SWM-Serie „Sturmgewehre“: Heckler & Koch G 3

Der Autor beim Probeschießen mit einem Sturmgewehr der deutschen Firma Heckler & Koch.

Von  Max Meinrad Krieg, aus der Serie „Sturmgewehre“ des „Schweizer Waffen-Magazins“, Heft 11-1984.

Das deutsche Sturmgewehr G 3, welches heute in rund 45 Staaten eingeführt ist, findet seinen Ursprung im Zweiten Weltkrieg. Seine Entwicklungsgeschichte ist es wert, hier kurz aufgezeichnet zu werden.

Deutsches Sturmgewehr G 3 A 3 im Kaliber 7,62 x 51 NAZO, mit 20-Schuss-Magazin und festem Schaft.

Die deutsche Wehrmacht hatte mit dem Sturmgewehr 44 beste Erfahrungen gemacht, suchte aber nach weiteren Vereinfachungen. Das Gerät 06 H von Mauser in Oberndorf zeigte dabei die besten Voraussetzungen und wurde noch kurz vor Ende des Krieges als Stgw 45 (M) klassifiziert. Aber es wurden nur einige wenige Prototypen hergestellt, dann beendete die Kapitulation des Deutschen Reiches auch diese Entwicklung.

Die Mauser-Werke lagen in der französischen Besatzungszone, was dazu führte, dass der ehemalige Mauser-Ingenieur Ludwig Vorgrimmler zur französischen Waffenfirma Manurhin stieß, wo er am Sturmgewehr 45 weiterarbeitete. Vorgrimmler reiste jedoch bald nach Spanien aus und schloss sich dort dem Entwicklungsteam des staatlichen „Centro de Estudios Tecnicos de Materiales Especiales“ (CETME) an. Dieses Büro nahm die Entwicklung eines leichten automatischen Gewehres in Angriff, dessen Ursprung offensichtlich war.

Inzwischen hatte sich die Welt in die beiden bekannten Machtblöcke getrennt, und die verschiedenen Armeen begannen sich neu auszurüsten. U. a. wurde nach einer neuen Infanteriewaffe, einem Sturmgewehr, gesucht. CETME erkannte die Chancen seiner Entwicklung, verfügte aber damals über fast keine Fabrikationsmöglchkeiten und keinen Vertriebsapparat. Deshalb vergab es eine Lizenz an die Nederlandsche Wappen en Munitiefabrieck, die in der Folge eine rege Vorführtätigkeit entfaltete.

So wurde das CETME-Gewehr auch den Instanzen der jungen Bundesrepublik Deutschland vorgeführt. Die Deutsche Bundeswehr hatte zwar das FAL von FN als G1 eingeführt, hatte aber große Schwierigkeiten bei der Abschließung eines Lizenzvertrages, weshalb man nach anderen Möglichkeiten Ausschau hielt. Die Deutschen verlangten vor allem eine Umstellung des bisher für eine Spezialpatrone eingerichteten CETME-Gewehrs auf die neue Einheitspatrone 7,62 x 51 NATO. In Zusammenarbeit mit Heckler & Koch präsentierte CETME nach kurzem das Gewünschte, und das Sturmgewehr wurde als G 3 in Deutschland eingeführt.

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SWM-Serie „Sturmgewehre“: Avtomat Kalaschnikova – AK 47

Der Autor bei Schießübungen mit einem AK-47-Sturmgewehr bulgarischer Herkunft.

Von Max Meinrad Krieg, aus der  Serie „Sturmgewehre“ des „Schweizer Waffen-Magazins“, Heft 10-1984.

Die meist verbreitete Infanteriewaffe ist heute zweifelsohne das Sturmgewehr Kalaschnikow.

Russland bestritt den Zweiten Weltkrieg in erster Linie mit Repetiergewehren (Mosin-Nagant) und Maschinenpistolen (PPSh 41, PPS 43), setzte jedoch auch Vorläufer von Sturmgewehren (Tokarev 38/40) ein.

