Egon Flaig: Weltgeschichte der Sklaverei

Von Manfred Kleine-Hartlage, Original am 15. Juni 2009 hier in seinem Blog „Korrektheiten“ erschienen.

Dies vorweg: Diese Rezension (die im Grunde auch aus einem einzigen Wort bestehen könnte: Lesen!) erspart nicht die Lektüre von Flaigs Buch Weltgeschichte der Sklaverei; es ist eines, das man gelesen haben muss. Dafür, dass es eine Weltgeschichte ist, ist es mit 219 Seiten von angenehmer Knappheit und Prägnanz – eines jener Bücher, in denen kein Wort zu viel steht, weil ihre Verfasser das Wesentliche vom Unwesentlichen zu unterscheiden und ein schier uferloses Thema straff zu gliedern wissen.

Ich kann und will hier nur einige Aspekte herausgreifen, die mir selber wichtig sind:

Flaig macht, nachdem er die Begriffe geklärt hat (er spricht von klassischer Sklaverei im Unterschied zu Leibeigenschaft und anderen milderen Formen der Unfreiheit), auf zweierlei aufmerksam:

Erstens, dass die Sklaverei im allgemeinen zu sehr als Produktionsweise und als gesellschaftliche Institution betrachtet wird, das heißt unter statischen Gesichtspunkten, während der Prozess der Versklavung normalerweise auch beim historisch gebildeten Zeitgenossen nicht im Fokus der Aufmerksamkeit steht. Dabei sind es nicht zuletzt die Umstände der Versklavung, die der Sklaverei ihr Gepräge geben: Die Betroffenen werden in der Regel plötzlich und gewaltsam entmenscht: Sie verlieren ihre persönliche Autonomie, ihre Freiheit, ihre Würde, ihr soziales Netz, ihre Heimat und ihre Verwandtschaft. Sie werden sozial atomisiert und damit nicht nur rechtlich, sondern soweit möglich auch faktisch zu bloßen Objekten fremder Verfügung degradiert. Da die Sklaverei als Institution solche Versklavungsprozesse hervorbringt und verstetigt, gehören diese Prozesse zwangsläufig zum sklavistischen Gesamtsystem.

Zweitens, und aus demselben Grund, erzeugt dieses System getrennte geographische Zonen. Das sklavenverbrauchende Zentrum schafft sich eine Peripherie von „Lieferzonen“. Da die Stabilität imperialer Zentren von Zivilisationen mit der gewaltsamen Versklavung von Menschen im Inneren prinzipiell unvereinbar ist, werden die damit verbundene Gewalt und Anarchie exportiert, und zwar in dem Maße, wie das System auf die anhaltende Zufuhr von Sklaven angewiesen ist.

Dieses Maß freilich schwankte. Es kann zum Beispiel keine Rede davon sein, dass etwa das Römische Reich zu seiner Selbsterhaltung eine Politik von Versklavungskriegen verfolgt hätte. Es gab Kriege, und die dabei gemachten Gefangenen wurden, antiken Bräuchen gemäß, versklavt. Das aber war lediglich ein Nebenprodukt, und gegen Ende der römischen Epoche wurde die Sklaverei nach und nach zurückgedrängt; nicht zuletzt übrigens unter dem Einfluss des Christentums, innerhalb dessen es von Anfang an eine starke antisklavistische Tendenz gab. Diese war zwar lange Zeit in der Minderheit, aber sie verschwand niemals (konnte unter den theologischen Prämissen des Christentums auch nicht verschwinden) und sorgte dafür, dass Sklaverei selbst in denjenigen christianisierten Ländern, wo sie praktiziert wurde, nie den Ruch des Unmoralischen und Verwerflichen verlor.

Entgegen einem weitverbreiteten Klischee war das größe sklavistische System der Weltgeschichte nicht das römische und auch nicht die (nord- und süd-) amerikanische Plantagenwirtschaft, sondern der Islam. Allein 17 Millionen Afrikaner wurden, zuverlässigen Berechnungen zufolge, von Muslimen versklavt. Die Zahl der versklavten Europäer, die zu den ersten Opfern des Versklavungsdjihad wurden, lässt sich ebensowenig beziffern wie die der versklavten Inder, aber die folgenden Zeilen mögen einen Eindruck geben:

Als die Muslime Spanien von 711 bis 720 unterwarfen, versklavten sie 150.000 Menschen. Ihre Dauerangriffe auf das hoffnungslos unterlegene katholische Europa und auf das byzantinische Gebiet unterwarfen oder entvölkerten die Inseln des Mittelmeeres zwischen 649 (Zypern) und 827 (Sizilien); 840 errichteten sie das süditalienische Emirat Bari, 889 das südfranzösische Emirat, 933 eroberten sie Genua, 940 sperrten sie kurzfristig die westlichen Alpenpässe. Die wiederholten Angriffe auf Konstantinopel wurden 717 endgültig abgeschlagen, aber Anatolien und Armenien wurden noch 200 Jahre lang fast jährlich verheert. Aus dem 712 eroberten indischen Sind verschleppten die Sieger 60.000 Versklavte. Die zweite Expansionswelle traf Nordafrika und besonders Indien; dort setzten sich im 11. Jahrhundert afghanische Reiterheere fest, deren Dauerangriffe Hunderttausende von Indern in die Sklaverei brachten; sie wurden deportiert über ein Gebirge, das bis heute den Namen „Hindu-Tod“ (Hindukusch) trägt … . 1192 eroberten afghanisch-türkische Muslime Nordindien dauerhaft. Das Sultanat Delhi unterhielt bis Mitte des 14.Jh. 120.000 bis 180.000 Militärsklaven; die meisten davon waren versklavte Ostafrikaner, die der arabische Sklavenhandel über den indischen Ozean verschleppte. Die Sultane führten jährlich Djihads in Mittelindien, um große Mengen von Sklaven zu erbeuten und unterwarfen bis 1340 praktisch den gesamten Subkontinent.

Eine bleibende Eigenart der islamischen … Sklaverei war die doppelte Weise, sich Sklaven zu beschaffen. Zum einen war ein riesiger Militärapparat damit beschäftigt, ständig Kriege zu führen: „Der Islam verfolgte während des Mittelalters seine Politik periodischer Kriege, und sicherte sich so einen fast ununterbrochenen Zustrom an … Sklaven“. Man hinterließ dort, wo die islamischen Heere auf starken Widerstand stießen, ausgedehnte verwüstete und menschenleere Areale, die anschließend in Besitz genommen und oft neu besiedelt wurden. So führte der Wesir des vorletzten Kalifen von Córdoba, Al-Mansur, am Ende des 10. Jhs. In 27 Jahren 25 Invasionen in die christlichen Gebiete Spaniens, zerstörend, massakrierend, versklavend und verwüstend. Eine Politik, die den antiken Staaten völlig fremd war. Zum anderen verfügte die islamische Herrenschicht in den reichen eroberten Provinzen des römischen Reiches und in Persien über gewaltige Reichtümer, welche es erlaubten, an den Grenzgebieten ständig große Sklavenmassen zu kaufen. Diese Importe übertrafen jene des römischen Reiches bei weitem, was bedeutet, dass die islamische Kultur als sklavenimportierende ‚Metropole‘ in der Peripherie die Versklavungsprozesse so anheizte, wie es bis dahin in der Weltgeschichte noch nie geschehen war. Die Sogwirkung dieser Importe reichte in Europa bis zu den Wikingern und zu den Ungarn, in Russland bis zur mittleren Wolga und tief nach Kasachstan bis über Turkmenistan hinaus. Die Transportrouten führten alle letztlich in das Land des Islam. (S.84 f.)

Bis zur Niederwerfung der Ungarn und der Ansiedlung der Wikinger in Nordfrankreich im 10. Jahrhundert war fraglich, ob Europa womöglich dauerhaft zur Sklavenlieferzone werden würde, wie Afrika es tatsächlich wurde.

Dort bildeten sich am Südrand des islamischen Machtbereiches Staaten, meist von islamischen Eliten regiert, die praktisch ausschließlich von der Menschenjagd lebten, und zwar bis ins 19. Jahrhundert hinein. Diese Lieferzone dehnte sich im Laufe der Jahrhunderte immer weiter nach Süden aus. Politik und Ökonomie in diesem Raum drehten sich praktisch ausschließlich um die Bereitstellung von Sklaven für den islamischen Markt, und zwar lange bevor die Europäer Amerika entdeckten und dort Plantagen aufbauten, für die sie Sklaven aus Afrika importierten. Die Versklavung Afrikas, seine Verwandlung in ein Menschenjagdgebiet, war das Werk des Islam.

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War der Prophet Mohammed ein Jude?

Von Razib Khan; Original: Was the Prophet Muhammad a Jew?, erschienen am 15. Mai 2016 auf The Unz Review: An Alternative Media Selection.

