Von der „Great Society“ zum Großen Verrat

Von Andrei Kievsky, übersetzt von Deep Roots (ursprünglich für „As der Schwerter“). Das Original From the Great Society to the Great Betrayal erschien am 25. Januar 2011 auf Counter-Currents Publishing.

Lyndon Johnsons „Great Society” der 1960er quartierte Millionen von Schwarzen und Hispanics der Städte in großzügigen Wohnungen samt Wohlfahrtszahlungen ein. Vor der Great Society nahm niemand an, dauerhaft von Regierungszuwendungen leben zu können, außer vielleicht versehrte Veteranen.

Das Wohlfahrtssystem der Regierungen Johnson und Nixon, das während des Maximums der amerikanischen Ölproduktion (die US-Ölproduktion erreichte 1971 ihren Höhepunkt) und eines hohen Wohlstands eingerichtet wurde, den man für dauerhaft hielt, erzeugte Generationen nicht beschäftigungsfähigen Gesindels und förderte dessen stetiges demographisches Wachstum. Liberale soziale Wohlfahrt läuft auf eine geburtenfördernde Politik zugunsten von Leuten hinaus, die keinen Job behalten können!

Wir können annehmen, daß es der Zweck der städtischen Wohlfahrtsprogramme war, die Demokratie durch „Stimmenkauf“ zu unterwandern. Als ich im „Harbor Point“-Komplex in Dorchester, Massachusetts lebte, gleich außerhalb von Boston, zahlte ich eine Monatsmiete von 1.300 Dollar. Meine schwarzen und hispanischen Nachbarn, von denen viele erst seit kurzem aus einem tragfähigeren, ländlichen Leben in Mittelamerika eingewandert waren, zahlten nichts. Ihre Miete wurde subventioniert, sodaß sie nur für 30 % des „Marktbetrages“ (der 1.300 Dollar, die ich zahlte) verantwortlich waren, und andere Programme deckten diesen Restbetrag ab. Also arbeitete niemand von ihnen! Hunderte arbeitsfähiger Erwachsener, die zwei U-Bahn-Haltestellen von der Bostoner Innenstadt entfernt lebten, hingen einfach herum und nahmen erstklassigen Immobilienraum ein, während vorstädtische Weiße zwei Stunden in jede Richtung durch Verkehrsstaus zur Arbeit pendeln mußten und hohe Hypotheken und hohe Steuern für die Einwohner von Dorchester zahlten. Ich weiß das, denn ich pendelte früher von Dorchester zu einem Hightech-Job in Waltham, und ich brauchte 1,5 bis 2 Stunden für 20 Meilen.

Ich hatte einen Nachbarn aus Mittelamerika, der 1974 in die Vereinigten Staaten gekommen war und „das System zu melken“ wußte. Er hatte nie einen bezahlten Job, aber er war einer der energischsten ehrenamtlichen Helfer der Demokratischen Partei. So sehr, daß er die Limousine von Al Gore fuhr, als dieser in Boston war. Er hatte vier Kinder. Wir hatten eine andere Familie, die aus Puerto Rico zuzog, als ich dort war (dies war 1989). Es war eine Mutter mit vier Kindern, eines davon in den 20ern, die keinen Job hatte. Die Mutter heiratete schließlich diesen Nachbarn, der für die Demokraten arbeitete. Nun hatte der Ehrenamtliche für die Demokraten ein sehr starkes Anti-Arbeitsethos, denn er wußte, daß man aus den großzügigen Wohlfahrtsprogrammen rausfliegen würde, wenn man Anzeichen von Arbeitsmarktfähigkeit zeigte. Der neu angekommenen Puertoricanerin fehlte dieses starke Anti-Arbeitsethos, und eines Tages beklagte sie sich mir gegenüber darüber, daß das Leben hart wäre, weil sie arm sei. Damals war gerade der Hightech-Boom auf seinem Höhepunkt, und Boston war natürlich ein Hightech-Zentrum. Es gab ein wahres Füllhorn von Hightech-Jobs bloße zwei U-Bahn-Stationen entfernt bei den vielen Finanzfirmen und Banken wie Price Waterhouse, State Street Bank, Bank of Boston und buchstäblich Hunderten mehr. Sie würden sehr bereitwillig eine braune Frau einstellen, besonders eine, die Computer reparieren konnte, angesichts dessen, daß dieses demographische Segment in der Informationstechnologie ziemlich unterrepräsentiert war.

Diese Dame, die ich Maria nennen werde (nicht ihr wirklicher Name), war eine wahrhaft anständige Person. Sie hielt ihre Kinder sauber und diszipliniert (mehr als ihr neuer Ehemann) und ihr Haus sauber. Sie hatte einen überdurchschnittlichen Intellekt und ein echtes Arbeitsethos. Und eines Tages beklagt sie sich, daß sie arm ist.

Das Leben in Dorchester, die Vandalisierung meines Autos durch meine Nachbarn, und daß ich von Müßiggängern „reicher weißer Junge“ genannt wurde, hatten bereits dazu geführt, daß ich mir pro-weiße Organisationen und Webseiten angesehen hatte. Ich war ein Abonnent von „American Renaissance“ und Mitglied des „Council of Conservative Citizens“, und ich stieg gerade in den öffentlichen pro-weißen Aktivismus im Raum Boston ein.

