Raimondo Graf Montecuccoli, der Türkenbesieger

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Von Heinz-Georg Hailwax aus dessen Reihe „Geschichte & Geschichten“ im leider eingestellten Schweizer „Internationalen Waffenmagazin“ (dieser Beitrag: Ausgabe Jan./Feb. 1999)

Die Schlacht eines kaiserlichen Reichsheeres unter dem Befehl von Graf Montecuccoli gegen eine türkische Armee unter Achmed Köprülü hallt immer noch durch die europäische Geschichte. Der Sieg der Koalitionsarmee bei St. Gotthard-Mogersdorf am Grenzfluß Raab am 1. August 1664 sicherte dem römisch-deutschen Kaiserreich einen 20-jährigen Frieden mit den Osmanen.

Südufer des Grenzflusses Raab, in der Nähe des Klosters St. Gotthard und des Dorfes Moggendorf (Mogersdorf). Es ist der Morgen des 1. August 1664. Der türkische Großwesir Achmed Köprülü, der versucht hatte, mit seinen Truppen den Einbruch nach Innerösterreich zu erzwingen, war durch kluges Manövrieren der Truppen unter dem Oberkommando des Grafen Montecuccoli in eine Position gedrängt worden, die er zu vermeiden gedacht hatte. Seine Kräfte zusammenfassend, marschierte er mit seinem gesamten Heer am rechten (südlichen) Ufer die Raab hinauf, während in gleicher Höhe mit ihm, am linken (nördlichen) Ufer, die gesamte Reiterei der Koalitionsarmee gleichzog.

Tags zuvor war ein heftiges Unwetter niedergegangen, das den Fluß Raab und zwei Flußzuläufe Hochwasser führen ließ. Mittels einer rasch erbauten Brücke war es Montecuccoli gelungen, seine Streitkräfte rechtzeitig überzusetzen und bei der kleinen Ortschaft Mogersdorf in Stellung zu bringen. Etwa zwei Kilometer flußaufwärts von St. Gotthard – die Kaiserlichen hatten nach ihrem Übergang die Behelfsbrücke wieder abgebrochen – war nun dem Großwesir nichts übriggeblieben, als zum Angriff zu schreiten. Die lehmigen Flußufer der angeschwollenen Raab waren ein von den Türken stark unterschätztes Hindernis. Unterholz und Buschwald bildeten ein weiteres Ungemach; das Zisterzienserkloster St. Gotthard, von den Kaiserlichen besetzt, war mit einer Palisade umgeben. Die Stellungen des Koalitionsheeres von nur 25.000 Mann (Ungarn, Kroaten, Franzosen, Italiener, Deutsche und Spanier) waren auf eine Länge von etwa 8.000 Schritt verteilt. Geschütze waren vor der Kavallerie und den Fußregimentern postiert.

Das Osmanenheer am Südufer der Raab war von Köprülü in sechs unregelmäßige Treffen aufgeteilt worden; weit auseinandergezogen, bestand es aus Kerntruppen, wie etwa 60.000 Mann Janitscharen und Spahis, sowie aus etwa 70.000 Mann Milizen, inklusive dem Troß. Bereits gegen Mittag des 31. Juli 1664 versuchten – aus dem Anmarsch heraus – Eliteeinheiten der Janitscharen in den Raabbogen einzudringen, wo Aufklärer eine passable Furt zu entdecken geglaubt hatten. Geschütze wurden in Stellung gebracht und eröffneten zwar das Feuer auf die Kaiserlichen, wurden jedoch alsbald von Reitern des Kürassierregiments Schmid und durch das Eingreifen von 200 Musketieren zum Schweigen gebracht. In der Nacht zum 1. August 1664 folgte ein Wolkenbruch, der das Gelände schwer passierbar machte. Dennoch gelang es einzelnen Janitscharen, über die Hochwasser führende Raab zu setzen und im Schutze der Dunkelheit auf dem Nordufer unbemerkt in Stellung zu gehen.

Am 1. August 1664, um 4 Uhr früh, kam es zu den ersten Nahkämpfen zwischen den beiden Streitkräften. Mehrere tausend ausgeschwärmte Türkenreiter trafen bei Eckersdorf auf Kavalleriekräfte unter Sporck und wurden von diesen angegriffen und zum Rückzug gezwungen. Mit Hilfe von Geschützfeuer und infolge geschicktem Vorgehen unter Ausnutzung des Gelänges gelang es mehreren tausend Osmanen zwar, über den Fluß zu setzen, dort jedoch trafen sie auf die alarmierten Kaiserlichen.

