Die Revolverhelden des Wilden Westens: Gespräch mit einem Gunfighter

Colt Single Action Army im Kaliber .38-40 Winchester mit 7 ½“ langem Lauf.

Von C. F. Eckhardt, aus Heft 10-1985 der „Schweizer Waffenmagazins“. (Bild nicht aus dem Artikel.)

Zuvor (auf Cernunnos‘ Insel) erschienen:
Die Revolverhelden des Wilden Westens,
Die Waffen der Revolverhelden des Wilden Westens,
Die Holster der Revolverhelden des Wilden Westens
Die Revolverhelden des Wilden Westens: Illusion und Wirklichkeit

Heck Perez hatte lange Zeit, bevor ich geboren wurde, als Ordnungshüter in einer Ölbohrstadt gewirkt. Als ich ihn kennenlernte, war er Besitzer einer Rinderfarm geworden und schon seit vielen Jahren erfolgreich als Viehzüchter tätig. Auch damals führte er noch seinen langläufigen Single-Action-Colt, einen .38-40er, mit sich, doch in diesen späteren Jahren reiste der eher im Handschuhfach seines Ford-Pickup mit als auf Hecks Hüfte. Jung und vorlaut, wie ich war, fragte ich Heck eines Tages, ob das Schnellziehen mit dem langen 7 ½“-Lauf denn nicht furchtbar schwierig gewesen sei.

„Ich glaube, ich habe nie einen Mann schnell ziehen gesehen, so wie sie’s in den Filmen und am Fernsehen tun“, antwortete Heck. „Nein, mein Junge, sowas habe ich in meinem ganzen Leben nie gesehen. Sonst hätte ich’s bestimmt nicht vergessen. Zwar bin ich an Orten gewesen, wo das hätte vorkommen können, aber es ist nie vorgekommen.

Ich selber habe mich ums Schnellziehen gar nie gekümmert. Wenn ich schon auf einen Mann losgehen musste, hätte ich ja ein verdammter Schwachkopf sein müssen, um den Colt dabei im Holster zu lassen. Ich ging natürlich mit gezogenem Colt los, falls das alles war, was ich bei mir hatte. Doch wenn ich wählen konnte, zog ich eine Schrotflinte mit abgesägtem Lauf alleweil vor. Gegen einen Sechsschüsser oder eine Büchse mochte es ein Gegner noch aufnehmen, aber die wenigsten hatten den Mumm, einer doppelläufigen Schrotspritze Widerstand zu leisten. Dafür waren wir Polizeimänner ja da, verstehst du, nicht um die Leute zu erschießen, sondern um dafür zu sorgen, dass sie hinter Schloß und Riegel und vor Gericht kamen, und dass wir dabei nicht umkamen.

Wenn ich an diese Fernseh-Sheriffs denke, die in einen Saal voll Killer hineinspazieren mit der Kanone noch im Holster, und dann womöglich noch mit einem dieser Burschen einen Boxkampf austragen! So haben wir das nicht gemacht, ganz und gar nicht! Nein, wir taten uns zusammen, unser sechs oder acht, und wir waren alle mit Flinten oder Büchsen bewaffnet, und dann schlichen wir uns an die Fenster und steckten alle gleichzeitig unsere Flintenläufe hinein, so dass die drinnen all die zehn- und zwölf-kalibrigen doppelläufigen Flinten auf sich gerichtet sahen, und dann brüllten wir: ‚Ergebt ihr euch jetzt, oder sollen wir schießen?’ Die meisten ergaben sich gleich.“

Die Sheriffs schossen nicht gern

„Manchmal hatte man allerdings fast keine andere Wahl, als jemanden zu erschießen. Es kam vor, dass einer entschlossen war, zu töten oder getötet zu werden, und wenn man lebend davonkommen wollte, musste man ihn wohl oder übel erschießen. Man hatte zwar nicht die Absicht, den Mann zu töten, verstehst du, aber zuweilen blieb einem gar nichts anderes übrig. Doch das war nicht leicht, mein Junge, und uns war es zuwider, und wenn du je einen Mann triffst, der dir sagt, Töten sei einfach und er tue das gern, dann hüte dich vor ihm wie vor einer Klapperschlange! Der ist wie ein Hund, der an frischem Blut Geschmack gefunden hat. Es bleibt dir nichts anderes übrig, als ihn zu erschießen, sonst wird er früher oder später über dich herfallen.“

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Verteidigungsschießen: Konfrontationen mit mehreren Gegnern

Von Dipl.-Ing. Manfred Ertl, aus „Internationales Waffen-Magazin 6-7 1998“.

Feuergefechte mit mehreren Gegnern sind gefährlich und oft unkalkulierbar. Zur Erhöhung der eigenen Überlebenschance existiert jedoch eine ganze Reihe von Verhaltensregeln, die sich auf die Führung des Feuerkampfes und das taktische Gesamtverhalten in derartigen Situationen bezieht. Sie betreffen die Priorität bei der Auswahl der Ziele ebenso wie das Ergreifen der Initiative oder die Wahl von Deckungen.

