Wie COVID-19 den Westen auf die Probe stellen wird

Von Dr. Andrew Joyce, übersetzt von Lucifex. Das Original How COVID-19 Will Test the West erschien am 21. März 2020 auf The Occidental Observer.

„Wenn der Ärger kommt, wenn man ihn am wenigsten erwartet, dann sollte man ihn vielleicht immer erwarten.“

Cormac McCarthy, The Road

Zum jetzigen Zeitpunkt über COVID-19 zu schreiben, ist eine entmutigende Aufgabe, nachdem die Situation sich so schnell und an so vielen verschiedenen Orten entwickelt. In diesem Artikel enthaltene Informationen könnten durch umformende Ereignisse gründlich überholt sein, bis er veröffentlicht wird, oder sogar bis ich ihn fertigstelle und auf „Speichern“ klicke. Es gibt zur Zeit auch eine Schwemme von Informationen online, manches davon verläßlich und faszinierend, und manches davon irreführend und kontraproduktiv. Überall gibt es eine Mischung aus wachsender Besorgnis, aufeinanderprallenden Meinungen und ausgesprochener Verwirrung. Falls die interaktive Karte des Johns Hopkins Coronavirus Resource Center stimmt, dann gibt es gegenwärtig weltweit 284.566 Fälle von COVID-19, eine wachsende Zahl. Die „wahre“ Zahl der Infektionen, in der Virusträger ohne Symptome enthalten sind, wird viel höher sein. Ab 24. Februar entstand eine sich beschleunigende Zahl von neuen Übertragungen außerhalb Chinas, vorwiegend in Italien, wo es gegenwärtig über 47.021 Fälle gibt. Zu der Zeit, wo ich dies schreibe, erleben Frankreich und Deutschland ebenfalls schnelle Zunahmen der betroffenen Personen, die zusammengenommen über 33.000 Fälle ausmachen, und Spanien steht mit über 25.364 vor einer nationalen Sperrung. Fast jedes europäische Land ist jetzt betroffen, und COVID-19 breitet sich nun in den Vereinigten Staaten, in Kanada, Südafrika, Neuseeland und Australien aus. Wie wird es den Westen auf die Probe stellen?

Beziehungen zu China

Frühe Spekulationen über COVID-19, besonders in dissidenten Kreisen, drehten sich um Verschwörungstheorien, daß das Virus künstlich geschaffen sei, und daß es entweder von den Vereinigten Staaten ausgebracht oder versehentlich aus dem Virologischen Institut von Wuhan freigesetzt wurde. In den letzten Tagen ist die erstere Theorie bereitwillig von den Chinesen selbst aufgegriffen worden, mit dem zusätzlichen Detail, daß COVID-19 vielleicht durch amerikanische Soldaten während der Military World Games freigesetzt wurde, die vom 19. – 27- Oktober 2019 in Wuhan abgehalten wurden. Laut dem Epidemiologen Michael Osterholm in einem sehr interessanten Interview mit Joe Rogan ist es möglich, die Ursprünge des menschlichen COVID-19 durch einen Prozeß ähnlich der Kohlenstoffdatierung zu datieren, und Wissenschaftler haben nun Daten, die darauf hindeuten, daß COVID-19 zum ersten Mal Mitte November 2019 aktiv wurde. [Anm. d. Ü.: das Video dauert 1:34:10]

Ron Unz hat gefragt:

Wie würden Amerikaner reagieren, wenn 300 Offiziere der Volksrepublik China Chicago besucht hätten und unmittelbar danach eine tödliche neue Seuche in dieser Stadt ausgebrochen wäre, mit einem großen Risiko, daß sie sich im ganzen Land ausbreitet? Ist es nicht auch ziemlich verdächtig, daß der Iran so hart getroffen worden ist? Die beiden Länder auf der Welt, die gegenwärtig der amerikanischen Feindseligkeit am meisten ausgesetzt sind, tendieren also dazu, einfach besonders „Pech“ zu haben. Es traf China gerade vor dem Neujahr des Mondkalenders, zur absolut schlechtestmöglichen Zeit, und das Epizentrum war Wuhan, ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Es erscheint wirklich als *erstaunlicher* Zufall, daß 300 amerikanische Militärangehörige Wuhan gerade vor dem Ausbruch besucht hatten, zu einem Höhepunkt der internationalen Spannung.

