Warnhinweise zur Unfruchtbarkeitsproblematik

Von Lucifex, zusammengestellt aus Kommentaren von mir und hildesvin zu Andrew Hamiltons Essay Familie, ergänzt um drei neue Schlußabsätze. Diese Aufbereitung als eigener Artikel soll die enthaltenen Informationen leichter auffindbar und verlinkbar machen als die einzelnen Kommentare und sie neueren Lesern bekanntmachen, die den alten Strang noch nicht kennen.

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Lucifex:

Im aktuellen Juliheft 2018 von „bild der wissenschaft“ ist unter dem Titel „Furchtbar unfruchtbar“ ein interessanter Artikel von Susanne Donner erschienen (ab. S. 74). Nachfolgend gebe ich ihn gekürzt wieder (als Blockquote; meine eigenen Anmerkungen stehen dazwischen):

Wunschtraum Kind

Immer mehr Menschen bleiben in Deutschland kinderlos. Die Zahl der Ehepaare ohne Sprösslinge ist von 1990 bis 2012 stark angewachsen auf 10 Millionen. Jede und jeder Vierte im Alter von 20 bis 50 ist mittlerweile ungewollt ohne Nachwuchs, erbrachte eine aktuelle Erhebung des Bundesfamilienministeriums.

Ungewollt bedeutet, dass es meistens mit einer Schwangerschaft nicht geklappt hat oder auch, dass nicht der passende Partner gefunden wurde. Wie viele Paare infertil sind, darüber haben Mediziner nur Schätzungen angestellt. Systematisch erhoben wird die Reproduktionsunfähigkeit der Bevölkerung nicht. Die Angaben schwanken zwischen jedem achten und jedem fünften Paar. Die 134 Kinderwunschzentren florieren jedenfalls.

Der dänische Endokrinologe Niels Skakkebaek war der Erste, der vor einer verheerenden Fruchtbarkeitskrise warnte. 1992 veröffentlichte er im angesehenen British Medical Journal, dass die Spermienzahl sich von 113 Millionen auf 66 Millionen je Milliliter Sperma halbiert habe. Ein Fünftel der jungen Dänen hätte so wenig gesunde Keimzellen, dass sie als unfruchtbar gelten. Doch er hatte historische Zählungen mit neueren Erfassungen verglichen, die nach unterschiedlichen Standards erfolgten. Viele warfen ihm Panikmache vor. Besonders in Deutschland taten Andrologen, also Ärzte der Männerheilkunde, seine These als Hysterie ab.

Die Spermienqualität nimmt ab

Inzwischen hat der betagte Pionier den Streit für sich entschieden: „Man muss das nicht Spermienkrise nennen. Die Spermienqualität hat jedenfalls abgenommen“, sagt der Reproduktionsmediziner Stefan Schlatt vom Universitätsklinikum Münster. Sein Vorgänger war einer der schärfsten Kritiker von Skakkebaek. In Münster werden seit 2016 Ringversuche koordiniert, um die Qualität der Spermiogramme in ganz Deutschland zu gewährleisten. Man kann sagen, die Forscher hier haben einen guten Überblick über die männliche Fruchtbarkeit.

Man kann auch sagen, die Forscher in Münster beugen sich den erdrückenden Indizien. Schon 2004 gab die einzige Untersuchung zur Spermienqualität in Deutschland zu denken: 791 Männer aus Hamburg und Leipzig spendeten ihr Ejakulat. Im Schnitt zählten die Experten 42 Millionen Spermien pro Milliliter. Unterhalb von 39 Millionen kann es mit dem Nachwuchs mühsam werden. Die Andrologin Andrea Salzbrunn vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, die an der Studie beteiligt war, urteilt: „Ein großer Teil der jungen deutschen Männer scheint eine beeinträchtigte Samenqualität zu haben.“