Die Deutsche Wehrmacht hatte die Vorgänger des Sturmgewehres 44 an der Ostfront erprobt, und die Russen lernten so die Möglichkeiten, die in diesem neuen Konzept steckten, früh kennen und wußten diese auch für sich zu nutzen: Noch während des Krieges entwickelten N. M. Elizarov und B. V. Semin ebenfalls eine Mittelpatrone, die sich stark an das deutsche Vorbild anlehnt. Diese neue Patrone mit der Bezeichnung M 43 und den Maßen 7,62 x 39 mm verfügte über eine Hülse mit Rille – die Abkehr von der alten Patrone mit Rand, die den russischen Waffenkonstrukteuren immer wieder Probleme aufgegeben hatte, war damit endlich vollzogen. Das bekannte Simonov-Konstruktionsbüro entwickelte für diese neue Patrone den halbautomatischen Karabiner SKS 45, dessen Vorserienmodelle noch in den letzten Kriegstagen erprobt wurden. Es war offensichtlich geplant, den SKS zur Standardbewaffnung des Ostblocks zu machen; aber es kam anders!

Sturmgewehr AK 47 im Kaliber 7,62 x 39 mm, mit Klappschaft. Eine bulgarische Armeewaffe, die der sowjetischen Armeewaffe gleicht.

Der wegen einer Verwundung vom Frontdienst dispensierte Panzeroffizier Michail Timofejewitsch Kalaschnikow beschäftigte sich zu dieser Zeit ebenfalls mit der Entwicklung eines Gewehres, welches auf der neuen Patrone aufbaute. Seine Neuentwicklung wurde 1947 als AK 47 = Avtomat Kalaschnikova 1947 in der russischen Armee eingeführt. Kurze Zeit wurden sowohl der SKS als auch der AK 47 fabriziert, dann aber wurde die Herstellung des ersteren eingestellt, und der Kalaschnikov wurde zur Standardwaffe – nicht nur des Ostblocks.

Der Erfolg des AK 47 ist vor allem in der fast idealen Verbindung von Waffe und Munition zu finden. Konstruktiv ist er keine bahnbrechende Neuerung, bekannte Prinzipien wurden auf geschickte Weise kombiniert.

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SWM-Serie „Sturmgewehre“: Fallschirmjägergewehr 42

Der Autor beim Probeschießen mit dem FG 42.

Von Max Meinrad Krieg, aus der  Serie „Sturmgewehre“ des „Schweizer Waffen-Magazins“, Heft 6-1984.

Das Fallschirmjägergewehr 1942 (FG 42) sollte Maschinenpistole, Gewehr, Scharfschützenwaffe und leichtes Maschinengewehr ersetzen, Ansprüche, denen diese qualitativ und konstruktiv sehr gute Waffe erstaunlich weitgehend gerecht werden konnte.

Die deutsche Luftwaffe, der die Fallschirmjäger unterstellt waren, betonte immer ihre Eigenständigkeit gegenüber dem Heer; dies konnte sie vornehmlich auch deshalb, weil ihr Chef der einflußreiche Hermann Göring war. Diese Eigenständigkeit führte dann zur Entwicklung des FG 42.

Deutschland setzte als erstes Land der Welt Fallschirmjäger in großem Maßstab ein; eine Truppe, die damals nur mit ihrer persönlichen Waffe ins Gefecht gehen konnte. (Heutige Fallschirmjäger sind hierin besser gestellt, moderne Lastfallschirme ermöglichen den Abwurf selbst von Panzern!) Diese Unzulänglichkeit in der Bewaffnung, 98 k oder MP 38/40, zeigte sich denn z. B. in den hohen Verlusten bei der Besetzung von Kreta.

Das Waffenamt der Luftwaffe forderte deshalb ein automatisches Gewehr, dessen Spezifikationen eigentlich über diejenigen eines Sturmgewehrs hinausgehen (!):

  • Länge maximal 1 m,
    ● Gewicht maximal wie das des 98 k (3,9 kg),
    ● im Einzel- und Seriefeuer kontrollierbar,
    ● als LMG einsetzbar,
    ● als Scharfschützengewehr tauglich,
    ● mit Möglichkeit, Gewehrgranaten zu verschießen (diese Forderung wurde später fallengelassen),
    ● zum Bajonettkampf geeignet,
    ● die normale Patrone 7,92 x 57 verschießend.

Die Forderung, daß die Waffe auch als Scharfschützengewehr und LMG eingesetzt werden sollte, verlangte eine große Einsatzdistanz und ließ die Luftwaffe die Entwicklung, die zum Stgw 44 führen sollte, ablehnen und auf einer Eigenentwicklung beharren. (Die beschränkte Einsatzdistanz des Stgw 44 ließ Hitler das FG 42 lange bevorzugen; so wurde seine Leibstandarte SS mit den allerersten FG 42 ausgerüstet!)

