Wie die Niederlage aussieht

Sky Hopinka

Von Mitch Smith, übersetzt von Lucifex. Das Original What Defeat Looks Like erschien am 3. Juni 2019 auf Counter-Currents Publishing.

Ich ging mir mit ein paar Freunden eine Kunstshow amerikanischer Ureinwohner mit dem Titel What Was Always Yours and Never Lost ansehen. Kurator der Gruppenshow (sieben Videoinstallationen) war Sky Hopinka, der ein Mitglied der Ho-Chunk-Nation und ein Nachkomme der Pechanga-Gruppe der Luiseño -Indianer ist.

Meine Freunde und ich erfuhren zu unserem Leidwesen, daß wir das große Powwow verpaßt hatten das am Eröffnungsabend abgehalten worden war, als amerikanische Ureinwohner die große Kunstgalerie füllten, um eine Party zu feiern, zu singen, zu trommeln und traditionelle Tänze aufzuführen. Szenen von dieser Versammlung waren von Sky Hopinka aufgenommen worden und wurden als fünfzehnminütiges HD-Video als Teil der Show gezeigt.

Ich sah am Anfang ein wenig von diesem Video, als wir hereinkamen. Man konnte amerikanischer Ureinwohner in ihrer traditionellen Tracht bei den klassischen Tänzen sehen.

Dann ging ich zum Essenstisch und nahm mir Trauben, Käse und funkelndes Wasser. Ich plauderte mit einem irischen Kunstkritiker und ein paar Leuten vom Galeriepersonal. Alle waren zufrieden darüber, diverse Künstler aus der Gemeinschaft der amerikanischen Ureinwohner in der Galerie zu haben.

Ich ging herum und sah mir die Videoinstallationen an. Die erste, Faces in the Crowd, zeigte alte Filmaufnahmen von indigenen Studentenprotesten in Mexico City in den 1960ern.

Eine weitere zeigte einen jungen Mann, der in einem Kanu auf einem Fluß in der kanadischen Wildnis paddelte.

Ein drittes Video war eine humorvolle Erzählung über zwei lesbische amerikanische Ureinwohnerinnen, die von Weißen zurückgelassen worden waren, nachdem die Erde verbraucht war und alle zum Mars übersiedelt waren.

Nachdem ich mich durch die Galerie gearbeitet hatte, fand ich mich wieder am Anfang, bei Sky Hopinkas fünfzehnminütigem Video vom Powwow des Eröffnungabends. Diesmal setzte ich mich auf einen bereitgestellten Stuhl und setzte den Kopfhörer auf, sodaß ich das volle Erlebnis bekommen konnte.

Das Trommeln war mitreißend, und ich begann mit dem Fuß dazu zu wippen. Die Tänze waren ebenfalls cool, die langsame, hüpfende Bewegung, das sanfte Rotieren der einzelnen Tänzer, während sie sich in einem größeren Kreis mit ihren Mittänzern bewegten. Manche der Tänzer trugen das volle Kostüm: bunten Kopfschmuck, Gesichtsbemalung, Mokassins. Andere trugen normalere Kleidung, nahmen aber dennoch teil.

Als ich mir das Powwow dieses zweite Mal ansah, betrachtete ich die amerikanischen Ureinwohner, die nicht tanzten. Manche saßen an Tischen. Andere standen mit ihren Freunden beisammen. Sie hatten die charakteristischen Gesichtszüge und die Hautfarbe ihrer Rasse. Was ich bemerkte: sie sahen traurig aus.

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Runenentfernung

Von Robert Hampton, übersetzt von Lucifex. Das Original Rune Scrape erschien am 28. Mai 2019 auf Counter-Currents Publishing.

Schweden verbietet vielleicht die Runen, um den Rassismus einzudämmen.

Der Justizminister Morgan Johannsson untersucht den Vorschlag, zu sehen, ob das Verbot die „Anstiftung zu ethnischem Hass“ unterdrücken würde. Zusammen mit den Runen könnten mehrere andere nordisch-heidnische Symbole gemäß dem Vorschlag verboten werden, wie Mjölnir (Thors Hammer) und der Valknut [Wotansknoten]. Der Schritt richtet sich eindeutig gegen die Nordische Widerstandsbewegung, die eine Tiwaz-Rune als Logo verwendet, und gegen andere weiße Nationalisten.

Natürlich sind viele Schweden über den Vorschlag verärgert. „Unsere Einstellung ist, daß Vorurteile und Mißverständnisse am besten mit Wissen und Fakten kuriert werden. Es ist nicht in Ordnung, die Bedeutung unserer Symbole durch die eigenen Vorurteile ersetzen zu wollen, oder durch eine politische Bedeutung, die ihnen völlig fehlt. Sie zu verbieten, würde einen Teil unserer Geschichte, unserer Kultur und unserer Überzeugungen auslöschen – und unsere Ausdrucksfreiheit wegen politischer Interpretationen, die nicht in die Asa-Gemeinschaft gehören“, sagte die Nordische Asa-Gemeinschaft, eine völkisch-heidnische Gruppe, in einer Erklärung.

Der Politiker Jeff Ahl von Alternativ för Sverige hat gelobt, einen Mjölnir als Protest gegen den Vorschlag zu tragen. „Unsere Regierung setzt sich für den Multikulturalismus ein, aber wir haben keinen Anspruch auf unsere eigene Kultur. Was die Regierung nun versucht, ist, unser eigenes Kulturerbe zu zensieren und unsere Wurzeln auszulöschen“, twitterte Ahl.

