Kleingeld

Morgan Dollar

Von  Baron Bodissey; Original: Chump Change, erschienen am 18. Februar 2009 auf Gates of Vienna. Das Bild der Federal-Reserve-Dollarnote nach dem Ein-Dollar-Silberzertifikat wurde vom Übersetzer eingefügt.

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Als ich sieben Jahre alt war, begann ich mit dem Münzensammeln als Hobby. Damals waren noch eine Menge interessanter Münzen im Umlauf: der Buffalo Nickel, der Mercury Dime, die Halbdollarmünze Liberty Walking und – wenn man geduldig war und genug Münzrollen durchsah – gelegentlich ein Indianerkopf-Penny oder „V“-Nickel.

Die aufregendste Münze jedoch war der Silberdollar. Der „Peace“-Dollar von 1921 würde passen, aber der Morgan-Dollar war vorzuziehen – er hatte ein seriös wirkendes Design aus dem 19. Jahrhundert und war genau derselbe Dollar, der jene schweren Lohnsäcke füllte, die in Westernfilmen von Postkutschenräubern erbeutet wurden. Er war ein hübsches deftiges Stück echter amerikanischer Geschichte, und er konnte die Handfläche eines kleinen Jungen ausfüllen.

Bis zu meinem zehnten Geburtstag betrug mein Taschengeld fünfzig Cents pro Woche, die ich in Form einer zweiwöchentlichen Dollarnote erhielt. Während meines Silberdollarfimmels pflegte ich die Dollarnote zur Bank zu bringen und im Austausch dafür um einen Silberdollar zu ersuchen. Die Bankangestellten kannten mich alle und taten mir immer den Gefallen, mich ihre Auswahl von Silberdollars durchsehen zu lassen, bis ich einen Jahrgang fand, den ich noch nicht hatte. Ich konnte mir das erlauben, weil die meisten der damals in Umlauf befindlichen Dollarnoten immer noch Silberzertifikate waren.

silver certificate

 

Die Bank hatte keine Wahl: nach ihrer Charta war sie gesetzlich dazu verpflichtet, „dem Überbringer auf Verlangen“ einen Dollar in offiziellen Silbermünzen der Vereinigten Staaten für jedes ihr vorgelegte Silberzertifikat zu zahlen.

FRNOTE

Niemand hat heute dieselbe Option. Heute besteht alles in Umlauf befindliche Papiergeld aus Banknoten der Federal Reserve, die gegen nichts Bestimmtes einlösbar sind. Man kann zur Bank gehen und seine Dollarnote gegen vier Vierteldollar wechseln, aber diese sind nicht mehr die glänzenden Silberscheiben, die so erfreulich auf dem Marmortresen beim Schalterfenster klangen. Heutzutage sind die Dimes, Quarters und Halbdollarmünzen alles „Johnson slugs“, die hässlichen Nickel-Kupfer-Sandwiches, die 1964 eingeführt wurden, als die Silbermünzen abgeschafft und die Silberzertifikate aus dem Umlauf zurückgezogen wurden. 1968 war das letzte Jahr, in dem das Gesetz verlangte, daß irgendein Papierdollar in Silber einlösbar sei.

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Warum hat Island „nein“ gesagt?

Isländisches Staatswappen

Islands Wappen mit den vier Landwächtern Seeadler, Drache, Stier und Riese, die nach der Heimskringla-Saga im 10. Jahrhundert einen Eroberungszug des Dänenkönigs Harald Blauzahn verhinderten.

hjortur-logo  von Hjörtur J. Guðmundsson; Original: Why did Iceland say ‘no’?, erschienen am 13. April 2011 im Brussels Journal.

Am Samstag weigerte sich das Volk von Island ein zweites Mal per Referendum, die Schulden der gescheiterten Privatbank Landsbanki Íslands und ihrer Online-Tochter Icesave zu bezahlen, die in Großbritannien und den Niederlanden tätig war. Das Ergebnis des Referendums war mit einer Wahlbeteiligung von 75 Prozent eindeutig.

Fast 60 Prozent stimmten mit „Nein“ gegen ein Abkommen, das die isländischen Steuerzahler die Verantwortung für diese Schulden samt Zinsen hätte schultern lassen, die auf € 11.875,– für jeden von Islands 320.000 Einwohner geschätzt werden. Jedoch weiß niemand wirklich, wie hoch der Betrag am Ende gewesen wäre. Dies war einfach ein Barscheck.

Während des sogenannten Icesave-Streits – der im Herbst 2008 begann, nachdem fast das gesamte Bankensystem Islands im Gefolge der globalen Finanzkrise zusammenbrach – hat niemand auf irgendwelche brauchbaren rechtlichen Argumente dafür verweisen können, isländische Steuerzahler zur Bezahlung der Schulden der gescheiterten Privatbank zu verpflichten.

Tatsächlich haben sich die britische und die niederländische Regierung von Anfang an geweigert, den Streit auf dem Rechtsweg zu lösen, und haben stattdessen auf einer Lösung durch politische Verhandlungen beharrt.

