„Samain Night“: Loreena McKennitts Lieder

Von Lichtschwert alias Lucifex, ursprünglich veröffentlicht am 31. Oktober 2017 auf „Nord-Licht“ [Nachveröffentlichung hier auf „Morgenwacht“ anläßlich des heutigen 61. Geburtstags von Loreena McKennitt, nachdem ich den Artikel nach Erscheinen des Originals vorerst nur rebloggt hatte.]

Anläßlich des heutigen fünften Bestandsjubiläums meines Blogs „Nord-Licht“ zum diesjährigen Samhain bringe ich eine Auswahl von Liedern der kanadischen Sängerin und Musikerin Loreena McKennitt, die ich sehr schätze. Wie ich bereits einmal geschrieben habe, gefällt mir nicht nur ihre Musik allgemein und ihre Stimme, sondern es ist überhaupt ihre ganze Darbietung immer wieder sehr ansprechend, mit Gesichtsausdruck, Kopfhaltung und allem; so schön, so feierlich und würdevoll.

Loreena McKennitt, die am 17. Februar 1957 geboren wurde und schottisch-irischer Abstammung ist, hat bisher 21 Alben und eine Single veröffentlicht, die alle von ihrer eigenen Plattenfirma Quinlan Road produziert wurden; ihr Debutalbum war Elemental (1985). Im Jahr 1998 kam ihr Verlobter Ronald Rees zusammen mit seinem Bruder Richard und deren Freund Gregory Cook bei einem Bootsunglück auf der Georgian Bay ums Leben. Dieses Ereignis hatte sie sehr getroffen, und sie gründete daraufhin im selben Jahr die Wasserrettungsstiftung „Cook-Rees Memorial Fund for Water Search and Rescue“. Die Einnahmen ihres zu dieser Zeit gerade produzierten Albums Live in Paris and Toronto wurden für diese Stiftung gespendet und belaufen sich auf bisher etwa drei Millionen Dollar. Nach der Veröffentlichung dieses Albums entschied Loreena, daß sie die Zahl ihrer öffentlichen Auftritte verringern werde, und sie hat danach bis zum Studioalbum An Ancient Muse (2006) keine neuen Aufnahmen mehr herausgebracht.

Loreena McKennitt, die mehrere Instrumente spielt, darunter Harfe, Klavier und Akkordeon, verwendet in ihrer Musik zwar teils auch orientalische und andere Einflüsse aus verschiedenen Teilen der Welt, fühlt sich aber aufgrund ihrer schottisch-irischen Herkunft stark zu ihren keltischen Wurzeln hingezogen („my infatuation with the Celts“, wie sie einmal bei einem Live-Auftritt sagte) und läßt sich davon nicht nur bei ihren eigenen Kompositionen inspirieren, sondern nimmt auch traditionelle Lieder aus dem anglo-keltischen Kulturraum in ihr Repertoire auf. Bevor sie irgendwelche Musik komponiert, betreibt sie beträchtliche Forschungen zu einem bestimmten Thema, das dann das allgemeine Konzept eines Albums formt. Sie reist auch viel, unter anderem auch zu anderen keltisch beeinflußten Gegenden, um sich Inspirationen zu holen. In ihrem Hüllentext zu Troubadours on the Rhine, einem Live-Album, das am 24. März 2011 im Mainzer SWR-Studio aufgenommen wurde, schreibt sie, daß sie erfreut war zu erfahren, daß diese Örtlichkeit ebenfalls ein keltisches Erbe hat.

Den Anfang meiner Liederpräsentation mache ich, dem Datum entsprechend, mit Samain Night (aus Parallel Dreams, 1989):

Hier ist der Text dazu:

When the moon on a cloud cast night
Shone above the tree tops‘ height
You sang me of some distant past
That made my heart beat strong and fast
Now I know I’m home at last.

You offered me an eagle’s wing
That to the sun I might soar and sing
And if I heard the owl’s cry
Into the forest I would fly
And in its darkness find you by.

So our love’s not a simple thing
Nor our truths unwavering
Like the moon’s pull on the tide
Our fingers touch, our hearts collide
I’ll be a moonsbreath from your side.

