Büchsen-Licht (9): Praxistest Kurzkarabiner FR 8

Der spanische Kurzkarabiner FR 8 im Kaliber 7,62 x 51 NATO (.308 Winchester) mit aufgepflanztem CETME-Bajonett.

Von Deep Roots (ursprünglich veröffentlicht auf As der Schwerter“).

Vor kurzem konnte ich ein Exemplar des spanischen Kurzkarabiners FR 8 schießen, der bereits in meinem Artikel Büchsen-Licht (3): Militärische Mausergewehre erwähnt wurde.

Diese Waffe entstand aus umgebauten Karabinern Modell 98/43 (siehe den Mauserartikel), die neue, nur 47,5 cm lange Läufe im Kaliber 7,62 x 51 mm NATO (.308 Winchester), neue Lochscheibenvisierungen und geschlitzte Mündungsfeuerdämpfer erhielten. Die Vorderschäfte wurden gestutzt und erhielten eine Abdeckplatte mit Durchlässen für den Lauf und das darunterliegende, mit dem Kornträgerring verbundene Rohr, das für den Gaszylinder einer Gasdruckeinrichtung gehalten werden könnte, in Wirklichkeit aber einen Putzstock enthalten soll. An dem mir vorliegenden Gewehr habe ich jedoch keinen solchen Putzstock gefunden; das freistehende, mit einem federnden Druckstift im Haltering befestigte Rohr ist hinten geschlossen und endet mit einem kleinen Stahlzapfen, der in ein Loch der Abdeckplatte eingreift, hinter dem sich allerdings schon eine in den Vorderschaft hineinführende Bohrung befindet. Den vorderen Abschluß des Metallrohrs, auf dem sich die Bajonetthalterung befindet, kann abgeschraubt werden. Vielleicht befand sich in dem Rohr normalerweise eine Reinigungsschnur.

Neben dem FR 8, der auf dem Modell 98/43 beruht, gibt es noch den FR 7, der ein ansonsten gleichartiger Umbau aus älteren spanischen Mausergewehren ist (meist aus dem M 1916, seltener M 1893) und sich vom FR 8 durch einen geraden Kolbenhals und einen nach unten gebogenen Kammerstengel unterscheidet. Das Kürzel „FR“ steht übrigens nicht, wie im oben verlinkten Wikipedia-Artikel angegeben, für „fusil de repetición“ (Repetiergewehr), sondern für „fusil reformado“, also überarbeitetes/umgebautes Gewehr.

Die so entstandenen Kurzkarabiner haben ein parkerisiertes Finish. Zur Herkunft der Läufe gibt es unterschiedliche Angaben: laut Wikipedia kamen sie aus Steyr-Fertigung, während im VISIER-Sonderheft 56 „Repetiererfamilie System 98“ steht, es seien für das CETME-Sturmgewehr gefertigte Läufe gewesen, zum Teil von FN.

Ein Teil dieser Kurzkarabiner wurde bis in die 1970er-Jahre von berittenen Einheiten der Guardia Civil bei ihren Patrouillen geführt; der Großteil davon wurde in den Arsenalen gelagert, bevor er in größeren Stückzahlen auf den Surplus-Markt gelangte. Auf den FR 8 lassen sich die 98er-Bajonette nicht aufpflanzen, dafür aber das 34 cm lange Machetenbajonett für das spanischen CETME-Sturmgewehr.

Daten des FR 8:
Gesamtlänge: 96 cm
Lauflänge: 47,5 cm
Gewicht (ungeladen) 3,7 kg
Kaliber: 7,62 x 51 NATO (.308 Win.)
Magazinkapazität: 5 Patronen

Die Schießpraxis

Der von mir getestete Kurzkarabiner ist aus einem 1952 im Werk La Coruña gefertigten 98/43er Mauser entstanden (es gab auch welche aus dem Werk Santa Barbara). Als erstes fiel mir auf, daß die für 100 Meter bestimmte offene V-Kimme des ansonsten als Scheibendiopter ausgeführten Visiers einen etwas zu geringen Augenabstand hat, wodurch man sie beim Zielen – vor allem mit nicht mehr ganz jungen und dazu noch bildschirmstrapazierten Augen – zu unscharf sieht. Zwar gilt sowieso, daß man beim Zielen auf das Korn fokussieren und eine Unschärfe der Kimme und des Ziels in Kauf nehmen soll, aber bei einem Augenabstand, der für ein Dioptervisier bemessen ist, wird die Unschärfe einer offenen Kimme doch etwas zu groß; diese Visiereinstellung taugt eher zur schnellen Zielerfassung im Verteidigungsfall auf nähere Entfernung bis höchstens 100 m. So sieht die Visierung des FR 8 aus:

FR 8 Dioptervisier, hier auf die offene 100-Meter-Kimme eingestellt.

(mehr …)

Advertisements

Büchsen-Licht (8): Springfield M 1903, MAS 1936 und Schweizer K 31

Springfield M 1903 mit S-Schaft. Hier ist die Vorderschaft-Greifrille der ursprünglichen Ausführung gut zu sehen. Anscheinend wurde bei diesem Gewehr nachträglich die bei diesem Modell serienmäßig noch nicht vorhandene zweite Entlastungsbohrung an der rechten Seite der Verschlußhülse angebracht.

Von Deep Roots (ursprünglich veröffentlicht auf „As der Schwerter“; Preise auf dem Stand von 2012)

In diesem „Büchsen-Licht“ zum Thema Militärrepetierer werde ich die noch verbliebenen Gewehrtypen aus dieser Sparte behandeln, die dem bewaffnungsinteressierten Leser unterkommen könnten, wenn man von Exoten einmal absieht. Dieser Artikel entstand hauptsächlich auf Grundlage des zweibändigen Werks „Infanteriewaffen gestern“ von Reiner Lidschun und Günter Wollert (ISBN 3-89488-036-8) sowie diverser Artikel im Schweizer „Internationalen Waffenmagazin“ und in „VISIER“.

Die erste Baureihe davon ist das amerikanische Springfield M 1903, das im Jahre 1903 bei den US-Streitkräften eingeführt und in verschiedenen Modellen bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs und sogar noch von 1950 bis 1953 während des Koreakrieges bei diesen im Einsatz war. Diese lange Dienstzeit war nicht nur darauf zurückzuführen, daß die Umbewaffnung der amerikanischen Truppen auf das neue Selbstladegewehr Garand M 1 nicht im geplanten Tempo machbar war, sondern auch darauf, daß diese Konstruktion von ausgezeichneter Qualität war und sich schon im Ersten Weltkrieg hervorragend bewährt hatte. Insgesamt wurden vom Springfield M 1903 zwischen 1903 und 1944 von allen Varianten etwa 3,2 Millionen Exemplare produziert.

Dasselbe Gewehr Springfield M 1903 mit S-Schaft von links.

Das Springfield-Gewehr gehörte zweifellos zu den beispielhaften Waffenkonstruktionen von Anfang des 20. Jahrhunderts, wenngleich die in der US-Fachliteratur häufig vorkommende Einschätzung, es sei das beste Infanteriegewehr aller Zeiten gewesen, eine patriotisch eingefärbte Übertreibung sein dürfte. Allerdings ist lediglich der zweiteilige Schlagbolzen eine amerikanische Konstruktion. Das seinerzeit geringfügig verbesserte Verriegelungssystem ist jedoch eine Mauser-Entwicklung, das Spannstück eine Konstruktion der norwegischen Firma Krag-Jørgensen und das Magazin eine Lee-Enfield-Erfindung. Unbestritten sind allerdings die sehr guten Schußleistungen des Springfield-Gewehrs und die außerordentliche Präzision bei der Fertigung des Systems, auch die gute Oberflächenbearbeitung und Schäftung sowie alles in allem das anspruchsvolle Design.

