Die Kultur der Kritik (8): Schluss – Wohin geht es mit dem Judaismus und dem Westen?

Von Prof. Kevin MacDonald, übersetzt vom Verlag libergraphiX (ursprünglich – noch vor Erscheinen der deutschen Buchausgabe – auf „As der Schwerter“ veröffentlicht). Das Original „The Culture of Critique“ erschien 1998 bei Praeger Publishers (die mir vorliegende Paperback-Ausgabe 2002 bei 1st Books Library [ISBN 0-7596-7222-9]).

Zuvor veröffentlicht:

Die Kultur der Kritik: Vorwort von Professor Kevin MacDonald

Die Kultur der Kritik: Vorwort von Professor Kevin MacDonald zur ersten Paperback-Ausgabe

Die Kultur der Kritik (1) – Juden und die radikale Kritik an der nichtjüdischen Kultur: Einführung und Theorie

Die Kultur der Kritik (2) – Die Boas’sche Schule der Anthropologie und der Niedergang des Darwinismus in den Sozialwissenschaften

Die Kultur der Kritik (3) – Juden und die Linke

Die Kultur der Kritik (4): Die jüdische Beteiligung an der psychoanalytischen Bewegung

Die Kultur der Kritik (5): Die Frankfurter Schule für Sozialforschung und die Pathologisierung nichtjüdischer Gruppenloyalitäten

Die Kultur der Kritik (6): Die jüdische Kritik an der nichtjüdischen Kultur: Eine Reprise

Die Kultur der Kritik (7): Jüdische Mitwirkung an der Gestaltung der amerikanischen Einwanderungspolitik

*   *   *

Eine Schlussfolgerung dieses Bandes ist, dass die Juden eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung hochgradig einflussreicher intellektueller und politischer Bewegungen spielten, die in zeitgenössischen westlichen Gesellschaften ihren Interessen dienten. Wie auch immer, diese Bewegungen sind nur ein Teil der Geschichte. Es gab in den westlichen Gesellschaften im Allgemeinen, aber besonders in den Vereinigten Staaten, ein enormes Anwachsen jüdischer Macht und jüdischen Einflusses. Ginsberg (1993) merkt an, dass seit dem Jahre 1960 der jüdische ökonomische Status sowie der kulturelle Einfluss in den Vereinigten Staaten dramatisch angestiegen ist. Shapiro (1992, 116) zeigt, dass Juden zumindest mit dem Faktor neun auf Wohlstands-Indizes überrepräsentiert sind, doch dies gilt als konservative Schätzung, weil viel jüdischer Reichtum in Immobilien steckt, was schwer zu veranlagen und leicht zu verstecken ist. Während sie nur annähernd 2,4 Prozent der Bevölkerung der Vereinigten Staaten ausmachen, repräsentieren Juden die Hälfte der oberen einhundert Geschäftsführer der Wall-Street und rund 40 Prozent der College-Zulassungen der Ivy League. Lipset und Raab (1995) merken an, dass Juden zwischen einem Viertel und einem Drittel aller politischen Zuwendungen in den Vereinigten Staaten spenden, darunter die Hälfte der Spenden für die Demokratische Partei sowie ein Viertel der Spenden für die Republikaner.

Die allgemeine Botschaft von Goldbergs (1996) Buch Jewish Power: Inside the American Jewish Establishment ist, dass der amerikanische Judaismus gut organisiert und freigiebig finanziert ist. Er verschaffte sich ein großes Maß an Macht und war erfolgreich bei der Durchsetzung seiner Interessen. Es besteht ein hohes Maß an Konsens in einem großen Teil der jüdischen Angelegenheiten, insbesondere auf dem Gebiet der Israel-Politik und der Wohlfahrt anderer ausländischer jüdischer Enklaven, der Einwanderungs- und Flüchtlingspolitik, der Trennung von Kirche und Staat, dem Recht auf Schwangerschaftsabbruch sowie der Bürgerrechte (siehe Kapitel 1). Tatsächlich ist die Übereinstimmung in diesen Fragen zwischen jüdischen Aktivistenorganisationen und den hier besprochenen, jüdischen intellektuellen Bewegungen, trotz des hohen Maßes an fehlender Übereinstimmung in Bezug auf andere Angelegenheiten, bemerkenswert. Die massiven Veränderungen in der öffentlichen Politik bezüglich dieser Fragen, die mit der kulturellen Gegenrevolution in den Sechziger Jahren begannen, fallen mit der Periode ansteigender jüdischer Macht und steigenden Einflusses in den Vereinigten Staaten zusammen.