Konfrontationen mit mehreren Gegnern sind in zivilisierten Ländern zwar nicht unbedingt die Standardsituation einer bewaffneten Auseinandersetzung, sie sind, wie die Auswertung realer Konfrontationsverläufe aber zeigt, auch nicht so selten, daß sie nicht Gegenstand grundsätzlicher taktischer Überlegungen sein sollten. Folglich wurde für solche Situationen auch eine Reihe von Verhaltensregeln bezüglich des taktischen Verhaltens und der Führung des Feuerkampfes entwickelt, welche die eigenen Überlebenschancen und Erfolgsaussichten erhöhen sollen.

Die erste Regel, die dazu ziemlich übereinstimmend vertreten wird, besteht darin, daß Konfrontationen mit mehreren Gegnern ein erhebliches und oft unkalkulierbares Gefährdungspotential beinhalten, und man sie daher – wenn immer möglich – vermeiden, bzw. die Flucht als primäre Alternative des Handelns wählen sollte. Dies gilt umso mehr, wenn man allein oder zu zweit mit einer zahlenmäßigen Übermacht an Gegnern konfrontiert ist.

Eine solche Behauptung erscheint auf den ersten Blick zwar als ziemlich triviale Binsenweisheit, hat aber durchaus ihre Berechtigung. Seriös dokumentierte Verläufe von realen Konfrontationen zeigen, daß einzelne Polizisten oder Privatleute immer wieder gegen diese Regel verstoßen und z. B. versucht haben, mehrere bewaffnete Kriminelle zu stellen. In einem Fall versuchte ein Passant sogar mit einer Tränengaswaffe zwei Bankräuber aufzuhalten, von denen einer offensichtlich mit einer Maschinenpistole bewaffnet war. Da für einen Privatmann in der beschriebenen Situation weder eine Pflicht noch eine Notwendigkeit bestanden hätte, die beiden fliehenden Bankräuber aufzuhalten oder zu stellen, wird recht deutlich, daß die oben zitierte Regel durchaus nicht so trivial ist, wie sie auf den ersten Blick erscheint.

Wenn Flucht oder Passivität nicht möglich sind

Könnte man sich allerdings jeder Konfrontation mit mehreren Gegnern immer durch Flucht oder Passivität entziehen, wäre das Thema recht einfach zu behandeln, und alle weiteren Regeln für das taktische und schießtechnische Verhalten in solchen Lagen wären überflüssig. Da es – wie die Realität zeigt – aber durchaus Situationen gibt, in denen eine Flucht nicht möglich ist oder in denen die Flucht die geringere Überlebenswahrscheinlichkeit verspricht, lohnt es sich zumindest, einige dieser Regeln für eine Konfrontation mit einem Gegner in Überzahl etwas genauer zu betrachten.

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Waffenhaltung und Abzugstechnik beim gebrauchsmäßigen Schießen

Von Dipl.-Ing. Manfred Ertl, ursprünglich erschienen in „Internationales Waffen-Magazin“ 5-1998.

Für das Halten der Waffe und die Abzugstechnik gibt es unterschiedliche Empfehlungen. Ernstfallorientierte Techniken sind einfach und berücksichtigen den natürlichen Bewegungsablauf und die menschliche Anatomie.

Waffenhaltung, Abzugsvorgang und Verhalten nach der Schußabgabe sind wesentliche Elemente der Schießtechnik. Wie diese einzelnen technischen Elemente allerdings korrekt ausgeführt werden, und welche Überlegungen dabei im Vordergrund stehen, hängt wesentlich davon ab, zu welchem Zweck man eine Waffe benutzt und welche Rahmenbedingungen den Waffengebrauch beeinflussen. Nicht alles, was sich im Sportschießen bewährt hat, kann auch kritiklos und unverändert ins gebrauchsmäßige Schießen übernommen werden.

Vor allem in älteren Anleitungen zum gebrauchsmäßigen Waffeneinsatz findet dies wenig Berücksichtigung. Die Atemtechnik, die hier über einen Zeitraum von mehreren Sekunden beschrieben wird, oder die Betonung der Schußabgabe vom Druckpunkt aus, sind hierfür Beispiele.

Das gebrauchsmäßige Schießen unterliegt aber anderen Kriterien als die Schußabgabe zu rein sportlichen Zwecken. Im gebrauchsmäßigen Schießen wirken andere Rahmenbedingungen auf den Schützen ein, und es stellen sich andere Anforderungen an die Schießtechnik. Dies wird vor allem deutlich, wenn man die Zielsetzung und die Rahmenbedingungen eines ernstfallorientierten Schußwaffengebrauchs einmal zusammenfaßt.

Dabei fällt zuerst auf, daß der extrem präzise Schuß über weite Entfernungen ohne jegliche Zeitbegrenzung im gebrauchsmäßigen Schießen mit der Kurzwaffe praktisch nicht vorkommt. Diese Art des langsamen, präzisen Schießens ist aber die Basis eines großen Teils aller sportlichen Schießdisziplinen. Da bewaffnete Konfrontationen praktisch immer unter Zeitdruck ablaufen und in der Regel die Bekämpfung relativ großer Ziele auf kurze Entfernungen erfordern, liegt es auf der Hand, daß dazu eine andere Schießtechnik erforderlich ist als als zum präzisen Schuß auf weite Entfernungen. Hinzu kommt, daß im gebrauchsmäßigen Schießen eine Reihe von weiteren Einflußfaktoren zu berücksichtigen ist, die in dieser Form beim sportlichen Schießen keine Rolle spielen. Kampfstreß, extrem ungünstige Lichtverhältnisse oder das Schießen aus schnellen Drehungen sind Beispiele dafür.

