Was der Kapitalismus noch zu sagen hat

Von Michael Walker, übersetzt von Lucifex. Das Original What Capitalism Has Left to Say erschien am 12. August 2019 auf Counter-Currents Publishing. [Anm. d. Ü.: der Originaltitel könnte ein doppeldeutiges Wortspiel sein, mit der möglichen anderen Bedeutung: „Was der Kapitalismus der Linken zu sagen hat“.]

Charles Robin
La gauche du capital: libéralisme culturel et idéologie du Marché
Paris: Krisis, 2014

Auf den Fußspuren von Jean-Claude Michéa (dessen Our Enemy: Capital ich für Counter-Currents rezensiert habe) veröffentlichte Charles Robin, ein ehemaliger Militanter in der Linksaußenpartei Nouveau parti antcapitaliste (NPA), im Jahr 2014 ein Buch mit dem Titel La Gauche du Capital: libéralisme culturel et idéologie du Marché (Die Linke des Kapitals: Kulturliberalismus und Marktideologie). Es besteht aus einer Anzahl kritischer Essays über den Liberalismus und seine typische Beziehung zum Kapitalismus. Der erste davon, „Le Liberalisme comme Volonté et comme Representation“ („Liberalismus als Wille und Idee“) ist bei weitem der längste und nimmt 86 der 243 Seiten ein. Diese Wortschöpfung, die dem Titel von Arthur Schopenhauers berühmtestem Werk (Die Welt als Wille und Idee) entlehnt ist, verweist auf die Hauptthese des Buches, nämlich daß es nicht viele unabhängige Arten von Liberalismus gibt, sondern nur eine: eine monolithische, „totalisierende“ (Robin verwendet nicht das Wort „totalitär“) Weltsicht, getrieben vom Willen, alles plattzumachen und zu vernichten, was sich ihr widersetzt.

Robins Ziel ist, eine radikale Untersuchung des Liberalismus zu liefern. Sein Argument ist, daß alle Arten von Liberalismus – insbesondere einschließlich dessen, was er als die beiden Hauptformen sieht, den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Liberalismus – Manifestationen einer Ideologie sind und ontologisch in Wechselbeziehung stehen. Eine Analogie von Pierre Bérard im selben Sinne wird aus einem Interview für das französische „neurechte“ Journal Éléments zitiert: Zusammen, sagt er, demonstrieren der Liberalismus in der Wirtschaft und der gesellschaftliche Liberalismus „die sehr hervorstechende Versöhnung des Castor und Pollux des doppelten liberalen Denkens.“[1] Im selben Sinne lautet Robins Argument, daß die „menschliche Vielfalt“, die überall in der westlichen Welt gepriesen wird, sich auf der einen Seite im Engagement der Linken für „freie Bewegung von Menschen“ und „keine Grenzen“ widerspiegelt und auf der anderen Seite im Engagement des Kapitalismus für „die freie Bewegung von Kapital und Arbeitskräften.“ Engagement für Toleranz und Vielfalt und Engagement für Fortschritt und Profit sind dasselbe Engagement, da sie derselben liberalen Quelle entspringen.

Liberalismus wird von verschiedenen Autoren und sogar in verschiedenen nationalen Traditionen in sehr verschiedener Weise verstanden. Liberalismus scheint in Frankreich, Britannien und den Vereinigten Staaten nicht dasselbe Phänomen auszudrücken. Ich sage „scheint“, weil es genau Robins Überzeugung ist, daß verschiedene Autoren in der Betrachtung verschiedener Aspekte des Liberalismus nicht mehr oder weniger recht haben, sondern keine holistische Sicht auf den Liberalismus haben und ihn daher nicht richtig verstehen. Diejenigen, die den Liberalismus als nur links sehen, als nur laissez-faire-kapitalistisch oder nur als permissive Gesellschaftspolitik, betrachten den Liberalismus, ohne das zu erkennen, was Robin die „Prüfsteine“ der liberalen Ideologie nennt.

