Eurocentrism and Halloween

Ein interessantes Video von Hugh MacDonald (10:41 min):

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Götter, Götter, Götter: Donner und Fruchtbarkeit

NORD-LICHT

Bronzene Zeusstatue von ca. 470 v. Chr., gefunden im Meer vor Kap Artemision. Bronzene Zeusstatue von ca. 470 v. Chr., gefunden im Meer vor Kap Artemision.

Von „bast“, aus dem Historie-Magazin „Karfunkel“ Nr. 79 Dezember 2008 – Januar 2009. Dort ist der Artikel unter dem Originaltitel „Götter, Götter, Götter, Teil 3: Donner und Fruchtbarkeit“ erschienen; das mit „Teil 3“ habe ich wie bei „Teil 4: Die Macht der alten Mütter“ weggelassen, um den irrigen Eindruck zu vermeiden, daß die anderen Teile ebenfalls hier auf Nord-Licht erschienen seien.

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Diesmal beschäftigen wir uns mit den wahrhaft merkwürdigen Gemeinsamkeiten in den Vorstellungen über die heidnischen Götter und stellen zwei davon näher vor: die Donnergötter (Zeus, Jupiter, Taranis, Donar/Thor etc.) und die Fruchtbarkeitsgöttinnen.

Wenn wir heute ein Gewitter erleben, ruft das kaum noch eine nennenswerte Reaktion hervor. Die Mutter meiner Grundschullehrerin pflegte sich jedoch bei nächtlichen Gewittern noch vollständig anzukleiden. Sie nahm eine Tasche mit den wichtigsten Papieren zur Hand und machte…

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Götter, Götter, Götter: Die Macht der alten Mütter

NORD-LICHT

Maria lactans (stillende Maria) Maria lactans (stillende Maria)

Von „bast“, aus dem Historie-Magazin „Karfunkel“ Nr. 80 Februar-März 2009 (einschließlich der Bilder, außer jenem von der Mondsichelmadonna im Bonner Münster und jenen in meinem Anhang). Dort ist der Artikel unter dem Originaltitel „Götter, Götter, Götter, Teil 4: Die Macht der alten Mütter“ erschienen; das mit „Teil 4“ habe ich weggelassen, um den irrigen Eindruck zu vermeiden, daß die Teile 1 – 3 ebenfalls hier auf Nord-Licht erschienen seien. Auch habe ich den vorletzten Abschnitt dieses Artikels, „Gott oder Göttin – die Standpunkte in der theologischen Diskussion“ hier weggelassen, weil es darin fast nur um die Auseinandersetzung innerhalb der christlichen Theologie und die – von „bast“ offenbar eher distanziert gesehene – „feministische Theologie“ geht, was hier nicht das Thema sein soll (man muß auch bei Angaben zu heidnischen Göttinnen immer aufpassen, daß man nicht feministischem Unsinn aufsitzt). Mir geht es hier hauptsächlich um die Kultkontinuität…

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Frauen als Maß für Glaubwürdigkeit

Von Alex Kurtagić, übersetzt von Lucifex. Das Original Women as a Measure of Credibility erschien am 25. Mai 2011 auf Radix und ist auf „Herren des Universums“ archiviert. (Links im Text vom Übersetzer eingefügt.)

Letztes Jahr schrieb ich, daß Frauen die natürlichen Verbündeten der (alternativen) Rechten sind. Die jüngste Debatte über die Präsenz und Rolle von Frauen in der Bewegung verdient eine Neubetrachtung und nähere Ausführung einiger der Argumente, die zur Unterstützung meiner These vorgebracht wurden, wie auch die Erforschung eines Weges nach vorn angesichts existierender Bedingungen.

Ich behaupte, daß Frauen ein Interesse an der Sicherung des Erfolgs der Rechten haben und daß es im Interesse der Rechten ist, sich nicht darauf zu beschränken, eine Bewegung zur Verfechtung von Männerrechten zu sein – bei unserer Bewegung geht es um die Rettung der gesamten Rasse vor dem Aussterben, nicht einer bestimmten Hälfte davon.

