Die Wirksamkeit von Polizei- und Verteidigungsflinten

Von Dipl.-Ing. Manfred Ertl, aus Heft 11-1990 des „Schweizer Waffenmagazins“.

Die meisten ballistischen Veröffentlichungen beziehen sich auf den Büchsen- und Faustfeuerwaffenschuß; sofern der Flintenschuß behandelt wird, steht fast immer der jagdliche Einsatz im Vordergrund und nicht die Verwendung von Schrot, Posten und Flintenlaufgeschossen für Polizei- und Militäraufgaben sowie Verteidigungszwecke.

Die Flintengeschosse unseres Tests von links nach rechts: Mirage Palla Sorengo, Brenneke, Sauvestre, Dolomiti Ball, 9 Buckshot-00-Kugeln.

Im kampfmäßigen Schießen mit Schrotgewehren sind vor allem zwei Typen im Gebrauch, Halbautomaten und Vorderschaftrepetierer. Obwohl auch die halbautomatiche Flinte ihre Vorteile wie z. B. schnellere Schußfolge und geringeren Rückstoß hat, ist dennoch die Vorderschaftrepetierflinte, Pump Gun oder Riot Gun (Riot = engl. Aufruhr) die am weitesten verbreitete Schrotflinte im Polizeieinsatz und in der Selbstverteidigung. Speziell bei der amerikanischen Polizei gehört diese Waffe zur obligatorischen Ausrüstung jedes Streifenwagens.

Für die manuelle Repetierversion spricht neben dem günstigen Preis die robuste, störunanfällige Konstruktion, die fast narrensichere Handhabung und die Möglichkeit, unterschiedliche Munition ohne Rücksicht auf den Gasdruck und den Mündungsimpuls verschießen zu können.

Um die ballistischen Daten dieser Waffen in Bezug auf bestimmte Einsatzbereiche beurteilen zu können, muß man sich einige grundsätzliche Gedanken zum Schrotschuß machen.

Da bei der Schrotladung nicht jedes Einzelgeschoß durch einen Lauf geführt wird, streben die Schrotkörner nach Verlassen der Mündung mehr oder weniger auseinander. Dieses Auseinanderdriften der Schrote wird weniger von der Lauflänge, als von der Mündungsbeschaffenheit beeinflußt. Jagdwaffen haben Mündungsverengungen, die als Chokes oder Würgebohrungen bezeichnet werden, um die Schrotgarbe enger beieinander zu halten, um somit größere Einsatzreichweiten zu erzielen. Solche Waffen zeigen als typisches Schußbild einen engen zentralen Garbenkern mit hoher Deckung.

Größere Flächendeckung durch Zylinderbohrung

Riot Guns haben eine zylindrische Mündung ohne Laufverengung (Zylinderbohrung), was bereits auf kürzere Entfernung zur Abdeckung einer größeren Fläche mit einer Schrotverteilung ohne ausgeprägte Kerngarbe führt.

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Lauflänge und Anfangsgeschwindigkeit

Wildey-Pistole mit 5“-Lauf, Wechselläufe 6“, 7“, 8“ und 10“.

Von Thomas Hartl, aus Heft 9-1984 des „Schweizer Waffen-Magazins“.

Eine von der Zürcher Firma Hofmann & Reinhardt Waffen AG zur Verfügung gestellte Wildey-Pistole im Kaliber .45 Winchester Magnum mit Wechselläufen von 5, 6, 7, 8 und 10 Zoll Länge inspirierte uns zu einigen Messungen, die Beziehung zwischen Lauflänge und Geschoss-Anfangsgeschwindigkeit betreffend.

Gemessen wurde mit einem Oehler-33-Messgerät mit Lichtschranken in einem Schießkeller bei 20° C. Es wurden pro Lauf zehn Schuss ausgewertet. Die Entfernung zwischen Laufmündung und Startschranke betrug 2 Meter, die gemessene Geschossgeschwindigkeit kann also als V2,5 bezeichnet werden.

Die Läufe waren mit 6 Zügen im Rechtsdrall ausgestattet, durchschnittliches Zugkaliber 11,49 mm (.452“), Feldkaliber 11,34 mm (.446“), Feldabdruckbreiten 2,8 bis 2,9 mm.

Die bislang nur von Winchester-Western hergestellte .45-Winchester-Magnum-Patrone enthält ein 230 grs-(14,9 g-)Vollmantel-Rundkopfgeschoss, ihre ballistischen Daten betragen laut Hersteller 1400 fps (426,7 m/s) Mündungsgeschwindigkeit aus einem 5“-Lauf und 1001 ft/lbs (138,5 mkg / 1359 Joule) Mündungsenergie. Unsere Messungen sind in Tabelle 1 zusammengefasst:

Da es für die Beziehung zwischen Lauflänge und Mündungsgeschwindigkeit eine mathematische Formel gibt, verglichen wir die gemessenen Geschossgeschwindigkeiten mit errechneten, wobei wir den praktisch unbedeutenden Unterschied zwischen V2,5 und V0 nicht berücksichtigten.

Die Gleichung, welche die Abhängigkeit der Geschossgeschwindigkeit von der Lauflänge bei Faustfeuerwaffen festhält, lautet

wobei V1, V2 die Geschossgeschwindigkeiten sind, l1, l2 die Lauflängen.

Wenn wir die aus dem 6“-Lauf (152 mm) der Wildey-Pistole erreichte Geschossgeschwindigkeit von 415 m/s als Grundlage nahmen, erhielten wir die in Tabelle 2 festgehaltenen Ergebnisse.

Die Unterschiede zwischen den gemessenen und errechneten Geschossgeschwindigkeiten liegen unterhalb einer Fehlerquote von 10 % und sind somit als nicht gravierend einzustufen.

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Neue Kommentarpolitik auf „Morgenwacht“: Wie bereits hier unter Punkt 1 angekündigt, am Schluß dieses Kommentars wiederholt als Absicht geäußert und in diesem Kommentar endgültig festgelegt, werden neue Kommentatoren nicht mehr zugelassen und sind die Kommentarspalten nur noch für die bereits bekannte Kommentatorenrunde offen.

Die Lauflänge von Faustfeuerwaffen: Sind lange Läufe wirklich besser?

Zwei Ansichten der gleichen Waffe: Ein Ruger Super Blackhawk im Kaliber .44 Magnum, einmal mit 10 ½-Zoll-Lauf…

Von Wiley Clap, aus WAFFEN DIGEST 1993, hier mit einem Anhang von mir (Cernunnos/Lucifex).

DIE LAUFLÄNGE VON FAUSTFEUERWAFFEN
Sind lange Läufe wirklich besser?

Wiley Clap untersucht schrittweise, was passiert, wenn man einen langen Lauf in einen kurzen verwandelt.

