Beobachtungen zum sich entfaltenden Brexit-Drama

Von Michael Walker, übersetzt von Lucifex. Das Original Baby, Where Did Our Love Go? Observations on the Unfolding Brexit Drama erschien am 1. Februar 2009 auf Counter-Currents Publishing.

Eine Sache war beim Ergebnis des Referendums vom 23. Juni 2016 offensichtlich – nämlich daß keine der beiden Seiten es erwartet hatte. Arroganz seitens der Remainers [Befürworter des Verbleibs] und Verantwortungslosigkeit seitens der Leavers [Austrittsbefürworter] hatten bedeutet, daß keine Seite für den Fall eines „Leave“-Ergebnisses vorgesorgt hat, trotz der Tatsache, daß alle Umfragen ein knappes Ergebnis vorhergesagt hatten. Boris Johnson und Michael Gove, zwei führende Konservative, die sich für „Leave“ eingesetzt hatten, konnten sich nicht darauf einigen, wer nach David Camerons Rücktritt als Kandidat für die Führung der Konservativen Partei antreten sollte, womit sie es Theresa May, die sich für „Remain“ eingesetzt hatte, ermöglichten, ihnen die Führung der Konservativen Partei vor der Nase wegzuschnappen. Dies war die erste von vielen Anomalien: eine Person, die glaubt, daß Britannien in der EU verbleiben sollte, wurde zum Regierungsoberhaupt gewählt, das Britanniens Austritt verhandeln sollte.

Die völlig falsche Annahme, daß der gesamte Austritt schmerzvoll mit den Führern der Europäischen Union geregelt werden müßte, war der Mythos, mit dem die Remainers den Abstimmungsausgang für den Austritt von Tag Eins an untergraben haben. Sie wissen, daß es für Britannien völlig möglich gewesen wäre zu verkünden, daß alle einzelnen Handelsabkommen der Gegenstand von Verhandlungen seien, in Kraft bleiben würden, bis sie zu einer Neuverhandlung kämen, und dann sofort damit zu beginnen, sie nicht als Paket zu verhandeln, sondern einzeln. Daß das nicht getan wurde – daß auf einem kompletten Deal als ein Paket beharrt wurde und die Leavers nicht klar machten, daß die Ablehnung eines Ein-Paket-Deals der einzuschlagende Weg sei, womit sie sich der Vorstellung anschlossen, daß der Brexit nur als ein komplett ausverhandelter Deal betrachtet werden muß – könnte der Remain-Seite ihre letzte Chance geben, den Brexit zu verhindern.

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Alexiej Shiropajews „Gefängnis der Nation“: Eine ethnonationalistische Geschichte Rußlands, Teil 4

Von Jarosław Ostrogniew, übersetzt von Lichtschwert (= Lucifex). Das Original Alexiey Shiropayev’s Prison of the Nation: An Ethnonationalist History of Russia, Part 4 erschien am 4. Februar 2016 auf Counter-Currents Publishing.

Letzter Teil; zuvor erschienen: Teil 1, Teil 2 und Teil 3.

Gefängnis der Nation behandelt Wladimir Putins Ära nicht, aber Shiropajew hat sie in seinen anderen Schriften ausführlich kritisiert. Er betrachtet Putins Regime als „orthodoxen Neostalinismus“: eine Mischung der schlimmsten Elemente der byzantinischen und der bolschewistischen Phase des Projekts. Es ist eine Herrschaft von Kommissaren, die vom orthodoxen Klerus gesegnet werden und das Imperium auf Kosten der weißen Bevölkerung Rußlands erweitern, während sie Staatsbürgerpatriotismus, Rassenvermischung, Alkoholismus und Mystizismus fördern, nachdem gottesfürchtige (oder vielmehr: priesterfürchtige) betrunkene „Patriotards“ nie gegen ihre Oberherren rebellieren werden.

Und wieder einmal sind es die „anderen Rassen“, welche die wahren Nutznießer des eurasischen Projekts sind: die russische Bevölkerung bezahlt die Rechnungen für alle nichteuropäischen Provinzen, wo die örtlichen Despoten von Moskau durch Bestechung zum Gehorsam veranlaßt werden. Es sind besonders die asiatischen Moslems, die das letzte Wort in Rußland haben. Der Kreml paßt seine Politik ihren Forderungen an. Sie stellen den Kern der Armee, wo sie den russischen Soldaten und Offizieren ihre Bedingungen diktieren. Sie stellen die Mehrheit von Rußlands illegalen Arbeitskräften. Am schlimmsten von allem ist, daß die Tschetschenenmafia die großen Städte der Russischen Föderation kontrolliert.