Neuere Analysen des Spermienspezialisten Pallav Sengupta vom britischen Lincoln University College zeichnen auch global ein verheerendes Bild: Die Spermienzahl der Männer in Europa sei in den letzten 50 Jahren um 32,5 Prozent eingebrochen, in Afrika sogar um 76,2 Prozent. Auch in Asien und Nordamerika hat der Forscher den Rückgang dokumentiert. Im Schnitt hat sich die Zahl der Keimzellen halbiert. Und 2017 errechnete der Mediziner Hagal Levine von der Hebräischen Universität Jerusalem einen Rückgang der Spermienzahl von 52 Prozent. Andere Experten würdigten die Studie als beste Neuberechnung, die es derzeit gibt.

Zu viel Sex als Ursache?

Obwohl Skakkebaek Recht hat, streiten die Forscher immer noch – nun aber über die Frage, warum weniger Spermien im Ejakulat schwimmen und ob das etwas macht. Schlatt vertritt eine unter hiesigen Reproduktionsmedizinern verbreitete Sicht: „Der Rückgang macht nichts, weil immer noch genug Samenzellen für die Befruchtung der Eizelle übrig sind.“ Der Schwund könnte in seinen Augen sogar ganz profane Ursachen haben: „Der limitierende Faktor für die Spermienzahl ist die Zeit, weil der Hoden die Samenzellen erst produzieren muss. Männer haben aber heute viel häufiger Ergüsse als vor 50 Jahren“, glaubt er. Die Masturbation war damals verpönt. Und Sexualpartner außerhalb der Ehe waren viel schwieriger zu finden. Sprich: Es gab weniger Gelegenheit zur sexuellen Befriedigung. Belege dafür fehlen allerdings – auch, weil das Sexualverhalten noch schwieriger zu erfassen ist als die Zahl der Spermien.

Daß die verminderte Spermienzahl in diesem Ausmaß allein sich vielleicht noch nicht allzu stark auf die Befruchtungswahrscheinlichkeit auswirkt, erscheint mir auch plausibel. J. Philippe Rushton schreibt zum Beispiel in Rasse, Evolution und Verhalten ab Seite 43, daß das durchschnittliche Hodengewicht von Asiaten bei 9 Gramm liegt und jenes von Europäern bei 21 Gramm, was laut einem Artikel von 1989 in der führenden britischen Wissenschaftszeitung „Nature“ bedeuten könnte, daß Weiße täglich zweimal so viele Spermien produzieren als Ostasiaten. Und da Ostasiaten sich zumindest früher immer prächtig vermehrten, dürfte auch der Begattungserfolg von Europäern nicht allzu sehr schwinden, wenn ihre Spermienzahl sich halbiert.

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Gene zeichnen Geschichte der Roma nach

Aus „Spektrum der Wissenschaft“, Heft Februar 2013.

Die Wanderwege der Roma begannen auf dem indischen Subkontinent. Das bestätigen nun Forscher um Manfred Kayser von der Erasmus-Universität in Rotterdam. Sie analysierten das Erbgut von 152 Roma aus 13 europäischen Ländern und verglichen es mit dem von Indern.

Demzufolge stammen die Roma von einer Gruppe ab, die vor etwa 1500 Jahren von Nordindien nach Westen auswanderte. Anfangs schrumpfte sie auf weniger als die Hälfte der ursprünglichen Größe und passierte damit einen „genetischen Flaschenhals“. In den folgenden Jahrhunderten führten die Wege der Roma-Migranten durch den Mittleren Osten, den Kaukasus und Zentralasien. Dabei vermischten sie sich nur wenig mit einheimischen Gruppen, übernahmen aber teils deren Sprachen und Kulturen. Etwa im 11. Jahrhundert begannen sie über den Balkan nach Europa einzuwandern. Hier teilten sie sich in einen westlichen Zweig, der die Iberische Halbinsel erreichte, und einen östlichen, der nach Mitteleuropa vordrang. Den Analysen zufolge sind die bulgarischen Roma die ursprünglichste europäische Population: Sie ähneln genetisch noch am stärksten jenen Ethnien, die heute im indischen Rajasthan und in Kaschmir leben.

