Hannus Bootswerft: Warum eigentlich Bootfahren?

Von Hannu Vartiala aus Finnland, der auf seiner englischsprachigen Webseite Hannu’s Boatyard praktische Anleitungen zum Holzbootbau (einschließlich Plänen) gibt und dabei auch immer wieder einen trockenen Humor spielen lässt. Original: Why boating in the first place?, übersetzt von Cernunnos.

Warum Bootfahren? Auf der Suche nach den verborgenen Schätzen von Mutter Natur.
Veröffentlicht am 9. September 2003; zuletzt aktualisiert am 10. September 2003.

Die Welt ist voll von wunderbaren Mirakeln und Schätzen. Von denen ihr keines sehen werdet, wenn ihr nur auf eurem Sofa liegt. Viele davon werdet ihr sehen, wenn ihr über trockenes Land geht. Aber die größten scheinen immer hinter offenem Wasser zu liegen.

So geht es…

Hey, was ist das?

Mossala fjarden (Mossala-Öffnung, N 60 18, O 21 23). Aber es sieht sicherlich wie ein Krater aus.

Aber es befindet sich nicht auf der Karte bekannter Einschlagkrater. Es wäre östlich von Nummer 1, Lumparn, etwa auf halbem Weg zum Kontinent. Genauso wenig befindet es sich auf der Liste möglicher Krater.

Sehen wir uns an, wie das aussieht!

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Suomi KP/-31: Die Mähmaschine von Tikkakoski

Mündungsbremsen oder Kompensatoren sind nutzlose Gimmicks an langläufigen Maschinenpistolen wie der KP/-31. Der Druck der Mündungsgase ist zu gering, um eine ausreichend starke Gegenkraft zum „Mündungssteigen“ zu erzeugen. Ein geübter MPi-Schütze kann leicht den Rückstoß kontrollieren und die Waffe ruhig halten, indem er den Daumen der Abzughand hinter der Gehäuseabschlußkappe hält. Dieser Daumen muß die gesamte Rückstoßkraft aufnehmen. Der Kolben der Waffe darf nicht gegen die Schulter des Schützen stoßen bzw. sie nicht einmal berühren. Eine weitere Methode zur Rückstoßkontrolle ist es, die Waffe mit steifen Händen zu halten, wiederum ohne festen Kontakt zur Schulter.

Von P. T. Kekkonen, übersetzt von Deep Roots (ursprünglich für „As der Schwerter“). Fotos von J. Hartikka, Korrekturlesung des englischen Originals von Eero Juhola (siehe auch Homepage Finnish Weapons). Das Original Mowing Machine of Tikkakoski, Part 1+2 erschien auf der Webseite Gunwriters.

[Vorbemerkung des Übersetzers: Im Unterschied zu meinen bisherigen Waffenbeiträgen ist es bei diesem Artikel nicht sehr wahrscheinlich, daß sein Gegenstand einmal in den Besitz von Morgenwacht-Lesern gelangt oder sich dort gar schon befindet. Deshalb hätte ich ihn bestimmt nicht eigens für „As der Schwerter“ übersetzt, aber nachdem ich ihn sowieso schon vor Jahren aus Interesse an Waffentechnik und –geschichte für mich und zur Weitergabe an gleichgesinnte Freunde übersetzt habe und er überdies interessante Einblicke in die Geschichte des Russisch-Finnischen Winterkrieges und des Zweiten Weltkrieges in dieser Gegend bietet, bringe ich ihn hier doch. Er enthält auch allgemein bezüglich taktischen Schußwaffengebrauchs interessante Informationen, außerdem ist nicht auszuschließen, daß Gegner in einer eventuellen Krisenzeit mit Maschinenpistolen ausgerüstet sind, weshalb es gut ist, über deren Leistungen und Grenzen etwas Bescheid zu wissen. Auch gefällt mir der patriotische Ton des Autors („Männer hinter Waffen und Waffen in den Händen von Männern erfüllten ihre Pflicht…!“). Und wer weiß, vielleicht findet der eine oder andere von euch mal so ein Ding im Nachlaß des verstorbenen Opas, und ehe er dazukommt, es als gesetzestreuer Bundesbürger bei der Behörde abzugeben, bricht Ragnarök los…]

 

MÄHMASCHINE VON TIKKAKOSKI

Die berühmte Suomi-Maschinenpistole oder Maschinenkarabiner war als „für die Ewigkeit gemachtes“ Ausrüstungsstück konstruiert. Gebrochene oder abgenutzte Teile wie Auszieher, Läufe, Verschlüsse, Schließfedern und Holzschäfte waren einfach zu ersetzen. Gehäuse und Laufmantel waren wahrlich dauerhafte Teile, und – mit Ausnahme einiger Federn und Stifte – nutzten sich die Kleinteile des Abzugsmechanismus nicht leicht ab. Der allererste Prototyp der Suomi-MPi wurde von einem jungen finnischen Waffenmeister, AIMO JOHANNES LAHTI (1896-1970) 1920 oder 1921 gebaut. Das Kaliber war .32 A.C.P. oder 7.65 mm Browning. Die Waffe war 30 cm  (11.8 Zoll) lang. Diese „Maschinenpistole“ war eine sehr zuverlässige Waffe, aber die Patrone .32 Auto war zu schwach für „ernsthaften militärischen Gebrauch“, und die Feuerrate war angeblich zu hoch.