Worum es hier nicht geht

Ich bin nicht hier, um die Äquivalenz von Frauen zu Männern zu postulieren; ich betrachte die Geschlechter als nicht-äquivalent, womit ich meine, daß sie nicht austauschbar sind: Männer und Frauen haben Stärken und Schwächen, die für ihr Geschlecht einzigartig sind. Ich bin nicht hier, um eine Kampagne für die Gleichheit der Repräsentation zu führen; für mich haben Männer und Frauen eigene, wenn auch einander ergänzende Rollen, aber das bedeutet nicht unbedingt, daß gleiche Zahlen einen Erfolg in unserem bestimmten Unterfangen anzeigen werden – funktionell könnte die optimale Balance sehr wohl asymmetrisch erreicht werden. Ich bin nicht hier, um über Ungerechtigkeiten zu reden, die von einem Geschlecht gegenüber dem anderen begangen werden, oder einem Geschlecht die Schuld für das Unglück aller zu geben; der Krieg der Geschlechter ist ein feindliches Konstrukt und eine Ablenkung im Kampf um das rassische Überleben. Schlußendlich bin ich nicht hier, um Frauen zu sagen, was sie tun oder nicht tun sollten; es ist surreal, daß wir über die Köpfe der Frauen hinweg über sie reden, ohne daß sie Teil der Konversation sind – Frauen, denen etwas am Überleben der weißen Rasse liegt, können selbst entscheiden, was oder wer sie sein wollen und wie sie sich beteiligen.

Frauen im Westen

In westeuropäischen Kulturen haben Frauen im Verhältnis zu nichtwestlichen Kulturen traditionell einen hohen gesellschaftlichen Status und Freiheit genossen, trotz wohldefinierter Geschlechterrollen. Dies widerspiegelt sich nicht nur in der gesellschaftlichen Organisation, sondern reicht bis zur Mythologie zurück.

In der nordischen Tradition ist Freya die Göttin der Liebe, Schönheit und Fruchtbarkeit, aber auch des Goldes, des Seiðr, des Krieges und des Todes. Sie ist ein Mitglied der Wanen, einer Gruppe von Göttern, die mit Fruchtbarkeit, Weisheit und Vorauswissen in Verbindung gebracht wurden. Sie herrscht über Folkvangr, wohin nach dem Tod die Hälfte derjenigen geht, die im Kampf sterben (die andere Hälfte geht nach Walhalla). Frigg erscheint vorrangig als Ehefrau und Mutter, aber sie ist auch die Königin von Asgard, hat die Macht der Prophezeiung und ist außer Odin die einzige, die auf dem Hlidskialf sitzen und in alle Welten sehen darf. Ihre Gefährte Eir, ist mit medizinischen Fertigkeiten verbunden. Sie ist auch eine Walküre. Walküren entscheiden, wer im Kampf stirbt. Von denen, die nicht im Kampf sterben, wird ein Teil von Hel aufgenommen, die über das gleichnamige Reich herrscht, das in Niflheim liegt. In der Prosa-Edda herrscht sie über große Wohnsitze und ihre Unterweltdiener. Bei der versuchten Wiederbelebung Baldurs spielt sie eine Schlüsselrolle. Gná macht Botengänge für Frigg in anderen Welten und reitet ein fliegendes, über das Meer laufendes Pferd, Hófvarpnir. Vár steht mit Eiden und Abkommen in Verbindung; Vör mit Weisheit, Skadi mit der Bogenjagd, dem Skilauf, dem Winter und den Bergen.

In der keltischen Mythologie ist Morrigan eine Göttin der Fruchtbarkeit, aber auch des Kampfes und der Schlächterei, des Haders, des Landes und Reichtums. Morrigan ist eine dreifache Göttin, von der Macha ein Teil ist; Macha ist die Göttin des Kampfes und der Souveränität. Epona ist auch eine Pferdegöttin und verkörpert den Begriff der Pferdestärke oder der Reitkunst. Pferde waren ein Symbol der Macht, ein Instrument der indoeuropäischen Expansion, entscheidend für den Erfolg und den Schutz des Stammes. Muttergöttinnen sind ein wiederkehrendes Element in der keltischen Mythologie. In der walisischen Tradition sind Dôn, Rhiannon und Modron Muttergestalten, genauso wie Danu, Boand, Macha und Ernmas in der irischen Tradition. Für die Kelten war ihre Rolle und Symbolik jedoch nie allein auf die Mutterschaft beschränkt, und in Geschichten wird das Gebären von Kindern nur beiläufig erwähnt.