Bekannt ist Loreena auch für ihre Vertonungen klassischer Gedichte aus der englischsprachigen Literaturwelt, zu denen sie die Musik komponiert und Instrumentalarrangements erstellt und die sie dann gemeinsam mit ihren Musikern vorträgt.

Ein Beispiel dafür ist The Lady of Shalott, eine 1832 veröffentlichte Ballade von Alfred Lord Tennyson, die lose auf der Legende von Elaine of Astolat aus dem Sagenkreis um König Artus beruht.

Elaine, die anderswo auch als Nimue, die Herrin vom See etc. in Erscheinung tritt, lebt unter einem Zauberbann einsam in einer Burg auf der Insel Shalott, die in dem Fluß liegt, der nach Camelot fließt. Dort sitzt sie mit dem Rücken zum Fenster an einem Webstuhl und webt das, was sie in einem magischen Spiegel sieht, zu Bildern eines endlosen Teppichs. Aus dem Fenster darf sie nicht schauen. Nur die Feldarbeiter in der Nähe hören ihre Gesänge. Eines Tages sieht sie im Spiegel den Ritter Lancelot vorbeireiten, und um ihn besser sehen zu können, schaut sie direkt aus dem Fenster und verliebt sich in ihn. Da zerbricht der Spiegel, und Elaine weiß, daß der auf ihr liegende Fluch nun in Erfüllung geht. In einem Boot fährt sie nach Camelot, während ihre Lebenskraft sie bereits verläßt, und als sie dort ankommt, ist sie tot. Die Ritter sind erstaunt über ihre Schönheit, und Lancelot bittet Gott um Gnade für sie.

Nach einer ersten Vertonung dieses Gedichts durch den englischen Komponisten Cyril Rootham im Jahr 1909 hat Loreena McKennitt ebenfalls eine geschaffen, und zwar für ihr Album The Visit von 1991. Hier trägt sie ihre Version bei der Verleihung der Juno Awards von 1992 vor, wo sie für das Best Roots/Traditional Album ausgezeichnet worden war:

In Loreenas textlich stark gekürzter Live-Fassung von Tennysons langer Ballade wird diese Geschichte jedoch nur unvollständig vermittelt, und auch die 11:34 min. lange Studioversion aus The Visit (siehe nächstes Video) enthält nicht alle Strophen des Originals. Ich gebe daher nachfolgend den gesamten Text wieder, mit den von Loreena in The Visit gesungenen Strophen in ihrer Textfassung (nur in den beiden hier eingestellten Live-Versionen [Juno Awards und Alhambra] enthaltene Strophen in fetter Schrift, die beiden in der etwas längeren Konzertdarbietung von Troubadours on the Rhine zusätzlich dazu verwendeten zwischen Sternchen; gänzlich weggelassene in Klammern):

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Imbolc: Das Fest zum Beginn der hellen Jahreshälfte

morgenlicht

Von Lichtschwert, unter Verwendung von Material aus Waltraud Ferraris Buch „Alte Bräuche neu erleben: Fest- und Alltag im Rhythmus der Jahreszeiten“.

Beginnend mit dem heutigen Vorabend zum 1. Februar und am 1. Februar selbst, teilweise auch in der Nacht vom 1. auf den 2. Februar, wird das keltische Fest Imbolc oder Imbolg (gesprochen i-MOLC oder i-MOLG) gefeiert, das ungefähr die Mitte zwischen der Wintersonnenwende und der Frühlings-Tagundnachtgleiche markiert. Mit Imbolc endet die dunkle Jahreshälfte nach keltischer Zeitrechnung, und das helle Halbjahr beginnt, das mit dem Herbstbeginnsfest Lughnasad am 1. August und dessen Vorabend endet. Es ist eines der vier großen keltischen Jahreszeitenfeste, zusammen mit Beltane, Lughnasad und Samhain, und war in heidnischer Zeit mit der Göttin Brigid oder Brighid verbunden, aus der in christlicher Zeit die heilige Brigitta von Kildare wurde, deren Namenstag der 1. Februar ist, während das Fest selbst heute am 2. Februar als Mariä Lichtmeß gefeiert wird. Hier ist, was Waltraud Ferrari in „Alte Bräuche neu erleben“ dazu schreibt:

Mariä Lichtmess – 2. Februar

Mariä Lichtmess gehörte zu den wichtigsten Los- und Feiertagen im ganzen Jahr. Vor allem Beobachtungen zum Wetter standen dabei an vorderster Stelle. Um die Bedeutung dieses Tages zu erklären, muss man etwas weiter ausholen.