Übersetzung: Lucifex (mit Dank an Leser reinigungskraft für den Link zu diesem Artikel)

 

Die Ursprünge des Islam sind faszinierend, weil die Religion in der modernen Welt von entscheidender Bedeutung ist, aber ihre Entstehungsgeschichte innerhalb der Geschichte ist für ihre ersten Jahrzehnte überraschend vage. Die Moslems haben ihre eigene Geschichtsschreibung, und manche Westler, wie Hugh Kennedy, übertragen dieses Narrativ mit hoher Treue, wenngleich bereinigt von sektiererischen Vorannahmen und stark mit westlichen positivistischen Methodiken verbessert. Seine Bücher The Great Arab Conquests [„Die großen arabischen Eroberungen“] und When Baghdad Ruled the Muslim World: The Rise and Fall of Islam’s Greatest Dynasty [„Als Bagdad die Welt regierte: Der Aufstieg und Fall der größten Dynastie des Islams“] sind meiner Meinung nach recht gut.

Eine alternative Sichtweise wird von revisionistischen Wissenschaftlern präsentiert, die im Zuge der Revidierung der islamischen Geschichte ihre grundlegenden Fundamente, zumindest aus moslemischer Perspektive, auseinanderreißen. Ihre Ansichten sind in Werken wie The Hidden Origins of Islam [„Die verborgenen Ursprünge des Islams“] zu finden.

The Hidden Origins of Islam

Diese Schule von Wissenschaftlern behauptet, dass der Großteil der Frühgeschichte des Islams, im Grunde vor 700 n. Chr., Mythenbildung ist, die auf die Abbasidenzeit (>750 n. Chr.) zurückgeht. Man könnte hier eine Analogie zum republikanischen Rom herstellen. Die Stadt erscheint erst im dritten vorchristlichen Jahrhundert prominent in der Geschichte, daher ist vieles aus den Jahrhunderten der römischen Geschichte, auf die spätere Autoren sich beziehen, schwierig zu untermauern. Vermutlich dürften viele der Gestalten jener früheren Perioden, wie Cincinnatus, historisch gewesen sein, aber meistens ist es wahrscheinlich, dass Details aus ihrem Leben als moralische Beispiele für republikanische politische Führer dienten.

In ähnlicher Weise ist es ein Grundtenor der Revisionisten in Bezug auf den Islam, dass die Idee von Mohammed weit wichtiger ist als die Details dessen, wer er wirklich gewesen sein könnte. Sogar das Milieu von Mohammed, jenes eines Wüstenkaufmanns, könnte erfunden worden sein, um ihm eine bestimmte Aura zu geben. Um eine Linie der Wissenschaft auf ihre Essenz zu reduzieren: Der Islam entstand als eine nationale Religion christlicher Araber, die sich Jahrzehnte nach der Zeit Mohammeds seit langem an den Rändern der römischen und der persischen Welt befunden hatten. Die Konstruktion des Mythos von Mohammed und die Verlagerung heiliger Stätten auf ein Gebiet weit außerhalb der römischen Kontrolle und des römischen Einflusses (Mekka und Medina) könnten von Überlegungen motiviert gewesen sein, sich von den griechisch-römischen und persischen Kulturtraditionen zu distanzieren, die sie zu absorbieren und zu verdrängen versuchten.

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Die Herabkunft des Islam

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Von Dr. Revilo Pendleton Oliver, übersetzt von Deep Roots. Das Original The Descent of Islam wurde im November 1981 verfaßt und erschien am 9. September 2010 auf dem von Kevin Alfred Strom eingerichteten Blog Revilo P. Oliver – The Life and Works of a great American Thinker. (Zuvor von Kevin Alfred Strom im Magazin National Vanguard, Januar-Februar 2003 veröffentlicht, erste Online-Veröffentlichung auf NationalVanguard.org)

 

WIE DAS CHRISTENTUM, IST DER ISLAM im Grunde ein jüdischer Kult für Goyim. Der Koran leitet sich jedoch nicht vom Babylonischen Talmud ab. Der Großteil des Korans (Qur’án, “die Verkündigungen” [d.h. Gottes an Mohammed]) wurde wahrscheinlich von Mohammed nach seiner Hidschra verfaßt, die im Jahr 622 stattfand. Der Babylonische Talmud wurde wahrscheinlich erstmals im sechsten Jahrhundert gesammelt, und vieles von diesem Kothaufen ist viel späteren Datums, wenn auch natürlich mit gefälschtem Anspruch großen Alters. Er entsprang natürlich der eitrigen Mentalität der Juden, und während es höchst unwahrscheinlich ist, daß irgendein Teil des Talmud als solcher den Juden in Arabien bekannt gewesen sein konnte, die Mohammed beeinflußten, hatten sie natürlich die Mentalität ihrer Rasse, daher ist es nicht bemerkenswert, daß es zwei oder drei Passagen im Koran gibt, die mehr oder weniger genau Passagen im Talmud entsprechen.

Es wäre angemessener, den Islam als christliche Sekte oder Gruppe von Sekten einzuordnen, nachdem das Wort „christlich“ ordnungsgemäß all die unzähligen Sekten bezeichnet, die dem Jesus Göttlichkeit zuschreiben, der der Protagonist des „Neuen Testaments“ ist, obwohl es natürlich große Feindseligkeit zwischen konkurrierenden Sekten gibt, von denen jede behauptet, die „wahre Religion“ zu repräsentieren und sogar versucht, all ihren Konkurrenten im Erlösungsgeschäft den Begriff „christlich“ zu verweigern. Es stimmt, daß Mohammed behauptete, der Nachfolger des jüdischen Jesus zu sein, den er – wie die Christen – nicht als Christus im strengen Sinne des Wortes betrachtete (d. h. als von Gott eingesetzten König, der die Juden zur Herrschaft über die ganze Welt führen soll), sondern als Erlöser, der wie Zarathustra jedermann ungeachtet der Rasse eine angenehme Unsterblichkeit gewähren konnte, der an die richtigen Dogmen glaubte, während er seine Vernunft ruhen ließ.

Direkter Einfluß des Talmud auf den Koran ist ausgeschlossen, weil der Talmud durchgehend eine Feindseligkeit gegenüber dem Jesus des „Neuen Testaments“ und seinen Nachfolgern einschließlich Bar-Kochbas aufweist, weil jene Christusse kein wirksames Abschlachten von Ariern zuwege brachten. Hätte es effektiven Einfluß des Talmud auf Mohammed gegeben, dann hätte er sicherlich darauf verzichtet, die Göttlichkeit des fraglichen Jesus anzuerkennen und sich selbst als dessen Nachfolger zu präsentieren. Der Islam ist zweifellos vergleichbar mit den vielen christlichen Sekten, z. B. den Huggletoniern, den Shakern, den Mormonen, den Leidener Wiedertäufern, den Elect of Shiloh (den Anhängern von Joanna Southcott) et al., die ihrem Jesus einen von Gott eingesetzten Nachfolger oder Gehilfen gaben. Die Geschichte Mohammeds wurde nach der christlichen Legende modelliert: eine jungfräuliche Geburt ist natürlich unerläßlich für alle Erlöser, aber viel weniger üblich ist eine Behauptung, daß die Mutter des Erlösers nach der Entbindung eine Jungfrau blieb, wie es von Maria im Jakobsevangelium und anderen christlichen Evangelien behauptet wird, und wie es in der moslemischen Tradition von Fatimah (Mohammeds Mutter) behauptet wird.

Es ist höchst wahrscheinlich (siehe z. B. H. W. F. Saggs, Babylonian Civilisation, London, 1962; nachgedruckt als The Greatness that was Babylon, New York, 1968), daß die Juden im ersten Teil des sechsten vorchristlichen Jahrhunderts vom letzten König von Babylon, Nabonius, in den Besitz der strategischen Oasen gebracht wurden, die die Handelsrouten auf der arabischen Halbinsel kontrollierten; was sie Nabonius entsprechend ihrer rassischen Instinkte vergalten, indem sie ihm in den Rücken stachen, zur Subversion in seinem Königreich anstifteten und schließlich Babylon an die Armeen von Kyros dem Großen verrieten. Kyros war der einzige Goy, den sie zu ködern versuchten, indem sie ihn als ihren Christus begrüßten, und es lag wahrscheinlich genauso an solcher Schmeichelei wie an ihrem Handel, den sie zweifellos mit Kyros abschlossen, bevor sie die Babylonier an ihn verrieten, daß sie im Persischen Reich privilegierten Status erhielten. Die Bibel und Joseph erzählen uns, wie eine Karawane reicher Juden, deren Wagen mit Gold und Silber beladen waren, während ihre Hunderten von Goyim-Sklaven dahinter hertrotteten, von Babylon aufbrach, um Besitz von Jerusalem zu ergreifen und zu beginnen, die Einheimischen auszubeuten und herumzustoßen, während die Mehrheit der „Auserwählten“ in Babylon blieb, um weiterhin an den Babyloniern zu nagen, die sie verraten hatten. Als die Perser Ägypten einnahmen, wurde ihr Schutz auf die Horden von Juden ausgedehnt, die Parasiten der einheimischen Ägypter waren.

