Der präzise Schuß im Verteidigungsschießen mit der Kurzwaffe

Mit wenig Aufwand kann man die Gestalt auf der Zielscheibe mit einer „schußsicheren Weste“ versehen.

Von Dipl.-Ing. Manfred Ertl, aus „Internationales Waffenmagazin“ 4-1996.

Präzisionsschießen ist im ernstfallorientierten Gebrauch der Schußwaffe sowohl ein methodisches Hilfsmittel zur Erlernung einer guten Abzugstechnik als auch eine schießtechnische Grundfertigkeit für besondere Situationen. In der Ausbildung kommt es darauf an, dafür zweckmäßige Forderungen aufzustellen und das Präzisionsschießen sinnvoll in den gesamten Komplex des kampfmäßigen Schießens zu integrieren.

Schießübungen, welche die Abgabe von gut gezielten und präzisen Einzelschüssen verlangen, gehören erfahrungsgemäß nicht gerade zu den besonders favorisierten Ausbildungsthemen im Verteidigungsschießen. Es gibt aber durchaus Gründe, warum man dieses ungeliebte Thema doch nicht ganz vernachlässigen sollte. Zum einen gibt es auch in der Realität Situationen, in denen der präzise Schuß gefragt ist, und zum anderen ist ein Mindestmaß an Praxis im Präzisionsschießen überaus hilfreich, um die Basis für ein effektives schnelles Schießen zu legen. Letzteres kann man ziemlich deutlich sehen, wenn man Anfänger beobachtet, die mit dem schnellen Schießen beginnen, ohne über Erfahrungen im Präzisionsschießen zu verfügen.

Zwar macht auch dieser Personenkreis am Anfang ziemlich schnelle Fortschritte, wenn es darum geht, eine Mannscheibe auf drei bis fünf Meter Entfernung aus dem Ziehen heraus zu treffen, ab er häufig stellt sich dann auch sehr schnell ein Stadium ein, ab dem weitere Leistungssteigerungen nur noch schwer und langsam erreicht werden. Es zeigt sich immer wieder, daß Verteidigungskursteilnehmer, die über gewisse Erfahrungen aus dem Sportschießen verfügen, hier meist weniger Probleme haben. Dies liegt vor allem daran, daß sich eine korrekte Schießtechnik eben langsam besser erlernen läßt, als wenn man von Anfang an versucht, Schnellziehrekorde aufzustellen. Das Fatale dabei ist aber, daß sich Fehler in der Schießtechnik, wie das Verreißen während des Abziehens, in den einfachen Übungen mit kurzen Entfernungen und relativ großen Zielen noch nicht so deutlich auswirken und daher häufig nicht erkannt werden. Kommen dann andere Schwierigkeiten, wie Streß, zunehmende Komplexität des Übungsablaufs oder eine Verkleinerung der Zielfläche hinzu, addieren sich die Fehler, und die Ergebnisse sehen schlecht aus. In diesem Stadium sind Schießfehler aber oft schon so eingedrillt, daß es ausgesprochen schwierig ist, sie wieder loszuwerden.

Man muß allerdings auch sagen, daß es durchaus Beispiele gibt, wo Schützen zunächst mit dem schnellen Schießen begonnen, danach ihre Präzision gesteigert und auf beiden Gebieten ein hohes Niveau erreicht haben. Die Regel und ein methodisch sinnvoller Weg ist dies aber nicht. Und man muß ehrlicherweise auch erwähnen, daß es Fälle gibt, in denen ein Zuviel an Präzisionsschießen hinderlich ist. Wer über lange Zeit intensiv klassisches Sportschießen nach starren Regeln betrieben hat, kann durchaus Schwierigkeiten haben, sich auf die schnelle und flexible Schußabgabe des kampfmäßigen Schießens umzustellen. Es ist dabei auch relativ unerheblich, ob sich die hier zu beobachtende innere Einstellung zum Schießen aus dem jahrelangen sportlich orientierten Training ergeben hat, oder ob sich gerade die Personen, die eine solche Einstellung zur Schußabgabe mitbringen, durch ihr Naturell bedingt mit größerer Hingabe den klassischen, eher besinnlichen Schießdisziplinen zuwenden. Die Praxis zeigt aber auch, daß die Fälle, in denen ein Zuviel an Präzisionsschießen schädlich war, eher selten sind. Viel häufiger ist man eigentlich mit den Auswirkungen der Vernachlässigung des gezielten Schusses konfrontiert. Diese Beobachtung wird im übrigen auch von Trainern des IPSC-Schießens bestätigt.

Wie präzise soll man schießen können?

Für die Praxis stellt sich somit die Frage, welche Fertigkeitsstufe man im Präzisionsschießen erreicht haben sollte, bevor man sich der schnellen Schußabgabe zuwendet, und welchen Grad an Präzision man in der weiteren Ausbildung anstreben sollte.

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Warnhinweise zur Unfruchtbarkeitsproblematik

Von Lucifex, zusammengestellt aus Kommentaren von mir und hildesvin zu Andrew Hamiltons Essay Familie, ergänzt um drei neue Schlußabsätze. Diese Aufbereitung als eigener Artikel soll die enthaltenen Informationen leichter auffindbar und verlinkbar machen als die einzelnen Kommentare und sie neueren Lesern bekanntmachen, die den alten Strang noch nicht kennen.