Seit den Fünfziger Jahren des Zwanzigsten Jahrhunderts verfolgen empirische Studien über die ethnische Hierarchie in den Vereinigten Staaten die Veränderungen ethnischer Gruppenressourcen einschließlich der Repräsentation der Elite (beispielsweise Alba & Moore 1982; Lerner, Nagai & Rothman 1996). Diese Studien hoben häufig die Überrepräsentation der protestantischen Weißen in den Unternehmenshierarchien und im Militär hervor, versäumten jedoch Gruppenunterschiede in Engagement und Organisation einzubeziehen. Salter (1998b) verschafft eine theoretisch fundierte Einschätzung des jüdischen Einflusses im Vergleich zu jenem der Afroamerikaner und der nichtjüdischen europäischstämmigen Amerikaner auf Grundlage von Blalocks (1967, 1989) Modell der Gruppenmacht als Funktion der Ressourcen multipliziert mit der Mobilisierung. Juden bieten weit mehr Mobilmachung auf als die anderen ethnischen Bevölkerungsteile (man zögert, nichtjüdische europäischstämmige Amerikaner als „Gruppe“ zu bezeichnen). Während beispielsweise spezifische ethnische Organisationen, welche sich den ethnischen Interessen der nichtjüdischen europäischstämmigen Amerikaner widmen, im Wesentlichen Randgruppen mit dürftiger Finanzierung und geringem Einfluss auf den allgemeinen politischen Prozess sind, merkt Salter an, dass das America-Israel Public Affairs Committee (AIPAC) von Kongressmitgliedern und professionellen Lobbyisten als zweitmächtigste der 120 mächtigsten Lobbys bewertet wird, wobei in den oberen 25 Rängen keine weitere ethnische Organisation vertreten ist. Des Weiteren ist AIPAC eine der wenigen Lobbys, welche sich in beträchtlichem Maße auf Wahlkampfspenden verlässt, um Bündnispartner zu gewinnen. Wie oben angesprochen, tragen die Juden zwischen einem Drittel und der Hälfte aller Wahlkampfgelder bei Wahlen auf Bundesebene bei, wobei die Spenden vom  „Thema Israel und der weiteren jüdischen Agenda“ (Goldberg 1996, 275) motiviert werden. Juden sind somit in Bezug auf Wahlkampfspenden auf der Grundlage ihres Bevölkerungsanteils mit dem Faktor 13 überrepräsentiert, unter Berücksichtigung ihres höheren Durchschnittseinkommens beträgt der Faktor annähernd 6,5. In Bezug auf Auslandsspenden ist die jüdische Führung sogar noch größer. Beispielsweise gaben jüdische Amerikaner in den Zwanziger Jahren des Zwanzigsten Jahrhunderts, vor der Explosion jüdischer Spenden an Israel nach dem Zweiten Weltkrieg, 24 mal mehr pro Kopf für die Hilfe ausländischer Juden aus als irisch-stämmige Amerikaner als Hilfe für Irland in seinem Kampf um die Unabhängigkeit von Großbritannien. Dies war jedoch der Höhepunkt der ethnischen irischen Philanthropie (Carroll 1978). Die Disparität hat sich seit dem Zweiten Weltkrieg sehr vergrößert. Salter geht in einer vorläufigen konservativen Schätzung auf der Grundlage des Vergleichs von Pro-Kopf-Spenden für nicht-religiöse ethnische Angelegenheiten von einer viermal größeren ethnisch jüdischen Mobilisierung aus, als bei jener weißer Nichtjuden.

(mehr …)

Die Kultur der Kritik (6): Die jüdische Kritik an der nichtjüdischen Kultur: Eine Reprise

Von Prof. Kevin MacDonald, übersetzt vom Verlag libergraphiX (ursprünglich – noch vor Erscheinen der deutschen Buchausgabe – auf „As der Schwerter“ veröffentlicht). Das Original „The Culture of Critique“ erschien 1998 bei Praeger Publishers (die mir vorliegende Paperback-Ausgabe 2002 bei 1st Books Library [ISBN 0-7596-7222-9]).

Zuvor veröffentlicht:

Die Kultur der Kritik: Vorwort von Professor Kevin MacDonald

Die Kultur der Kritik: Vorwort von Professor Kevin MacDonald zur ersten Paperback-Ausgabe

Die Kultur der Kritik (1) – Juden und die radikale Kritik an der nichtjüdischen Kultur: Einführung und Theorie

Die Kultur der Kritik (2) – Die Boas’sche Schule der Anthropologie und der Niedergang des Darwinismus in den Sozialwissenschaften

Die Kultur der Kritik (3) – Juden und die Linke

Die Kultur der Kritik (4): Die jüdische Beteiligung an der psychoanalytischen Bewegung

Die Kultur der Kritik (5): Die Frankfurter Schule für Sozialforschung und die Pathologisierung nichtjüdischer Gruppenloyalitäten

*   *   *

Erinnerst du dich, fragte er mich, was Lueger, der antisemitische Bürgermeister von Wien, einmal der Stadtverwaltung sagte, als sie nach Hilfsgeldern aus öffentlichen Mitteln für die Naturwissenschaften verlangte? „Wissenschaft? Das ist das, was ein Jude vom anderen abschreibt.“ Das ist, was ich zur Ideengeschichte (deutsch im Original; der Übersetzer) sage, der Geschichte der Ideen. (Isaiah Berlin, in Erinnerung an eine Konversation mit Lewis Namier; in  Efron 1994, 13)

Das Material der vorausgehenden vier Kapitel weist darauf hin, dass Individuen, welche sich stark als Juden identifizierten, die große motivierende Kraft hinter mehreren hochgradig einflussreichen, intellektuellen Bewegungen waren, welche gleichzeitig die nichtjüdische Kultur einer radikalen Kritik unterwarfen sowie eine Fortsetzung der jüdischen Identifikation erlaubten. Zusammengenommen beinhalten diese Bewegungen die intellektuelle und politische Linke in diesem Jahrhundert und sind die direkten intellektuellen Vorfahren der gegenwärtigen linken intellektuellen und politischen Bewegungen, insbesondere des Postmodernismus und des Multikulturalismus.

Kollektiv haben diese Bewegungen die fundamentalen moralischen, politischen und wirtschaftlichen Grundlagen der westlichen Gesellschaft in Zweifel gezogen. Ein entscheidendes Merkmal dieser Bewegungen ist, dass sie, zumindest in den Vereinigten Staaten, in jenem Sinne auf den Kopf gestellte Bewegungen waren, als sie in Mitgliedern einer hochintelligenten und hoch gebildeten Gruppe ihren Ursprung hatten und von diesen dominiert wurden. Diese Bewegungen wurden mit viel intellektueller Leidenschaft, moralischer Inbrunst und einem hohen Grad theoretischer Verfälschung verteidigt. Jede Bewegung versprach ihre eigene, oft teilweise deckungsgleiche oder ergänzende Version einer Utopie: eine Gesellschaft, zusammengesetzt aus Menschen mit demselben biologischen Leistungspotential, welche durch die Kultur leicht nach den Vorstellungen einer moralisch und intellektuell überlegenen Elite zu idealen Bürgern geformt werden können; eine klassenlose Gesellschaft, in der es keine Interessenkonflikte gibt und die Menschen auf altruistische Art für das Wohl der Gruppe arbeiten; eine Gesellschaft, in der die Menschen frei von Neurosen, frei von Aggressionen gegen Außengruppen sowie im Einklang mit ihren biologischen Bedürfnissen leben; ein multikulturelles Paradies, in dem verschiedene rassische und ethnische Gruppen in Harmonie und Zusammenarbeit zusammenleben – ein utopischer Traum, welcher auch die zentrale Bühne in der Diskussion der jüdischen Beteiligung an der Gestaltung der US-Einwanderungspolitik in Kapitel 7 besetzen wird. Jede dieser Utopien ist aus einer evolutionären Perspektive zutiefst problematisch, ein Thema auf das wir noch in Kapitel 8 zurückkommen werden.