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Wie COVID-19 den Westen auf die Probe stellen wird

Von Dr. Andrew Joyce, übersetzt von Lucifex. Das Original How COVID-19 Will Test the West erschien am 21. März 2020 auf The Occidental Observer.

„Wenn der Ärger kommt, wenn man ihn am wenigsten erwartet, dann sollte man ihn vielleicht immer erwarten.“

Cormac McCarthy, The Road

Zum jetzigen Zeitpunkt über COVID-19 zu schreiben, ist eine entmutigende Aufgabe, nachdem die Situation sich so schnell und an so vielen verschiedenen Orten entwickelt. In diesem Artikel enthaltene Informationen könnten durch umformende Ereignisse gründlich überholt sein, bis er veröffentlicht wird, oder sogar bis ich ihn fertigstelle und auf „Speichern“ klicke. Es gibt zur Zeit auch eine Schwemme von Informationen online, manches davon verläßlich und faszinierend, und manches davon irreführend und kontraproduktiv. Überall gibt es eine Mischung aus wachsender Besorgnis, aufeinanderprallenden Meinungen und ausgesprochener Verwirrung. Falls die interaktive Karte des Johns Hopkins Coronavirus Resource Center stimmt, dann gibt es gegenwärtig weltweit 284.566 Fälle von COVID-19, eine wachsende Zahl. Die „wahre“ Zahl der Infektionen, in der Virusträger ohne Symptome enthalten sind, wird viel höher sein. Ab 24. Februar entstand eine sich beschleunigende Zahl von neuen Übertragungen außerhalb Chinas, vorwiegend in Italien, wo es gegenwärtig über 47.021 Fälle gibt. Zu der Zeit, wo ich dies schreibe, erleben Frankreich und Deutschland ebenfalls schnelle Zunahmen der betroffenen Personen, die zusammengenommen über 33.000 Fälle ausmachen, und Spanien steht mit über 25.364 vor einer nationalen Sperrung. Fast jedes europäische Land ist jetzt betroffen, und COVID-19 breitet sich nun in den Vereinigten Staaten, in Kanada, Südafrika, Neuseeland und Australien aus. Wie wird es den Westen auf die Probe stellen?

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Die willigen Vollstrecker des Progressivismus

Von James Lawrence, übersetzt von Lucifex. Das Original Progressivism’s Willing Executioners erschien am 18. September 2019 auf Counter-Currents Publishing.

Die jüngste Welle von weiß-nationalistischen Massenerschießungen ist von den progressiven Medien aufgegriffen worden, die hart daran arbeiten, jede davon in Wasser auf der Mühle der gesteigerten Überwachung und Unterdrückung weißer Männer zu verwandeln. Ich stelle mir vor, daß sie ein Gefühl der Rechtfertigung, sogar des Erfolgs haben müssen, unter den protestierenden Bekennungen zu empörter universaler Liebe. Was zuerst als bescheidene Verleumdung lange vor der Mehrzahl der Tötungen erfunden wurde, nämlich die Fake News, daß weiß-nationalistischer Terrorismus eine größere Bedrohung sei als jener von Linken und ihren ausländischen Verbündeten, wird nun vor unseren Augen schnell zu einer Tatsache. Und wir würden von dem Trick sicherlich getäuscht werden, wenn wir nicht gesehen hätten, wie er sich im Fall der „Neonazi-Alt-Right“ abspielte, die am Ende jeder gegen sie gerichteten Verleumdung der Medien gerecht wurde.

Bevor ein junger weißer Mann sein Leben zusammen mit dem von anderen wegwerfen kann, um einen weiß-nationalen Terrorakt als Wasser auf die Mühlen der Medien zu begehen, muß eine Anzahl von Hürden in seinem Kopf weggeräumt werden. Zuallererst muß er „radikalisiert“ werden, d. h. im Grunde sich bewußt werden, daß weiße Männer im Westen angegriffen werden, und wütend genug, um sich zu politischer Gewalt zu entschließen. Dann muß er seine Absicht in einer Weise ausführen, daß es das progressive Narrativ bezüglich „Rassismus“ bestätigt – was vor allem bedeutet, seinen Zorn nicht gegen die großteils weißen Leute an der Macht zu richten, sondern gegen zufällig ausgewählte Unschuldige in Minderheitengruppen, die kollektiv mit den Machthabern verbündet sind. Und schließlich muß etwas den naheliegenden Einwand übersteuern, daß seine Taten die Dinge nur noch schlechter machen werden, indem sie weitere Gründe für den Krieg gegen weiße Männer liefern. Diese Hürden plus Tod oder lebenslängliches Gefängnis wären genug, um fast jeden abzuschrecken, daher können wir annehmen, daß eine ausgeklügelte terroristische Ideologie nötig ist, um sie alle zu beseitigen.