Grundsätzlich fiel auf diesen Zeitpunkt ein Mittwinterfest, das von verschiedenen Völkern in vielen Regionen Europas begangen wurde. Es war einerseits ein Reinigungsfest, andererseits ein Anlass, dem wachsenden Licht, dem Sonnenfeuer und dem damit verbundenen Erstarken des Lebens zu huldigen.

Im keltischen Kalender wurde in der Nacht vom ersten auf den zweiten Februar Imbolc gefeiert. Über die Herkunft dieser Bezeichnung herrscht Uneinigkeit. Am wahrscheinlichsten ist die Deutung „rituelle Waschung, Reinigung“. Überlieferungen zufolge war es üblich, speziell Hände, Füße und das Haupt mit Wasser zu reinigen, Haus und Hof zu putzen und anschließend riesige Feuer zu entzünden. Der Tag, an dem dies stattfand, war der Göttin Brighid gewidmet, deren Name so viel wie „die Helle, die Strahlende, die Streitbare“ bedeutet, ähnlich der bereits bekannten Frau Perchta. Brighid war bewandert in Heilkunst und Poesie, sie war die Hüterin des Feuers (weswegen ihr auch die Schmiede unterstanden) und im Speziellen die Hüterin des Herdfeuers und die Schutzherrin gebärender Frauen. Es hieß, Brighid beuge sich über jede Wiege, in der ein Neugeborenes liegt. Die Legende berichtet auch, Brighid besitze einen blauen Mantel, ähnlich dem Firmament. Ihr Symbol ist eine Art Sonnenrad, das heute Brighids Kreuz genannt wird.

brighidkreuz

Römischen Aufzeichnungen nach war Brighid die große Muttergöttin keltischer Stämme, der Briganten (im Nordosten Britanniens beheimatet) und der mit ihnen lose verwandten Brigantier, deren Siedlungsgebiet am Bodensee im heutigen Vorarlberg lag. Einige Orte in Mitteleuropa erinnern noch heute an ihren Namen, unter anderem die Hauptstadt Vorarlbergs, Bregenz.

Im christlichen Kalender feierte man am 1. Februar das Fest der heiligen Brigitte von Kildare/Irland, die vor allem als Viehpatronin und als Beistand bei Geburten angerufen wurde. Sie wurde auch als die „gälisch-keltische Maria“ bezeichnet, wodurch sich der Zusammenhang zum Lichtmessfest ergab.

Auch bei den Römern gab es um diese Jahreszeit ein großes Reinigungsfest mit Namen februa, wovon sich der Monatsname Februar ableitet. Es wurden Fackelumzüge abgehalten, Räucherwerk entzündet und Lärmbräuche zum Vertreiben der dunklen Winterdämonen eingesetzt.

Im Christentum wurde der 2. Februar dann zu Mariä Lichtmess, der Tag der Reinigung Mariä nach der Geburt Jesu. (Nach biblischer Auffassung galt eine Frau nach der Geburt eines Kindes für eine bestimmte Zeit als unrein.) Die um diese Zeit immer schon üblichen Licht- und Feuerbräuche blieben in Form der großen Kerzenweihe erhalten. Bei einem feierlichen Gottesdienst wird für die Gläubigen der Kerzenvorrat für ein ganzes Jahr geweiht, und diese Lichtmesskerzen gelten auch heute noch als besonders wundertätig. Früher stellte man sie den Gebärenden ans Bett, um die Geburt zu erleichtern und Mutter und Kind vor schlechten Einflüssen zu behüten, bei Gewitter wurden sie zum Schutz angezündet, oder man ließ drei Tröpfchen ihres Wachses in den Brotteig fallen und gab dieses spezielle Brot den Tieren zu fressen, um sie vor Krankheiten zu schützen. In Vorarlberg gab es zu Lichtmess die Kerzenrodel. Sie bestand aus einer Art langer, dünner, wachsbezogener Kerzenschnur, die man zu einem kunstvoll gewundenen Knäuel wickelte. Sie wurde nur von Frauen bei Begräbnissen, bei Gedächtnisgottesdiensten oder auf dem Friedhof verwendet.