Die Begründer dieser Bewegungen waren alle lebhaft mit dem Thema Antisemitismus beschäftigt, und all jene Utopien, welche von diesen intellektuellen und politischen Bewegungen in Aussicht genommen wurden, versprachen den Antisemitismus zu beenden, gleichzeitig jedoch die jüdische Gruppenkontinuität weiter zu erlauben. Eine Generation jüdischer Radikaler betrachtete die Sowjetunion als einen idyllischen Platz, an dem die Juden in hervorragende Stellungen aufsteigen konnten und wo der Antisemitismus offiziell gebannt war, während das nationale jüdische Leben aufblühte. Die psychoanalytische Bewegung und die Frankfurter Schule freuten sich auf den Tag, an dem die Nichtjuden gegen den Antisemitismus von einer klinischen Priesterschaft immunisiert sein würden, welche die persönlichen Unzulänglichkeiten sowie die Frustrationen durch den Statusverlust, den die Nichtjuden in mörderischer Weise auf die Juden projektierten, heilen könnte. Und die Boasianer sowie die Frankfurter Schule und ihre Nachkommen würden die Entwicklung antisemitischer Ideologien von Seiten eines Ethnozentrismus der Mehrheitsgesellschaft verhindern.

(mehr …)

Die Kultur der Kritik (5): Die Frankfurter Schule für Sozialforschung und die Pathologisierung nichtjüdischer Gruppenloyalitäten

Von Prof. Kevin MacDonald, übersetzt von Deep Roots (ursprünglich veröffentlicht auf „As der Schwerter“). Das Original „The Culture of Critique“ erschien 1998 bei Praeger Publishers und die mir vorliegende Paperback-Ausgabe 2002 bei 1st Books Library (ISBN 0-7596-7222-9). Ich erhebe keinen Anspruch auf eine wie auch immer geartete Vergütung für die Verwendung dieser Übersetzung durch den Verfasser, Professor Kevin MacDonald, für eine Veröffentlichung in Buchform oder in irgendeiner sonstigen Weise.

(I will not claim any reward whatsoever from the author, Professor Kevin MacDonald, should he publish this translation in printed or any other form)

Zuvor veröffentlicht:

Die Kultur der Kritik: Vorwort von Professor Kevin MacDonald

Die Kultur der Kritik: Vorwort von Professor Kevin MacDonald zur ersten Paperback-Ausgabe

Die Kultur der Kritik (1) – Juden und die radikale Kritik an der nichtjüdischen Kultur: Einführung und Theorie

Die Kultur der Kritik (2) – Die Boas’sche Schule der Anthropologie und der Niedergang des Darwinismus in den Sozialwissenschaften

Die Kultur der Kritik (3) – Juden und die Linke

Die Kultur der Kritik (4): Die jüdische Beteiligung an der psychoanalytischen Bewegung

 

DIE POLITISCHE AGENDA DER FRANKFURTER SCHULE FÜR SOZIALFORSCHUNG

Hass und [der] Geist der Aufopferung… werden eher vom Bild versklavter Vorfahren genährt als von dem befreiter Enkelkinder. (Illuminations, Walter Benjamin 1968, S. 262)

Nach Auschwitz noch Gedichte zu schreiben, ist barbarisch. (T. W. Adorno, 1967, S. 34)

Die Kapitel 2 – 4 behandelten mehrere Stränge der Theorie und Forschung jüdischer Sozialwissenschaftler, die von spezifisch jüdischen politischen Interessen beeinflußt zu sein scheinen. Dieses Thema wird im vorliegenden Kapitel mit einer kritischen Betrachtung von Die autoritäre Persönlichkeit fortgesetzt. Dieses klassische Werk über Sozialpsychologie wurde vom Department of Scientific Research des American Jewish Committee (nachfolgend AJCommittee) in einer Serie mit dem Titel Studies in Prejudice gefördert. Studies in Prejudice stand in enger Verbindung mit der sogenannten Frankfurter Schule vorwiegend jüdischer Intellektueller, die mit dem Institut für Sozialforschung verbunden war, welches in der Weimarer Zeit in Deutschland entstand. Die erste Generation der Frankfurter Schule waren vom ethnischen Hintergrund her lauter Juden, und das Institut für Sozialforschung selbst wurde von einem jüdischen Millionär, Felix Weil, finanziert (Wiggershaus 1994, S. 13). Weils Bemühungen als „Patron der Linken“ waren außerordentlich erfolgreich: Bis zu den frühen 1930ern war die Universität von Frankfurt zu einer Bastion der akademischen Linken geworden und zu „dem Ort, wo alles interessante Denken auf dem Gebiet der Gesellschaftstheorie konzentriert war“ (Wiggershaus 1994, S. 112). Während dieser Zeit wurde die Soziologie als „jüdische Wissenschaft“ bezeichnet, und die Nazis betrachteten schließlich Frankfurt selbst als ein „neues Jerusalem am fränkischen Jordan“ (Wiggershaus 1994, S. 112 – 113).