In der griechischen Mythologie ist Athene die Göttin der Weisheit, der Zivilisation, der Kriegführung, der Strategie, der Stärke, der weiblichen Künste, des Handwerks, der Geschicklichkeit und Gerechtigkeit. Als schlaue Begleiterin von Helden ist sie auch die Göttin der heroischen Bestrebungen. Athenes Mutter war die Titanin Metis, Zeus‘ erste Gattin und ihm gleichgestellt, und die Göttin des Krieges und der Weisheit. Artemis war die Göttin des Kindergebärens, der Jungfräulichkeit und der jungen Frauen, aber sie ist auch die Göttin der Wildnis, der wilden Tiere und der Jagd. Sie wird mit Pfeil und Bogen dargestellt. Rhea, Titanin und Tochter des Uranus (des Himmels) und Gaias (der Erde) war als „die Mutter von Göttern“ bekannt. Im Goldenen Zeitalter waren sie und Kronos, ihr Ehemann, Königin beziehungsweise König der Götter.

Im vorchristlichen Nordeuropa wurden Frauen verehrt. In der Germania zum Beispiel schreibt Tacitus:

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Imbolc: Das Fest zum Beginn der hellen Jahreshälfte

morgenlicht

Von Lichtschwert, unter Verwendung von Material aus Waltraud Ferraris Buch „Alte Bräuche neu erleben: Fest- und Alltag im Rhythmus der Jahreszeiten“.

Beginnend mit dem heutigen Vorabend zum 1. Februar und am 1. Februar selbst, teilweise auch in der Nacht vom 1. auf den 2. Februar, wird das keltische Fest Imbolc oder Imbolg (gesprochen i-MOLC oder i-MOLG) gefeiert, das ungefähr die Mitte zwischen der Wintersonnenwende und der Frühlings-Tagundnachtgleiche markiert. Mit Imbolc endet die dunkle Jahreshälfte nach keltischer Zeitrechnung, und das helle Halbjahr beginnt, das mit dem Herbstbeginnsfest Lughnasad am 1. August und dessen Vorabend endet. Es ist eines der vier großen keltischen Jahreszeitenfeste, zusammen mit Beltane, Lughnasad und Samhain, und war in heidnischer Zeit mit der Göttin Brigid oder Brighid verbunden, aus der in christlicher Zeit die heilige Brigitta von Kildare wurde, deren Namenstag der 1. Februar ist, während das Fest selbst heute am 2. Februar als Mariä Lichtmeß gefeiert wird. Hier ist, was Waltraud Ferrari in „Alte Bräuche neu erleben“ dazu schreibt:

Mariä Lichtmess – 2. Februar

Mariä Lichtmess gehörte zu den wichtigsten Los- und Feiertagen im ganzen Jahr. Vor allem Beobachtungen zum Wetter standen dabei an vorderster Stelle. Um die Bedeutung dieses Tages zu erklären, muss man etwas weiter ausholen.

Grundsätzlich fiel auf diesen Zeitpunkt ein Mittwinterfest, das von verschiedenen Völkern in vielen Regionen Europas begangen wurde. Es war einerseits ein Reinigungsfest, andererseits ein Anlass, dem wachsenden Licht, dem Sonnenfeuer und dem damit verbundenen Erstarken des Lebens zu huldigen.

Im keltischen Kalender wurde in der Nacht vom ersten auf den zweiten Februar Imbolc gefeiert. Über die Herkunft dieser Bezeichnung herrscht Uneinigkeit. Am wahrscheinlichsten ist die Deutung „rituelle Waschung, Reinigung“. Überlieferungen zufolge war es üblich, speziell Hände, Füße und das Haupt mit Wasser zu reinigen, Haus und Hof zu putzen und anschließend riesige Feuer zu entzünden. Der Tag, an dem dies stattfand, war der Göttin Brighid gewidmet, deren Name so viel wie „die Helle, die Strahlende, die Streitbare“ bedeutet, ähnlich der bereits bekannten Frau Perchta. Brighid war bewandert in Heilkunst und Poesie, sie war die Hüterin des Feuers (weswegen ihr auch die Schmiede unterstanden) und im Speziellen die Hüterin des Herdfeuers und die Schutzherrin gebärender Frauen. Es hieß, Brighid beuge sich über jede Wiege, in der ein Neugeborenes liegt. Die Legende berichtet auch, Brighid besitze einen blauen Mantel, ähnlich dem Firmament. Ihr Symbol ist eine Art Sonnenrad, das heute Brighids Kreuz genannt wird.