Der Lichtmesstag spielte im bäuerlichen Leben eine wichtige Rolle. Die fälligen Abgaben mussten bezahlt werden, was oft mithilfe der im Winter hergestellten Produkte geschah, und die Dienstboten wechselten den Arbeitsplatz. Verließ ein Dienstbote den Hof, musste ihm die Bäuerin ein „Lichtmesskoch“ oder einen „Lichtmesskrapfen“ zum Abschied geben.

In einigen Gebieten der Alpen kommen heute noch die Lichtmeßsänger oder –geiger ins Haus, um ihre Segenswünsche vorzutragen. Als Lohn erhalten sie den Lichtmesskrapfen, Schnaps und manchmal auch kleine Geldspenden. Auch in der Stadt lässt sich der Brauch des Lichtmeßsingens in etwas abgewandelter Form praktizieren. Menschen, die gerne miteinander musizieren und singen, können in ihrer Nachbarschaft von Haus zu Haus gehen. Aber auch an einem öffentlichen Platz, ja sogar in der U-Bahn hört mancher vielleicht gerne gute Segenswünsche, die ihm mit auf den Weg gegeben werden.

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Volkssagen aus Österreich: Rauhnächte

rauhnachtmond

Von Lichtschwert

Mit der heutigen Nacht, der Wintersonnwendnacht, beginnt eine Folge von zwölf Nächten, die im Volksmund „Rauhnächte“ genannt werden und deren letzte die „Perchtnacht“ oder „Berchtlnacht“ vom 5. auf den 6. Jänner ist. Um diese zwölf Nächte gibt es eine Menge uralter Volksbräuche und Volkssagen, die auf das keltische und germanische Heidentum zurückgehen und in späterer Zeit teilweise christlich überformt wurden. Die „Wilde Jagd“, in Österreich auch „das Gjaid“ genannt, geht um, in den Ställen beginnen Tiere zu sprechen, und in diesen Nächten darf keine Wäsche aufgehängt werden (meine Mutter hält sich bis heute an letzteres). In dieser Zeit, so der alte Volksglaube, ist die Anderswelt besonders nahe.

Ein Beispiel für die Sagen um das „Gjaid“ ist diese aus Vorarlberg:

DAS NACHTVOLK

In Frastanz gibt es einen einsam stehenden Hof, durch den das „Nachtvolk“ alljährlich seinen Weg nahm. Da knackte es zuerst in allen Wipfeln und Gipfeln des nahen Waldes, dann brausten die Unholde unter Hundegebell und Hörnerklang durch den Hof, daß Türen und Tore knarrten und die Fenster klirrten. Wehe den Hausleuten, die dem wilden Volk dabei in die Quere kamen! Sie wurden entweder in Stücke gerissen oder vom wilden Heer weit fortgeführt. Den Tieren, die den Unholden in den Weg liefen, erging es ebenso schlimm wie den Menschen.

Der Bauer ließ in den Rauhnächten stets Hof und Scheune offen, damit die ruhelosen Gesellen ungehindert hindurchziehen konnten. Als er aber einmal nicht daran dachte und abends zuschloß, da riß ihm das nächtliche Volk beide Tore aus, trug sie hinweg und warf sie erst über Feldkirch aus den Lüften zu Boden.