Wenn wir diese Ideologie verstehen würden, könnten wie die Manifeste konsultieren, die von den Killern Dylann Roof, Brenton Tarrant, John Earnest und Patrick Crusius geschrieben wurden (sie hier zu verlinken hieße, diese Seite oder gewisse Kategorien ihrer Leser zu gefährden, aber sie alle sind leicht genug zu finden). Sie liefern ausreichend Beweise, daß die Autoren im Grunde geistig gesund und klarsichtig waren; daß sie keine stereotypischen irrationalen, hasserfüllten „Rassisten“ waren (Roof wuchs ohne Feindseligkeit unter Schwarzen auf, Tarrant spricht in hohen Tönen über Drittweltvölker, Crusius zeigt keinen persönlichen Hass gegen Hispanics); und daß die meisten von ihnen nicht so tief in rechten Vorstellungen steckten, daß sie zu nuanciertem Denken unfähig wären. Ohne Ausnahme waren sie primär von jüngsten politischen Entwicklungen motiviert – darunter der Trayvon-Hoax, die Rassenaustauschpolitik und die Tolerierung von islamischem Terror in europäischen Ländern und die Aussicht auf eine Übernahme der Vereinigten Staaten durch die Demokratische Partei mittels ihres Wählerimport-Schwindels. (Earnests Manifest erscheint auf den ersten Blick als Ausnahme, da er atavistischen Antisemitismus zur Schau trägt, aber es ist klar, daß er einfach „den Juden“ die Schuld an den neuesten Verrücktheiten der fortlaufenden Kulturrevolution im Westen gibt.)

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Was der Kapitalismus noch zu sagen hat

Von Michael Walker, übersetzt von Lucifex. Das Original What Capitalism Has Left to Say erschien am 12. August 2019 auf Counter-Currents Publishing. [Anm. d. Ü.: der Originaltitel könnte ein doppeldeutiges Wortspiel sein, mit der möglichen anderen Bedeutung: „Was der Kapitalismus der Linken zu sagen hat“.]

Charles Robin
La gauche du capital: libéralisme culturel et idéologie du Marché
Paris: Krisis, 2014

Auf den Fußspuren von Jean-Claude Michéa (dessen Our Enemy: Capital ich für Counter-Currents rezensiert habe) veröffentlichte Charles Robin, ein ehemaliger Militanter in der Linksaußenpartei Nouveau parti antcapitaliste (NPA), im Jahr 2014 ein Buch mit dem Titel La Gauche du Capital: libéralisme culturel et idéologie du Marché (Die Linke des Kapitals: Kulturliberalismus und Marktideologie). Es besteht aus einer Anzahl kritischer Essays über den Liberalismus und seine typische Beziehung zum Kapitalismus. Der erste davon, „Le Liberalisme comme Volonté et comme Representation“ („Liberalismus als Wille und Idee“) ist bei weitem der längste und nimmt 86 der 243 Seiten ein. Diese Wortschöpfung, die dem Titel von Arthur Schopenhauers berühmtestem Werk (Die Welt als Wille und Idee) entlehnt ist, verweist auf die Hauptthese des Buches, nämlich daß es nicht viele unabhängige Arten von Liberalismus gibt, sondern nur eine: eine monolithische, „totalisierende“ (Robin verwendet nicht das Wort „totalitär“) Weltsicht, getrieben vom Willen, alles plattzumachen und zu vernichten, was sich ihr widersetzt.

Robins Ziel ist, eine radikale Untersuchung des Liberalismus zu liefern. Sein Argument ist, daß alle Arten von Liberalismus – insbesondere einschließlich dessen, was er als die beiden Hauptformen sieht, den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Liberalismus – Manifestationen einer Ideologie sind und ontologisch in Wechselbeziehung stehen. Eine Analogie von Pierre Bérard im selben Sinne wird aus einem Interview für das französische „neurechte“ Journal Éléments zitiert: Zusammen, sagt er, demonstrieren der Liberalismus in der Wirtschaft und der gesellschaftliche Liberalismus „die sehr hervorstechende Versöhnung des Castor und Pollux des doppelten liberalen Denkens.“[1] Im selben Sinne lautet Robins Argument, daß die „menschliche Vielfalt“, die überall in der westlichen Welt gepriesen wird, sich auf der einen Seite im Engagement der Linken für „freie Bewegung von Menschen“ und „keine Grenzen“ widerspiegelt und auf der anderen Seite im Engagement des Kapitalismus für „die freie Bewegung von Kapital und Arbeitskräften.“ Engagement für Toleranz und Vielfalt und Engagement für Fortschritt und Profit sind dasselbe Engagement, da sie derselben liberalen Quelle entspringen.

Liberalismus wird von verschiedenen Autoren und sogar in verschiedenen nationalen Traditionen in sehr verschiedener Weise verstanden. Liberalismus scheint in Frankreich, Britannien und den Vereinigten Staaten nicht dasselbe Phänomen auszudrücken. Ich sage „scheint“, weil es genau Robins Überzeugung ist, daß verschiedene Autoren in der Betrachtung verschiedener Aspekte des Liberalismus nicht mehr oder weniger recht haben, sondern keine holistische Sicht auf den Liberalismus haben und ihn daher nicht richtig verstehen. Diejenigen, die den Liberalismus als nur links sehen, als nur laissez-faire-kapitalistisch oder nur als permissive Gesellschaftspolitik, betrachten den Liberalismus, ohne das zu erkennen, was Robin die „Prüfsteine“ der liberalen Ideologie nennt.