Die Firmen Mauser, Walther, Gustloff, Rheinmetall und Krieghoff wurden 1940 aufgefordert, sich an der Entwicklung gemäß obigem Pflichtenheft zu beteiligen. Aber nur Rheinmetall und Krieghoff lieferten Anfang 1942 erste Prototypen ab; die anderen Firmen wollten das Heer als Hauptauftraggeber offensichtlich nicht verärgern. Der Waffe von Rheinmetall, einer Entwicklung von Louis Stange, einem Schüler von Louis Schmeisser, wurde der Vorzug gegeben, und sie wurde als FG 42 bei den deutschen Fallschirmjägern eingeführt. Die Fertigung jedoch erfolgte aus Kapazitätsgründen dann bei Krieghoff.

Das deutsche Fallschirmjägergewehr Modell 1942 (FG 42) im Kaliber 7,92 x 57.

Mit Ausnahme des Handschutzes aus Holz ist das FG 42 ausschließlich aus Metall hergestellt. Wohl wurden an Kolben, Pistolengriff und Zweibein Stanzteile verwendet; die anspruchsvollen Forderungen – geringes Gewicht bei hoher Belastung – konnten jedoch nur durch die Verwendung von hochvergüteten Stählen, damals eine Mangelware, und eine anspruchsvolle Fertigung erfüllt werden. Alle belasteten Teile, wie Verschlußgehäuse, Verschluß und vor allem Lauf, wurden aus vollem Material gefräst. Da der Chromnickelstahl der Prototypen bereits nicht mehr erhältlich war, wurde die erste Serie des FG 42 aus Magnesiumstahl gefertigt. Das FG 42 konnte aus diesem Grunde keine billige Massenwaffe sein; die erste Serie wurde nur in rund 2000 Exemplaren gefertigt, dann war der teure Spezialstahl nicht mehr verfügbar.

Im FG 42 wurden verschiedene Konstruktionsmerkmale verwendet, denen wir teilweise in modernsten Waffen wieder begegnen. Die kurze Bauweise wurde dadurch erreicht, daß das System voll in den Schaft hineingebaut wurde; eine Lösung, die beispielsweise beim Steyr AUG und beim FAMAS „Clairon“ wieder befolgt wird!

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SWM-Serie „Sturmgewehre“: Das deutsche Sturmgewehr 44

Der Autor beim Probeschießen mit dem deutschen Sturmgewehr 44 im Kaliber 7,92 x 33.

Von Max Meinrad Krieg, aus der  Serie „Sturmgewehre“ des „Schweizer Waffen-Magazins“, Heft 4-1984.

Wenn auch Selbstladegewehre in anderen Armeen früher eingeführt wurden, so darf beim Sturmgewehr 44 mit Fug und Recht vom ersten Vertreter einer Waffengeneration geschrieben werden, die heute in allen Armeen der Welt zur Standardbewaffnung des Soldaten zählt.

In Bezug auf Handfeuerwaffen wurde der Erste Weltkrieg mit Repetiergewehren und Maschinengewehren ausgetragen, erst gegen dessen Ende tauchten die ersten Maschinenpistolen auf. Das Gewehr war ein manueller Repetierer mit somit beschränkter Feuergeschwindigkeit, wobei er die gleiche starke Patrone wie das Maschinengewehr verschoss; eine Patrone, die im Gewehr eigentlich gar nicht ausgenützt wurde. Mit der Maschinenpistole erhielt man eine Waffe mit hoher Feuergeschwindigkeit, die jedoch durch die schwache Pistolenpatrone nur eine geringe Einsatzweite hatte.

Bereits während des Ersten Weltkrieges tauchten Ideen für neue Patronen und automatische Gewehre auf, stießen jedoch bei den konservativen Militärs auf Ablehnung.

Als der Zweite Weltkrieg begann, war die Situation in Deutschland deshalb weitgehend dieselbe. Zwar hatte man das Gewehr etwas gekürzt (98k), ein vielseitigeres Maschinengewehr (MG 34) eingeführt und die Maschinenpistole modernisiert (MP 38); dem gewöhnlichen Soldaten verblieb jedoch weiterhin ein Repetiergewehr.

Die USA waren mit der Einführung des Selbstladegewehrs M-1 Garand einen großen Schritt weitergegangen!