…und dann mit einem Laufstummel, der nur noch 1 ½ Zoll lang ist. Kevin Steele hat mit beiden Lauflängen geschossen, der Unterschied beim Rückstoß war so groß, daß er auf weitere Schüsse gern verzichtete. Bei der schrittweisen Verkürzung des Laufes um jeweils ein Zoll haben wir interessante neue Erkenntnisse gewonnen.

Jeder Faustfeuerwaffenschütze weiß, daß ein langer Lauf besser ist – das muß einfach so sein. Immer wenn es um Waffen geht, ziehen die größten und leistungsfähigsten Waffen auch immer die meiste Aufmerksamkeit auf sich. Es gibt im Amerikanischen sogar eine Redensart, die besagt, daß langläufige Waffen besonders wirkungsvoll schießen. Amerikanische Schützen glauben ganz fest daran, daß mit zunehmender Lauflänge einer Waffe auch die Präzision zunimmt. Ebenso gibt es eine hartnäckige Tendenz dazu, kurzläufige Waffen, und hier besonders Faustfeuerwaffen, als nicht genügend leistungsfähig und unpräzise zu verachten.

Als passionierter Faustfeuerwaffenschütze habe ich genügend Schießerfahrung mit den verschiedensten Waffentypen, um meine Zweifel an dieser vorgefaßten Meinung anmelden zu können. Ich habe schon mit kurzläufigen Revolvern aus der Schießmaschine Resultate geschossen, die einer Matchwaffe zur Ehre gereicht hätten. Mit den modernen chronographischen Meßgeräten – Oehlers und PACT – kann man heutzutage die Fluggeschwindigkeit von Geschossen genau feststellen. Hier kann jeder Schütze viele Überraschungen erleben, wenn er nämlich feststellt, daß seine mit viel Liebe selbstgeladenen Patronen gar nicht die gewünschte Leistung bringen, sondern womöglich ganz andere Werte zeigen. Ich habe ein und dasselbe Revolvermodell eines Herstellers mit verschiedenen Lauflängen in der Schießmaschine getestet und die Werte mit dem Chronographen gemessen, die erzielten Ergebnisse sind aber nicht fehlerlos, da es schon von einer Waffe zur anderen Unterschiede in den Fertigungstoleranzen gibt. Da wurde es Zeit, das Problem etwas mehr von der wissenschaftlichen Seite her anzugehen und die tatsächlichen Unterschiede an einem einzigen Revolver zu messen, dessen Lauflänge allmählich verkürzt wurde.

Die Firma Sturm, Ruger & Co., die Revolver herstellt, die eigentlich eine weitaus bessere Behandlung verdient haben als die, die wir ihrem Produkt angedeihen ließen, überließ uns freundlicherweise einen Ruger Super Blackhawk mit langem 10 ½-Zoll-Lauf (267 mm), den wir dann systematisch zersägten. Nachdem der letzte Schnitt gemacht worden war, hatte der Super Blackhawk nur noch einen Laufstummel von 1 ½ Zoll Länge. Den ganzen Test machten wir mit der Waffe in der Ransom-Schießmaschine, die Fluggeschwindigkeiten haben wir mit dem Chronographen gemessen. Wir fingen mit der Originallauflänge an und reduzierten dann um jeweils ein Zoll (2,54 cm) auf 9 ½, 8 ½, 7 ½, 6 ½ Zoll usw.

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Drei Kurze bitte! Zielballistik von Taschenrevolvern in .38 Special und .357 Magnum

Klein, aber oho: Taschenrevolver, wie sie in unseren Breitengraden gerne im Jagdbetrieb für den Fangschuß genutzt werden, können mit entsprechenden Laborierungen trotz kurzer Lauflänge noch einiges leisten. Wir testeten 14 Munitionssorten aus dem neuen Ruger LCR sowie den Smith & Wesson M60 Chiefs Special in zwei Lauflängen.

Von Tino Schmidt & Stefan Perey, aus caliber 3-2013.

Flache Subkompaktpistolen sind heutzutage die moderne Konkurrenz des einst so dominierenden Taschenrevolvers. Dennoch hat die klassische „Stupsnase“ (Snubnose; Snubbie) immer noch eine treue Anhängerschaft. Hinsichtlich des Führens sind die Minimalabmessungen zwar äußerst praktisch, doch in Sachen Ballistik kommt der kurze Lauf auch schnell an seine Grenzen. Wir führten zielballistische Untersuchungen durch und liefern wertvolle Laborierungstipps.

Man könnte annehmen, die Tage des Taschenrevolvers als Verteidigungs- oder Fangschusswaffe seien weltweit schon lange gezählt. Denn die Vorteile der Subkompakt- und Kompaktpistolen ab Kaliber 9 mm Luger – wie beispielsweise Glock 26, Heckler & Koch P2000 SK, Kahr Arms PM9094, SIG Sauer P239 oder Walther PPS – überwiegen deutlich. Sie sind oftmals leichter, schmaler und in der Feuerkraft überlegen, weisen sie doch Magazinkapazitäten von 8 bis 10 Patronen auf, wohingegen der Taschenrevolver typischerweise eine Trommel für fünf Patronen besitzt. In der Praxis dürfte auch der Nachladevorgang durch Magazinwechsel bei der Pistole weitaus schneller als beim Revolver mit Ladeclips oder Speedloadern vonstatten gehen. Zudem bieten namhafte Hersteller ausgereifte, höchst funktionssichere Modelle an, was wiederum den Verfechtern des Revolvers mit seiner angeblich absoluten Funktionszuverlässigkeit etwas den Wind aus den Segeln nimmt, denn auch bei ihm können Funktionskleinteile brechen, was unweigerlich zum Totalausfall führt.

Gib mir Fünf! Durch die Trommel mit fünf Lagern reduziert sich im Gegensatz zum Sixshooter der Durchmesser. So kann der Taschenrevolver besser verdeckt geführt werden, wie hier in diesem von COP (www.cop-gmbh.de) zur Verfügung gestellten „Inside the Waistband“ (IWB) Holster.

Auf der Habenseite des Revolvers steht aber sicherlich, dass er in seiner Funktionssicherheit sehr munitionsunabhängig ist, weil er rein mechanisch mit der Kraft des Zeigefingers des Schützen arbeitet und nicht auf den Gas- oder Arbeitsdruck der Patrone angewiesen ist. Andererseits: Sitzt ein Zünder ohne Zündmasse oder verkehrt herum in der Glocke des Hülsenbodens, dann macht es bei beiden Waffensystemen nur „klick“ anstatt „bumm!“ Beim Revolver muß dann nur weiter der Abzug bedient werden, um die Trommel und damit ein neues Patronenlager mit frischer Patrone vor den Laufeingang zu transportieren. Bei einer Pistole mit Spannabzug kann über die Abzugsbetätigung ein erneuter Zündversuch der schadhaften Patrone erfolgen, ansonsten muß aber die Patrone herausrepetiert werden, um eine frische Patrone aus dem Magazin in das Patronenlager zu befördern.