brighidkreuz

Römischen Aufzeichnungen nach war Brighid die große Muttergöttin keltischer Stämme, der Briganten (im Nordosten Britanniens beheimatet) und der mit ihnen lose verwandten Brigantier, deren Siedlungsgebiet am Bodensee im heutigen Vorarlberg lag. Einige Orte in Mitteleuropa erinnern noch heute an ihren Namen, unter anderem die Hauptstadt Vorarlbergs, Bregenz.

Im christlichen Kalender feierte man am 1. Februar das Fest der heiligen Brigitte von Kildare/Irland, die vor allem als Viehpatronin und als Beistand bei Geburten angerufen wurde. Sie wurde auch als die „gälisch-keltische Maria“ bezeichnet, wodurch sich der Zusammenhang zum Lichtmessfest ergab.

Auch bei den Römern gab es um diese Jahreszeit ein großes Reinigungsfest mit Namen februa, wovon sich der Monatsname Februar ableitet. Es wurden Fackelumzüge abgehalten, Räucherwerk entzündet und Lärmbräuche zum Vertreiben der dunklen Winterdämonen eingesetzt.

Im Christentum wurde der 2. Februar dann zu Mariä Lichtmess, der Tag der Reinigung Mariä nach der Geburt Jesu. (Nach biblischer Auffassung galt eine Frau nach der Geburt eines Kindes für eine bestimmte Zeit als unrein.) Die um diese Zeit immer schon üblichen Licht- und Feuerbräuche blieben in Form der großen Kerzenweihe erhalten. Bei einem feierlichen Gottesdienst wird für die Gläubigen der Kerzenvorrat für ein ganzes Jahr geweiht, und diese Lichtmesskerzen gelten auch heute noch als besonders wundertätig. Früher stellte man sie den Gebärenden ans Bett, um die Geburt zu erleichtern und Mutter und Kind vor schlechten Einflüssen zu behüten, bei Gewitter wurden sie zum Schutz angezündet, oder man ließ drei Tröpfchen ihres Wachses in den Brotteig fallen und gab dieses spezielle Brot den Tieren zu fressen, um sie vor Krankheiten zu schützen. In Vorarlberg gab es zu Lichtmess die Kerzenrodel. Sie bestand aus einer Art langer, dünner, wachsbezogener Kerzenschnur, die man zu einem kunstvoll gewundenen Knäuel wickelte. Sie wurde nur von Frauen bei Begräbnissen, bei Gedächtnisgottesdiensten oder auf dem Friedhof verwendet.

Der Lichtmesstag spielte im bäuerlichen Leben eine wichtige Rolle. Die fälligen Abgaben mussten bezahlt werden, was oft mithilfe der im Winter hergestellten Produkte geschah, und die Dienstboten wechselten den Arbeitsplatz. Verließ ein Dienstbote den Hof, musste ihm die Bäuerin ein „Lichtmesskoch“ oder einen „Lichtmesskrapfen“ zum Abschied geben.

In einigen Gebieten der Alpen kommen heute noch die Lichtmeßsänger oder –geiger ins Haus, um ihre Segenswünsche vorzutragen. Als Lohn erhalten sie den Lichtmesskrapfen, Schnaps und manchmal auch kleine Geldspenden. Auch in der Stadt lässt sich der Brauch des Lichtmeßsingens in etwas abgewandelter Form praktizieren. Menschen, die gerne miteinander musizieren und singen, können in ihrer Nachbarschaft von Haus zu Haus gehen. Aber auch an einem öffentlichen Platz, ja sogar in der U-Bahn hört mancher vielleicht gerne gute Segenswünsche, die ihm mit auf den Weg gegeben werden.

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Volkssagen aus Österreich: Die Perchtl

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Von Lichtschwert, ursprünglich veröffentlicht auf Nord-Licht.