Der Schritt würde im Fall seiner Verwirklichung viele Dinge in Schweden zensieren. Viele Heavy-Metal-Alben, besonders solche von schwedischen Bands wie Amon Amarth und Bathory, würden wahrscheinlich verboten werden. Denkmäler wie die zahlreichen Runensteine würden verhüllt werden. In Geschichtsbüchern würde es Warnungen vor der gefährlichen Ausdrucksweise der schwedischen Vorfahren geben.

Der Vorschlag ist ein offenkundiger Versuch, das schwedische Erbe zu kriminalisieren. Die vormodernen Schweden würden effektiv für Proto-Nazis gehalten werden, und ihre Sprache und Religion wären Hassverbrechen. Es wäre ähnlich, als würde Italien das Latein und römische Symbole verbieten.

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Rasse in The Wandering Earth

Von Collin Aisling, übersetzt von Lucifex. Das Original A World without America: Race in The Wandering Earth erschien am 15. Mai 2019 auf Counter-Currents Publishing. Der obige Trailer (mit holprigen deutschen Untertiteln) wurde vom Übersetzer eingefügt.

Die Prämisse von The Wandering Earth, entstanden unter der Regie von Frank Gwo auf Basis des gleichnamigen Romans von Liu Cixin, ist, daß die Erde in ein neues Sonnensystem übersiedeln muß, nachdem die Sonne überaktiv wird. Riesige Triebwerke schieben die Erde von der Sonne weg, was die menschliche Spezies in den Untergrund zwingt.

Statt einer Rezension des Films, den man zusammenfassend als leidlich unterhaltsamen Science-Fiction-Film voller 2012-ähnlicher Nahtoderfahrungen beschreiben kann, ist es viel interessanter, wie der Film Rasse, Sprache und Nationalität behandelt. Die Beziehung des Menschen zur Technologie ist natürlich ein entscheidendes Element, und der beste Teil des Films ist die Gestaltung und Darstellung der Triebwerke und der Konzepte, die das Projekt „Wandernde Erde“ funktionieren lassen würden.

Der Film folgt im Wesentlichen zwei Perspektiven: jener des jungen Liu Qi und seiner adoptierten Halbschwester Han Duoduo, und jener von Liu Qis Vater Liu Peiqiang (gespielt von Wu Jing aus den „Wolf Warrior“-Filmen). Qi und Duoduo beginnen die Geschichte unterhalb von Peking im vierundzwanzigsten Jahrhundert. Duoduo sitzt in etwas, das ein gewöhnliches Klassenzimmer zu sein scheint, und trägt eine gewöhnliche Schuluniform, aber wir sehen bald, daß das Licht, das aus den Fenstern kommt, simuliert ist. Liu wohnt in einem unordentlichen Zimmer und arbeitet als Mechaniker. Jeder im Untergrund-Peking des Fils ist ein Han-Chinese, wie im wirklichen Leben. Es gibt chinesische Dekorationen, und das alltägliche Leben der Menschen erscheint mehr oder weniger genauso normal und unbedeutend wie im einundzwanzigsten Jahrhundert. Sie begeben sich an die Oberfläche und stehlen einen Lastwagen, um sich „C171-11“ auf dessen Mission anzuschließen, die Reaktorkerne eines der Triebwerke zu ersetzen, nachdem nahezu alle von ihnen ausfallen.

Währenddessen ist Liu Peiquiang oben in der Raumstation, die die Erde umkreist. Die wenigen Aufnahmen, die größere Gruppen von Kosmonauten in der Station zeigen, enthüllen, daß die meisten von ihnen Chinesen sind, mit ein paar Weißen darunter. Nachdem sie alle die Flaggen ihres jeweiligen Landes am Arm tragen, sieht man ein paar Europäer, und der Rest sind großteils Chinesen. Peiqiangs Arbeitskollege und Freund ist ein kahlköpfiger, kräftig gebauter Russe namens Makarov. Weil jeder, der im Weltraum oder auf der eisigen Oberfläche der Erde arbeitet, mit einer Uniform ausgerüstet ist, die einen am Arm befestigten Computer hat, sprechen Peiqiang und Makarov miteinander in ihrer jeweiligen Muttersprache und verstehen einander perfekt.

Irgendwann in der Mitte des Films kam es mir, daß, nachdem die Triebwerke die Erde von der Sonne wegschoben und nachdem die Erde nicht mehr rotierte, die gesamte westliche Hemisphäre aufgegeben worden war. Dies wird nicht ausdrücklich erwähnt; wir sehen einen CNN-Clip am Anfang und hören Stimmen mit amerikanischem Akzent, die uns die Katastrophe erläutern, aber nach dem Prolog haben die englischsprachigen Stimmen, die wir hören, britische, australische oder indische Akzente. Nord- und Südamerika sind in dieser Zukunft verschwunden, und es wird nichts zu dieser Tatsache gesagt.

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Star Trek: Discovery

Von Alex Graham, übersetzt von Lucifex. Das Original Star Trek: Discovery erschien am 6. Mai 2019 auf Counter-Curents Publishing. (Die beiden Videos im Text und einige Infolinks wurden vom Übersetzer eingefügt.)