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Die byzantinischen Kräfte hinter der türkischen Politik

 

Blaue Moschee

Von Steve Sailer, übersetzt von Deep Roots. Das Original The Byzantine Forces Behind Turkish Politics erschien am 19. Juni 2013 in Taki’s Magazine.

Wenn ich mir die Nachrichten von Protesten in Istanbul ansehe, werde ich an damals erinnert, als ich die Dienste eines türkischen Privatdetektivs benötigte.

Ich war in der Türkei und mußte mir die Antwort auf eine wichtige persönliche Frage beschaffen.

Ich hatte es über all die zuständigen Kanäle versucht und am Telefon viele fruchtlose Stunden mit sehr netten türkischen Kundendienstvertretern verbracht, die so hart sie konnten an der Beantwortung meiner Frage arbeiteten. Sie waren – auf die charakteristisch türkische Weise – höflich, besorgt und wollten hilfreich sein.

Sie waren auch nicht sehr wirksam. Die Türkei ist kein Land, das um das Prinzip der Datentransparenz herum errichtet wurde. Stewart Brands altes Cyberspace-Mantra „Information wants to be free“ ist nicht die Art von Idee, die einem Türken automatisch einfallen würde. Stattdessen will Information gehortet und nur von Angesicht zu Angesicht weitergegeben werden.

Dann klopfte es an meiner Tür, und ich wurde mit einem älteren Herrn bekanntbemacht. Er sprach kein Englisch, aber er wurde als einer beschrieben, der in der „Security“ gearbeitet hatte. (Das Wort wurde in solcher Weise artikuliert, daß ich hören konnte, daß es großgeschrieben wurde.) Er hatte, wie hinzugefügt wurde, nahe Verwandte, die gegenwärtig in der Security arbeiteten.

Keine weitere Erklärung wurde angeboten. Verdutzt antwortete ich, daß ich, während ich dieses Unterstützungsangebot sehr schätzte, jede vorstellbare Behörde angerufen hatte und sie die Antwort auf meine Frage einfach nicht wußten. Daher sähe ich nicht, wie irgendwer irgendwas herausfinden könnte.

Nein, wurde mir noch einmal, etwas langsamer, erklärt: Dieser Mann war in der Security. Schreiben Sie einfach auf dieses Stück Papier, was Sie wissen müssen, und er wird die Antwort besorgen.

Ein paar Stunden später kehrte er mit genau dem zurück, was ich hören wollte, bis auf ein paar Dezimalstellen.

Ich fragte den Übersetzer: „Wieso weiß er das?“

„Sicherheitscomputer.“

Ich kehrte aus der Türkei heim, beeindruckt von der Respektabilität der Bewohner, der malerischen Schönheit, den vernünftigen Preisen (da sie aus der Europäischen Union ferngehalten worden war, weil sie nicht gar so europäisch war, wich die Türkei der Euro-Kugel aus, die die rivalisierende griechische Volkswirtschaft niederstreckte) und der Allgegenwart der Vergangenheit. Vor allem erkannte ich, daß ich keine Ahnung davon hatte, was in der Türkei hinter verschlossenen Türen vor sich ging. Das Land ist wirklich byzantinisch, kompliziert und undurchsichtig.

Es ist außerordentlich schwierig, sich eine Analogie zur amerikanischen Geschichte auszudenken, die etwas Licht auf die türkische Politik seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts werfen würde.

Nun gut, versuchen Sie es damit: Stellen Sie sich vor, daß 1908 die fortschrittlichsten Denker von Cambridge, Massachusetts und Greenwich Village die U.S. Army übernehmen. Sie verlegen schließlich die Hauptstadt nach Omaha und benennen das Land in Midwestern Republic um. Aber in den vier Fällen, wo das Land jemanden wählt, der ein wenig christlicher als ein unitarischer Universalist ist, inszeniert die Armee einen Staatsstreich.

Schließlich setzen sich die Mittelwestler gegen die Armee durch. Um ihre lange vereitelte Dominanz allen unter die Nase zu reiben, ordnet die Midwestern Christian Party dann an, daß alle Bars in New York City um 10 Uhr abends schließen, was die New Yorker zum Protestieren auf den Times Square treibt.

Klärt das alles auf?

Nein, ich schätze, das tut es nicht.

Aber darum geht es irgendwie. Je mehr ich über die Vergangenheit der Türkei lernte, desto mehr erkenne ich, wie wenig ich weiß. Die alte, absonderliche Welt zentrierte sich um Konstantinopel, das Caput Mundi [Haupt der Welt] des Mittelalters.

Byzanz wurde 330 n. Chr. von Kaiser Konstantin in Konstantinopel umbenannt. Er wählte es sowohl wegen seiner strategisch überlegenen Lage am Bosporus, der Europa von Asien trennt, als neue Hauptstadt des Römischen Imperiums aus, wie auch wegen seiner taktisch verteidigungsfähigen Lage am Goldenen Horn. Napoleon, kein geringer Beurteiler von Geopgraphie, sagte: „Wenn die Erde ein einziger Staat wäre, dann wäre Istanbul ihre Hauptstadt.“

Nachdem die osmanischen Türken es schließlich 1453 eroberten, regierte das umbenannte Istanbul ihren riesigen Herrschaftsbereich. Als das einst dynamische osmanische Reich langsam zum „kranken Mann Europas“ verfiel, wurde es zur Welthauptstadt des Verschwörungstheoretisierens.

Türken bewundern eine gute Verschwörungstheorie. Sie stehen nicht wirklich auf Ockhams Rasiermesser. Der klügste Kerl im Raum ist nicht derjenige mit der einfachsten Erklärung, sondern derjenige, dessen Idee die meisten Windungen hat.

Vor ein paar Jahren verhaftete der türkische Premierminister Recep Tayyip Erdoğan Hunderte Offiziere des Militärs unter der Anschuldigung der Teilnahme an einer riesigen Verschwörung namens Ergenekon zum Sturz der Herrschaft seiner islamischen Partei. Die Militärs beteuerten unter Protest ihre Unschuld, aber viele in der Türkei schienen das Gefühl zu haben, daß es, nachdem Erdoğan gegen die Generäle intrigierte, dumm von den Generälen gewesen wäre, sich nicht gegen ihn zu verschwören.

Oder bedenken Sie ein historisches Beispiel. Sie haben bemerkt, daß manche Leute von den Freimaurern besessen sind, was komisch erscheint. Warum die Freimaurer statt der Elche oder der Shriner? (Nun, da gibt es dieses Augapfel an der Spitze der Pyramide auf der Dollarnote…)

Aber im Osmanischen Reich waren Freimaurerlogen tatsächlich Zentren des säkularen Modernismus und von revolutionären Intrigen gegen den Sultan. Warum? All diese Jahre des Erlernens geheimer Arten des Händeschüttelns hielten von schneller Infiltration durch die Geheimpolizei ab. (In der englischsprachigen Welt finden wir Verschwörungstheorien um die Freimaurer komisch, weil die Freimaurer, wie Ben Franklin und George Washington, mehr oder weniger gewannen.)

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Warum haben die Europäer die moderne Welt geschaffen? – Teil 4

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„Do not go gently into that good night / Rage, rage against the dying of the light.“
(Dylan Thomas)

Von Fjordman; der Originaltext Why Did Europeans Create the Modern World? — Part 4 erschien am 30. September 2009 auf Gates of Vienna. (Dies ist der letzte Teil dieser Reihe; Bilder vom Übersetzer eingefügt.)

Zuvor erschienen: Teil 1, Teil 2 und Teil 3

Der deutsche Soziologe Max Weber (1864-1920) identifizierte den Kapitalismus in seiner einflußreichen Studie Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus mit dem protestantischen Zweig des Christentums. Ich halte es in der Tat für zutreffend zu sagen, daß sich die protestantischen Nationen bei der Annahme von Wissenschaft und Kapitalismus als besonders dynamisch erwiesen haben; der Protestantismus ermutigte gewöhnliche Leute zum Lesen der Bibel in der Volkssprache, was die Alphabetisierung beschleunigte. Dennoch gibt es keinen Zweifel, daß die Grundlagen des Kapitalismus im katholischen Europa geschaffen wurden, in den mittelalterlichen Stadtstaaten Norditaliens.