Jede Technik, die im gebrauchsmäßigen Schießen Verwendung finden soll, muß an diesen Anforderungen gemessen werden. Dabei ist es wichtig, daß nicht ein einzelner Aspekt aus dieser Summe von Anforderungen in den Vordergrund gestellt wird, sondern daß eine zweckmäßige Technik im Verteidigungsschießen allen Aspekten zumindest hinlänglich gerecht wird. Die beste Technik nützt nichts, wenn sie sich nicht zur schnellen Abgabe mehrerer Schüsse hintereinander eignet oder nicht streßstabil ist.

Diese Überlegungen gelten natürlich für alle Bereiche der Schießtechnik, also auch für den Anschlag oder die Körperhaltung insgesamt. Hier soll aber nur das Halten der Waffe und die Abzugstechnik näher betrachtet werden.

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Combatschießen im Winter

Von Dipl.-Ing. Manfred Ertl, ursprünglich erschienen in „Internationales Waffen-Magazin“ 3-1998.

Eine bewaffnete Auseinandersetzung im Winter unterscheidet sich nur in wenigen Dingen von ähnlichen Situationen bei mildem Wetter. Diese wenigen Dinge, wie dickere Kleidung, das Tragen von Handschuhen oder die eingeschränkte Motorik mit kalten Fingern können aber einen immensen Einfluß auf den Verlauf und den Ausgang eines Feuergefechtes haben.

Für das gebrauchsmäßige Schießen relevante Meßwerte, wie Ziehzeiten oder Trefferergebnisse, werden normalerweise unter optimalen oder zumindest genormten Umweltbedingungen ermittelt. Dies ist im allgemeinen auch sinnvoll, da die Werte so leichter reproduzierbar sind, bei Veröffentlichungen eine Angabe von vielen Randbedingungen überflüssig ist und man unter immer gleichen Bedingungen den eigenen Trainingsfortschritt besser erkennen kann. Außerdem ist es nur unter gleichen und reproduzierbaren Bedingungen möglich, den Einfluß einzelner Parameter, wie einer bestimmten Holsterform oder Schießtechnik, getrennt zu betrachten und in ihrem Einfluß auf das Gesamtergebnis zu bewerten.

Man darf dabei allerdings nicht aus den Augen verlieren, daß die so ermittelten Werte in der Regel das Maximum dessen darstellen, was man mit einer Waffe, einem Holster oder einer bestimmten Munitionssorte unter günstigsten Bedingungen erzielen kann. Im realen Feuergefecht sind die Randbedingungen für den Schußwaffeneinsatz meist erheblich ungünstiger, als quasi unter Laborbedingungen auf dem Schießstand. Hier reduziert der Einfluß von Streß die Psychomotorik, schlechte Lichtverhältnisse erschweren es, das Ziel zu erfassen und ungünstige räumliche Verhältnisse machen es oft unmöglich, den so intensiv geübten Anschlag korrekt einzunehmen.

Wer es nicht schon in der Ausbildung gelernt hat, sich auf solche Einflüsse einzustellen, und wem nicht bewußt ist, daß die Ergebnisse, die unter realen Bedingungen mit einer Waffe zu erzielen sind, meist deutlich schlechter ausfallen, als die Werte auf dem Schießstand, wird im Feuergefecht damit konfrontiert werden. Überraschungen solcher Art wirken sich aber auf den Ausgang eines Schußwechsels zweifach negativ aus. Zum einen ist man dann in seinen Vorbereitungen und seinem Verhalten auf den Umgang mit den ungünstigen Rahmenbedingungen nicht eingestellt, und zum anderen wirken alle negativen Überraschungen in Extremsituationen streßverstärkend, was zu Unsicherheit führt und letztlich bis zum lähmenden Schock reichen kann. Wer erst in einem Ernstfall feststellt, daß man bei Nacht kaum das Ziel erfassen kann oder daß eine Feuerwaffe auch einmal Störungen haben kann, wird meist keine Gelegenheit mehr haben, um aus dieser Erfahrung zu lernen.

Vorbereitung auf ungünstige Rahmenbedingungen

Ziel eines ernstfallorientierten Trainings im gebrauchsmäßigen Schießen muß es daher immer sein, schon in der Ausbildung mit möglichst vielen ungünstigen Rahmenbedingungen eines Feuergefechts vertraut zu werden und sich in seinem Verhalten darauf einzustellen. Von der Methodik kann man dabei zwischen zwei Arten von negativen Randbedingungen unterscheiden. Die einen, wie z. B. der Einfluß von Kampfstreß, treten mehr oder weniger stark ausgeprägt bei praktisch allen Arten von bewaffneten Konfrontationen auf, die anderen beziehen sich ausschließlich auf ganz besondere Situationen.