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Lucifex:

Im aktuellen Juliheft 2018 von „bild der wissenschaft“ ist unter dem Titel „Furchtbar unfruchtbar“ ein interessanter Artikel von Susanne Donner erschienen (ab. S. 74). Nachfolgend gebe ich ihn gekürzt wieder (als Blockquote; meine eigenen Anmerkungen stehen dazwischen):

Wunschtraum Kind

Immer mehr Menschen bleiben in Deutschland kinderlos. Die Zahl der Ehepaare ohne Sprösslinge ist von 1990 bis 2012 stark angewachsen auf 10 Millionen. Jede und jeder Vierte im Alter von 20 bis 50 ist mittlerweile ungewollt ohne Nachwuchs, erbrachte eine aktuelle Erhebung des Bundesfamilienministeriums.

Ungewollt bedeutet, dass es meistens mit einer Schwangerschaft nicht geklappt hat oder auch, dass nicht der passende Partner gefunden wurde. Wie viele Paare infertil sind, darüber haben Mediziner nur Schätzungen angestellt. Systematisch erhoben wird die Reproduktionsunfähigkeit der Bevölkerung nicht. Die Angaben schwanken zwischen jedem achten und jedem fünften Paar. Die 134 Kinderwunschzentren florieren jedenfalls.

Der dänische Endokrinologe Niels Skakkebaek war der Erste, der vor einer verheerenden Fruchtbarkeitskrise warnte. 1992 veröffentlichte er im angesehenen British Medical Journal, dass die Spermienzahl sich von 113 Millionen auf 66 Millionen je Milliliter Sperma halbiert habe. Ein Fünftel der jungen Dänen hätte so wenig gesunde Keimzellen, dass sie als unfruchtbar gelten. Doch er hatte historische Zählungen mit neueren Erfassungen verglichen, die nach unterschiedlichen Standards erfolgten. Viele warfen ihm Panikmache vor. Besonders in Deutschland taten Andrologen, also Ärzte der Männerheilkunde, seine These als Hysterie ab.

Die Spermienqualität nimmt ab

Inzwischen hat der betagte Pionier den Streit für sich entschieden: „Man muss das nicht Spermienkrise nennen. Die Spermienqualität hat jedenfalls abgenommen“, sagt der Reproduktionsmediziner Stefan Schlatt vom Universitätsklinikum Münster. Sein Vorgänger war einer der schärfsten Kritiker von Skakkebaek. In Münster werden seit 2016 Ringversuche koordiniert, um die Qualität der Spermiogramme in ganz Deutschland zu gewährleisten. Man kann sagen, die Forscher hier haben einen guten Überblick über die männliche Fruchtbarkeit.

Man kann auch sagen, die Forscher in Münster beugen sich den erdrückenden Indizien. Schon 2004 gab die einzige Untersuchung zur Spermienqualität in Deutschland zu denken: 791 Männer aus Hamburg und Leipzig spendeten ihr Ejakulat. Im Schnitt zählten die Experten 42 Millionen Spermien pro Milliliter. Unterhalb von 39 Millionen kann es mit dem Nachwuchs mühsam werden. Die Andrologin Andrea Salzbrunn vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, die an der Studie beteiligt war, urteilt: „Ein großer Teil der jungen deutschen Männer scheint eine beeinträchtigte Samenqualität zu haben.“

Neuere Analysen des Spermienspezialisten Pallav Sengupta vom britischen Lincoln University College zeichnen auch global ein verheerendes Bild: Die Spermienzahl der Männer in Europa sei in den letzten 50 Jahren um 32,5 Prozent eingebrochen, in Afrika sogar um 76,2 Prozent. Auch in Asien und Nordamerika hat der Forscher den Rückgang dokumentiert. Im Schnitt hat sich die Zahl der Keimzellen halbiert. Und 2017 errechnete der Mediziner Hagal Levine von der Hebräischen Universität Jerusalem einen Rückgang der Spermienzahl von 52 Prozent. Andere Experten würdigten die Studie als beste Neuberechnung, die es derzeit gibt.

Zu viel Sex als Ursache?

Obwohl Skakkebaek Recht hat, streiten die Forscher immer noch – nun aber über die Frage, warum weniger Spermien im Ejakulat schwimmen und ob das etwas macht. Schlatt vertritt eine unter hiesigen Reproduktionsmedizinern verbreitete Sicht: „Der Rückgang macht nichts, weil immer noch genug Samenzellen für die Befruchtung der Eizelle übrig sind.“ Der Schwund könnte in seinen Augen sogar ganz profane Ursachen haben: „Der limitierende Faktor für die Spermienzahl ist die Zeit, weil der Hoden die Samenzellen erst produzieren muss. Männer haben aber heute viel häufiger Ergüsse als vor 50 Jahren“, glaubt er. Die Masturbation war damals verpönt. Und Sexualpartner außerhalb der Ehe waren viel schwieriger zu finden. Sprich: Es gab weniger Gelegenheit zur sexuellen Befriedigung. Belege dafür fehlen allerdings – auch, weil das Sexualverhalten noch schwieriger zu erfassen ist als die Zahl der Spermien.