Kurz vor Kriegsausbruch wurde die Entwicklung eines neuen, vielseitigen Infanteriegewehres mit der Bezeichnung „Maschinenkarabiner“ ausgeschrieben. Die anzustrebende Waffe hatte von einfacher und zuverlässiger Konstruktion zu sein, kürzer und keinesfalls schwerer als der 98k, im Dauerfeuer kontrollierbar und über eine Einsatzschussweite bis 800 m anwendbar.

Da zu diesem Zwecke offensichtlich eine neue Patrone geschaffen werden mußte, erhielt die Firma Polte in Magdeburg den Auftrag, aus der bestehenden Patrone (7,92 x 57 mm) heraus das Gewünschte zu entwickeln. Das Ergebnis war die Patrone 7,92 x 33 (Pistolenpatrone 43 oder Kurzpatrone 43), die erheblich kürzer ist, aber viele Maße (Kaliber, Hülsendurchmesser usw.) der alten Patrone aufweist. Somit konnten zum großen Teil die gleichen Maschinen und Werkzeuge weiterverwendet werden. Ein logistisches Meisterstück!

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Selbstverteidigung mit der Flinte (4)

Von Dipl.-Ing. Manfred Ertl, aus „Internationales Waffenmagazin“ 12/1994.

Zuvor erschienen: Selbstverteidigung mit der Flinte (1) und Teil 2 (das Heft mit Teil 3 habe ich leider nicht)

Die taktischen Verhaltensweisen sind das entscheidende Element, das den ernstfallorientierten Waffengebrauch vom Sportschießen unterscheidet. Die Waffen- und Munitionswahl, Waffenhaltungen, Anschlagarten oder das Vorgehen in unklarer Lage müssen stets vor diesem Hintergrund gesehen werden.

Eine ernstfallbezogene Schießausbildung wird den praktischen Anforderungen erst gerecht, wenn sie neben der reinen Schießtechnik auch das taktisch erforderliche Verhalten vermittelt, das notwendig ist, um ein Feuergefecht erfolgreich zu überstehen. Dabei kann man diese Verhaltensmuster in allgemeine Regeln unterteilen, die immer gelten, unabhängig davon, welcher Waffenart man sich bedient, und in Spezialregeln, welche die Besonderheiten einer bestimmten Waffenart berücksichtigen.

In diesem Beitrag werden wir die allgemeinen Regeln nur am Rande betrachten und den Schwerpunkt auf das für den Umgang mit der Repetierflinte typische Verhalten legen. Es muß dabei im Auge behalten werden, daß sich die Schießtechnik zwar losgelöst von allen taktischen Verhaltensweisen trainieren läßt und daß man andererseits auch Taktiken einüben kann, ohne einen einzigen Schuß dabei abzugeben, daß aber beide Gebiete sich inhaltlich logischerweise beeinflussen. Schließlich wählt man im kampfmäßigen Schießen die einzelnen Technikbausteine, wie etwa die Schießhaltung, ja nicht nur nach den Kriterien einer guten Trefferleistung aus, sondern achtet darauf, daß derartige Bausteine im Einklang mit dem taktischen Gesamtverhalten stehen. Auch bei der Waffenhandhabung zeigt sich, daß im Ernstfall nicht die Handgriffe, die in hochspezialisierten Sportarten die letzten Sekundenbruchteile bringen, zweckmäßig sind, sondern daß Dinge wie Streßstabilität, Ausführbarkeit hinter Deckungen und ähnliches viel entscheidender sind. Im kampfmäßigen Schießen ist das Treffen eben kein Selbstzweck wie im Sport, sondern nur ein Element von mehreren, die den Ausgang eines Feuergefechtes beeinflussen.

Taktik überwiegt

Es lassen sich zwar keine Prozentzahlen angeben, die ausdrücken, wie groß der jeweilige Einfluß der Taktik oder der Schießtechnik auf den Verlauf einer Konfrontation sein kann, meines Erachtens überwiegt der Einfluß der Taktik aber deutlich gegenüber der reinen Schießtechnik. Und letztlich beeinflussen sich Taktik und Schießtechnik ja immer gegenseitig.

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Selbstverteidigung mit der Flinte (2)

Von Dipl.-Ing. Manfred Ertl, aus „Internationales Waffenmagazin“ 10/1994.