Star Trek: Discovery (fürderhin mit der passenden Abkürzung STD bezeichnet) ist die sechste Star-Trek-Fernsehserie und eine direkte Vorgeschichte zur Originalserie Star Trek (Raumschiff Enterprise). Die erste Staffel hatte ihre Premiere im Jahr 2017, und die zweite diesen Januar. Die Handlung zentriert sich um die Heldentaten der USS Discovery inmitten eines Krieges zwischen dem Klingonischen Imperium und der Vereinten Föderation der Planeten.

STD ist zu Star Trek, was Das Erwachen der Macht zu Star Wars ist (bis hin zur übermäßigen Verwendung von Dutch Angles und Lens Flares [Linsenreflexionen]): eine verpfuschte Farce, die das Franchise zum Gespött macht und vorsätzlich dazu bestimmt zu sein scheint, seine großteils weiße, männliche Fanbasis zu provozieren. Es ist unzweifelhaft die schlechteste StarTrek-Serie. Die Handlungsstränge und Dialoge sind grottenschlecht. Die CGI ist beeindruckend, aber es ist nichts weiter als ein hohles Spektakel, das in den Fußstapfen der hirntoten, actiongeladenen Star-Trek-Rebootfilme des vergangenen Jahrzehnts folgt. Bei einem Budget von satten 8 – 8,5 Millionen Dollar pro Episode ist es ziemlich bemerkenswert, daß die Macher keine bessere Serie zustandebringen konnten.

Alex Kurtzman, einer der Mitschöpfer und ausführenden Produzenten von STD, arbeitete tatsächlich mit J. J. Abrams an Star Trek (2009) und Star Trek Into Darkness (2013). Abrams gab einmal zu, daß er Star Trek nicht einmal mochte, und man argwöhnt dasselbe bei den Produzenten von STD.

Wie Das Erwachen der Macht und Die letzten Jedi ist STD von Kritikern gelobt, aber von Fans scharf kritisiert worden. Für die zweite Staffel stehen die Zustimmungsraten unter Kritikern bei zweiundachtzig Prozent, während die Zustimmungsrate beim Publikum bloße fünfunddreißig Prozent beträgt.

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Verschwörungstheorien, Spezialisierung und weiße Handlungsfähigkeit

Von Donald Thoresen, übersetzt von Lucifex. Das Original Conspiracy Theories, Specialization, & White Agency erschien am 26. April 2019 auf Counter-Currents Publishing.

Online pro-weiß zu sein, ist nicht so einfach, wie es klingt. Zusätzlich zu schnell zunehmenden Beschränkungen der Redefreiheit ergeben sich verschiedene Komplexitäten, wenn der pro-weiße Aktivist auf ideologische Gegner und rassische Konkurrenten stößt und gezwungen ist, sich mit ihnen innerhalb der klebrigen Netze des Massenwiderstands gegen seine Ideen zu befassen, die als Teil der Umstände des Lebens unter von Fremden kontrollierten Systemen existieren. Es kann selbst für die Ausgeglichensten unter uns frustrierend sein. Und es gibt nicht genug Unterstützungsnetzwerke für diejenigen, die sie brauchen, wenn sie bis über beide Ohren in einer Debatte stecken, sofort Zugang zu obskuren Informationen brauchen oder sich einfach ausgebrannt fühlen. Dies wird sich ändern, sowie unsere Zahlen zunehmen und unsere Ideen gesellschaftlich akzeptabler werden, aber in der Zwischenzeit müssen wir Schritte unternehmen, um diese Lasten zu erleichtern. Ein Teil des Grundes, warum viele Leute frustriert, desillusioniert und manchmal hoffnungslos werden, ist die Art, wie sie die soziopolitische Maschinerie der Welt wahrnehmen, und wie diese Wahrnehmung ihre Handlungen beeinflußt.

Ich möchte zwei Dinge vorschlagen, um diesen Kreislauf aus (Fehl-)Wahrnehmung und Handeln zu stoppen: erstens, eine leichte Verschiebung in unserer Beziehung zu relevantem Wissen; zweitens eine Änderung unserer Techniken des Aktivismus, um den Schaden zu maximieren, den unsere verschiedenen Informationskriegskampagnen [dem Feind[ zufügen, besonders hinsichtlich der sozialen Medien.

  1. Die verschwörungstheoretische Geisteshaltung

Der Begriff „Verschwörungstheorie“ wird allgemein als Euphemismus für jedes Narrativ hinsichtlich eines sensiblen historischen Ereignisses oder einer politischen Position verwendet, das gegen jenes läuft, welches von der Elite bevorzugt und behauptet wird. Es ist wie „Rassist“ ein Begriff, der benutzt wird, um den Gegner als außerhalb des Bereichs des akzeptablen Denkens stehend einzustufen, ihn außerhalb der Grenzen seiner eigenen Gemeinschaft zu stellen. Der Anschuldiger isoliert den Beschuldigten mit Beschämungsworten, während er gleichzeitig eine Bindung zu seinem Publikum herstellt, indem er es durch bloße Teilnahme an dem Spektakel in seine ad-hoc-Eigengruppe einbezieht, die allein in Gegnerschaft zum Beschuldigten besteht. Dies erzeugt ein Klima der Empfänglichkeit für die Brandmarkung des Beschuldigten als Verrückten und eine Unwilligkeit, seine Ideen anzuhören. Es ist sehr wirksam, wie jeder weiß, der schon auf der Empfängerseite dieser Taktik gewesen ist. Wenn man es mit durchschnittlich intelligenten Menschen oder mit besonders engstirnigen Individuen zu tun hat, werden Fakten, Zahlen und solide Argumente nicht oft den Bann dieser kategorischen Marginalisierung brechen (besonders im speziellen Fall von Themen, an denen weißen Nationalisten etwas liegt, weil diese Marginalisierung tiefe Wurzeln im judaisierten Boden der zeitgenössischen Kultur hat). Eine allgemeine Zurückweisung der negativen Assoziationen mit dem Begriff „Verschwörungstheorie“ wäre sehr vorteilhaft, aber es ist unwahrscheinlich, daß der Begriff verschwinden wird. Genausowenig werden tatsächliche Verschwörungen in absehbarer Zeit beseitigt werden.