Daß die verminderte Spermienzahl in diesem Ausmaß allein sich vielleicht noch nicht allzu stark auf die Befruchtungswahrscheinlichkeit auswirkt, erscheint mir auch plausibel. J. Philippe Rushton schreibt zum Beispiel in Rasse, Evolution und Verhalten ab Seite 43, daß das durchschnittliche Hodengewicht von Asiaten bei 9 Gramm liegt und jenes von Europäern bei 21 Gramm, was laut einem Artikel von 1989 in der führenden britischen Wissenschaftszeitung „Nature“ bedeuten könnte, daß Weiße täglich zweimal so viele Spermien produzieren als Ostasiaten. Und da Ostasiaten sich zumindest früher immer prächtig vermehrten, dürfte auch der Begattungserfolg von Europäern nicht allzu sehr schwinden, wenn ihre Spermienzahl sich halbiert.

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Schießtraining mit reaktiven Zielen

Luftballons an Mannscheiben erleichtern das sofortige Erkennen von Treffern.

Von Dipl.-Ing. Manfred Ertl, aus „Internationales Waffenmagazin“ 10-1995.

Reaktive Ziele, bei denen jeder Treffer sofort erkennbar ist, machen das Training des Verteidigungsschießen nicht nur interessanter, sondern auch in vielen Bereichen effektiver. Als Ziele eignen sich Blechdosen genauso wie Luftballons oder „Pepper Popper“ und „Steel Plates“.

Das ernstfallorientierte Training mit der Schußwaffe ist zwar im wahrsten Sinne des Wortes eine todernste Angelegenheit, dennoch spricht nichts dagegen, daß dieses Training auch gelegentlich Spaß machen darf. Erst recht dann nicht, wenn mit unterhaltsamen Schießübungen konkrete Ausbildungsziele zielgerichtet verfolgt werden. Manche Ausbildungsziele lassen sich übrigens sogar mit unorthodoxen Trainingsmethoden wesentlich besser erreichen als mit einem phantasielosen Durchlöchern der bekannten Silhouettenscheiben. Die einfache Schlußfolgerung, in der das kampfmäßige Schießen mit dem Beschießen von Mannscheiben gleichgesetzt wird, ist ohnehin purer Unsinn und taugt bestenfalls dazu, ansonsten unverständliche Verwaltungsentscheidungen zu begründen oder für Combatschießkurse zu werben, die ihr Geld nicht wert sind. Damit soll natürlich nicht in Frage gestellt werden, daß einfarbige oder bunte Mannscheiben ein wichtiges Ausbildungsmittel für das Training von Gebrauchswaffenträgern darstellen.

Der Einsatz bestimmter Ausbildungsmittel garantiert aber weder die Qualität der mit ihrer Hilfe durchgeführten Ausbildung noch das Erreichen des angestrebten Ausbildungserfolgs. Wichtiger als eine effektvolle Ausgestaltung der Schießbahn ist, sich immer wieder deutlich zu machen, welche Fähigkeiten und Fertigkeiten man bei einer Schießausbildung erlangen will und mit welchen Methoden und Mitteln man dies am besten erreicht. Dabei wird man häufig feststellen, daß sich zur Erreichung vieler Ausbildungsziele auch Schießübungen eignen, die auf den ersten Blick mehr nach „Fun Shooting“ oder „Plinking“ aussehen, oder aus anderen Gründen nicht in die landläufige stereotype Vorstellung vom ernstfallorientierten Schießen passen.

Augenblickliche Trefferwahrnehmung

Eine ganze Reihe von Beispielen hierzu läßt sich unter den Schießübungen finden, bei denen Ziele beschossen werden, die auf Treffer deutlich bemerkbar reagieren, im einfachsten Fall kann es sich dabei um Übungen handeln, bei denen Blechbehälter, wie sie z. B. für Farben oder Essiggurken verwendet werden, als Ziele dienen. Diese zeigen jeden Treffer sowohl optisch, durch die Bewegung des Ziel beim Einschlag, als auch akustisch an. Dadurch merkt der Schütze sofort, ob er getroffen hat, und kann sich in seinem Verhalten und Schießrhythmus auf die Bekämpfung weiterer Ziele einstellen. Beim Schießen auf Papierscheiben ist dies kaum möglich, da die kleinen Löcher auf der Scheibe in schnell ablaufenden Schießübungen und unter realistischen Beleuchtungsbedingungen nur sehr schlecht zu erkennen sind und eine Ermittlung der Treffer meist erst nach dem jeweiligen Durchgang möglich ist. In realen Feuergefechten ist es für das weitere Verhalten aber durchaus von Bedeutung, ob z. B. ein Revolverschütze, der drei unterschiedlich weit entfernten Gegnern gegenübersteht, nach den ersten zwei oder drei abgegebenen Schüssen mehrere Treffer verbuchen kann oder nur danebengeschossen hat. Im letzteren Fall wird gerade beim Revolver das Verhältnis von noch verfügbarer Munition zur Anzahl der weiteren kampffähigen Gegner schon recht ungünstig. Hier ist dann zu prüfen, ob z. B. die nächste Deckung nicht so nahe liegt, daß man lieber diese nutzt, als sich darauf zu verlassen, daß man mit den letzten Patronen schon noch treffen wird. Solche Entscheidungen müssen aber in Sekundenbruchteilen während des momentanen Schußwaffeneinsatzes fallen, und daher in den Schießübungen auch immer wieder vom Schützen abgefordert werden.