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Das letzte Imperium

Theodosianische Landmauer

Die Theodosianische Landmauer.

Von Anestos Canelides. Original: The Last Empire, erschienen am 29. Mai 2010 bei “Gates of Vienna” (hier veröffentlicht anläßlich des gestrigen 560. Jahrestages des Falls von Konstantinopel).

Vorwort von Baron Bodissey:

Heute vor fünfhundertsiebenundfünfzig Jahren fiel die Stadt Konstantinopel an das Osmanische Reich, und das Byzantinische Reich endete. Die Plünderung von Konstantinopel eröffnete Jahrhunderte brutaler islamischer Herrschaft in Südosteuropa. Griechenland wurde schließlich im 19. Jahrhundert von den Osmanen befreit, aber bis zum heutigen Tag verbleibt ein kleiner Teil Europas in türkischen Händen, und die Stadt Istanbul — ehemals Konstantinopel — bleibt eine türkische Stadt.

Das Folgende ist ein Gastessay eines Autors, der unter dem Pseudonym Anestos Canelides schreibt. Er hat dies über seinen Essay zu sagen:

Ich bin zur Hälfte Grieche, und ich schrieb dies zum Gedenken an jene, die in der epischen Schlacht gegen den islamischen Expansionismus kämpften. Ich schrieb es auch zum Gedenken an die anderen Christen des Balkans, die so viel an den Islam verloren haben. Ich habe Zeit in Istanbul verbracht, und ich hege keinen Hass gegen die modernen Türken.

Das letzte Imperium
1453: Die Belagerung von Konstantinopel

von Anestos Canelides

Am 9. Juni 1453 liefen drei Schiffe im Hafen von Chania auf Kreta ein, deren Besatzungen großteils aus kretischen Seeleuten bestand. Die Seefahrer waren aus Konstantinopel gekommen, kurz nach dessen Fall an die osmanisch-türkischen Armeen von Sultan Mehmet Bey. Die Kreter hatten die tragische Nachricht mitgebracht, daß Konstantinopel trotz einer heroischen Verteidigung durch die Griechen und ihre Verbündeten an die Heere des Islam gefallen war. Die plötzliche Nachricht rief große Seelenpein unter den Menschen Kretas und später des christlichen Westens hervor. Die osmanische Eroberung der Königin der Städte hatte dem Römischen Reich, das heute oft als Byzantinisches Reich bezeichnet wird, ein tragisches Ende gesetzt. Sie war der letzte Nagel im Sarg des Zentrums der byzantinischen Welt, führte aber wiederum den Aufstieg des Osmanischen Reiches herbei, eines islamischen Staates.

Konstantinopel wurde von Land und Meer her angegriffen, aber die Landmauer, die Theodosianische Mauer genannt wurde, war niemals in ihrer tausendjährigen Geschichte durchbrochen worden. In gleicher Weise, wie dreihundert Spartaner den vorrückenden Armeen des persischen Reiches getrotzt hatten, hielten die Bürger von Konstantinopel ebenfalls heroisch aus und verteidigten ihre Stadt gegen die Tyrannei. Es war sowohl der Wunsch der byzantinischen Griechen nach Freiheit von Sklaverei als auch der Glaube, daß Gott sie wundersamerweise vor der Niederlage retten würde, die sie dazu brachten, den Türken beinahe zwei Monate lang heftigen Widerstand zu leisten.

Konstantinopel 1453

Die Türken hatten mit fanatischem Geist in die Stadt einzudringen versucht, weil der Prophet ihnen im Koran einen besonderen Platz im Paradies angeboten hatte. Sultan Mehmet ahmte den Propheten Mohammed nur nach, als er sagte: „…Selbst wenn einige von uns sterben sollten, wie es im Krieg natürlich ist, und unser vorbestimmtes Ende finden sollten, wißt ihr aus dem Koran sehr gut, was der Prophet sagt: daß derjenige, der in der Schlacht fällt, mit heilem Leibe mit Mahomet speisen wird, und mit ihm im Paradies trinken wird, und er wird an einem grünen Ort ruhen, der von Blumen duftet, und die Gesellschaft von Frauen und lieblichen Knaben und Jungfrauen genießen, und er wird in schönen Bädern baden. All diese Dinge wird er durch Gottes Gunst an diesem Ort genießen.” Trotzdem sie solch großen Widrigkeiten gegenüberstanden, verteidigten die Byzantiner ihre alte christliche Hauptstadt mit großer Hartnäckigkeit gegen die Armeen Mehmets.1