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Alexiej Shiropajews „Gefängnis der Nation“: Eine ethnonationalistische Geschichte Rußlands, Teil 3

Von Jarosław Ostrogniew, übersetzt von Lichtschwert (= Lucifex). Das Original Alexiey Shiropayev’s Prison of the Nation: An Ethnonationalist History of Russia, Part 3 erschien am 3. Februar 2016 auf Counter-Currents Publishing.

Teil 3 von 4. Zuvor erschienen: Teil 1 und Teil 2.

Der Rote Terror: Lenin und die Oktoberrevolution

Gefängnis der Nation präsentiert eine originelle Sicht auf die kommunistische Revolution in Rußland im Jahr 1917. Erstens sieht Shiropajew dies als einen Wechsel der herrschenden Elite des eurasischen Projekts. Die byzantinischen Christen wurden einfach durch bolschewistische Juden ersetzt. Daher sieht er nicht viele Gründe für die Unterstützung des ancien régime, welches bereits das multirassische, antieuropäische Utopia verwirklicht hatte, nur unter einem anderen Banner. Zweitens betrachtet er als die größte Sünde der Revolutionäre die Vernichtung der beiden positivsten Kräfte im zaristischen Rußland, die das Land hätten retten können, nämlich die liberalen populistischen Reformer und den deutschfreundlichen Kreis von Rasputin und Zarin Alexandra. Drittens sollte die Revolution nicht allein in ökonomischen, geopolitischen oder religiösen Begriffen betrachtet werden. Der wichtigste Aspekt der Revolution war rassischer Art: sie war ein Rückfall in die blutigsten Phasen des Projekts, analog der Christianisierung der Rus‘, der mongolischen Invasion und des Moskowiter Kampfes um Autokratie. Aber diesmal waren es die Juden (geführt von einem jüdisch-mongolisch-weißen Hybriden, Lenin), die die weiße Bevölkerung der Rus‘ auslöschten.

Shiropajew erzählt die Greueltaten, die von den Bolschewiken an den Slawen verübt wurden: die blutige Auslöschung ganzer Familien und Dörfer, die Folterung der Opfer, etc. Es heißt oft, daß diese Greueltaten unvorstellbar und unbegreiflich sind. Das sind sie aus einer „farbenblinden“ ökonomischen oder politischen Perspektive. Aber wenn wir die Revolution als einen Akt des Rassenkrieges betrachten – die Auslöschung einer rassisch eigenständigen Population durch eine fanatische und blutdürstige ethnische Minderheit, die eine totale Vorherrschaft anstrebt – dann wird alles vorstellbar und begreiflich. Shiropajew zitiert führende Kommunisten, die (unter Verwendung rassischer Verunglimpfungen) ihre Pläne zur Schaffung von Legionen „weißer Sklaven“ zur Bedienung der ethnischen Minderheit präsentieren, die diese neue Dystopie regiert.

Die größten von den Kommissaren begangenen Verbrechen waren natürlich die Ausrottung der ukrainischen Landbevölkerung durch Verhungern (der Holodomor) und das System der Vernichtungslager überall im Sowjetimperium (der Gulag). Jedoch muß betont werden, daß es zahlreiche andere Verwendungen des Hungers als Waffe in der Sowjetunion gegeben hat: zum Beispiel die Unterdrückung der Tambow-Rebellion und anderer Bauernaufstände wie auch die Unterdrückung der Kosaken und anderer Nationen des Imperiums, die sich zur Wiedergewinnung ihrer verlorenen Freiheit erhoben.

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Alexiej Shiropajews „Gefängnis der Nation“: Eine ethnonationalistische Geschichte Rußlands, Teil 2

Wiktor Wasnezov, „Iwan der Schreckliche“, 1897 (Detail)

Von Jarosław Ostrogniew, übersetzt von Lichtschwert (= Lucifex). Das Original Alexiey Shiropayev’s Prison of the Nation: An Ethnonationalist History of Russia, Part 2 erschien am 29. Januar 2016 auf Counter-Currents Publishing.

Teil 2 von 4. Zuvor erschienen: Alexiej Shiropajews „Gefängnis der Nation“: Eine ethnonationalistische Geschichte Rußlands, Teil 1

Der Archetyp des Tyrannen: Iwan der Schreckliche

Während Iwan III. das Fundament eines unabhängigen russischen Königreichs schuf (oder vielmehr eines orthodoxen Moskowiter Khanats), war es sein Enkel Iwan IV. Wassiljewitsch, besser bekannt als Iwan der Schreckliche, der das zaristische Rußland schuf und die wahren Moskowiter Expansionen des 16. Jahrhunderts begann.