Ein typisches Beispiel aus der zweiten Gruppe ist das Schießen unter winterlichen Verhältnissen. Daran läßt sich im übrigen auch sehr gut verdeutlichen, wie wenig in der gängigen Ausbildung von Gebrauchswaffenträgern und in der allgemeinen Diskussion über Waffen und Schießtechnik auf derartige Sonderfälle eingegangen wird, obwohl solche scheinbaren Sonderfälle einen keinesfalls zu vernachlässigen Anteil an der Gesamtzahl aller bewaffneten Konfrontationen ausmachen. Daß in manchen Bereichen Mitteleuropas oder Nordamerikas mindestens ein Viertel des Jahres von winterlichen Verhältnissen geprägt ist, wird in kaum einem Schießkurs oder in kaum einer Publikation über das Verteidigungsschießen zur Kenntnis genommen. Betrachtet man die Bilder in den einschlägigen Veröffentlichungen, gewinnt man eher den Eindruck, alle denkbaren Feuergefechte müssen in Kalifornien, in der Sahara oder auf beheizten Schießständen stattfinden. Darstellungen von Schützen in dicker Winterkleidung oder mit Handschuhen sind ausgesprochen selten.

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Verteidigungsschießen: Konfrontationen auf extrem kurze Entfernungen

Von Dipl.-Ing. Manfred Ertl, aus „Internationales Waffen-Magazin“ 6/7-1997.

Konfrontationen auf extrem kurze Entfernungen stellen eine besondere Herausforderung beim Einsatz der Gebrauchswaffe dar. Dem muß durch entsprechende Techniken Rechnung getragen werden. Die Möglichkeit, körperliche Angriffe abwehren zu können, die eigene Waffe dem gegnerischen Zugriff zu entziehen, der Umgang mit extrem kurzen Reaktionszeiten und die optimale Nutzung von Deckungen sind dafür entscheidend.

Schußwechsel auf extrem kurze Entfernungen gehören zu den gefährlichsten Situationen, die in einer bewaffneten Konfrontation auftreten können. Unter extrem kurzen Entfernungen versteht man Distanzen, die dadurch gekennzeichnet sind, daß die Beteiligten sich entweder bereits berühren können oder es einem der Kontrahenten möglich ist, einen solchen Abstand durch einen einzigen Schritt herzustellen.

In solchen Situationen besteht vor allem die Gefahr, daß es zur unmittelbaren körperlichen Auseinandersetzung kommt, deren Ausgang kaum vorhersehbar ist. Haben die Kontrahenten erst einmal Körperkontakt hergestellt, kann es leicht passieren, daß sich aus einer ergriffenen und festgehaltenen Waffe ein Schuß löst, der in seiner Richtung schwer beeinflußt werden kann. Außerdem besteht immer die Gefahr, daß einem die eigene Waffe vom Gegner entrissen und man dann selbst mit ihr bedroht wird.

Andere Problembereiche dieses Konfrontationstyps liegen daran, daß die verbleibenden Reaktionszeiten extrem kurz werden und daß man auf Grund des geringen Abstands zum Gegner häufig keine Gelegenheit mehr hat, einen Standardanschlag mit der Waffe einzunehmen. In ernstzunehmenden Combatkursen wird daher die Grundregel, solche Situationen zu vermeiden, und die Vorgehensweisen, wie man das tut, zum taktischen Standardrepertoire gehören. Häufig ist eine solche Regel zwar anders formuliert, wie z. B. „Maximiere die Entfernung zum Gegner und minimiere deine sichtbare Treff-Fläche“, im Grunde sagt ein solcher Verhaltensgrundsatz nichts anderes als „vermeide Konfrontationen auf extrem kurze Entfernungen.“

Im IWM-Spezialheft „Verteidigungsschießen II“ haben wir diese Problematik an verschiedenen Stellen unter den taktischen Grundprinzipien behandelt. Die Wahl der Bewegungslinie bei der weiten Kurventechnik, eine zweckmäßige Deckungswahl vor der eigentlichen Konfrontation oder die Maßnahmen zur Verhinderung der Unterschreitung der kritischen Entfernung durch den Gegner sind Beispiele dafür.

Wenn man diese Regeln konsequent anwendet, wird man in vielen Fällen das Eintreten einer Situation, in der man sich plötzlich mit einem Gegner auf eine Entfernung von ein bis zwei Metern konfrontiert sieht, vermeiden können. Aber es gibt auch Situationen, in denen man es nicht vermeiden kann.

Dabei sollen hier die Situationen, in denen man von einem Angriff auf kurze Entfernung überrascht wird, nicht im Mittelpunkt stehen, da diese Problematik schon an anderer Stelle behandelt wurde. Selbst wenn man die Waffe bereits gezogen hat und sich in einer laufenden Konfrontation befindet, kann man es doch nicht immer vermeiden, daß zumindest die Gefahr besteht, daß man mit dem Gegner auf Tuchfühlung gerät. Vor allem beim Vorgehen innerhalb von Gebäuden oder unter anderen räumlich beengten Verhältnissen muß man sich oft Hindernissen, Ecken, Türen und anderen Objekten annähern, hinter denen sich ein Gegner verbergen und dann überraschend auftauchen kann. In solchen Situationen kommt es darauf an, Techniken und Taktiken anzuwenden, die das eigene Risiko möglichst gering halten.