Die Nazis nahmen das Institut für Sozialforschung als kommunistische Organisation wahr und schlossen es innerhalb sechs Wochen nach Hitlers Machtergreifung, weil es „staatsfeindlichen Aktivitäten Vorschub geleistet“ hatte (in Wiggershaus 1994, S. 128). Selbst nach der Auswanderung des Instituts in die Vereinigten Staaten wurde es weithin als kommunistische Tarnorganisation mit einer dogmatischen und tendenziösen marxistischen Sichtweise wahrgenommen, und es gab einen ständigen Balanceakt im Versuch, die Linke nicht zu verraten, „während man sich gleichzeitig gegen entsprechende Verdächtigungen wehrte“ (Wiggershaus 1994, S. 251; siehe auch S. 255).112

Gershom Sholem, der israelische Theologe und Religionshistoriker, bezeichnete die Frankfurter Schule als „jüdische Sekte“, und es gibt viele Hinweise auf eine sehr starke jüdische Identifikation vieler Mitglieder der Schule (Marcus & Tar 1986, S. 344). Studies in Prejudice stand unter der allgemeinen Redaktion von Max Horkheimer, einem Direktor des Instituts. Horkheimer war ein sehr charismatischer „‚Manager-Gelehrter’, der seine Kollegen ständig daran erinnerte, daß sie ein paar wenigen Auserwählten angehörten, in deren Händen die weitere Entwicklung der ‚Theorie’ lag“ (Wiggershaus 1994, S. 2). Horkheimer hatte eine starke jüdische Identität, die sich in seinen späteren Schriften zunehmend zeigte (Tar 1977, S. 6; Jay 1980). Jedoch war Horkheimers Engagement für den Judaismus, wie durch das Vorhandensein spezifisch jüdischer religiöser Themen belegt ist, selbst in seinen Schriften als Jugendlicher und junger Erwachsener ersichtlich (Maier 1984, S. 51). Am Ende seines Lebens akzeptierte Horkheimer seine jüdische Identifikation völlig und verwirklichte eine große Synthese zwischen Judaismus und Kritischer Theorie (Carlebach 1978, S. 254 – 257). (Kritische Theorie ist der Name für die theoretische Perspektive der Frankfurter Schule.) Als Hinweis auf sein tiefes Gefühl jüdischer Identität erklärte Horkheimer (1947, S. 161), daß es das Ziel der Philosophie sein muß, die jüdische Geschichte zu rechtfertigen: „Die anonymen Märtyrer der Konzentrationslager sind das Symbol für die Menschheit, die danach strebt, geboren zu werden. Die Aufgabe der Philosophie ist es, das, was sie getan haben, in eine Sprache zu übersetzen, die gehört wird, auch wenn ihre endlichen Stimmen von der Tyrannei zum Schweigen gebracht worden sind.“

Tar (1977, S. 60) beschreibt Horkheimers Inspiration als aus seinem Versuch stammend, den Judaismus hinter sich zu lassen, während er trotzdem an den Glauben seiner Väter gebunden blieb. Es überrascht nicht, daß es eine Entfremdung von der deutschen Kultur gibt:

Wenn ich gerade aus meinem Heimatland Palästina eingetroffen wäre und in erstaunlich kurzer Zeit die Ansätze zum Schreiben auf Deutsch gemeistert hätte, so hätte dieser Essay nicht schwieriger zu schreiben sein können. Der Stil hier trägt nicht den Stempel eines gewandten Genies. Ich versuchte mit Hilfe dessen, was ich las und hörte, zu kommunizieren, unterbewußt Bruchstücke einer Sprache zusammensetzend, die einer seltsamen Mentalität entspringt. Was sonst kann ein Fremder tun? Aber mein starker Wille setzte sich durch, weil meine Botschaft verdient, gesagt zu werden, ungeachtet ihrer stilistischen Mängel. (Horkheimer, My Political Confession, in Tar 1977, S. 60)

T. W. Adorno, der erste hier betrachtete Autor der berühmten Studien aus Berkeley über die autoritäre Persönlichkeit, war ebenfalls ein Direktor des Instituts, und er hatte eine sehr enge berufliche Beziehung zu Horkheimer, die so weit ging, daß Horkheimer über ihre Arbeit schrieb: „Es wäre schwierig zu sagen, welche der Ideen seinem Geist entsprangen und welche meinem eigenen; unsere Philosophie ist eins“ (Horkheimer 1947, S. vii). Jüdische Themen traten ab 1940 in Adornos Schriften als Reaktion auf den Antisemitismus der Nazis zunehmend hervor. Tatsächlich kann viel von Adornos späterem Werk als Reaktion auf den Holocaust betrachtet werden, wie von seinem berühmten Kommentar versinnbildlicht: „Nach Auschwitz noch Gedichte zu schreiben, ist barbarisch“ (Adorno 1967, S. 34) und von seiner Frage, „ob man nach Auschwitz mit dem Leben weitermachen kann – insbesondere einer, der durch Zufall entkommen ist, der von Rechts wegen hätte getötet werden sollen“ (Adorno 1973, S. 363). Tar (1977, S. 158) merkt an, daß der Sinn des ersteren Kommentars der sei, daß „kein Studium der Soziologie möglich sein konnte, ohne über Auschwitz nachzudenken und ohne sich darum zu kümmern, neue Auschwitzes zu verhindern.“ „Die Erfahrung von Auschwitz wurde in eine absolute historische und soziologische Kategorie verwandelt“ (Tar 1977, S. 165). Es gab offenkundig ein intensives jüdisches Bewußtsein und ein Engagement für das Judentum unter jenen, die am meisten für diese Studien verantwortlich waren.

(mehr …)

Libertarianismus und weißer rassischer Nationalismus

libertarianism-172x172

Von Kevin MacDonald, übersetzt von Deep Roots. Das Original Libertarianism and White Racial Nationalism erschien am 17. Mai 2011 in The Occidental Quarterly.

 

Anmerkung der Redaktion [von TOQ; d. Ü.]: Dies ist der Einleitungsartikel der Frühjahrsausgabe 2011 von The Occidental Quarterly. Um die ganze Ausgabe zu lesen, kaufen Sie bitte ein Abonnement.