Das, worum es uns hier jedoch geht, ist die verschwörungstheoretische Geisteshaltung, die etwas ganz anderes ist und oft zu Hoffnungslosigkeit und Untätigkeit führt. Die verschwörungstheoretische Geisteshaltung kann definiert werden als eine Sicht auf die Welt als in überwältigendem Maß von oben durch finstere Kräfte mit Zielen diktiert, die jenseits unseres vollen Begreifens oder unserer Fähigkeit liegen, etwas dagegen zu tun. Wir sehen diese Denkweise quer durch das Spektrum der Rechten. Sie beginnt oft, aber nicht immer, als eskapistische Krücke, aber sie wird immer als eine solche enden. Diejenigen, die davon überzeugt sind, daß immer Dinge im Laufen sind, die von Leuten begangen werden, deren Namen wir nie wissen werden oder deren Motive nie voll klar sind, geben jede Verantwortung für die Herbeiführung einer Veränderung auf. Entweder die Welt ist schon zu weit den Bach runter, um gerettet zu werden, oder es gibt Leute, die bereits daran arbeiten, sie zu retten. Macht haben nur Geheimgesellschaften, geheime Komitees, milliardenschwere Moguln und zigarrenkauende Männer mit großen Plänen. Aber keine Arbeit ist jemals von ihrer Seite nötig, nachdem das Volk völlig machtlos ist. Der gewöhnliche Mann ist in dieser Realitätswahrnehmung nichts als eine Schachfigur. Diese Geisteshaltung entzieht ihrem Opfer langsam das Gefühl der Handlungsmacht, und es versinkt in Apathie und Hoffnungslosigkeit. Durch seine eigene verunsicherte Untätigkeit verwandelt es sich selbst in die Schachfigur, die es zuvor nicht gewesen ist. Die Bedingungen, die diese Fehlwahrnehmung der Realität verursachen, dieses Mißverständnis des historischen Prozesses, diese Abwertung seiner eigenen Seele, werden nicht von ihm geschaffen – aber seine Rettung kann nur aus seinem eigenen Inneren kommen.

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Earth Day Special

Von John Morgan, übersetzt von Lucifex. Das Original Earth Day Special erschien am 22. April 2019 auf Counter-Currents Publishing.

Heute ist Earth Day, der ein Anlaß für Aufrufe zum Umweltschutz gewesen ist, seit er 1970 mit Unterstützung beider Parteien als Reaktion auf die Santa-Barbara-Ölkatastrophe erstmals in Amerika gefeiert wurde. Obwohl der Umweltschutz in den letzten Jahrzehnten mit der politischen Linken identifiziert worden ist, ist der sorgsame Umgang mit der Erde und das Streben nach Harmonie zwischen Mensch und Natur traditionell ein Thema der Rechten gewesen. Progressive andererseits, besonders so, wie es sich im Kommunismus manifestierte, sind historisch Verfechter der Massenindustrialisierung gewesen, im Glauben, daß es möglich ist, den Planeten in ein technologisches Utopia zu verwandeln, so wie sie es für möglich halten, die menschliche Natur selbst zu verändern, und sie zeigten völlige Gleichgültigkeit gegenüber der zerstörerischen Wirkung, die ihre Projekte auf die natürliche Welt hatten.

Heute sind natürlich trotz mancher Unterschiede in ihrer oberflächlichen Rhetorik die Mainstream-Linke und die Mainstream-Rechte vereint in ihrer Sicht auf die Erde als nichts weiter als eine Ressource, die für das Wirtschaftswachstum auszubeuten ist, und weichen nur in den Details voneinander ab. Aber die wahre Rechte hat immer anerkannt, daß der Mensch im Kontext mit der natürlichen Ordnung als Ganzes verstanden werden muß und daß Gesellschaften und Individuen nur durch Verständnis und Respektierung unseres Platzes darin wahrhaft wachsen können, ohne die Zukunft ihrer Kinder zu opfern.

Wir möchten eure Aufmerksamkeit auf die folgenden Artikel lenken, die sich mit diesen Themen befassen:

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Siehe auch:

Earth Day 2019, Teil 1: Fünfzig Jahre apokalyptische Klimaerwärmungs-Vorhersagen, und warum die Leute daran glauben und Teil 2 von Dr. Peter Baggins

Von schwarzem Denken und weißem Denken und den globalen Müllteppichen von mir (als Deep Roots)

90 % der Plastikmüllkatastrophe in den Ozeanen wird von Umweltverschmutzung in der Dritten Welt verursacht

diesen Kommentar von mir mit zwei übersetzten Kurzartikeln über die Umweltbelastung durch Kohlenflözbrände in China, die nahezu so viel Kohlendioxid produzieren, wie jedes Jahr von allen Autos und Kleinlastern in den Vereinigten Staaten ausgestoßen wird.