 

Die heutige Nacht auf den Dreikönigstag ist die letzte der Rauhnächte, die „Perchtlnacht“, in der nach dem alten Volksglauben die Frau Perchta, auch Perchtl oder Berchtl genannt, umgehen soll. Es gibt viele Sagen um sie; diese hier stammt aus Niederösterreich:

DIE BERCHTL-OHRFEIGE

In den Rauhnächten, in denen nach dem Volksmund alle Geister los sind und ihr Unwesen treiben, zieht auch die Frau Berchtl um und wandert über Berg und Tal. Sie erscheint bald als riesiges, uraltes Weib, bald in Gestalt einer schönen Dame von edlem Aussehen. Doch stets trägt sie als untrügliches Zeichen eine lange Nase. Um die Mitternachtsstunde hält sie gerne Einkehr in den Bauernhäusern, erfreut sich am Glück der Menschen und segnet die Wohnplätze der Guten. Den emsigen Mägden schenkt sie Spindeln und spinnt zuweilen selbst des Nachts für sie, so daß am Morgen alle Spulen gefüllt sind.

Doch wehe, wenn sie merkt, daß in einem Hause die Faulheit regiert! Trägt die spitze Kunkel des Spinnrades zu Silvester noch Flachs vom vergangenen Jahr, so verwirrt sie voll Zorn das Garn, besudelt den Rocken und zertritt die Spindeln. In einem solchen Haushalt ruht das ganze kommende Jahr kein Segen auf der Arbeit. Darum scheuern die klugen Mägde gegen Jahresende stets gründlich Haus und Hof und nehmen sorgfältig den Flachs, der nicht abgesponnen wurde, vom Rocken herab, damit ihnen ja nichts übel ausgelegt wird.

Am Berchtltag, dem Vorabend des Dreikönigstages, trippeln hinter der Frau Berchtl in langer Reihe die armen, zarten „Zoderwascherln“ einher; es sind dies die Seelen der ungetauft verstorbenen Kinder. In manchen Gegenden will es der Brauch, an diesem Abend nach der Mahlzeit eine Schüssel voll Semmelmilch für die Berchtl und ihre Kinder auf den geeckten Tisch zu stellen. Setzt sie sich dann mit den Zoderwascherln nieder und nippt von der Milchspeise, so will sie dabei unbeobachtet sein. Dem Neugierigen, der es wagt, sie zu belauschen, kann es übel ergehen.

Lebte da in einem Dorf im Ybbstal vor vielen Jahren ein fauler Knecht. Der saß einmal am Abend vor dem Dreikönigstag im Wirtshaus und ging erst spät von dort durch die Nacht nach Hause. Schnee lag über Berg und Tal, und ein eisiger Wind pfiff ihm um die Ohren.

Als er gerade über die Brücke schritt, die über die Ybbs führt, hörte er ein seltsames Raunen und Rauschen. Neugierig wandte er sich um und sah die Berchtl mit ihren Kinderchen des Weges kommen. Die armen Zoderwascherln waren nur mit einem Hemdchen bekleidet und folgten zitternd ihrer Führerin. Eines der Kinder konnte mit der übrigen Schar nicht Schritt halten und blieb ein Stück hinter den anderen zurück.

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Buchempfehlung: Waltraud Ferraris „Alte Bräuche neu erleben“

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Von Lichtschwert.

In diesem Beitrag stelle ich ein Buch vor, das ich in diesem Frühjahr gekauft habe und das ich allen sehr empfehlen kann, die sich für altes Brauchtum, kulturelle Identität und deren mythologische Wurzeln interessieren:

„Alte Bräuche neu erleben: Fest- und Alltag im Rhythmus der Jahreszeiten“ von Waltraud Ferrari (Leopold Stocker Verlag 2014, ISBN 978-3-7020-1443-8)

Dieser sehr schön gestaltete, reich bebilderte und auch solide gefertigte Band befaßt sich mit dem christlichen und heidnischen (letzteres von der Autorin meist als „alteuropäisch“ bezeichnet) Brauchtum vorwiegend des Alpenraums. Zur näheren Erläuterung zitiere ich nachfolgend Waltraud Ferrari selbst in Form von Auszügen aus dem Einleitungsteil ihres 206seitigen Buches:

Wer sich für eine Landschaft interessiert, wer den dort ansässigen Menschen wahrhaft begegnen möchte und wer es wagt, manchmal abseits ausgetretener Pfade unterwegs zu sein, wird unweigerlich auf altes Brauchtum in seinen verschiedensten Erscheinungsformen treffen. Vieles ist schon in Vergessenheit geraten, manches ist zum Touristenevent geworden, aber auch Authentisches ist noch erhalten und wird heute neu belebt.