Greg Johnson, der vorherige Chefredakteur von TOQ, hatte die wunderbare Idee einer Ausgabe darüber, wie sich der Libertarianismus mit Fragen des weißen rassischen Nationalismus überschneidet. Dies ist ein wichtiges Thema. Anders als ausdrückliche Behauptungen weißer Identität und Interessen wird der Libertarianismus als Teil des konservativen Mainstreams betrachtet. Er verärgert die multikulturellen Machthaber nicht. Tatsächlich ist der Libertarianismus, wie in mehreren der Artikel hier diskutiert – besonders im Artikel von Simon Krejsa -, eine Ideologie der nationalen Auflösung, die die aus der Einwanderung resultierenden Probleme sehr verschärfen würde.

 

IGNORIEREN DER REALEN WELT: LIBERTARIANISMUS ALS UTOPISCHE METAPHYSIK

Mehrere prominente Libertäre haben offene Grenzen befürwortet, außer für Einwanderer, die eindeutig darauf aus sind, persönliche oder Eigentumsrechte zu verletzen. Wie Krejsa anmerkt, ignorieren Libertäre die Realität, daß die Völker, die unsere Küsten bedrängen, oft starke ethnische Bindungen haben, und daß sie typischerweise in gut finanzierten, aggressiven ethnischen Organisationen organisiert sind. Diese ethnischen Organisationen haben ein vitales Interesse an einer starken Zentralregierung, die in der Lage ist, ihre Interessen in einem weiten Bereich von Gebieten zu fördern, von Wohlfahrtszahlungen bis zur Außenpolitik. In anderen Worten, sie handeln weit mehr als gemeinsame Einheit, als es eine Anzahl isolierter Individuen tun würde. Weiters ignoriert die von den Libertären befürwortete Einwanderungspolitik die Realität rassischer und ethnischer Unterschiede in einem breiten Spektrum von Eigenschaften, die für den Erfolg in zeitgenössischen Gesellschaften entscheidend sind, insbesondere IQ, Kriminalität und Impulsivität. Gesellschaftlicher Nutzen bildet keinen Teil des Denkens des Libertarianismus.

Beim Lesen dieser Artikel fällt einem auf, daß der Libertarianismus im Endeffekt eine Metaphysik ist. Das heißt, er postuliert einfach eine minimale Anzahl von Rechten (auf das Eigentum am eigenen Körper, auf das Eigentum am Privatbesitz und die Freiheit, Verträge einzugehen) und folgt diesem Konzept unnachgiebig bis zu seinem logischen Schluß. Der einzige Zweck einer Regierung ist es, den „physischen Übergriff“ gegen die Person oder das Eigentum eines anderen zu unterbinden. Es ist eine utopische Philosophie, die auf dem beruht, was sein sollte, anstatt auf einem nüchternen Verständnis dessen, wie Menschen sich wirklich verhalten. Es überrascht nicht, wie Simon Lote und Farnham O’Reilly hervorheben, daß es niemals irgendwelche reinen libertären Gesellschaften gegeben hat. Dafür gibt es starke Gründe.

In der Tat erinnert mich die Philosophie des Libertarianismus an Kants kategorischen Imperativ, der besagt: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, daß sie ein allgemeines Gesetz werde.“ Der Imperativ definiert ein Konzept moralischer Verpflichtung, aber daraus folgt bestimmt nicht, daß andere sich auf moralische Weise verhalten werden. Man wäre in der Tat naiv anzunehmen, daß eine Philosophie moralischer Verpflichtungen die Menschen netter machen würde. Kant hätte nie gesagt, daß wir die Gesellschaft nach der Annahme arrangieren sollten, daß Menschen sich nach dem verhalten werden, wozu sie moralisch verpflichtet sind.

In ähnlicher Weise ist die libertäre Idee, daß wir die Regierung so verändern sollten, als ob die Regierten ein atomistisches Universum von Individuen wären, sich der Tatsache nicht bewußt, daß sehr viele Menschen sich weiterhin auf der Grundlage ihrer Gruppenidentität verhalten werden, ob diese nun auf Volkszugehörigkeit oder einer freiwilligen Vereinigung wie einer Firma beruht. Sie werden weiterhin Netzwerkerei betreiben (oft mit Volksangehörigen), und sie werden Maßnahmen verfolgen, die auf die Förderung ihres Eigeninteresses abzielen, wie es durch die Gruppenzugehörigkeit bedingt ist. Wenn sie Zugang zu den Medien haben, werden sie Medienbotschaften gestalten, die auf die Bekehrung anderer zu ihrer Sichtweise abzielen – Botschaften, die die wahrscheinlichen Ergebnisse politischer Entscheidungen nicht akkurat darzustellen brauchen. Medienmächtige Gruppen könnten auch Botschaften gestalten, die die natürliche Neigung der Menschen hin zu ihrem eigenen Profit ohne Rücksicht auf die Schwächen anderer ausnutzen – eine Form der Freisetzung Darwin’scher Konkurrenz wie nachfolgend beschrieben.

Diese Minimalliste menschlicher Interessen begründet sich weder in Theologie noch Naturwissenschaft. Ein Schwerpunkt von Trudie Perts Essay ist der Konflikt zwischen der libertären Philosophie und dem traditionellen katholischen Kollektivismus mit seiner Funktion des Gruppenschutzes, die auf dem Konzept des Naturrechts beruht. Vom Standpunkt der Evolutionsbiologie würde eine Gesellschaft, die nach der libertären Ideologie konstruiert ist, einen Darwin’schen Konkurrenzkampf zwischen Individuen und Gruppen entfesseln. Nachdem es, wie Vitman Tänka anmerkt, in der libertären Ideologie nichts gibt, das freiwillige Vereinigungen verhindert, würden die Menschen sich in einer libertären Gesellschaft natürlicherweise zusammenschließen, um ihre Interessen zu fördern. Solche Gruppen würden ihre eigenen Interessen am besten durch eine starke Regierung befriedigt sehen, die auf ihrer Seite ist.