(mehr …)

Büchsen-Licht (4): Lee-Enfield-Gewehre

Lee-Enfield-Gewehre: Im Vordergrund ein „Jungle Carbine“ No. 5 Mark 1, darunter eine No. 4 Mark 1, dahinter ein SMLE.

Von Deep Roots (ursprünglich veröffentlicht auf „As der Schwerter“; im Artikel angegebene Preise noch auf dem Stand von 2012)

In diesem vierten Teil meiner Büchsen-Serie stelle ich eines der erfolgreichsten Militärrepetierer-Systeme der Welt vor, das sich gut ein Jahrhundert lang – länger als jedes andere System – im Truppendienst hielt. Dieses geht auf die 80er-Jahre des 19. Jahrhunderts zurück, als sich die britischen Militärbeschaffungsstellen für das Lee-Enfield-Gewehr entschieden, das in seiner ersten Version im Dezember 1888 von den britischen Streitkräften übernommen wurde. Die Waffe entstand aus dem Lee-Metford-Gewehr, das nach der Umrüstung der Truppe auf Nitropatronen mit dafür ausgelegten Läufen aus Enfield versehen und mit dem Magazinsystem des schottischstämmigen Amerikaners James Paris Lee ausgerüstet wurde, der als Erfinder des abnehmbaren Kastenmagazins gelten kann. Mit dieser damals revolutionären Erfindung wurde die neue Gewehrserie ausgestattet, die wegen der damals noch gängigen Vorstellungen vom präzisen Schuß über weiteste Entfernungen auch noch an der linken Schaftseite ein spezielles Weitschußvisier bis 2800 Yards aufwies. Merkwürdigerweise erkannten die Briten nicht, welche Vorteile das einsteckbare Magazin bietet. Wurde zu Anfang noch zu jedem Gewehr ein Reservemagazin ausgegeben, so wurden diese später wieder eingezogen und die Magazine am Gewehr sogar mit einer kleinen Kette befestigt (obwohl diese Kette später wieder entfiel, gab es die dafür bestimmte Öse an der Systemunterseite sogar noch bis zur No. 4 Mark 2!).

Frühes Lee-Enfield-Gewehr Mark I*, noch mit Magazinabschaltung (hier aktiviert) und Staubschutzdeckel und ohne Ladestreifenbrücke.

SHORT, MAGAZINE, LEE-ENFIELD: DAS GEWEHR No. 1 (SMLE)

Um die Jahrhundertwende entstand aus den Lee-Enfield-Gewehren das SMLE („Short, Magazine, Lee-Enfield“), das fast fünfzig Jahre lang die britischen Truppen auf die Schlachtfelder begleiten sollte. Beim SMLE mit seiner stutzenartigen Mündung, den hohen Kornschutzbacken und dem langen, bis zur Mündung reichenden Handschutz wurden die unangenehmen Erfahrungen aus dem Burenkrieg berücksichtigt, wo man es zum ersten Mal mit einem zumindest gleichwertig bewaffneten Gegner zu tun hatte. Nach den peinlichen Gefechten, in denen sich die britischen Truppen ziemlich blamierten, wurde die Schuld auf das Lee-Metford geschoben. Zu Recht, was einige Details an der Waffe betraf, wie die ab Werk vorjustierten, aber nicht nachgeschossenen Visierungen mit stark abweichenden Treffpunkten, oder der zu kurze Handschutz und die klappernden Schäfte. Zu Unrecht, wenn das ganze Gewehr als dem Mauser unterlegen geschildert wurde.

Die wahren Gründe lagen nicht nur in den von den Buren meisterhaft geführten Mauser-Gewehren. Zwar waren die Mauser-Repetierer M 1896 im Kaliber 7 x 57 (von denen der Schweden-Mauser im Kaliber 6,5 x 55 ein Ableger ist) den Lee-Gewehren technisch und ballistisch etwas überlegen, aber der wahre Grund lag in den Buren, die die Geländeverhältnisse kannten und zu ihrem Vorteil ausnutzen konnten. Mit der Waffe regelrecht lebend, konnten sie die Perfektion der Mauserbüchsen voll ausnutzen, während die Engländer eine eher mäßige, erst nach dem Debakel verbesserte Schießausbildung erhielten. Der wichtigste Vorteil lag aber bei der Kampfmoral der Buren darin, daß sie in ihrem eigenen Land kämpften.

Die Veränderungen am SMLE gegenüber seinen Vorgängern betrafen außer den großen, optisch auffallenden Maßnahmen, wie dem bis zur Mündung von Vorderschaft und Handschutz umschlossenen Lauf, an dem man sich nun nicht mehr die Finger verbrennen konnte und bei dem es nicht mehr so schnell zu Hitzeflimmern in der Visierlinie kam, auch kleinere Modifikationen, wie zum Beispiel die Materialänderung der Kolbenkappe von Eisen zu Messing. Im Jahre 1907 kam es auf diesem Wege der vielen kleinen Schritte zum SMLE Mk. III (später, nach der Einführung des Gewehrs No. 4 Mk. 1 wurde das SMLE auch als Lee-Enfield No. 1 Mk. III bezeichnet). Natürlich blieb die Entwicklung nicht stehen, so fiel zum Beispiel die überflüssige Weitschußvisierung und die Magazinabschaltung weg, woraus das (No. 1) Mark III* entstand.

(mehr …)

Büchsen-Licht (3): Militärische Mausergewehre

Deutscher Landser mit Karabiner 98k; Mauser-Doppel: 98er Brasilien-Mauser M1935 (links) und Schwedenmauser M96

Von Deep Roots (ursprünglich veröffentlicht auf „As der Schwerter“)

[Anmerkung des Autors zur Nachveröffentlichung auf „Morgenwacht“: die nun aktuelle waffengesetzliche Lage in Österreich ist jene des Waffengesetzes 2010, das seit 1. Oktober 2012 gilt; die im Artikel angegebenen Preise entsprechen noch dem Stand von 2012.]

Ab diesem dritten Artikel über Gewehre mit gezogenen Läufen (Büchsen) möchte ich über eine weitere Waffenkategorie informieren, die sich für eine „ballistische Volksbewaffnung“ eignet: über die klassischen militärischen Repetiergewehre, wie sie bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg Standard in allen Armeen waren.

Im Gegensatz zu früheren Jahrzehnten, als noch öfter relativ einheitliche Bestände solcher Waffen aus aufgelösten Arsenalen auf den Markt kamen, sind diese Gewehre heute aus dem Katalogangebot großer Handelsketten wie Frankonia, Kettner oder Jagd & Sport bzw. Austro-Jagd verschwunden, weshalb ich hier für die einzelnen Modelle keine Preise aus solchen Katalogen angeben kann. Im Waffen-Einzelhandel sind sie immer wieder als Einzelposten aus Privatverkäufen zu finden und meist zu Preisen zwischen 150 und 400 Euro (je nach Modell und Erhaltungszustand) zu finden.