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Neue Kommentarpolitik auf „Morgenwacht“: Wie bereits hier unter Punkt 1 angekündigt, am Schluß dieses Kommentars wiederholt als Absicht geäußert und in diesem Kommentar endgültig festgelegt, werden neue Kommentatoren nicht mehr zugelassen und sind die Kommentarspalten nur noch für die bereits bekannte Kommentatorenrunde offen.

Wessen Notre Dame?

Notre Dame heute

Von Robert Hampton, übersetzt von Lucifex. Das Original Whose Notre Dame? erschien am 19. April 2019 auf Counter-Currents Publishing.

Notre Dame de Paris brannte diese Woche als passende Metapher für unsere Zivilisation. Wir alle sahen in Echtzeit zu, wie der Spitzturm zusammenbrach und das Feuer durch das Innere fegte, fühlten uns hilflos vor dem unvermeidlichen Marsch der Geschichte.

Ob es Brandstiftung oder Fahrlässigkeit war, viel von Notre Dame ist für immer weg. Emmanuel Macrons Regierung plant, das großartige Wunder in nur fünf Jahren wieder aufzubauen, und veranstaltet einen „internationalen Wettbewerb“ für Neuentwurfspläne. „Sollten wir den Spitzturm, wie Viollet-le-Duc ihn sich vorstellte und erbaute, unter denselben Bedingungen wieder aufbauen… (oder) Notre Dame einen neuen Turm geben, der an die Technologien und die Herausforderungen unserer Zeit angepaßt ist?“ fragte der französische Premierminister Edouard Philippe.

Die Ankündigung bereitete vielen Menschen Kummer, die Notre Dame in ihrer ursprünglichen Herrlichkeit wiederhergestellt sehen möchten – ohne moderne Hinzufügungen. Letztendlich hat die französische Regierung beim Neuentwurf das Sagen, da ihr Notre Dame gehört.

Der zerstörerische Brand brachte die Frage auf, was Notre Dame repräsentiert. Nahezu jeder in den sozialen Medien hatte dazu eine Meinung. Ben Shapiro beanspruchte es als ein Monument für das Judeo-Christentum – ein historischer Anachronismus, der für die mittelalterliche Kirche ein Greuel gewesen wäre. Shapiro behauptete später, wir müßten zu der „Philosophie“ und den „Werten“ zurückkehren, die es erbauten, was andeutete, daß der konservative Kommentator dachte, die Aufklärung hätte die Kathedrale gestaltet. Diese Ansicht sieht Notre Dame als eine Repräsentation „westlicher Werte“ – spezifisch des Gelabers, für das zu stehen das Amerika des Kalten Krieges behauptete: Freiheit, Freimarktkapitalismus und ein ökumenisches Judeo-Christentum.

Andere bewundern es als wundervolles Kunstwerk, als etwas Schönes, das sie auf ihrer College-Reise nach Paris sahen. Es gibt keinen besseren Weg zu signalisieren, daß man zu Amerikas oberer Mittelschicht gehört, als anderen seine Geschichte des Besuchs von Notre Dame mitzuteilen. Es ist einfach so schön und traurig, daß keine anderen Touristen dort mehr ein Selfie aufnehmen können! Solche Leute sehen Notre Dame als nichts weiter als eine schöne Touristenattraktion. Dies ist die häufigste Sichtweise, und es ist das, was die Kathedrale so profitabel macht.

Beleidigte Minderheiten sehen den Brand von Notre als kosmische Vergeltung für die Ungerechtigkeiten weißer Christen. Ihnen zufolge wurde die großartige Kathedrale auf den unrechtmäßig erworbenen Früchten des Kolonialismus erbaut und stellte Kunstwerke zur Schau, die von Drittweltkulturen gestohlen wurden. Sie war ein Monument der Bigotterie, erbaut zu einer Zeit, als die Juden aus Frankreich vertrieben und Talmud-Bände verbrannt wurden. Sie war nicht inklusiv und repräsentierte das schlechte, alte Europa. Gut, daß sie weg ist. Solche Leute sehen Notre Dame als repräsentativ für die westliche Zivilisation – und die ist schlecht.

Katholische Konservative beharren darauf, daß die Kathedrale ihnen und nur ihnen allein gehörte. Notre Dame ist eine Gebetsstätte und wurde von Männern Gottes erbaut, sagen sie. Die einzige Art sie wiederaufzubauen, bestehe darin, daß Frankreich bereut und zum Glauben seiner Vorfahren zurückkehrt. Sich vorzustellen, daß die Kathedrale irgendetwas anderes sei als ein Monument für Gott und Unsere Liebe Frau, heiße sie herabzuwürdigen. Manche Katholiken haben sogar vorgeschlagen, daß die Franzosen Notre Dame als ausgebrannte Hülle belassen sollten, nachdem die säkulare Umgestaltung den heiligen Ort wahrscheinlich entweihen würde. Ein ruiniertes Notre Dame wäre eine passende Gedenkstätte für Frankreichs verlorenen Glauben und den Triumph des Liberalismus.

