaften belohnen“. „Diese Leute“ sind eine mächtige Gruppe der in Österreich lebenden 300.000 Türken (und zwei Drittel von ihnen haben die Staatsbürgerschaft bereits).

Was sie denken und wie sie leben, das erzählt Hümeyra Sarikaya im „Krone“-Interview, zu dem sie ihren Bruder Mehmet und viele Notizen mitgebracht hat. Seit die Gratiszeitung „Heute“ sie als schöne Demonstrantin aufs Cover gehievt hat, drehen sich die Besucher im „Kent“ nahe des Wiener Westbahnhofs nach ihr um. „Bist du nicht das Mädchen aus der Zeitung?“, fragen ihre Landsleute auf Facebook. Hümeyra genießt das. Die Muslimin trägt ein türkisfarbenes Kleid und hat ihre dunklen Augen ausdrucksvoll geschminkt. Während des Gesprächs berührt sie immer wieder den silbernen Halbmond, der an ihrer Halskette baumelt.

„Krone“: Würden Sie sich als Österreicherin, als Austro-Türkin oder als Türkin bezeichnen?


Hümeyra Sarikaya: Ganz klar: Ich fühle mich als Türkin. Obwohl ich österreichische Staatsbürgerin bin seit meiner Geburt.

„Krone“: Fühlen Sie sich hier nicht zu Hause?


Sarikaya: Immer weniger. Als Kind ist mir das nicht so aufgefallen. In letzter Zeit sind die Anfeindungen schlimmer geworden. Deshalb will ich später, wenn ich mit der Schule fertig bin und in Österreich studiert habe, in der Türkei leben. Als Deutschlehrerin.

„Krone“: Welche Anfeindungen meinen Sie?


Sarikaya: Mein Vater und mein Bruder spüren das nicht so. Aber wenn ich mit meiner Mutter und meiner Schwester unterwegs bin, die beide Kopftuch tragen, höre ich sehr oft: Scheiß Türken! Oder: Kopftuch runter! Oder: Wir reden hier deutsch, nicht türkisch! Obwohl meine Schwester den Bachelor in Bildungswissenschaft hat und perfekt Deutsch spricht. Auch meine Eltern sitzen nicht zu Hause und leben vom AMS. Ich habe noch nie gehört, dass jemand zu einem Juden sagt: Hut runter.

„Krone“: Wie reagieren Sie da?

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