Überraschenderweise streicht Robin nicht die verschiedenen Konnotationen hervor, die das Wort „liberal“ in verschiedenen Ländern zu haben tendiert, Konnotationen, die durch Unterschiede in der nationalen Geschichte erklärt werden können. Wie entstand der Liberalismus? In Britannien bezog der Begriff sich ursprünglich auf die sogenannten Whigs – die protestantischere Klasse von Freihändlern, die den liberalen Manchesterkapitalismus förderten, der mehr Rechte für die Stadt und die Produktion gegenüber den wirtschaftlichen Interessen der Landwirtschaft und des Reichtums aus Landverpachtung forderte (tatsächlich wurde die erste große liberale Tageszeitung in England in Manchester veröffentlicht, der Manchester Guardian). Die Gegner der Whigs wurden durch die Partei der Krone repräsentiert, die Tories. Im Laufe der Zeit und besonders mit dem Aufstieg der Labour Party wurde der Begriff „liberal“ zumindest in Britannien zunehmend als auf jene bezogen verstanden, die einen gemäßigten dritten Weg zwischen den Kräften des Konservatismus und der Empires auf der Rechten und der Herausforderung des Sozialismus und der internationalen Arbeiterrevolution auf der Linken suchten.

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Fukuyama über Identitätspolitik

Von Greg Johnson, übersetzt von Tekumseh. Das Original Fukuyama on Identity Politics erschien am 11. Januar 2019 auf Counter-Currents Publishing.

Francis Fukuyama: Identity. Contemporary Identity Politics and the Struggle for Recognition. (Identität. Zeitgenössische Identitätspolitik und ihr Ringen um Anerkennung). London: Profile Books 2018.

 

Francis Fukuyama ist der am meisten hervorstechende lebende neokonservative Intellektuelle. Ich habe sein Werk seit 1992, als er sein erstes Buch, The End of History and the Last Man. (Das Ende der Geschichte und der letzte Mensch) veröffentlichte, bewundert und davon profitiert. Darum war ich etwas besorgt zu hören, dass er mit großer Geschwindigkeit ein neues Buch geschrieben hatte, um den Wind aus den Segeln Weißer Identitätspolitik zu nehmen.

Hat Fukuyama einen gröberen Fehler im White Nationalism entdeckt, der uns zu einem Überdenken unserer Positionen oder sogar ihrer Preisgabe bringen würde? Die Antwort ist nein. Tatsächlich ist Identity ein sehr nützliches Buch für White Nationalists, weil Fukuyama praktisch jede essentielle Prämisse für unsere Position einräumt, aber seine Argumente, um unseren schlussendlichen ethnonationalistischen Schlüssen zu widerstehen, sind extrem schwach.

Rechte Identitätspolitik ist in der menschlichen Natur angelegt.

Das wichtigste Zugeständnis, das Fukuyama macht, ist, dass Identitätspolitik in der menschlichen Natur angelegt ist und darum niemals ausgemerzt werden kann.

Die moderne liberal-globalistische Auffassung ist, dass Politik in letzter Konsequenz in rationalem Eigennutz besteht. Im Leben geht es nur darum, die Vernunft einzusetzen, um die eigenen Wünsche zu erfüllen; Liberalismus und Globalismus folgen daraus notwendig. Liberalismus ist einfach ein Rahmen, um den Individuen die Verfolgung ihrer privaten Interessen durch freie Verträge zu ermöglichen. Aber weil Vernunft eine universelle Eigenschaft ist, und alle Menschen die gleichen Grundbedürfnisse haben, gibt es keinen Grund, wieso das liberale System sich nicht über den ganzen Globus erstrecken sollte.

Liberalismus ist darum gegen alle politischen Identitäten gerichtet, die seine globale Ausdehnung verhindern; besonders die Bindung an bestimmte Rassen, Nationen, ethnischen Gruppen und religiösen Gemeinschaften, die ausschließliche Wahrheit behaupten. Linke (Liberale) halten solche Anhänglichkeiten einfach für nicht fundierte Stimmungen und Aberglauben aus der Vergangenheit, die wir abschütteln müssen und können, indem wir uns weiterentwickeln und in eine immer perfektere linke Zukunft fortschreiten. (mehr …)

Was Populismus nicht ist

Von Greg Johnson, übersetzt von Lucifex. Das Original What Populism Isn’t erschien am 28. Dezember 2018 auf Counter-Currents Publishing.

Jan-Werner Müller
What is Populism?
Penguin, 2017

Wenn ein politisches Establishment sich von einer wachsenden Kraft wie dem Nationalpopulismus bedroht fühlt, dann besteht Plan A darin, das Establishment zu verteidigen und seine Gegner anzugreifen, indem es geistig durchschnittliche Journalisten entsendet, um zu spotten und zu verhöhnen, und geistig durchschnittliche politische Schreiberlinge, um parteipolitische Argumente zu konstruieren. Das Ziel des Establishments ist, die Loyalität seiner Basis zu verstärken, die Köpfe der Unentschlossenen zu vergiften und Dissidenten zu demoralisieren, indem es sie wie Dreck behandelt.