Shiropajew identifiziert die Gründung der Opritschnina als die größte Errungenschaft des antirussischen Projekts unter Iwan dem Schrecklichen. Opritschnina ist ein Begriff, der für die Beschreibung der Innenpolitik von Iwan dem Schrecklichen verwendet wird: brutale Stärkung der Macht des Zaren und Unterdrückung allen Widerspruchs, was die Zerschlagung der inneren Opposition seitens der Bojaren (der russischen Adeligen) oder jeglicher separatistischer Tendenzen bedeutete. Die Ausführenden dieser Politik waren die Opritschniks: Mitglieder einer Elitegarde, die direkt dem Zaren verantwortlich war. Sie wurden zu seinen Hunden und Besen erklärt (zur Bewachung und Säuberung seines Königreichs). Die Methoden der Opritschniks waren Folter und Hinrichtungen, Terror und Verrat. Shiropajew betrachtet die Opritschniks als Vorbild für die spätere sowjetische Sicherheitstruppe, die Tscheka, die Russen nach der Revolution hinrichtete.

Iwan der Schreckliche wird oft als labiler, geistesgestörter Mann dargestellt, dem es – trotz seiner Krankheit – gelang, einen effektiven russischen Staat aufzubauen. Shiropajew sieht das anders: Iwans Handlungen erscheinen abnormal im Vergleich zu europäischen Herrschern. Aber wenn man ihn mit mongolischen Khanen vergleicht, so sind seine Zornausbrüche, seine Ausrottungen ganzer Populationen, seine Neigung zu Grausamkeit und daß er sogar Mitglieder seiner eigenen Familie ermordete, nur typische Eigenschaften eines asiatischen Despoten. Seine Politik des Terrors und der Expansion sollte nicht als bloße persönliche Marotten betrachtet werden. Sie sind genau die Art, wie die mongolische Tyrannei und die Horde immer funktioniert hatten.

Die Mutter von Iwan dem Schrecklichen war Helena Glinskaja, deren Familie vom mongolischen Khan Mamai selbst abstammte. Iwan der Schreckliche war Asiate in Blut und Geist, was einer der Gründe dafür ist, daß er keine Zurückhaltung bei der Ausrottung der russischen Bevölkerung hatte, die er als seine Sklaven von fremder Herkunft betrachtete. Unter der Herrschaft von Iwan dem Schrecklichen erlitten Asiaten keine Diskriminierung; ganz im Gegenteil. Der Zar respektierte die asiatischen Adelstitel und betrachtete den mongolischen Adel als von höherem Rang als seine weißen Untertanen (oder genauer: Sklaven). Jedoch begünstigte Iwan der Schreckliche das orthodoxe Christentum und förderte die Christianisierung, was im Grunde bedeutete, daß die Ostexpansion Rußlands in Rassenvermischung resultierte, da getaufte Mongolen als reguläre Mitglieder der orthodoxen Gesellschaft betrachtet wurden.

Der letzte Khan des Khanats von Kasan, Yadegar Mokhammat, kämpfte zuerst gegen Iwan den Schrecklichen, akzeptierte aber schließlich die Herrschaft des Zaren, konvertierte zum Christentum und wurde unter dem Namen Simeon Kasajewitsch ein russischer Adeliger. Ein weiterer Khan, Sain-Bulat, später bekannt als Simeon Bekbulatowitsch, heiratete eine der Töchter von Iwan dem Schrecklichen und wurde (für ein Jahr) vom Zaren zum Großfürsten der Rus‘ gemacht; Simeon wurde später zum Großfürsten über Twer und Torschok gemacht, zu einem der Befehlshaber der Armee des Zaren, und wurde schließlich ein orthodoxer Mönch. Ein weiterer Tatar am Hof des Zaren war Boris Godunow, einer der Opritschniks, ein Mitglied einer christianisierten mongolischen Familie, der einer der Favoriten von Iwan dem Schrecklichen war und nach dessen Tod Zar wurde.

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Alexiej Shiropajews „Gefängnis der Nation“: Eine ethnonationalistische Geschichte Rußlands, Teil 1

Von Jarosław Ostrogniew, übersetzt von Lichtschwert (= Lucifex). Das Original Alexiey Shiropayev’s Prison of the Nation: An Ethnonationalist History of Russia, Part 1 erschien am 27. Januar 2016 auf Counter-Currents Publishing.

Алексей Широпаев
Тюрьма Народа. Русский взгляд на Россию
Москва 2001

[Alexiej Shiropajew, Gefängnis der Nation: Die russische Perspektive auf Rußland (Moskau, 2001).]