Die Verfechter all dieser Ansichten werden um den Wiederaufbau von Notre Dame kämpfen. Das wahrscheinliche Szenario ist, daß die Neugestaltung die alten Elemente großteils die alten Elemente nachbilden wird, während sie etwas modernistischen Müll hinzufügt. Der französische Staat wird darauf beharren, daß die Hinzufügungen notwendig seien, um die Vielfalt und die Werte der modernen Welt zu widerspiegeln.

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Der Brand von Notre Dame

Von The Z Man, übersetzt von Lucifex. Das Original The Burning of Notre Dame erschien am 17. April 2019 auf Counter-Currents Publishing.

Als sich die Nachricht über das Feuer verbreitete, das die Kathedrale Notre Dame in Paris verzehrte, war die erste Reaktion der meisten Menschen Schock und Traurigkeit. Man muß kein Katholik oder Franzose sein, um das Gefühl zu haben, daß ein Teil von einem selbst verlorenging. Das war nicht bloß ein altes Gebäude oder eine historisch bedeutende Stätte. Es war ein Symbol für die westliche Zivilisation. Steht innerhalb einer großen Kirche, und ihr fühlt die Ehrfurcht und Macht, die die Erbauer inspirierte. Diese Kathedrale war der Urschrei eines Volkes, das seinen Schöpfer und die Essenz dessen feierte, was es als Volk war.

Natürlich dauerte es nicht lange, bis die Leute bemerkten, daß ihr Brennen eine Metapher für die gegenwärtige Krise im Westen war. So wie Europa von Moslems überschwemmt wird, die die Europäer in ihren eigenen Ländern zu verdrängen versprechen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die großen Kirchen in Moscheen verwandelt oder zerstört werden. Trotz der endlosen Propaganda unserer Regierer ist den meisten Menschen hier und dort sehr wohl bewußt, was passiert. Sie wissen nicht, wie sie es artikulieren oder darauf reagieren sollen, aber sie wissen es. Als sie dem Brand zusahen, wußten sie, was er bedeutete.

Nicht jeder hatte diese Reaktion. Die erste Reaktion von Ben Shapiro war, Witze über den Brand zu machen und Trumps Tweet darüber zu verspotten. Dies ergibt völlig Sinn, Er hasst Trump und was er repräsentiert, daher ist es sein natürlicher Instinkt, ungeachtet der Stimmung im Raum, ihn anzugreifen. Trotz seines lächerlichen Gelabers über das Judeo-Christentum war diese Kathedrale für Ben Shapiro bloß ein komisch aussehendes altes Gebäude. Es bedeutet ihm nichts. Dieser Brand bedeutete für ihn nicht mehr, als einen Wohnblock irgendwo in Los Angeles brennen zu sehen.

Zu gegebener Zeit wird diese Unfähigkeit, die Klappe zu halten, während sein Zielpublikum das Verschwinden seines Erbes betrauert, ein Wendepunkt im Potemkin-Kult um Ben Shapiro sein. Sogar die Normalos mit den größten Scheuklappen waren über eine so grobe und bösartige Aussage bestürzt. Er war nicht der einzige, der aus den Schatten glitt und seine wahre Natur im Licht der Flammen offenbarte. Jene Fremden, die von unseren Regierern zu uns eingeladen wurden, waren schnell dabei, uns daran zu erinnern, warum man ihnen nie hätte erlauben sollen, in unsere Länder zu kommen.

Dieser Zorn, den die Menschen fühlen, ist nicht die Art von barbarischer Wut, von der unsere Regierer annehmen, daß sie sich im Herzen jedes weißen Mannes befinde. Es wird keine abendländischen Unruhen oder Aufrufe zu Pogromen gegen die Invasoren geben. Es ist ein langsames Summen, während sich die Batterien aufladen und auf den Moment irgendwann in der Zukunft warten, wenn der Stromkreis endlich geschlossen wird. So werden die Dinge laufen. Anständige Menschen sind bereit zu tolerieren, was wie eine unbegrenzte Menge an Verlust erscheint, der ihnen von ihren Herrschern zugefügt wird, aber es erreicht einen Punkt, wo die Batterien aufgeladen sind und der Stromkreis geschlossen wird.

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Die Notwendigkeit des Antikolonialismus

Von Eugène Montsalvat, übersetzt von Lucifex. Das Original The Necessity of Anti-Colonialism erschien am 9. Februar 2015 auf Counter-Currents Publishing (französische Übersetzung hier)

[Vorbemerkung des Übersetzers: In diesem Essay gibt es leider viel Falsches im Richtigen, weshalb ich nach seinem Erscheinen lange von einer Übersetzung Abstand genommen habe: die Idealisierung von Evola und Feudalaristokratie, die Palisoli-Dummheit und illusionäre Vorstellungen, daß nichtweiße Nationalisten unsere Bereitschaft zur Kooperation und unseren Einsatz für sie erwidern würden. Aber John Keller und R_Moreland haben sich in ihren hervorragenden Kommentaren sehr gut mit diesen Dingen befaßt.]