Die beiden europäischen Zweige nahmen recht unterschiedliche Entwicklungen, wie die Untersuchungen ergaben. Während die westlichen Roma sich zunächst häufig mit anderen Europäern vermischten, blieben die Roma in Mitteleuropa und im Balkangebiet eher unter sich. Dies scheint sich in jüngerer Zeit aber umzukehren.

Aus Current Biology 22, S. 2342 – 2349, 20122

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Anhang:

Siehe auch The True Origin of Roma and Sinti von Sándor Avraham, worin der Autor – selber ein Zigeuner – argumentiert, daß die Zigeuner ein verlorener Stamm der Juden sind. Interessant ist darin auch die Erwähnung einer internationalen jüdischen Organisation namens Kulanu („Wir alle“), die sich hauptsächlich der Suche nach den verlorenen Stämmen des antiken Israel widmet, und dabei in letzter Zeit besonders in Indien solche Nachkommengruppen gefunden haben will (welche aber laut Sándor Avraham alle nicht so viele hebräische Elemente auf sich vereinigen wie die Roma).

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Neue Kommentarpolitik auf „Morgenwacht“: Wie bereits hier unter Punkt 1 angekündigt, am Schluß dieses Kommentars wiederholt als Absicht geäußert und in diesem Kommentar endgültig festgelegt, werden neue Kommentatoren nicht mehr zugelassen und sind die Kommentarspalten nur noch für die bereits bekannte Kommentatorenrunde offen.

Heute „Mobilgeld“ in Afrika, morgen Bargeldabschaffung in Europa

Von Lucifex

In der aktuellen Ausgabe 2-2017 von „Spektrum der Wissenschaft“ ist auf Seite 33 unter der Rubrik „Springers Einwürfe“ ein Beitrag von Michael Springer mit dem Titel „Überraschungen aus der Handy-Forschung“ enthalten, aus dem ich nachfolgend den Abschnitt zitiere, auf den es mir ankommt:

Der Armutsforscher Tavneet Suri vom Massachusetts Institute of Technology in Cambridge (USA) und der Ökonom William Jack von der Georgetown University in Washington haben untersucht, wie sich „mobiles Geld“ – eine Form des Bezahlens mittels Handy – auf arme Haushalte und insbesondere auf die Stellung der Frauen auswirkt (Science 354, S. 1288-1292, 2016).

In einem Entwicklungsland wie Kenia gibt es wenige Bankfilialen und -automaten, aber dafür besitzt praktisch jeder noch so bettelarme Haushalt mindestens ein Mobiltelefon – und regelt seine Finanzen zunehmend bargeldlos, indem er von speziellen Prepaidkarten Guthaben im Handy speichert, die er bei Bedarf per Textnachricht an andere Nutzer übertragen kann. Durch wiederholtes Befragen von 3000 Haushalten zwischen 2008 und 2014 ermittelten die Forscher, dass der Übergang zu Mobilgeld nicht nur akute Finanzprobleme schneller lösen hilft, sondern langfristig fast 200.000 Haushalte Kenias dauerhaft aus drückender Armut befreit hat.

Besonders deutlich macht sich der Effekt bei Frauen bemerkbar. Sie kommen bargeldlos leichter an Kredite, um sich von Subsistenzlandwirtschaft und Gelegenheitsjobs zu befreien und ein eigenes Geschäft aufzumachen. Die wirtschaftliche Emanzipation wirkt sich wiederum positiv auf andere Entwicklungsfaktoren aus: Schon bei bescheidenem Wohlstand gebären Frauen weniger Kinder und können sie zur Schule schicken statt zur Feldarbeit.

Während in Deutschland noch das Bargeld dominiert, breitet sich weltweit der Zahlungsverkehr per Mobilfunk aus. Ende 2015 wurde er in 93 Ländern angeboten, von Argentinien bis Sambia – Tendenz steigend.