Das libertäre Utopia wäre daher chronisch instabil. Tatsächlich zitiert Krejsa Peter Brimelow, der anmerkt, daß eine libertäre Gesellschaft mit völlig offenen Grenzen einen enormen Druck hin zu starker staatlicher Kontrolle zur Folge hätte – Einwanderung als „Viagra des Staates“: „Einwanderer, vor allem Einwanderer, die sich rassisch und kulturell von der Gastgeberpopulation unterscheiden, sind wandelnde Werbeanzeigen für Sozialarbeiter und Regierungsprogramme und für die Regulierung der politischen Rede – soll heißen, die Unterdrückung der völlig natürlichen Einwände der Gastgeberpopulation.“

(mehr …)

Neue Forschungen über Individualismus und Kollektivismus

Von Kevin MacDonald, übersetzt von Deep Roots.

Das Original Recent Research on Individualism/Collectivism erschien am 25. September 2010 im „Occidental Observer“

 

In kulturübergreifender Perspektive ist das Einzigartige an der europäischen Kultur die Tendenz zum Individualismus. Der Individualismus ist die Basis für die westliche Modernisierung – weshalb der Westen den Rest der Welt dominiert hat. Er ist eng mit einer Reihe von Wesenszügen verbunden, einschließlich demokratischer und republikanischer Regierungsformen, relativ hohem Status für Frauen, relativ niedrigem Ethnozentrismus, moralischem Universalismus und Wissenschaft.

Forschungen über Individualismus/Kollektivismus sind eine ziemlich große akademische Sparte geworden. Kürzliche Forschungen haben genetische Unterschiede zwischen individualistischen und kollektivistischen Gesellschaften herausgefunden und diese Dimension mit Wirtschaftswachstum und Innovation in Verbindung gebracht. Mehrere dieser Stränge kommen in einem Papier von Jurij Gorodnitschenko und Gérard Roland zusammen, „Culture, Institutions, and the Wealth of Nations, herausgebracht vom Center for Economic Policy Research (kurze Online-Version Does Culture Affect Long-run  Growth).

Die Langversion des Artikels hält fest, daß Individualismus/Kollektivismus die „Hauptdimension kultureller Variation“ ist.

Individualismus betont persönliche Freiheit und Leistung. Die individualistische Kultur vergibt daher gesellschaftlichen Status nach persönlichen Leistungen wie wichtige Entdeckungen, Innovationen oder große künstlerische Leistungen. Auf der anderen Seite kann Individualismus kollektives Handeln schwieriger machen, weil Individuen ihre eigenen Interessen verfolgen, ohne kollektive Interessen zu verinnerlichen.

Kollektivismus macht kollektives Handeln leichter in dem Sinne, daß Individuen Gruppeninteressen in größerem Maß verinnerlichen. Jedoch ermutigt er auch zu Konformität und hält Individuen davon ab, sich hervorzutun. Dieser Rahmen impliziert, daß Individualismus zu Innovationen ermutigt, wenn alles andere gleich ist, aber der Kollektivismus sollte einen Vorteil haben bei der Koordinierung von Produktionsprozessen und bei verschiedenen anderen Formen kollektiven Handelns.

Ihr Modell stützt sich auf die Idee, daß kollektivistische Kulturen besser darin sind, Güter zu produzieren, daß aber individualistische Kulturen besser darin sind, Innovationen zu schaffen, die für neue Produkte nötig sind. Individualistische Kulturen sollen daher besser darin sein, Wachstum zu produzieren, aber nicht so gut bei der effizienten Produktion von Gütern, wenn die Technologie einmal vorhanden ist. Zur Unterstützung führen sie mehrere anekdotische Beispiele an, wo technologische Innovationen, die ihren Ursprung in westlichen Gesellschaften hatten, zu Produkten führten, die in Japan effizienter produziert wurden. Als weiteres Beispiel führen sie an, daß General Motors nicht in der Lage war, die auf Konsens und Teamarbeit beruhende Toyota-Kultur in den Vereinigten Staaten einzuführen.

Dieses Bild unten zeigt oben links die weltweite Variation in Individualismus-Kollektivismus, von gelb (individualistisch) bis rot (kollektivistisch).

Individualism-Collectivism-1

Bild oben: Geographisches Zusammentreffen von Serotonintransporter-Gendiversität und kulturellen Wesenszügen von Indivdualismus-Kollektivismus zwischen den Ländern. Graue Bereiche zeigen geographische Regionen, für die keine veröffentlichten Daten verfügbar sind.

(a) Karte der Häufigkeitsverteilung von Individualismus-Kollektivismus.

(b) Karte der Häufigkeitsverteilung der S-Allele von 5-HTTLPR.

(c) Karte der globalen Häufigkeitsverteilung des Vorkommens von Ängstlichkeit

(d) Karte der globalen Häufigkeitsverteilung des Vorkommens von Gemütskrankheiten.

Die Farbskala von gelb nach rot zeigt niedriges bis hohes Vorkommen an.

Aus Chiao und Blizinsky (2009).

Fällt Ihnen etwas auf? Individualismus ist ganz klar ein europäisches Phänomen.

Gorodnitschenko und Roland messen im wesentlichen genetisches Europäertum, indem sie Cavalli-Sforzas (1994) Daten über auf Blutgruppen basierende genetische Distanz verwenden, korrigiert nach dem Prozentsatz einer ethnischen Gruppe in dem Land. Obwohl die Autoren die genetischen Daten als bloße Stellvertreter für die kulturellen Unterschiede sehen, wie man nicht dazuzusagen braucht, sind sie auch Stellvertreter für zugrunde liegende genetische Unterschiede zwischen diesen Kulturregionen, die weit über die Gene für Blutgruppen hinausgehen. Nach ihren Messungen sind die Vereinigten Staaten das individualistischste Land der Welt, sodaß die Länder umso individualistischer sind, je näher sie den Vereinigten Staaten genetisch sind. Dies ist eine starke Korrelation: „Die starke negative Korrelation zwischen genetischer Distanz (berechnet relativ zu den USA, die eine sehr individualistische Kultur hat) und Individualismus legt nahe, daß genetische Distanz ein starkes Instrument sein könnte.