Abgesehen natürlich vom Timing scheint es wenig oder keine Beweise dafür zu geben, daß dies ein Biowaffenangriff war. Am offensichtlichsten ist, daß man annehmen würde, daß jeder versuchte Biowaffenangriff der Vereinigten Staaten auf China viel verdeckter stattfinden würde, als das, was behauptet wurde (eine absichtliche Freisetzung durch eine öffentlich sehr sichtbare Gruppe von Soldaten). Und während wir wissen, daß SARS-ähnliche Viren, die auf dem Fledermaus-Coronavirus beruhen, im Labor entwickelt werden können, ist das Genom von COVID-19 auch zahllose Male untersucht worden, mit dem Ergebnis, daß es jetzt auf MedRXiv über 300 Artikel betreffend die Struktur, Natur und Herkunft des Virus gibt. Keiner dieser Artikel hat irgendetwas aufgezeigt, das auf einen künstlichen Ursprung irgendeines Aspekts von COVID-19 hindeutet.

Verschwörungstheorien über den Ursprung von COVID-19 sind natürlich ein sehr gelegen kommendes und nützliches Mittel für die chinesische Regierung, denn sie lenken die Aufmerksamkeit von der Tatsache ab, daß der Ausbruch mit Leichtigkeit schlechter Regierungsführung und dem Kommunismus selbst zugeschrieben werden kann. Ich finde die Idee, daß das Virus seinen Ursprung auf einem „wild food“-Markt in Wuhan hatte, völlig schlüssig (siehe diese Dokumentation von 60 Minutes Australia und diesen kurzen Artikel von Vox), und das hat direkte Konsequenzen für die Wahrnehmung des chinesischen Kommunismus. Der Verzehr „exotischer“ Nahrungsmittel ist selbst ein Vermächtnis der Großen chinesischen Hungersnot von 1959 – 1961, nach der die Regierung private Landwirtschaft erlaubte, aber nicht das Monopol großer Firmen auf die Zucht von konventionellem Vieh verhinderte. Die Bauern, die über die Preise aus dem Markt gedrängt wurden, griffen in großer Zahl auf die Haltung von Wildtieren zurück, besonders – im Anfangsstadium – auf die Haltung von Schildkröten. Nachdem dies den Hunger in gewissem Ausmaß eindämmte, unterstützte die Regierung diese Initiativen und förderte dann 1988 die Domestizierung und Zucht von Wildtieren ausdrücklich per Gesetz. Die Wildtierhaltung wurde über Nacht zu einer Industrie. Bären, Schlangen, Nagetiere, Echsen und Fledermäuse begannen in Massen für den menschlichen Verzehr produziert zu werden und wurden auf Massenmärkten in vielen der größten Städte des Landes verkauft. Auf diesen Märkten werden viele Arten, lebendig und tot, in Käfigen übereinandergestapelt, wobei die Tiere in Cocktails aus Urin und Fäkalien getränkt werden – jeder Käfig eine Petrischale für die Entwicklung neuer Krankheiten, besonders solche der Atemwege, mit dem Potential, von Myriaden von Säugetieren auf Menschen überzuspringen. Zusammen mit dem Versäumnis, im Januar 2020 entschiedene Vorbeugungsmaßnahmen zu treffen, und ohne verschwörungstheoretische Spekulationen ist die Entstehungsgeschichte von COVID-19 letztendlich eine Anklage der chinesischen Politik und Kultur.

Wie diese Anklage sich auf die Beziehungen zwischen dem Westen und China auswirken wird, bleibt noch abzuwarten. Die Carnegie-Stiftung für internationalen Frieden hat spekuliert, daß der Coronavirus-Ausbruch, während der gegenseitige Argwohn zwischen den Chinesen und den Vereinigten Staaten hoch bleiben wird, keine bedeutende Auswirkung auf den Handel zwischen den beiden Ländern haben wird und tatsächlich bei der Deeskalierung einiger vorheriger wirtschaftlicher Spannungen helfen könnte und dazu die Aussetzung von Zöllen gehören könnte. Auf längere Sicht hat COVID-19 jedoch die Diskussion über die Notwendigkeit beschleunigt, in der Produktion von Gütern von China unabhängiger zu werden. Mehrere multinationale Konzerne mit auf China gestützten Versorgungsketten, die bereits wegen des amerikanisch-chinesischen Handelskriegs die Diversifizierung ihrer Versorgungsketten erwogen haben, werden ihre Pläne jetzt wahrscheinlich vorantreiben. Apple zum Beispiel beabsichtigt, die Herstellung seiner Produkte (einschließlich AirPods und Apple Watches) wegen des Coronavirus nach Taiwan zu verlegen. In Washington haben Kongreßabgeordnete den Ausbruch benutzt, um eine Verringerung der amerikanischen Abhängigkeit von China zu fordern, besonders für verschreibungspflichtige Medikamente, medizinisches Material und andere kritische Ressourcen. Nachdem Europa (besonders Deutschland) der weltgrößte Hersteller von Medikamenten ist, werden wir wahrscheinlich eine allmähliche Abkopplung der Vereinigten Staaten von der chinesischen Produktion erleben und eine größere Integration des europäisch-amerikanischen Handels. Brexit-Britannien, bei dem die Chinesen bis vor Kurzem ein großes Potential für einen lukrativen Handels- und Investmentdeal sahen, könnte sich jetzt mehr als eine Erkältung präsentieren als zuvor gedacht. Die EU, die sich bereits einem erhöhten chinesischen Wirtschaftseinfluß widersetzt, wird sich wahrscheinlich ebenfalls noch mehr gegen chinesische Annäherungen sperren. Einige der dauerhaften Herausforderungen von COVID-19 werden sein, wie der Westen sich von wirtschaftlicher Abhängigkeit von chinesischer Produktion distanzieren kann, welche Auswirkung das kurz- und langfristig haben wird, und wie die Chinesen reagieren werden.