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Dass der bargeldlose Zahlungsverkehr mittels Mobiltelefon die Armut in Afrika verringert, halte ich für einen Propagandaschwindel. Immerhin muss für den Erwerb der Prepaid-Karten genauso eine Leistung erbracht werden wie für den Erwerb von Bargeld im selben Wert. Und wieso Frauen durch den bloßen Wechsel zur bargeldlosen Mobilfunkzahlung leichter Kredite bekommen sollten, erschließt sich mir auch nicht. Denn auch hier muss die Kreditnehmerin für die Rückzahlung in elektronischem Buchgeld eine gleich hohe Wirtschaftsleistung aufbringen wie für die Rückzahlung in Bargeld.

Ich halte es für sehr plausibel, dass hier aus finanz- und währungspolitischem Kalkül bewusst die Kreditvergabe über Mobilgeld gegenüber Bargeld erleichtert und Propaganda mit dem angeblich dadurch ermöglichten Wirtschaftsaufschwung für arme Drittweltler betrieben wird, um eine weitere Verbreitung dieser Zahlungsart in Afrika und anderswo zu fördern.

Denn es ist offensichtlich, dass dies ein großmaßstäblicher praktischer Feldversuch in diesen Ländern ist, um das Bezahlen per Mobiltelefon auch für Europa als weitere Alternative zur Bargeldzahlung aufzubauen. Wenn diese Zahlungsart einmal zusätzlich zu Überweisungen, Onlinebanking, Kredit- und Bankomatkartenzahlung in Europa gängig ist, wird keiner mehr einwenden können, wie man denn in irgendeiner abgelegenen Almhütte oder an anderen Orten ohne zahlungstechnische Infrastruktur etwas bezahlen solle, wenn das Bargeld abgeschafft ist: „Wenn es sogar im hintersten Afrika funktioniert, dann doch wohl erst recht hier in Europa…“

Das ist es, was hier mit vorbereitet wird.

Wie entsteht ein Meinungsumschwung?

Von Michael Springer, hier wiedergegeben in der Form, wie der Beitrag vor einigen Jahren auf „As der Schwerter“ samt einer Vorbemerkung und einem Nachwort von Deep Roots veröffentlicht wurde.

 

Vorbemerkung von Deep Roots: In Ausgabe 6/2011 des Magazins „Spektrum der Wissenschaft“ gab es in Michael Springers Kolumne „Springers Einwürfe“ einen Beitrag, den ich bereits als Kommentar zu Tanstaafls „Lasst uns den Judenhassern die Schuld geben“ („Let’s Blame the Jew-Haters“) veröffentlicht habe, weil er einen Bezug zur in diesem Artikel behandelten Minderheit hat, der aber auch für uns relevant ist, eine andere „dissidente Minderheit, die jahrzehntelang vergeblich gegen die etablierte Politik anrennt“. Dieser Redakteur Michael Springer ist zwar ein linkes Sheeple, das unter anderem NPD-Wahlerfolge „erschreckend“ findet, aber seine Kolumne sei hier dennoch nachfolgend zitiert:

 

Wie entsteht ein Meinungsumschwung? Eine unbeugsame Minderheit entscheidet.

Das politische Klima kann überraschend umschlagen. Im Nahen Osten und in Nordafrika gerät von heute auf morgen die arabische Welt in Aufruhr. In Deutschland wird ein Grüner Ministerpräsident eines konservativ geprägten Bundeslands. Die Kanzlerin, nicht als leidenschaftliche Kernkraftgegnerin bekannt, läßt eine Ethikkommission über den möglichst raschen Ausstieg aus der Atomenergie beraten. In jeder Gesellschaft gibt es dissidente Minderheiten, die oft jahrzehntelang vergeblich gegen die etablierte Politik anrennen. Doch hin und wieder setzt sich eine hartnäckige Minorität unerwartet durch und prägt die Mehrheitsmeinung. Gehorcht der Umschwung Regeln? Diese Frage stellte sich ein Team um den Netzwerktheoretiker Sameet Sreenivasan vom Rensselaer Polytechnic Institute in Troy (US-Bundesstaat New York). Wie die Forscher auf der Tagung der American Physical Society in Dallas (Texas) im März berichteten, liefert ihr Computermodell eine überraschend konkrete Antwort (http://arxiv.org/pdf/1102.3931v2).

