Die Lauflänge von Faustfeuerwaffen: Sind lange Läufe wirklich besser?

Zwei Ansichten der gleichen Waffe: Ein Ruger Super Blackhawk im Kaliber .44 Magnum, einmal mit 10 ½-Zoll-Lauf…

Von Wiley Clap, aus WAFFEN DIGEST 1993, hier mit einem Anhang von mir (Cernunnos/Lucifex).

DIE LAUFLÄNGE VON FAUSTFEUERWAFFEN
Sind lange Läufe wirklich besser?

Wiley Clap untersucht schrittweise, was passiert, wenn man einen langen Lauf in einen kurzen verwandelt.

…und dann mit einem Laufstummel, der nur noch 1 ½ Zoll lang ist. Kevin Steele hat mit beiden Lauflängen geschossen, der Unterschied beim Rückstoß war so groß, daß er auf weitere Schüsse gern verzichtete. Bei der schrittweisen Verkürzung des Laufes um jeweils ein Zoll haben wir interessante neue Erkenntnisse gewonnen.

Jeder Faustfeuerwaffenschütze weiß, daß ein langer Lauf besser ist – das muß einfach so sein. Immer wenn es um Waffen geht, ziehen die größten und leistungsfähigsten Waffen auch immer die meiste Aufmerksamkeit auf sich. Es gibt im Amerikanischen sogar eine Redensart, die besagt, daß langläufige Waffen besonders wirkungsvoll schießen. Amerikanische Schützen glauben ganz fest daran, daß mit zunehmender Lauflänge einer Waffe auch die Präzision zunimmt. Ebenso gibt es eine hartnäckige Tendenz dazu, kurzläufige Waffen, und hier besonders Faustfeuerwaffen, als nicht genügend leistungsfähig und unpräzise zu verachten.

Als passionierter Faustfeuerwaffenschütze habe ich genügend Schießerfahrung mit den verschiedensten Waffentypen, um meine Zweifel an dieser vorgefaßten Meinung anmelden zu können. Ich habe schon mit kurzläufigen Revolvern aus der Schießmaschine Resultate geschossen, die einer Matchwaffe zur Ehre gereicht hätten. Mit den modernen chronographischen Meßgeräten – Oehlers und PACT – kann man heutzutage die Fluggeschwindigkeit von Geschossen genau feststellen. Hier kann jeder Schütze viele Überraschungen erleben, wenn er nämlich feststellt, daß seine mit viel Liebe selbstgeladenen Patronen gar nicht die gewünschte Leistung bringen, sondern womöglich ganz andere Werte zeigen. Ich habe ein und dasselbe Revolvermodell eines Herstellers mit verschiedenen Lauflängen in der Schießmaschine getestet und die Werte mit dem Chronographen gemessen, die erzielten Ergebnisse sind aber nicht fehlerlos, da es schon von einer Waffe zur anderen Unterschiede in den Fertigungstoleranzen gibt. Da wurde es Zeit, das Problem etwas mehr von der wissenschaftlichen Seite her anzugehen und die tatsächlichen Unterschiede an einem einzigen Revolver zu messen, dessen Lauflänge allmählich verkürzt wurde.

Die Firma Sturm, Ruger & Co., die Revolver herstellt, die eigentlich eine weitaus bessere Behandlung verdient haben als die, die wir ihrem Produkt angedeihen ließen, überließ uns freundlicherweise einen Ruger Super Blackhawk mit langem 10 ½-Zoll-Lauf (267 mm), den wir dann systematisch zersägten. Nachdem der letzte Schnitt gemacht worden war, hatte der Super Blackhawk nur noch einen Laufstummel von 1 ½ Zoll Länge. Den ganzen Test machten wir mit der Waffe in der Ransom-Schießmaschine, die Fluggeschwindigkeiten haben wir mit dem Chronographen gemessen. Wir fingen mit der Originallauflänge an und reduzierten dann um jeweils ein Zoll (2,54 cm) auf 9 ½, 8 ½, 7 ½, 6 ½ Zoll usw.

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Moderne Armbrüste

Der Autor beim Probeschießen mit dem Horton-Armbrustmodell „Hunter“

Der Autor beim Probeschießen mit dem Horton-Armbrustmodell „Hunter“

Von Laszlo Tolvaj, aus Heft 7-8-1991 des „Internationalen Waffen-Magazins“.

Dacron statt Hanf, Kunststoff und Aluminium statt Holz und Eisen – Wilhelm Tell würde staunen, was heute aus der Armbrust geworden ist. Er würde sich aber auch wundern, was für Leistungen die heutigen Armbrüste zu bieten haben. Hinsichtlich Präzision und Energie gleichen sie sich den Feuerwaffen an.

Mit diesem Artikel wollen wir uns nicht mit den 12.000 Schweizer Armbrustschützen anlegen, die in rund 140 Vereinen Brauchtum, Geselligkeit und Treffsicherheit pflegen. Technische Verbesserungen am Material, abweichende Schießdisziplinen oder moderne Trainingsmethoden sind ihnen von vornherein suspekt. Das Bolzenverschießen auf 10 und 30 Meter ist für sie das einzig Wahre. Am besten unter einem schützenden Dach, Bier und Stumpen in Griffnähe. Das Räderwerk moderner Compound-Armbrüste grenzt bei ihnen an ein Sakrileg, Tell würde sich im Grabe umdrehen.