Die klassischen militärischen Repetiergewehre haben meist ein fest eingebautes Mittelschaftmagazin für 5 Patronen; die größte Feuerkraft bieten die britischen Lee-Enfield-Gewehre (No. 1 Mark III*, No. 4 Mark I und 2 und der Jungle Carbine No. 5) mit ihren zehnschüssigen Einsteckmagazinen. Die Nutzung der Magazinwechselmöglichkeit bei den Lee-Enfields wird jedoch dadurch erschwert, daß Ersatzmagazine sehr schwer zu bekommen sind. Die meisten Gewehre können auch mittels Ladestreifen nachgeladen werden, was bei manchen, wie den Mauser-Waffen und den russischen Mosin-Nagants recht gut flutscht, bei den Enfields dagegen meiner Erfahrung nach weniger gut. Die Patronen, für die diese Gewehre eingerichtet sind, reichen im Kaliber von 6,5 mm bis 8 mm und haben Energiewerte im Bereich von 3000 bis 5000 Joule. Zu bevorzugen sind Kaliber, die auch heute noch regulär gefertigt werden und die in Deutschland, Österreich und der Schweiz einigermaßen regelmäßig erhältlich sind; von diesen bekommt man die meisten nicht nur mit Vollmantel-Spitzgeschoß, sondern auch als Jagdpatronen mit Teilmantelgeschoß. Nicht zu empfehlen sind dagegen Kaliber, die nur im Ersten Weltkrieg und eine Zeitlang danach aktuell waren, wie das 8 x 50 R und 8 x 56 R der österreichischen Steyr-Mannlicher M95 oder nationale Exoten wie 7,65 Argentinisch-Mauser. Die Patrone 7,5 x 55,5 mm Schmidt-Rubin ist außerhalb der Schweiz auch eher schwer zu bekommen. Waffensammler und –fans fertigen sich solche Patronen zwar selber durch Umformen anderer Hülsen oder betreiben das Wiederladen, aber dieser Artikel soll vor allem für bisher Unbewaffnete eine Anleitung bieten, und diese werden sich den Aufwand mit dem Hülsenbearbeiten und Wiederladen kaum antun wollen.

Empfehlenswerte Kaliber sind also:
– das deutsche 8 x 57 IS (7,92 x 57 mm, 8 mm Mauser);
– das russische 7,62 x 54 R, das von finnischen Herstellern als 7,62 x 53 R bezeichnet wird;
– das amerikanische .30-06 Springfield;
– das .303 British der Lee-Enfield-Gewehre
– das 7 x 57 Mauser, eines der wenigen metrischen Kaliber, die sich in Nordamerika als Jagdkaliber durchgesetzt haben;
– das 6,5 x 55 Schwedisch Mauser;
– die NATO-Patrone 7,62 x 51 NATO / .308 Winchester, auf die einige Modelle nach dem Krieg umgerüstet wurden (eine israelische Nachkriegsversion des 98er-Wehrmachtkarabiners wurde von Haus aus für dieses Kaliber eingerichtet);
– 7,5 x 55,5 Schmidt-Rubin (hauptsächlich für Schweizer);
(das französische Kaliber 7,5 x 54 MAS ist von der Lieferbarkeit her auch eher grenzwertig)

Bevor wir zu den einzelnen Waffen kommen, sei noch einmal die waffenrechtliche Lage in Österreich kurz wiederholt:

(mehr …)

Kampfeinsatz-Tips von Andy McNab aus „Die Männer von Bravo Two Zero“

Von Cernunnos (Originalartikel hier)

Der ehemalige britische SAS-Soldat Andy McNab beschreibt in seinem Buch „Die Männer von Bravo Two Zero“ (Deutscher Taschenbuch Verlag, ISBN 3-423-12281-1) seine Erlebnisse als Kommandant eines achtköpfigen SAS-Stoßtruppunternehmens im Irakkrieg von 1991. Das Ziel dieses Unternehmens war die Ortung und Zerstörung eines Überlandkabels nahe einer irakischen Hauptversorgungsroute sowie der mobilen Scud-Raketen Saddam Husseins.

Ich habe mir vor etlichen Jahren aus diesem Buch eine Anzahl von Praxistips für Kampfeinsätze und Überlebenssituationen herausdestilliert und in einer Liste von vierzehn Punkten zusammengeschrieben, die ich hier zunächst wiedergebe, ehe ich anschließend noch eine Darstellung eines Feuergefechts aus diesem Buch zitiere:

1) Einschätzung Sturmgewehr M16:
Besser als Enfield SA-80, leichter und sehr leicht zu reinigen und zu warten.
Gute, praktische Waffe, alles ist schlicht und einfach, keine kleinen Teile, die hervorstehen oder verlorengehen können. Keine Teile, die leicht Rost ansetzen.
Sehr leiser Sicherungshebel, die Sicherung ist sehr einfach und kann mit dem Daumen betätigt werden (im Gegensatz zum SA-80, wo das mit dem Abzugsfinger geschieht, was nach McNabs Einschätzung Wahnsinn ist).

2) Gewehrriemen
McNabs Trupp hatte keine Trageriemen an den M16. Begründung: Ein Riemen ist für die Trageweise über der Schulter, was im Einsatz nicht angebracht ist. Auf Streife wird die Waffe mit beiden Händen gehalten, den Kolben an der Schulter.
Diese Praxis wird durch Peter MacDonalds „SAS im Einsatz“ bestätigt; auf den Fotos sind keine Riemen an den M16 und SA-80. Der australische SAS verwendet ebenfalls keine Riemen, Spetsnaz und Navy-SEALS aber schon.

3) Magazine:
Bei McNabs Einsatz im Irak führte jeder Schütze zehn 30er-Magazine mit, fertig geladen mit je 29 Schuß (= insgesamt 290). Die Magazine sind genauso wichtig wie die Waffe selbst, denn wenn die Federn die Patronen nicht in Position drücken, kann der Verschluß sie nicht richtig in den Lauf einführen. Das Magazin des Armalite M16 faßt normalerweise 30 Patronen, aber es es ist sicherer, sie nur mit 29 zu bestücken, damit die Federn etwas mehr Druck auf die Patronen ausüben und auch weniger leicht erlahmen. Es ist leichter und schneller, ein leeres Magazin gegen ein neues auszutauschen, als eine Ladehemmung zu beheben.

4) Gürtelbestückung:
Munition und Grundstock an Überlebensrationen (Wasser, Essen, Erste-Hilfe-Ausrüstung) am Gürtel, der im Einsatz nur abgelegt wird, wenn es unbedingt sein muß; selbst dann darf er höchstens eine Armlänge entfernt liegen.
Nachts in Körpernähe halten; falls man ihn überhaupt ablegt, schläft man darauf. Das gleiche gilt für die Waffen.

5) Anfertigung von Tarnmaterial:
Jute-Quadrate, ca. 2 x 2 m, mit Maschinenöl eindrecken, in eine Schlammlacke legen und mit einer Bürste bearbeiten, wenden und Prozedur wiederholen.
Ausschütteln, trocknen lassen, fertig.