Sreenivasan und Kollegen simulierten ein Netz, dessen Knoten („Individuen“) jeweils einen von zwei Werten („Meinungen“) A oder B annehmen und in jedem Zeitschritt je ein zufällig gewähltes Netzglied zu ihrer Ansicht bekehren können – allerdings mit einer folgenschweren Anfangsbedingung: Zu Beginn tragen die allermeisten Knoten den Wert B; das heißt, es herrscht eine solide Mehrheitsmeinung. Nur ein kleiner Prozentsatz der Netzteilnehmer vertritt von Anfang an Position A – und läßt sich diese Überzeugung nie mehr nehmen. Anders gesagt, in dem von Meinung B dominierten Netz gibt es eine kleine, aber unerschütterliche A-Minderheit. Sreenivasans Gruppe gab nun einen bestimmten kleinen Prozentsatz von anfänglichen Dissidenten vor und ließ dann die Simulation laufen, bis sich ein stabiler Endzustand einpendelte. Solange zu Beginn nur wenige unbelehrbare Abweichler auftraten, geschah nichts Aufregendes, außer daß sich ein paar B-Knoten – teils nur vorübergehend – zu A bekehrten. Doch sobald der Anteil der von vorneherein entschlossenen A-Vertreter mit rund zehn Prozent angesetzt wurde, kippte das ganze System: Am Ende teilten alle Netzknoten die Meinung der vormaligen Minderheit. Die Autoren sehen in dem Kipp-Punkt bei zehn Prozent ein typisches Merkmal politischer Prozesse. Sie nennen als Beispiel die Suffragetten, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in England und den USA das Frauenwahlrecht erstritten, sowie die amerikanische Bürgerrechtsbewegung, die sich just erhob, als der Anteil der Afroamerikaner an der US-Bevölkerung die Zehnprozentmarke überschritt.

In Deutschland begannen die Grünen als außerparlamentarische Bewegung, mauserten sich zur Fünfprozentpartei und prägen, seit sie zweistellige Ergebnisse erzielen, die gesamte Umwelt- und Energiepolitik. Umgekehrt scheint zu gelten, daß der Abstieg einer Partei unter zehn Prozent sie – zumindest vorläufig – zur politischen Bedeutungslosigkeit verurteilt. Dieses Schicksal droht gerade der FDP und der Linken. Andererseits hat die rechtsradikale NPD zwar immer wieder erschreckende Wahlerfolge erzielt. Zwischen 1966 und 1968 zog sie in sieben Landesparlamente ein – in Baden-Württemberg sogar mit 9,8 % der Stimmen; 2004 gelang ihr mit 9,2 % das Gleiche in Sachsen. Doch bisher hat sie die Zehnprozentschranke noch nicht durchbrochen. Sreenivasans Netwerkstudie wurde von Army und Navy gesponsert. Vielleicht stützt sie die Hoffnung, der Krieg in Afghanistan könnte enden, wenn wenigstens zehn Prozent der Afghanen um jeden Preis Frieden wollen.