Wenn es Plan A nicht gelingt, die steigende Flut zurückzudrängen, dann besteht Plan B darin, die akademischen Gehirn-Bugs auf das Studium der Opposition und die Formulierung von Kritiken und Gegenstrategien anzusetzen. Offensichtlich lautet die Annahme von Plan B, daß das Establishment objektives Wissen braucht, um ernsthaften Gegnern zu kontern. Es besteht jedoch eine Gefahr, daß Spuren der parteipolitischen Apologetik der ernsthaften intellektuellen Analyse von Plan B in die Quere kommen. Ein Paradebeispiel dafür ist Jan-Werner Müllers What Is Populism?

Populismus und Demokratie bedeuten genau das Gleiche. Sogar ihre Etymologien sind dieselben. Demos ist Griechisch und populus ist Lateinisch für „das Volk“. „Das Volk“ bezieht sich richtigerweise auf das Ganze eines Staatswesens, kann aber auch „die Vielen“ bezeichnen – die gewöhnlichen Leute im Gegensatz zu den Eliten.

Populisten verwenden „das Volk“ in beiderlei Sinn. Populisten meinen, daß politische Legitimität auf dem Gemeinwohl der Gesellschaft beruht – des Volkes als Ganzem. Aber Populisten sprechen oft im Namen des Volkes im engeren Sinn von „die Vielen“, denn wenn politische Systeme vom Gemeinwohl abweichen, dann nimmt es buchstäblich immer die Form an, daß „die Wenigen“ – Regierungs- und Wirtschaftseliten – ihre Gruppeninteressen auf Kosten der Vielen verfolgen. Daher verteidigen und mobilisieren populistische Bewegungen das Volk im engeren Sinne, um ein Regime wiederherzustellen, das den Interessen des Volkes im breiten Sinn dient.

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„Das Volk bin ich“: Rezension von Jan-Werner Müllers „What is Populism?“

Von F. Roger Devlin, übersetzt von Lucifex. Das Original Le Peuple, C’est Moi erschien am 18. Dezember 2018 auf Counter-Currents Publishing.

Jan-Werner Müller
What Is Populism?
Penguin, 2017

Jan-Werner Müller, ein gebürtiger Deutscher, ist Professor für Politik an der Princeton University und der Autor mehrerer vorheriger Bücher. Die vorliegende Studie über den Populismus wurde 2016 von der University of Pennsyslvania Press veröffentlicht und schnell von Penguin Books in einem beliebten Taschenbuchformat nachgedruckt. Diese für einen akademischen Titel ungewöhnliche Auszeichnung verdankt natürlich viel der jüngsten Mode des Begriffs „populistisch“, aber auch der ungewöhnlichen Klarheit der These des Autors und deren Darlegung.

Es gibt wenig allgemeine Einigkeit über den Populismus, außer daß es eine Form der Politik ist, die sich für das „Volk“ gegen die Eliten einsetzt. Müller bemerkt, daß eine solche Haltung tatsächlich eine notwendige Voraussetzung für die Identifizierung eines Politikers oder einer Bewegung als „populistisch“ ist, aber keine ausreichende. Er lehnt psychologisierende Erklärungen ab, die sich auf den „Zorn“ von Populisten fokussieren, während sie dessen Ursachen ignorieren. Diese Arten von Theorien behaupten, daß das, was Populisten wirklich brauchen, nicht politische Repräsentation oder die Beseitigung objektiver Mißstände ist, sondern eine Art von Psychotherapie. Das ist sowohl herablassend als auch etwas, das unheimlich an den alten sowjetischen Mißbrauch der Einweisung von Dissidenten in psychiatrische Kliniken erinnert.

Die wahrhaft essentielle Eigenschaft des Populismus ist nach Müllers Sichtweise der Anspruch auf ausschließliche Vertretung des Volkes. Das erste Beispiel, das er anbietet, ist der gegenwärtige Präsident der Türkei, Recep Erdogan. Bei einem vor kurzem stattgefundenen Parteikongreß antwortete Erdogan seinen Kritikern mit der Bemerkung: „Wir sind das Volk; wer seid ihr?“ Der Autor kommentiert:

Natürlich wußte er, daß seine Gegner ebenfalls Türken waren. Der Anspruch auf ausschließliche Vertretung ist kein empirischer; er ist immer eindeutig moralisch. Populisten stellen ihre politischen Konkurrenten als Teil der unmoralischen, korrupten Elite dar.

Kurz gesagt, der Populist ist nach Müllers Darstellung die politische Gestalt oder Bewegung, die angedeutet oder ausdrücklich behauptet: le peuple, c’est moi – das Volk bin ich.

Dies ist eine kühne These, nicht zuletzt, weil sie nach dem eigenen Eingeständnis des Autors die People’s Party der amerikanischen 1890er – die oft als die originalen Populisten betrachtet wird – davon disqualifiziert, als „wahre“ Populisten betrachtet zu werden. Sie unterstellt auch, daß das antike Athen, trotzdem es uns das Wort Demagoge vermachte, keine „wahren“ populistischen Führer hervorbrachte, denn niemand konnte in einer direkten Demokratie, die keinen Gebrauch von Repräsentation machte, Anspruch auf ausschließliche Vertretung erheben. Weiter hinten in dem Buch erklärt er auch, daß Bernie Sanders nach dieser Definition nicht als Populist qualifiziert wäre.