6) Messerattacken auf Wachtposten:
Die Chance, mit einem glatten Stich ins Herz zu treffen, ist sehr gering und nicht einmal den Versuch wert. Vielleicht hat der Gegner einen dicken Mantel an und trägt noch Tarnzeug darunter. Und wenn man ihm die Halsschlagader durchtrennt, hört man immer noch eine volle Minute das Schreien.
In Wirklichkeit muß man den Kopf zurückreißen wie bei einem Schaf und so weit schneiden, bis die Luftröhre durchtrennt ist und der Kopf fast abfällt. So kann das Opfer nicht mehr atmen oder schreien.

7) Körper-T:
K.O.-Trefferzone; imaginäre Linie von einer Schläfe zur anderen über die Augenbrauen und von dieser Linie abwärts durch die Gesichtsmitte vom Nasensattel bis zum Brustbein. Wenn man irgendwo um dieses „T“ herum mit einer Schußwaffe trifft, fällt der Mann. [Dazu wird wohl ein Gewehr erforderlich sein; bei Faustfeuerwaffen dürfte von einer weniger sicheren oder schnellen Wirkung auszugehen sein.]

8) Bewegung auf Streife:
Kein Gerenne und keine Hast! Körperkonturen, Aufglänzen, Schatten, Silhouetten, Bewegung und Geräusche sind verräterisch. Eine langsame Bewegung ist leise und fällt nicht so leicht ins Auge. Daher bewegt man sich auf Streife immer sehr langsam. Wenn man rennt und hinfällt und sich verletzt, reißt man alle anderen mit rein.
Man muß sich immer wieder fragen: Was wäre wenn? Angriff von vorne, hinten, links, rechts? Wo wäre eine Deckung, wo eine gute Stelle für einen Hinterhalt? Wo war der letzte Nottreffpunkt? Wer ist hinter mir?
Immer Kontakt mit den anderen halten, abgesehen davon alles rundum im Auge behalten und auf alle Geräusche achten.

(mehr …)

Die Verdummung der U.S. Navy – Eine nationale Schande

Der Aegis-Kreuzer USS Ticonderoga (CG-47) in schwerer See.

Von Patrick J. Buchanan, übersetzt von Deep Roots (für As der Schwerter). Das Original Dumbing Down the U.S. Navy – A National Disgrace erschien am 6. Juli 2009 auf VDARE.

„Naval Academy Professor Challenges Rising Diversity“ [„Professor der Marineakademie fordert die zunehmende Vielfalt heraus“] lautete die Schlagzeile der „Washington Post“.

Der vermittelte Eindruck war der, daß irgendeine beleidigte Leberwurst meckerte, weil endlich schwarze und hispanische Kids aufgenommen werden.

Der einleitende Absatz der „Post“ bestärkte diesen Eindruck:

 „Von den 1.230 Plebejern, die diese Woche den Diensteid an der Marineakademie in Annapolis ablegten, waren 435 Mitglieder von Minderheitengruppen. Es ist die rassisch vielfältigste Klasse in der 164jährigen Geschichte der Nation. Führer der Akademie sagen, daß es oberste Priorität hat, eine Studentenschaft aufzubauen, die die rassische Zusammensetzung der Navy und der Nation widerspiegelt.“

Wer kann gegen Vielfalt sein?

Worauf die „Post“ hinauswill, ist, daß der 22jährige Englischprofessor Bruce Fleming gegen ein auf Rasse beruhendes Aufnahmeprogramm Einspruch erhebt, das anscheinend benutzt wurde, um eine zu 35 % aus Minderheiten bestehende Klasse zu schaffen.

Laut Fleming, der einmal dem Aufnahmegremium angehörte, müssen weiße Bewerber lauter „A“- und „B“-Noten und Testergebnisse von mindestens 600 Punkten im Englisch- und Matheteil des SAT haben, um sich überhaupt für eine „Kandidatenliste“ von 10 Bewerbern zu qualifizieren, aus denen nur einer ausgewählt werden wird.

Wenn man jedoch ein Kästchen ankreuzt, das anzeigt, daß man Afroamerikaner, Hispanic, amerikanischer Ureinwohner oder Asiate ist, schreibt Fleming, „dann produzieren SAT-Punkteergebnisse im mittleren 500er-Bereich mit einigen „C“-Noten im Unterricht… typischerweise eine Bewertung als ‚qualifiziert’… mit direkter Zulassung zu Annapolis. Sie sind drin und erhalten eine Pro-forma-Nominierung, um es rechtmäßig zu machen.“ [Gastkolumne: Der Preis einer vielfältigen Marineakademie]

Wenn das wahr ist, dann betreibt die U.S. Naval Academy ein Zweiklassen-Aufnahmesystem von der Art, die Jennifer Gratz aus der University of Michigan draußengehalten hat und vom Obersten Gerichtshof als verfassungswidrig erklärt wurde.

(mehr …)

Patriotismus und das Militär

Von Dennis Mangan, übersetzt von Deep Roots. Das Original Patriotism and the Military erschien am 17. Dezember 2010 bei Mangan’s Adventures in Reaction.

OneSTDV schreibt über militärische und nationalistische Gefühle und schließt:

„Den Durchschnittsmenschen erregen einfach nicht die amerikanischen technologischen Errungenschaften, unsere früher hohen Testergebnisse oder sonst irgendein Eierkopfthema. Er kommt in Fahrt, wenn er die Fahne wehen sieht, die majestätischen Flugzeuge hoch oben, und Soldaten im Streben nach demselben Ziel. Wenn wir das Militär ablehnen, dann könnte die Einstellung des Patriotismus zusammen mit ihm verschwinden.“

Er schreibt auch, daß er dem Großteil der Kritik der Paläo-Rechten an den amerikanischen militärischen Abenteuern zustimmt.

Vor nicht allzu langer Zeit hätte ich ihm im wesentlichen zugestimmt, aber das Problem hier ist, daß auswärtige militärische Abenteuer zur Hauptmission des amerikanischen Militärs geworden sind. Die große Menge von Unterstützern „unserer Truppen“ in den Red States sind zu Gelackmeierten der Mission unserer Regierung geworden, ständig auswärts in Kriegen zu sein, die sehr wenig mit erkennbarem nationalem Interesse zu tun haben. Im Gegenteil, ich würde sagen, daß zum Beispiel der Krieg in Afghanistan aktiv unserem nationalen Interesse schadet.

Patriotismus, sagte Johnson, ist die letzte Zuflucht eines Halunken, und in den Vereinigten Staaten haben die Halunken entschieden darin Zuflucht genommen und die Unterstützung der wahren Patrioten für das Militär zur Unterstützung ihrer endlosen Kriege im Ausland kooptiert. Man muß unterscheiden zwischen dem Militär als Bollwerk der amerikanischen Nation und als Werkzeug der Regierung, und zu viele Amerikaner können diese Unterscheidung nicht treffen.

Seht euch das Video an, das OneSTDV bringt, und ihr werdet sehen, daß viele Unterstützer des Militärs glauben, daß „Freiheit“ für die Irakis nicht nur ein wichtiges Ziel ist, sondern auch eines, das wir tatsächlich erreicht haben. Das Video nutzt die Zurschaustellung von militärischem Gepränge und Disziplin – was die meisten Leute, mich eingeschlossen, bewundernswert und attraktiv finden – um die Botschaft zu befördern, daß unsere Kriege im Ausland wichtig sind und daß nur bekloppte Linke aus Berkeley dagegen sind.