Überraschenderweise streicht Robin nicht die verschiedenen Konnotationen hervor, die das Wort „liberal“ in verschiedenen Ländern zu haben tendiert, Konnotationen, die durch Unterschiede in der nationalen Geschichte erklärt werden können. Wie entstand der Liberalismus? In Britannien bezog der Begriff sich ursprünglich auf die sogenannten Whigs – die protestantischere Klasse von Freihändlern, die den liberalen Manchesterkapitalismus förderten, der mehr Rechte für die Stadt und die Produktion gegenüber den wirtschaftlichen Interessen der Landwirtschaft und des Reichtums aus Landverpachtung forderte (tatsächlich wurde die erste große liberale Tageszeitung in England in Manchester veröffentlicht, der Manchester Guardian). Die Gegner der Whigs wurden durch die Partei der Krone repräsentiert, die Tories. Im Laufe der Zeit und besonders mit dem Aufstieg der Labour Party wurde der Begriff „liberal“ zumindest in Britannien zunehmend als auf jene bezogen verstanden, die einen gemäßigten dritten Weg zwischen den Kräften des Konservatismus und der Empires auf der Rechten und der Herausforderung des Sozialismus und der internationalen Arbeiterrevolution auf der Linken suchten.

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Der Mut zum Mitleid

Von Tyler Hamilton, übersetzt von Lucifex. Das Original The Courage of Compassion erschien am 26. Juni 2019 auf Counter-Currents Publishing. (Die Verlinkung im Text und das zweite Bild wurden vom Übersetzer hinzugefügt.)

Ein paar Monate sind vergangen, seit ein fünfjähriger Junge, Landen, in der Mall of America von einem Individuum namens Emmanuel Deshawn Aranda von einem Balkon im dritten Stock geworfen wurde. Emmanuel hatte an diesem Tag einen Mord geplant und bei seiner Verurteilung ausgesagt, daß er von seiner Reihe von Zurückweisungen durch Frauen in dem Einkaufszentrum verärgert gewesen war. Er sitzt jetzt neunzehn Jahre im Gefängnis ab; ein klares Beispiel für eine ungerechte Strafe, besonders wenn man sie neben der Notlage unserer eigenen politischen Gefangenen betrachtet, die Gefängnisstrafen für das Verbrechen des Falschdenks absitzen.

Noah Landon und Emmanuel Deshawn Aranda (Anm. d. Ü.: hab‘ ich’s mir beim Namen „Deshawn“ doch gleich gedacht!)

Aber ich möchte den Fokus hier auf Landons Notlage verlagern. Ein Bild, das mir nach der Tragödie auffiel, war das von Gemeindemitgliedern, die einen Haufen von Geschenken im Einkaufszentrum hinterließen, an der Stelle, wo der Junge landete. Plüschtiere und Spielzeug, die Werkzeuge der Fantasie eines Kindes, lagen auf dem Boden; es war sehr bewegend, in derselben Weise, wie wenn wir über einen Spielplatz gehen, den wir als Kinder oft besuchten, oder wenn wir im Sommer durch die leeren Hallen einer Universität gehen. Man bekommt das vertraute Gefühl von Abwesenheit, wenn man einen Haufen unbenutzt daliegender Plüschtiere sieht, im Wissen, daß das Kind, für das sie sind, in einem Krankenhaus leidet. Während wir das Zusammenkommen der Gemeinde und ihr Mitgefühl erlebten, wurde es durch Leiden herbeigeführt, das nicht hätte passieren dürfen. Zum Glück erholt Landen sich, auch wenn er nach und nach mehr chirurgische Eingriffe brauchen wird, um zu einem normalen Leben zurückzukehren. Am 4. Juni aktualisierten Landens Eltern ihr GoFundMe-Konto mit Erklärungen über die Auswirkungen. Sie sind zutiefst christlich, und die Aussagen widerspiegeln Vergebung für den Angreifer – nicht im Sinne eines Verzeihens seines Angriffs, sondern in der Weigerung, sich von ihm die Liebe und die Freude wegnehmen zu lassen, die die Familie hat. Was mir an den Aussagen am meisten auffiel, war der Punkt des Vaters, daß der Junge für Emmanuel ein namenloses Opfer war, während sein Name für Gott und seine Familie ein Zeugnis ist.