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Verteidigungsschießen: Die Nutzung seitlicher Deckungen

Bei der High Port Position wird die Waffe etwa in Kopfhöhe mit nach oben gerichteter Mündung eng am Körper gehalten.

Von Dipl.-Ing. Manfred Ertl, aus „Internationales Waffenmagazin“ 6-7 1993.

Die Nutzung seitlicher Deckungen an Türstöcken, Mauerecken und ähnlichem hat vor allem in bebautem Gelände und innerhalb von Gebäuden einen hohen Stellenwert. Die wichtigsten Techniken zur Nutzung solcher Deckungen sollten Bestandteil jeder Ausbildung im Verteidigungsschießen sein.

Die Nutzung von Deckungen ist ein zentraler Aspekt in der Taktik bewaffneter Konfrontationen. Es gibt ebenso zahlreiche mögliche Deckungsformen wie es Techniken gibt, sie im Feuerkampf auszunützen. Im Rahmen eines begrenzten Ausbildungsaufwands kommt es vor allem darauf an, die am häufigsten vorkommenden Grundformen von Deckungen in das Trainingsprogramm aufzunehmen und die zweckmäßigsten Techniken auszuwählen.

Eine der Grundformen sind hohe Deckungen, die nur seitlich genutzt werden können. Darunter fallen Türstöcke, vorspringende Mauern und Hausecken ebenso wie Betonpfeiler oder Materialstapel. Doch auch Litfaßsäulen und dickere Bäume kommen hier in Betracht. Allein aus dieser Aufzählung ist ersichtlich, daß derartige Deckungen in einer Vielzahl von möglichen Konfrontationen eine Rolle spielen können. Es ist deshalb zweckmäßig, sie als Standardelement in eine Taktikausbildung mit einzubeziehen.

Im wesentlichen gelten hier für ein breites Spektrum von Situationen und einen großen Personenkreis die gleichen Grundsätze. Allerdings muß man sich darüber im Klaren sein, daß nicht jede Gebäudeecke, jedes Mauerstück oder jeder Materialstapel sich auf das taktische Verhalten in gleicher Weise auswirken. Ergibt z. B. der erste Blick um die Hausecke, daß das vorausliegende Terrain überwiegend frei und offen ist, und verläuft die Hauswand hinter der Ecke gerade und ohne Nischen und Vorsprünge, so wird die Gefährdung durch plötzlich aus kurzer Distanz auftauchende Gegner relativ gering sein. Dafür ergibt sich hier die Gefahr von Geschoß- und Mauersplittern, wenn man von vorn beschossen wird. Denn befindet sich der Gegner an der gegenüberliegenden Gebäudeecke, verläuft seine Schußrichtung nahezu parallel zur Hauswand oder doch in einem sehr flachen Winkel, was ein Ricochettieren selbst bei weicheren Geschossen wahrscheinlich macht. Und auch wenn sich viele Geschosse dabei zerlegen, muß doch bedacht werden, daß Mauer- und Projektilsplitter die bei der eigenen Schußabgabe exponierten Körperteile verletzen können.

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Beschußsicherheit von Kraftfahrzeugen

Von Dipl.-Ing. Manfred Ertl, aus „Internationales Waffenmagazin“ 9-1992 (dort erschienen unter dem Titel „Beschußsicherheit von Kraftfahrzeugen (1)“.

Das Durchschlagsverhalten von Geschossen in Karosserien spielt nicht nur in polizeilichen Geiselbefreiungen eine Rolle, sondern auch in allen Situationen, in denen ein Fahrzeug als Deckung genutzt werden soll. Wie gut ein Fahrzeug dazu geeignet ist, hängt nicht nur von der Art des Beschusses, sondern auch von vielen anderen Umständen ab.

Bilder von beschossenen Autos kann man nicht nur im Kino, sondern auch in diversen Nachrichtensendungen über Terroranschläge und Attentate sehen. Aber auch Anschläge auf Privatleute und Raubüberfälle, bei denen sich die Opfer zum Zeitpunkt der Straftat in einem Auto befinden, kommen durchaus vor. Nachdem wir uns in einem früheren Beitrag mit der taktischen und schießtechnischen Abwehr derartiger Angriffe befaßt haben, lohnt es sich, der Frage nachzugehen, welchen Schutz ein normaler PKW gegen bestimmte Arten von Beschuß bietet, da die Qualität der Deckung, in diesem Fall des Autos, immer Auswirkungen auf die Erfolgsaussichten einer bestimmten Taktik hat.

Dabei ergibt sich gleich eine Reihe von Folgefragen, wie z. B. welche Kaliber die Karosserie oder die Scheiben durchschlagen, wie groß der Einfluß von verschiedenen Auftreffwinkeln ist, was ein Schuß auf die Reifen bewirkt oder wie der Motor auf einen Treffer reagiert.