Einmal verirrte sich das Nachtvolk und kam am hellichten Tag ins Kleine Walsertal. Es war gerade Sonntag, und die Dorfleute saßen in der Kirche. Da führten die Unholde einem Bauern die schönste Kuh aus dem Stall, schlachteten sie, bereiteten sich einen schmackhaften Braten und schmausten lustig darauflos. Dabei tanzte und jauchzte die tolle Schar unter lieblichem Saitenspiel. Den Kindern, die im Hause geblieben waren, gab das Volk auch von dem Schmaus zu essen, verbot ihnen aber, auch nur ein Beinchen zu verbeißen oder zu verwerfen.

Nach der Mahlzeit suchte das Nachtvolk die Knochen des Viehs zusammen. Alle fand es, nur einen nicht, der wollte sich nicht finden lassen. Dann baute es aus den Beinchen das Gerippe der Kuh wieder auf, wickelte die abgezogene Haut darüber und sagte dabei: „Das arme Tier wird wohl hinken müssen.“

Als das seltsame Volk abgezogen war, stand die Kuh wieder lebend im Stalle, schleppte aber einen Fuß nach.

Im Montafon kam ein Bauer in einer mondhellen Nacht am Murnertobel vorbei, und weil er müde war, setzte er sich auf einen Stein, zog seine Maultrommel aus dem Sack und spielte sich eins zum Zeitvertreib. Da kam plötzlich das Nachtvolk in langem Zug den Tobel herab, und ein schwarzer Geselle trat zum Bauern und sagte: „Hör, wenn du willst, so lehre ich dich so schön spielen, daß die Tannenzapfen ringsum zu tanzen beginnen.“

„Das wär’ mir schon recht!“ entgegnete der Maultrommler. Ehe aber der Unterricht begann, kam aus der Menge ein Weib herzu, zog den schwarzen Gesellen beiseite und raunte ihm ins Ohr: „Komm, mit dem Bauern ist ja doch nichts anzufangen, der hat heute früh Weihwasser genommen!“

Da bekreuzigte sich der Bauer und erkannte mit Schrecken, welch großer Gefahr er entronnen war.

mondhalo

Ebenfalls aus Vorarlberg stammt diese hier:

DIE MUSIZIERENDE TANNE

In jenem Jahr, in dem der große Wind ging, verspätete sich einmal ein Jäger in den Bergen über Bludenz. Als er im dichten Wald war, fiel ihm die Nacht in den Weg, und er verirrte sich. Da er müde Knochen und ein gutes Gewissen hatte, legte er sich unter eine mächtige Tanne, gab sein liebes Leben unserem Herrgott in die Hand und schlief ein. Als er aber im besten Schlummer lag, erhob sich plötzlich ein so starker Sturm, daß es im Gehölz knackte und krachte und den Jäger aus seiner Ruhe weckte.

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Beltane / Walpurgisnacht

„The Council of Cernunnos“ von Emily Balivet

„The Council of Cernunnos“ von Emily Balivet

Von Deep Roots.

T e i l 1:   B E L T A N E

Beltane oder Beltaine ist die anglisierte Schreibweise des altirischen Beltain (im modernen Irisch Bealtaine, im schottischen Gälisch Bealltainn), des gälischen Namens sowohl für den Monat Mai als auch für das Fest, das in der Nacht zum 1. Mai und am ersten Mai gefeiert wird.

Bealtaine war historisch ein gälisches Fest, das in Irland, Schottland und auf der Insel Man gefeiert wurde. Bealtaine und Samhain waren die führenden Endtermine des Kalenderjahres im mittelalterlichen Irland, obwohl das letztere Fest das bedeutendere war. Im Gegensatz zu Samhain ist Beltane aber ein fröhliches Fest, das im Zeichen der Liebe, der Fruchtbarkeit und des Wachstums steht. Die Beltanefeierlichkeiten zum Frühlingsbeginn zeigen einige Analogien zu heutigen Traditionen wie „Tanz in den Mai“ oder das Osterfeuer. Auch der traditionelle Maibaum hat hier vermutlich seinen Ursprung: Die Kelten schmückten zu Beltane die Häuser und Ställe mit frischem Grün. Die Wahl der Maikönigin ist ein letzter Hauch der heidnischen Verehrung der Göttin, die dem Land die Fruchtbarkeit schenkte.