Der westliche Wohlstand begann mit dem städtischen Wachstum und dem Handel im zwölften Jahrhundert und beschleunigte sich während der Renaissance zum siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert hin mit der Entwicklung einer relativ autonomen Klasse professioneller Kaufleute. Friedrich von Hayek (1899-1992), ein österreichischer und später britischer Ökonom und Philosoph, identifizierte einen neuen Individualismus, der vom Christentum und der Philosophie der klassischen Antike hervorgebracht und während der Renaissance entwickelt worden war. Er erklärt dies in seinem Klassiker Der Weg zur Knechtschaft:

„Von den Handelsstädten Norditaliens verbreitete sich die neue Lebenssicht mit dem Handel nach Westen und Norden, durch Frankreich und den Südwesten Deutschlands zu den Niederlanden und den britischen Inseln und schlug überall feste Wurzeln, wo es keine despotische politische Macht gab, um sie zu ersticken…. Während dieser ganzen neuzeitlichen Periode europäischer Geschichte war die allgemeine Richtung der gesellschaftlichen Entwicklung die, daß sie den einzelnen von den Banden befreite, die ihn an die gebräuchlichen oder vorgeschriebenen Wege beim Nachgehen seiner alltäglichen Aktivitäten gebunden hatten…. Das vielleicht größte Ergebnis dieser Entfesselung individueller Energien war das wundersame Wachstum der Wissenschaft, das dem Marsch individueller Freiheit von Italien nach England und darüberhinaus folgte…. Erst seit die Gewerbefreiheit den Weg zum freien Gebrauch des neuen Wissens geöffnet hatte, erst seit alles ausprobiert werden konnte – falls man jemanden finden konnte, der dies auf eigenes Risiko unterstützte – und, sollte man hinzufügen, genausooft von außerhalb der mit der Kultivierung des Lernens beauftragten Behörden wie innerhalb davon, hat die Wissenschaft die großartigen Fortschritte gemacht, die in den letzten hundertfünfzig Jahren das Gesicht der Welt verändert haben.”

Das westliche Wachstum hat Wurzeln im Mittelalter. Nathan Rosenberg und L.E. Birdzell Jr. gehen dem in How The West Grew Rich: The Economic Transformation Of The Industrial World nach:

„Anfänglich entsprang die Erlangung der Autonomie durch den Westen einer Entspannung oder Schwächung politischer und religiöser Kontrollen, was anderen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens die Gelegenheit gab, mit Veränderungen zu experimentieren. Wachstum ist natürlich eine Form von Veränderung, und Wachstum ist unmöglich, wenn Veränderung nicht zulässig ist. Jede erfolgreiche Veränderung erfordert ein großes Maß an Freiheit zum Experimentieren. Eine Gewährung dieser Art von Freiheit kostet die Herrscher einer Gesellschaft ihr Gefühl der Kontrolle, als würden sie die Macht zur Bestimmung der Zukunft der Gesellschaft an andere abtreten. Die große Mehrheit der Gesellschaften in der Vergangenheit und Gegenwart haben es nicht zugelassen. Genausowenig sind sie der Armut entkommen.”

Der Welthandel ist bis ungefähr 1840 in bescheidenem Maß gewachsen und hat dann abgehoben. 1913 war der Wert des Welthandels etwa fünfundzwanzigmal so hoch, wie er um 1800 gewesen war, obwohl die Preise für Fertigwaren und Rohstoffe in vielen Fällen niedriger waren. Zum ersten Mal war eine wahre Weltwirtschaft geschaffen worden, mit Mittelpunkt in Europa. Großbritannien spielte eine besonders prominente Rolle beim Einsatz des Handels, um die Welt und das ausgedehnte britische Empire wirtschaftlich miteinander zu verbinden. Dies wurde in großem Maße durch die Entwicklung neuer Verkehrs- und Nachrichtenmittel erleichtert. Eisenbahnen breiteten sich über ganz Europa und Nordamerika bis nach Südamerika, Asien und Afrika aus und verringerten zusammen mit Dampfschiffen die Transportkosten drastisch. Internationaler Handel wurde auch durch den Bau des Suez- und des Panamakanals erleichtert. Die industrielle Revolution stellte einen Punkt beispielloser europäischer Macht dar.

Bis 1880 kontrollierten europäische Nationen erst 10 % des afrikanischen Kontinents. Dann kam der „Wettlauf um Afrika”, wo der Besitz von Kolonien zu einer Art Statussymbol wurde. Der europäische Imperialismus erreichte zu dieser Zeit in Asien ebenfalls seinen Höhepunkt, als die Niederländer ihre Herrschaft über Java auf den Großteil dessen ausdehnten, was heute Indonesien ist, die Briten vertieften ihre Kontrolle über Besitzungen wie Indien, die Franzosen errichteten ihre Herrschaft über einen weiten Bereich von Indochina wie auch Westafrika, und die Vereinigten Staaten erwarben 1898 nach dem spanisch-amerikanischen Krieg die Philippinen. Insgesamt waren die wirtschaftlichen Gewinne aus diesen Kolonien in vielen Fällen überraschend begrenzt. Sie wurden oft mehr aus politischen als aus wirtschaftlichen Gründen erworben. Die technologische Überlegenheit ließ viele Europäer zur aufrichtigen Überzeugung gelangen, daß sie andere Völker „zivilisieren” könnten, eine Idee, die in Rudyard Kiplings Gedicht White Man’s Burden verkörpert ist.

Laut den Autoren Rosenberg und Birdzell

„pflanzte der Kolonialismus die Saat für die frühe Entwicklung der heutigen Volkswirtschaften Nord- und Südamerikas — eine beeindruckende Errungenschaft. Aber die spanischen, portugiesischen, englischen, französischen und niederländischen Kolonialerfahrungen und ihre Konsequenzen waren vielfältig, selbst in den Amerikas. Spanien und Portugal wurden größere Kolonialmächte, ohne jemals fortschrittliche kapitalistische Volkswirtschaften zu werden…. Ihre wertvollsten Kolonien lagen in Lateinamerika, und die Mutterländer verloren diese an Unabhängigkeitsbewegungen, während sie selbst in einem vorkapitalistischen Entwicklungsstadium waren. Die bei weitem auffälligste Errungenschaft des britischen Kolonialismus war die, daß er die Saat für mehrere fortgeschrittene westliche Volkswirtschaften legte, zum beträchtlichen Nutzen der Kolonien: die Vereinigten Staaten, Kanada, Australien, Neuseeland, Hongkong und Singapur. Die wirtschaftlichen Leistungen dieser Kolonien nutzten auch Britannien, denn kontrollierter und ausbeuterischer Handel mit einer wirtschaftlich rückständigen Kolonie ist für ein fortschrittliches Land viel weniger profitabel als der Handel mit anderen fortschrittlichen Ländern. Frankreich errichtete und verlor ein großes Kolonialreich, an das man sich wegen des gewaltsamen Zusammenbruchs seiner Herrschaft über Indochina und des beinahe gleichermaßen gewaltsamen Endes seiner Herrschaft über das erinnert, was wahrscheinlich seine wirtschaftlich erfolgreichste Kolonie war – Algerien. Rückblickend gibt es wenig Grund zu denken, daß seine Kolonialunternehmungen positiv zu Frankreichs Wirtschaftswachstum beigetragen haben.”

Es gibt keinen allgemeinen Zusammenhang zwischen der Größe und zeitlichen Entwicklung des Wirtschaftswachstums westlicher Länder und ihrer Kolonialreiche. Deutschland übertraf im späten neunzehnten Jahrhundert Frankreich und zeitweise sogar Britannien in der Industrieproduktion, besaß aber im Vergleich zu letzterem nur wenige und unbedeutende Kolonien. Spanien besaß im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert das größte Imperium der Welt und litt doch an Inflation und militärischer Überdehnung. Italien war in derselben Zeitperiode politisch zersplittert und von Angriffen moslemischer Piraten geplagt, und doch gab es während der wissenschaftlichen Revolution kein spanisches Äquivalent zu Galileo. Kopernikus wurde in Polen geboren, das niemals eine Kolonialgeschichte hatte; Tycho Brahe stammte aus dem winzigen Dänemark und Kepler aus dem zerteilten Deutschland. England war zur Zeit Newtons noch keine große Kolonialmacht im Vergleich zu den Türken und ihrem osmanischen Reich. Die größte astronomische Revolution in der Geschichte kann einfach nicht „kolonialer Ausplünderung” zugeschrieben werden, wie sehr man es auch versuchen mag.

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Warum haben die Europäer die moderne Welt geschaffen? – Teil 2

Graz Murinsel nachts Juni 2003

Von Fjordman. Der Originaltext Why Did Europeans Create the Modern World? — Part 2 erschien am 22. September 2009 auf Gates of Vienna. (Bilder vom Übersetzer eingefügt.) Zuvor erschienen: Teil 1

Michael H. Hart bewertet die Errungenschaften verschiedener Zivilisationen. Er behauptet, daß die Beiträge der alten Ägypter ziemlich mager waren. Die Sumerer erfanden als erste die Schrift, was den Ägyptern durchaus bekannt gewesen sein könnte. Sie leisteten keine bedeutenden Beiträge zur astronomischen Theorie, noch zur Physik, Chemie, Biologie oder Geologie. Die politische Struktur Ägyptens war eine absolute Monarchie, was keine originelle Idee war und neuzeitliche Denker nicht beeinflußte. Während die Pyramiden sicherlich visuell beeindruckend sind, ist eine Pyramide streng genommen eine simple architektonische Struktur und großteils keine sehr nützliche. Warum werden die Beiträge der alten Ägypter so überbewertet? Weil das Klima in Ägypten so trocken ist, überdauern die Architektur (und die Mumien), die sie schufen, dort besser als anderswo. Ihre Monumente sind immer noch sichtbar. Hart behauptet in keiner Weise, daß die alten Ägypter Wilde gewesen seien, nur daß ihre Beiträge häufig überbewertet werden.