Im ersten Teil dieser Untersuchung befassen wir uns zunächst mit der Durchschlagsleistung von Kurzwaffen bei Treffern in Karosserieteile und Glasscheiben.

Betrachtet man hierzu ein Auto einmal etwas genauer, so stellt man unschwer fest, daß die meisten potentiellen Geschoßflugbahnen so liegen, daß nur eine Glasscheibe oder einzelne Blechschichten durchschlagen werden müssen, um ins Fahrzeuginnere zu führen.

Da aber auch massivere Bauteile in einer solchen Flugbahn liegen können und andere Einflußgrößen, wie der Auftreffwinkel, die Auftreffgeschwindigkeit und der Geschoßaufbau einen Einfluß auf das Eindringverhalten ausüben, haben wir hierzu eine Reihe von Beschußversuchen durchgeführt.

Beschuß verschiedener Karosserieteile

Um die Ergebnisse zu systematisieren, wurden verschiedene Karosserieteile (z. B. Autotüren, Kotflügel, Motorhauben usw.) mit unterschiedlichen Kalibern und unter verschiedenen Winkeln beschossen. Einbezogen wurden sowohl Türen mit Einbauteilen(Fenster, Türverriegelung usw.) als auch ohne diese.

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Verteidigungsschießen: Die Deckungsnutzung im Feuergefecht

Von Dipl.-Ing. Manfred Ertl, aus „Internationales Waffenmagazin“ 12-2000.

Die Nutzung von Deckungen ist eines der taktischen Grundelemente im Verteidigungsschießen. Für die praktische Umsetzung dieses Prinzips ist es unter anderem erforderlich, die Anschlagsarten hinter verschiedenen Deckungsformen zu beherrschen. Darüber hinaus muss man die Nutzung von Deckungen in jeder Phase des Feuerkampfes in die eigenen Überlegungen mit einbeziehen und in seinem Verhalten berücksichtigen. Durch entsprechende Übungen lässt sich dies in gewissem Umfang automatisieren.

Den Ratschlag, im Feuergefecht, wann immer möglich Deckungen zu nutzen, findet man in vielen Veröffentlichungen über das Verteidigungsschießen. Meist bewegen sich derartige Ratschläge aber im Allgemeinen und nützen dem, der sich nicht ständig intensiv mit dieser Materie befasst, relativ wenig, wenn es um die konkrete Umsetzung in der taktischen Situation oder um die Einbindung der Deckungsnutzung in die Schießausbildung geht. Einfache Sätze wie „Man sollte den Feuerkampf wann immer möglich aus der Deckung heraus führen“ sind zwar den meisten Gebrauchswaffenträgern bekannt, können aber oft nicht in konkretes Handeln umgesetzt werden.

Verstärkt wird dieses Defizit noch dadurch, dass auch in guten Schießkursen fast immer nur aufrecht stehend ohne Deckungsnutzung geschossen wird. Bestenfalls werden gelegentlich hohe Barrikaden verwendet, um die Deckungsnutzung anzudeuten und den Schuss mit angestrichener Waffe zu üben. Dies ist aber nur ein Sonderfall in der umfangreichen Thematik der Deckungsnutzung und berücksichtigt nur die eigentliche Schussabgabe, wenn man sich gerade hinter einer solchen Deckung befindet. Meist wird dabei auch gar nicht darauf geachtet, wie viel der Körperfläche des Schützen wirklich durch die Deckung geschützt ist, sondern man konzentriert sich oft ausschließlich auf die Waffenhaltung beim angestrichenen Anschlag. Darüber hinaus kann man auch häufig beobachten, dass die eigentliche Schießübung erst beginnt, wenn der Schütze in aller Ruhe seine Schießhaltung eingenommen, mehrfach verbessert hat und ein Zeichen gibt, dass er jetzt fertig ist und mit der Schießübung beginnen kann.

Deckung zum Schutz und zur Vorbeugung

Dies entspricht aber nicht den Forderungen einer praxisgerechten Ausbildung, da es im realen Feuergefecht selten vorkommt, dass man ohne Zeitbegrenzung einen optimalen Anschlag hinter einer längst bezogenen Deckung einnimmt, sondern dass man schnell Deckungsmöglichkeiten erkennt, beurteilt, ob die Führung des Feuerkampfes aus dieser Deckung zweckmäßig ist, schnell den Anschlag hinter dieser Deckung einnimmt und vor allem einen möglichst großen Teil des eigenen Körpers durch die Deckung schützt. Daneben darf nicht vergessen werden, dass Deckungsnutzung nicht erst für die eigentliche Schussabgabe relevant wird, sondern dass sie vor allem in Situationen, in denen noch kein unmittelbarer Kontakt zum Gegner besteht, als vorbeugende Maßnahme bei jeder Bewegung zu berücksichtigen ist.

Nutzung hoher und halbhoher Deckungen

Die Ausbildung dazu muss in mehreren Schritten erfolgen. Zunächst ist zu lernen, wie man unterschiedliche Deckungsformen bei Bewegungen und zur Schussabgabe nutzt. Für den Anfang reicht es dabei aus, zwischen zwei grundsätzlichen Deckungsformen zu unterscheiden. Die eine Grundform ist die seitliche, hohe Deckung, wie man sie als Mauerecken, Türstöcke etc. findet, und die andere ist die halbhohe Deckung, wie sie Gartenmauern, Motorhauben oder Kisten darstellen. Für beide Deckungsformen muss der Anschlag geübt werden, aus dem man dahinter hervorschießt, und die Körperhaltung, in der man sich an diese Deckungen annähert und aus denen man beobachtet, solange noch kein direkter Kontakt mit dem Gegner besteht.