Zum Führen eines Smith & Wesson J-Rahmen-Revolvers eignen sich auch die passgenau gearbeiteten Galco-Gürtelholster (www.waimex.com).

Ein Revolver kann im extremen Nahbereich auch als Kontaktwaffe genutzt werden, denn das Aufsetzen der Mündung beeinflusst nicht die Funktion. Bei den meisten Pistolen wird hingegen der Verschluss unter Umständen mehr oder weniger zurückgeschoben, und damit der Lauf eventuell aus der Verriegelung gedrückt, so dass keine Schussauslösung mehr erfolgen kann. Ergreift ein Gegenüber den Verschluss der Pistole, kann man sie dennoch erneut abfeuern. Packt ein Kontrahent aber den Zylinder des Revolvers, wird die Trommel blockiert und eine nochmalige Schussabgabe vereitelt. Zugegeben, hier handelt es sich um „ECQB“ oder „ECQC“ (Extreme Close Quarter Battle; Extreme Close Quarter Combat) Grenzbereiche des Schusswaffeneinsatzes, allerdings sollten sie dennoch einmal thematisiert werden.

Exotisch: Wadenholster, wie hier das Bianchi-Modell „Triad Ankle Holster“ (www.cop-gmbh.de) sind nicht gerade populär.

Alte und neue Welt

Historisch betrachtet ist Europa – und hier vor allem der deutschsprachige Raum – die Wiege der Selbstladepistole, während Nordamerika unter anderem mit dem Colt Single Action Army Revolver von 1873 – auch als „Peacemaker“ oder „Equalmaker“ bekannt – erobert und besiedelt wurde. Dieser Tradition folgend, war der modernere Spannabzugsrevolver noch bis Mitte der 1980er Jahre die bevorzugte Dienstwaffe bei der Polizei in den USA. Somit ist der Revolver gerade in den Vereinigten Staaten immer noch sehr populär auf dem Zivilmarkt, und man entdeckt ihn auch im 21. Jahrhundert in den Holstern oder Handtaschen gesetzestreuer Bürger(innen), die eine Schusswaffe zum Eigenschutz führen dürfen. Exakt aus diesem Grunde versucht die US-Industrie, den Revolver immer weiter zu entwickeln und vorhandene Nachteile soweit wie möglich zu reduzieren oder zu eliminieren. Gegenüber der moderneren Subkompaktpistole mit Polymergriffstück ist das vergleichsweise hohe Eigengewicht des Revolvers mit seinen stählernen Hauptbauteilen ein Minuspunkt. Zwar brachte „der“ traditionsreiche Revolverhersteller Smith & Wesson schon 1952 die legendären J-Frame-Fiveshooter in einer „Airlite“-Version mit Aluminiumrahmen heraus, die aber nur für die relativ leistungsschwache .38 Special eingerichtet waren und im Dauergebrauch nicht mit der Stabilität der Stahlrahmenkollegen konkurrieren konnten.

Taschenrevolver mit verdecktem oder innenliegendem Hammer in klassischer „Bodyguard“- oder „Centennial“-Bauweise – hier ein moderner S&W M340 Airlite SC mit Scandium-Rahmen und Titantrommel in .357 Magnum – können im Fall der Fälle auch direkt aus der Jackentasche abgefeuert werden, ohne dass das Innenfutter die Funktion behindern könnte. (Anm. v. Lucifex: siehe auch Der Schuss durch die Tasche von Peter Ernst Grimm und Hans-Jörg Signer.)

Nimm es leicht

Erst gegen Ende der 1990er Jahre kam dann noch einmal Bewegung ins Spiel, denn Taurus und Smith & Wesson brachten Revolver mit Rahmen und Laufmänteln aus Titanlegierung oder Scandium heraus, die mit leichtem Gewicht bei gleichzeitig hoher Festigkeit auftrumpfen konnten. Weil aber die Rohstoffpreise für solcherart Ausgangsmaterialien auf dem Weltmarkt und somit auch die Waffenpreise stetig steigen, wagte der aktuelle Smith & Wesson-Erzrivale Ruger (früher war es mal Colt) mit dem Ruger LCR (Lightweight Compact Revolver) mit Polymergriffstück, Leichtmetallrahmen mit eingezogener, stählerner Laufseele und auf das Nötigste abgespeckter Stahltrommel einen sehr gelungenen Vorstoß in diesem Marktbereich. Neben der Urversion im Kaliber .38 Special+P steht mittlerweile auch eine leistungsstärkere Ruger LCR-Version in .357 Magnum zur Verfügung.

Drei Taschenraketen

Unsere Erprobung zielt primär auf die richtige Laborierungsauswahl in .38 Special und .357 Magnum ab. Daher wählten wir für unsere Testreihen zwei stahlharte Klassiker in Gestalt des Smith & Wesson J-Rahmen-Revolvers M60 „Chiefs Special“ in .357 Magnum mit Lauflängen von 2 1/8“ (54 mm) und 3“ (76 mm) aus, um Unterschiede in der Mündungsgeschwindigkeit und Präzision aufzeigen zu können. Hinzu gesellte sich der moderne, brandaktuelle Ruger LCR in .357 Magnum mit noch kürzerer Lauflänge von 1,875“ (48 mm). Das leichte Gewicht von gerade einmal 495 Gramm des LCR hat auch eine Kehrseite, die sich im Schuss sehr unangenehm bemerkbar macht. Denn der Rückstoß ist je nach Laborierung schon echt heftig. Dass die Kombination aus leichter Waffe und damit einhergehender hoher Rückstoßgeschwindigkeit auch auf das Material geht, konnten wir deutlich anhand unserer Ransom Rest Schießmaschine feststellen. Eine der drei Stangen, welche die Spannbacken aufnehmen, brach während des Tests radial ab!