Ich persönlich denke, daß er die Ägypter etwas mißachtet. Es ist wahr, daß sie wissenschaftlich nicht sehr fortgeschritten waren, und daß die griechische Kunst während der hellenischen und hellenistischen Periode so lebensecht war, wie es die ägyptische niemals war, aber die Griechen waren von der ägyptischen Tempelarchitektur und von ihren Studien der Proportionen des menschlichen Körpers inspiriert. Wie der Kunsthistoriker Gombrich sagt, “gingen die griechischen Meister bei den Ägyptern in die Schule, und wir sind alle die Schüler der Griechen.” Der amerikanische Autor Lawrence Auster drückt es so aus:

“Denken wir daran, den Ägyptern das Verdienst für die erste Entwicklung der schönen menschlichen Form zuzubilligen, welche die Griechen dann übernahmen und lebendiger machten. Camille Paglia ist höchst albern, aber lesen Sie doch das erste Kapitel ihres Buches Sexual Personae (dt. “Die Masken der Sexualität“), wo sie die ägyptische Schöpfung der klaren, perfekten, ‘apollonischen’ Form behandelt, welche die Grundlage der westlichen Kunst wurde… . Für die Griechen vermittelt die natürliche Form das Göttliche. Daher waren sie nicht einfach nur ‘naturalistisch’, d. h. naturgetreu. Sie sahen die Natur als so schön, weil sie die Natur als von einer perfekten Harmonie erfüllt sahen. Von daher kommt die unglaubliche Sensibilität der athenischen Skulpturen des fünften Jahrhunderts. In einer Weise drückten die Künstler des athenischen Goldenen Zeitalters in Stein aus, was Homer Jahrhunderte früher durch Poesie ausgedrückt hatte: jene besonderen Momente im Leben, in denen der Held ‘mehr zu sein scheint als ein Mensch.’ Oder wie die Szene in der Ilias (Buch III, 156-58), wo die alten Männer auf den Mauern Trojas Helena kommen sehen und zueinander sagen: ‘Man kann den Trojanern und den stark gerüsteten Achäern sicherlich keinen Vorwurf machen, wenn sie über lange Zeit Härten auf sich nehmen für eine Frau wie diese. Schrecklich ist die Ähnlichkeit ihres Gesichts mit unsterblichen Göttinnen.’“

In der Wissenschaft übertrafen die alten Griechen die Ägypter mit Leichtigkeit.  Die griechische deduktive Geometrie erwies sich als unverzichtbares Vorspiel zur Ankunft der modernen Wissenschaft, und abgesehen von Mathematik und Astronomie leisteten sie große Beiträge zur Dichtkunst, Geschichte, Drama und Mythologie, brachten elegante Architektur wie den Parthenon in Athen hervor sowie auch große Bildhauer und Maler. Die Werke von Plato und Aristoteles gehören zu den ältesten analytischen Schriften über politische Theorie. Wenn Menschen im einundzwanzigsten Jahrhundert Aristoteles’ Politik lesen, um zu sehen, was darin über Demokratie steht, dann nicht bloß aus historischer Neugier, sondern weil dies für heute als relevant betrachtet wird. Im Gegensatz dazu liest buchstäblich niemand “pharaonische” Politiktheorie.

Olympias 02

“Olympias”, der Nachbau eines griechischen Dreiruderers.

Warum hatten die alten Griechen soviel erreicht? Möglicherweise machte die Geographie Griechenlands sie zu einer Seefahrernation und brachte sie dazu, sich mit Erforschung und Handel zu befassen. Und doch gab es viele andere Völker, die auch einen ähnlichen geographischen Vorteil genossen, und während die Phönizier große Seefahrer und Händler waren, schufen sie gemäß der historischen Beweislage nichts, das den wissenschaftlichen Errungenschaften der Griechen nahekam. Hart glaubt, daß Wissenschaft, obwohl andere Europäer einen mindestens so hohen Intelligenzquotienten hatten wie die Griechen, vor allem die Schöpfung städtischer, schriftkundiger Kulturen ist, und in der Weise profitierten die Griechen vom frühen Kontakt mit den schriftkundigen Zivilisationen des Nahen Ostens:

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Wie die Moslems nicht die Algebra erfanden

Zitadellhügel, Amman, Jordanien

Von Enza Ferreri; Original: How Muslims Did Not Invent Algebra, erschienen am 6. August 2013 auf Gates of Vienna.

Übersetzung: Lucifex

Vorwort von Baron Bodissey: Enza Ferreri hakt zu ihrem vorherigen Artikel über die überzogenen Behauptungen bezüglich islamischer Beiträge zur Wissenschaft nach und behandelt diesmal das Thema Islam und Mathematik, spezifisch Algebra.

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Wie die Moslems nicht die Algebra erfanden; von Enza Ferreri

Um das Thema fortzusetzen, was Moslems für die Welt taten — oder wahrscheinlicher nicht taten: es gibt eine weitverbreitete Fehlannahme, dass sie „die Algebra erfanden“. Vielleicht kommt dieser Irrtum davon, dass „Algebra“ ein Wort arabischen Ursprungs ist, aber historische Fragen werden nicht durch etymologische Antworten geklärt.

Ja, das Wort „Algebra” leitet sich vom Arabischen ab. Genauso „Zucker“ (vom arabischen „sukkar“), aber das bedeutet nicht, dass Moslems den Zucker erfanden.

Das Wort „Algebra“ stammt vom arabischen Wort „al-jabr”, vom Namen der Abhandlung „Buch über die Addition und Subtraktion nach der Methode der Inder“, das vom persischen Mathematiker Muhammad ibn Musa al.Khwarizmi im 9. Jahrhundert geschrieben wurde, der alte indische und griechische Werke übersetzte, formalisierte und kommentierte.

Es ist sogar zweifelhaft, ob al-Khwarizmi wirklich ein Moslem war. Der Wikipedia-Eintrag über ihn besagt:

Bezüglich al-Khwārizmīs Religion schreibt Toomer:

„Ein weiterer Beiname, den al-abarī ihm gibt, „al-Majūsī“, scheint darauf hinzudeuten, dass er ein Anhänger der alten zoroastrischen Religion war. Dies wäre zu dieser Zeit für einen Mann iranischer Herkunft immer noch möglich gewesen, aber das fromme Vorwort von al-Khwārizmīs Algebra zeigt, dass er ein orthodoxer Moslem war, daher könnte al-abarīs Beiname nichts weiter bedeuten, als dass seine Vorfahren, und vielleicht er in seiner Jugend, Zoroastrier gewesen waren.

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Das letzte Imperium

Theodosianische Landmauer

Die Theodosianische Landmauer.

Von Anestos Canelides. Original: The Last Empire, erschienen am 29. Mai 2010 bei “Gates of Vienna” (hier veröffentlicht anläßlich des gestrigen 560. Jahrestages des Falls von Konstantinopel).

Vorwort von Baron Bodissey:

Heute vor fünfhundertsiebenundfünfzig Jahren fiel die Stadt Konstantinopel an das Osmanische Reich, und das Byzantinische Reich endete. Die Plünderung von Konstantinopel eröffnete Jahrhunderte brutaler islamischer Herrschaft in Südosteuropa. Griechenland wurde schließlich im 19. Jahrhundert von den Osmanen befreit, aber bis zum heutigen Tag verbleibt ein kleiner Teil Europas in türkischen Händen, und die Stadt Istanbul — ehemals Konstantinopel — bleibt eine türkische Stadt.

Das Folgende ist ein Gastessay eines Autors, der unter dem Pseudonym Anestos Canelides schreibt. Er hat dies über seinen Essay zu sagen:

Ich bin zur Hälfte Grieche, und ich schrieb dies zum Gedenken an jene, die in der epischen Schlacht gegen den islamischen Expansionismus kämpften. Ich schrieb es auch zum Gedenken an die anderen Christen des Balkans, die so viel an den Islam verloren haben. Ich habe Zeit in Istanbul verbracht, und ich hege keinen Hass gegen die modernen Türken.