Es gibt verschiedene Ansätze beim Erzählen der Geschichte Rußlands und des russischen Volkes. Es gibt die patriotisch-orthodoxe Version der Geschichte, das kommunistische sowie das liberale und demokratische Narrativ. Es gibt natürlich einige wichtige Alternativen. Diejenige, die gegenwärtig die beliebteste unter europäischen Nationalisten zu sein scheint, ist die eurasianistisch-imperialistische Version, wie sie von Alexander Dugin beworben wird, aber in Wirklichkeit von Lew Gumiljow geschaffen wurde. Es gibt jedoch auch eine explizit weiß-nationalistische Erzählweise der Geschichte Rußlands. Die wichtigste Präsentation dieser Sichtweise ist Tyurma Naroda (Gefängnis des Volkes oder Gefängnis der Nation) von Alexiej Shiropajew. Wie Sie aus dem Titel allein ersehen können, ist Shiropajews Sicht auf den russischen Staat extrem kritisch.

Da das Buch nur auf Russisch erhältlich ist, und es extrem unwahrscheinlich ist, daß es jemals ins Englische (oder irgendeine andere Sprache) übersetzt werden wird, werde ich zuerst eine detaillierte Übersicht über Shiropajews Argument präsentieren, und dann eine Kritik an dem Buch.

Rus’ protiv Rossiyi: Rus’ versus Rußland

Ein Thema, das gleich einmal geklärt werden muß, ist die Terminologie. Zwei völlig verschiedene Wirklichkeiten werden durch die deutschen Begriffe „Rußland“ und „Russe“ zu einer gemacht. In der russischen Sprache gibt es zwei verschiedene Wörter als Name des Landes: „Rus‘“ und „Rossiya“. Rus‘ steht für die Länder, die ursprünglich von östlichen Slawen bewohnt wurden, wohingegen Rossiya den größeren russischen Staat bedeutet: das zaristische russische Reich, die Sowjetunion oder die zeitgenössische Russische Föderation. Und diese beiden Begriffe werden oft unter Verwendung eines Wortes ins Deutsche übersetzt: „Rußland“, was daher einige Verwirrung verursacht.

Im Russischen gibt es zwei verschiedene Begriffe: „Russkiy“ und „Rossiskiy“. „Russkiy“ (sowohl als Eigenschaftswort wie auch als Hauptwort) bedeutet einen ethnischen Russen, eine Person von ostslawischer Herkunft, die die russische Sprache spricht. „Rossiskiy“ (als Eigenschaftswort) oder „Rossiyanin“ (als Hauptwort) steht für eine Person, die Russisch spricht oder sich als Teil der russischen („rossiyskiy“) Kultur betrachtet und ein Bürger des russischen Staates sein kann – aber von jeder ethnischen Herkunft sein kann. Wiederum werden beide oft als ein Wort ins Deutsche übersetzt: „Russe“.

Daher ist ein moslemischer Tschetschene, dessen Muttersprache Tschetschenisch ist, der Grundkenntnisse in Russisch hat und sich als loyalen Bürger der Russischen Föderation betrachtet, unzweifelhaft ein „Rossiyanin“ und ohne Zweifel kein „Russkiy“. Ein heidnischer Russe, dessen Muttersprache Russisch ist und dessen Familie über zahllose Jahrhunderte auf russischem Boden gelebt und diesen bearbeitet hat, der die Russische Föderation verläßt und sich den ukrainischen Freiwilligenkräften anschließt, um gegen die Separatisten von Novorossiya zu kämpfen, ist kein „Rossiyanin“ mehr, aber er ist sicherlich ein „Russkiy“.

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Rußland: Ein Musterbeispiel für christlichen Nationalismus?

Freiwillige der Organisation „Junge Sanitäter Rußlands“ machen in Rostow-am-Don eine rote Schleife als Teil der weltweiten Kampagne gegen AIDS.

Von Robert Hampton, übersetzt von Lucifex. Das Original Russia: An Exemplar of Christian Nationalism? erschien am 24. Januar 2019 auf Counter-Currents Publishing.

Viele auf Seiten der Rechten scheinen zu denken, daß christlicher Nationalismus für unsere Bewegung der Weg vorwärts ist. Sie betrachten Ungarn, Polen und Rußland als Beweise dafür, daß die Plazierung der christlichen Identität in den Vordergrund unserer Sache der beste Weg sei, die Massen anzuziehen und die weiße Zivilisation in ihrer rechtmäßigen Herrlichkeit wiederherzustellen.