Die kurzen Läufe sorgen für Mündungsgeschwindigkeitsverlust, je nach Laborierung starkes, in der Dunkelheit blendendes Mündungsfeuer sowie reichlich Mündungsgasdruck. Einige Munitionshersteller haben darauf reagiert und bieten spezielle Laborierungen an, die auf kurze Lauflängen ausgelegt sind, wofür die Speer Gold Dot Short Barrel ein gutes Beispiel ist. Bei solcherart Laborierungen wird nicht einfach an Treibladungsmittel gespart, sondern vielmehr geht es hier um die Feinabstimmung im Chemielabor, um schnellere, mit geringerem Mündungsfeuer ausgestattete Pulversorten sowie um Geschosskonstruktionen, die auch bei verminderten Mündungsgeschwindigkeiten ansprechen und ein sicheres Aufpilzverhalten aufweisen sollen. Vom ATK Ballistikseminar in Schweinfurt haben wir als Weisheit mitnehmen dürfen, dass bei Laborierungen, die nicht explizit für kurzläufige Waffen und geringere Mündungsgeschwindigkeit ausgelegt sind, schwerere Geschosse die bessere Wahl darstellen. Das steht zuerst einmal im Widerspruch, denn gerade diese Geschosse brauchen aufgrund ihrer Massenträgheit entsprechende Lauflänge, um auf Geschwindigkeit zu kommen. Allerdings sind diese schwereren Geschosse auf ein Aufpilzverhalten bei niedrigeren Geschossgeschwindigkeiten ausgelegt, leichtere Geschosse entsprechend auf höhere Geschwindigkeiten. Weil der Zielwiderstand – also die Kraft, die beim Auftreffen des Geschosses auf das Zielmedium gegen die Flugrichtung einwirkt – im Quadrat zur Geschwindigkeit steigt, kann man sich leicht ausmalen, welche Lücke hier bei geringer Geschwindigkeit in Kombination mit leichteren Geschossen entsteht. Aus diesem Grunde hielt bei uns auch die Remington .357 Magnum mit 180 Grains Teilmantel-Hohlspitzgeschoss Einzug in die Testreihen – übrigens mit erstaunlichem Resultat, doch dazu später mehr.

.38 Special vs. .357 Magnum

Wer sich eine Stupsnase zulegen möchte, ist gut damit beraten, schon alleine aufgrund der verwendbaren Munition auf das Kaliber .357 Magnum zu setzen, denn bekanntlich können aus einem Revolver, der für die längere Patrone eingerichtet ist, auch alle .38-Special-Laborierungen verschossen werden. Wer noch einen klassischen .38er besitzt, der muss aus der Not eine Tugend machen. Zwar bleiben selbst die .38 Special +P-Laborierungen in der Leistung weit hinter der .357 Magnum zurück, dennoch ist bei richtiger Geschossauswahl eine brauchbare Zielballistik zu realisieren. Frühe, wirksame .38-Special-Laborierungen weisen beispielsweise ein 158 Grains Blei-Semiwadcutter-Hohlspitzgeschoss aus Weichblei auf, das mit rund 230 bis 250 m/s den Lauf verlässt, doch gerade der Einzug von Munition mit Mantelgeschossen aus widerstandsfähigem Material schafft hier gelegentlich Probleme im Aufpilzverhalten. Ein Revolver in .357 Magnum bietet hier wiederum den Vorteil, dass sich aus ihm auch handelsübliche Munition mit Geschossgewichten über 158 Grains verwenden lässt, die in .38-Special-Laborierung nicht zu finden ist.

Geschosse, die sich gewaschen haben

Die Speer Gold Dot .38 Special +P mit dem ungewöhnlichen Geschossgewicht von 135 Grains (8,75 Gramm) machte den Anfang bei unserem Seifentestbeschuss. Diesmal arbeiteten wir mit der transparenten ballistischen Seife der Firma Enzian (www.enzian-seifen.de), die auch Hochgeschwindigkeitsaufnahmen zuläßt, die sonst nur mit Gelatineblöcken möglich sind.

Wie bei allen nachfolgenden Beschussversuchen diente uns hier der S&W M60 mit 2 1/8“-Lauf, der mit seiner Lauflänge den klassischen Taschenrevolver darstellt, als Testwaffe. Das 135-Grains-Geschoss drang mit knapp 270 m/s in den Block ein und expandierte sehr gleichmäßig auf einen mittleren Durchmesser von 15,8 Millimeter. Dabei erreichte es 180 Millimeter Eindringtiefe bei 100 % Restgewicht. Mehr lässt sich aber auch bei lediglich rund 313 Joule Energie nicht erwarten, was leistungsmäßig im Bereich einer 9 mm kurz angesiedelt ist.

Als nächstes folgte dann die Speer Gold Dot .357 Magnum Short Barrel mit identischem Geschossgewicht. Das galvanisch verkupferte Geschoss pilzte mit 310 m/s etwas ungleichmäßig bei einem mittleren Durchmesser von 13,2 Millimeter und ebenfalls 100 % Restgewicht auf. Die Eindringtiefe lag hier schon bei 230 Millimeter, mehr war vermutlich durch die zwei abstehenden Fahnen nicht möglich, die für eine geringere Eindringtiefe sorgten.

Bei der zum Abschluss der Zielmedientests noch folgenden Remington 180 Grains JHP TC Fabrikmunition wurde sicherheitshalber ein zweiter Block hinter dem ersten positioniert, was sich als weiser Entschluß herausstellen sollte. Das auf einen mittleren Durchmesser von 16,2 Millimeter aufgepilzte Projektil durchschlug den vorderen Block komplett und drang noch zwanzig Millimeter in den zweiten Block ein, was insgesamt 320 Millimeter Eindringtiefe bedeutete. Zwar ist diese Laborierung recht herzhaft im Rückstoß, aber immer noch angenehmer als so manch giftige 125-Grains-Laborierung. Feuer und Gasdruck an der Mündung halten sich noch in Grenzen, weshalb diese Laborierung unserer Ansicht nach als ein echter Geheimtipp in Sachen Zielballistik gehandelt werden kann.

Die Kehrseite der geborgenen Geschosse (von links): Speer Gold Dot .357 Magnum mit 135 Grains Short Barrel, Remington .357 Magnum mit 180 Grains Teilmantel-Hohlspitz und Speer Gold Dot .38 Special mit 135 Grains Short Barrel.

Von der Vorderseite lässt sich sehr gut das nahezu kreisrunde Aufpilzverhalten des Remington 180 Grains Teilmantel Hohlspitzgeschosses erkennen.

Von der Leistungsfähigkeit der 180-Grains-Fabrikmunition beflügelt, zogen wir auch noch mit zwei Handladungen mit dem Remington 180 Grains Teilmantel-Hohlspitzgeschoss sowie dem gleichschweren Hornady XTP (Extreme Terminal Performance) auf den Schießstand. Wegen der kurzen Lauflängen setzten wir auf das offensiv abbrennende Hogdon Titegroup. Leider konnte mit der Maximalladung für dieses Pulver nicht an die Mündungsgeschwindigkeit der Remington-Fabrikpatrone angeknüpft werden, weshalb wir den Handladern hier das nächst langsamere Pulver in Form des Hogdon HP 38 empfehlen möchten, mit dem sich etwas mehr Mündungsgeschwindigkeit erzielen lassen dürfte. Insgesamt testeten wir 14 Munitionssorten, 6 Laborierungen in .38 Special und 8 Laborierungen in .357 Magnum, aus allen drei Revolvern auf Geschwindigkeit, Energie und Präzision. Die umfangreichen Daten können der übersichtlichen Ballistiktabelle entnommen werden.

caliber-Fazit

Bei Revolvern mit einer Lauflänge unter 4“ (102 mm) macht die akribische Laborierungsauswahl mehr als Sinn, denn ansonsten kann es vorkommen, dass die Geschosse der verwendeten Munition nur unzureichend oder gar nicht deformieren und somit dann wie Vollmantelprojektile wirken. Der Test zeigt aber auch, dass es wirksame Laborierungen im moderaten Kaliber .38 Special gibt, auch wenn man grundsätzlich der leistungsstärkeren und eine größere Bandbreite abdeckenden .357 Magnum den Vorzug geben sollte. In unseren Breitengraden dürfte der Revolver vor allem in den Händen von Jägern als Fangschuß- und Jagdschutzwaffe zu finden sein. Was auch immer der Einsatzzweck sein mag, wer nach maximaler terminalballistischer Leistung und Eindringtiefe strebt, für den führt kein Weg an Munition mit schwereren Geschossen, wie zum Beispiel die Remington 180 Grains Teilmantel-Hohlspitz, vorbei.