Dies kann entweder separat geübt oder zu einer Übungseinheit verbunden werden, bei der man sich an die Deckung annähert und den Beobachtungshalt einlegt, um dann auf Kommando oder bei aufklappender Scheibe den Feuerkampf zu führen.

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Verteidigungsschießen: Mannstoppwirkung in der Praxis

Die vom Geschoss abgegebene Energie ist die wesentliche Einflussgröße im Ziel, wie dieser Beschussvergleich zeigt.

Von Dipl.-Ing. Manfred Ertl, aus „Internationales Waffenmagazin“ 11-2000.

Moderne Auffassungen über die Mannstopp-Wirkung basieren auf der vom Geschoss an das Ziel abgegebenen Energie. Aber auch diese neueren Theorien lassen keine exakte Prognose über die Wirksamkeit eines bestimmten Geschosses in einem konkreten Einzelfall zu. Im Verteidigungsschießen muss man sich daher darauf einstellen, dass die Wirkung der eigenen Geschosse im Ernstfall sehr unterschiedlich ausfallen kann. Dies muss sich in der Wahl von Waffe und Munition sowie in der Ausbildung widerspiegeln.

Diskussionen über die Mannstopp-Wirkung von Geschossen gehören zu den Dauerbrennern in vielen Gesprächen und Veröffentlichungen über das kampfmäßige Schießen. Häufig steht dabei ausschließlich der physikalische Aspekt im Vordergrund. Oft reduziert sich eine solche Diskussion auch auf die Frage, ob die 9 mm Luger oder die .45 ACP das passendere Kaliber für eine Verteidigungswaffe ist oder ob vielleicht eines der neuen Kaliber, wie die .40 S&W oder die .357 SIG, die Vorteile der beiden altbewährten Kaliber vereinigt und damit die lang ersehnte Ideallösung für eine Verteidigungspatrone darstellt. Meist wird dabei die sehr umfangreiche und komplexe Problemstellung der Wirksamkeit von Geschossen im Feuergefecht auf unzulässige Weise verkürzt und auf einige wenige Aspekte wie die Diskussion um die Hohlspitzgeschosse oder andere Wunderprojektile reduziert.

Eine umfassende Betrachtung der komplexen Thematik der Mannstopp-Wirkung muss aus der Sicht des Gebrauchswaffenträgers aber mehr umfassen als die Frage nach der stärksten Patrone oder dem wirksamsten Geschoss. Neben der reinen Physik der Endballistik muss eine solche Betrachtung vor allem auch Folgerungen für die Schießausbildung, Taktik und das rechtlich korrekte Verhalten in einer Notwehrsituation beinhalten. Voraussetzung dafür ist aber zumindest grobe Vorstellung davon, worauf die Wirkung von Geschossen basiert und welche Wirksamkeit die verschiedenen Munitionssorten besitzen.

Schon der Begriff Mannstopp-Wirkung macht dabei deutlich, worum es hier geht. Im Gegensatz zu anderen ballistischen Leistungsdaten handelt es sich hierbei um keine einfache ballistische Eigenschaft des Projektils wie Gewicht oder V0 und auch um keinen leicht zu messenden Wirkungswert wie Eindringtiefe in Holz oder Durchschlagsleistung gegenüber Stahlplatten, sondern um einen Wert, der die Wirkung eines Geschosses beim Treffen eines Gegners beschreiben soll. Ganz konkret sollen Werte der Mannstopp-Wirkung Prognosen darüber zulassen, wie lange ein Gegner nach einem Treffer mit einer bestimmten Munitionssorte noch weiter kämpfen kann oder, anders ausgedrückt, wie lange er noch handlungsfähig ist. Wie sich im weiteren zeigen wird, ist eine solche Prognose ausgesprochen schwierig und wird vermutlich auch in Zukunft immer sehr ungenau bleiben.

Dass eine solche Prognose für die Wahl der effektivsten Munitionssorte außerordentlich wertvoll wäre, liegt auf der Hand. Schließlich ist es in den meisten Szenarien des Verteidigungsschießens für den Ausgang des Feuergefechtes von existenzieller Bedeutung, wie lang ein Gegner nach einem oder mehreren Treffern noch zurückschießt und wann von ihm keine Gefahr mehr ausgeht. Da eine Kennzahl, die zweifelsfrei Aussagen darüber zulässt, wie schnell ein bestimmtes Geschoss die Handlungsunfähigkeit des Gegners herbeiführt, eine schwerwiegende Bedeutung für den Gebrauchswaffenträger hat, fehlte es in der Vergangenheit auch nicht an Versuchen, solche Kennzahlen zu definieren und experimentell zu untersuchen.

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Infokrieg: Was jeder Einzelne tun kann

Von Manfred Kleine-Hartlage, ursprünglich veröffentlicht am 5. Mai 2011 auf Korrektheiten.