 

Antikolonialismus muß ein Bestandteil jeder Ideologie sein, die verwurzelte Identitäten zu verteidigen versucht. Es ist notwendig, gegen die Entwurzelung von Völkern im Streben nach Macht und Reichtum zu sein. Sowohl in seiner historischen imperialen Form als auch in seiner modernen finanziellen Erscheinung hat der Kolonialismus sowohl den Kolonialisten als auch den Kolonisierten verzerrt, hat ganze Kulturen und Völker vermischt, verdünnt und sogar ausgelöscht. Wir wissen von der negativen Auswirkung des Kolonialismus auf die Kolonisierten. Jedoch werden seine Folgen für die Menschen von Kolonialnationen selten diskutiert, um ein Narrativ zu stärken, das die europäische Geschichte dämonisiert.

Leider empfinden viele patriotische, durchschnittliche Weiße eine Art von Stolz auf ihre imperiale Geschichte. Sie erkennen nicht, daß sie ebenfalls deren Opfer sind. Verborgen in den historischen Archiven sind die weißen Armen und Arbeiter, die als Kanonenfutter für die Agenda von Plutokraten dienten, die auf die Erweiterung ihres Imperiums des Wohlstands aus waren. Sie wurden gezwungen, mit fremden Arbeitskräften zu konkurrieren, gelegentlich sogar mit Sklavenarbeitern. Bedenkt, wie das Leiden von Tausenden Iren, Schotten und Engländern, die vom britischen Empire gezwungen wurden, als „indentured servants“ – das heißt offen gesagt, als weiße Sklaven – in Amerika zu arbeiten, bequemerweise aus dem öffentlichen Wissen getilgt worden ist. Wie viele Menschen wissen vom Kampf weißer australischer Arbeiter, die gegen die englische Kolonialmacht aufstanden, die ihre Löhne mit indischen und chinesischen Einwanderern unterbieten wollten? Diese Tatsachen werden von unseren Führern vor unserem Bewußtsein verborgen, und das Endergebnis ist eine selbstmörderische Unterstützung für ein ausbeuterisches System oder einen Schuldkomplex, der den modernen Neokolonialismus in der Verkleidung als „Menschenrechte“ und „Fortschritt“ nährt.

Falls es unter patriotischen Weißen irgendeine Nostalgie für die Imperien der Vergangenheit gibt, sollte sie weggewischt sein, wenn sie erkennen, in was jene Imperien sich umgewandelt haben. Als ausgedehnte Imperien den Profit nicht mehr maximierten, hatten ihre Kontrolleure die Idee, die Grenzen zwischen ihnen aufzulösen, um eine wahrhaft globale Finanzoligarchie sicherzustellen. Heute ist die Agenda hinter dem Kolonialismus entblößt: es ging niemals um Tapferkeit und Erforschen, sondern um die wirtschaftliche Ausbeutung aller Völker der Welt. Es ist kein faustischer Wagemut, sondern merkantile Gier, die den Willen zum Verschlingen der ganzen Erde antreibt.

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Interview mit Tomislav Sunić

Von Alex Kurtagić, übersetzt von Deep Roots (ursprünglich für As der Schwerter“). Das Original Interview with Tomislav Sunić erschien am 10. November 2010 auf Counter-Currents Publishing.

Tomislav (Tom) Sunić ist ein ehemaliger US-Professor, Autor, Übersetzer und ehemaliger kroatischer Diplomat. Er absolvierte sein Grundstudium in Literatur und Sprachen in Europa. Er erhielt seinen Doktorgrad in Politikwissenschaften an der University of California. Dr. Sunić hat Bücher und Artikel auf Französisch, Deutsch, Englisch und Kroatisch über Themen veröffentlicht wie Kulturpessimismus, die Psychologie des Kommunismus und Liberalismus und den Gebrauch und Mißbrauch moderner Sprachen im modernen politischen Diskurs. Das vorliegende Interview erforscht ein wenig den Mann hinter den Ideen; wir erfahren ein paar Dinge, die Dr. Sunić nie zuvor über seine Vergangenheit und Persönlichkeit erzählt hat. Natürlich erzählt uns Dr. Sunić etwas über sein neues, auf Französisch erschienenes Buch, über seine frühen Jahre im kommunistischen Jugoslawien, über die Kunst des Übersetzens und mehr.

A. K.: Wie unterscheidet sich das Jugoslawien der 1950er und 1960er – nicht aus sozio-politischer Perspektive, sondern aus der des gewöhnlichen Mannes auf der Straße – vom Kroatien des Jahres 2010?

T. S.: Die jugoslawischen Zeiten waren weniger überfüllt, obwohl der jugoslawische Raum verdichteter und trostloser war – buchstäblich – eine Schwarzweiß-Welt. Vulgär und erzieherisch waren der tägliche Diskurs und die kommunistischen Insignien um einen herum. Im Gegensatz dazu ist der Fluß der Zeit in Kroatien, trotz der heutigen Aura der Dekadenz, besonders soweit es die hereinkommende liberale Moral betrifft, weit aufgelöster. Die Zeit verfliegt jetzt schneller. Die Leute beginnen, die liberale Moral der künstlichen merkantilen Höflichkeit zu erlernen – mit ihrem offensichtlichen Nachteil des Verlustes an Identität.