Während Landen überlebte und ein Zeuge für die Einigung seiner Gemeinschaft ist, gibt es andere Namen, an die wir uns erinnern, die nicht überlebten. Wie bei Landen wurden ihre Namen und Geschichten schnell von den Mainstream-Medien vergessen und zugunsten des nächsten Aufregerartikels zur Anstachelung der nützlichen Idioten begraben. Dazu gehören Ebba Åkerlund, ein 11jähriges Mädchen, das bei einem Terroranschlag in Stockholm getötet wurde, zusammen mit Lena Wahlberg, Chris Bevington und Maïlys Dereymaeker. In einer weiteren völlig verhinderbaren Situation fuhr Rakhmat Akilov einen 30-Tonnen-Bierlaster die Haupteinkaufsstraße entlang, um Fußgänger niederzumähen. Er behauptete, den Islamischen Staat zu unterstützen, und doch protestierte er angeblich auch gegen die Bombardierung von Syrien zu der Zeit. Was immer seine Motive waren, der Kernpunkt ist, daß er von Anfang an nie hätte in Schweden sein sollen. Wir müssen sicherstellen, daß die Namen dieser Opfer nicht in die Anonymität entschwinden, sondern Zeugnisse für den Verlust von Leben werden, die vom gegenwärtigen System zugefügt werden. Das quälende Gefühl des Verlusts kehrt zurück, wenn wenn wir über die Opfer nachdenken. Ebba und die anderen hatten ebenfalls Hoffnungen, Charakter und eine Zukunft, die ihre eigenen waren.

Aber was ist mit denen, die wahrhaft anonym sind? Wir wissen alle von der Mitleidsindustrie. An den meisten Tagen werden wir beschworen, Geld zu spenden, um jenen in Übersee zu helfen, oder für eine Sache (die nie unsere eigene ist), zur Melodie des antiweißen Selbsthasses, der für die Aufrechterhaltung des Globalismus so notwendig ist. Bei all dem wird das Leiden auf Distanz gehalten. Das Leiden wird externalisiert und anonym – dafür gedacht, euer Herz zu rühren, aber auch dazu, euch mit einer Gelegenheit zur Selbstgerechtigkeit in Versuchung zu führen, indem ihr turnusmäßige Zahlungen [Daueraufträge] für eine Sache in irgendeinem anderen Teil der Welt einrichtet, was euch von dem Privileg und dem Schuldgefühl entlastet, das zu empfinden von euch wegen eurer Volkszugehörigkeit erwartet wird. Egal, was um euch herum vorgeht. Sie bieten euch einen Ablaß, der euch von weißer Schuld reinigen wird – zumindest bist sie etwas anderes von euch wollen. Diese fabrizierte Form von Mitleid ist mit keinem Risiko verbunden; es ist so leicht, wie Lebensmittel einzukaufen. Ihr könnt dann das Gefühl haben, daß ihr eure moralische Pflicht getan habt, und euch versichern, daß ihr ein guter Mensch seid. Wenn wirkliches Leiden in eurer eigenen Gemeinschaft, verursacht durch katastrophale weißenfeindliche Politik und liberalen Nihilismus, euch zur Kenntnis gebracht wird, dann nur, damit es verleugnet oder wegerklärt werden kann. Es ist dann kein Zeugnis mehr. Somit ist das Leiden in euren eigenen Gemeinschaften wahrhaft anonym.

Hier müssen wir unsere Verantwortung gegenüber unserer eigenen Gemeinschaft wiederentdecken. Der einzige Weg, uns über dieses weite Meer konkurrierender Signale nach moralischer Aufmerksamkeit zu erheben, besteht im direkten Handeln. Die Ressourcen, die unsere Leute zum Überleben brauchen, existieren nicht, da sie in der Mitleidsindustrie nicht modisch sind. Doch das System, unter dem wir leiden, hat Familien zerbrochen, das Individuum atomisiert, zu Verwirrung und Mißbrauch beigetragen und uns Bedeutung genommen. Die Selbstmordraten schießen in die Höhe, und Tod durch Überdosis ist eine Epidemie. Hier muß die Dissidente Rechte ihre wahre Verantwortung wiederentdecken, indem sie anbietet, hinzugehen und zu helfen, wo die Regierung und die Mitleidsindustrie uns auf Distanz halten wollen. Solange die Realität des Leidens unter ethnischen Europäern verleugnet wird, ist es unsere Pflicht, auf lokaler Ebene für seine Linderung zu arbeiten.

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Über Polygamie, das Heiraten der eigenen Cousine, und Terrorismus

Von Aedon Cassiel, übersetzt von Deep Roots. Das Original On Polygamy, Marrying Your Cousin, & Terrorism erschien am 17. März 2017 auf Counter-Currents Publishing.