Diesen Verhandlungen ließen die beiden Regierungen dann wiederholte Drohungen folgen, Island von den Finanzmärkten zu isolieren, das Land am Erhalt von Auslandskrediten zu hindern und die Bewerbung der isländischen Regierung um den Beitritt zur Europäischen Union (der in Island sowieso unpopulär ist) zu stoppen.

Gleich nach dem Bankzusammenbruch von 2008 setzte London sogar Antiterrorgesetze gegen isländische Interessen in Britannien ein, einschließlich jener des isländischen Staates. Dies fügte der bereits schwer getroffenen Wirtschaft Islands zweifellos schweren Schaden zu.

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Island wird geopfert, um die EU zu retten: Schande über Britannien und Holland

House in October, South Iceland

hjortur-logo  von Hjörtur J. Guðmundsson; Original: Iceland Is Sacrificed to Save EU: Shame on Britain and Holland, erschienen am 5. Dezember 2009 im Brussels Journal.

Die Europäische Union hat, um sich vor den Fehlern ihrer eigenen Gesetze zu retten, beschlossen, daß Island und das isländische Volk entbehrlich sind. Ihre eigenen Versäumnisse erkennend, hat die EU über die britische und die niederländische Regierung entschieden, daß die isländischen Behörden die Verantwortung auf sich zu nehmen haben, die gerechterweise jene der EU-Regulierungsbehörden ist. Das ist es, worum es beim sogenannten Icesave-Streit hauptsächlich geht.

Der Streit fing im Oktober 2008 an, als fast das gesamte isländische Bankensystem zusammenbrach. Eine der drei größten isländischen Banken, Landsbanki, hatte Internetsparkonten im Vereinigten Königreich und den Niederlanden betrieben und große Mengen von Einlagen erhalten, indem sie hohe Zinsen bot. Diese Konten wurden mit der Genehmigung der britischen und niederländischen Behörden betrieben, und ich Betrieb wurde durch EU-Gesetze ermöglicht.

Sofort nachdem Landsbanki zusammengebrochen und anschließend von den isländischen Behörden übernommen worden war, bestanden die britische und die niederländische Regierung darauf, daß der isländische Staat für die Icesave-Sparkonten verantwortlich sei. Daher forderten die beiden Regierungen, daß Island und seine Bevölkerung von nur 300.000 Menschen die Milliarden Euros an verlorenen Ersparnissen plus Zinsen im Vereinigten Königreich und in den Niederlanden ersetzen.

Als Antwort auf die Forderungen der britischen und niederländischen Behörden verkündete die isländische Regierung ihrerseits, daß sie ihren Verpflichtungen bestimmt nachkommen würde, beharrte aber darauf, daß nicht klar war, wie hoch diese Verbindlichkeiten genau waren. Die Angelegenheit sollte daher von einem neutralen Gericht geklärt werden. Die britische und die niederländische Regierung lehnten dies jedoch ab und bestanden stattdessen darauf, daß die Frage politisch und nicht rechtlich geklärt werde.

Systemkrise

Das fragliche EU-Gesetz ist die Richtlinie 94/19/EC über Einlagensicherungssysteme, die 1999 gemäß dem EWR-Abkommen zwischen der EU und der EFTA, in der Island Mitglied ist, in isländisches Recht übernommen wurde. Gemäß der Vorschrift soll ein privat betriebener Garantiefonds in jedem Land betrieben werden, der Sparern den Ersatz von mindestens 20.000 Euro für jedes Konto garantieren soll.

Jedoch geht die Direktive nicht von einer Systemkrise aus, wie sie zweifellos im Oktober 2008 in Island auftrat, sondern nur vom Scheitern einer einzelnen Bank. In anderen Worten: es ist einfach kein Gesetz in Kraft, das die Situation abdeckt, wie sie letzten Herbst in Island eintrat. Außerdem sollte man daran denken, daß der isländische Finanzsektor durch das vorerwähnte EWR-Abkommen mehr oder weniger von der EU reguliert wird.

Diese Mängel der Richtlinie 94/19/EC sind seit langem bekannt und sind in den letzten Jahren bei einer Anzahl von Anlässen von führenden Gestalten in der EU öffentlich anerkannt worden. Dies wurde zum Beispiel in einem im Jahr 2000 veröffentlichten Bericht der französischen Zentralbank über Einlagensicherungssysteme erwähnt, in dem es heißt, daß es „akzeptiert“ ist, daß „solche Systeme weder dazu gedacht noch in der Lage sind, systemische Bankenkrisen zu bewältigen“.

Das vielleicht jüngste Beispiel eines solchen Eingeständnisses geschah am 3. März dieses Jahres, als der niederländische Finanzminister Wouter Bos in einer Rede sagte: „Zuerst und vor allem müssen europäische Länder sich genau ansehen, wie das Einlagensicherungssystem organisiert ist. Es war nicht dazu bestimmt, mit einer Systemkrise fertig zu werden, sondern mit dem Zusammenbruch einer einzelnen Bank.“ Trotzdem besteht Bos darauf, daß das System auf die isländische Systemkrise angewandt wird.

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