Dresdner Maikönigin

Maikönigin von Friedel K

Das Fest gewann während des Celtic Revival an Popularität und wird in den keltischen Nationen und in der irischen Diaspora weiterhin begangen.

Im irischen Gälisch heißt der Monat Mai Mi Bhealtaine oder Bealtaine, und das Fest Lá Bealtaine (‚Tag des Bealtaine’ oder ‚Maitag’). Im schottischen Gälisch heißt der Monat entweder (An) Céitean oder a’ Mhàigh, und das Fest wird Latha Bealltainn oder einfach Bealltainn genannt. Das Fest wurde auch Céad Shamhain oder Cétshamhainin genannt, wovon sich das Wort Céitean ableitet. Beltane wurde im schottischen Gälisch früher ‚Bealtuinn’ geschrieben, in Manx ist die Schreibweise ‚Boaltinn’ oder ‚Boaldyn’, Im modernen Irisch heißt Oidhche Bealtaine oder Oíche Bealtaine ‚Vorabend des Mai’ und Lá Bealtaine ‚Maitag’. Mi na Bealtaine oder einfach Bealtaine ist der Name des Monats Mai.

Geschichte

Im mittelalterlichen Irland wurde das Hauptfeuer zu Bealtaine auf dem zentral gelegenen Hügel Uisneach abgebrannt, dem „Nabel Irlands“, einem der Ritualzentren des Landes, das im heutigen County Westmeath liegt. Das Entzünden von Feuern zu Oidhche Bealtaine scheint nur im County Limerick bis heute überlebt zu haben, besonders in Limerick selbst als dessen jährliche Feuernacht, und im County Wicklow, obwohl manche Kulturgruppen ein Interesse daran bekundet haben, den Brauch auf dem Uisneach und vielleicht auf dem Hill of Tara wiederzubeleben.

Hochkreuz auf dem Hügel von Tara

Hochkreuz auf dem Hügel von Tara

In der irischen Mythologie begann der Sommer für die Tuatha Dé Danann [„Völker der Göttin Danu“, eine Völkergruppe in der irischen Mythologie] und die Milesier [ein weiteres Volk, von dem die gälischen Iren abstammen sollen] mit Bealtaine. Große Feuer markierten eine Zeit der Reinigung und des Übergangs und kündigten die Sommerzeit in der Hoffnung auf eine gute Ernte in dem Jahr an, begleitet von Ritualhandlungen, die das Volk vor jedem Schaden durch Geister aus der Anderwelt schützen sollten, wie der Aos Sí, einer übernatürlichen Rasse vergleichbar der Elfen und Feen. Wie das Fest Samhain, das Beltane am 31. Oktober gegenüberliegt, war es auch eine Zeit, in der die Anderwelt als besonders nahe gesehen wurde.

Gälische Folklore

In der gälischen Folklore wurde das Vieh des Dorfes zwischen zwei Feuern hindurchgetrieben, um es zu reinigen und Glück zu bringen (Eadar dà theine Bhealltainn im schottischen Gälisch, ‚zwischen zwei Feuern des Beltane’). Diesen Begriff findet man auch im Irischen; diese Redewendung beschreibt eine Situation, der man schwer entkommen kann. In Schottland wurden manchmal Wacholderzweige auf die Feuer geworfen, um dem Rauch ein zusätzliches Element der Reinigung und des Segens hinzuzufügen. Die Leute schritten auch zwischen den beiden Feuern hindurch, um sich zu reinigen.

Das Fest hielt sich verbreitet bis in die 1950er, und an manchen Orten dauert das Feiern des Beltane bis heute an.

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„Brian Boru’s March“: die tausendjährige Melodie

Von Lichtschwert.

Am Karfreitag des Jahres 1014 (damals war das der 23. April) fiel der irische König Brian Boru, der erste Hochkönig Irlands und zuvor einer der 150 irischen Lokalkönige, zusammen mit einem seiner Söhne in der Schlacht von Clontarf gegen den rebellierenden König von Leinster und mit diesem verbündete Wikinger. Es gibt viele verschiedene Legenden dazu, wie Brian getötet wurde, vom Tod im Kampf Mann gegen Mann bis zu seiner Ermordung durch den fliehenden Wikinger-Söldner Brodir.