Aber Müller verweist sicherlich auf eine reale und hervorstechende Neigung vieler Politiker, die als populistisch bezeichnet werden. Hugo Chavez’ Wahlkämpfe bringen Slogans wie „Chavez ist das Volk! und „Chavez, wir sind Millionen, auch ihr seid Chavez!“ George Wallace begann seine berühmte „Rassentrennung für immer“-Rede mit der folgenden großspurigen Erklärung: „Im Namen des großartigsten Volkes, das jemals auf Erden wandelte, ziehe ich die Linie im Staub und werfe der Tyrannei den Fehdehandschuh vor die Füße…“ Der Autor fragt spitz, mit welcher Autorität der Gouverneur von Alabama annahm, im Namen des amerikanischen Volkes als Ganzem zu sprechen.

Klarerweise erhalten populistische Politiker niemals einhundert Prozent Unterstützung von den Wählern. Um diese unbequeme Tatsache zu umschiffen, neigen sie dazu, an die vage Vorstellung vom „wirklichen“ Volk zu appellieren, das aus der Gesamtsumme der tatsächlichen Staatsbürger herausgezogen und von dieser unterschieden werden muß. Als zum Beispiel Nigel Farage im Brexit-Referendum das Ergebnis bekam, das er wollte, nannte er es einen „Sieg für das wahre Volk,“

und machte damit die 48 Prozent der britischen Wählerschaft, die dagegen gewesen waren, das Vereinigte Königreich aus der Europäischen Union herauszuholen, irgendwie weniger als real – oder stellte ihren Status als eigentliche Mitglieder der politischen Gemeinschaft in Frage.

In ähnlicher Weise hat eine populistische finnische Partei sich bis vor kurzem die „Wahren Finnen“ genannt.

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Das letzte Testament von Flashmans Schöpfer: Wie Britannien sich selbst zerstört hat

George MacDonald Fraser

Von George MacDonald Fraser (Autor der Flashman Papers), übersetzt von Lucifex. Das Original The last testament of Flashman’s creator: How Britain has destroyed itself erschien anläßlich des Todes des Autors am 2. Januar 2008 auf Daily Mail Online, als Auszug aus seiner Autobiographie The Light’s On At Signpost. (Links im Text vom Übersetzer eingefügt.)

Als ich vor 30 Jahren Flashman wiederbelebte, den Bully in Thomas Hughes‘ viktorianischem Roman Tom Browns Schooldays, hatte man noch nichts von Political Correctness gehört, und niemand stieß sich am Charakter meines adoptierten Helden, an seinem Verhalten, an seiner Einstellung zu Frauen und untertanen Rassen (in der Tat irgendwelchen Rassen, einschließlich seiner eigenen) und seiner allgemeinen schrecklichen Art.

Im Gegenteil, es wurde bald offensichtlich, daß dies seine Hauptanziehungspunkte waren. Er war politisch höchst inkorrekt.

Durch die Siebziger und Achtziger führte ich ihn auf seinem skandalösen Weg, arschkriechend, lügend, schummelnd, davonlaufend, Frauen wie beweglichen Besitz behandelnd, Untergebene aller Farben beschimpfend, mit nur einer rettenden Tugend – der schonungslosen Ehrlichkeit, mit der er seine Fehler zugab und sogar in ihnen schwelgte.

Und niemanden störte es, oder falls es jemanden störte, sagten sie es mir nicht. In all den vielen tausend Leserbriefen, die ich erhielt, erhob nicht einer Einspruch.

Flashman

In den Neunzigern begann ein Wandel stattzufinden. Rezensenten und Interviewer begannen Flashman (und mich) als politisch inkorrekt zu bezeichnen, was wir auch sind, wenngleich keinesfalls auf dieselbe Art.

Dies geht für mich in Ordnung. Flashman ist mein Brotverdienst, und wenn er kein elitistisches, rassistisches Sexistenschwein wäre, würde ich Schuhbänder an Straßenecken verkaufen, statt ein erfolgreicher, populärer Schriftsteller zu sein.

Aber was ich mit Belustigung bemerke, ist, daß viele Kommentatoren nun die Aufmerksamkeit auf Flashys (und meine) politische Inkorrektheit lenken, um sich davon zu distanzieren. Es ist nicht so, daß ihnen die Bücher nicht gefallen. Aber wo einst das mit der politischen Inkorrektheit ohne Bemerkungen dazu durchgehen konnte, haben sie nun das Gefühl, sie müßten Leser davor warnen, daß manche Flashman anstößig finden könnten, und daß seine Ansichten bestimmt nicht diejenigen des Interviewers oder Rezensenten sind, Gott bewahre.

Ich finde die Disclaimer alarmierend. Sie sind beinahe eine reflexhafte Reaktion und oft eine ziemlich nervöse, als ob der Autor sagen würde: „Schaut, ich bin kein Rassist oder Sexist. Ich habe die richtigen Ansichten, und ich stimme mit dem modernen, aufgeklärten Denken überein, ehrlich.“

Sie werden nicht riskieren, irgendetwas zu sagen, an dem die PC-Lobby sich stoßen könnte. Und das ist es, was mich alarmiert – die bei so vielen aufrichtigen und ehrlichen Leuten offensichtliche Furcht davor, man könnte denken, sie würden aus der Reihe tanzen.