Christliche Nationalisten sehen das institutionelle Christentum als unseren natürlichen Verbündeten und wünschen sich, daß Staat und Kirche vereint ihr Volk zur Größe führen. Rußland wird als Musterbeispiel für dieses Modell hochgehalten, da Wladimir Putins Regierung eng mit der orthodoxen Kirche zusammenarbeitet und den orthodoxen Charakter ihrer Nation sehr betont.

Rußland hat viele gesellschaftlich konservative politische Maßnahmen eingeführt, wie das Verbot von an Kinder gerichteter Schwulenpropaganda, was westliche Nationalisten bewundern, und Putin präsentiert sich oft als der große Verteidiger traditioneller Werte. Putin verdammt auch häufig die Unmoral des Westens und dessen Aufgabe des Christentums und bietet Rußland als die konservative Alternative zum säkularen Liberalismus an. Politico erklärte Rußland einmal sogar wegen Putins engem Verhältnis zur orthodoxen Kirche zum „Führer der globalen christlichen Rechten“.

Aber das Ideal von Rußland als dem christlich-nationalistischen Staat par excellence beruht nicht auf der Wirklichkeit. Die russische Gesellschaft ist kaum voll von eifernden, frommen Orthodoxen, und die orthodoxe Kirche ist nicht das gesellschaftliche Bollwerk, als das Putins rechte Bewunderer sie sich gerne vorstellen. Der Fall Rußland ist lehrreich hinsichtlich vieler der Probleme, vor denen wir bei einer Übernahme des christlichen Nationalismus für die angloamerikanische Sphäre stünden, und dafür, warum wir unseren eigenen Weg gehen müssen.

Trotz der unermüdlichen Anstrengungen der russisch-orthodoxen Kirche kann sie die große Mehrheit der Russen nicht zur Teilnahme an der Messe bekommen. Einundsiebzig Prozent der Russen sind orthodox, doch nur sechs Prozent der Russisch-Orthodoxen gehen regelmäßig in die Kirche, nur fünfzehn Prozent sagen, daß die Religion in ihrem Leben wichtig ist, achtzehn Prozent beten täglich, und nur sechsundzwanzig Prozent sind sich sehr sicher, daß Gott existiert. Im Vergleich dazu gehen im gottlosen Amerika siebenundvierzig Prozent der Christen wöchentlich in die Kirche, achtundsechzig Prozent sagen, daß die Religion in ihrem Leben sehr wichtig ist, weitere fünfundzwanzig Prozent sagen, daß die Religion einigermaßen wichtig in ihrem Leben ist, achtundsechzig Prozent der amerikanischen Christen beten täglich, und achtzig Prozent sind sich absolut sicher, daß Gott existiert. Und obwohl christliche Nationalisten betonen, daß wir uns Gott zuwenden müßten, um unsere Zivilisation zu retten, ist Amerika weit frommer als Rußland, und doch würde niemand unsere Gesellschaft als Paradebeispiel für traditionelle Werte feiern.

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Christentum und Nationalismus: Eine warnende Geschichte

Charles Maurras

Von Robert Hampton, übersetzt von Lucifex. Das Original Christianity & Nationalism: A Cautionary Tale erschien am 6. Dezember 2018 auf Counter-Currents Publishing.

Die Debatten darum, ob Identitäre das Christentum annehmen oder aufgeben sollten, ist eine Frage, die innerhalb der breiteren Bewegung immer noch ungelöst bleibt.

Letzte Woche stürzte Quintilian sich ins Getümmel und bot ein durchdachtes Argument dafür, warum weiße Nationalisten das Christentum annehmen sollten. Der Autor glaubt, daß weiße Nationalisten auf das korrumpierte Bild des modernen Christentums hereingefallen sind und die Herrlichkeit des traditionellen Glaubens nicht sehen.

Laut Quintilian ist das Christentum wesentlich für die Schaffung eines Ethnostaates, und Nationalisten müssen danach streben, es in seinem traditionellen Zustand wiederherzustellen. Aber Identitäre sollten argwöhnisch gegenüber der Möglichkeit sein, daß ein wiederhergestelltes und konservatives Christentum für unsere Sache zugänglich sein würde.