Migrantendruck

Die ersten europäischen Ausbrüche von COVID-19 fielen schicksalhaft mit einer aggressiven zweiwöchigen Operation der Türkei an ihrer Grenze zu Griechenland zusammen, die die Bewegung Tausender syrischer und afrikanischer Migranten beinhaltete. Ab Ende Februar verkündete die türkische Regierung, daß sie Migranten, die Europa zu erreichen versuchen, nicht länger daran hindern würde, trieb dann Tausende zur griechischen Grenze und übertrug den Prozeß per Livestream, um weitere zum Nachfolgen zu ermutigen. Der Schritt wurde weithin als Versuch verstanden, europäische Unterstützung für den militärischen Feldzug der Türkei und Nordsyrien zu erzwingen, und auch als Versuch, mehr Geld von der EU zu erpressen. Obwohl der Versuch nun beendet zu sein scheint, nachdem die Türkei sich angesichts des griechischen Widerstands zurückzog, wird Europa diese metaphorische „menschliche Pistole“ weiterhin an die Schläfe gedrückt.

COVID-19 wird das breitere Migrantenproblem verschärfen. Es wächst bereits das Gezeter, daß Migrantenlager an Europas Grenzen aus Gesundheitsgründen evakuiert werden sollten, wobei den Migranten die Einreise nach Europa erlaubt würde. Ärzte ohne Grenzen hat behauptet, daß unhygienische und beengte Lebensbedingungen bedeuten, daß COVID-19 sich sehr schnell ausbreiten kann und daß social distancing und Händewaschen schwieriger sind. Während Europa Massenversammlungen verbietet, heißt es, daß Menschen in diesen Lagern nichts haben, wo sie hinkönnen. Sogar innerhalb europäischer Länder ist der Ausbruch mit Aufrufen nach Amnestien und nach der Öffnung von Anhaltezentren für Migranten verbunden worden. Im Vereinigten Königreich haben Anwälte und Aktivisten gefordert, daß Hunderte Insassen von Einwanderungszentren herausgelassen werden „wegen Befürchtungen, daß sie sich das Coronavirus zuziehen, während sie eingesperrt sind.“

Das Problem mit solchen Aufrufen ist, daß sie alle COVID-19 als eine tödliche Seuche darzustellen scheinen, die alle auf ihrem Weg hinschlachtet, statt als etwas, das die am schwersten Kranken unter den Alten und Gebrechlichen befällt. Wie wohlbekannt ist, liegt das Durchschnittsalter von Europas Möchtegern-Zuwanderern, besonders jener aus Syrien, irgendwo um Ende 20. Bei der bekannten Fortschreitung von COVID-19 bei Menschen in dieser Alterskategorie sind Forderungen, Massenzuströme von Migranten rein wegen des Ausbruchs zu erlauben, wie Forderungen nach offenen Grenzen, weil potentielle Einwanderer sich ansonsten eine Erkältung holen könnten. Solche Aufrufe reiten jedoch wahrscheinlich auf einer von den Medien herbeigeführten Panikwelle, und die Entschlossenheit des Westens, sich weiteren Migrantenströmen zu widersetzen, wird in den kommenden Wochen und Monaten in der Tat durch verdrehte Formen von moralischer Erpressung auf die Probe gestellt werden.