Wir kritisieren die Mainstream-Medien, weil in ihnen erwiesenermaßen überwiegend linke bzw. linksliberale Journalisten tätig sind, die keine Gelegenheit vorübergehen lassen, ihre Ideologie unter die Leute zu bringen. Wir  beklagen zu Recht, dass hier ein Meinungskartell existiert, dessen Existenz verhindert, dass konservative Positionen öffentlich angemessen zu Wort kommen, und wir setzen auf das Netz als Gegengewicht, nicht wahr?

Nun, auch im Netz haben die Linken die Nase vorn, und das ist sogar noch eine Untertreibung: Wenn man zum Beispiel sieht, wieviele Feed-Abonnenten Blogs wie die NachDenkSeiten oder der Spiegelfechter allein im Google-Reader haben, kommen einem die Tränen. Nicht einmal PI kann da mithalten, geschweige denn die Korrektheiten. Sucht man über Google nach einem Stichwort wie „Islam“, dann landet die erste islamkritische Seite (akte-islam.de) auf Platz 41. Bei den Suchergebnissen für „Gender Mainstreaming“ sieht es kaum besser aus, obwohl es hier wenigstens die JF und der Cicero, bezeichnenderweise zwei Druckmedien, mit kritischen Artikeln auf Seite 1 geschafft haben, und Gabriele Kuby liegt immerhin noch auf Platz 28. Die anderen Suchergebnisse sollte sich nur antun, wer eine große Kotztüte bereitliegen hat.

Konservative Seiten sind in den Suchergebnissen zu den einschlägigen Themen also ausgesprochen schwach repräsentiert; entsprechend gering ist die Chance, dass ihre Positionen von anderen Nutzern als ihren Stammlesern zur Kenntnis genommen werden. Die Ausstrahlung in die Gesellschaft hinein lässt also auch im Netz zu wünschen übrig.

Dies ist nichts, was man Google (die übrigen Suchmaschinen zählen kaum) vorwerfen sollte: Google betont, und das nehme ich ihnen auch ab, dass es für die Suchmaschine darauf ankommt, brauchbare Inhalte als Ergebnisse zu liefern. Da eine Software aber nicht wissen kann, was relevant ist und was nicht, orientiert sich die Suchmaschine (neben vielen anderen Kriterien), an der Linkpopularität einer bestimmten Seite, und dazu gehört auch ihre Präsenz in den Lesezeichendiensten, neudeutsch „Social Bookmark Services“. Da es mehr Linke als Rechte gibt, liegt es in der Natur der Sache, dass linke Seiten dort besser vertreten sind, aber dies sollte erst recht dazu führen, dass engagierte Konservative ihren Teil dazu beitragen, diesen misslichen Zustand zu ändern.

Social Bookmarks

Ihr seht zum Beispiel unter diesem Artikel wie unter jedem anderen hier einen Share/Save-Knopf, der auf Dutzende solcher Dienste verweist, und ähnliche Knöpfe gibt es auch auf den meisten anderen Webseiten, jedenfalls den großen. Die stehen dort nicht zum Spaß, sondern damit sie benutzt werden. Der jeweilige Seitenbetreiber will seinen Lesern nicht nur einen Service zur Verfügung stellen, damit sie den jeweiligen Artikel in ihrem Netzarchiv speichern und ihn dadurch leichter wiederfinden (was ich empfehle und auch selbst praktiziere), sondern verbindet damit auch die Hoffnung, dass sie diese Möglichkeit nutzen und dadurch die Suchmaschinen auf seinen Blog (oder um welche Seite auch immer es sich handeln mag) aufmerksam zu machen. Die Suchmaschine interpretiert solche Lesezeichen als Hinweis, dass auf der betreffenden Seite, also zum Beispiel einem Blogartikel, etwas Wichtiges steht, was auch andere Nutzer interessieren könnte.

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Rasches oder taktisches Nachladen?

Der schnelle Magazinwechsel begünstigt die Pistole als Gefechtswaffe gegenüber dem Revolver.

Von René Smeets, aus Heft 6-1990 des „Schweizer Waffenmagazins“.

Sämtliche Statistiken beweisen es: In den allermeisten Fällen, in denen es zu einem Schußwechsel kommt, fallen insgesamt nur sehr wenige Schüsse; für alle Beteiligten zusammen sind es im Schnitt weniger als der Inhalt einer Revolvertrommel…

Wir sind jedoch überzeugt, daß niemand auf Grund von Statistiken sein Leben aufs Spiel setzen sollte, schließlich könnte er selbst zu einem statistischen Faktor werden, falls er das Pech haben sollte, in eine der „atypischen“ Situationen zu geraten, welche die Ausnahme zur oben zitierten Regel darstellen.

Die Technik des Nachladens während des Schießens gehört deshalb zu den Tricks, die man unbedingt beherrschen muß, und getreu den Grundsätzen, die wir in unserem Beitrag „Tödliche Routine“ (IWM 3/90) aufgestellt haben, soll man diese Methoden nicht nur unter möglichst realistischen Bedingungen trainieren, sondern auch auf ihre Brauchbarkeit unter den zu erwartenden Umständen hin auswerten.