Ich stieß erstmals in den Vereinigten Staaten darauf, wo das Krebsgeschwür sich viel tiefer ausgebreitet hat. Als Drehbuchautor [worin Fraser fast so erfolgreich war wie mit den 12 Flashman-Romanen; sein bekanntestes Werk war das Drehbuch für den Film Die drei Musketiere, d. Red.] brachte ich einmal ein Drehbuch für einen Film namens The Lone Ranger, in dem ich ein Stück Westerngeschichte verwendete, das nie auf der Leinwand gezeigt worden war, und das ebenso spektakulär wie schockierend war – und wahr.

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Das Geheimnis des Lebens

Von Dunkler Phönix (ursprünglich veröffentlicht am 13. November 2014 auf „As der Schwerter“).

Das Geheimnis des Lebens ist der freie Wille. Wenn wir nicht annehmen können, dass wir selbst, also unser freier Wille, Ursache unserer Handlungen ist, dann ist das Leben bedeutungslos.

Die individuelle Biographie lässt sich dann auf eine lose Folge determinierter Ereignisse beschränkt beschreiben, so etwas wie eigene Leistung geht vom Individuum nicht aus. Das Elternhaus und die Lebensumstände, in die man geboren wird, bestimmen, wer man wird und was man tut.

Die Geschichte lässt sich dann ebenfalls als eine Kausalkette beschreiben, als große Weltmaschine, in der ein Rad ins andere greift.

Aus diesen Ausführungen erhellt, dass verschiedene Denker, Philosophen und Wissenschaftler die Idee vom freien Willen aus unterschiedlichen Gründen angreifen:

Da gibt es die roussauistisch orientierten Pädagogen, Gutmenschen und Schmalspurmarxisten, die nicht den individuellen Menschen, sondern nur sein „Klasseninteresse“ sehen. Der Zufall der Geburt bestimmt, ob man zu den Guten oder den Bösen gehört.

Da gibt es die Philosophen und Wissenschaftler, welche meinen, der freie Wille sei nur ein Konstrukt der Aufklärungsphilosophie, wir würden uns nur einreden, dass wir uns frei entscheiden könnten, in Wahrheit sei jede Handlung vorherbestimmt.

Und es gibt Rassetheoretiker, die behaupten, nicht nur die Hormone und andere biologische Faktoren wirkten allzu oft auf den Willen ein, sondern auch die Rassenseele.

Ich bin der Überzeugung, dass es so etwas wie eine Rassenseele gibt und sie Einfluss auf unser Verhalten hat. Alle Ideologien und Konzepte einer Gesellschaft müssen an diese Rassenseele angepasst werden, sonst ist die Gesellschaft schädlich für die sie konstituierenden Individuen und Volk und Staat entfremden sich, werden zu Gegnern. Daher benötigen z.B. Araber eine totalitäre und in unseren Augen archaische Gesellschaftsstruktur, weil ihre Rassenseele, ihre Mentalität in einer liberaleren Gesellschaft die Individuen dazu führt sich zu benehmen wie Barbaren. Der Islam ist uns nicht zuletzt genau aus diesem Grunde so fremd, weil unsere Rassenseele ein solches System, das genauestens festlegt, wer gegenüber wem wann wie Gewalt ausüben darf, nicht benötigt.

Wären wir aber nur Marionetten der Rassenseele und hätten selbst keinen Einfluss auf sie, dann wären menschliche Rassen bedeutungslos und es gäbe auch keinen Grund, stolz auf die eigene Rassenseele zu sein.

Das ist ein ähnliches Problem wie die Sache mit dem „man kann nicht auf das eigene Land stolz sein“ – doch, das kann man, weil man ein gestaltender Teil dieses Landes ist und sich seiner Verantwortung als Glied in der Ahnenreihe bewusst ist.

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Alexander Dugins 4. Politische Theorie ist für das russische Imperium, nicht für europäische Ethnonationalisten

Von Kevin MacDonald, übersetzt von Lucifex. Das Original Alexander Dugin’s 4 Political Theory is for the Russian Empire, not for European Ethno-Nationalists erschien am 18. Mai 2014 auf The Occidental Observer.

Nur sehr wenige in der alternativen Rechten kannten Alexander Dugin vor der Veröffentlichung und Übersetzung seines Buches The Fourth Political Theory im Jahr 2012. Plötzlich wurde der Inhalt dieses Buches zum Thema lebhafter Diskussion, und er wurde als „wohl der prominenteste neurechte Denker der Welt“ begrüßt. Mit der Ausnahme von Michael O’Meara auf Counter-Currents waren die meisten Rezensionen sehr positiv oder zumindest sympathisierend. Nachdem ich Rezensionen, Interviews, Blogs und Artikel gelesen und einige Videovorlesungen von Dugin angehört hatte, beschloß ich, The Fourth Political Theory (FTP) zu lesen.