Leben und Tod unter dem Liberalismus

Wie in meiner Rezension von Don DeLillos White Noise (1985) festgestellt, leben wir in einer verfallenden Gesellschaft, die sich in krankhafter Weis vor dem Tod fürchtet. Diese Pathologie wurzelt in irrigen Vorstellungen, daß unsere Zivilisation an Krankheitsepidemien, Klimakatastrophen etc. stirbt oder ihr das unmittelbar bevorsteht, inmitten eines vorsätzlichen und ignoranten Verzichts auf eine Zukunft (mittels Selbsthass und industrialisierter Abtreibung) zugunsten von Masseneinwanderung, Konsumismus und sofortiger Befriedigung. Während man sich dem Tod stellen muß, um wahrhaft zu leben (oder nach Heideggers Philosophie „authentisch“ zu werden), befindet unsere Gesellschaft sich auf einer ständigen Flucht vor dem Tod und kollabiert dadurch in einen unauthentischen Verfall. COVID-19 ist, während es nicht so tödlich ist, wie es die Medienberichterstattung andeutet, so doch eine Erinnerung an unsere Sterblichkeit und menschliche Zerbrechlichkeit und wird zwangsläufig eine Wirkung auf den westlichen Liberalismus haben, der sich von der Konfrontation mit dem Tod zunehmend entfernt hat.

Das Leben unter dem liberalen Finanzkapitalismus ist großteils eines der Illusion, in der die Aussicht auf wirklichen Tod weit in die Ferne hinausgeschoben wird, sowohl psychologisch als auch kulturell. Die postmoderne westlich-liberale Kultur ist zum Großteil eine der dauerhaften Pubertät, in der die vorrangigen Tugenden das Handeln nach dem eigenen individuellen Willen, die Selbstidentifikation in hyperindividualistischer Weise und der Ausdruck dieser Identitäten durch auffälliges Konsumieren und Verhalten sind. Wir „leben“ nicht „auf den Tod hin“, mit einem Gefühl des Sinns und einem Gefühl, daß wir Teil eines viel größeren zivilisatorischen Entwicklungsweges sind. Wir verstehen nicht, daß der Tod unseren historischen Weg geformt hat und daß er auf Arten über uns hängt, die unsere Handlungen in der Gegenwart leiten sollten.

COVID-19 ist ungeachtet der gegenwärtigen Verwirrung um seine wahre Sterblichkeitsrate ein Korrektiv für Illusionen, daß der „fortschrittliche“ Mensch die Natur überwunden hat und die Welt nach dem menschlichen Ebenbild formen kann, und das ohne Konsequenzen. Ich habe mich sicherlich während meines ganzen Lebens an Behauptungen gewöhnt, daß die Lebenserwartung weiter zunehmen wird und daß es einen endlosen Nachschub an Innovationen und gesellschaftlichen Projekten geben wird, die die Mechanik des Lebens leichter und produktiver machen werden. Man erwartet zunehmend, daß man ein langes Leben haben wird, zum Großteil bei sehr guter Gesundheit. Solch ein Gefühl der Sicherheit kann alle möglichen Arten von Arroganz und Fantasien züchten, einschließlich des neuesten perversen Luxus der Illusion, daß man einfach entscheiden kann, dieses oder jenes Geschlecht zu sein. Dieses neue Virus präsentiert jedoch die Möglichkeit, sowohl für sich genommen als auch in seinen unvermeidlichen Erben, daß der Tod viel näher ist, als wir jemals dachten, und daß die Natur bei all unserem technologischen Fortschritt und unserer Selbstgratulation nur ein Molekül zu verändern braucht, so klein, daß unsere bloßen Augen es niemals wahrnehmen könnten, und das Grab öffnet sich vor uns. Das Zeitalter der Fantasie wird mit der ultimativen Realität konfrontiert.

Wie der Westen auf diese Erkenntnis reagiert, wird eine weitere kulturelle Herausforderung sein. Wir haben uns gleichermaßen an die Idee gewöhnt, daß wir „moralisch“ als Gesellschaft fortgeschritten sind und daß wir einige der „roheren“ Aspekte der menschlichen Existenz überwunden haben, die wir in der Vergangenheit wahrnehmen. Aber in einer Welt des scheinbar zunehmenden Überflusses können solche Vorstellungen schwer zu testen sein. Es ist immer leicht für einen Mann mit einem vollen Magen, die Handlungen der Hungernden zu verurteilen. Die Einbildung des Westens mit seinem vollen Bauch, daß er sich überwunden habe und über sich hinausgewachsen sei, wird nun auf die Probe gestellt werden. Ich entstamme natürlich einer politischen und philosophischen Tradition, die darauf beharrt, daß in der Vergangenheit keine Schande liegt. Ich sehe wenig oder keinen Platz für Moral im Kampf ums Überleben. Und ich sehe auch die Risse, die bereits im westlichen Dünkel entstehen. Diese Gesellschaft, die gegen „Hass“ und stolz auf das „Zusammenkommen“ ist, hat bereits Schwierigkeiten, Leute an Tumulten um Toilettenpapier und in Flaschen abgefülltes Wasser zu hindern. Wenn die bürgerliche Ordnung zusammenbricht, werden die stolzen Feministinnen dann ihre eigenen Ressourcen suchen oder auf einen starken Mann hoffen, der sie beschützt? Falls die Todeszahlen dramatisch steigen, und wenn Ausgangssperrungen und Schließungen verhängt und intensiviert werden, frage ich: Wie gut werden eure geliebten multikulturellen Gesellschaften reagieren? Wenn Ressourcen knapp werden und sie Spannungen steigen, wem werdet ihr vertrauen? Diese Tests kommen.