Zuvor erschienen: Selbstverteidigung mit der Flinte (1)

Das Beherrschen der Ladetätigkeiten und der Handhabung ist die Grundlage für die Schießausbildung mit der Repetierflinte. Vieles aus diesem Ausbildungsbereich ist für einen effizienten Feuerkampf gleichermaßen wichtig wie für die Sicherheit am Schießstand.

Auch wenn die Handhabung einer Repetierflinte auf den ersten Blick überaus einfach erscheint, gibt es doch eine ganze Reihe von Einzeltätigkeiten und Besonderheiten, die man nicht nur kennen, sondern auch praktisch beherrschen muß, wenn man ernsthaft in Betracht zieht, die Waffe im Notfall zur Verteidigung einzusetzen. Es ist eben ein gewaltiger Unterschied, ob man auf dem Schießstand seine Flinte in Ruhe laden und schußbereit machen kann, um dann ein paar Schuß damit abzugeben, oder ob man seine Waffe im Streß einer Notwehrsituation wirklich beherrscht. Und gerade letzteres muß ja Ziel einer Ausbildung im Verteidigungsschießen sein, wenn eine solche Ausbildung nicht nur zu einer trügerischen Selbsttäuschung führen soll. Abgesehen davon ist eine Beherrschung der Waffenhandhabung unabdingbare Voraussetzung für einen sicheren und unfallfreien Umgang mit der Waffe.

Eine ausreichende Grundfertigkeit im Umgang mit der Flinte muß schon vor der Abgabe des ersten scharfen Schusses bestehen. Das betrifft vor allem das Laden und Entladen, sowie alle Handgriffe, die erforderlich sind, um die unterschiedlichen Grade der Schußbereitschaft an der Waffe zu erstellen oder zu verändern. Andere Tätigkeiten, wie das Beseitigen von Störungen oder das kontinuierliche Nachladen während des Feuergefechtes, können später im Rahmen der eigentlichen Schießausbildung erlernt werden. Beginnen sollte man auf jeden Fall mit dem systematischen Üben der elementaren Handgriffe.

Von den verschiedenen Lade-Methoden, die gelehrt und beschrieben werden, hat sich die folgende am besten bewährt: Die Flinte wird dabei zum Laden mit der rechten Hand am Kolbenhals gehalten, und die Patronen werden mit der linken Hand ins Magazinrohr geschoben. Diese Methode hat u. a. den Vorteil, daß sich die Flinte auf diese Weise unter den unterschiedlichsten Bedingungen am besten handhaben und kontrollieren läßt. Das wird vor allem deutlich, wenn man die Waffe im Liegen, hinter Deckungen oder unter räumlich eingeschränkten Verhältnissen nachladen muß, also etwa immer dann, wenn man Ladetätigkeiten im laufenden Feuergefecht auszuführen hat, wo man sich Platz und Körperhaltung kaum aussuchen kann, und die Zeiträume nutzen muß, die einem der Gegner läßt.

Praxisgerechtes Nachladen

In diesen Situationen wäre die ebenfalls oft beschriebene Methode – die Flinte mit der linken Hand am Vorderschaft zu halten und mit der rechten die Patronen zuzuführen – erheblich umständlicher. Die Tatsache, daß man mit der rechten Hand vielleicht etwas geschickter ist, wenn man die Patronen durch den engen Ladeschacht und gegen den Widerstand der Sperrklinken ins Magazinrohr schiebt, ist in diesem Fall nicht relevant. Wichtiger ist, eine Technik zu beherrschen, die im kampfmäßigen Schießen an alle denkbaren Situationen angepaßt werden kann.

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Selbstverteidigung mit der Flinte (1)

Winchester „Defender“, eine typische Vorderschaftrepetierflinte zur Selbstverteidigung.

Von Dipl.-Ing. Manfred Ertl, aus „Internationales Waffenmagazin“ 8-9/1994 (Titelbild von mir – Lucifex – eingefügt, restliche Bilder aus dem IWM-Artikel).

Will man sich eine Flinte zu Verteidigungszwecken zulegen, ist man schnell mit einer solchen Vielfalt an angebotenen Modellen konfrontiert, daß die Wahl zur Qual wird. Ähnlich wie bei anderen Waffen, ist es auch hier schwierig festzulegen, was grundsätzlich und für alle Fälle das ideale und allein seligmachende Modell ist, denn fast jedes weist eine andere Kombination von Eigenschaften auf, welche sich unter verschiedenen Einsatzbedingungen mal als Vor- und mal als Nachteil erweisen können. Nur eines ist mehr oder weniger sicher – eine Verteidigungsflinte sollte zumindest eine Repetierflinte sein.