Wie die meisten Amerikaner und wie OneSTDV habe ich den Großteil meines Lebens das Militär unterstützt und eine positive Einstellung zu ihm gehabt, aber in den letzten Jahren bin ich zur Ansicht gekommen, daß der Großteil der Kriege, die wir in unserer Geschichte geführt haben, riesige Fehler gewesen sind, Aktionen der Regierung, die ihre eigenen Interessen förderten, nicht die der Nation als Ganzes.

Ausgewählte Kommentare aus dem Originalstrang bei Mangan’s:

(mehr …)

Robert Heinleins Sternenkrieger (4): Geschichte(n) und Moralphilosophie

Von Deep Roots (ursprünglich veröffentlicht auf „As der Schwerter“).

Dies ist Teil vier meiner Reihe über „Sternenkrieger“ von Robert Anson Heinlein (deutsche Erstausgabe von 1979 ISBN 3-404-01280-1, übersetzt von Bodo Baumann. Das Original „Starship Troopers“ wurde 1959 veröffentlicht. Zuvor hier erschienen: Kapitel 1, Kapitel 2 und Kapitel 3.

In weiterer Folge werde ich nur noch Ausschnitte aus dem Buch zitieren, ergänzt um meine eigenen Überleitungen und Anmerkungen. Der erste Abschnitt bietet einen aufschlußreichen Vergleich zu Verhoevens Film, wo man anhand der „Messerwurf-Ausbildungsszene“ erkennen kann, in welch verzerrender Weise Verhoeven von der Romanvorlage abgewichen ist:

Aber das passierte, nachdem wir Camp Currie bereits verlassen hatten und schon ein gutes Stück in der Ausbildung vorangekommen waren. Vor allen Dingen in der Gefechtsausbildung – Gefechtsübungen und Gefechtsdrill und Gefechtsmanöver, in denen alles zum Einsatz kam, was man als Waffe verwenden konnte, angefangen bei der bloßen Hand bis hinauf zur simulierten Atomwaffe. Ich hätte nie geglaubt, daß es so viele Möglichkeiten gibt, sich zu verteidigen! [….] Als sich unsere Reihen lichteten, kümmerte Zim sich nicht mehr um die Verbandsausbildung, nahm nur noch die Appelle und Paraden ab und widmete sich immer mehr der Einzelausbildung. Und er unterstützte die Unteroffiziere beim Unterricht. Er war perfekt im Umgang mit jeder Waffe, aber sein Lieblingskind war das Messer, das er selbst zurechtgeschliffen und ausbalanciert hatte, obwohl das Gerät, das wir in der Waffenkammer erhalten hatten, keine Wünsche offenließ. Als Einzelausbilder wurde er sogar sympathischer, war nicht mehr so ein Widerling, sondern nur noch unerträglich. Er konnte sehr viel Geduld haben, wenn man ihm dumme Fragen stellte.

Zum Beispiel, als einer von den Jungs in einer der zweiminütigen Pausen, die sparsam über den Tag verteilt waren – ein Bursche namens Ted Hendrick – fragte: „Sergeant? Ich kann mir denken, daß Messerwerfen Spaß macht… aber warum müssen wir das lernen? Was können wir denn damit anfangen?“

„Nun“, erwiderte Zim, „nehmen wir mal an, du hast nur ein Messer? Oder nicht einmal ein Messer? Was tust du dann? Sprichst ein Gebet und stirbst? Oder versuchst du es trotzdem und wehrst dich mit Erfolg? Hier geht es immer ums Ganze – es ist kein Damespiel, wo du einen Stein opfern kannst, wenn du dich im Nachteil zu befinden glaubst.“

„Aber das meine ich doch gar nicht, Sir. Nehmen wir mal an, ich habe überhaupt keine Waffe. Oder nur einen von diesen Dolchen. Und der Gegner, den ich vor mir habe, ist ein wandelndes, tödliches Waffenarsenal. Daran kann man doch nichts ändern! Da kann man doch nur noch beten!“

Zim erwiderte nachsichtig: „Du hast das ganz falsch begriffen, mein Sohn. Es gibt nichts, was man als ‚gefährliche Waffe’ bezeichnen könnte.“

„Wie bitte, Sir?“

„Es gibt keine gefährlichen Waffen, sondern nur gefährliche Männer – gefährlich für den Gegner, solange ihr noch eine Hand oder einen Fuß besitzt und am Leben seid. Wenn ihr nicht versteht, was ich meine, dann lest einmal ‚Horatius an der Brücke’ oder ‚Der Tod von Bon Homme Richard’; beide Bücher stehen in unserer Lagerbibliothek. Aber kommen wir auf den Fall zurück, den du zuerst erwähntest; ich bin du, und alles, was ich habe, ist ein Messer. Das Ziel hinter mir – der Kamerad Nummer drei, den du gerade verfehlt hast, ist ein Wachposten, mit allem ausgerüstet, was wir in unserem Arsenal haben, nur nicht mit einer Atombombe. Du mußt ihn erledigen… leise und prompt, damit er nicht mehr um Hilfe schreien kann.“ Zim drehte sich in den Hüften – zack! – und ein Messer, das er eben noch gar nicht in der Hand gehalten hatte, steckte mit zitterndem Griff im Herzen des Pappkameraden Nummer drei. „Siehst du das? Am besten, du trägst zwei Messer bei dir, aber erledigen mußt du ihn, auch mit bloßen Händen.“

„Äh…“

„Hast du immer noch deine Zweifel? Sprich sie aus. Deswegen bin ich hier, um deine Fragen zu beantworten.“

„Äh, ja, Sir. Sie sagten, der Posten habe keine Atombombe bei sich. Aber er hat doch eine; das ist der springende Punkt. Das heißt, wir hätten eine am Gürtel, wenn wir der Wachposten dort wären… und die Wahrscheinlichkeit, daß der Gegner sie auch besitzt, ist groß.“

„Ich verstehe dich.“

„Nun… das ist es doch, Sir, was ich nicht begreife. Wenn wir eine Wasserstoffbombe verwenden können, und, wie Sie sagen, es kein Spiel mehr ist, sondern Krieg, der Ernstfall – ist es dann nicht widersinnig, im Gras herumzukriechen und Messer zu werfen, sich möglicherweise den Tod dabei zu holen und sogar den Krieg zu verlieren, obwohl man eine richtige Waffe hat, mit der man gewinnen kann? Was ist das für eine Logik, die verlangt, daß eine Menge Leute ihr Leben mit veralteten Waffen aufs Spiel setzen, wenn ein einziger Professor viel mehr ausrichten kann, indem er nur auf einen Knopf drückt?“

Zim antwortete nicht sofort, was gar nicht seine Art war. Dann sagte er leise: „Fühlst du dich wohl bei der Infanterie, Hendrick? Du kannst deinen Abschied nehmen, wie du weißt.“

Hendrick stotterte irgend etwas; Zim sagte: „Sag es klar und deutlich!“

„Meinen Abschied? Nein, Sir, ich werde meine Dienstzeit ableisten.“

„Also gut. Nun, die Frage, die du mir gestellt hast, dürfte ein Sergeant eigentlich nicht beantworten, und du solltest sie eigentlich auch nicht an mich richten. Man erwartet von dir, daß du die Antwort schon kennst, ehe du dich zum Wehrdienst meldest. Hast du in deiner Schule Unterricht in Geschichte und Moralphilosophie gehabt?“