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Verteidigungsschießen: Mischladungen

Von Dipl.-Ing. Manfred Ertl, aus „Internationales Waffen-Magazin“ 1-2 1997.

In manchen Fällen ist es zweckmäßig, ein Magazin oder eine Trommel nicht mit einer einzigen Munitionssorte zu bestücken, sondern mehrere unterschiedliche Patronensorten zu laden. Diese Mischladungen haben gegenüber einer homogenen Bestückung Vorteile und Nachteile. In welchen Fällen Mischladungen sinnvoll sind, hängt stark davon ab, wie weit man sich auf einen bestimmten Konfrontationstyp einstellen kann.

Eine ideale Patrone, die allen Anforderungen des Verteidigungsschießens gerecht wird, gibt es nicht. Dies würde im Übrigen auch der Quadratur des Kreises entsprechen, denn die Forderungen, die eine Laborierung für Verteidigungszwecke erfüllen muß, sind zu unterschiedlich und schließen sich zum Teil gegenseitig aus. Schließlich erwartet man von einer idealen Patrone, daß sie den Gegner schnell außer Gefecht setzt, bei Durch- oder Fehlschüssen das Hinterland wenig gefährdet, eine geringe Neigung zur Bildung von Abprallern hat, aber Deckungen mühelos durchschlägt. Übersetzt man diese taktischen Ansprüche in ballistische Anforderungen, so wird schnell deutlich, daß eine Geschoßkonzeption, die dies alles erfüllt, kaum existieren kann. Eine sichere und schnelle Ausschaltung des Gegners bedeutet, endballistisch gesehen, eine schnelle Energieabgabe nach dem Eindringen in das „weiche Ziel“. Dies steht aber im Widerspruch zur Forderung nach einer hohen Durchschlagsleistung gegenüber verschiedenartigen Deckungsmaterialien. Schnelle Energieabgabe heißt nämlich immer schnelle Abbremsung des Geschosses und damit geringe Durchschlagsleistung. Besonders deutlich wird dies, wenn man extreme Geschoßkonstruktionen betrachtet, die eindeutig auf eine der beiden Forderungen hin – Mannstoppwirkung oder Durchschlagsleistung – optimiert sind.

So erfüllen besonders zerlegefreudige Projektile wie Glaser Safety Slugs oder Explosivgeschosse, bzw. aufpilzende Geschosse wie Hollow Points, zwar die Forderung nach hoher Mannstoppwirkung und geringer Umfeldgefährdung, haben aber gegen Schutzwesten oder Autokarosserien nur ein sehr geringes Durchschlagsvermögen. Vollmantelgeschosse, vor allem, wenn sie mit verstärktem Mantel oder Hartkern versehen sind, besitzen zwar ein hohes Penetrationsvermögen gegen Deckungen und ballistische Schutzmaßnahmen, dafür geben sie beim Durchschlag durch den menschlichen Körper nur Teile ihrer kinetischen Energie ab, was zu einer geringeren Mannstoppwirkung und selbst bei Treffern zu einer Gefährdung des Umfeldes führt. Bei Fehlschüssen tritt diese Umfeldgefährdung durch penetrationsstarke Laborierungen noch stärker in den Vordergrund, da diese Projektile zum Teil selbst Innenmauern von Gebäuden oder Autokarosserien mit erheblicher Restenergie durchschlagen können.

Um diesem Dilemma auszuweichen, bieten sich verschiedene Möglichkeiten an. Eine besteht darin, Patronen zu verwenden, die einem Kompromiß zwischen den unterschiedlichen Wirkungsforderungen entsprechen. Teilmantelprojektile oder Vollmantelgeschosse mit Flachkopf stellen einen solchen Kompromiß dar. Man vermeidet damit zwar die extremen Nachteile, die sich unter ungünstigen Umständen aus der Verwendung hochspezialisierter Munition ergeben, aber man hat damit auch in keiner Situation die optimale Munitionssorte zur Verfügung. Kompromisse bedeuten eben immer eine Beschränkung auf das Mittelmaß.

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Instinktives Schießen

Von Dipl.-Ing. Manfred Ertl, aus „Internationales Waffenmagazin“ 11-1996.

„Instinktives Schießen“ ist auf dem Gebiet des kampfmäßigen Schießens zu einem festen Begriff geworden. Sowohl der Begriff selbst als auch die entsprechende Schießtechnik sind nicht unproblematisch. Die Vorteile dieser Schießtechnik sind oft zu vordergründig und halten einer genaueren Überprüfung nicht stand.

Instinktives Schießen ist einer der Begriffe aus der Welt des kampfmäßigen Schießens, der nicht nur oft verklärt wurde, sondern zum Teil auch sehr mißverständlich gebraucht wird. Dies fängt schon mit der Wortschöpfung selbst an. Unterstellt doch der Begriff „instinktives Schießen“ bereits, daß der Mensch über so etwas wie einen Instinkt verfügt, der ihm sagt, wie und wann er die Schußwaffe gebrauchen sollte.