Tatsächlich könnte dieses wieder auflebende Christentum mehr geneigt sein, gegen unsere Bewegung zu kämpfen, ungeachtet dessen, wie sehr wir Hingebung für den Glauben bekennen. Quintilian beklagt das Zweite Vatikanische Konzil als das Ereignis, das die historische Religion zerstörte, aber die Kirche war unseren Überzeugungen schon feindlich gesinnt, lange bevor die Bischöfe sich 1962 in Rom trafen. Nehmt zum Beispiel die tragische Geschichte der Action Française.[1]

Charles Maurras‘ reaktionäre nationalistische Bewegung wollte die Monarchie wiederherstellen, die Trennung von Kirche und Staat beenden und Frankreichs traditionelle katholische Identität erhalten. Sie war fest gegen den Liberalismus, und viele ihrer wirtschaftlichen und politischen Überzeugungen waren fest im Einklang mit der katholischen Soziallehre. Maurras selbst war ein Agnostiker, aber er argumentierte für die Notwendigkeit des katholischen Glaubens und war sehr darauf bedacht, klerikale Befürchtungen wegen seiner Religionslosigkeit zu beschwichtigen. Dies hätte eine Bewegung sein sollen, die die Kirche voll unterstützte, und in ihren frühen Jahren taten viele Kleriker das. Die Bewegung stellte die meisten der militanten Aktivisten in katholischen Kämpfen gegen die Kräfte des Säkularismus und Liberalismus in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts.

Und doch begannen viele Kirchenintellektuelle die Action Française zu verdächtigen, zu militant zu sein, zu politisch, zu nationalistisch und komischerweise auch zu heidnisch. Kleriker begannen zu argwöhnen, daß die Nationalisten junge Katholiken zu einer Ideologie hinzogen, die nicht von der Kirche kontrolliert wurde. Die Kirchenführer zogen ein sichereres politisches Portal vor, das die Jugend dazu anleitete, den Anweisungen von Priestern zu folgen statt pro-katholischen Agnostikern.

1926 gab der Vatikan eine formelle Verurteilung der Action Française heraus, setzte ihre Publikationen auf den index liborum prohibitorum [Index verbotener Bücher], verweigerte jedem die Kommunion, der mit der Bewegung in Verbindung stand, und säuberte den Klerus von Sympathisanten.

Dies war die Kirche vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil, geführt von einem konservativen Papst. Anders als jede rechte Bewegung heute hatte Action Française reichlich Bischöfe, die bereit waren, für die richtige Christlichkeit von Maurras‘ Zeitung und Politik zu bürgen. Direkt vor der Verurteilung gelobten die Führer der Bewegung gegenüber katholischen Autoritäten, daß sie dem Glauben treu seien. All das war vergebens, da die Kirche mit Freuden einer verbündeten Bewegung ins Knie schoß, die sie nicht kontrollieren konnte.

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Die Bedeutung des Glaubens: Terry Pratchetts Hogfather

Von Howe Abbott-Hiss, übersetzt von Lucifex. Das Original The Importance of Believing: Terry Pratchett’s Hogfather erschien am 23. Januar 2019 auf Counter-Currents Publishing.

Der verstorbene britische Romanautor Terry Pratchett (1948 – 2015) war hauptsächlich für seine Scheibenwelt-Serie komischer Fantasyromane bekannt, von denen einer der populärsten, Hogfather, im Jahr 2006 zu einer BBC-Miniserie verarbeitet wurde. [Einschub des Übersetzers: Dieser Roman erschien auf Deutsch unter dem Titel „Schweinsgalopp“, und die titelgebende Figur des Hogfather heißt dort Schneevater.] Pratchett war ein säkularer Humanist, teilte aber nicht den bedauerlichen Glauben mancher Atheisten, daß etwas Schändliches am Glauben selbst sei. Stattdessen wertet er in Hogfather das Ringen zwischen Glauben und Fantasie – die er als notwendige Teile des Menschseins typisiert – und einer kalten, mechanischen und fantasielosen Weltsicht auf. Dabei bringt er interessante Argumente über die Natur und den Wert des Glaubens, die für gegenwärtige kulturelle Fragen relevant sind.

Die Handlung zentriert sich um einen Versuch undurchsichtiger Erscheinungen, genannt Revisoren [im Original: Auditors], den Schneevater zu eliminieren, eine mythische Figur, die auf dem Weihnachtsmann beruht. Die Revisoren werden als „das Beamtentum von allem“ beschrieben, die hauptsächlich daran interessiert sind, „das Universum zu betreiben – sicherzustellen, daß die Schwerkraft funktioniert und die Atome rotieren.“ – Sie erscheinen als von menschlichen Wesen verschieden, und ihr physisches Erscheinungsbild sind leere Kapuzenroben. Ihre Mentalität ist ähnlich unmenschlich; als auf der Grundlage objektiver Regeln Denkende verachten sie die menschliche Neigung zu Fantasie und Mythologie, von daher also ihr Interesse, den Schneevater zu beerdigen.