Der Artikel zapft auch kürzliche Forschungsergebnisse an, die auf eine genetische Basis für Individualismus/Kollektivismus hindeuten. Kollektivistische Kulturen werden mit zwei genetischen Markern in Verbindung gebracht, von denen beide die Menschen mehr zu Stress in Abwesenheit der Art von sozialer Unterstützung neigen läßt, wie man sie in kollektivistischen Kulturen findet. Chiao und Blizinsky (2009) fanden in 30 Ländern eine starke Korrelation zwischen Kollektivismus und dem Vorkommen eines kurzen (S-) Allels im Polymorphismus 5-HTTLPR des Serotonintransportergens SLC6A4. Von diesem Allel ist bekannt, daß es das Depressionsrisiko von Individuen erhöht, wenn sie Stressfaktoren im Leben ausgesetzt sind. Die Idee ist, daß kollektivistische Kulturen Individuen vor diesen Risiken schützen, indem sie sie stärker in Gemeinschaften mit starken sozialen Verbindungen einbetten und so starke psychologische Unterstützungsnetzwerke bieten. Daher ist das Gen adaptiver in kollektivistischen Kulturen und wird wahrscheinlich in individualistischen Kulturen ausselektiert.

Hier ist eine weitere Grafik von Chiao and Blizinsky (2009), die wiederum die Reihenfolge von Kulturen hinsichtlich Individualismus-Kollektivismus zeigt, aber auch die Korrelation mit dem Prozentsatz des 5-HTTLPR-Allels.

Individualism-Collectivism-2

Eine weitere (kompatible) Erklärung ist, daß Menschen mit der kurzen Form des Allels sensibler gegenüber gesellschaftlicher Mißbilligung sind, wie in einem neuen Papier von Thomason et al zu finden ist. Menschen mit der kurzen Form des Allels reagierten stärker auf finstere Gesichter – kein guter Wesenszug, wenn man nichtkonformistische Positionen einnimmt. Es ist ein Gen, auf das diejenigen von uns, die öffentlicher Schmähung wegen politisch inkorrekter Ansichten ausgesetzt sind, sehr verzichten können.

(mehr …)

Frei zu verlieren: Juden, Weiße und der Libertarianismus

Ayn Rand

Ayn Rand

Von Brenton Sanderson, übersetzt von Deep Roots. Das Original Free to Lose: Jews, Whites, and Libertarianism erschien am 25. November 2011 in The Occidental Quarterly.

 

Anmerkung des Herausgebers [von „The Occidental Quarterly“]: Der untenstehende Essay aus der Herbstausgabe 2011 von „The Occidental Quarterly“ ist einer, den jeder Highschool- und Collegeschüler lesen sollte. Er ist kurz, bündig, gelehrt und hat außergewöhnlichen Erklärungswert!

Daher lade ich euch ein, den untenstehenden Essay zu kopieren und an einen Schüler zu schicken, den ihr kennt. Kopiert den Text in euer Word-Programm, speichert ihn und hängt ihn an eine email! Oder wenn ihr wollt, schickt einen Link.

Aber was noch wichtiger ist, abonniert The Occidental Quarterly, sodaß ihr wichtige Artikel regelmäßig kopieren und an Schüler, Freunde oder Familienangehörige schicken könnt, die vielleicht unentschlossen sind. Ich bevorzuge die Druckausgabe, weil ich anscheinend eine längere Aufmerksamkeitsspanne habe, wenn ich eine Zeitlang vom Computer weg bin. Und ein Abonnement der Druckausgabe enthält auch die Möglichkeit, die digitale Ausgabe sofort zu kopieren, die ihr als Ganzes oder als Teil kopieren und als Anlage an euren Lieblingsschüler schicken könnt.

Wir werden nicht zulassen, daß unser Copyright eurem Aktivismus und eurer Reichweite in die Quere kommt!

Nützt die Möglichkeiten zum Aktivismus, den ein Abonnement des „Occidental Quarterly“ bietet. Kauft ein Abo der Druck- oder Digitalausgabe. Lest sie und gebt jene Artikel weiter, die ihr für wichtig und überzeugend für Schüler, Familienmitglieder und Freunde haltet.

*  *  *  *  *  *  *

 

Die politische Philosophie des Libertarianismus hat kürzlich in den Vereinigten Staaten eine Welle der Unterstützung erhalten, hauptsächlich in der „Tea Party“-Bewegung und unter den Unterstützern von Ron und Rand Paul. Der Katalysator sind die wahrgenommenen Mißerfolge der Reaktion der Obama-Administration auf die globale Finanzkrise und die nachfolgende Rezession gewesen: eine Reaktion, die von einer ideologiegetriebenen Ausweitung des Regierungseigentums, der Ausgaben und der Regulierung der US-Wirtschaft charakterisiert war, mit einer entsprechenden Verminderung der individuellen Freiheit. In diesem Kontext scheint die Befürwortung des Freimarkt-Libertarianismus ein rationales Korrektiv zu Obamas neomarxistischer Agenda zu sein, angesichts des libertären Engagements für die Maximierung der individuellen Freiheit und die Minimierung des Staates – zu einer Zeit, wo ein aufgeblähter dysfunktionaler Staat den Problemen zugrunde zu liegen scheint, denen Weiße sich gegenüber sehen.

Während es ein Spektrum des Libertarianismus gibt, das die Links-Rechts-Dualität der zeitgenössischen Politik überspannt, wird der Libertarianismus in der heutigen Welt primär mit dem Engagement für Marktliberalismus in Verbindung gebracht, der das Kennzeichen der Österreichischen und Chicagoer Schule der Ökonomie war. Ein Wendemoment in der Geschichte des Nachkriegslibertarianismus war die Verleihung des Wirtschaftsnobelpreises an den libertären Theoretiker Friedrich von Hayek 1974. Während der vorhergehenden dreißig Jahre hatten die Wirtschaftstheorien des britischen Ökonomen John Maynard Keynes im ganzen Westen vorgeherrscht. Der Keynesianismus, zu dem staatliche Eingriffe in die Wirtschaft durch „deficit spending“ zur Anregung der Produktion und Beschäftigung gehören, beruht auf der Idee, daß Regierungen handeln können und sollen, um die schlimmsten Unbeständigkeiten des Wirtschaftszyklus zu eliminieren. Durch Manipulation des Bundesbudgets kann eine Regierung theoretisch die wirtschaftlichen Ergebnisse dirigieren.