Das letzte Imperium
1453: Die Belagerung von Konstantinopel

von Anestos Canelides

Am 9. Juni 1453 liefen drei Schiffe im Hafen von Chania auf Kreta ein, deren Besatzungen großteils aus kretischen Seeleuten bestand. Die Seefahrer waren aus Konstantinopel gekommen, kurz nach dessen Fall an die osmanisch-türkischen Armeen von Sultan Mehmet Bey. Die Kreter hatten die tragische Nachricht mitgebracht, daß Konstantinopel trotz einer heroischen Verteidigung durch die Griechen und ihre Verbündeten an die Heere des Islam gefallen war. Die plötzliche Nachricht rief große Seelenpein unter den Menschen Kretas und später des christlichen Westens hervor. Die osmanische Eroberung der Königin der Städte hatte dem Römischen Reich, das heute oft als Byzantinisches Reich bezeichnet wird, ein tragisches Ende gesetzt. Sie war der letzte Nagel im Sarg des Zentrums der byzantinischen Welt, führte aber wiederum den Aufstieg des Osmanischen Reiches herbei, eines islamischen Staates.

Konstantinopel wurde von Land und Meer her angegriffen, aber die Landmauer, die Theodosianische Mauer genannt wurde, war niemals in ihrer tausendjährigen Geschichte durchbrochen worden. In gleicher Weise, wie dreihundert Spartaner den vorrückenden Armeen des persischen Reiches getrotzt hatten, hielten die Bürger von Konstantinopel ebenfalls heroisch aus und verteidigten ihre Stadt gegen die Tyrannei. Es war sowohl der Wunsch der byzantinischen Griechen nach Freiheit von Sklaverei als auch der Glaube, daß Gott sie wundersamerweise vor der Niederlage retten würde, die sie dazu brachten, den Türken beinahe zwei Monate lang heftigen Widerstand zu leisten.

Konstantinopel 1453

Die Türken hatten mit fanatischem Geist in die Stadt einzudringen versucht, weil der Prophet ihnen im Koran einen besonderen Platz im Paradies angeboten hatte. Sultan Mehmet ahmte den Propheten Mohammed nur nach, als er sagte: „…Selbst wenn einige von uns sterben sollten, wie es im Krieg natürlich ist, und unser vorbestimmtes Ende finden sollten, wißt ihr aus dem Koran sehr gut, was der Prophet sagt: daß derjenige, der in der Schlacht fällt, mit heilem Leibe mit Mahomet speisen wird, und mit ihm im Paradies trinken wird, und er wird an einem grünen Ort ruhen, der von Blumen duftet, und die Gesellschaft von Frauen und lieblichen Knaben und Jungfrauen genießen, und er wird in schönen Bädern baden. All diese Dinge wird er durch Gottes Gunst an diesem Ort genießen.” Trotzdem sie solch großen Widrigkeiten gegenüberstanden, verteidigten die Byzantiner ihre alte christliche Hauptstadt mit großer Hartnäckigkeit gegen die Armeen Mehmets.1

Prophezeiung des Falls

Die Römer glaubten, daß der Fall der Stadt unter einem Kaiser namens Konstantin geschehen würde, dessen Mutter Helena hieße. Byzantinische Legenden sagten voraus, daß es während der Herrschaft eines Konstantins, Sohn einer Helena, geschehen würde, daß die große Stadt Konstantinopel erobert werden würde. Der Name der Mutter von Konstantin dem Großen — der Konstantinopel als das neue Rom gegründet hatte — war Helena. Obwohl es zwischen der Herrschaft von Konstantin dem Großen im 4. nachchristlichen Jahrhundert und Konstantin Palaiologos XI im 15. Jahrhundert zahlreiche Kaiser mit Namen Konstantin gegeben hatte, hatten nur diese beiden Kaiser Mütter, die Helena hießen. Es ist auch interessant festzuhalten, daß der letzte offizielle byzantinische Patriarch Metrophanes hieß, und dies war auch der Name des Patriarchen während der Herrschaft von Konstantin dem Großen.2

Einer weiteren Legende zufolge würde die Belagerung bei abnehmendem Mond stattfinden, und dieses Zeichen wurde am Vorabend der finalen Belagerung der Stadt erfüllt. Die Zeichen wurden für die Verteidiger noch prophetischer, als ein seltsamer grüner Nebel die geheiligte Kathedrale Hagia Sophia, die Kirche der Heiligen Weisheit, bedeckte. Dieser mysteriöse grüne Nebel umhüllte die Basis der Kirche und stieg dann langsam den Altarraum empor. Plötzlich schoß der Nebel auf geheimnisvolle Weise zum Himmel empor und verschwand. Dieses besondere Zeichen ließ die Byzantiner glauben, daß der Geist Gottes die Stadt wegen ihrer Sünden verlassen hätte. Ungeachtet dessen, was die Bürger glaubten, wollte der Kaiser die Stadt oder ihr Volk nicht den Armeen von Hagar überlassen. Wie alle tapferen Hellenen in ihrer ganzen Geschichte würde er ausharren und kämpfen, bis der Engel des Herrn seine Seele fordern würde. Andere Zeichen, die weiter zu den Ängsten der Verteidiger beitrugen, waren zwei leichte Erdbeben und strömender Regen. Diese Ereignisse wurden als böse Omen gedeutet, und sie erinnerten die Stadt an all die Prophezeiungen, die das Ende des Imperiums voraussagten und das Kommen des Antichrist, von dem sie annahmen, daß es der osmanische Sultan Mehmet sei.3

Was zu ihrem Aberglauben noch dazukam, war ein unter den Griechen weit verbreiteter Glaube, daß das Byzantinische Reich das letzte Reich auf Erden sei. „Die Menschen erinnerten sich der alten prophetischen Bücher aus der Zeit der früheren arabischen Belagerung, ihre gnomischen, orakelhaften Verse wurden verbreitet rezitiert; ‘Unglück dir, Stadt auf den sieben Hügeln, wenn der zwanzigste Brief auf deinen Bollwerken verlautbart wird. Dann wird der Fall nahe sein, und die Vernichtung deiner Herrscher.’ Die Türken wurden als apokalyptisches Volk gesehen, welches das letzte Gericht ankündigten, eine von Gott geschickte Geißel als Strafe für christliche Sünden.”4

Der Konflikt beginnt

Der Konflikt, der zum Fall der Stadt führen würde, begann, als Mehmet eine Burg namens Rumeli Hisari errichtete, die — bis zum heutigen Tag — am Meeresarm namens Bosporus liegt. Der Bauplatz der neuen Burg lag auf der anderen Seite des Bosporus direkt gegenüber einer Burg namens Anadolu Hisar auf der kleinasiatischen Seite, die von Mehmets Großvater, dem Sultan Bayezit, erbaut worden war. Mehmet hatte diese Festung errichtet, um die Kontrolle über den Meeresarm zu gewinnen und die Schiffahrt zwischen dem Marmarameer und dem Schwarzen Meer abzuriegeln. An dieser Stelle war der Bosporus am schmalsten, sodaß die Plazierung direkt gegenüber von Anadolu Hisar Rumeli Hisari die strategische Kontrolle über den Wasserweg verschaffte. Die neue Burg wäre die perfekte Operationsbasis für die Belagerung von Konstantinopel, aber das einzige Problem war, daß sie auf byzantinischem Land lag.5

Im vorherigen Winter von 1451-52 hatte der Sultan die nötigen Arbeitskräfte zusammengezogen, um sein neues Fort zu bauen, aber im Zuge dessen zerstörte er Kirchen und Klöster, um zusätzliches Baumaterial für die Burg zu gewinnen. Einige Griechen wagten es, Einspruch zu erheben, daher wurden sie zusammengetrieben und massakriert. Später protestierten einige Griechen dagegen, daß die Türken ihre Pferde in ihren Feldern weiden ließen, und auch sie wurden abgeschlachtet, was einen Kriegszustand zwischen den Byzantinern und den Osmanen herbeiführte.6
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MALTA 1565: Die große Belagerung

01 Birgu Fort St-Angelo

Birgu, Blick auf Fort St. Angelo

Von Ernle Bradford, erschienen in „Das Beste aus Reader’s Digest“, Februar 1986, als Auszug aus seinem 1961 veröffentlichten Buch „The Great Siege of Malta“ (ins Deutsche übertragen von Ernst Theo Rohnert).

Noch heute wirft der militante Islam immer wieder beunruhigende Schatten auf seine Nachbarn, ja die ganze Welt. In der Mitte des 16. Jahrhunderts aber stand er auf dem Gipfelpunkt seiner Machtentfaltung. Seine Angriffsspitze, das osmanisch-türkische Militärreich, drohte die christliche Welt in die Knie zu zwingen. In diesem kritischen Augenblick der europäischen Geschichte trafen die von Sieg zu Sieg eilenden Moslems auf eine Christenheit, die ihnen an Streitbarkeit, Entschlossenheit und Opferbereitschaft nicht nachstand. Auf der kleinen, strategisch wichtigen Insel Malta stemmte sich eine an Zahl weit unterlegene Legion fremder christlicher Krieger dem mächtigen Osmanischen Reich in einem Kampf entgegen, der auf beiden Seiten mit äußerster Härte geführt wurde.

02 Ottoman Empire 16-17th century

Das Osmanische Reich im 16. und 17. Jahrhundert

„Sultan der Osmanen, Allahs Stellvertreter auf Erden, Herr der Herren dieser Welt, König der Gläubigen und Ungläubigen, Schatten des Allmächtigen, der der Erde Frieden schenkt“ – wie Trommelwirbel schallten die Titel Solimans des Prächtigen durch den Sitzungssaal des Hohen Rates.