Daneben gibt es aber noch die Tüftler, die mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln noch bessere, schnellere, stärkere und treffsicherere Armbrüste haben wollen. Auch wenn das Ding eher aussieht wie ein aufpoliertes Kunstwerk von Tinguely und in nichts mehr an die zwei zum Kreuz zusammengebundenen Holzstücke erinnert, die eine rechte Armbrust ausmachen. Mit solchen Maschinen versucht dann der eine oder andere, einen neuen Weitschußweltrekord aufzustellen oder Bären zu erlegen.

Versöhnen wir uns für einen kurzen Moment und schauen uns eine Auswahl dessen an, was im Jubeljahr der Eidgenossenschaft an modernen Armbrüsten angeboten wird. Matcharmbrüste, Dekorationsmodelle und Spielzeugwaffen wollen wir hierbei ausklammern.

Betrachtet man die Herstellerliste, kommt man schnell zum Schluß, daß die Schweiz die Armbrust nicht für sich allein gepachtet hat. Barnett (Großbritannien), Horton, Jennings und PSE (alle USA) heißen die wichtigsten Vertreter der Armbrusterzunft. Lothar Walther wäre da noch zu nennen, oder Marcel Burri, der einzige Eidgenosse in der Runde. Seine Armbrüste hat das IWM schon mehrmals vorgestellt.

Einsteiger-Waffe

Für unsere Umschau wählten wir stellvertretend einige Horton-Armbrüste. Die Amerikaner bieten nicht nur ein breites Sortiment an, sondern verfügen auch über das notwendige Know-how und die Innovationsfreude, um zuverlässige und unserer Epoche angepaßte Armbrüste herzustellen.

Für Anfänger und Liebhaber traditioneller Armbrüste ist das Modell „Stag“ wohl am besten geeignet. Mit seinem schlichten Recurve-Bogen und der offenen Visierung kommt es noch am ehesten an die alten Vorbilder heran, obwohl das übrige Design und vor allem die Werkstoffe mit denen der antiken Armbrüste nicht mehr vieles gemeinsam haben.

An die Stelle des Holzprügels, der normalerweise Säule und Schaft bildet, ist ein schlankes, schwarzes Kunststoffteil getreten, das zwecks Gewichtsersparnis im Schaftbereich noch zusätzlich „skelettiert“ ist. Die Verwendung von Kunststoff (in diesem Falle Polypropylen) ist übrigens konsequent. Metallischen Ursprungs sind nur noch die Schrauben, das Abzugssystem, der Steigbügel, das Bogenmittelstück sowie der Zielstachel. Die Wurfarme, Korn- und Visierträger samt Visier sind allesamt aus Kunststoff, die Sehne aus Dacron.

Vorbehalte gegen eine solche „Plastikwaffe“ sind verständlich, sollten sich jedoch nur auf das Ästhetische beziehen. Über den Geschmack läßt sich bekanntlich nicht streiten. Von der Stabilität, der Dauerhaftigkeit und der Pflegeleichtigkeit her betrachtet sind alle Einwände unbegründet. Da kann sich nichts verziehen, es bekommt im Alter keine Sprünge und braucht nie abgerieben zu werden. Einzig die Pfeilbahn verlangt nach einem Gleitmittel, damit die Sehne mit möglichst wenig Widerstand darüberflutschen kann.

Die etwas rauhe Materialoberfläche fühlt sich recht sympathisch an, und bei großer Kälte ergibt sich nie die Gefahr des Anfrierens wie bei Metallteilen.

Neben der Gewichtseinsparung hat der Kunststoffschaft noch zwei wichtige Vorteile. Erstens wird der Fabrikationsvorgang dieses komplizierten Teils wesentlich erleichtert, was sich nicht zuletzt auch auf den Verkaufspreis auswirkt. Zweitens kann auf den Einbau einer speziellen Pfeilbahn verzichtet werden, da das Material einerseits genug Abriebresistenz aufweist, andererseits aber auch über die nötige Gleiteigenschaft für Pfeil und Sehne verfügt.

Unsere Testversion war mit einem einfachen Lochvisier ausgerüstet. Dieses ist natürlich auch ein Kunststoffteil, das sich einfach auf den Visierträger aufschieben läßt und ohne Verschraubung oder Leim an Ort und Stelle bleibt. Mit etwas Murks kann dieses „Peep Sight“ abgezogen und gegen das „Military V Sight“ ausgetauscht werden. Beide sind fix und können nicht verstellt werden.

Gekrümmte Flugbahn der Pfeile

Die Treffpunktlage wird am Zielstachel eingestellt. Da der Kornträger mehr als nur diesen einen Stachel aufnehmen kann, empfiehlt es sich von Anfang an, je nach maximaler Schußdistanz, noch zwei bis vier weitere „Pins“ anzuschaffen und auf Distanzen von 10, 20, 30 Meter einzuschießen. Armbrustpfeile folgen nämlich einer ziemlich gekrümmten Flugbahn. Was auf 10 Meter noch im Schwarzen sitzt, findet sich auf 40 Meter im Grünen. Sauber eingeschossen und mit einer korrekten Distanzschätzung im Gelände sollten jedoch solche Malheurs nicht passieren.

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