Lauflänge und Anfangsgeschwindigkeit

Wildey-Pistole mit 5“-Lauf, Wechselläufe 6“, 7“, 8“ und 10“.

Von Thomas Hartl, aus Heft 9-1984 des „Schweizer Waffen-Magazins“.

Eine von der Zürcher Firma Hofmann & Reinhardt Waffen AG zur Verfügung gestellte Wildey-Pistole im Kaliber .45 Winchester Magnum mit Wechselläufen von 5, 6, 7, 8 und 10 Zoll Länge inspirierte uns zu einigen Messungen, die Beziehung zwischen Lauflänge und Geschoss-Anfangsgeschwindigkeit betreffend.

Gemessen wurde mit einem Oehler-33-Messgerät mit Lichtschranken in einem Schießkeller bei 20° C. Es wurden pro Lauf zehn Schuss ausgewertet. Die Entfernung zwischen Laufmündung und Startschranke betrug 2 Meter, die gemessene Geschossgeschwindigkeit kann also als V2,5 bezeichnet werden.

Die Läufe waren mit 6 Zügen im Rechtsdrall ausgestattet, durchschnittliches Zugkaliber 11,49 mm (.452“), Feldkaliber 11,34 mm (.446“), Feldabdruckbreiten 2,8 bis 2,9 mm.

Die bislang nur von Winchester-Western hergestellte .45-Winchester-Magnum-Patrone enthält ein 230 grs-(14,9 g-)Vollmantel-Rundkopfgeschoss, ihre ballistischen Daten betragen laut Hersteller 1400 fps (426,7 m/s) Mündungsgeschwindigkeit aus einem 5“-Lauf und 1001 ft/lbs (138,5 mkg / 1359 Joule) Mündungsenergie. Unsere Messungen sind in Tabelle 1 zusammengefasst:

Da es für die Beziehung zwischen Lauflänge und Mündungsgeschwindigkeit eine mathematische Formel gibt, verglichen wir die gemessenen Geschossgeschwindigkeiten mit errechneten, wobei wir den praktisch unbedeutenden Unterschied zwischen V2,5 und V0 nicht berücksichtigten.

Die Gleichung, welche die Abhängigkeit der Geschossgeschwindigkeit von der Lauflänge bei Faustfeuerwaffen festhält, lautet

wobei V1, V2 die Geschossgeschwindigkeiten sind, l1, l2 die Lauflängen.

Wenn wir die aus dem 6“-Lauf (152 mm) der Wildey-Pistole erreichte Geschossgeschwindigkeit von 415 m/s als Grundlage nahmen, erhielten wir die in Tabelle 2 festgehaltenen Ergebnisse.

Die Unterschiede zwischen den gemessenen und errechneten Geschossgeschwindigkeiten liegen unterhalb einer Fehlerquote von 10 % und sind somit als nicht gravierend einzustufen.

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Neue Kommentarpolitik auf „Morgenwacht“: Wie bereits hier unter Punkt 1 angekündigt, am Schluß dieses Kommentars wiederholt als Absicht geäußert und in diesem Kommentar endgültig festgelegt, werden neue Kommentatoren nicht mehr zugelassen und sind die Kommentarspalten nur noch für die bereits bekannte Kommentatorenrunde offen.

Ersatzpatronen für 9 mm Para-Pistolen: Welche verdauen sie?

Die fünf von uns untersuchten 9-mm-Patronen; von links nach rechts: 9 mm Parabellum, 9 mm Glisenti, 9 mm Makarov, 9 mm Police und 9 mm kurz.

Von Thomas Hartl, aus Heft 3-1985 des „Schweizer Waffen-Magazins“.

Kann man aus einer 9 mm Para-Pistole andere als 9 mm Para-Patronen verschießen? Und wenn ja: Welche Leistungseinbußen sind dabei zu erwarten, welche Funktionsstörungen in Kauf zu nehmen? Wir probierten es aus.

Auch wer kein Munitionskenner ist, weiß, dass es im Nominalkaliber 9 Millimeter eine ganze Reihe verschiedener Pistolenpatronen gibt. Ausgesprochene Experimentalpatronen ausgenommen, reicht diese Reihe von der 9 mm kurz (maximale Hülsenlänge 17,35 mm) über die 9 mm Makarov (18,05 mm), 9 mm Police (18,55), 9 mm Glisenti (19,00 mm), 9 mm Parabellum (19,20 mm), 9 mm Browning long (20,30 mm), .38 Super Auto (22,90 mm), .38 Auto (23,00 mm), 9 mm Bayard (23,00 mm), 9 mm Steyr (23,20 mm) und 9 mm Mauser (25,10 mm) bis zur 9 mm Winchester Magnum (29,50 mm).