Prophezeiung des Falls

Die Römer glaubten, daß der Fall der Stadt unter einem Kaiser namens Konstantin geschehen würde, dessen Mutter Helena hieße. Byzantinische Legenden sagten voraus, daß es während der Herrschaft eines Konstantins, Sohn einer Helena, geschehen würde, daß die große Stadt Konstantinopel erobert werden würde. Der Name der Mutter von Konstantin dem Großen — der Konstantinopel als das neue Rom gegründet hatte — war Helena. Obwohl es zwischen der Herrschaft von Konstantin dem Großen im 4. nachchristlichen Jahrhundert und Konstantin Palaiologos XI im 15. Jahrhundert zahlreiche Kaiser mit Namen Konstantin gegeben hatte, hatten nur diese beiden Kaiser Mütter, die Helena hießen. Es ist auch interessant festzuhalten, daß der letzte offizielle byzantinische Patriarch Metrophanes hieß, und dies war auch der Name des Patriarchen während der Herrschaft von Konstantin dem Großen.2

Einer weiteren Legende zufolge würde die Belagerung bei abnehmendem Mond stattfinden, und dieses Zeichen wurde am Vorabend der finalen Belagerung der Stadt erfüllt. Die Zeichen wurden für die Verteidiger noch prophetischer, als ein seltsamer grüner Nebel die geheiligte Kathedrale Hagia Sophia, die Kirche der Heiligen Weisheit, bedeckte. Dieser mysteriöse grüne Nebel umhüllte die Basis der Kirche und stieg dann langsam den Altarraum empor. Plötzlich schoß der Nebel auf geheimnisvolle Weise zum Himmel empor und verschwand. Dieses besondere Zeichen ließ die Byzantiner glauben, daß der Geist Gottes die Stadt wegen ihrer Sünden verlassen hätte. Ungeachtet dessen, was die Bürger glaubten, wollte der Kaiser die Stadt oder ihr Volk nicht den Armeen von Hagar überlassen. Wie alle tapferen Hellenen in ihrer ganzen Geschichte würde er ausharren und kämpfen, bis der Engel des Herrn seine Seele fordern würde. Andere Zeichen, die weiter zu den Ängsten der Verteidiger beitrugen, waren zwei leichte Erdbeben und strömender Regen. Diese Ereignisse wurden als böse Omen gedeutet, und sie erinnerten die Stadt an all die Prophezeiungen, die das Ende des Imperiums voraussagten und das Kommen des Antichrist, von dem sie annahmen, daß es der osmanische Sultan Mehmet sei.3

Was zu ihrem Aberglauben noch dazukam, war ein unter den Griechen weit verbreiteter Glaube, daß das Byzantinische Reich das letzte Reich auf Erden sei. „Die Menschen erinnerten sich der alten prophetischen Bücher aus der Zeit der früheren arabischen Belagerung, ihre gnomischen, orakelhaften Verse wurden verbreitet rezitiert; ‘Unglück dir, Stadt auf den sieben Hügeln, wenn der zwanzigste Brief auf deinen Bollwerken verlautbart wird. Dann wird der Fall nahe sein, und die Vernichtung deiner Herrscher.’ Die Türken wurden als apokalyptisches Volk gesehen, welches das letzte Gericht ankündigten, eine von Gott geschickte Geißel als Strafe für christliche Sünden.”4

Der Konflikt beginnt

Der Konflikt, der zum Fall der Stadt führen würde, begann, als Mehmet eine Burg namens Rumeli Hisari errichtete, die — bis zum heutigen Tag — am Meeresarm namens Bosporus liegt. Der Bauplatz der neuen Burg lag auf der anderen Seite des Bosporus direkt gegenüber einer Burg namens Anadolu Hisar auf der kleinasiatischen Seite, die von Mehmets Großvater, dem Sultan Bayezit, erbaut worden war. Mehmet hatte diese Festung errichtet, um die Kontrolle über den Meeresarm zu gewinnen und die Schiffahrt zwischen dem Marmarameer und dem Schwarzen Meer abzuriegeln. An dieser Stelle war der Bosporus am schmalsten, sodaß die Plazierung direkt gegenüber von Anadolu Hisar Rumeli Hisari die strategische Kontrolle über den Wasserweg verschaffte. Die neue Burg wäre die perfekte Operationsbasis für die Belagerung von Konstantinopel, aber das einzige Problem war, daß sie auf byzantinischem Land lag.5