Wirtschaftlicher und politischer Fallout

Erst vor ein paar Tagen prognostizierte JPMorgan, daß eine Rezession die Volkswirtschaften der USA und Europas bis Juli treffen wird, bei der das US-BIP im ersten Quartal um 2 % schrumpfen wird und um 3 % im zweiten, und das BIP der Eurozone in denselben Zeiträumen um 1,8 % und 3,3 % zurückgehen wird. Die plötzliche Einstellung von Wirtschaftsaktivitäten durch Quarantänen, Absagen von Veranstaltungen, social distancing und die fast vollständige Schließung der Touristenindustrie wird sowohl unmittelbare als auch langfristigere Folgen für Volkswirtschaften und breitere Handelsmuster haben. Die Massenschließung von Schulen wird bereits zuvor existierende Schwächen in einem modernen System enthüllen, bei dem Frauen massenhaft dem Arbeitsplatz zugeführt werden, während ihre Kinder in Kindertagesstätten oder Schulen gelassen werden. Gemäß Zahlen des Bureau of Labor Statistics arbeiten mehr als 70 Prozent der amerikanischen Mütter mit Kindern unter 18. Allein durch die Schließung der Schulen wird COVID-19 fast sicher die größte Auswirkung auf die Rolle von Frauen am Arbeitsplatz seit dem Zweiten Weltkrieg haben, wo viele dazu gezwungen sind, für eine noch unbestimmte Zeit die Arbeit zu verlassen und nach Hause zurückzukehren. Wie sich das auf die Unternehmen oder öffentlichen Einrichtungen auswirken wird, die diese Frauen beschäftigen, wird man noch sehen, aber es wird zweifellos bedeutende Schwierigkeiten verursachen und ein gewisses Maß an Veränderung der Infrastruktur notwendig machen.

Es wird auch prognostiziert, daß COVID-19 die westliche medizinische Versorgung bis an die Grenze auf die Probe stellen wird. Es ist besonders interessant, daß der Ausbruch in Italien das Gesundheitssystem in der Lombardei, das weithin als eines der besten der Welt betrachtet wurde, effektiv kaputtgemacht hat. Vor dem Ausbruch hieß es:

Das Gesundheitssystem der Lombardei, das von Qualität und Effizienz gekennzeichnet ist, ist ein Referenzmodell in Italien und weltweit. Mit dem Vorteil privater Partnerschaften stellt es sicher, daß seine Bürger und diejenigen, die in anderen Regionen oder im Ausland leben, Zugang zu erstklassiger medizinischer Versorgung haben, mit all den Vorteilen eines öffentlichen Systems. Die Lombardei hat 56 medizinische Universitätsinstitute, 19 IRCCS (IRCCS bedeutet ein Institut, das sich der Exzellenz in der klinischen Pflege und Forschung widmet), die 42 % der nationalen Gesamtzahl ausmachen, 47 Institute und 32 Forschungszentren. Als Ergebnis davon haben die Lombardei und insbesondere Mailand immer die berühmtesten Ärzte jedes Fachbereichs angezogen.

COVID-19 brauchte nur vier Wochen, um jedes Spitalsbett in der Lombardei auszuschöpfen, Ärzte zur Rückkehr aus der Pension und Medizinstudenten zu vorzeitigen Abschlüssen zu zwingen und die Errichtung von 500 Triagezelten vor Krankenhäusern im ganzen Land zu verursachen. Die andersartigen und ständig politisierten Gesundheitssysteme der Vereinigten Staaten und Großbritanniens stehen kurz vor dem intensivsten Test in ihrer jeweiligen Geschichte. Eine der freimütigsten Gestalten aus dem Medizinberuf in den sozialen Medien der letzten Tage ist Eugene Gu, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die profitorientierte Natur eines Großteils des amerikanischen medizinischen Establishments anzugreifen. Gu hat argumentiert, daß die amerikanische Medizin im Grunde ein Pyramidenspiel ist, das jenen an der Spitze nützt, indem es die Zahl der vom System hervorgebrachten Ärzte künstlich beschränkt:

Das medizinische Schul- und Niederlassungssystem in den Vereinigten Staaten ist im Vergleich zu anderen Ländern völlig kaputt. Jetzt, wo wir mitten in der Coronavirus-Pandemie stecken, müssen wir über ein Mißbrauchssystem nachdenken, das Patienten schadet und danach strebt, ein paar Spezialisten stinkreich zu machen. Schon vor dem Coronavirus erzeugten wir eine riesige Ärzteknappheit durch Beschränkung der Plätze in den Medizinschulen, um die Gehälter der Ärzte in gleicher Weise aufzublähen, wie De Beers den Diamantenmarkt bestimmt. Und wir haben die Grundversorgung ausgeweidet, damit Spezialisten die plastische Chirurgen und Dermatologen reich werden können. Ich legte einen Eid ab, „als erstes keinen Schaden zuzufügen.“ Ich kann nicht einfach danebenstehen und zusehen, wie der korrupte Sumpf, den wir unser amerikanisches Medizinsystem nennen, unsere Patienten im Stich läßt, während ein paar Ärzte, Versicherungsmanager und Big Pharma stinkreich werden. Die Medizin sollte keine profitorientierte Industrie sein.

Ob man nun Gus Sichtweise zustimmt oder nicht, die kommenden Wochen und Monate werden die profitorientierte amerikanische Medizin und Britanniens verstaatlichtes Gesundheitssystem auf die Probe stellen und vielleicht beiden langfristige politische Vermächtnisse hinterlassen.

Politische Konsequenzen werden auch unvermeidlich aus den Ansätzen einzelner Führer für die Krise resultieren. Boris Johnson riskiert seine politische Zukunft für eine Strategie der „Herdenimmunität“, die sich radikal von dem Handlungsweg unterscheidet, den andere Führer verfolgen. Sie ist als etwas kritisiert worden, das die ältere Generation für eine etwas verlängerte Periode der wirtschaftlichen Normalität und eine gänzlich auf Annahmen beruhende zukünftige Immunität für die Jungen opfert. Donald Trump versucht währenddessen schnell, sich von einer sehr wegwerfenden anfänglichen Reaktion auf den Ausbruch wegzubewegen. In beiden Fällen und im gesamten Westen wird der gemäßigt „konservative“ Populismus, der auf dem Feiern des Finanzkapitalismus und symbolischen Gesten an den Grenzen beruht, durch zunehmende Belastungen in allen Aspekten des gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Lebens bis ans Limit getestet werden. Insbesondere Trump hat es geschafft, eine Menge politischen Schub aus der Leistung des Aktienmarktes zu holen. Wo jetzt die Aktien taumeln und das amerikanische Gesundheitssystem ans Limit gedrückt wird, bleibt noch abzuwarten, ob Trumps Vorstoß, schwulen Sex in Afrika legal zu machen, genügen wird, um seine Wähler zufrieden zu halten.

In einer weiteren Rückkehr des Wirklichen trägt COVID-19 natürlich mehr zur Schließung von Grenzen bei, als das irgendeine Äußerung von politischem Populismus jemals getan hat. Es war alles gut und schön, daß „die Welt ein Dorf ist“, wenn dazu billige und fröhliche Ferien gehörten, aber es genügten ein paar Häuser in den Leiden der Krankheit, damit die restlichen Dorfbewohner wünschten, es gäbe etwas, wohin sie flüchten könnten. Das globale Dorf macht dicht. Alle Menschen mögen gleichermaßen anfällig für dieses Virus sein, aber es zeigt sich nun, daß nationale Grenzen, die bis vor Kurzem so oft geschmäht wurden, doch vielleicht einigen Nutzen haben könnten – wovon einer die unschätzbare Möglichkeit ist, ein begrenztes Territorium abzuschließen und zu kontrollieren. Wie die Menschen sich an diese erneuerte Betonung der Grenzkontrolle gewöhnen, könnte dem Westen ebenfalls ein dauerhaftes politisches Vermächtnis hinterlassen. Auf jeden Fall können wir nur hoffen, daß es das tun wird.