Die bekannteste Legende um Brian Boru besagt, daß die irischen Barden an seinem Grab drei Tage und Nächte lang das gleiche Stück gespielt haben sollen, den Brian Boru’s March.

Seine zahlreichen Nachkommen, die er mit seinen vier Ehefrauen und dreißig Konkubinen gezeugt hatte, nannten sich fürderhin die O’Briens.

Es ist nicht sicher, ob der Brian Boru’s March wirklich aus dieser Zeit stammt und somit tausend Jahre alt ist, aber es ist auf alle Fälle eines der ältesten Musikstücke im traditionellen irischen Repertoire und damit auch ein sehr altes Beispiel der europäischen Musikkultur, das man heute noch anhören kann – zum Beispiel in der eingangs verlinkten Fassung von Loreena McKennitt, die auch auf ihrer CD „the wind that shakes the barley“ enthalten ist.

Hier noch vier weitere Musikvideos mit Loreena McKennitt, drei davon live:

The Bonny Swans:

She Moved Through the Fair:

Down by the Sally Gardens:

As I Roved Out:

In der CD-Hülle von „the wind that shakes the barley“ ist ein schöner Spruch von Loreena McKennitt in zwölf Sprachen abgedruckt, wovon ich hier die deutsche und englische Fassung wiedergebe:

„Ab und zu verspürt man das Bedürfnis, mit dem Abstand der Zeit und der gewonnenen Erfahrung zu den eigenen Wurzeln und Anfängen zurückzukehren, um die vertrauten Dinge wiederzuentdecken, die man einst liebte und immer noch liebt.“

„Every once in a while, there is a pull to return to one’s own roots or beginnings, with the perspective of time and experience, to feel the familiar things you once loved and love still.“

Loreena McKennitt

Loreena McKennitt

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Neue Kommentarpolitik auf „Morgenwacht“: Wie bereits hier unter Punkt 1 angekündigt, am Schluß dieses Kommentars wiederholt als Absicht geäußert und in diesem Kommentar endgültig festgelegt, werden neue Kommentatoren nicht mehr zugelassen und sind die Kommentarspalten nur noch für die bereits bekannte Kommentatorenrunde offen.

Maxfield Parrish und seine Bilder

„Daybreak“, eines von Maxfield Parrishs bekanntesten Bildern, wenn nicht das bekannteste.

„Daybreak“, eines von Maxfield Parrishs bekanntesten Bildern, wenn nicht das bekannteste.

Von Lichtschwert (alias Lucifex) auf Basis des von mir übersetzten Texts „About Maxfield Parrish“ von der Seite von „Art Collections“ über ihn, gefolgt von einer kleinen Auswahl seiner Bilder. Die auf „Art Collection“ nur mit der Jahreszahl angegebenen Geburts- und Sterbedaten habe ich auf das genaue Datum ergänzt, und das untenstehende Porträt habe ebenfalls ich eingefügt.

Maxfield Parrish um 1905.

Maxfield Parrish um 1905.

Über Maxfield Parrish:

Während des Goldenen Zeitalters der Illustration verzauberten Maxfield Parrishs „schöne Szenerien und bezaubernden Figuren“ die amerikanische Öffentlichkeit. Zu seinem Werk gehören riesige Wandgemälde in Bürogebäuden und Hotels, Magazinumschläge und Werbungen sowie auch seine Buchillustrationen.

Viele seiner Illustrationen für Kinderbücher, die heute noch populär sind, sind das Ergebnis seines Ringens darum, sich in seinen frühen Jahren um die Wende zum 20. Jahrhundert seinen Lebensunterhalt als Künstler zu verdienen.

Er wurde am 25. Juli 1870 als Frederick Parrish in Philadelphia geboren, aber er nahm den Namen Maxfield nach seiner Großmutter, einer Quäkerin, an. Sein Vater Stephen war ebenfalls ein Künstler und Parrishs größter Einflußgeber. Er studierte ursprünglich Architektur, ein Interesse, das in seinen Bildern ersichtlich wird. Er heiratete seine Frau Lydia im Jahr 1895.