Im vorherigen Winter von 1451-52 hatte der Sultan die nötigen Arbeitskräfte zusammengezogen, um sein neues Fort zu bauen, aber im Zuge dessen zerstörte er Kirchen und Klöster, um zusätzliches Baumaterial für die Burg zu gewinnen. Einige Griechen wagten es, Einspruch zu erheben, daher wurden sie zusammengetrieben und massakriert. Später protestierten einige Griechen dagegen, daß die Türken ihre Pferde in ihren Feldern weiden ließen, und auch sie wurden abgeschlachtet, was einen Kriegszustand zwischen den Byzantinern und den Osmanen herbeiführte.6
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MALTA 1565: Die große Belagerung

01 Birgu Fort St-Angelo

Birgu, Blick auf Fort St. Angelo

Von Ernle Bradford, erschienen in „Das Beste aus Reader’s Digest“, Februar 1986, als Auszug aus seinem 1961 veröffentlichten Buch „The Great Siege of Malta“ (ins Deutsche übertragen von Ernst Theo Rohnert).

Noch heute wirft der militante Islam immer wieder beunruhigende Schatten auf seine Nachbarn, ja die ganze Welt. In der Mitte des 16. Jahrhunderts aber stand er auf dem Gipfelpunkt seiner Machtentfaltung. Seine Angriffsspitze, das osmanisch-türkische Militärreich, drohte die christliche Welt in die Knie zu zwingen. In diesem kritischen Augenblick der europäischen Geschichte trafen die von Sieg zu Sieg eilenden Moslems auf eine Christenheit, die ihnen an Streitbarkeit, Entschlossenheit und Opferbereitschaft nicht nachstand. Auf der kleinen, strategisch wichtigen Insel Malta stemmte sich eine an Zahl weit unterlegene Legion fremder christlicher Krieger dem mächtigen Osmanischen Reich in einem Kampf entgegen, der auf beiden Seiten mit äußerster Härte geführt wurde.

02 Ottoman Empire 16-17th century

Das Osmanische Reich im 16. und 17. Jahrhundert

„Sultan der Osmanen, Allahs Stellvertreter auf Erden, Herr der Herren dieser Welt, König der Gläubigen und Ungläubigen, Schatten des Allmächtigen, der der Erde Frieden schenkt“ – wie Trommelwirbel schallten die Titel Solimans des Prächtigen durch den Sitzungssaal des Hohen Rates.

Es war 1564. Soliman II., von den Türken Süleiman der Gesetzgeber genannt, war 70 Jahre alt. Seit er mit 26 Sultan geworden war, hatte er die Türkei zum größten Militärstaat der Welt gemacht. Seine Galeeren durchpflügten die Meere vom Atlantik bis zum Indischen Ozean. Sein Reich erstreckte sich von Österreich bis zum Persischen Golf. Doch auch im Alter war Soliman noch ganz vom Wunsch nach mehr Macht und weiteren Eroberungen erfüllt. Und wäre er nicht selbst so ehrgeizig gewesen, dann hätten ihm seine Berater keine Ruhe gelassen.

„Solange sich Malta in der Hand der Johanniter befindet“, warnte einer von ihnen, „läuft aller Nachschub aus Konstantinopel Gefahr, vernichtet zu werden.“ Ein anderer sagte: „Wenn Ihr diesen vermaledeiten Fels nicht erobert, wird er bald den gesamten Verkehr zwischen Euren nordafrikanischen Besitzungen und den griechischen Inseln abschnüren.“

03 Kleine Johanniter-Schebecke um 1600

Kleine Johanniter-Schebecke um 1600

42 Jahre waren vergangen, seit Soliman die christlichen Johanniterritter von der Inselfestung Rhodos vertrieben hatte. Aber Malta, wo der heimatlos gewordene Orden Zuflucht gefunden hatte, hatte sich für den Sultan als ein noch größerer Störfaktor erwiesen als Rhodos. Alle Schiffe, die die Wasserstraße zwischen Sizilien und Nordafrika passierten, waren den marodierenden Galeeren der Ritter auf Gnade und Ungnade ausgeliefert. Der Gipfel der Provokation schien erreicht, als die Ritter ein reich beladenes Handelsschiff kaperten, das dem Obereunuchen in Solimans Serail gehörte. Die Odalisken des Harems warfen sich vor dem Sultan zu Boden und schrien nach Rache. Der Imam der Großen Moschee erinnerte den Sultan daran, daß auf den Ruderbänken der Ordensgaleeren Rechtgläubige mit Peitschenhieben angetrieben wurden.