Dieses Buch soll nicht nur Hintergründe und Funktion überlieferter Bräuche beleuchten, sondern auch dazu anregen, das darin vorhandene Wissen wiederzuentdecken und, je nach Wunsch, im eigenen Leben anzuwenden. Dabei erwartet Sie keineswegs nur ein Blick in frühere Zeiten, sondern eine reiche, bunte Erfahrungswelt, die dem Leben auf besondere Weise Kraft und Zauber zu verleihen vermag.

Was ist Brauchtum eigentlich?

Echtes Brauchtum war stets Ausdruck einer ganzheitlichen Lebensform mit entsprechender Lebensphilosophie, die ursprünglich alle Daseinsbereiche betraf. Dabei verstand sich der Mensch als selbstverständlichen Teil einer Gesamtheit, bestehend aus unzähligen Kräften und Kreaturen. Der unmittelbare Bezug zu jahreszeitlichen Rhythmen, also ein bäuerlich geprägter Kalender, spielte dabei eine vorrangige Rolle. Er bildete kosmisches Geschehen, die Bewegung von Sonne und Mond, den Lauf der Gestirne, also das, was für die Vorgänge von der Aussaat bis zur Ernte zu beachten war, in menschlichen Dimensionen ab und erinnerte an die großen Zusammenhänge alles Lebendigen. Man wusste, was lebens- und überlebensnotwendig und somit auch bestimmend für die Gemeinschaft war. So wurden wichtige Zeitpunkte und Feste innerhalb des Jahres markiert und durch das jeweilige Brauchtum entsprechend gewürdigt. Daraus ergab sich eine Struktur, die – beinahe unverändert – bis in die Gegenwart reicht.

Von einem bestimmten Blickwinkel aus lässt sich Brauchtum auch als eine Art Erzählform ansehen, die jahrhunderte- oder sogar jahrtausendealtes Wissen bewahrt. Dieses wird durch Reime und Merksprüche, Geschichten, Lieder und Tänze, Sagen und mythologische Überlieferungen, maskentragende Gestalten sowie eine Vielzahl ritualisierter Handlungen mitgeteilt.

Darüber hinaus beziehen sich viele Bräuche auf bedeutende Ereignisse im Leben wie Geburt, die Aufnahme in die Welt der Erwachsenen, Heirat oder Tod, die von besonderen Ritualen begleitet werden. So ist Brauchtum unter anderem Ausdruck der Achtung vor der Natur und dem Leben selbst und spiegelt zugleich die Würde derer wider, die diesem Lebendigen mit Ehrfurcht gegenübertreten. Es entspringt einer Zeit, in der ursprüngliche Lebensweise mit genauer Naturbeobachtung einherging, wobei man alles als beseelt betrachtete, also mit einer Intelligenz versehen, mit der man kommunizieren konnte. Nicht unbedingt in Worten, sondern in Form bestimmter Handlungen, die man im Brauch immer noch sieht.

Im Brauchtum begegnet man kraftvollen, archaischen Bildern, die sich auf einer heute oft vernachlässigten Ebene mitteilen. Diese Mittelungen sprechen den Menschen in seiner Gesamtheit an und wenden sich nicht vordergründig an den Verstand, sondern an das tiefe Empfinden der Seele, eine Art bildhaft „ver-götterndes“ Denken, das in früheren Epochen noch als selbstverständlich galt. Wo man heute nur einen Getreideacker sieht, erkannte das archaische Denken der Seele eine Wesenheit oder Gottheit, die ihn belebte. So wohnte im Acker der Korngeist, in den Herbststürmen fegte die Wilde Jagd über die Felder, und in den Rauhnächten traf man auf die Perchten, lichte wie dunkle Gestalten, die Segen bringen, Unheil abwehren und aufbrechendes Leben nach der Winterruhe hervorwirken sollten.