Denkt man darüber einmal nach und verwendet dabei den Begriff „Instinkt“ so, wie man ihn in der Biologie, der Verhaltensforschung oder der Psychologie benutzt, wird schnell klar, daß eine enge Anlehnung an die übliche Bedeutung des Instinktbegriffs nicht gemeint sein kann. Andernfalls müßte der Mensch wirklich über eine tief verwurzelte Anlage zum Schießen verfügen. Dies kann aber nicht sein, da Instinkte nicht erlernt werden können, sondern ererbte Verhaltensweisen sind, die oft unterbewußt angewendet werden und sich über einen langen Zeitraum im Rahmen der Evolution entwickelt haben. Dabei bedeutet ein langer Zeitraum natürlich keine Jahrzehnte oder Jahrhunderte, sondern Jahrtausende und mehr. Moderne Handfeuerwaffen existieren aber gerade einmal hundert Jahre, oder je nach Definition vielleicht einige Jahrzehnte länger. Auf jeden Fall erst seit so kurzer Zeit, daß eine evolutionäre Anpassung des Menschen an diese Entwicklung mit Sicherheit auszuschließen ist. Und selbst wenn man Luntenschloßgewehre und Pistolen mit Steinschloß mit einbezieht, bewegt man sich dennoch in Zeiträumen, die für eine Entwicklung von Instinkten bedeutungslos sind. Der Mensch hat einfach keine Instinkte, die für die Führung eines Feuerkampfes angelegt sind. Vielmehr ist der Instinktapparat des Menschen zu einer Zeit entstanden, als zum Überleben ganz andere Verhaltensweisen zweckmäßig waren als in heutigen Konfrontationen. Dies wird z. B. auch an den physiologischen Reaktionen des Menschen in Extremsituationen deutlich. Die Erhöhung der Körperkraft, bei gleichzeitiger Verminderung der Feinmotorik und der Fähigkeit zum komplexen Denken, mag in der Welt der Neandertaler zur Abwehr einer Bedrohung zweckmäßig gewesen sein, in einer bewaffneten Konfrontation heutzutage ist eine solche Anpassung zumindest unzweckmäßig, eventuell sogar tödlich. Eine gute Beherrschung des Abzugs und die Fähigkeit zur schnellen Entschlußfassung beeinflussen das Ergebnis eines modernen Feuergefechtes bei weitem mehr, als die Frage, wieviele Kilogramme die Kontrahenten stemmen können.

Der Mensch hat keinen Schießinstinkt

Schießtechniken für den Ernstfall können also nicht auf irgendwelche Instinkte aufbauen, sondern müssen sich daran orientieren, was taktisch sinnvoll ist, einfach erlernt werden kann und streßstabil ist. Meistens ist mit dem Begriff des instinktiven Schießens auch etwas anderes gemeint als das Anknüpfen an ererbtes, instinktives Verhalten. Beim Lesen der einschlägigen Literatur oder bei Diskussionen über dieses Thema fällt jedoch immer wieder auf, daß allein diese Begriffswahl schon bestimmte Assoziationen erweckt, die den Eindruck vermitteln, der Mensch hätte irgendein natürliches Verhaltenspotential, das man in der Ausbildung nur zu wecken bräuchte. Daß auch das, was man normalerweise als instinktives Schießen bezeichnet, eine erlernte Verhaltensweise ist, wird allein schon deswegen oft vergessen.

Was üblicherweise als „instinktives Schießen“ bezeichnet wird, ist normalerweise nichts anderes als die Beschreibung einer Schießtechnik, bei der auf die Nutzung jeglicher Visiereinrichtungen verzichtet wird und bei der die Ausrichtung der Waffe nur nach Körpergefühl und Muskelgedächtnis erfolgt. Dies wäre an sich auch nicht unrichtig, da im kampfmäßigen Schießen ein Zielen wie beim Präzisionsschießen nur in den seltensten Fällen in Frage kommt und das Körpergefühl und Muskelgedächtnis wirklich eine große Rolle spielt. Das Problem liegt aber darin, daß die unglückliche Begriffswahl falsche Vorstellungen erzeugt, und daß die Betonung des Schießens nach Körpergefühl zu Techniken geführt hat, die unter realistischer Betrachtung nicht sehr zweckmäßig sind. Der erste Teil dieses Problems ließe sich dadurch beheben, daß man einfach einen anderen Begriff benutzt. Die Begriffe „Schießen nach Körpergefühl“, „Point Shooting“ oder „Deutschuß“ wären hierzu geeignet und würden dazu beitragen, die Diskussion um das „instinktive Schießen“ zu versachlichen.

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Verteidigungsschießen: Die Nutzung seitlicher Deckungen

Bei der High Port Position wird die Waffe etwa in Kopfhöhe mit nach oben gerichteter Mündung eng am Körper gehalten.

Von Dipl.-Ing. Manfred Ertl, aus „Internationales Waffenmagazin“ 6-7 1993.

Die Nutzung seitlicher Deckungen an Türstöcken, Mauerecken und ähnlichem hat vor allem in bebautem Gelände und innerhalb von Gebäuden einen hohen Stellenwert. Die wichtigsten Techniken zur Nutzung solcher Deckungen sollten Bestandteil jeder Ausbildung im Verteidigungsschießen sein.