Schlußwort

Nachdem die Ereignisse sich so schnell bewegen, schließe ich mit dem bedrückenden Gefühl, daß ich sowohl zu viel und zu wenig geschrieben habe. Die am Anfang dieses Essays präsentierten Zahlen werden zu der Zeit, wo er veröffentlicht wird, überflüssig sein, aber ich denke doch, daß einige der Anregungen im Hauptteil für einige Zeit relevant bleiben werden. Ich wünsche allen unseren Lesern viel Glück und Gesundheit in den kommenden Wochen und Monaten. Möge die Schwierigkeit für den Globalismus zur Chance des Dissidenten werden.

*   *   *   *   *   *   *

Siehe auch:

Coronakrisen-Taverne… von mir

Der globale Tiefe Überstaat und seine Harke von Luftpost

COVID-19 timeline von Dr. Peter Baggins

*     *     *

Neue Kommentarpolitik auf „Morgenwacht“: Wie bereits hier unter Punkt 1 angekündigt, am Schluß dieses Kommentars wiederholt als Absicht geäußert und in diesem Kommentar endgültig festgelegt, werden neue Kommentatoren nicht mehr zugelassen und sind die Kommentarspalten nur noch für die bereits bekannte Kommentatorenrunde offen.

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5 Kommentare

  1. B-Mashina

     /  März 26, 2020

    Interessant:

    Der Verzehr „exotischer“ Nahrungsmittel ist selbst ein Vermächtnis der Großen chinesischen Hungersnot von 1959 – 1961, nach der die Regierung private Landwirtschaft erlaubte, aber nicht das Monopol großer Firmen auf die Zucht von konventionellem Vieh verhinderte.

    Ja richtig, Mao, da war was! Aber irgendwie dünkt es mir doch, dass diese Ernährungsweisen tiefer in den kulturellen Traditionen Chinas wurzelten und der Autor alles auf den Kommunismus als „ultimativem Übel“ schieben, und die Chinesen irgendwie reinwaschen möchte. Ich meine doch, dass zumindest in der südchinesischen, „kantonesischen“ Küche „Exoten“ schon von jeher dazugehörten. Ist überhaupt so eine Sache mit dem „exotischen“ – was dem einen als „exotisch“ gilt ist dem anderen sein täglich Brot. Aus chinesischer Sicht ist es auch „exotisch“ das Drüsensekret von Wiederkäuern zu trinken oder zu essen -war da nicht mal was, dass die Chinesen ganz wild auf die „exotischen“ Milchprodukte aus dem Westen waren und diese massenhaft aufkauften obwohl die das gar nicht vertrugen? Gab‘ s da nicht auch mal so ein Skandälchen in China wegen an gepanschten Milchprodukten verstorbenen Kindern?
    China ist ja auch nicht ganz so monolithisch wie oft, nicht zuletzt durch die dortige Staatspropaganda, glauben gemacht werden soll. Gerade was die Ernährung betrifft gibt es da schon erhebliche Unterschiede, angefangen damit, dass sie im Süden auf Reis, weiter nördlich, so wie auch im Westen, auf Getreide basiert. Kann ja sein, dass diese „Exotennahrung“, also die Nutzung aller möglichen Proteinquellen, durch die Hungersnot unter Mao über weite Landesteile verbreitet wurde, wo sie ursprünglich nicht so üblich war. Wie ja auch die Ernährung selbst überall auf dem Planeten maßgeblich von Umweltbedingungen und Verfügbarkeiten bestimmt wird, was speziell für Krisenzeiten gilt. Es gab ja auch in Deutschland mal Hundemetzger, und Pferdefleisch, Schnecken und Froschschenkel sind wohl auch heute noch für viele Nicht-Franzosen und -Badenser ziemlich „exotisch“. Wobei ich jetzt auch nichts hinsichtlich kultureller oder biologischer Unterschiede und erst recht nichts hinsichtlich des „großen Vorsitzenden“ relativieren möchte, mir ging es im wesentlichen um dieses Ding, die „Exotennahrung“ allein Mao zuzuschreiben. Erinnert irgendwie entfernt an das auch unter „Rechten“ sehr beliebte politkorrekte Märchen, die Weißen, bzw. natürlich die bösen „Angelsachsen“, hätten das Skalpieren in Amerika eingeführt. Dabei war diese Form der Trophäenjagd dort nachweislich von jeher üblich, wenn auch nicht überall, und die Weißen verbreiteten diese Technik („Skalpprämien“ etc.) lediglich in Gegenden, in denen sie vorher nicht angewandt wurde. Was bin ich gerade in „rechten“ Kreisen schon angegangen worden wegen solch kleiner Richtigstellungen, mit denen nur der antiweiße Mythos korrigiert werden sollte, der da als solcher überhaupt nicht erkannt wurde!