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Neue Kommentarpolitik auf „Morgenwacht“: Wie bereits hier unter Punkt 1 angekündigt, am Schluß dieses Kommentars wiederholt als Absicht geäußert und in diesem Kommentar endgültig festgelegt, werden neue Kommentatoren nicht mehr zugelassen und sind die Kommentarspalten nur noch für die bereits bekannte Kommentatorenrunde offen.

Was leisten Kleinkaliberpatronen?

Die getesteten Kleinkaliberpatronen, von links nach rechts: Eley Standard, Remington Standard, RWS Match, RWS High Velocity (HP), Winchester Super (HP), CCI Stinger (HP), Remington Yellow Jacket (HP), Winchester Xpediter (HP)

Von Marcel Geering, aus Heft 10-1984 des „Schweizer Waffen-Magazins“.

Bei der Bezeichnung von 22er Randfeuerpatronen herrscht einige Verwirrung. Im schweizerischen Sprachgebrauch werden Kleinkaliberpatronen im allgemeinen als „Flobertpatronen“ bezeichnet. Das ist aber falsch. Daher zuerst ein paar kurze Anmerkungen zur Geschichte der Kleinkaliberpatronen.

Erfinder der KK-Patronen ist ein Franzose, Nicholas Flobert (1819 – 1894), der 1845 eine 6-mm-Randfeuerpatrone mit Rundkugelgeschoss patentieren ließ. Diese Patrone wurde in der Folge in kleinen Pistolen und Gewehren, hauptsächlich in Schießbuden, verwendet. Sie wird heute noch gefertigt unter der Bezeichnung Flobert-Rundkugelpatrone.

Durch Verlängerung der Hülse und Beifügung einer Treibladung wurde aus der Flobert-Patrone die Patrone .22 short, welche u. a. im S&W-Revolver Mod. I (1857) Verwendung fand.

.22 long rifle

Um 1888 kam bereits die Patrone .22 long rifle oder auf deutsch .22 lfB (lang für Büchse) auf den Markt. Als erste produzierte die Firma Remington 1930 eine Hochgeschwindigkeitspatrone .22 LR HV (Long Rifle High Velocity).

1959 kam die Winchester Rimfire Magnum dazu, die bei weitem stärkste .22er-Randfeuerpatrone. Sie wird hauptsächlich von Jägern für den Abschuss von Kleinwild verwendet und soll im Rahmen der vorliegenden Arbeit nicht näher behandelt werden.

Als letzte Entwicklung auf dem Gebiet der Kleinkaliberpatronen kam 1977 die CCI-Stinger-Patrone auf den Markt. In der Gesamtlänge entspricht sie der .22 LR. Die Hülse ist rund 2 mm länger, das Geschoss dafür etwas kürzer und leichter. Gemäß Fabrikangaben soll sie eine um ca. 25 % höhere Geschoßgeschwindigkeit und ca. 20 % mehr Energie als die .22 LR-Hochgeschwindigkeitspatronen bringen. Remington und Winchester folgten mit ähnlichen Entwicklungen (Yellow Jacket und Xpediter), wobei das Winchesterprodukt bereits wieder aus dem Sortiment genommen wurde.

Die oben erwähnten Patronen sind heute im Fachhandel erhältlich. Im Verlaufe der Zeit sind aber noch weitere .22er-Randfeuerpatronen entwickelt worden. Im Buch „Cartridges of the World“ von Frank Barnes, aus welchem die aufgeführten geschichtlichen Daten stammen, sind  elf verschiedene .22er-Randfeuerpatronen aufgeführt.

Die Auswahl der für die nachfolgenden Tests verwendeten Patronen bereitete einiges Kopfzerbrechen. Alle Fabrikate in allen Ausführungen konnten beim besten Willen nicht getestet werden. Falls Sie deshalb Ihre bevorzugte Patrone nicht aufgelistet finden, heißt dies keineswegs, dass diese schlechter als andere ist. Berücksichtigt wurden bei der Auswahl hauptsächlich Patronen, die in größeren Fachgeschäften stets auf Lager sind.

Bei der Auswahl der Testwaffen wurde darauf geachtet, dass alle üblichen Lauflängen vertreten sind. Die Geschoßgeschwindigkeit wurde auf eine mittlere Distanz von 3 Metern mit 10-Schuss-Serien ermittelt. Zum Präzisionstest wurden mit allen Patronen 10-Schuss-Schussbilder auf 25 Meter mit einer Pistole Ruger Mk 1 ab Schießmaschine geschossen.

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Hülsenfrüchte 1: Schrotpatronen für Faustfeuerwaffen

CCI-Schrotpatronen im Kaliber .44 Magnum

Von Deep Roots, ursprünglich veröffentlicht am 9. Mai 2013 auf „As der Schwerter“.

In Büchsen-Licht (2): Unterhebelrepetiergewehre habe ich schon einiges über die Schrotpatronen gebracht, die es von CCI für mehrere Pistolen- und Revolverkaliber gibt (bei den Pistolenpatronen ist die blaue Schrotkapsel vorne abgerundet, außer bei der .45 ACP, bei der die Hülse nach vorn gezogen ist). Angeregt von Informationen aus dem VISIER-Sonderheft „Geschosse und Ballistik“, die vermuten lassen, daß diese Munitionsart bisher unterschätzt wurde, und ergänzt durch in der Zwischenzeit durchgeführte eigene Versuche, werde ich dieses Thema hier noch einmal näher behandeln. Zunächst bringe ich dazu einen bereits in „Büchsen-Licht 2“ auszugsweise zitierten Artikel von Dipl.-Ing. Manfred Ertl aus dem Septemberheft 1990 des Schweizer „Internationalen Waffen-Magazins“, hier jedoch in voller Länge und mit den Bildern daraus:

SCHROTPATRONEN IN FAUSTFEUERWAFFEN

Die Trommel eines „Chief’s Special“, geladen mit einer Schrotpatrone und vier Patronen mit Soft-Point-Geschossen.