Die Revisoren haben keine individuellen Identitäten und scheinen keine körperliche Substanz zu haben, was die Redewendung „leere Anzüge“ heraufbeschwört.

Die Revisoren repräsentieren nicht nur Regierungsbürokraten, sondern auch verschiedene andere Philister in Autoritätspositionen in Vergangenheit und Gegenwart. Eines der historisch ungeheuerlichsten Beispiele war der Kommunismus, unter dem kein anderer Glauben als jener an die kommunistische Doktrin toleriert und Spiritualität brutal unterdrückt wurde. Aber selbst in vorgeblich freieren westlichen Gesellschaften gibt es keinen Mangel an Menschen, die sich mit dem Funktionieren einer Gesellschaft auf praktischer Ebene befassen, aber bestreiten würden, daß ungreifbare Eigenschaften wie Kreativität für eine Zivilisation gleichermaßen notwendig sind wie Gesetze und Papierkram. Solche Leute haben gegenüber diesen Dingen in manchen Fällen eine geradezu feindliche Haltung; tatsächlich wird die westliche Gesellschaft in der Gegenwart wohl von Menschen eines Typs dominiert, der so wenig Respekt für Humor hat, daß sie Komiker für ihre Witze strafrechtlich belangen.

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Was Populismus nicht ist

Von Greg Johnson, übersetzt von Lucifex. Das Original What Populism Isn’t erschien am 28. Dezember 2018 auf Counter-Currents Publishing.

Jan-Werner Müller
What is Populism?
Penguin, 2017

Wenn ein politisches Establishment sich von einer wachsenden Kraft wie dem Nationalpopulismus bedroht fühlt, dann besteht Plan A darin, das Establishment zu verteidigen und seine Gegner anzugreifen, indem es geistig durchschnittliche Journalisten entsendet, um zu spotten und zu verhöhnen, und geistig durchschnittliche politische Schreiberlinge, um parteipolitische Argumente zu konstruieren. Das Ziel des Establishments ist, die Loyalität seiner Basis zu verstärken, die Köpfe der Unentschlossenen zu vergiften und Dissidenten zu demoralisieren, indem es sie wie Dreck behandelt.

Wenn es Plan A nicht gelingt, die steigende Flut zurückzudrängen, dann besteht Plan B darin, die akademischen Gehirn-Bugs auf das Studium der Opposition und die Formulierung von Kritiken und Gegenstrategien anzusetzen. Offensichtlich lautet die Annahme von Plan B, daß das Establishment objektives Wissen braucht, um ernsthaften Gegnern zu kontern. Es besteht jedoch eine Gefahr, daß Spuren der parteipolitischen Apologetik der ernsthaften intellektuellen Analyse von Plan B in die Quere kommen. Ein Paradebeispiel dafür ist Jan-Werner Müllers What Is Populism?

Populismus und Demokratie bedeuten genau das Gleiche. Sogar ihre Etymologien sind dieselben. Demos ist Griechisch und populus ist Lateinisch für „das Volk“. „Das Volk“ bezieht sich richtigerweise auf das Ganze eines Staatswesens, kann aber auch „die Vielen“ bezeichnen – die gewöhnlichen Leute im Gegensatz zu den Eliten.

Populisten verwenden „das Volk“ in beiderlei Sinn. Populisten meinen, daß politische Legitimität auf dem Gemeinwohl der Gesellschaft beruht – des Volkes als Ganzem. Aber Populisten sprechen oft im Namen des Volkes im engeren Sinn von „die Vielen“, denn wenn politische Systeme vom Gemeinwohl abweichen, dann nimmt es buchstäblich immer die Form an, daß „die Wenigen“ – Regierungs- und Wirtschaftseliten – ihre Gruppeninteressen auf Kosten der Vielen verfolgen. Daher verteidigen und mobilisieren populistische Bewegungen das Volk im engeren Sinne, um ein Regime wiederherzustellen, das den Interessen des Volkes im breiten Sinn dient.

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„Das Volk bin ich“: Rezension von Jan-Werner Müllers „What is Populism?“

Von F. Roger Devlin, übersetzt von Lucifex. Das Original Le Peuple, C’est Moi erschien am 18. Dezember 2018 auf Counter-Currents Publishing.

Jan-Werner Müller
What Is Populism?
Penguin, 2017

Jan-Werner Müller, ein gebürtiger Deutscher, ist Professor für Politik an der Princeton University und der Autor mehrerer vorheriger Bücher. Die vorliegende Studie über den Populismus wurde 2016 von der University of Pennsyslvania Press veröffentlicht und schnell von Penguin Books in einem beliebten Taschenbuchformat nachgedruckt. Diese für einen akademischen Titel ungewöhnliche Auszeichnung verdankt natürlich viel der jüngsten Mode des Begriffs „populistisch“, aber auch der ungewöhnlichen Klarheit der These des Autors und deren Darlegung.