Die Nutzung von Deckungen ist ein zentraler Aspekt in der Taktik bewaffneter Konfrontationen. Es gibt ebenso zahlreiche mögliche Deckungsformen wie es Techniken gibt, sie im Feuerkampf auszunützen. Im Rahmen eines begrenzten Ausbildungsaufwands kommt es vor allem darauf an, die am häufigsten vorkommenden Grundformen von Deckungen in das Trainingsprogramm aufzunehmen und die zweckmäßigsten Techniken auszuwählen.

Eine der Grundformen sind hohe Deckungen, die nur seitlich genutzt werden können. Darunter fallen Türstöcke, vorspringende Mauern und Hausecken ebenso wie Betonpfeiler oder Materialstapel. Doch auch Litfaßsäulen und dickere Bäume kommen hier in Betracht. Allein aus dieser Aufzählung ist ersichtlich, daß derartige Deckungen in einer Vielzahl von möglichen Konfrontationen eine Rolle spielen können. Es ist deshalb zweckmäßig, sie als Standardelement in eine Taktikausbildung mit einzubeziehen.

Im wesentlichen gelten hier für ein breites Spektrum von Situationen und einen großen Personenkreis die gleichen Grundsätze. Allerdings muß man sich darüber im Klaren sein, daß nicht jede Gebäudeecke, jedes Mauerstück oder jeder Materialstapel sich auf das taktische Verhalten in gleicher Weise auswirken. Ergibt z. B. der erste Blick um die Hausecke, daß das vorausliegende Terrain überwiegend frei und offen ist, und verläuft die Hauswand hinter der Ecke gerade und ohne Nischen und Vorsprünge, so wird die Gefährdung durch plötzlich aus kurzer Distanz auftauchende Gegner relativ gering sein. Dafür ergibt sich hier die Gefahr von Geschoß- und Mauersplittern, wenn man von vorn beschossen wird. Denn befindet sich der Gegner an der gegenüberliegenden Gebäudeecke, verläuft seine Schußrichtung nahezu parallel zur Hauswand oder doch in einem sehr flachen Winkel, was ein Ricochettieren selbst bei weicheren Geschossen wahrscheinlich macht. Und auch wenn sich viele Geschosse dabei zerlegen, muß doch bedacht werden, daß Mauer- und Projektilsplitter die bei der eigenen Schußabgabe exponierten Körperteile verletzen können.

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Verteidigungsschießen: Die Deckungsnutzung im Feuergefecht

Von Dipl.-Ing. Manfred Ertl, aus „Internationales Waffenmagazin“ 12-2000.

Die Nutzung von Deckungen ist eines der taktischen Grundelemente im Verteidigungsschießen. Für die praktische Umsetzung dieses Prinzips ist es unter anderem erforderlich, die Anschlagsarten hinter verschiedenen Deckungsformen zu beherrschen. Darüber hinaus muss man die Nutzung von Deckungen in jeder Phase des Feuerkampfes in die eigenen Überlegungen mit einbeziehen und in seinem Verhalten berücksichtigen. Durch entsprechende Übungen lässt sich dies in gewissem Umfang automatisieren.

Den Ratschlag, im Feuergefecht, wann immer möglich Deckungen zu nutzen, findet man in vielen Veröffentlichungen über das Verteidigungsschießen. Meist bewegen sich derartige Ratschläge aber im Allgemeinen und nützen dem, der sich nicht ständig intensiv mit dieser Materie befasst, relativ wenig, wenn es um die konkrete Umsetzung in der taktischen Situation oder um die Einbindung der Deckungsnutzung in die Schießausbildung geht. Einfache Sätze wie „Man sollte den Feuerkampf wann immer möglich aus der Deckung heraus führen“ sind zwar den meisten Gebrauchswaffenträgern bekannt, können aber oft nicht in konkretes Handeln umgesetzt werden.

Verstärkt wird dieses Defizit noch dadurch, dass auch in guten Schießkursen fast immer nur aufrecht stehend ohne Deckungsnutzung geschossen wird. Bestenfalls werden gelegentlich hohe Barrikaden verwendet, um die Deckungsnutzung anzudeuten und den Schuss mit angestrichener Waffe zu üben. Dies ist aber nur ein Sonderfall in der umfangreichen Thematik der Deckungsnutzung und berücksichtigt nur die eigentliche Schussabgabe, wenn man sich gerade hinter einer solchen Deckung befindet. Meist wird dabei auch gar nicht darauf geachtet, wie viel der Körperfläche des Schützen wirklich durch die Deckung geschützt ist, sondern man konzentriert sich oft ausschließlich auf die Waffenhaltung beim angestrichenen Anschlag. Darüber hinaus kann man auch häufig beobachten, dass die eigentliche Schießübung erst beginnt, wenn der Schütze in aller Ruhe seine Schießhaltung eingenommen, mehrfach verbessert hat und ein Zeichen gibt, dass er jetzt fertig ist und mit der Schießübung beginnen kann.