Es ist unwahrscheinlich, daß sich der Sultan durch dieses Geschrei beeinflussen ließ. Allein aus Unmut oder aus Prestigegründen hätte Soliman den Inselstützpunkt der Ritter schwerlich angegriffen. Aber das kleine Malta war mit seinen großartigen Häfen der Schlüssel zum Mittelmeer und zu Westeuropa. So berief Soliman im Oktober 1564 einen Staatsrat oder „Diwan“ ein, der die Möglichkeiten einer Belagerung Maltas erörtern sollte. Der oberste Aga des Sultans erklärte: „Diese maltesischen Hundesöhne, die durch Eure Gnade auf Rhodos verschont geblieben sind – sie sollen endlich niedergeworfen und vernichtet werden!“ Als jeder seine Meinung gesagt hatte, wies der Sultan darauf hin, daß Malta das Sprungbrett nach Sizilien und damit nach Italien und Südeuropa sei. Der Diwan faßte den Beschluß, Malta zu zerschlagen.

„Dieser vermaledeite Fels“

Die maltesische Inselgruppe liegt rund 90 Kilometer südlich von Sizilien und umfaßt zwei Hauptinseln, Malta und Gozo. Malta ist etwa 27 Kilometer lang und 14,5 Kilometer breit, während Gozo 14,5 mal 7 Kilometer mißt. Die Inseln waren dem heimatlosen Johanniterorden von Kaiser Karl V. zu Lehen gegeben worden, „damit die Ritter ihre Waffen wieder gegen die gottlosen Feinde des heiligen Glaubens einsetzen können.“

04 Malta Elmo Michael Angelo

Aber die von den Rittern entsandte Kommission, die die Inseln erkunden sollte, war entsetzt gewesen. Malta sei „nichts als ein Fels aus weichem Sandstein“, berichteten sie, „für den Anbau von Weizen oder anderem Getreide ungeeignet“. Holz sei so knapp, daß es pfundweise verkauft werde. In den Küchen werde mit Kuhdung oder wilden Disteln geheizt. Die Sommerhitze sei „fast unerträglich.“

Wäre der Orden nicht in solcher Not gewesen, er hätte das karge Geschenk des Kaisers zurückgewiesen. Aber seine Führer hatten die Höfe Europas jahrelang bekniet, ihm bei der Suche nach einem festen Sitz zu helfen – vergebens. So geachtet der Orden wegen seiner Tapferkeit im Kampf auch war, beliebt war er nicht. Die Ritter vom heiligen Johannes zu Jerusalem waren der letzte geistliche Militärorden, der noch aus der Zeit der Kreuzzüge übriggeblieben war. Sie kamen aus allen Teilen Europas, schuldeten aber nur dem Papst Gehorsam – und waren deshalb den Herrschern der gerade emporgekommenen souveränen Staaten Europas verdächtig.

Was die Ritter mit Malta versöhnte, waren seine hervorragenden Häfen. Die Johanniter waren ursprünglich ein zu Lande operierender Orden gewesen, nach ihrer Vertreibung aus dem Heiligen Land aber notgedrungen Seefahrer geworden und lebten jetzt von einer Art „organisierter Piraterie“ – anders kann man es kaum nennen. Ein guter Hafen war für sie das Wichtigste. Und so hatten sie 1530 von ihrer neuen Heimat Besitz ergriffen.

Wie die Kundschafter vorausgesagt hatten, fanden sie Malta geradeso unwirtlich, wie sie den alten Herren der Insel unwillkommen waren. Den 12.000 Bauern auf Malta und den 5.000 auf Gozo war es wahrscheinlich einerlei, wer ihr Herr war. Ihr Leben war Plackerei, unterbrochen von brutalen Überfällen moslemischer Seefahrer; schlimmer konnte es für sie gar nicht kommen. Aber dem Inseladel waren die hochmütigen Neuankömmlinge ein Dorn im Auge; grollend zog er sich in seine Paläste in der ummauerten Stadt Mdina zurück.