Ob man nun einen Revolver oder eine Pistole benützt: grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Techniken, die „rasches Nachladen“ und „taktisches Nachladen“ genannt werden.

Rasches Nachladen

Es handelt sich um die „Methode Cooper“. Jeff Cooper hat den raschen Magazinwechsel als eine der Grundlagen der technischen Beherrschung einer Pistole eingeführt. Seine superschnelle und sehr spektakuläre Technik erfordert grundsätzlich einen Magazinhalterknopf in Reichweite des Daumens der Schießhand. Linkshänder, die keine Pistole mit beidseitigem oder umsteckbarem Magazinhalterknopf haben, gebrauchen dazu im allgemeinen den Zeigefinger der Schießhand, und dies in einem Tempo, das Rechtshänder verblüfft. Wer eine Pistole mit Magazinhalter am unteren Ende des Magazinschachts verwendet, wird – zumindest theoretisch – stets langsamer sein, da er beide Hände gebrauchen muß, um das leere Magazin aus der Waffe zu holen, bevor er das volle Magazin zur Hand nehmen kann. Vor ein paar Jahren haben wir aber an einem Schießparcours einen Schützen mit einem H& K P7-Modell gesehen, der sein Magazin schneller wechselte, als Schützen, deren Waffen mit seitlichem Magazinhalter-Druckknopf versehen waren. Sein Erfolg beruhte natürlich auf intensivem Training…

Was die Revolver betrifft, so ist rasches Nachladen erst seit verhältnismäßig kurzer Zeit dank dem Aufkommen der „Speed Loaders“ möglich geworden. Das entsprechende Training ist nicht schwieriger als bei der Pistole und führt zu Ergebnissen, die den Laien verblüffen. Doch abgesehen davon, daß Fehlmanipulationen hier der raschen Wiederaufnahme des Schießens bedeutend hinderlicher sind, kann man „Speed Loaders“ auch nie so unauffällig bei sich tragen wie die weniger sperrigen Reservemagazine.

Die Technik des raschen Nachladens von Pistolen und Revolvern ist wohlbekannt, wir wollen uns auf einige Bemerkungen im Zusammenhang mit dem Verteidigungsschießen beschränken.

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Selbstverteidigung mit der Flinte (4)

Von Dipl.-Ing. Manfred Ertl, aus „Internationales Waffenmagazin“ 12/1994.

Zuvor erschienen: Selbstverteidigung mit der Flinte (1) und Teil 2 (das Heft mit Teil 3 habe ich leider nicht)

Die taktischen Verhaltensweisen sind das entscheidende Element, das den ernstfallorientierten Waffengebrauch vom Sportschießen unterscheidet. Die Waffen- und Munitionswahl, Waffenhaltungen, Anschlagarten oder das Vorgehen in unklarer Lage müssen stets vor diesem Hintergrund gesehen werden.

Eine ernstfallbezogene Schießausbildung wird den praktischen Anforderungen erst gerecht, wenn sie neben der reinen Schießtechnik auch das taktisch erforderliche Verhalten vermittelt, das notwendig ist, um ein Feuergefecht erfolgreich zu überstehen. Dabei kann man diese Verhaltensmuster in allgemeine Regeln unterteilen, die immer gelten, unabhängig davon, welcher Waffenart man sich bedient, und in Spezialregeln, welche die Besonderheiten einer bestimmten Waffenart berücksichtigen.

In diesem Beitrag werden wir die allgemeinen Regeln nur am Rande betrachten und den Schwerpunkt auf das für den Umgang mit der Repetierflinte typische Verhalten legen. Es muß dabei im Auge behalten werden, daß sich die Schießtechnik zwar losgelöst von allen taktischen Verhaltensweisen trainieren läßt und daß man andererseits auch Taktiken einüben kann, ohne einen einzigen Schuß dabei abzugeben, daß aber beide Gebiete sich inhaltlich logischerweise beeinflussen. Schließlich wählt man im kampfmäßigen Schießen die einzelnen Technikbausteine, wie etwa die Schießhaltung, ja nicht nur nach den Kriterien einer guten Trefferleistung aus, sondern achtet darauf, daß derartige Bausteine im Einklang mit dem taktischen Gesamtverhalten stehen. Auch bei der Waffenhandhabung zeigt sich, daß im Ernstfall nicht die Handgriffe, die in hochspezialisierten Sportarten die letzten Sekundenbruchteile bringen, zweckmäßig sind, sondern daß Dinge wie Streßstabilität, Ausführbarkeit hinter Deckungen und ähnliches viel entscheidender sind. Im kampfmäßigen Schießen ist das Treffen eben kein Selbstzweck wie im Sport, sondern nur ein Element von mehreren, die den Ausgang eines Feuergefechtes beeinflussen.

Taktik überwiegt

Es lassen sich zwar keine Prozentzahlen angeben, die ausdrücken, wie groß der jeweilige Einfluß der Taktik oder der Schießtechnik auf den Verlauf einer Konfrontation sein kann, meines Erachtens überwiegt der Einfluß der Taktik aber deutlich gegenüber der reinen Schießtechnik. Und letztlich beeinflussen sich Taktik und Schießtechnik ja immer gegenseitig.

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