Deckung zum Schutz und zur Vorbeugung

Dies entspricht aber nicht den Forderungen einer praxisgerechten Ausbildung, da es im realen Feuergefecht selten vorkommt, dass man ohne Zeitbegrenzung einen optimalen Anschlag hinter einer längst bezogenen Deckung einnimmt, sondern dass man schnell Deckungsmöglichkeiten erkennt, beurteilt, ob die Führung des Feuerkampfes aus dieser Deckung zweckmäßig ist, schnell den Anschlag hinter dieser Deckung einnimmt und vor allem einen möglichst großen Teil des eigenen Körpers durch die Deckung schützt. Daneben darf nicht vergessen werden, dass Deckungsnutzung nicht erst für die eigentliche Schussabgabe relevant wird, sondern dass sie vor allem in Situationen, in denen noch kein unmittelbarer Kontakt zum Gegner besteht, als vorbeugende Maßnahme bei jeder Bewegung zu berücksichtigen ist.

Nutzung hoher und halbhoher Deckungen

Die Ausbildung dazu muss in mehreren Schritten erfolgen. Zunächst ist zu lernen, wie man unterschiedliche Deckungsformen bei Bewegungen und zur Schussabgabe nutzt. Für den Anfang reicht es dabei aus, zwischen zwei grundsätzlichen Deckungsformen zu unterscheiden. Die eine Grundform ist die seitliche, hohe Deckung, wie man sie als Mauerecken, Türstöcke etc. findet, und die andere ist die halbhohe Deckung, wie sie Gartenmauern, Motorhauben oder Kisten darstellen. Für beide Deckungsformen muss der Anschlag geübt werden, aus dem man dahinter hervorschießt, und die Körperhaltung, in der man sich an diese Deckungen annähert und aus denen man beobachtet, solange noch kein direkter Kontakt mit dem Gegner besteht.

Dies kann entweder separat geübt oder zu einer Übungseinheit verbunden werden, bei der man sich an die Deckung annähert und den Beobachtungshalt einlegt, um dann auf Kommando oder bei aufklappender Scheibe den Feuerkampf zu führen.

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Rasches oder taktisches Nachladen?

Der schnelle Magazinwechsel begünstigt die Pistole als Gefechtswaffe gegenüber dem Revolver.

Von René Smeets, aus Heft 6-1990 des „Schweizer Waffenmagazins“.

Sämtliche Statistiken beweisen es: In den allermeisten Fällen, in denen es zu einem Schußwechsel kommt, fallen insgesamt nur sehr wenige Schüsse; für alle Beteiligten zusammen sind es im Schnitt weniger als der Inhalt einer Revolvertrommel…

Wir sind jedoch überzeugt, daß niemand auf Grund von Statistiken sein Leben aufs Spiel setzen sollte, schließlich könnte er selbst zu einem statistischen Faktor werden, falls er das Pech haben sollte, in eine der „atypischen“ Situationen zu geraten, welche die Ausnahme zur oben zitierten Regel darstellen.

Die Technik des Nachladens während des Schießens gehört deshalb zu den Tricks, die man unbedingt beherrschen muß, und getreu den Grundsätzen, die wir in unserem Beitrag „Tödliche Routine“ (IWM 3/90) aufgestellt haben, soll man diese Methoden nicht nur unter möglichst realistischen Bedingungen trainieren, sondern auch auf ihre Brauchbarkeit unter den zu erwartenden Umständen hin auswerten.

Ob man nun einen Revolver oder eine Pistole benützt: grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Techniken, die „rasches Nachladen“ und „taktisches Nachladen“ genannt werden.

Rasches Nachladen

Es handelt sich um die „Methode Cooper“. Jeff Cooper hat den raschen Magazinwechsel als eine der Grundlagen der technischen Beherrschung einer Pistole eingeführt. Seine superschnelle und sehr spektakuläre Technik erfordert grundsätzlich einen Magazinhalterknopf in Reichweite des Daumens der Schießhand. Linkshänder, die keine Pistole mit beidseitigem oder umsteckbarem Magazinhalterknopf haben, gebrauchen dazu im allgemeinen den Zeigefinger der Schießhand, und dies in einem Tempo, das Rechtshänder verblüfft. Wer eine Pistole mit Magazinhalter am unteren Ende des Magazinschachts verwendet, wird – zumindest theoretisch – stets langsamer sein, da er beide Hände gebrauchen muß, um das leere Magazin aus der Waffe zu holen, bevor er das volle Magazin zur Hand nehmen kann. Vor ein paar Jahren haben wir aber an einem Schießparcours einen Schützen mit einem H& K P7-Modell gesehen, der sein Magazin schneller wechselte, als Schützen, deren Waffen mit seitlichem Magazinhalter-Druckknopf versehen waren. Sein Erfolg beruhte natürlich auf intensivem Training…

Was die Revolver betrifft, so ist rasches Nachladen erst seit verhältnismäßig kurzer Zeit dank dem Aufkommen der „Speed Loaders“ möglich geworden. Das entsprechende Training ist nicht schwieriger als bei der Pistole und führt zu Ergebnissen, die den Laien verblüffen. Doch abgesehen davon, daß Fehlmanipulationen hier der raschen Wiederaufnahme des Schießens bedeutend hinderlicher sind, kann man „Speed Loaders“ auch nie so unauffällig bei sich tragen wie die weniger sperrigen Reservemagazine.

Die Technik des raschen Nachladens von Pistolen und Revolvern ist wohlbekannt, wir wollen uns auf einige Bemerkungen im Zusammenhang mit dem Verteidigungsschießen beschränken.

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