Schrotpatronen für Faustfeuerwaffen sind nicht gerade eine Marktneuheit, haben aber ballistische Eigenschaften, die sie durchaus interessant machen. Ursprünglich wurden diese Patronen entwickelt, um mit Faustfeuerwaffen auf Kleintierjagd zu gehen und schwer zu treffende Giftschlangen abzuwehren. Sie sind unter Umständen aber auch in der Selbstverteidigung mit Schußwaffen geeignet, eine ballistische Lücke zu schließen.

Handelsüblich sind für Faustfeuerwaffen bestimmte Schrotpatronen in den Kalibern .22 L. R. bis .45 ACP. Da die kleineren Kaliber aber eine volumenbedingt geringe Schrotzahl haben, sind für den Selbstverteidigungsbereich in kurzläufigen Waffen nur die Kaliber .38 bis .45 interessant. Als repräsentative Waffen/Munitionskombination wurde ein 2“-Revolver Smith & Wesson Mod. 36 im Kaliber .38 Special verwendet, da diese .38er Snubnose-Revolver sich auf Grund ihrer Größe gut zum verdeckten Tragen eignen.

Die Testwaffe, ein .38er S & W Mod. 36 „Chief’s Special“ mit 2“-Lauf; hier mit vier Teilmantel-Flachkopfpatronen und einer CCI-Schrotpatrone.

Vergleichende Versuche mit anderen Kalibern und Lauflängen erbrachten folgendes:

– Die Lauflänge hat nur geringen Einfluß auf die Streuung und die Durchschlagsfähigkeit der Schrote.

– Patronen im Kaliber .45 ACP entsprechen in der Durchschlagsleistung ungefähr dem Kaliber .38 Special, erzielten aber etwas engere Streukreise.

– Das Kaliber .44 Magnum bringt aufgrund der größeren Schrotzahl (ca. 170 Kügelchen) eine bessere Deckung als die .38er-Patronen, Durchschlagsleistung und  Streukreise sind ungefähr gleich.

Zur Selbstverteidigung geeignete CCI-Schrotpatronen, v. l. n. r.: .38 Special, .44 Magnum, .45 ACP.

Da Revolver mit 6“-Läufen und schwere .44er auf Grund ihrer Dimensionen in der zivilen Selbstverteidigung kaum verbreitet sind, haben wir die weiteren Versuche mit dem kurzläufigen .38er „Chief’s Special“ durchgeführt.

Bei einer Schußentfernung von 5 m zeigten sich auf der Zehner-Ringscheibe (Durchmesser der Zehn: 100 mm) folgende Ergebnisse:

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Teilchenbeschleuniger 2: Verteidigung mit Kipplauf-Flinten

Bockdoppelflinte Baikal IJ 27

Von Deep Roots (ursprünglich veröffentlicht auf „As der Schwerter“ am 21. Oktober 2015; Links für hier angepaßt)

In dieser Fortsetzung zu meinem ersten Flintenratgeber „Teilchenbeschleuniger 1“ werde ich hauptsächlich auf die praktischen Aspekte der Verteidigung mit Kipplaufflinten eingehen, der wahrscheinlich verbreitetsten Flintenart. Diese wird wohl auch häufiger als halbautomatische und Repetierflinten von Leuten angeschafft oder zum Kauf in Erwägung gezogen werden, die bis dahin eher Waffenlaien waren und nur eine wirksame Schußwaffe für die Selbstverteidigung besitzen wollen. Die ballistischen Ausführungen in diesem Artikel werden natürlich auch für Besitzer anderer Flintenarten interessant sein; Wiederholungen von Informationen, die bereits im ersten „Teilchenbeschleuniger“-Artikel enthalten sind, sollen weitgehend unterbleiben.
Hier zunächst noch einmal kurz die aktuelle Situation bezüglich

ERWERB UND BESITZ VON KIPPLAUFFLINTEN UND FLINTENMUNITION

In Österreich war der Erwerb von Kipplaufflinten bis zum Inkrafttreten des Waffengesetzes 2010 am 1. Oktober 2012 für über 18jährige völlig frei und formlos möglich. Seit 1. Oktober 2012 muß der Neuerwerb solcher Flinten ins elektronische Zentrale Waffenregister des Innenministeriums eingetragen werden; davon abgesehen sind sie immer noch frei ab 18 Jahren erhältlich. Altbesitz von vor dem 1. Oktober 2012 erworbenen Kipplaufflinten (Waffen der Kategorie D) braucht NICHT NACHGEMELDET zu werden (außer bei Weiterveräußerung), man kann sie jedoch jederzeit freiwillig registrieren lassen. Siehe dazu den Leitfaden des BMI zum Zentralen Waffenregister (PDF, 12 Seiten).

Vor dem 1. Oktober 2012 erworbene Kipplaufflinten sind in Österreich also eine Möglichkeit, völlig legal eine nicht registrierte, sehr wirksame Schußwaffe zu besitzen!

Daß es diese Möglichkeit gibt, erstaunt mich immer noch. Sie beinhaltet nämlich für das Regime auch das Problem, daß kaum nachweisbar sein wird, daß eine Waffe aus solchem Altbesitz erst nach dem 1. Oktober 2012 privat den Besitzer gewechselt hat, wenn beide Parteien der Transaktion dazu schweigen oder wenn – in einem Erbfall – der Vorbesitzer nicht mehr lebt.
Oder daß man die Flinte in Wirklichkeit noch besitzt, wenn man behauptet, man hätte sie irgendwann vor dem 1. Oktober 2012 irgendwem verkauft, von dem man nicht mehr weiß, wie der hieß.

Flintenmunition kann in Österreich nach wie vor ab 18 Jahren völlig frei und formlos erworben werden.

In Deutschland gibt es solch ein Schlupfloch nicht, weil dort für den Erwerb von Kipplaufflinten schon bisher eine sogenannte „Gelbe Waffenbesitzkarte“ erforderlich war, weshalb vor dem aktuellen Waffenrecht erworbene Waffen dieser Art schon vorher behördlich erfaßt waren und von den jeweiligen Ordnungsämtern in das neue elektronische „Nationale Waffenregister“ eingetragen werden.

Die „Gelbe Waffenbesitzkarte“ wird für Sportschützen eines nach § 15 Waffengesetz anerkannten Verbandes nach § 14 Abs. 4 Waffengesetz erteilt und berechtigt zum Besitz von Einzelladergewehren mit glatten (Kipplaufflinten) und gezogenen Läufen, Repetierbüchsen, einläufigen Einzellader-Kurzwaffen für Patronenmunition und mehrschüssigen Kurz- und Langwaffen mit Zündhütchenzündung (Perkussionswaffen). Die Anzahl der Waffen ist nicht beschränkt, es dürfen aber in der Regel nur zwei Waffen innerhalb von sechs Monaten erworben werden. Weiters muß die erworbene Waffe in der Disziplin der Sportordnung eines anerkannten Schießsportverbandes zugelassen sein. Der Erwerb muß innerhalb von 14 Tagen bei der zuständigen Waffenbehörde angemeldet werden.