Es gibt wenig allgemeine Einigkeit über den Populismus, außer daß es eine Form der Politik ist, die sich für das „Volk“ gegen die Eliten einsetzt. Müller bemerkt, daß eine solche Haltung tatsächlich eine notwendige Voraussetzung für die Identifizierung eines Politikers oder einer Bewegung als „populistisch“ ist, aber keine ausreichende. Er lehnt psychologisierende Erklärungen ab, die sich auf den „Zorn“ von Populisten fokussieren, während sie dessen Ursachen ignorieren. Diese Arten von Theorien behaupten, daß das, was Populisten wirklich brauchen, nicht politische Repräsentation oder die Beseitigung objektiver Mißstände ist, sondern eine Art von Psychotherapie. Das ist sowohl herablassend als auch etwas, das unheimlich an den alten sowjetischen Mißbrauch der Einweisung von Dissidenten in psychiatrische Kliniken erinnert.

Die wahrhaft essentielle Eigenschaft des Populismus ist nach Müllers Sichtweise der Anspruch auf ausschließliche Vertretung des Volkes. Das erste Beispiel, das er anbietet, ist der gegenwärtige Präsident der Türkei, Recep Erdogan. Bei einem vor kurzem stattgefundenen Parteikongreß antwortete Erdogan seinen Kritikern mit der Bemerkung: „Wir sind das Volk; wer seid ihr?“ Der Autor kommentiert:

Natürlich wußte er, daß seine Gegner ebenfalls Türken waren. Der Anspruch auf ausschließliche Vertretung ist kein empirischer; er ist immer eindeutig moralisch. Populisten stellen ihre politischen Konkurrenten als Teil der unmoralischen, korrupten Elite dar.

Kurz gesagt, der Populist ist nach Müllers Darstellung die politische Gestalt oder Bewegung, die angedeutet oder ausdrücklich behauptet: le peuple, c’est moi – das Volk bin ich.

Dies ist eine kühne These, nicht zuletzt, weil sie nach dem eigenen Eingeständnis des Autors die People’s Party der amerikanischen 1890er – die oft als die originalen Populisten betrachtet wird – davon disqualifiziert, als „wahre“ Populisten betrachtet zu werden. Sie unterstellt auch, daß das antike Athen, trotzdem es uns das Wort Demagoge vermachte, keine „wahren“ populistischen Führer hervorbrachte, denn niemand konnte in einer direkten Demokratie, die keinen Gebrauch von Repräsentation machte, Anspruch auf ausschließliche Vertretung erheben. Weiter hinten in dem Buch erklärt er auch, daß Bernie Sanders nach dieser Definition nicht als Populist qualifiziert wäre.

Aber Müller verweist sicherlich auf eine reale und hervorstechende Neigung vieler Politiker, die als populistisch bezeichnet werden. Hugo Chavez’ Wahlkämpfe bringen Slogans wie „Chavez ist das Volk! und „Chavez, wir sind Millionen, auch ihr seid Chavez!“ George Wallace begann seine berühmte „Rassentrennung für immer“-Rede mit der folgenden großspurigen Erklärung: „Im Namen des großartigsten Volkes, das jemals auf Erden wandelte, ziehe ich die Linie im Staub und werfe der Tyrannei den Fehdehandschuh vor die Füße…“ Der Autor fragt spitz, mit welcher Autorität der Gouverneur von Alabama annahm, im Namen des amerikanischen Volkes als Ganzem zu sprechen.

Klarerweise erhalten populistische Politiker niemals einhundert Prozent Unterstützung von den Wählern. Um diese unbequeme Tatsache zu umschiffen, neigen sie dazu, an die vage Vorstellung vom „wirklichen“ Volk zu appellieren, das aus der Gesamtsumme der tatsächlichen Staatsbürger herausgezogen und von dieser unterschieden werden muß. Als zum Beispiel Nigel Farage im Brexit-Referendum das Ergebnis bekam, das er wollte, nannte er es einen „Sieg für das wahre Volk,“

und machte damit die 48 Prozent der britischen Wählerschaft, die dagegen gewesen waren, das Vereinigte Königreich aus der Europäischen Union herauszuholen, irgendwie weniger als real – oder stellte ihren Status als eigentliche Mitglieder der politischen Gemeinschaft in Frage.

In ähnlicher Weise hat eine populistische finnische Partei sich bis vor kurzem die „Wahren Finnen“ genannt.

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