Auch bei der Wahl einer Verteidigungsflinte sollte man bedenken, daß es ideale Verteidigungswaffen kaum gibt. Manche vermeintlich nachteilige Eigenschaften lassen sich jedoch durch ein Mehr an Ausbildung kompensieren, andere Nachteile sind durch geeignetes Zubehör zu beheben und andere Eigenschaften äußern sich nur unter ganz bestimmten Randbedingungen als ausgeprägte Vor- oder Nachteile. Die Wahl einer Verteidigungswaffe ist immer ein individueller Entscheidungsprozeß. In einem Beitrag, in dem es darum geht, Auswahlkriterien für eine Repetierflinte zu Verteidigungszwecken darzustellen, kann es also nicht Ziel sein, „die Flinte des Jahres“ zu wählen, sondern eher, die entscheidenden Waffeneigenschaften deutlich zu machen und zu bewerten. Dabei ist es auch wichtig, herauszustellen, welche Eigenschaften einer Flinte im Ernstfall entscheidend sind und welche weniger ins Gewicht fallen.

Ein Merkmal, das bei Repetierflinten der meisten großen Hersteller relativ variabel ist, ist die Lauflänge. Vor allem Mossberg und Remington bieten ein breites Sortiment an Läufen für ihre Flinten an, wobei für Verteidigungsflinten vor allem die kurzläufigen, kompakten Varianten – meist 46 cm bis 51 cm – in Frage kommen.

Flinten mit langen Läufen zu unhandlich

70 cm- bis 76 cm-Läufe bringen durch ihre längere Visierlinie nur bei bestimmten Einsatzzwecken, z. B. der Jagd auf hochfliegendes Flugwild, Vorteile, nicht jedoch in Verteidigungssituationen.

Waffen mit einer Gesamtlänge von über 1,2 m sind in den meisten realistischen Verteidigungslagen einfach zu sperrig. Bei der Annäherung an Ecken oder beim Anschlag hinter Deckungen und unter räumlich engen Verhältnissen macht sich jeder Zentimeter überflüssiger Lauflänge unangenehm bemerkbar. Und ballistisch bringen ein paar Zentimeter Lauflänge mehr oder weniger auch keine gravierenden Unterschiede.

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Die Wirksamkeit von Polizei- und Verteidigungsflinten

Von Dipl.-Ing. Manfred Ertl, aus Heft 11-1990 des „Schweizer Waffenmagazins“.

Die meisten ballistischen Veröffentlichungen beziehen sich auf den Büchsen- und Faustfeuerwaffenschuß; sofern der Flintenschuß behandelt wird, steht fast immer der jagdliche Einsatz im Vordergrund und nicht die Verwendung von Schrot, Posten und Flintenlaufgeschossen für Polizei- und Militäraufgaben sowie Verteidigungszwecke.

Die Flintengeschosse unseres Tests von links nach rechts: Mirage Palla Sorengo, Brenneke, Sauvestre, Dolomiti Ball, 9 Buckshot-00-Kugeln.

Im kampfmäßigen Schießen mit Schrotgewehren sind vor allem zwei Typen im Gebrauch, Halbautomaten und Vorderschaftrepetierer. Obwohl auch die halbautomatiche Flinte ihre Vorteile wie z. B. schnellere Schußfolge und geringeren Rückstoß hat, ist dennoch die Vorderschaftrepetierflinte, Pump Gun oder Riot Gun (Riot = engl. Aufruhr) die am weitesten verbreitete Schrotflinte im Polizeieinsatz und in der Selbstverteidigung. Speziell bei der amerikanischen Polizei gehört diese Waffe zur obligatorischen Ausrüstung jedes Streifenwagens.

Für die manuelle Repetierversion spricht neben dem günstigen Preis die robuste, störunanfällige Konstruktion, die fast narrensichere Handhabung und die Möglichkeit, unterschiedliche Munition ohne Rücksicht auf den Gasdruck und den Mündungsimpuls verschießen zu können.

Um die ballistischen Daten dieser Waffen in Bezug auf bestimmte Einsatzbereiche beurteilen zu können, muß man sich einige grundsätzliche Gedanken zum Schrotschuß machen.