Ein beliebtes Argument lautet, daß Terrorismus grundsätzlich eine Reaktion auf die US-Außenpolitik ist – daß, selbst wenn islamische Terroristen ihren Zorn in religiösen Empfindungen formulieren, selbst wenn sie glauben, daß die Vereinigten Staaten tatsächlich ein „Großer Satan“ sind, der einem weltweiten islamischen Kalifat unterworfen werden sollten, das nur wegen des amerikanischen „Imperialismus“ so ist, daß sie mit diesen ideologischen Reaktionen um sich schlagen.

Der Wissenschaftler Robert Pape hat für diese These detailliert in zwei verschiedenen Büchern argumentiert, Dying to Win: The Strategic Logic of Suicide Terrorism, veröffentlicht 2005, und Cutting the Fuse: The Explosion of Global Suicide Terrorism and How to Stop It, veröffentlicht 2010. The Nation bezeichnet ihn als „[den] Mann, der jeden Selbstmordanschlag der Welt studiert hat.“

Seiner Analyse zufolge „ist ausländische militärische Besetzung für 98,5 % – und die Entsendung amerikanischer Kampftruppen für 92 % – aller 1833 selbstmörderischen Terroranschläge überall auf der Welt in den vergangenen sechs Jahren [2004 – 2009] verantwortlich.“ Tatsächlich waren zu der Zeit, in der er seine Analyse erstellte, die Tamilentiger von Sri Lanka – die eine sälulare, marxistische Gruppe von Hindu-Nationalisten waren – die weltweit führende unter den für Selbstmordterror verantwortlichen Gruppen.

Lassen wir die Tatsache beiseite, daß, wenn es um moslemischen Unmut wegen der US-„Besetzung“ der moslemischen Welt geht, die amerikanische Präsenz in Saudi-Arabien mindestens so beleidigend ist, wenn nicht mehr, als die amerikanischen Interventionen in anderen Gebieten.

Warum? Bombardieren „die Amerikaner und ihre Verbündeten“ Mekka? Bombardieren sie die an-Nabawi-Moschee in Medina?

Nein.

Die amerikanische Präsenz in Saudi-Arabien ist beleidigend, weil es „das Land der zwei heiligen Stätten“ ist, und es ist daher, in den Worten von Bin Laden, „eine individuelle Pflicht für jeden Moslem, der es tun kann, in jedem Land, wo das möglich ist … die Amerikaner und ihre Verbündeten zu töten … Zivilisten und Militärs … um die al-Aqsa-Moschee und die heilige Moschee [Mekka] aus ihrem Griff zu befreien…“

Es sind ein paar interessante Fakten zur U.S.-„Besetzung“ von Saudi-Arabien anzumerken. In Saudi Arabia: The Ceaseless Quest for Security stellt Nadav Safran von der Harvard University fest, daß der Strom von Moslems, die für die Hadsch genannte jährliche religiöse Pilgerfahrt nach Mekka und Medina reisen, sich nach 1929 infolge der Großen Depression zu einem Rinnsal verlangsamte. Saudi-Arabiens Abhängigkeit von den Einnahmen aus der Pilgerfahrt ist so stark, daß diese Verlangsamung die bloße Existenz des Landes bedrohte – sodaß König Ibn Saud 1933 der Standard Oil of California eine Ölkonzession gewährte, trotz der Tatsache, daß dieses Abkommen „von den religiösen Führern bitter bekämpft wurde mit der Begründung, daß es Ungläubige ins Land lassen würde, die das Volk korrumpieren und Spirituosen, Phonographen [Plattenspieler] und andere Instrumente des Teufels einführen würden.“

Laut der Air Force Historical Research Agency brachte das Ende des Zweiten Weltkriegs einen Stopp der Ölentwicklung und verlangsamte erneut die Rate der Pilgerfahrten. Standard Oil nahm dann Einfluß auf die US-Regierung, daß diese Saudi-Arabien Hilfe durch das Lend-Lease-Programm gab (das laut dem von New Yorks Senator Mead geleiteten Investigating Committee Saudi-Arabien bis 1945 Hilfe im Wert von zwölf Millionen Dollars geliehen hatte). Im Austausch dafür erlaubte Saudi-Arabien amerikanischen Flugzeugen auf dem Weg in den Fernen Osten ab 1942, in Saudi-Arabien zum Auftanken zwischenzulanden. Als daher die Vereinigten Staaten später Ibn Saud ersuchten, ob sie zu diesem Zweck 1944 ihren eigenen Luftstützpunkt in Dhahran bauen konnten, sagte der König ja, und der Bau war 1946 abgeschlossen.

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