„Wie bitte? Sicher – ja, Sir.“

„Dann müßtest du also auch die Antwort kennen. Aber ich gebe sie dir trotzdem – inoffiziell – meine persönliche Meinung. Wenn du ein Kind bestrafen willst, würdest du ihm dann gleich den Kopf abhacken?“

„Wie bitte… nein, Sir!“

„Natürlich nicht. Du gibst ihm einen Klaps auf den Hintern oder eine Tracht Prügel. Nun können sich Umstände ergeben, unter denen es genauso töricht wäre, eine Stadt des Gegners mit einer Wasserstoffbombe zu vernichten, wie ein Baby mit einer Axt zu vertrimmen. Denn Krieg ist nicht Gewalt und Vernichtung schlechthin. Ein Krieg ist kontrollierte Gewalttätigkeit zu einem Zweck. Der Zweck eines Krieges ist die Unterstützung einer Regierungsentscheidung mit gewalttätigen Mitteln. Der Zweck des Krieges ist niemals der Tod des Gegners als Selbstzweck, sondern ein Mittel, ihn zu zwingen, das zu tun, was du von ihm verlangst. Nicht seine Vernichtung… sondern kontrollierte und sinnvolle Gewalt. Aber es ist nicht deine und meine Aufgabe, zu entscheiden, welchen Zweck die Gewalt erfüllen soll. Es ist niemals die Aufgabe eines Soldaten, zu entscheiden, wann – oder wie – oder wo – oder warum er kämpft. Das obliegt den Staatsmännern und den Generälen. Die Staatsmänner entscheiden, warum und wie groß die Gewalt sein muß, die Generäle übernehmen dann deren Entscheidung und sagen uns, wo und wann und wie. Wir üben dann die Gewalt aus; andere Leute – ältere und klügere Köpfe, wie man zu sagen pflegt – stellen die Kontrolle. So, wie es auch sein soll. Das ist die beste Antwort, die ich dir geben kann. Wenn sie dir nicht genügt, gebe ich dir einen Zettel mit, damit du den Regimentskommandeur sprechen kannst. Wenn er dich nicht überzeugen kann, dann geh nach Hause und werde wieder ein Zivilist! Denn in diesem Fall wirst du wahrscheinlich niemals ein Soldat werden.“

Er sprang auf die Füße. „Ihr wollt euch wohl nur drücken, weil ihr mich reden laßt. Auf, Soldaten! Ein bißchen munter! Auf Gefechtsstation, Ziel frei – Hendrick, Sie zuerst. Diesmal möchte ich, daß Sie das Messer in südliche Richtung werfen. Nach Süden, verstanden? Nicht nach Norden. Das Ziel befindet sich genau südlich von Ihnen, und ich möchte, daß Sie das Messer wenigstens ungefähr in südlicher Richtung werfen. Ich weiß, Sie werden es nicht treffen, aber vielleicht können Sie es ein bißchen einschüchtern. Und schneiden Sie sich nicht dabei das Ohr ab! Und daß es Ihnen nicht aus der Hand rutscht und aus Versehen einen Hintermann verletzt – konzentrieren Sie nur Ihr bißchen Gehirn darauf, daß das Ziel sich südlich von Ihnen befindet! Fertig – Ziel frei! Werfen!

Hendrick warf wieder daneben.

Schon ganz anders als im Film, nicht? Der Wechsel vom Du zum Sie gegenüber Hendrick ist übrigens ein originaler Lapsus des Übersetzers.

Der nächste Abschnitt spielt, nachdem eben jener Hendrick im Rahmen einer Gefechtsübung gegen Zim tätlich geworden war und ihm ein Veilchen verpaßt hat. Zim hatte versucht, diesen Vorfall gegenüber dem Bataillonskommandeur, Captain Frankel, herunterzuspielen und als bloße Befehlsverweigerung darzustellen, um Hendrick die Konsequenzen zu ersparen. Captain Frankel konnte sich denken, was wirklich vorgefallen ist, spielte aber ebenfalls mit und verdonnerte Hendrick zu dreißig Tagen Arrest, diversen Strafdiensten und der Reduzierung seiner Abendmahlzeit während der Strafdauer auf Wasser und Brot. Hendrick war empört mit seiner Darstellung herausgeplatzt, daß Zim ihn mit den Händen geschlagen und zu Boden geworfen habe, weil er sich nach dem Befehl „Einfrieren!“ noch von einem Stechameisennest wegbewegt hatte, auf dem er beim Deckungnehmen gelandet war. Dabei sei er aufgesprungen und habe Zim eine verpaßt…

Nach dieser Aussage vor Zeugen – zwei Wachsoldaten und unserem Ordonnanzdienst leistenden Romanhelden Johnnie Rico – war Frankel nichts anderes übrig geblieben, als Hendrick wegen „Schlagens eines Vorgesetzten im Dienst“, (einer der „31 Bruchlandungen“), verschärft durch den Umstand, daß die Terranische Föderation sich zu dieser Zeit im Alarmzustand befand, zu zehn Peitschenhieben und Ausstoßung aus der Armee wegen schlechter Führung zu verurteilen.

In weiterer Folge hatte Johnnie Rico unbemerkt noch mitbekommen, wie Zim sich in einem Gespräch mit Frankel Selbstvorwürfe gemacht hatte, weil er Hendrick überhaupt erst Gelegenheit zu diesem Angriff gegeben hatte. In der Nacht nach Hendricks Verstoßung aus der Armee hatte Rico seinen moralischen Tiefpunkt erreicht; er hatte lange über die Sache nachgegrübelt und war – bestärkt durch einen Brief seiner Mutter, in dem sie ihm geschildert hatte, wie sein Vater schweigend unter der Entscheidung seines Sohnes für den Wehrdienst litt – zum Schluß gekommen, daß es Zeit sei, auszusteigen, bevor er einmal die Nerven verlieren und eine „Bruchlandung“ bauen würde. Am nächsten Tag würde er um seine Entlassung ansuchen:

(mehr …)

Robert Heinleins Sternenkrieger (3): Kapitel 3

Von Robert Anson Heinlein; aus der deutschen Erstausgabe von 1979 (ISBN 3-404-01280-1), übersetzt von Bodo Baumann. Das Original „Starship Troopers“ wurde 1959 veröffentlicht. Zuvor hier erschienen: Kapitel 1 und Kapitel 2.

Und er soll sie weiden mit einem eisernen Stabe.
Offenbarung II : 27

Meine Grundausbildung erhielt ich in Camp Arthur Currie auf den nördlichen Prärien, zusammen mit ein paar tausend anderen Opfern, und wenn ich ‚Lager’ sage, so ist das wörtlich zu nehmen, denn die einzigen festen Gebäude dort waren für die Lagerung der Ausrüstung bestimmt. Wir schliefen und aßen in Zelten; wir lebten im Freien – wenn man das als ‚Leben’ bezeichnen kann, was ich damals nicht konnte. Ich war an ein warmes Klima gewöhnt; für mich schien der Nordpol nur noch fünf Meilen vom Lager entfernt zu sein und jeden Tag näherzukommen. Zweifellos stand uns eine Eiszeit ins Haus.

Doch Bewegung hält warm, und sie sorgten dafür, daß wir reichlich Bewegung erhielten.