Da bei der Schrotladung nicht jedes Einzelgeschoß durch einen Lauf geführt wird, streben die Schrotkörner nach Verlassen der Mündung mehr oder weniger auseinander. Dieses Auseinanderdriften der Schrote wird weniger von der Lauflänge, als von der Mündungsbeschaffenheit beeinflußt. Jagdwaffen haben Mündungsverengungen, die als Chokes oder Würgebohrungen bezeichnet werden, um die Schrotgarbe enger beieinander zu halten, um somit größere Einsatzreichweiten zu erzielen. Solche Waffen zeigen als typisches Schußbild einen engen zentralen Garbenkern mit hoher Deckung.

Größere Flächendeckung durch Zylinderbohrung

Riot Guns haben eine zylindrische Mündung ohne Laufverengung (Zylinderbohrung), was bereits auf kürzere Entfernung zur Abdeckung einer größeren Fläche mit einer Schrotverteilung ohne ausgeprägte Kerngarbe führt.

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Test: Ruger-Kleinkaliber-Repetierer 77/22

Der Autor mit dem Ruger 77/22 im Anschlag.

Von Anton Steiner, aus Heft 2-1985 des „Schweizer Waffenmagazins“. (Wie aus dem englischen Wikipedia-Artikel Ruger Model 77 rotary magazine hervorgeht, wird dieses 1983 erstmals vorgestellte Gewehr immer noch erzeugt, und zwar in den Kalibern .22 long rifle, .22 Winchester Magnum Rimfire und .22 Hornet.)

Die amerikanische Firma Sturm, Ruger & Company hat schon oft ein gutes Gespür für die Bedürfnisse des Marktes bewiesen. Sie beweist es auch jetzt mit der Lancierung des neuen zehnschüssigen Kleinkaliber-Repetierers Modell 77/22.

Wer den Ruger-Repetierer Model 77/22 erstmals zu Gesicht bekommt, erkennt wahrscheinlich nicht auf Anhieb, dass es sich hier um ein Kleinkaliber-Gewehr handelt. Die Ähnlichkeit mit dem Jagdrepetierer Modell 77 ist frappant.

Der Ruger-Kleinkaliber-Repetierer 77/22 ähnelt äußerlich dem Jagdrepetierer Modell 77.

Die Schäftung, deren Linienführung, die Anordnung der Fischhaut an Vorderschaft und Pistolengriff sind sozusagen identisch ausgeführt. Selbst die Riemenbügelbolzen fehlen nicht. Anstatt der braun-roten Gummikolbenkappe des Modells 77 hat die 77/22 dagegen eine schwarze Kunststoffkolbenplatte, und das Pistolengriffkäppchen besteht aus dem selben Material.

Üblicherweise sind Kleinkaliber-Büchsen mit einer Schwalbenschwanzführung versehen, wenn überhaupt eine Zielfernrohrmontage vorgesehen ist. Nicht so bei der Ruger 77/22. Sie weist die originale Montagevorrichtung des 77-Systems auf, und zwar erweitert und dadurch verbessert. Auf der hinteren Gehäusebrücke sind nämlich zwei Montageausfräsungen vorhanden. Der Spielraum bei der Positionierung des Zielfernrohrs wird dadurch erheblich erweitert. Mit den Ruger-Montageringen können somit Büchsen-Zielfernrohre von 1 Zoll Rohrdurchmesser montiert werden.

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Die Maschinenpistole MP 40/I im scharfen Schuß

Rekonstruktion: Gefreiter der Artillerie patrouilliert 1944 an der Ostfront in der Umgebung seiner Batterie, bewaffnet mit der Maschinenpistole MP 40/I.

Von Robert Bruce, übersetzt von Cernunnos. Dies ist meine Übersetzung des Kapitels über die Maschinenpistole MP 40/I aus dem Buch „German Automatic Weapons of World War II – Live Firing Military Weapons in Colour Photographs“ von Robert Bruce (ISBN I-85915-043-8). Sämtliche Bilder stammen ebenfalls aus diesem Buch, wie auch die von mir übersetzten Bildunterschriften (am Schluß gibt es eine mit Fotos illustrierte Zerlegeanleitung).