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Das Brauchtum erzählt in seiner bildhaften Sprache von Abläufen, die in der Natur tatsächlich stattfinden. Zugleich weist es ganz selbstverständlich auf Metaphysisches hin, nämlich auf jene unsichtbar-geistigen Bereiche, in denen man den Ursprung allen Seins vermutete. Auf diese Weise wird an den Zusammenhang alles Lebendigen erinnert und damit wieder ein heiles und heilsames organisches Schöpfungsbild vermittelt. Im Idealfall geht dies mit der Empfindung für ein natürliches, gemeinsames Wachstum einher, das in einem Tempo erfolgt, welches dem Leben zuträglich ist.

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Beltane / Walpurgisnacht

„The Council of Cernunnos“ von Emily Balivet

„The Council of Cernunnos“ von Emily Balivet

Von Deep Roots, mit einer Ergänzung von Lichtschwert (in dieser erweiterten Fassung hier zu finden).

T e i l 1:   B E L T A N E

Beltane oder Beltaine ist die anglisierte Schreibweise des altirischen Beltain (im modernen Irisch Bealtaine, im schottischen Gälisch Bealltainn), des gälischen Namens sowohl für den Monat Mai als auch für das Fest, das in der Nacht zum 1. Mai und am ersten Mai gefeiert wird.

Bealtaine war historisch ein gälisches Fest, das in Irland, Schottland und auf der Insel Man gefeiert wurde. Bealtaine und Samhain waren die führenden Endtermine des Kalenderjahres im mittelalterlichen Irland, obwohl das letztere Fest das bedeutendere war. Im Gegensatz zu Samhain ist Beltane aber ein fröhliches Fest, das im Zeichen der Liebe, der Fruchtbarkeit und des Wachstums steht. Die Beltanefeierlichkeiten zum Frühlingsbeginn zeigen einige Analogien zu heutigen Traditionen wie „Tanz in den Mai“ oder das Osterfeuer. Auch der traditionelle Maibaum hat hier vermutlich seinen Ursprung: Die Kelten schmückten zu Beltane die Häuser und Ställe mit frischem Grün. Die Wahl der Maikönigin ist ein letzter Hauch der heidnischen Verehrung der Göttin, die dem Land die Fruchtbarkeit schenkte.

Dresdner Maikönigin

Maikönigin von Friedel K

Das Fest gewann während des Celtic Revival an Popularität und wird in den keltischen Nationen und in der irischen Diaspora weiterhin begangen.

Im irischen Gälisch heißt der Monat Mai Mi Bhealtaine oder Bealtaine, und das Fest Lá Bealtaine (‚Tag des Bealtaine’ oder ‚Maitag’). Im schottischen Gälisch heißt der Monat entweder (An) Céitean oder a’ Mhàigh, und das Fest wird Latha Bealltainn oder einfach Bealltainn genannt. Das Fest wurde auch Céad Shamhain oder Cétshamhainin genannt, wovon sich das Wort Céitean ableitet. Beltane wurde im schottischen Gälisch früher ‚Bealtuinn’ geschrieben, in Manx ist die Schreibweise ‚Boaltinn’ oder ‚Boaldyn’, Im modernen Irisch heißt Oidhche Bealtaine oder Oíche Bealtaine ‚Vorabend des Mai’ und Lá Bealtaine ‚Maitag’. Mi na Bealtaine oder einfach Bealtaine ist der Name des Monats Mai.

Geschichte

Im mittelalterlichen Irland wurde das Hauptfeuer zu Bealtaine auf dem zentral gelegenen Hügel Uisneach abgebrannt, dem „Nabel Irlands“, einem der Ritualzentren des Landes, das im heutigen County Westmeath liegt. Das Entzünden von Feuern zu Oidhche Bealtaine scheint nur im County Limerick bis heute überlebt zu haben, besonders in Limerick selbst als dessen jährliche Feuernacht, und im County Wicklow, obwohl manche Kulturgruppen ein Interesse daran bekundet haben, den Brauch auf dem Uisneach und vielleicht auf dem Hill of Tara wiederzubeleben.