Der erste Morgen im Lager begann schon vor Tagesanbruch. Ich hatte Mühe gehabt, mich der Zeitverschiebung anzupassen, und es kam mir so vor, als wäre ich gerade erst eingeschlafen. Ich konnte mir nicht vorstellen, daß jemand ernsthaft von mir verlangte, ich solle mitten in der Nacht aufstehen. Aber sie verlangten es. Irgendwo plärrte ein Lautsprecher Marschmusik in einer Phonzahl, die selbst Tote aufgeweckt hätte, und ein stark behaartes Individuum, das die Lagerstraße heruntergetrampelt kam, brüllte: „Alles aufstehen! Raus aus den Federn! Marsch! Marsch!“, kehrte im Galopp zurück, als ich mir gerade die Decke über den Kopf ziehen wollte, kippte meine Koje um und schüttete mich auf die kalte, harte Erde.

Es war nichts Persönliches; er blieb nicht einmal so lange im Zelt, um zuzusehen, wie mir das Wecken bekam.

Zehn Minuten später, bekleidet mit Hose, Hemd und Schuhen, stand ich zusammen mit den anderen in einer Ziehharmonika-Linie, zur Freiübung angetreten, als die Sonne gerade mit ihrem Scheitel am östlichen Horizont auftauchte. Vor der Linie stand ein breitschultriger, tückisch aussehender Hüne, in Unterhemd und Hose wie wir – nur mit dem Unterschied, daß ich aussah und mich fühlte wie eine einbalsamierte Leiche, während sein Kinn frisch rasiert glänzte, seine Hose eine messerscharfe Bügelfalte hatte, man sich in seinen Schuhen einen Scheitel ziehen konnte und er sehr munter, aufgeweckt, hellwach und ausgeschlafen aussah. Man hatte den Eindruck, daß er überhaupt keinen Schlaf brauchte, nur alle zehntausend Meilen eine Inspektion – und dazwischen lediglich ein bißchen Staub-Abwischen.

Kompanieee – Achtunggg… stillgestanden!“ bellte er. „Ich bin Career Ship’s Sergeant Zim, euer Kompanieführer. Wenn ihr mich anredet, macht ihr eine Ehrenbezeugung und sagt ‚Sir’. Ihr grüßt jeden und sagt ‚Sir’ zu ihm, der so einen Kommandostock unter dem Arm trägt.“ Er hielt so einen Stock in der Hand und schlug rasch ein Rad damit hinter seinem Rücken, um uns zu zeigen, was er unter einem Kommandostock verstand. Als wir am Abend zuvor im Camp eingetroffen waren, waren mir bereits ein paar Männer mit diesem Stock aufgefallen. Diese Stöcke sahen hübsch und elegant aus, und ich hatte mir vorgenommen, mir ebenfalls einen zu besorgen – doch jetzt änderte ich meine Meinung.

(mehr …)

Robert Heinleins Sternenkrieger (2): Kapitel 2

Von Robert Anson Heinlein; aus der deutschen Erstausgabe von 1979 (ISBN 3-404-01280-1), übersetzt von Bodo Baumann. Das Original „Starship Troopers“ wurde 1959 veröffentlicht. Zuvor hier erschienen: Heinleins Sternenkrieger (1): Kapitel 1.

It scared me so, I hooked it off,
Nor stopped as I remember,
Nor turned about till I got home,
Locked up in mother’s chamber.
Yankee doodle, keep it up,
Yankee doodle dandy,
Mind the music and the step,
And with the girls be handy.

Ich hatte nie ernsthaft vor, anzumustern.

Und schon gar nicht bei der Infanterie! Ich hätte mich lieber öffentlich auspeitschen und mir den Vorwurf meines Vaters gefallen lassen, daß ich seinen stolzen Namen beschmutzt hätte. Oh, ich hatte mal etwas meinem Vater gegenüber verlauten lassen, gegen Ende meiner Schulzeit in der Abiturklasse, daß ich mich mit dem Gedanken beschäftigte, ob ich mich nicht freiwillig zur Armee melden sollte. Vermutlich trägt sich jeder Junge mit diesem Gedanken, wenn sein achtzehnter Geburtstag heranrückt, und meiner fiel in die Woche unseres Abschlußexamens. Natürlich spielen die meisten von ihnen nur mit dem Gedanken, sich zu bewerben, und tun dann doch etwas anderes – gehen aufs College, besorgen sich einen Job oder dergleichen. Vermutlich hätte ich das auch getan, wenn nicht mein bester Freund sich mit der todernsten Absicht getragen hätte, dem Militär beizutreten.

Carl und ich hatten in der Oberschule alles immer gemeinsam unternommen – den Mädchen nachgesehen, sie gleichzeitig zum Rendezvous bestellt, im gleichen Klub debattiert und zusammen in seinem Heimlaboratorium die Elektronen gebändigt. Ich war kein großes Licht in theoretischer Elektronik, aber ich konnte geschickt mit einem Lötkolben umgehen. Carl sorgte für das Gehirnschmalz, und ich führte seine Anweisungen aus. Es machte Spaß. Alles, was wir gemeinsam anstellten, machte Spaß. Carls Eltern besaßen nicht annähernd so viel Geld wie mein Vater, aber das hatte keinen Einfluß auf unser Verhältnis. Als mein Vater mir zu meinem vierzehnten Geburtstag einen Rolls-Copter schenkte, gehörte er Carl genauso wie mir. Im umgekehrten Sinne galt das auch für sein Laboratorium.

Deshalb gab es mir zu denken, als Carl mir anvertraute, daß er sein Studium unterbrechen und erst seinen Wehrdienst leisten würde. Er meinte es wirklich so, wie er es sagte. Offenbar hielt er das für eine richtige und naheliegende Entscheidung.

Deshalb sagte ich ihm, ich würde mich freiwillig melden. Er warf mir einen seltsamen Blick zu. „Dein alter Herr wird das nicht erlauben.“

„Ha? Wie könnte er das verhindern?“ Und selbstverständlich konnte er das auch nicht, nicht gesetzlich. Es ist die erste vollkommen freie Entscheidung (und vielleicht die letzte), die ein Junge oder ein Mädchen treffen kann, wenn er – oder sie – achtzehn Jahre alt wird. Sie können sich freiwillig zum Wehrdienst melden, und kein anderer darf ihnen in dieser Sache etwas dreinreden.

„Warte es nur ab.“ Carl wechselte das Thema.

Also setzte ich mich mit meinem Vater auseinander, vorsichtig, auf Umwegen.

Er legte seine Zeitung und seine Zigarre beiseite und starrte mich an. „Bist du verrückt geworden, Sohn?“

„Ich glaube nicht“, murmelte ich.