Es war 1564. Soliman II., von den Türken Süleiman der Gesetzgeber genannt, war 70 Jahre alt. Seit er mit 26 Sultan geworden war, hatte er die Türkei zum größten Militärstaat der Welt gemacht. Seine Galeeren durchpflügten die Meere vom Atlantik bis zum Indischen Ozean. Sein Reich erstreckte sich von Österreich bis zum Persischen Golf. Doch auch im Alter war Soliman noch ganz vom Wunsch nach mehr Macht und weiteren Eroberungen erfüllt. Und wäre er nicht selbst so ehrgeizig gewesen, dann hätten ihm seine Berater keine Ruhe gelassen.

„Solange sich Malta in der Hand der Johanniter befindet“, warnte einer von ihnen, „läuft aller Nachschub aus Konstantinopel Gefahr, vernichtet zu werden.“ Ein anderer sagte: „Wenn Ihr diesen vermaledeiten Fels nicht erobert, wird er bald den gesamten Verkehr zwischen Euren nordafrikanischen Besitzungen und den griechischen Inseln abschnüren.“

03 Kleine Johanniter-Schebecke um 1600

Kleine Johanniter-Schebecke um 1600

42 Jahre waren vergangen, seit Soliman die christlichen Johanniterritter von der Inselfestung Rhodos vertrieben hatte. Aber Malta, wo der heimatlos gewordene Orden Zuflucht gefunden hatte, hatte sich für den Sultan als ein noch größerer Störfaktor erwiesen als Rhodos. Alle Schiffe, die die Wasserstraße zwischen Sizilien und Nordafrika passierten, waren den marodierenden Galeeren der Ritter auf Gnade und Ungnade ausgeliefert. Der Gipfel der Provokation schien erreicht, als die Ritter ein reich beladenes Handelsschiff kaperten, das dem Obereunuchen in Solimans Serail gehörte. Die Odalisken des Harems warfen sich vor dem Sultan zu Boden und schrien nach Rache. Der Imam der Großen Moschee erinnerte den Sultan daran, daß auf den Ruderbänken der Ordensgaleeren Rechtgläubige mit Peitschenhieben angetrieben wurden.

Es ist unwahrscheinlich, daß sich der Sultan durch dieses Geschrei beeinflussen ließ. Allein aus Unmut oder aus Prestigegründen hätte Soliman den Inselstützpunkt der Ritter schwerlich angegriffen. Aber das kleine Malta war mit seinen großartigen Häfen der Schlüssel zum Mittelmeer und zu Westeuropa. So berief Soliman im Oktober 1564 einen Staatsrat oder „Diwan“ ein, der die Möglichkeiten einer Belagerung Maltas erörtern sollte. Der oberste Aga des Sultans erklärte: „Diese maltesischen Hundesöhne, die durch Eure Gnade auf Rhodos verschont geblieben sind – sie sollen endlich niedergeworfen und vernichtet werden!“ Als jeder seine Meinung gesagt hatte, wies der Sultan darauf hin, daß Malta das Sprungbrett nach Sizilien und damit nach Italien und Südeuropa sei. Der Diwan faßte den Beschluß, Malta zu zerschlagen.

„Dieser vermaledeite Fels“

Die maltesische Inselgruppe liegt rund 90 Kilometer südlich von Sizilien und umfaßt zwei Hauptinseln, Malta und Gozo. Malta ist etwa 27 Kilometer lang und 14,5 Kilometer breit, während Gozo 14,5 mal 7 Kilometer mißt. Die Inseln waren dem heimatlosen Johanniterorden von Kaiser Karl V. zu Lehen gegeben worden, „damit die Ritter ihre Waffen wieder gegen die gottlosen Feinde des heiligen Glaubens einsetzen können.“

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Aber die von den Rittern entsandte Kommission, die die Inseln erkunden sollte, war entsetzt gewesen. Malta sei „nichts als ein Fels aus weichem Sandstein“, berichteten sie, „für den Anbau von Weizen oder anderem Getreide ungeeignet“. Holz sei so knapp, daß es pfundweise verkauft werde. In den Küchen werde mit Kuhdung oder wilden Disteln geheizt. Die Sommerhitze sei „fast unerträglich.“

Wäre der Orden nicht in solcher Not gewesen, er hätte das karge Geschenk des Kaisers zurückgewiesen. Aber seine Führer hatten die Höfe Europas jahrelang bekniet, ihm bei der Suche nach einem festen Sitz zu helfen – vergebens. So geachtet der Orden wegen seiner Tapferkeit im Kampf auch war, beliebt war er nicht. Die Ritter vom heiligen Johannes zu Jerusalem waren der letzte geistliche Militärorden, der noch aus der Zeit der Kreuzzüge übriggeblieben war. Sie kamen aus allen Teilen Europas, schuldeten aber nur dem Papst Gehorsam – und waren deshalb den Herrschern der gerade emporgekommenen souveränen Staaten Europas verdächtig.

Was die Ritter mit Malta versöhnte, waren seine hervorragenden Häfen. Die Johanniter waren ursprünglich ein zu Lande operierender Orden gewesen, nach ihrer Vertreibung aus dem Heiligen Land aber notgedrungen Seefahrer geworden und lebten jetzt von einer Art „organisierter Piraterie“ – anders kann man es kaum nennen. Ein guter Hafen war für sie das Wichtigste. Und so hatten sie 1530 von ihrer neuen Heimat Besitz ergriffen.

Wie die Kundschafter vorausgesagt hatten, fanden sie Malta geradeso unwirtlich, wie sie den alten Herren der Insel unwillkommen waren. Den 12.000 Bauern auf Malta und den 5.000 auf Gozo war es wahrscheinlich einerlei, wer ihr Herr war. Ihr Leben war Plackerei, unterbrochen von brutalen Überfällen moslemischer Seefahrer; schlimmer konnte es für sie gar nicht kommen. Aber dem Inseladel waren die hochmütigen Neuankömmlinge ein Dorn im Auge; grollend zog er sich in seine Paläste in der ummauerten Stadt Mdina zurück.

Die Ritter hatten nicht vor, ihn zu belästigen. Sie zogen in das kleine Fischerdorf Birgu im Inneren des Großen Hafens. Und dort begannen die ihrer Sache verschworenen wehrhaften Männer, die durch die Geschichte Maltas geistern wie Besucher von einem anderen Stern, mit der Anlage von Verteidigungswerken. Sie rechneten fest damit, daß die Türken versuchen würden, den Erfolg von Rhodos zu wiederholen.

Großmeister La Valette

Die Johanniter waren ursprünglich eine Bruderschaft gewesen, die sich der medizinischen Forschung und der Ausbildung von Ärzten widmete. Die beiden Jahrhunderte auf Rhodos hatten dann aber den Charakter des Ordens verändert. Waren sie vorher in erster Linie „Hospitaliter“ (Krankenpfleger) und in zweiter Soldaten gewesen, so stand nun die Seefahrt an erster Stelle, und erst dann kam die Medizin. Auf Rhodos, das einem auf die Flanke der Türkei gerichteten Speer glich, waren sie zu den besten Seeleuten geworden, die das Mittelmeer je befahren hatten.

Sie waren jetzt ein Amalgam aus Angehörigen aller europäischen Nationen – eine Fremdenlegion militanter Christen. Gegliedert war sie in acht „Zungen“, die acht europäische „Provinzen“ repräsentierten: Auvergne, Provence und Frankreich (alle drei französischsprachig), Aragonien und Kastilien (spanisch) sowie Deutschland, Italien und England (zur deutschen Zunge gehörten damals die Großpriorate Deutschland, Böhmen-Österreich, Ungarn und Dacien [Skandinavien]). Als sich Heinrich VIII. von Rom lossagte, löste er die „alte und edle Zunge von England“ auf, und England war nur noch mit einem einzigen Ritter vertreten.

Der Mann, der seit 1557 an der Spitze des Ordens stand und sich jetzt rüstete, der Macht Solimans die Stirn zu bieten, war der provenzalische Großmeister Jean Parisot de La Valette. Er war Ordensritter mit Leib und Seele. Seit er den Johannitern mit 20 Jahren beigetreten war, hatte er den Konvent nie mehr verlassen – es sei denn, die Pflichten hätten es erfordert. Ein Zeitgenosse schildert ihn als „stattlichen Mann, hochgewachsen, ruhig, nüchtern und fähig, sich auf italienisch, spanisch, griechisch, arabisch und türkisch geläufig zu unterhalten.“ Die beiden letztgenannten Sprachen hatte er gelernt, als er in Gefangenschaft geraten und türkischer Galeerensklave geworden war. Ein Jahr lang hatte er in der Hölle der Ruderbänke zugebracht, ehe er durch einen Gefangenenaustausch wieder freikam.