„Daybreak“, sein wohl berühmtestes Bild, wurde für den Kunstdruckmarkt geschaffen. Es ist bis zum heutigen Tag immer noch populär.

Im Jahr 1900 zog Parrish sich Tuberkulose zu und erlitt dann einen Nervenzusammenbruch. Um diese Zeit herum ging er von Illustrationen zur Ölmalerei über. Seine Ölgemälde wurden mit ihren brillanten Farben und ihrer magischen Leuchtkraft bis weit in die 1940er sehr populär. Um diese magischen Effekte zu erzielen, pflegte er zahlreiche Schichten dünnen, transparenten Öls aufzutragen, wobei er mit Firnis über aufgespanntem Papier abwechselte, ein mühsamer Prozeß, der sowohl hohe Leuchtkraft als auch eine außergewöhnliche Detailliertheit bewirkte.

Die Tuberkulose hielt sich, und Parrish ging nach Arizona, um in der trockenen Hitze dort zu genesen. Während er in Arizona war, wurde er mit der Erstellung einer Serie von Landschaftsbildern beauftragt. Er begann auf Bestellung zu malen und zu reisen, und seine Karriere startete.

Parrish arbeitete in seinem Haus in Cornish, New Hampshire, das The Oaks genannt wurde. The Oaks war im Sommer ein beliebtes Reiseziel für Gäste, aber in den eisigen Wintern von New Hampshire widmete Parrish sich seiner Malerei.

1905 begegnete Parrish Susan Lewin, einem 16jährigen Mädchen, das als Kindermädchen für seinen Sohn Dillwyn angestellt wurde. Ihr Bild erscheint oft in Gemälden aus dieser Zeit bis durch die 1920er hindurch. Mit der Zeit wurde Susan zu Parrishs Assistentin, zum Modell für seine Gemälde und schließlich zu seiner Geliebten. Seine Ehefrau Lydia und Maxfield entfremdeten sich zunehmend voneinander, und sie verließ ihn im Jahr 1911. Susan blieb weitere 50 Jahre lang bei Maxfield.

Ab den 1930ern bis 1960, als er zu malen aufhörte, fokussierte Maxfield Parrish seine Aufmerksamkeit wieder auf die Welt um ihn herum und produzierte eine Serie von Landschaftsbildern für Kalender. Aber selbst diese bewahren die magische Qualität eines Fensters zur Anderswelt, die sein gesamtes Werk durchdringt.

Parrish starb am 30. März 1966 im Alter von 95 Jahren zu einer Zeit, als sein Werk eine Renaissance des Interesses genoß.

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Ende der Übersetzung

Weiter unten auf derselben Seite (siehe Link oben) wird unter dem Titel „Maxfield Parrish Art“ eine Reihe seiner Bilder vorgestellt. Die enthaltenen Links zu weiteren Seiten mit Bildern von Maxfield Parrish habe ich am Schluß meines Beitrags angefügt. Hier präsentiere ich eine kleine Auswahl seiner Bilder:

Evening

mp_evening

Fountain of Pirene

mp_fountain_of_pirene1907

Reveries

mp_reveries

Sleeping Beauty

mp_sleeping_beauty

Griselda

mp_griselda1910

Winter Twilight

mp_winter_twilight

King of the Black Isles…

parrish_king_of the_black_isles

…welches offensichtlich die Vorlage für das Cover von Enyas Album „The Memory of Trees“ war:

Enya The Memories of Trees front

Enya The Memories of Trees rück

Und hier ist „Cinderella“, mein Lieblingsbild unter jenen, die ich von Maxfield Parrishs Werken kenne:

mp_cinderella

Hier noch einmal eine rechts etwas beschnittene, dunklere Wiedergabe mit wärmer wirkenden Farben:

maxfieldparrish_10

ARTSY CRAFTSY Maxfield Parrish Art

Maxfield Parrish Posters and Art Prints

Siehe auch Bauernmaler Sepp Hilz: Alliierter Kunstraub? von mir (als Deep Roots).

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