Salafismus – wie der böse Islam deutsch wurde

Vorgestern Abend habe ich das Fußballspiel Spanien gegen Irland gesehen. Der amtierende Weltmeister erlaubte sich doch tatsächlich der infantilen respect-Kampagne zum Trotz ohne Afrospanier auf dem Platz zu erscheinen, und auf der anderen Seite war auch kein einziger Iremitmigrationshintergrund auszumachen. Tja, das sind so die Sachen, die eine AdS-Autorin ohne großes Fußballinteresse, aber mit dem beharrlichen Festhalten an der althergebrachten Tradition, dass man solche Ereignisse im Familienkreis anguckt, solange noch wengistens ein Teutone die Bälle für Deutschland hält, bei einer EM zur Kenntnis nimmt. In dem Zusammenhang ist mir auch aufgefallen, dass die Franzosen offenbar gewaltig zurückgerudert sind. Vermutlich war ihnen die in den letzten Jahren präsentierte Nationalelf denn doch etwas peinlich, die neue besteht doch tatsächlich überwiegend aus – man mag’s kaum glauben – Franzosen! Dafür habe ich einen Afroitaliener, einen Afrodänen und sogar einen Afrotschechen gesichtet – auch Osteuropa wird so langsam bunt statt braun.

Genug der politisch inkorrekten EM-Fachsimpelei! Diese Einleitung dient nur dazu, klarzustellen, warum ich die Tagesthemen, mit denen man in der Halbzeitpause belästigt wurde, gesehen habe. Es wäre mir peinlich, wenn jemand denken würde, ich würde solcherlei Sendungen vorsätzlich einschalten. Und doch hat es sich gelohnt, denn ich war bass erstaunt – dachte ich doch glatt, ich wäre bei PI-TV gelandet!

In den ersten zwei Minuten fiel das Wort “Salafisten” gefühlte zwanzig Mal. Der arglose Fußballfan, der die Halbzeitpause weder auf der Toilette verbrachte noch damit, für Biernachschub aus dem Keller zu sorgen, wurde von einem dauergrinsenden Blonden folgendermaßen belehrt:

  1. Salafisten haben sich dieses Frühjahr mit der Polizei geprügelt.
  2. Salafisten haben den Koran verteilt.
  3. Salafisten legen den Koran wörtlich aus.
  4. Salafisten stellen den Koran über das Grundgesetz.
  5. Die Polizei veranstaltete heute mit 800 Mann in 7 Bundesländern eine Razzia bei Salafisten
  6. Ein Salafistenverein in Solingen wurde auf der Stelle verboten.
  7. Salafisten möchten den deutschen Rechsstaat abschaffen.
  8. Salafisten möchten einen Gottesstaat errichten.
  9. Salafisten können Videosoftware bedienen und nutzten diese Fertigkeit dazu, einem kritischen Journalisten in einem Filmchen virtuell den Kopf abzuhacken und das Ergebnis ins Internet zu stellen. (Auftritt: youtube-Filmchen)
  10. Salafisten predigen in aggressiver Weise Hass und Gewalt (Auftritt: Bundesinnenminister)
  11. In Solingen gibt es große Sorgen wegen der Salafisten.
  12. Ein Verbot des Solinger Salafistenvereins hilft der Integrationsbeauftragten , die seit Jahren versucht, “Muslime und Christen zusammenzubringen”, bei ihrer Arbeit. (Auftritt: gutmenschliche Steuerzahlerschmarotzerin)
  13. Salafisten haben früher Jugendliche angesprochen und das wird durch das Verbot jetzt unterbunden.
  14. Salafisten sind im Mai bei einer Demonstration “ins Rampenlicht geraten” (Auftritt: randalierende Mohammedaner, die versuchen, ein Polizeiauto umzukippen)
  15. Der salafistischen Szene wurde ein schwerer Schlag versetzt und es könnten sogar weitere Verbote folgen. (Auftritt: NRW-Innenminister Jäger, seines Zeichens wegen dem Versuch, das Zeigen von Mohammedkarikuren per Gerichtsbeschluss zu unterbinden, bisher Intimfeind von PI und Pro-NRW)
  16. Es gibt 4000 Salafisten in Deutschland, die unter verschärfter Beobachtung stehen.

Erhoffte Reaktion beim Fußallmichel? Ich vermute: „Das ist ja furchtbar! Diese Salafisten sind ja schrecklich böse Menschen. Da muss man doch was dagegen machen!“ (mehr …)