Die Waffenbesitzkarte für Sportschützen berechtigt zum Transport der nicht schußbereiten und nicht zugriffsbereiten Waffen zum jeweiligen Ereignis, also Transport zum Schießstand, und muß dabei zusammen mit dem Personalausweis oder dem Reisepaß mitgeführt werden.

Einen freien Munitionserwerb gibt es in Deutschland nicht; man benötigt dafür entweder einen Munitionserwerbsschein (MES), in den die Behörde die Munition einträgt, die der Berechtigte erwerben und besitzen darf, oder wenn man bereits ein waffenrechtliches Dokument besitzt (Waffenbesitzkarte, bei Jägern für Langwaffenmunition auch der gültige Jagdschein), erhält man die Munitionserwerbsberechtigung durch einen entsprechenden behördlichen Eintrag auf diesem Dokument. Die Munitionserwerbsberechtigung kann nur für bestimmte Kaliber oder Munition aller Art erteilt werden. Zwischen dem Besitz und dem Führen von Munition wird im Waffengesetz nicht unterschieden. Jede Person, die Munition am Mann trägt, besitzt lediglich.

FLINTENBALLISTIK, TEIL 1: STREUUNG UND SCHUSSBILDER VON FLINTEN

Flinten werden unter anderem deswegen gern von Leuten ohne viel Waffenerfahrung oder Möglichkeit zum Üben gekauft, weil sie bekanntlich mit jedem Schuß eine Garbe von Schrotkugeln abfeuern, die eine gewisse Streuung aufweisen, sodaß man meint, dafür keine besonderen Schießkünste zu benötigen, und in einem gewissen Ausmaß stimmt das auch. Flinten streuen jedoch nicht so gießkannenartig, wie Laien sich das oft vorstellen, und man muß auch mit ihnen zielen. Als Faustregel gilt, daß die Schrotladung aus Läufen mit Zylinderbohrung (also ohne Verengung zur Mündung hin) pro Meter Flugstrecke um ca. 2,5 Zentimeter auseinandergeht, zusätzlich zu den 18 mm Mündungsdurchmesser. Wie sieht die Streuung von Schrotschüssen nun in der Praxis aus? Um das herauszufinden und für unsere Leser anschaulich darstellen zu können, habe ich mehrere Versuche durchgeführt.

Für den ersten, dessen Ergebnisse ich hier vorstelle, habe ich eine Anzahl Schrotpatronen der Sorte Rottweil „Waidmannsheil“ mit Papphülsen, nominal 36 g Schrotvorlage und Schrotgröße 4 mm aus einer Bockdoppelflinte Baikal IJ 27 (siehe Titelbild dieses Artikels) verschossen. Auf der nachfolgenden Abbildung ist diese Patronensorte links als Schnitt dargestellt (rechts ein anderes Fabrikat mit Kunststoffhülse und Schrotbecher):

Zur Klärung von Fragen, die sich aus den für diesen Artikel durchgeführten Schießversuchen ergaben, habe ich ein Exemplar dieser Patronensorte sowie je eines von zwei weiteren Jagdschrotpatronensorten aufgeschnitten, um das jeweilige Zwischenmittel zu bestimmen sowie die Schrotkörner zu zählen und auf einer alten mechanischen Briefwaage zu wiegen.
Hier sind die Ergebnisse dieser Untersuchungen (bei denen ich auch feststellte, daß Schrotkügelchen in dieser Größenklasse nicht so makellos rund sind, sondern ein bißchen unregelmäßig geformt und teils sogar Abplattungen haben):

Rottweil 12/70 Waidmannsheil 4 mm, 36 g:
109 Kugeln mit 34,5 g Gesamtgewicht; Filzpfropfen, Papphülse

Dionisi 12/67 4 mm, 32g:
93 Kugeln mit 31 g Gesamtgewicht; Plastik-Schrotbecher, Kunststoffhülse

Rottweil 12/67 Fasan Jagd 2,7 mm, 28 g:
242 Kugeln mit 27 g Gesamtgewicht; Filzpfropfen, Papphülse

Geschossen wurde bei diesem Versuch mit den Rottweil „Waidmannsheil“ auf jeweils zwei leere, an den Längskanten zusammengeklebte Papierbögen im Format DIN A3 auf Entfernungen (ab der Mündung) von 5, 10 und 15 Metern, und zwar aus beiden Läufen. In der Mündung des unteren Laufes war ein Zylinderchoke eingeschraubt, in jener des oberen Laufes ein Halbchoke, um die Auswirkungen unterschiedlicher Chokes auf die Schußbilder zu ermitteln.

Hier ist das Ergebnis des ersten Schusses – aus dem Zylinderchoke auf 5 Meter:

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Teilchenbeschleuniger 1

Ein weiterer Krisenvorbereitungsartikel von Deep Roots (ursprünglich veröffentlicht auf „As der Schwerter“; zuletzt aktualisiert am 17. Oktober 2015 – Änderung bezüglich Zerlegen und Entspannen). [Anm. des Autors für die Nachveröffentlichung auf „Morgenwacht“: der erste Teil über die waffenrechtliche Situation in Österreich ist nunmehr historisch und gibt den Stand vor Inkrafttreten des aktuellen Waffengesetzes 2010 am 1. Oktober 2012 wieder. Ich lasse ihn aber trotzdem so drin. Wen’s nicht interessiert: einfach drüberscrollen bis „Waffengesetz-Novelle 2010“. Auch die Preisangaben entsprechen dem Stand von 2012.]

In diesem Beitrag möchte ich mich mit Flinten befassen, und da es hier um Volksbewaffnung geht, werde ich die halbautomatischen Flinten wie die Beretta im Bild oben sowie Repetierflinten ausklammern und mich auf Kipplaufflinten konzentrieren, die man in Österreich frei ab 18 Jahren erwerben kann und die noch bis zum Inkrafttreten der Waffengesetznovelle 2010 (am 1. Oktober 2012) ohne behördliche Registrierung erhältlich sind und auch danach nur im Falle der Weiterveräußerung gemeldet werden müssen.

Hier noch einmal der entscheidende Satz:

Ein- oder mehrläufige Kipplauf-Flinten sind (zumindest für Österreicher) noch bis 30. September 2012 die letzte Möglichkeit, legal eine behördlich nicht registrierte, recht wirksame Schußwaffe zu erwerben, die auch nach Inkrafttreten der neuen Waffengesetznovelle am 1. Oktober 2012 nicht gemeldet werden muß!