Die Ritter hatten nicht vor, ihn zu belästigen. Sie zogen in das kleine Fischerdorf Birgu im Inneren des Großen Hafens. Und dort begannen die ihrer Sache verschworenen wehrhaften Männer, die durch die Geschichte Maltas geistern wie Besucher von einem anderen Stern, mit der Anlage von Verteidigungswerken. Sie rechneten fest damit, daß die Türken versuchen würden, den Erfolg von Rhodos zu wiederholen.

Großmeister La Valette

Die Johanniter waren ursprünglich eine Bruderschaft gewesen, die sich der medizinischen Forschung und der Ausbildung von Ärzten widmete. Die beiden Jahrhunderte auf Rhodos hatten dann aber den Charakter des Ordens verändert. Waren sie vorher in erster Linie „Hospitaliter“ (Krankenpfleger) und in zweiter Soldaten gewesen, so stand nun die Seefahrt an erster Stelle, und erst dann kam die Medizin. Auf Rhodos, das einem auf die Flanke der Türkei gerichteten Speer glich, waren sie zu den besten Seeleuten geworden, die das Mittelmeer je befahren hatten.

Sie waren jetzt ein Amalgam aus Angehörigen aller europäischen Nationen – eine Fremdenlegion militanter Christen. Gegliedert war sie in acht „Zungen“, die acht europäische „Provinzen“ repräsentierten: Auvergne, Provence und Frankreich (alle drei französischsprachig), Aragonien und Kastilien (spanisch) sowie Deutschland, Italien und England (zur deutschen Zunge gehörten damals die Großpriorate Deutschland, Böhmen-Österreich, Ungarn und Dacien [Skandinavien]). Als sich Heinrich VIII. von Rom lossagte, löste er die „alte und edle Zunge von England“ auf, und England war nur noch mit einem einzigen Ritter vertreten.

Der Mann, der seit 1557 an der Spitze des Ordens stand und sich jetzt rüstete, der Macht Solimans die Stirn zu bieten, war der provenzalische Großmeister Jean Parisot de La Valette. Er war Ordensritter mit Leib und Seele. Seit er den Johannitern mit 20 Jahren beigetreten war, hatte er den Konvent nie mehr verlassen – es sei denn, die Pflichten hätten es erfordert. Ein Zeitgenosse schildert ihn als „stattlichen Mann, hochgewachsen, ruhig, nüchtern und fähig, sich auf italienisch, spanisch, griechisch, arabisch und türkisch geläufig zu unterhalten.“ Die beiden letztgenannten Sprachen hatte er gelernt, als er in Gefangenschaft geraten und türkischer Galeerensklave geworden war. Ein Jahr lang hatte er in der Hölle der Ruderbänke zugebracht, ehe er durch einen Gefangenenaustausch wieder freikam.

05 Jean Parisot de La Valette

Jean Parisot de La Valette

„Manchmal“, schrieb ein anderer Franzose, dem es ähnlich ergangen war, „rudern die Galeerensklaven zwölf, ja zwanzig Stunden hintereinander. Offiziere gehen herum und stecken den Unglücklichen in Wein getunktes Brot in den Mund, damit sie nicht schlappmachen. Wenn ein Sklave erschöpft über dem Ruder zusammenbricht, wird er gepeitscht, bis man ihn für tot hält, und dann über Bord geworfen.“

La Valette war ein lebender Beweis dafür, daß Männer, die ein solches Martyrium hinter sich hatten, nicht notwendig krank und gebrechlich sein mußten, sondern sehr alt werden konnten. Unverwüstlich wie die salzgebeizte Eiche eines Schiffskiels, war er jetzt ebenso alt wie Soliman – 70. Wenn ein Mann, der ein Leben lang ständig im Kriegseinsatz war, ein so hohes Alter erreichte, mußte er schon außergewöhnlich zäh sein. Wenn er darüber hinaus im Vollbesitz seiner körperlichen und geistigen Kräfte blieb, mußte er fast ein Übermensch sein. War er dazu noch von eine fanatischen religiösen Glauben beseelt, so gab es nicht viel, was ihm standzuhalten vermochte.

06 SABIAS-QUE-TURCOS

Im April 1565 erfuhr La Valette, daß die Flotte des Sultans aus dem Goldenen Horn ausgelaufen war. Den ganzen April und Mai hielten schnelle Schiffe den Orden über das Näherrücken der Türken auf dem Laufenden. Mitte Mai rief der Großmeister seine Brüder zusammen.