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Die mängelbehaftete Mauser R713 war nur eine Nebenveranstaltung im deutschen Arsenal. Es waren seit langem Arbeiten im Gange an einer wahren Maschinenpistole, um eine taktische Rolle auszufüllen, die sich allmählich entwickelt hatte, beruhend auf Erfahrungen aus dem Großen Krieg und vorausschauend auf die neue „Blitzkriegs“-Doktrin der hohen Beweglichkeit und maximalen örtlichen Überlegenheit. 1938 eingeführt, zu einer Zeit, als alle Maschinenpistolen der Welt unnötig schwer und teuer waren – nach den traditionell engen Toleranzen der Büchsenmacherei aus solidem Stahl gearbeitet und mit Hartholzschäften ausgestattet – revolutionierte die neue Maschinenpistole MP 38 aus der deutschen Firma Erfurter Maschinenfabrik (Erma) konventionelle Vorstellungen von dem, was eine Maschinenpistole sein sollte. Mit klappbarem Skelettschaft, Plastikgriff und vielen Blechprägeteilen boten sich die MP 38 und die nachfolgende MP 40-Familie von Maschinenpistolen für die effiziente Massenproduktion an und waren im Nahkampf sehr wirksam. Sie dienten dem deutschen Soldaten gut, von der Invasion Polens im September 1939 bis zum Zusammenbruch des „Tausendjährigen Reiches“ im Mai 1945.

Entwicklung

Obwohl Hugo Schmeissers MP 18/I von Bergmann – die erste wahre Maschinenpistole der Welt – zu spät gekommen war, um den Ausgang des Ersten Weltkrieges zu beeinflussen, spielte sie eine prominente Rolle in den sozialen Unruhen, die örtlich auf Bürgerkrieg hinausliefen, die auf Deutschlands Niederlage folgten. Anderswo in der unruhigen Nachkriegswelt befeuerten interne Rebellionen und Grenzkriege eine Nachfrage nach Maschinenpistolen, die von verschiedenen europäischen Waffenherstellern befriedigt wurde. Deutsche Firmen gehörten zu den stärksten Mitbewerbern und produzierten die von Schmeisser konstruierte Haenel-MP 28, die Bergmann-MP 34 und MP 35 und eine innovative Waffenserie von Erma.

1927 erhielt Heinrich Vollmer, ein Waffenkonstrukteur bei Erma, ein Patent für ein raffiniert konstruiertes Verschlußsystem. Ein mehr oder weniger gewöhnlicher gefräster Stahlverschluß wurde von einer Röhre getrieben, die sich teleskopartig in drei zunehmend kleineren Abschnitten zusammenschob. Darin befand sich eine Schraubenfeder, die sich um einen langen Stab wand, der aus der Rückseite eines nagelartigen Schlagbolzens hervorstand. Die Hauptvorteile dieser Anordnung waren Zuverlässigkeit und glatte Funktion. Die Abschnitte der Teleskopröhre schützten die Schließfeder vor Schmutz und verhinderten, daß sie bei hartem Gebrauch und häufigem Zerlegen zur Reinigung geknickt wurde.

Frühe Produktionsmuster der Vollmer/Erma-Maschinenpistole – 1928 vorgestellt und nach Frankreich und Lateinamerika exportiert – kamen in zwei Versionen: mit einem langen konisch verjüngten Lauf und einer Einbein-Teleskopstütze, und mit einem kürzeren Lauf und ohne Einbeinstütze. Die davon abgeleiteten Erma-EMPs ab 1930 waren, auch wenn sie in drei verschiedenen Versionen erschienen, der MP18 äußerlich sehr ähnlich, mit einer Menge traditionell verarbeitetem Stahl, geschlitzten Laufmänteln und schweren Hartholzschäften. Ein leicht identifizierbares Merkmal vieler EMPs war der senkrechte hölzerne Vordergriff, der vielleicht von jenem der amerikanischen Thompson-Maschinenpistole inspiriert war. Der Spanische Bürgerkrieg brach im Sommer 1936 aus, und deutsche Militärbeobachter und Spezialistenpersonal der „Legion Condor“ wurden fast sofort ausgesandt, um die Nationalisten zu unterstützen; hier hatten sie zahlreiche Gelegenheiten, aus erster Hand den praktischen Wert von Maschinenpistolen im Nahkampf zu beobachten. Wieder in Deutschland, verlangten Pioniere der Panzerkriegführung nach Maschinenpistolen, um die neuen Panzergrenadiereinheiten der motorisierten Infanterie zu bewaffnen.

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