A. K.: Sie haben in früheren Interviews gesagt, daß Sie 1971 per Anhalter nach Kaschmir gereist sind. Sie müssen während dieses Abenteuers in mindestens einer oder zwei kniffligen Situationen gewesen sein… Wie war es, mitten im Kalten Krieg durch Osteuropa und Asien zu reisen? Was hat Sie zu Ihrer Abreise motiviert? Sicherlich gibt es weniger radikale Arten abzuhauen, als nach Indien zu trampen. Und warum Indien, und nicht, sagen wir, Italien oder Griechenland?

T. S.: Ich konnte mich damals nicht in die breitere sozio-historische Perspektive einfügen. Ich war in großem Ausmaß von vorsätzlicher Unwissenheit und einem soliden Maß pubertärer Romantik gesegnet. Aus diesem Grund kam es mir während meiner Hippie-Tage nie in den Sinn, daß ich getötet, niedergestochen oder entführt werden könnte. Ich dachte nie an mein Morgen. Ich trampte tatsächlich von Kopenhagen aus durch Italien, nahm die Fähre von Brindisi nach Korfu in Griechenland und setzte dann meine Odyssee, buchstäblich ohne einen Penny, per Eisenbahn durch die Türkei nach Teheran fort. Griechenland war damals 1972 eine Diktatur. Schah Reza Pahlevi war der Boss von Persien. Der Krieg zwischen Pakistan und Indien hatte gerade geendet. Aber ich führte mein magisches Doppelleben; Indien war der Ort der Initiation für alle Hippies auf der Welt.

A. K.: Ein Mann, der die Literatur liebt, lebt teilweise durch sie. Was würden Sie sagen, waren die entscheidenden Texte, die Sie als Person und als Denker definierten? Und warum?

T. S.: Nun, ich definiere die Wahl meiner Prosa durch meinen Charakter. Ich las Hermann Hesse, nicht weil er zur Zeit meiner Pubertät zur Standard-Hippieliteratur gehörte; er war auch ein großer Autor, dem es gelang, ohne auf ein gewalttätiges Narrativ oder Pornographie zurückzugreifen, die Welt der Illusionen und des magischen Realismus zu kombinieren, nach denen ich mich sehnte. Es war ich. Hesse war ein guter Bildungsroman für einen 19jährigen Jungen wie mich. Tatsächlich schließe ich jetzt nicht aus, daß ich vielleicht ein wiedergeborener Byron oder Céline oder Kerouac gewesen sein könnte, der in eine Reise durch Asien geraten war. Als ich in meinen zerrissenen Hosen, mit T-Shirt und Ohrringen durch die Straßen von Kabul ging, kroch ein Gefühl des deja vu durch meinen Kopf; ich mußte vor langer Zeit ein Kurier gewesen sein, oder irgend ein wichtiger Emissär während der Feldzüge von Alexander dem Großen. Dieses Bild verfolgt mich immer noch.

Später, als ich reifer wurde, folgte ich wiederum einfach meinen Instinkten und keiner politischen Mode oder Agenda. Ich muß ein wiedergeborener Louis Ferdinand Céline gewesen sein – und so fing ich an, jeden Winkel der französischen Sprache und des französischen Geistes kennenzulernen. Später, als ich mich des Politikwissenschaftlers Carl Schmitt und des Soziologen Vilfredo Pareto annahm, oder Alain de Benoists, war die Antwort recht einfach. Ihr Stil erinnerte mich an mein eigenes verborgenes Gefühl für Schönheit – in breiterem Sinne.

A. K.: Wir wissen, daß Sie in den 1980ern in die Vereinigten Staaten auswanderten. Was waren Ihre ersten Eindrücke von den Amerikanern, im Vergleich zu dem, was Sie zuvor als entfernter Beobachter über sie wußten? Was mochten Sie an ihnen, und was verwirrte Sie am meisten an Ihnen? Ohne Zweifel wichen Wahrnehmung und Realität in einiger wichtiger Hinsicht stark voneinander ab.

T. S.: Menschenmassen und Lärm. Dies war mein erster Eindruck nach der Landung in Amerika. Ich kann am Lärmniveau erkennen, wie zivilisiert oder barbarisch ein Land ist. Auf öffentlichen Plätzen oder in öffentlichen Räumlichkeiten schätze ich Stille. Diese stellvertretenden prothetischen (oder noch besser: erbärmlichen) Geräte, wie die frühen Walkie-Talkies oder der Walkman und Radios, und später all diese anthropomorphen Erweiterungen, wie Mobiltelefone und iPods, wurden zu Symbolen der spirituellen Wurzellosigkeit und zum Zeichen der physischen Überflüssigkeit; dafür, am falschen Ort und in der falschen Zeit zu sein. Ich mag den fünften Gang nicht; ein Amerika mit dem Getriebe in Neutralposition wäre ein idealer Ort für mich gewesen. Ich bedaure es, nicht zweihundert Jahre früher geboren zu sein, im Süden vor dem Krieg. Auf kommunikativer Ebene konnte ich mich nicht mit den endlosen moralisierenden und formalistischen Aufmunterungen in Amerika abfinden. Ganz zu schweigen davon, daß ich als jemand, der aus dem kommunistischen Universum kommt, nicht begreifen konnte und immer noch nicht kann, warum eine weiße Nation von solch eindrucksvoller Größe es liebt, in Selbsthass zu schwelgen, in Schuldgefühlen, während sie sich nach dem niedersten Abschaum ihrer Gesellschaft ausrichtet. Dies war nicht das Amerika, von dem ich geträumt hatte.

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