„Die große Schlacht zwischen Kreuz und Koran muß jetzt geschlagen werden“, sagte er. „Wir sind die erwählten Soldaten des Kreuzes, und wenn der Himmel die Hingabe unseres Lebens fordert, kann es keine bessere Gelegenheit geben als diese. Laßt uns zum Altar eilen, um unsere Gelübde zu erneuern und durch unseren Glauben die Todesverachtung zu erlangen, die allein uns unbesiegbar machen kann.“

Insel in Waffen

Als sich am Freitag, dem 18. Mai, der Frühnebel vom Wasser hob, sahen die Wachtposten im Nordosten eine große, fächerförmig gestaffelte Formation auftauchen: die 180 Schiffe der feindlichen Flotte. Die Spitze bildeten die Fahrzeuge der beiden türkischen Befehlshaber: Mustafa Paschas 28bänkige Galeere und die mit 32 Ruderbänken ausgestattete Riesengaleere Pialis, des Admirals der osmanischen Kriegsflotte.

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Devshirme: Eine moslemische Geißel der Christen

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Von Anestos Canelides. Original: Devshirme: A Muslim Scourge on Christians, erschienen am 28. September 2010 bei “Gates of Vienna”

Vorwort von Baron Bodissey: Das Folgende ist der neueste aus einer Serie von Essays von Anestos Canelides. Der aktuelle Text behandelt die barbarische türkische Institution der Devshirme, die jahrhundertelang von den Osmanen an den unterworfenen Völkern des Balkans praktiziert wurde.

Devshirme: Eine moslemische Geißel der Christen
von Anestos Canelides

Wir als Volk, ob in Griechenland oder in den USA, sollten niemals unsere Geschichte vergessen, besonders wenn es um den Islam geht.

Vor etwa einem Jahr bezeichneten griechische Schulbücher die osmanische Besatzung der Griechen im Namen der Political Correctness als die „osmanische Administration”. Die Bezeichnung wurde nach einem lauten Aufschrei vieler Griechen schnell zurückgezogen, denn das osmanische Zwischenspiel war viel mehr als eine Administration, und die Besatzung brachte den christlichen Griechen Jahrhunderte grausamer Unterdrückung.

Eine Institution solcher von den Türken praktizierter Unterdrückung wurde Devshirme genannt, oder die Praxis der Rekrutierung der besten und klügsten Kinder, üblicherweise männlich, aus christlichen Familien, und deren zwangsweise Konvertierung zum Islam. Diese Kinder wurden in der Beamtenschaft des Sultans ausgebildet, oder sie wurden Teil einer Elitekampftruppe, der Janitscharen. Vom Beginn dieser Institution an nahm die christliche Bevölkerung die Entführung ihrer Kinder schmerzlich übel.

Der große Historiker Leopold von Ranke schrieb, daß das erste heroische Lied von Christos Melionis erst dann überall in den Bergen Griechenlands erklang, nachdem die traumatische Praxis der Devshirme beendet worden war, und erst lang nachdem sie vorbei war, führte es die Revolution auf dem ganzen Balkan herbei. 1

Der Sultan führte Kinder in seine Dienste ein, die entweder durch Kauf in seine Hände gefallen waren, oder durch regelrechte Entführung aus ihren Familien durch Anwerber. Der Autor Andre Gerolymatos schreibt in The Balkan Wars über die barbarische Praxis der Devshirme:

Die grausame Praxis dessen, was man heute die Hirnsäuberung der christlichen Bevölkerung des Osmanischen Reiches nennen könnte, ist vielleicht das unmenschlichste türkische Vermächtnis. Der Vorteil, den jene gewannen, die für die Bekehrung und ein besseres Leben in Konstantinopel ausgewählt wurden, kann die Abscheulichkeit nicht mindern, daß Kinder ihren Eltern weggenommen wurden. 2

Die Osmanen schickten Agenten in die Dörfer, um diesen Tribut einzutreiben, und nahmen diesen Dörfern so ihre stärksten und intelligentesten Kinder, wodurch die Agenten der Devshirme zur verhasstesten Manifestation der türkischen Herrschaft wurden. “Die Erinnerung an diese Männer stigmatisiert die Türken auf dem Balkan noch immer.” 3
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