*   *   *   Ende der Kolumne von Michael Springer   *   *   *

Nachwort von Deep Roots (mit kleinen Korrekturen meiner damaligen Anmerkungen):

Wegen der Bürgerrechtsbewegung in USA liegt der liebe Herr Springer auch falsch: die dortigen Schwarzen machten mit Stand 2010 erst 12,6 % der Gesamtbevölkerung aus, bei einem gesamten nichtweißen Bevölkerungsanteil von 37,7 %. Laut dem Artikel „African-American Population“ von infoplease (siehe http://www.infoplease.com/ipa/A0922246.html) machte ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung schon im Jahr 1790 19,3 % aus und fiel seither nur im Zeitraum von 1920 bis 1940 jemals unter 10 %. Ihr Anteil an der US-Bevölkerung kann also nichts mit dem Meinungsumschwung im Zuge der Bürgerrechtsbewegung zu tun gehabt haben, wenn dieses Thema erst in den 1960ern erfolgreich in der Öffentlichkeit angekommen ist, wo sie doch die meiste Zeit davor auch schon mehr als 10 % stellten, und im Süden der USA einen noch deutlich höheren Anteil. Aber wir wissen ja, wer die „Netzwerkknoten“ waren, die ihnen den entscheidenden Schub erteilt haben.

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Frühe Füsikerin: Merkel 1996 über Klimaschutz

Frühe Füsikerin 0

Aus „Spektrum der Wissenschaft“, Ausgabe 7-1996. (Die Bezeichnung „Füsikerin“ habe ich von Kewil übernommen, der Merkel in seinen „Fakten + Fiktionen“ gern so genannt hat.)

Frühe Füsikerin 1 Spektrum 7-1996

Frühe Füsikerin 2a

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Gewollter Murks (Buchrezension zu „Geplanter Verschleiß“)

Christian Kreiß - Geplanter Verschleiß

Eine Rezension von Tim Haarmann zum Buch „Geplanter Verschleiß“ von Christian Kreiß, aus dem Oktoberheft 2014 von „Spektrum der Wissenschaft“. Der Rezensent ist Meeresgeologe und arbeitet in Bonn bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Christian Kreiß analysiert das Vorgehen der Industrie und resümiert: Durch geplanten Produktverschleiß wird uns das Geld aus der Tasche gezogen.

Kaum ist die Garantiezeit der Kamera abgelaufen, lässt sie sich nicht mehr anschalten: defekt. Brummte der Rasierapparat beim Neukauf noch wie am Schnürchen, macht sein Akku nach ziemlich genau zwei Jahren schlapp: ersetzbar ist er nicht, da fest verbaut. Das gleiche Spiel beim Ventilator – just wenn die Garantieansprüche erlöschen, frisst sich der Motor fest, Diagnose „wirtschaftlicher Totalschaden“. Fälle wie diese treten so oft auf, dass man den Eindruck gewinnen kann, da steckt ein System dahinter.

Tatsächlich ist das nicht von der Hand zu weisen. Wissenschaftler nennen dieses Phänomen „geplante Obsoleszenz“: Ein vorgesehenes Versagen von Produkten, das uns Verbraucher dazu drängt, immer wieder neue zu kaufen. Dieser Strategie geht der Volkswirt und Professor für Wirtschaftspolitik Christian Kreiß in seinem Buch „Geplanter Verschleiß“ auf den Grund.

Jeder Hersteller wird den Vorwurf gezielter Produktverschlechterung von sich weisen und mancher mag diesen Verdacht als Spinnerei von Verschwörungstheoretikern belächeln, wie auch Kreiß anmerkt. Dennoch ist der Autor fest überzeugt, dass geplante Obsoleszenz täglich stattfindet, und untermauert seine gründlich recherchierten Ausführungen mit der enormen Anzahl von 427 Fußnoten, die seine Darstellungen sehr plausibel machen. Darin erklärt er sauber die Begrifflichkeiten, führt den Leser an zum Teil klassische Forschungsarbeiten heran, gibt hilfreiche Empfehlungen zum weiteren Literaturstudium und führt zahlreiche kritische Presseartikel ins Feld. Sein Buch basiert auf einem Gutachten, das er 2013 für die Bundestagsfraktion der Grünen zusammen mit dem Betriebswirt Stefan Schridde erstellt hatte.

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