    Antworten
  2. B-Mashina

     /  März 26, 2020

    Was mir dazu noch einfällt: Auf dem Stormer des ja vorgeblich so überaus chinaaffinen Andrew Anglin gab es auch immer wieder mal flammende antichinesische Hassartikel. So z.B. dass die Chinesen wie Heuschrecken die Erde kahlfressen würden und nicht zuletzt wegen ihrer Ernährungsweise und der TCM (Traditionelle chinesische Medizin) eine Gefahr für die gesamte Biosphäre darstellten, dazu grausam, hinterlistig, subversiv, nicht vertrauenswürdig seien, das alles mit entsprechenden Karikaturen usw. versehen und dabei nicht total ohne alle Berechtigung, aber doch grotesk überzogen. Z.B. wurde ein Video gezeigt, in dem ein Hund inmitten lässig herumhockender Männer aus einem über kleiner Flamme dampfenden Kochtopf sprang. Der Hund wäre natürlich gerade mal dem schröcklichen Schicksal des lebendig Gekochtwerdens fürs erste entronnen, während die fiesen Chinamänner höhnisch dazu lachten. Allein, der Hund machte einen ganz entspannten Eindruck, schüttelte sich das Wasser aus dem Pelz, leckte sich die Pfoten und wirkte überhaupt nicht sonderlich angesengt. Das hielt die Stormer-Community aber nicht davon ab, vor Mitleid mit der vermeintlich gequälten Kreatur überzufließen und gleichzeitig die schäumendsten Hass-Reden (in dem Fall kann man das wirklich so nennen!) wider das Chinesenpack zu schwingen. Auf Youtube war es nicht viel anders, allerdings kam da jemand mit einer rationalen und wohl zutreffenden Erklärung für die Szene: der Hund sollte nicht totgekocht und gegessen werden, das gezeigte Verfahren sei lediglich der Behandlung von Räude geschuldet und unter der dortigen ärmeren Landbevölkerung nicht unüblich. Das Wasser sei zwar sicher notwendigerweise heiß, aber doch weit vom Siedepunkt entfernt gewesen, was das relaxte Verhalten des Tieres zur Genüge erkläre. Tja, dem konnte ich nichts hinzufügen.

    Antworten
  3. Ich hatte das bisher auch so mitbekommen, daß das Prinzip „der Chinese ißt alles, was mit dem Rücken nach oben geht“ viel ältere kulturelle Wurzeln hat. Deshalb hat mich der von Andrew Joyce geschilderte Zusammenhang mit der Großen chinesischen Hungersnot, die aus dem sogenannten „Großen Sprung nach vorn“ entstand, überrascht. Es könnte tatsächlich sein, daß diese Hungersnot eine Verbreitung von in Teilen Chinas schon länger üblichen seltsamen Eßgewohnheiten auch in anderen Landesteilen bewirkt hat, wo sie bis dahin nicht gepflogen wurden.

    Und ich denke auch, daß das, was sich uns heute als das scheinbar so einheitliche Volk der Han präsentiert, über die Jahrtausende seit dem „Ersten Kaiser“ durch die Imperialismen der verschiedenen Herrscher oberflächlich zwangsintegriert wurde, während es immer noch verbliebene Unterschiede gibt.

    Irgendwo habe ich auch vor Jahren einmal von einem Gegensatz zwischen dem mehr dem Meer zugewandten „Blauen China“ im Süden und dem landorientierteren „Gelben China“ im Norden gelesen, und daß die Nordchinesen durchschnittlich größer und ruhiger sein sollen, während die Südchinesen lebhafter und kleinwüchsiger seien. Innerhalb dieser groben Zweiteilung wird es auch noch kleinere Unterteilungen bzw. regionale Unterschiede geben.

    (Anderes Thema: Slipknothbasti ist ein selbsterklärtes Mißbrauchsopfer.)

    Antworten
  4. Waffenschmied

     /  März 26, 2020

    Hallo Kameraden!

    In einem anderem Kommentarbereich hab ich mal in etwa gelesen: „Wenn wir den Chinesen glaubhaft einreden könnten, daß der Verzehr von Moslemfleisch gut für die Potenz und das Yang ist, hätten wir ein wesentliches Problem erledigt.“
    (sinngemäßes Zitat, no racism intended)

    Aus der Praxis: ich arbeite nunmal in der Immobilienwirtschaft, und wir mussten mal ein Chinarestaurant räumen. Was wir da im Keller vorgefunden haben, spottet jeder Beschreibung, ich denk nur an grüne Pekingente. Nee, bitte in Zukunft nur noch Leichenwohnungen!

    Antworten

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