Aus ersichtlichen Gründen kamen für unsere Versuche nur 9-mm-Patronen in Frage, deren Hülsen kürzer als die der 9 mm Para-Patronen sind. So beschränkte sich die Auswahl auf die Patronen 9 mm kurz, 9 mm Makarov, 9 mm Police und 9 mm Glisenti.

Als Testwaffen dienten eine Walther P 38 (Lauflänge 125 mm), eine FN High Power (122 mm), eine SIG-Sauer P 220 (112 mm), eine Colt Combat Commander (108 mm) und eine Smith & Wesson Modell 59 (105 mm).

Die Makarov-Patronen konnten in diese Waffen gar nicht geladen werden. Waffen im Kaliber 9 mm Para sind für Geschosse von maximal 9,02 mm Durchmesser eingerichtet. Die Makarov-Patronen verwenden Geschosse von 9,25 mm Durchmesser. Noch mehr fällt aber ins Gewicht, dass der Hülsenmund der sowjetischen Makarov-Patronen, die uns zur Verfügung standen, beinahe 0,25 mm breiter als der der 9 mm Para-Patronen war: Die 9 mm Makarov-Patronen konnten nur bis etwa zur Hälfte ihrer Länge in die Patronenlager der 9 mm Para-Pistolen geladen werden. Für unseren Test war das kein allzu großer Rückschlag: 9 mm Makarov-Patronen sind im Westen ohnehin nur als (recht teure) Sammlerpatronen erhältlich (Anm. v. Lucifex: inzwischen bekommt man sie zu ähnlichen Preisen wie 9 mm kurz, aber es gibt sie nicht überall und nur mit Vollmantelgeschossen).

Für unsere Versuche blieben also die Patronen 9 mm kurz (.380 ACP), 9 mm Police und 9 mm Glisenti übrig. Letztere Patrone, im Grunde eine schwächer geladene 9 mm Para-Patrone mit Kegelstumpfgeschoss, die zwischen 1910 und 1938 italienische Ordonnanzpatrone war, ist heute nur noch sporadisch erhältlich. Die beiden übrigen Patronen sind handelsüblich, wenn auch die 9 mm Police weniger populär als die 9 mm kurz ist.

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Test: Walther P 38

Trotz des relativ geringen Gewichts – die P 38 hat (in der Nachkriegsausführung) ein Leichtmetall-Griffstück – lässt sich die Pistole angenehm schießen.

Von Max Meinrad Krieg, aus Heft 2-1985 der „Schweizer Waffen-Magazins“.

Wenn Militär oder Polizei ihre alten Waffen verkaufen, so sind diese meistens nicht mehr zeitgemäß; sei es aus Kaliber- und/oder Systemgründen. Hie und da kommen aber auf diese Weise auch Waffen auf den Markt, die modernen Anforderungen noch weitgehend entsprechen, und dies zu interessanten Preisen. Im Zuge der Umrüstung der deutschen Polizeibehörden werden zurzeit im Waffenhandel größere Mengen von Walther-Pistolen P 38 günstig angeboten.

Die P 38 wurde von der Waffenfabrik Walther als Nachfolgerin der legendären Parabellumpistole für die deutsche Wehrmacht entwickelt und während des Zweiten Weltkrieges in großen Stückzahlen gefertigt. Nach dem Krieg konnte Walther die Produktion der P 38 im Jahre 1957 wieder aufnehmen. Sowohl die Bundeswehr als auch der Bundesgrenzschutz und gewisse Einheiten der Polizei führten sie dann unter der Bezeichnung P 1 als Dienstwaffe ein. Außerdem ist die P 38 immer noch offizielle militärische Ordonnanzpistole einiger Armeen und wird bei Walther in verschiedenen Versionen weiter hergestellt.

Während bei den frühen Modellen die Griffstücke aus Stahl gefertigt wurden, bestehen diese bei den Nachkriegswaffen P 1 aus Leichtmetall. Die Griffschalen der Dienstwaffen sind aus Kunststoff, es sind jedoch auch Waffen mit Holzgriffschalen erhältlich.

Als Rückstoßlader sind bei der P 38 im verriegelten Zustand Lauf und Verschluss durch einen Verriegelungsblock miteinander verbunden. Nach ca. 7 mm gemeinsamen Weges wird das Verriegelungsstück nach unten geschwenkt, worauf der Verschluss unter gleichzeitiger Zusammenpressung der beiden seitlichen Schließfedern seinen Rückweg allein fortsetzt. Der Vorteil dieser Verriegelungsart liegt darin, dass der Lauf nicht wie bei den meisten übrigen Systemen nach unten kippt, sondern immer in der Horizontalen bleibt. Das präzisionskritische Moment einer zu frühen Entriegelung entfällt somit.

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