Nach dem bisherigen Waffengesetz 1996 sieht es für die einzelnen Waffenkategorien so aus:

Kategorie A – Verbotene Waffen:
Hierunter fallen Kriegswaffen, d. h. alles, was vollautomatisch schießt (Maschinenpistolen, Sturmgewehre und Maschinengewehre), behördlich nicht freigegebene militärische Halbautomaten sowie Vorderschaft-Repetierflinten (Pumpguns). Ohne behördliche Ausnahmebewilligung ist der Besitz dieser Waffen verboten.

Kategorie B – Genehmigungspflichtige Waffen:
Dies sind zum einen Faustfeuerwaffen (Pistolen und Revolver) sowie halbautomatische Büchsen und Flinten (wie die Beretta im Titelbild) und Repetierflinten, die keine Pumpguns sind (wie z. B. die Marlin Goose Gun, die ein Zylinderverschlußsystem hat).

Für den Erwerb solcher Waffen braucht man eine Waffenbesitzkarte oder einen Waffenpaß. Beide Dokumente erhält man erst ab 21 Jahren; die WBK berechtigt nur zum Erwerb der Waffen sowie zu deren Transport im ungeladenen, nicht zugriffsbereiten Zustand, der Waffenpaß entspricht dem deutschen Waffenschein und berechtigt nicht nur zum Besitz, sondern auch zum Führen der Waffen. Die Zahl der damit zu erwerbenden Waffen ist normalerweise auf zwei begrenzt, man kann jedoch bei der Waffenbehörde um Erweiterung ansuchen. Type etc. der jeweiligen Waffe werden nicht auf dem Dokument vermerkt, sondern liegen nur bei der Waffenbehörde auf. Beim Kauf bei einem Waffenhändler meldet dieser den Erwerb an die Behörde, die das waffenrechtliche Dokument ausgestellt hat, bei Veräußerung von Privat zu Privat (die nur an einen Inhaber eines der vorgenannten waffenrechtlichen Dokumente erfolgen darf) muß der Veräußerer seiner zuständigen Bezirkswaffenbehörde die Veräußerung melden sowie den Namen des Erwerbers und Nummer und ausstellende Behörde von dessen waffenrechtlichem Dokument angeben.

Auch Munition für Faustfeuerwaffen bekommt man nur mit einem der beiden waffenrechtlichen Dokumente!

Kategorie C – Meldepflichtige Waffen:
Diese Kategorie umfaßt alle Langwaffen (= Gewehre) mit gezogenem Lauf, die keine Voll- oder Halbautomaten sind, d. h. Repetierbüchsen (auch Militärkarabiner), Einzelladerbüchsen der verschiedenen Systeme sowie ein- oder mehrläufige Kipplaufbüchsen oder Kombinationswaffen (Bockbüchsflinten etc.), sofern auch nur ein gezogener Lauf (= Kugellauf) vorhanden ist. Dies betrifft auch Kleinkalibergewehre oder -läufe!

Waffen der Kategorie C können frei ab 18 Jahren erworben werden; wenn der Käufer ein waffenrechtliches Dokument (Waffenbesitzkarte oder Waffenpaß) besitzt, kann er das Gewehr gleich mitnehmen, ansonsten fragt der Händler nach Kaufabschluß erst bei der Behörde an, ob gegen den Käufer kein Waffenverbot besteht, und falls nicht, dann kann die Waffe drei Werktage nach Kaufabschluß („Abkühlfrist“) beim Händler abgeholt werden.

Die Meldung erfolgt in der Form, daß Art, Type, Seriennummer etc. der Waffe in ein Meldeformular eingetragen wird, von dem der Kunde das Original erhält, während eine Kopie beim Händler verbleibt, der sie sieben Jahre lang aufbewahren und den Sicherheitsbehörden auf Verlangen Einsicht gewähren muß.

Bei Weiterveräußerung der Waffe von Privat an Privat braucht man das Gewehr nicht bei seiner Behörde oder sonstwo abzumelden, sondern man muß dem Käufer nur mitteilen, wo man sie beim Kauf gemeldet hat, damit der Erwerber, der die Waffe seinerseits bei irgendeinem Fachhändler melden muß, das hierbei angeben kann. Ob der Erwerber das auch tatsächlich macht, entzieht sich dem Einfluß und der Verantwortung des Vorbesitzers. Das heißt, all diese Meldungen sind für die Behörde eigentlich wertlos, denn sie geben ja nur wieder, in wessen Besitz die Waffe im Zeitpunkt der Meldung gewesen ist. Was nachher damit geschehen ist, ob sie verkauft, verschenkt oder vererbt wurde, ist ja aus der Meldung nicht zu ersehen; die Meldung des neuen Besitzers konnte ja auch bei einem anderen Fachhändler oder auch gar nicht erfolgt sein, und die Meldungen sind nicht miteinander verknüpft. Vor Inkrafttreten der Waffengesetznovelle 2010 in Verkehr gebrachte Waffen der Kategorie C sind daher für die Behörde nicht greifbar, solange sie nicht bei dem von dieser Novelle vorgesehenen zentralen Waffenregister gemeldet werden.

Kategorie D:
Darunter fallen sämtliche Schußwaffen mit glattem Lauf, sofern es sich nicht um Schußwaffen der Kategorie A (Pumpguns) oder B (sonstige Repetierflinten sowie Halbautomaten) handelt, also ein- und mehrläufige Kipplaufflinten. Diese Waffen sind frei ab 18 Jahren erwerbbar; beim Kauf wird nur Name und Adresse des Käufers in das Waffenausgangsbuch des Händlers eingetragen. Wie bei den C-Waffen können D-Waffen von Käufern mit einem waffenrechtlichen Dokument gleich nach Kaufabschluß mitgenommen werden, ansonsten gilt dieselbe „Abkühlfrist“-Regelung wie bei den C-Waffen (Anfrage bei Behörde wegen Waffenverbot, Abholung drei Werktage nach Kaufabschluß). Die Weiterveräußerung an Dritte (sofern diese über 18 Jahre alt sind) kann nach der derzeit noch gültigen Rechtslage formlos und ohne irgendeine Meldepflicht erfolgen.

Waffengesetz-Novelle 2010:

Diese wurde zwar bereits am 16. Juni 2010 vom Parlament beschlossen, um der Forderung der EU-Waffenrichtlinie (Beschluß bis spätestens Ende Juni 2010) nachzukommen, wird aber erst dann vom Innenminister per Verordnung in Kraft gesetzt werden, wenn das neue elektronische Waffen-Zentralregister in Betrieb ist, was voraussichtlich irgendwann im Laufe des Jahres 2012 der Fall sein wird. [Aktualisierung: Das Gesetz ist per 1. Oktober 2012 in Kraft getreten.] Zwecks umfassender Information über das neue Waffengesetz siehe den obigen Link; hier sollen nur die zwei wesentlichen Konsequenzen für die Waffen der Kategorien C und D angeführt werden:

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