„Nun, es hört sich aber so an“. Er seufzte. „Trotzdem… ich hätte so etwas erwarten müssen; es ist eine voraussehbare Phase bei einem heranwachsenden jungen Mann. Ich erinnere mich noch daran, als du das Gehen lerntest und kein Baby mehr warst – offen gestanden warst du eine Zeitlang ein kleiner Teufel. Du zerbrachst damals eine von Mutters Ming-Vasen – absichtlich. Da bin ich ganz sicher… aber du warst noch zu jung, um zu begreifen, daß es sich
um ein kostbares Stück handelte. Also bekamst du nur einen Klaps auf die Hand. Ich kann mich auch noch gut an den Tag erinnern, als du mir eine Zigarre stahlst – und wie schlecht es dir davon wurde. Deine Mutter und ich haben damals absichtlich vermieden, dich zur Rede zu stellen, als du dann kein Abendbrot essen konntest, und es ist das erste Mal, daß ich zu dir darüber spreche. Kinder müssen solche Dinge ausprobieren und selbst darauf kommen, daß ihnen die Laster der Erwachsenen schaden. Wir sahen dir zu, wie du den Wendepunkt zwischen Kindheit und Jüngling erreichtest und dir bewußt wurde, daß Mädchen anders sind – und wunderbar.“ Er seufzte erneut. „Alles normale Entwicklungsstufen. Und dann die letzte Phase, ehe man richtig erwachsen ist, in der ein Junge sich entschließt, zum Militär zu gehen und eine hübsche Uniform zu tragen. Oder er ist überzeugt, es sei die große Liebe, so groß, wie sie noch keiner vor ihm erlebt hat – und daß er sie auf der Stelle heiraten müsse. Oder beides.“ Er lächelte grimmig. „Bei mir war es beides. Aber ich kam in beiden Fällen noch rechtzeitig auf den Boden, der Wirklichkeit zurück, ehe ich einen Narren aus mir machte und mein Leben ruinierte.“

„Aber, Vater, ich würde mein Leben nicht ruinieren. Ich werde nur Zeitsoldat – mache keine Karriere daraus.“

„Dann diskutieren wir es aus, okay? Ich werde dir sagen, was du tun wirst – weil du es von mir hören willst. Also hör zu. Erstens hat sich diese Familie seit mehr als hundert Jahren aus der Politik herausgehalten und sich nur um ihre eigenen Angelegenheiten gekümmert. Ich sehe keinen Anlaß, warum du diese stolze Tradition unterbrechen solltest. Vermutlich steckt dieser Bursche an deiner Schule dahinter – wie heißt er doch gleich? Du weißt schon, wen ich meine!“

Er bezog sich auf unseren Lehrer für Geschichte und Moralphilosophie – selbstverständlich ein ehemaliger Soldat. „Mr. Dubois.“

„Ahem, ein blöder Name – paßt zu ihm. Zweifellos ein Ausländer. Es sollte untersagt werden, die Schulen als getarnte Rekrutierungsstationen zu benützen. Ich denke, ich sollte einen Beschwerdebrief schreiben – ein Steuerzahler hat auch Rechte!“

„Aber Vater! Er wirbt doch gar nicht! Er…“ Ich unterbrach mich, weil ich nicht wußte, wie ich ihn beschreiben sollte. Mr. Dubois hatte eine schnoddrige, anmaßende Art. Er behandelte uns so, als wäre keiner von uns wirklich gut genug für den Militärdienst. Ich mochte ihn nicht. „Er tut eher das Gegenteil, entmutigt uns.“

„Ahem! Weißt du nicht, wie man einen Esel aufs Eis lockt? Nun, lassen wir das. Wenn du das Examen bestehst, wirst du Betriebswirtschaft in Harvard studieren; das weißt du bereits. Danach verbringst du ein paar Semester an der Sorbonne, gehst auf Reisen, machst dich mit unseren Generalvertretungen bekannt und schnupperst ein bißchen bei der Konkurrenz hinein. Dann kommst du wieder nach Hause und gehst an die Arbeit. Du wirst ganz unten anfangen, als Knochenarbeiter, Lagerverwalter oder ähnliches, aber das ist nur Formsache. Denn ehe du dich versiehst, wirst du dich auf einem leitenden Posten wiederfinden, weil ich nicht jünger werde. Und je früher du dir Verantwortung auf die Schulter lädst, umso besser ist es für dich. Sobald du tüchtig und verantwortungsbewußt genug dafür bist, wirst du der Boß sein. Nun, wie gefällt dir dieses Programm? Willst du statt dessen zwei Jahre deines Lebens vergeuden?“

Ich sagte nichts dazu. Es war keine Neuigkeit für mich, und ich hatte gründlich darüber nachgedacht. Vater stand auf und legte eine Hand auf meine Schulter. „Glaube nicht, mein Sohn, daß ich nicht mit dir sympathisiere; ich fühle mit dir. Aber halten wir uns doch an die Tatsachen. Hätten wir einen Krieg, wäre ich der erste, der dich ermunterte – und der seine Firma auf den Kriegsbedarf umstellte. Aber wir befinden uns nicht in einem Krieg und, gottlob, wird es keinen Krieg mehr geben. Wir haben den Krieg überwunden. Auf diesem Planeten herrschen Frieden und Glück, und wir unterhalten sehr gute Beziehungen zu anderen Planeten. Was bedeutet also diese sogenannte ‚Bundes-Wehr’? Schmarotzertum, nichts anderes. Eine funktionslose Einrichtung, ein nutzloses Fossil, das dem Steuerzahler auf der
Tasche liegt. Eine sündhaft teure Art, minderwertige Leute ein paar Jahre lang auf öffentliche Kosten zu beschäftigen, die sonst arbeitslos sein würden und sich anschließend bis zu ihrem Lebensende noch damit brüsten. Willst du so ein Schmarotzer werden?“

„Carl ist nicht minderwertig!“

„Entschuldigung, nein, er ist ein ordentlicher Junge… aber falsch beeinflußt.“ Sein finsteres Gesicht hellte sich auf, und er lächelte mich an. „Ich hatte dich eigentlich damit überraschen wollen, mein Sohn – als Geschenk für dein bestandenes Examen. Aber ich werde es dir jetzt schon verraten, damit du dir diesen Unsinn leichter aus dem Kopf zu schlagen vermagst. Nicht, daß mir bange wäre, du könntest aus der Art schlagen; ich habe Vertrauen zu deinen guten Anlagen, obwohl du noch sehr jung bist. Aber du bist verwirrt, ich weiß – und dieses Geschenk wird deine Grillen vertreiben. Kannst du raten, was es ist?“

„Äh – nein.“

Er grinste. „Eine Erholungsreise zum Mars.“

Ich war wie vom Donner gerührt. „Himmel, Vater, ich hatte ja keine Ahnung…“

„Es sollte eine Überraschung sein, und wie ich sehe, ist sie mir auch gelungen. Ich weiß, wie reisewütig ihr jungen Leute seid, obgleich ich nicht verstehe, was man daran findet, wenn man zum ersten Mal auf einem anderen Planeten gewesen ist. Aber für dich ist es genau die richtige Zeit, so eine Reise zu unternehmen – ganz allein; erwähnte ich das schon? – und auf andere Gedanken zu kommen… denn wenn du erst einmal in Amt und Würden bist, hast du so viele Dinge um die Ohren, daß du dir nicht einmal eine Woche für Luna freinehmen kannst.“

Er nahm seine Papiere wieder hoch. „Nein, bedanke dich jetzt nicht, zieh los und laß mich dieses Memorandum fertigstellen – ich erwarte in Kürze ein paar Herren. Geschäftlich.“

Ich empfahl mich. Ich glaube, er dachte, damit sei das Problem erledigt… und vermutlich dachte ich das auch. Mars! Eine Urlaubsreise zum Mars ohne meine Eltern! Doch ich erwähnte Carl gegenüber nichts davon; ich hatte den leisen Verdacht, daß er die Reise als Bestechung auslegen würde. Vielleicht war sie das auch. Ich sagte ihm nur, daß meine Ansichten und die meines Vaters sich offenbar nicht deckten.

„Meiner ist auch dagegen“, erwiderte er. „Aber es ist mein Leben.“

(mehr …)