Über die ersten Seiten war ich ziemlich beeindruckt von Dugins lakonischer Behandlung der Art, wie der Liberalismus die normativen Bedingungen für eine Menschheit geschaffen hatte, die empfänglich für eine Weltregierung in ihrer „Glorifizierung der totalen Freiheit und der Unabhängigkeit des Individuums von jeglicher Art einschließlich Vernunft, Identität (sozial, ethnisch und sogar geschlechtlich), Disziplin und so weiter“ ist (S. 18). Mit der „Befreiung“ des Menschen von jeder notwendigen, vorgegebenen Mitgliedschaft in irgendeiner Gemeinschaft oder Identität und der weithin akzeptierten universalen Moral der Menschenrechte standen nun wenige Hindernisse einem totalitären globalen Markt im Weg.

Dugin ist ein Patriot, und ich stimme zu, daß Rußland als kontra-hegemoniale Macht gegen die Ausbreitung amerikanischer Hollywood-Werte und die fortdauernde Ausdehnung der EU in ehemals sowjetische Territorien agieren muß.

Aber es wurde bald offenkundig, daß Dugins FPT mehr als eine Kritik an der amerikanischen Hegemonie und am Atlantizismus war: es war ein unerbittlicher Angriff auf die ganze Essenz der westlichen Zivilisation. Die folgende Argumentation zieht sich durch sein ganzes Buch: Liberalismus = Amerikas gegenwärtige Militär- und Außenpolitik = westliche Zivilisation = europäische Geschichte seit der Antike = Böse. Für Dugin ist die Idee, daß Amerika die erste universale Nation ist, „im Wesentlichen… eine aktualisierte Version und Fortsetzung eines westlichen Universalismus, der vom Römischen Reich über das mittelalterliche Christentum, die Moderne im Sinne der Aufklärung und die Kolonisation bis zum heutigen Tag weitergegeben wurde“ (S. 74). Die Europäer sind immer oder zumindest seit römischer Zeit der intrinsische Feind der ethnischen Identität, der Tradition und Wahrhaftigkeit gewesen.

Um die Essenz des Liberalismus angemessen zu verstehen, müssen wir erkennen, daß es kein Zufall ist, daß sein Erscheinen in den politischen und ökonomischen Ideologien auf fundamentalen Prozessen beruht, die in der gesamten westlichen Zivilisation ablaufen. Der Liberalismus ist nicht nur ein Teil dieser Geschichte, sondern ihr reinster und verfeinertster Ausdruck, ihr Ergebnis (S.140).

Der Rezensent Siryako Akda sagt: Dugin kritisiert die westliche Welt vom Standpunkt der Tradition und Authentizität.“ Ich lese das so, daß Dugin das russische Volk und Reich aus der Perspektive der Tradition verteidigt, während er den Westen aus der Perspektive des Postmodernismus und Kulturmarxismus kritisiert. Es ist der Aufmerksamkeit der Kommentatoren in der alternativen Rechten entgangen, daß Dugin sich bei seiner Beurteilung des Liberalismus fast zur Gänze auf Kulturmarxisten stützt. Ich denke nicht, daß wir es leicht nehmen sollen, daß er Karl Marx‘ Ideen als „enorm nützlich und anwendbar“ feiert (S. 50), Franz Boas „den größten amerikanischen Kulturanthropologen“ nennt (S. 63) und glaubt, daß Levi-Strauss „überzeugend gezeigt hat“, daß primitive Kulturen in Afrika genauso komplex und reich wie europäische Kulturen waren (S. 109). Ohne Zögern und ohne Wertschätzung der Art, wie der Westen zur vorrangigsten Zivilisation der Welt aufstieg, zur kreativsten in Kunst und Wissenschaft, erklärt er, daß „allein schon die Ideologie des [westlichen] Fortschritts rassistisch in ihrer Struktur ist.“ Er ist sich nicht bewußt, daß das russische Reich, das er so bewundert und irrigerweise mit der Tradition per se identifiziert, sich ohne die Assimilation europäischen Knowhows durch Peter den Großen in der Neuzeit aufgelöst hätte.

Einige der anderen Denker, auf die Dugin sich stützt, sind Baudrillard, Foucault und Deleuze. Er akzeptiert Foucaults Verdammung der Aufklärung als einen Träger „all der Zeichen des intellektuellen Rassismus, der Apartheid und anderer totalitärer Vorurteile“ (S. 133). Mit solchen Aussagen würde Dugin sich leicht in eine westliche Universitätsumgebung passen. Seine Darstellung all dessen, was westlich ist, als rassistisch und böse, kombiniert mit seiner Identifikation nichtwestlicher traditioneller Kulturen als authentisch, natürlich und wahr unterscheidet sich nicht von der multikulturalistischen Schablone, die in der akademischen Welt durchgesetzt wird. Wir sollen glauben, daß die Chinesen mit ihren unterdrückten Minderheiten und ihrem offiziellen Diskurs über rassische Hierarchien, die Russen mit ihrer Geschichte des Zerbrechens von nationalem Erbe und die Inder mit ihrem dreckigen Kastensystem nicht rassistisch sind, sondern Besitzer gesunder Reiche, die von weißen Nationalisten in der Gegnerschaft zur amerikanischen Hegemonie unterstützt werden sollten.

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