Hochkreuz auf dem Hügel von Tara

Hochkreuz auf dem Hügel von Tara

In der irischen Mythologie begann der Sommer für die Tuatha Dé Danann [„Völker der Göttin Danu“, eine Völkergruppe in der irischen Mythologie] und die Milesier [ein weiteres Volk, von dem die gälischen Iren abstammen sollen] mit Bealtaine. Große Feuer markierten eine Zeit der Reinigung und des Übergangs und kündigten die Sommerzeit in der Hoffnung auf eine gute Ernte in dem Jahr an, begleitet von Ritualhandlungen, die das Volk vor jedem Schaden durch Geister aus der Anderwelt schützen sollten, wie der Aos Sí, einer übernatürlichen Rasse vergleichbar der Elfen und Feen. Wie das Fest Samhain, das Beltane am 31. Oktober gegenüberliegt, war es auch eine Zeit, in der die Anderwelt als besonders nahe gesehen wurde.

Gälische Folklore

In der gälischen Folklore wurde das Vieh des Dorfes zwischen zwei Feuern hindurchgetrieben, um es zu reinigen und Glück zu bringen (Eadar dà theine Bhealltainn im schottischen Gälisch, ‚zwischen zwei Feuern des Beltane’). Diesen Begriff findet man auch im Irischen; diese Redewendung beschreibt eine Situation, der man schwer entkommen kann. In Schottland wurden manchmal Wacholderzweige auf die Feuer geworfen, um dem Rauch ein zusätzliches Element der Reinigung und des Segens hinzuzufügen. Die Leute schritten auch zwischen den beiden Feuern hindurch, um sich zu reinigen.

Das Fest hielt sich verbreitet bis in die 1950er, und an manchen Orten dauert das Feiern des Beltane bis heute an.

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Zwischen Himmel & Hölle

NORD-LICHT

Rosenkreuz

Von Miriam Wiegele (Collagen: Andreas Posselt, unter Verwendung der Werke von Otto Wilhelm Thomé, Pierre-Joseph Redouté, William-Adolphe Bouguereau u. a.), aus „Servus in Stadt & Land“, Ausgabe November 2014.

Efeu für Treue, Lilien für Unschuld, Rosen für die Liebe über den Tod hinaus: Wem die Stunde schlägt, dem blüht Verheißungsvolles. Servus-Expertin Miriam Wiegele über goldene Kinderblumen, welkende Orakel und himmlische Düfte.

VERFLOSSEN IST DAS GOLD DER TAGE,
DES ABENDS BRAUN UND BLAUE FARBEN.
aus dem Gedicht „Rondel“ von Georg Trakl (1887-1914)

Früher waren die Menschen überzeugt, dass der Tod nicht plötzlich und unvermittelt kommt, vielmehr schickt der Sensenmann – wie im Märchen – seine Boten. Vorzeichen für den bevorstehenden Tod eines Angehörigen gab es viele: wenn ein Käuzchen ruft, wenn ein Hund unablässig mit gesenktem Kopf heult, wenn der Holzwurm, der „Totenwurm“, besonders laut klopft. Und auch Pflanzen konnten Künder der letzten Stunde sein.

Der Holunder war seit Urzeiten der…

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Holunder: Früchte vom Baum der Seelen

NORD-LICHT

Holunder

Von Miriam Wiegele (Illustrationen: Andreas Posselt), aus „Servus in Stadt & Land“, Ausgabe September 2014.

Weiße Schneeflocken-Blüten im Frühjahr, blauschwarze Beeren jetzt, zur Erntezeit. Wie keine andere Heilpflanze verkörpert der Holunder in seinem Wesen Neubeginn und Ende.

Groß ist die Begeisterung der Menschen für den Holunder, wenn er blüht, verbinden wir dies doch mit der Zeit, wo der Frühling alle Pflanzen strahlen lässt. Jetzt leuchten seine schwarzvioletten Früchte von den Sträuchern und erinnern uns mit ihrer Farbe daran, dass bald wieder die dunkle Zeit kommt.

Früher wuchs in jedem Bauernhof ein Hollerstrauch. Der Schwarze Holunder folgte dem Menschen überall hin, als wollte er von ihm adoptiert, gehegt und gepflegt werden. Man könnte ihn in der Sprache der Botaniker als eine anthropochore Pflanze bezeichnen, also (aus dem Altgriechischen abgeleitet) als eine Pflanze, „die mit dem Menschen tanzt“.

Diesen Hofholunder betrachtete man als Sippenbaum, als Baum, in dem die Seelen…

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