ISIS

Von Osimandia, ursprünglich erschienen auf „As der Schwerter“.

Da wir an verschiedenen Stellen des Kommentarbereichs das rätselhafte Phänomen ISIS oder IS besprochen haben (zum Beispiel hier und hier und unter Greg Johnsons Die Irakkrise“), möchte ich mit diesem Artikel versuchen, eine Zusammenfassung dessen zu erstellen, was dazu an Information zu finden ist, und die Sache etwas zu strukturieren.

IS oder Islamischer Staat (Organisation) existiert lt. Wikipedia bereits seit dem Jahr 2003. Da man bis vor kurzem allerdings rein gar nichts von dieser Organisation gehört hat, habe ich die Wikipedia-Versionsgeschichte dazu überprüft, und tatsächlich stammt der erste Eintrag auch vom 9.11.2004. Freilich steht in diesem Eintrag nichts von ISIL, ISIS oder einem Islamischen Staat, es ist von einer islamistischen Gruppierung die Rede, die sich Qā’idat al-Dschihād fī Bilād ar-Rāfidain (Basis des Dschihad im Zweistromland) nennt und die davor unter einem noch anderen Namen bekannt war.

Der Eintrag bleibt von da an bis zum 1. September 2013 fast unverändert. es wird lediglich hinzugefügt, dass die Gruppierung in der US-amerikanischen Terminologie „Al Kaida im Irak“ genannt wird, was sich auch mit dem deckt, was die Öffentlichkeit mitbekommen hat.

Der nächste Eintrag ist vom 24. September 2013 und von da an wird plötzlich alles anders. Derselbe Autor, der auch die marginalen Änderungen am 1. September durchgeführt hat, schreibt den Artikel neu und begründet dies damit, die Organisation hieße schon seit 2006 anders, nämlich ISIL(Islamischer Staat im Irak und der Levante) oder ISIS (Islamischer Staat im Irak und in Syrien); sie wird mit diesem Eintrag auch zum ersten Mal anstatt als islamistisch als salafistisch bezeichnet. (siehe Abbildung unten).

Ich möchte damit nicht unterstellen, dass der Wikipediaautor Teil der (Verschwörer-)Gruppierung ist, die den neuen Namen sowie die gerade ins Bewusstsein der Öffentlichkeit dringende Bezeichnung „salafistisch“ in Zusammenhang mit einer schon seit 10 Jahren existierenden islamistischen Gruppierung gebracht hat. Das ist zwar nicht ausgeschlossen, ich halte es jedoch für wahrscheinlicher, dass er diese Veränderung lediglich dokumentiert hat.

Ziemlich genau neun Monate später erblickt die (immer noch salafistische) abscheuliche Missgeburt ISIS dann während der Fußball-WM auch das Licht der Öffentlichkeit, die bass erstaunt erfährt, dass eine derartige Gruppierung inzwischen große Teile des Irak besetzt hält, ohne dass zuvor jemals etwas davon in den Medien oder von Auslandsirakern erwähnt wurde, und zwar nicht nur hierzulande sondern auch in den USA. Greg Johnson schreibt am 2. Juli 2014:

Nicht einmal in meinen zynischsten Träumen hätte ich erwartet, aufzuwachen und zu erfahren, dass ein Drittel des Irak in den Händen eines Al Kaida-Ablegers ist – und dass jeder Freund der USA in dieser Region eine Kugel im Kopf oder gar keinen Kopf mehr hat – und dass das alles das Werk einer riesigen, gut organisierten und finanziell gut ausgestatteten Organisation war, von der ich und der Großteil vom Rest der Welt acht Stunden zuvor noch niemals gehört hatten.

Schon alleine bis hierher ist das mal wieder eine Erinnerung daran, wie sehr unsere Wirklichkeitswahrnehmung von den Medien abhängig ist, und wie sehr unsere Emotionen von ihnen gesteuert werden.

Als ich das erste Mal in dieser Nachrichtensendung während einer Halbzeitpause von ISIS erfuhr, dachte ich nicht nur „Wo in aller Welt kommen die denn auf einmal her?“ sondern auch, dass ISIS – das ich hörend natürlich als Isis aufnahm – ein ausgesprochen unpassender Name für eine islamische Organisation ist.