Der Keynesianismus entstand als Mittelposition zwischen Freimarkt-Libertarianismus und sozialistischer staatlicher Planung. Jedoch stürzte die Stagflationskrise, die mit der OPEC-Ölkrise der frühen Siebziger entstand, den Konsens des Nachkriegskeynesianismus in Turbulenzen. Sie bereitete die Bühne für das Wiedererscheinen politischer Unterstützung für Freimarkt-Libertarianismus und letztendlich für die Wahl von Margaret Thatcher in Britannien und Ronald Reagan in den Vereinigten Staaten – und nachfolgend ihrer Legionen politischer Imitatoren überall auf der Welt. An vorderster Front dieser Renaissance des libertären Denkens stand zusammen mit Hayek eine Gruppe jüdischer Intellektueller, deren Ideen und Einsatz entscheidend für diese Errungenschaft und für die nachfolgende und anhaltende Anziehungskraft des Libertarianismus. Die prominentesten und einflußreichsten dieser Gestalten waren Ludwig von Mises, Milton Friedman und Ayn Rand.

Es ist eines der scheinbaren Paradoxa der politischen Geschichte im vergangenen Jahrhundert, daß Juden als Theoretiker und Aktivisten für vorgeblich gegensätzliche ideologische Kräfte prominent waren: sozialistischer Kollektivismus einerseits, und Freimarkt-Libertarianismus (und Neokonservatismus) andererseits. Jedoch beginnt dieses Paradox zu verblassen, wenn man es durch die Linse von Professor Kevin MacDonalds Theorie des Judaismus als gruppenevolutionäre Strategie betrachtet. Seiner Theorie zufolge entstand der Judaismus historisch als Strategie zur Förderung des wirtschaftlichen Wohlergehens und Fortpflanzungserfolges von Juden als genetisch eigenständiger Population. In „Culture of Critique“ untersucht MacDonald ein Spektrum intellektueller Bewegungen des zwanzigsten Jahrhunderts, bei denen es eine entscheidende jüdische Mitwirkung gab, und schlußfolgert, daß sie eine stillschweigende Agenda der Förderung gruppenevolutionärer Interessen von Juden gemeinsam haben – oft auf Kosten von Nichtjuden. Dementsprechend können sie treffsicher als jüdische intellektuelle Bewegungen betrachtet werden, die in Wirklichkeit post-aufklärerische Manifestationen des Judaismus als gruppenevolutionäre Strategie sind. Ein Hauptschwerpunkt in „Culture of Critique“ liegt auf der Rolle von Juden bei der Formulierung und Verfechtung marxistischer und kulturmarxistischer Ideologien wie die Kritische Theorie der Frankfurter Schule.

Meine Absicht hier ist nicht zu bestimmen, ob der Libertarianismus wie die Frankfurter Schule eine jüdische intellektuelle Bewegung ist. Dies erfordert eine ausführlichere Behandlung, als hier möglich ist. Hier werde ich erstens untersuchen, warum freimarkt-libertäre Ideen eine starke Anziehungskraft auf eine prominente Untergruppe jüdischer Intellektueller gehabt haben, und zweitens die praktische Auswirkung libertärer Ökonomie und Sozialpolitik auf europäischstämmige Populationen besprechen.

JUDEN UND LIBERTARIANISMUS

In einer Rede vor der Mont Pelerin Society im Jahr 1972 mit dem Titel „Capitalism and the Jews“ erforschte Milton Friedman, vielleicht die entscheidende Gestalt des modernen Libertarianismus nach Hayek, das scheinbare Paradox, daß die Juden, obwohl sie unter dem Kapitalismus gediehen waren, eine zentrale Rolle bei der Formulierung und Verfechtung linker politischer Ideologien gespielt hatten. Er merkte an, daß, trotzdem es den Juden als Volk unter kapitalistischen Gesellschaften sehr gut gegangen war,

„die Juden im vergangenen Jahrhundert ein Bollwerk antikapitalistischer Einstellungen gewesen sind. Von Karl Marx über Leon Trotzki bis Herbert Marcuse ist ein beträchtlicher Bruchteil der revolutionären antikapitalistischen Literatur von Juden verfaßt worden ist. Kommunistische Parteien in allen Ländern, einschließlich der Partei, die die Revolution in Rußland verwirklichte, aber auch heutige kommunistische Parteien in westlichen Ländern und besonders in den Vereinigten Staaten, sind in unverhältnismäßigem Ausmaß von Juden geführt und bemannt worden – obwohl ich mich hinzuzufügen beeile, daß nur ein winziger Bruchteil der Juden jemals Mitglieder der Kommunistischen Partei gewesen sind. Juden sind auch gleichermaßen aktiv in weniger revolutionären Parteien in allen Ländern gewesen, als Intellektuelle, die sozialistische Literatur schufen, als aktive Teilnehmer in der Führung und als Mitglieder.“

Friedman findet dies etwas schwierig mit der Tatsache in Einklang zu bringen, daß „die Juden dem Kapitalismus enorm viel verdanken.“ Es ist offensichtlich, daß es bei den Juden als intelligentem und fähigem Volk immer wahrscheinlich ist, daß sie im Konkurrenzkontext des ungehemmten Marktes gedeihen. Dementsprechend scheint es für Friedman offensichtlich, daß der wahre Feind für jüdische Interessen (und die Interessen anderer fähiger Minderheitengruppen) die Zugangsbarrieren und konkurrenzfeindliche Praktiken sind, die in diversen historischen Fällen ihre volle Teilnahme an den wirtschaftlichen Angelegenheiten einer Nation beschränkt haben. Für Friedman ist es axiomatisch, daß

(mehr …)