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Jean Parisot de La Valette

„Manchmal“, schrieb ein anderer Franzose, dem es ähnlich ergangen war, „rudern die Galeerensklaven zwölf, ja zwanzig Stunden hintereinander. Offiziere gehen herum und stecken den Unglücklichen in Wein getunktes Brot in den Mund, damit sie nicht schlappmachen. Wenn ein Sklave erschöpft über dem Ruder zusammenbricht, wird er gepeitscht, bis man ihn für tot hält, und dann über Bord geworfen.“

La Valette war ein lebender Beweis dafür, daß Männer, die ein solches Martyrium hinter sich hatten, nicht notwendig krank und gebrechlich sein mußten, sondern sehr alt werden konnten. Unverwüstlich wie die salzgebeizte Eiche eines Schiffskiels, war er jetzt ebenso alt wie Soliman – 70. Wenn ein Mann, der ein Leben lang ständig im Kriegseinsatz war, ein so hohes Alter erreichte, mußte er schon außergewöhnlich zäh sein. Wenn er darüber hinaus im Vollbesitz seiner körperlichen und geistigen Kräfte blieb, mußte er fast ein Übermensch sein. War er dazu noch von eine fanatischen religiösen Glauben beseelt, so gab es nicht viel, was ihm standzuhalten vermochte.

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Im April 1565 erfuhr La Valette, daß die Flotte des Sultans aus dem Goldenen Horn ausgelaufen war. Den ganzen April und Mai hielten schnelle Schiffe den Orden über das Näherrücken der Türken auf dem Laufenden. Mitte Mai rief der Großmeister seine Brüder zusammen.

„Die große Schlacht zwischen Kreuz und Koran muß jetzt geschlagen werden“, sagte er. „Wir sind die erwählten Soldaten des Kreuzes, und wenn der Himmel die Hingabe unseres Lebens fordert, kann es keine bessere Gelegenheit geben als diese. Laßt uns zum Altar eilen, um unsere Gelübde zu erneuern und durch unseren Glauben die Todesverachtung zu erlangen, die allein uns unbesiegbar machen kann.“

Insel in Waffen

Als sich am Freitag, dem 18. Mai, der Frühnebel vom Wasser hob, sahen die Wachtposten im Nordosten eine große, fächerförmig gestaffelte Formation auftauchen: die 180 Schiffe der feindlichen Flotte. Die Spitze bildeten die Fahrzeuge der beiden türkischen Befehlshaber: Mustafa Paschas 28bänkige Galeere und die mit 32 Ruderbänken ausgestattete Riesengaleere Pialis, des Admirals der osmanischen Kriegsflotte.

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Die moslemische Verwüstung Indiens

Von Anestos Canelides. Original: The Muslim Devastation of India, erschienen am 18. Juni 2010 auf Gates of Vienna. Übersetzung: BeforeDawn.

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Wie Reuters berichtete, wurden mehrere indische Städte am 27. Juli 2008 in höchste Alarmbereitschaft versetzt, als islamische Extremisten etwa 40 Menschen in zweitägigen Bombenexplosionen töteten. Nach den Berichten wurden 16 kleinere Bomben am Samstag in der indischen Stadt Ahmadabad gezündet, wodurch mindestens 39 Menschen getötet und 110 verwundet wurden. Einen Tag später kam in Bangalore in einer weiteren Serie von Explosionen tragischerweise eine Frau ums Leben.

Eine wenig bekannte Gruppe, die sich die „indischen Mudschahedin“ nennt, hat die Verantwortung für die Explosionen beansprucht, obwohl es eigentlich eher ungewöhnlich ist, dass eine Terrorgruppe die Verantwortung übernimmt. Es wird angenommen, dass es eine militante Gruppe aus Pakistan war, die die Angriffe ausgeführt hat. Islamische Analysten bei Reuters haben der indischen Regierung die Schuld für die Gewalt gegeben, weil sie die von Armut betroffene moslemische Gemeinschaft vernachlässigt habe. Nach Uday Bhaskar, einem Sicherheitsanalysten und ehemaligen Direktor des Institute for Defense Studies and Analyses in Neu-Delhi sehen sich die indischen Moslems durch ihre Benachteiligung gezwungen, am globalen /regionalen Dschihad teilzunehmen (www.jihadwatch.org). Ist der Grund dafür wirklich, dass die Moslems von den Kuffar – den Ungläubigen Indiens – diskriminiert werden, oder reichen die Gründe viel weiter in die Geschichte zurück? Die Wahrheit ist, dass, wenn man sich die historischen Fakten ansieht, diese Angriffe auf die Hindus nicht einfach mit gegenwärtiger Diskriminierung gerechtfertigt werden können. Einige der Hauptziele dieser Bombenattacken sind Hindutempel gewesen, und so ist es seit Jahrhunderten.

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Es ist wichtig, dass man sich klarmacht, dass die in den letzten Jahrzehnten von islamischen Extremisten auf Tempel der Hindus durchgeführten Angriffe keineswegs ein modernes Phänomen sind. Man kann zwar nicht sagen, dass dies etwas ist, das von den Bestrebungen der Moslems in Kaschmir nach Unabhängigkeit von Indien völlig losgelöst ist, die wahren Ursachen gehen aber viel weiter in die Geschichte zurück. Die Ideologie des islamischen Suprematismus ist unverändert, und es ist exakt dieser religiöse Fanatismus, er zu der islamischen Eroberung des alten Indiens geführt hat, die vom heutigen Afghanistan bis ins südliche Indien reicht. Für den frommen Moslem ist es noch immer unannehmbar, von Nicht-Moslems regiert zu werden, und für ihn ist der moderne indische Nationalstaat noch immer eine weitgehend heidnische Nation voll von Götzenanbetern.

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Der Zweck dieses Artikels ist nicht, die Dhimmis zu verstehen – die Leute des Buchs –, sondern den Kontrast, mit dem die Götzenanbeter es aus einer historischen Perspektive zu tun hatten [Sinn? Im englischen Text: „The point of this article is not to understand the dhimmis — people of the book — but rather the contrast that the idolaters faced from a historical viewpoint; d. Ü]. Was ist die islamische Ideologie, die hinter den Angriffen auf die indischen Hindus und ihre Religion steht? Was sind ihre Wurzeln? Warum haben die Moslems in Indien Tempel und andere religiöse Kunstwerke zerstört? Hat dies etwas mit den heutigen Angriffen in Indien zu tun?

Der große Historiker Will Durant stellt unmissverständlich fest, dass „die mohammedanische Eroberung Indiens wahrscheinlich das blutigste Ereignis der Geschichte ist“ .² Er hat dies vor dem Zweiten Weltkrieg geschrieben, aber auch, wenn man sie mit der moslemischen Eroberung christlicher und jüdischer Länder vergleicht, muss man die moslemische Eroberung Indiens als äußerst brutal bezeichnen.

Indien war und ist immer noch vorwiegend hinduistisch, mit einigen Enklaven buddhistischen Glaubens und anderer Religionen, aber aus dem Blickwinkel der Lehre Mohammeds waren sie alle Götzenanbeter. Anders als die Christen, Juden und bestimmte andere Gruppen wurden die Hindus nicht als „Leute des Buchs“ angesehen, und ihnen wurde nicht die Möglichkeit eingeräumt, ein Schutzgeld, Jizya genannt, zu zahlen, um ihren Glauben beibehalten zu können.

Die Leute des Buchs hatten drei Möglichkeiten: zu konvertieren, das Schutzgeld zu zahlen, oder zu sterben. Durch die Zahlung dieser Steuer zogen sie vom Haus des Krieges, Dar al-Harb, in das Haus des Friedens, Dar al-Salam, um. Menschen, die als Götzenanbeter eingestuft wurden, konnten nur zwischen Bekehrung oder Tod wählen. Später wurden den Kuffar (Ungläubige) in Indien derselbe Status wie den Leuten des Buchs zuerkannt, aber dies geschah erst, als ihre moslemischen Herren gemerkt hatten, wie lukrativ es wäre, diese Götzenanbeter die Steuer zahlen zu lassen. Dennoch brachten die islamischen Eroberungen Indiens den Indern Jahrhunderte der Grausamkeit, auch nachdem ihnen der Dhimmi-Status gewährt worden war.

Der Anfang

Der erste Angriff der Moslems begann mit dem Angriff auf Multan in der Pandschab-Region im westlichen Indien, und ähnliche Kriegszüge folgten in den nächsten drei Jahrhunderten nach Gutdünken der Invasoren. Im Verlauf führte dies nicht nur zur militärischen Eroberung, sondern auch zur Etablierung des Islam im Tal des Indus, zeitgleich mit den Kämpfen ihrer Religionsgenossen gegen die Franken in der Schlacht von Tours im Jahr 731 n. Chr.. Die Eroberung der hinduistischen und buddhistischen Gebiete kam allerdings erst an der Wende zum zweiten nachchristlichen Jahrtausend zu ihrem Abschluss.

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