Kurz danach wurde natürlich klar, dass es sich dabei nicht um die heidnische ägyptische Göttin sondern um die Abkürzung einer Übersetzung handelt. Üblicherweise werden solche Terrororganisationen allerdings mit ihrem arabischen Originalnamen (Al Kaida, Hisbollah, Hamas etc.) in westliche Sprachen übernommen, sodass es dennoch etwas ungewöhnlich blieb. Tatsächlich brachte ich mit ISIS viel mehr etwas wie ISI (pakistanischer Geheimdienst) oder auch Israeli Secret Intelligence Services in Verbindung als eine islamistische Kopfabschneidertruppe. Die letztere Ahnung erwies sich gar nicht so verkehrt, auch andere waren schon darauf gekommen. (mehr …)

Salafismus – wie der böse Islam deutsch wurde

Vorgestern Abend habe ich das Fußballspiel Spanien gegen Irland gesehen. Der amtierende Weltmeister erlaubte sich doch tatsächlich der infantilen respect-Kampagne zum Trotz ohne Afrospanier auf dem Platz zu erscheinen, und auf der anderen Seite war auch kein einziger Iremitmigrationshintergrund auszumachen. Tja, das sind so die Sachen, die eine AdS-Autorin ohne großes Fußballinteresse, aber mit dem beharrlichen Festhalten an der althergebrachten Tradition, dass man solche Ereignisse im Familienkreis anguckt, solange noch wengistens ein Teutone die Bälle für Deutschland hält, bei einer EM zur Kenntnis nimmt. In dem Zusammenhang ist mir auch aufgefallen, dass die Franzosen offenbar gewaltig zurückgerudert sind. Vermutlich war ihnen die in den letzten Jahren präsentierte Nationalelf denn doch etwas peinlich, die neue besteht doch tatsächlich überwiegend aus – man mag’s kaum glauben – Franzosen! Dafür habe ich einen Afroitaliener, einen Afrodänen und sogar einen Afrotschechen gesichtet – auch Osteuropa wird so langsam bunt statt braun.

Genug der politisch inkorrekten EM-Fachsimpelei! Diese Einleitung dient nur dazu, klarzustellen, warum ich die Tagesthemen, mit denen man in der Halbzeitpause belästigt wurde, gesehen habe. Es wäre mir peinlich, wenn jemand denken würde, ich würde solcherlei Sendungen vorsätzlich einschalten. Und doch hat es sich gelohnt, denn ich war bass erstaunt – dachte ich doch glatt, ich wäre bei PI-TV gelandet!

In den ersten zwei Minuten fiel das Wort “Salafisten” gefühlte zwanzig Mal. Der arglose Fußballfan, der die Halbzeitpause weder auf der Toilette verbrachte noch damit, für Biernachschub aus dem Keller zu sorgen, wurde von einem dauergrinsenden Blonden folgendermaßen belehrt:

  1. Salafisten haben sich dieses Frühjahr mit der Polizei geprügelt.
  2. Salafisten haben den Koran verteilt.
  3. Salafisten legen den Koran wörtlich aus.
  4. Salafisten stellen den Koran über das Grundgesetz.
  5. Die Polizei veranstaltete heute mit 800 Mann in 7 Bundesländern eine Razzia bei Salafisten
  6. Ein Salafistenverein in Solingen wurde auf der Stelle verboten.
  7. Salafisten möchten den deutschen Rechsstaat abschaffen.
  8. Salafisten möchten einen Gottesstaat errichten.
  9. Salafisten können Videosoftware bedienen und nutzten diese Fertigkeit dazu, einem kritischen Journalisten in einem Filmchen virtuell den Kopf abzuhacken und das Ergebnis ins Internet zu stellen. (Auftritt: youtube-Filmchen)
  10. Salafisten predigen in aggressiver Weise Hass und Gewalt (Auftritt: Bundesinnenminister)
  11. In Solingen gibt es große Sorgen wegen der Salafisten.
  12. Ein Verbot des Solinger Salafistenvereins hilft der Integrationsbeauftragten , die seit Jahren versucht, “Muslime und Christen zusammenzubringen”, bei ihrer Arbeit. (Auftritt: gutmenschliche Steuerzahlerschmarotzerin)
  13. Salafisten haben früher Jugendliche angesprochen und das wird durch das Verbot jetzt unterbunden.
  14. Salafisten sind im Mai bei einer Demonstration “ins Rampenlicht geraten” (Auftritt: randalierende Mohammedaner, die versuchen, ein Polizeiauto umzukippen)
  15. Der salafistischen Szene wurde ein schwerer Schlag versetzt und es könnten sogar weitere Verbote folgen. (Auftritt: NRW-Innenminister Jäger, seines Zeichens wegen dem Versuch, das Zeigen von Mohammedkarikuren per Gerichtsbeschluss zu unterbinden, bisher Intimfeind von PI und Pro-NRW)
  16. Es gibt 4000 Salafisten in Deutschland, die unter verschärfter Beobachtung stehen.

Erhoffte Reaktion beim Fußallmichel? Ich vermute: „Das ist ja furchtbar! Diese Salafisten sind ja schrecklich böse Menschen. Da muss man doch was dagegen machen!“ (mehr …)