Es ist nicht bekannt, ob Lahti diesen Mangel aller „Ratterpistolen“ mit einer Art pneumatischem Feuerratenreduzierer zu beseitigen versuchte. Die Prototypwaffe und ihre Zeichnungen sind unglücklicherweise für immer verloren. Der nächste Prototyp der Suomi im Kaliber 7.65 x 21 mm Parabellum oder Luger wurde von der Maschinen- und Werkzeugfabrik Leskinen & Kari, aus Tampere, Finland, 1922 gebaut. Ein einzelnes Muster der Konepistooli (Maschinenpistole) Modell 1922 überlebt in einem deutschen Museum, der Wehrtechnischen Studiensammlung in Koblenz.

Das erste finnische Patent auf eine Maschinenpistole wurde 1922 beantragt und gewährt. Die Erfinder waren der Oberwaffenmeister A. Lahti, Leutnant Y.Koskinen und L. Boyer-Spoof, auch Leutnant der finnischen Armee und kommandierender Offizier von Aimo J. Lahti. Das Patent wurde am 11. September 1922 gewährt und schützte eine neue Art der Laufbefestigung und den Abzugsmechanismus mit einem einfachen Selektor für halbautomatisches Feuer. Der Verschluß des frühen Modells M/22 war ähnlich dem der deutschen Bergmann, der britischen  STEN und der australischen Owen, aber es gab einige besondere Konstruktionsmerkmale, um die ansonsten exzessiv hohe Feuerrate ab dem Modell M/22 zu reduzieren. Die Verringerung der Feuerrate basierte auf Luftkompression oder Vakuum hinter dem Verschluß, der fast hermetisch dicht im röhrenfömigen Gehäuse saß.

Gemäß den Patentzeichnungen waren die meisten Bauteile zu filigran und schwierig korrekt einzustellen. Die am wenigsten komplizierte Kadenzreduziervorrichtung, ein simples Vakuumventil, wurde in jeder Suomi-MPi seit 1930 bis ca. 1986 verwendet, als die letzten Exemplare dieses großartigen Ausrüstungsstückes zusammengebaut wurden. Die Konstrukteure der „Prä-Suomi“, A. Lahti, Y. Koskinen, L. Boyer-Spoof und ihr kommandierender Offizier Hauptmann V. Korpela gründeten die Firma „Konepistooli Oy“ („Maschinenpistolen-GmbH“) für die Maschinenpistolenproduktion.

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Büchsen-Licht (6): Mosin-Nagant-Gewehre

Feuerzauber: Mündungsblitze der starken Infanteriepatrone 7,62 x 54R aus den kurzen Läufen von Mosin-Nagant-Karabinern auf einem nächtlichen Schießstand.

Von Deep Roots (ursprünglich veröffentlicht auf „As der Schwerter“; die Preisangaben im Artikel entsprechen dem Stand von 2012)

Dieser Beitrag behandelt ein weiteres klassisches Infanteriewaffensystem, nämlich die russischen Gewehre und Karabiner des Systems Mosin-Nagant 1891. Quellen hierfür waren diverse Artikel im Schweizer „Internationalen Waffenmagazin“ und in „VISIER“, die Bücher „Infanteriewaffen gestern“ und „Schützenwaffen heute“ von Günter Wollert, Reiner Lidschun und Wilfried Kopenhagen sowie eigene Praxiserfahrungen und Gespräche mit anderen Schützen.

Das Mosin-Nagant-Waffensystem gehört zu den wenigen Konstruktionen, die Ende des 19. Jahrhunderts entstanden und mit kleinen Änderungen und Verbesserungen beide Weltkriege überlebten. In seiner Konstruktion lassen sich einige Details finden, die bei dem berühmtesten und in der Welt am verbreitetsten System – dem Mauser 98 – besser gelöst waren, z. B. die Art der Sicherung. Die lange Lebensdauer der Waffe zeugt jedoch von der Qualität der Mosin’schen Konstruktion. Im Verlauf etlicher Jahrzehnte und im harten kriegerischen Einsatz entsprach die Waffe den Anforderungen an eine Armee-Standardwaffe und bewies weitgehend ihre Nützlichkeit, Verläßlichkeit und geringe Störanfälligkeit.

Ihre Geschichte reicht zurück in die 80er-Jahre des 19. Jahrhunderts, als die Militärbeschaffungsstellen des russischen Zaren ganz im Trend der damaligen Zeit nach einem kleinkalibrigen Repetiergewehr suchten. Gefunden wurde diese neue Waffe für die Zarenarmee mit dem Mosin-Nagant-Gewehr im Drei-Linien-Kaliber 7,62 mm, dessen erste Variante, heute als Modell 1891 bezeichnet, 1891 eingeführt wurde. Dabei handelt es sich um die Kombination eines vom russischen Offizier Sergej Mosin in der staatlichen Waffenfabrik Tula entwickelten Systems mit dem von den belgischen Waffenkonstrukteuren Emile und Leon Nagant entworfenen Repetiergewehr mit einreihigem Magazin. Vom Mosin-Gewehr wurde die Systemhülse samt Verschluß übernommen und von der Nagant-Waffe das Magazin.

Mosin-Nagant-Waffen, von oben nach unten: ursprüngliches Zar-Nikolaus-Gewehr 1891; vermutlich ähnliche Ausführung ohne Riemenbügel; 2 x Gewehr 1891/30; Karabiner Modell 1938; Karabiner Modell 1944.

Die neue Patrone vom Kaliber 7,62 x 54R, die heute noch in Nord- und Osteuropa als Sport- und Jagdpatrone ein hohes Ansehen genießt und in Finnland als 7,62 x 53R bezeichnet wird, wurde zunächst mit einem Rundkopfgeschoß laboriert und 1908 mit einem 9,7 g schweren Spitzgeschoß an die neuen Anforderungen an Infanteriemunition angepaßt. Die 7,62 x 54R rückte somit in die Leistungsklasse der heutigen .308 Winchester (7,62 x 51 NATO).

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